{"id":61448,"date":"2013-12-19T17:44:18","date_gmt":"2013-12-19T15:44:18","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=61448"},"modified":"2013-12-19T17:44:18","modified_gmt":"2013-12-19T15:44:18","slug":"x-k-13-12-unangemessene-dauer-eines-finanzgerichtlichen-klageverfahrens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-k-13-12-unangemessene-dauer-eines-finanzgerichtlichen-klageverfahrens\/","title":{"rendered":"X&nbsp;K&nbsp;13\/12 &#8211; Unangemessene Dauer eines finanzgerichtlichen Klageverfahrens"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Entscheidung vom 7.11.2013, X K 13\/12<\/p>\n<p class=\"titel\">Unangemessene Dauer eines finanzgerichtlichen Klageverfahrens<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Die Dauer eines Gerichtsverfahrens ist nur dann &quot;unangemessen&quot; i.S des &sect; 198 GVG, wenn eine deutliche &Uuml;berschreitung der &auml;u&szlig;ersten Grenze des Angemessenen feststellbar ist.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Die gem&auml;&szlig; &sect; 198 Abs. 1 Satz 2 GVG im Vordergrund stehende Einzelfallbetrachtung schlie&szlig;t es aus, konkrete Fristen f&uuml;r die Gesamtdauer eines Verfahrens zu bezeichnen, bei deren &Uuml;berschreitung die Verfahrensdauer als unangemessen anzusehen ist. Allerdings spricht bei einem finanzgerichtlichen Klageverfahren, das im Vergleich zu dem bei derartigen Verfahren typischen Ablauf keine wesentlichen Besonderheiten aufweist, eine Vermutung daf&uuml;r, dass die Dauer des Verfahrens angemessen ist, wenn das Gericht gut zwei Jahre nach dem Eingang der Klage mit Ma&szlig;nahmen beginnt, die das Verfahren einer Entscheidung zuf&uuml;hren sollen, und die damit begonnene Phase der gerichtlichen Aktivit&auml;t nicht durch nennenswerte Zeitr&auml;ume unterbrochen wird, in denen das Gericht das Verfahren unbearbeitet l&auml;sst.<\/p>\n<\/p>\n<p>3. Die genannte Angemessenheitsvermutung steht stets unter dem Vorbehalt der Betrachtung der besonderen Umst&auml;nde des Einzelfalls. Sie gilt insbesondere nicht, wenn ein Verfahrensbeteiligter das Gericht rechtzeitig und in nachvollziehbarer Weise auf Gr&uuml;nde hinweist, die f&uuml;r eine besondere Eilbed&uuml;rftigkeit des Verfahrens sprechen. Unabh&auml;ngig davon verdichtet sich mit zunehmender Verfahrensdauer die Pflicht des Gerichts, sich nachhaltig um eine F&ouml;rderung, Beschleunigung und Beendigung des Verfahrens zu bem&uuml;hen.<\/p>\n<\/p>\n<p>4. In einem Verfahren, das im Zeitpunkt des Inkrafttretens des &Uuml;berlVfRSchG (3. Dezember 2011) bereits verz&ouml;gert war, gilt eine Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge als unverz&uuml;glich nach Inkrafttreten dieses Gesetzes erhoben und wahrt damit gem&auml;&szlig; Art. 23 Satz 2 und 3 &Uuml;berlVfRSchG Entsch&auml;digungsanspr&uuml;che auch f&uuml;r die Zeit vor Inkrafttreten des Gesetzes, wenn sie sp&auml;testens drei Monate nach Inkrafttreten des Gesetzes beim Ausgangsgericht eingeht.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Kl&auml;ger begehrt gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;198 des Gerichtsverfassungsgesetzes (GVG) Entsch&auml;digung wegen der von ihm als unangemessen angesehenen Dauer eines vom 20.&nbsp;Februar 2004 (Klageeingang) bis zum 8.&nbsp;November 2012 (Kostenbeschluss nach Erledigung der Hauptsache) vor dem Finanzgericht (FG) Baden-W&uuml;rttemberg anh&auml;ngigen Klageverfahrens.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dem Ausgangsverfahren liegt der folgende Sachverhalt zugrunde: W&auml;hrend der Kl&auml;ger seinen Lebensmittelpunkt durchg&auml;ngig in Deutschland hatte, verzog seine Ehefrau (E) mit den drei gemeinsamen Kindern im Jahr 2000 nach Nordirland. Dort besuchten die Kinder seitdem die Schule. Der Kl&auml;ger trug w&auml;hrend des Verfahrens vor, er sei an jedem Wochenende nach Nordirland geflogen, um seine Familie zu besuchen. Die Ferien h&auml;tten E und die Kinder bei ihm in Deutschland verbracht. Einkommensteuerrechtlich wurden der Kl&auml;ger und E in Deutschland zusammen veranlagt, weil E auf ihren Antrag gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 des Einkommensteuergesetzes (EStG) als unbeschr&auml;nkt steuerpflichtig behandelt wurde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Bis einschlie&szlig;lich Januar 2001 hatte E das Kindergeld bezogen. Im Jahr 2001 beantragte der Kl&auml;ger bei der Familienkasse (der Beklagten des Ausgangsverfahrens) Kindergeld f&uuml;r seine drei in Nordirland lebenden Kinder. Die Familienkasse lehnte dies mit Bescheid vom 9.&nbsp;August 2002 zun&auml;chst mit der Begr&uuml;ndung ab, die Kinder h&auml;tten weder einen Wohnsitz noch ihren gew&ouml;hnlichen Aufenthalt im Inland. W&auml;hrend des anschlie&szlig;enden Einspruchsverfahrens erlie&szlig; die Familienkasse am 27.&nbsp;September 2002 Teilabhilfebescheide. Darin setzte sie zugunsten des Kl&auml;gers dem Grunde nach Kindergeld fest, k&uuml;rzte dessen H&ouml;he jedoch um die kindergeld&auml;hnlichen Leistungen (child benefit), die E nach Auffassung der Familienkasse im Vereinigten K&ouml;nigreich zustanden. Im fortgef&uuml;hrten Einspruchsverfahren behauptete der Kl&auml;ger, E erhalte in Nordirland kein Kindergeld. Auf die Bitte der Familienkasse, dies nachzuweisen, legte er eine Bescheinigung der f&uuml;r die Zahlung des child benefit in Nordirland zust&auml;ndigen Beh&ouml;rde (Child Benefit Office &#8211;CBO&#8211;) vor, aus der sich ergab, dass E bisher keinen Antrag auf diese Leistung gestellt habe. Die Familienkasse wies den Einspruch am 29.&nbsp;Januar 2004 mit der Begr&uuml;ndung zur&uuml;ck, E habe nach dem Recht des Vereinigten K&ouml;nigreichs einen Anspruch auf child benefit. Es komme nicht darauf an, dass die entsprechenden Leistungen mangels Antragstellung nicht ausgezahlt w&uuml;rden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen erhob der Kl&auml;ger am 20.&nbsp;Februar 2004 Klage. Diese st&uuml;tzte er auf seine &#8211;bereits w&auml;hrend des Verwaltungs- und Einspruchsverfahrens vertretene&#8211; Auffassung, der Anspruch auf ungek&uuml;rztes deutsches Kindergeld folge bereits daraus, dass sowohl er als auch E und die drei Kinder in Deutschland unbeschr&auml;nkt einkommensteuerpflichtig seien. Der &#8211;f&uuml;r das Verfahren zugleich als Berichterstatter zust&auml;ndige&#8211; damalige Vorsitzende des FG-Senats erteilte dem Kl&auml;ger am 7.&nbsp;Juni 2004 einen rechtlichen Hinweis, wonach es f&uuml;r die Frage, ob ausl&auml;ndische Familienleistungen anzurechnen seien, nicht auf eine etwaige unbeschr&auml;nkte Steuerpflicht in Deutschland ankomme. Er bat den Kl&auml;ger darum, sich mit der als schl&uuml;ssig anzusehenden Auffassung der Familienkasse auseinanderzusetzen. Ferner bat er um Darstellung, weshalb E in Nordirland keinen Anspruch auf child benefit habe, sowie um Vorlage eines entsprechenden Ablehnungsbescheids der dortigen Beh&ouml;rde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger erkl&auml;rte daraufhin, E habe in Nordirland einen entsprechenden Antrag gestellt; eine &quot;formale Ablehnung&quot; liege jedoch nicht vor. Er bat um eine angemessene Frist zur Beschaffung einer entsprechenden Bescheinigung aus Nordirland. Der Senatsvorsitzende erteilte dem Kl&auml;ger am 2.&nbsp;Februar 2005 einen weiteren rechtlichen Hinweis und fragte am 24.&nbsp;M&auml;rz 2005 bei der Familienkasse an, ob auf der Grundlage von deren zwischenzeitlich pr&auml;zisierter Rechtsauffassung eine Teilabhilfe m&ouml;glich sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Damit endeten die gerichtlichen Aktivit&auml;ten zun&auml;chst. Der bisherige Senatsvorsitzende trat in den Ruhestand ein; bis Anfang 2008 wechselte der f&uuml;r das Verfahren zust&auml;ndige Berichterstatter insgesamt vier Mal. Auch in diesem Zeitraum reichten der Kl&auml;ger und die Familienkasse allerdings zahlreiche Schrifts&auml;tze beim FG ein; dieses beschr&auml;nkte sich auf die Weiterleitung der Schrifts&auml;tze an den jeweils anderen Beteiligten. Am 3.&nbsp;April 2006 teilte die Familienkasse mit, sie habe die Verbindungsstelle in Nordirland um rechtliche Beurteilung gebeten und werde das FG unterrichten, sobald die Antwort vorliege. Am 12.&nbsp;Oktober 2006 &uuml;bersandte die Familienkasse dem FG eine Zwischennachricht des CBO vom 19.&nbsp;September 2006. Danach habe dort kein Vorgang gefunden werden k&ouml;nnen. Das CBO habe gegen&uuml;ber E angeregt, einen Antrag auf child benefit zu stellen und werde sich nach Eingang einer Antwort melden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG wurde wieder t&auml;tig, indem es am 13.&nbsp;November 2007, 10.&nbsp;Januar 2008 und 20.&nbsp;Februar 2008 drei Sachstandsanfragen an die Familienkasse richtete. Die Familienkasse erkl&auml;rte, bisher liege keine Antwort des CBO vor. Nachdem weitere 14&nbsp;Monate verstrichen waren, beraumte das FG am 17.&nbsp;April 2009 einen Er&ouml;rterungstermin f&uuml;r den 15.&nbsp;Mai 2009 an. In diesem Termin &uuml;berreichte die Berichterstatterin Ausdrucke der Internetseiten des CBO zu den Voraussetzungen des child benefit. Die Familienkasse erkl&auml;rte, sie werde das volle Kindergeld zahlen, wenn feststehe, dass im Wohnsitzland der Kinder kein Anspruch auf child benefit bestehe. Der Kl&auml;ger erkl&auml;rte, E werde innerhalb eines Monats in Nordirland auf amtlichem Vordruck einen Antrag auf child benefit stellen und die Antragstellung gegen&uuml;ber dem FG nachweisen. Die Berichterstatterin setzte ihm hierf&uuml;r eine Frist gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;79b der Finanzgerichtsordnung (FGO). Die Beteiligten erkl&auml;rten sich damit einverstanden, dass das Verfahren ab dem Eingang des Nachweises &uuml;ber die Antragstellung bis zur Entscheidung &uuml;ber diesen Antrag ruhen solle.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nachdem der Kl&auml;ger die Antragstellung nachgewiesen hatte, beschloss die Berichterstatterin am 15.&nbsp;Juni 2009 das Ruhen des Verfahrens bis zur Entscheidung &uuml;ber den Antrag der E und sandte die Kindergeldakte am 26.&nbsp;Juni 2009 an die Familienkasse zur&uuml;ck. In der Folgezeit erkundigte sich das FG mehrfach beim Kl&auml;ger nach dem Sachstand. Nachdem dieser keine Reaktion des CBO mitteilen konnte, regte das FG am 6.&nbsp;April 2010 an, dass die Familienkasse &uuml;ber ihre Verbindungsstelle anfrage, wie der Antrag der E beschieden worden sei. Die Familienkasse stellte am 10.&nbsp;Mai 2010 eine entsprechende Anfrage.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das CBO antwortete am 31.&nbsp;August 2010, sie habe den Antrag der E am 30.&nbsp;M&auml;rz 2010 abgelehnt, weil kein Anspruch auf child benefit bestehe. Dieses Antwortschreiben ging am 15.&nbsp;September 2010 bei der Familienkasse ein, wurde dort aber unbearbeitet zur Kindergeldakte genommen. Gleiches geschah mit einer zweiten Ausfertigung des Antwortschreibens, die am 14.&nbsp;Oktober 2011 bei der Familienkasse einging.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG, aus dessen Sicht die Antwort des CBO noch ausstand, richtete am 16.&nbsp;Februar 2011 das folgende Schreiben an die Familienkasse: &quot;Wie soll verfahren werden? Erledigung innerhalb von 1 Monat&quot;. Am 11.&nbsp;Mai 2011 beschloss das FG die Aufnahme des Verfahrens und fasste einen Beweisbeschluss, wonach das Ausw&auml;rtige Amt erkl&auml;ren solle, wie das CBO &uuml;ber den Antrag der E auf Gew&auml;hrung von child benefit entschieden habe. Nachdem das Ausw&auml;rtige Amt sich umgehend f&uuml;r unzust&auml;ndig erkl&auml;rt hatte, schrieb das FG am 25.&nbsp;Mai 2011 an die Beteiligten: &quot;Ich bitte um Vorschl&auml;ge, wie weiter verfahren werden soll.&quot;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger erkl&auml;rte, er begehre eine Entscheidung nach Aktenlage; die Familienkasse teilte mit, der Fall werde der Zentrale der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit in N&uuml;rnberg berichtet, was allerdings letztlich ergebnislos blieb. Am 8.&nbsp;August 2011 r&uuml;gte der Kl&auml;ger die &uuml;berlange Verfahrensdauer im Hinblick auf den seinerzeit von den gesetzgebenden K&ouml;rperschaften beratenen Entwurf des Gesetzes &uuml;ber den Rechtsschutz bei &uuml;berlangen Gerichtsverfahren und strafrechtlichen Ermittlungsverfahren (&Uuml;berlVfRSchG). Am 10.&nbsp;August 2011 bat das FG den Kl&auml;ger, eine Bescheinigung des CBO vorzulegen, wonach keine Familienleistungen bezogen w&uuml;rden. Der Kl&auml;ger reichte eine solche Bescheinigung am 6.&nbsp;Dezember 2011 beim FG ein, das sie kommentarlos und ohne Fristsetzung der Familienkasse zur Stellungnahme &uuml;bersandte. Am 16.&nbsp;Januar 2012 richtete das FG eine Sachstandsanfrage an die Familienkasse. Am 16.&nbsp;Februar 2012 ging beim FG ein Schriftsatz des Kl&auml;gers vom 15.&nbsp;Februar 2012 ein, in dem es u.a. hie&szlig;: &quot;Da sich das Verfahren mittlerweile seit Klageerhebung mit Klageschrift vom 16.02.2004 hinzieht, erscheint eine klare Richtungsvorgabe gegen&uuml;ber dem Beklagten gerechtfertigt. Gelingt dies nicht, muss die Entscheidung des Europ&auml;ischen Gerichtshofs f&uuml;r Menschenrechte vom 02.09.2010 46344\/06, Rumpf, NJW 2010, 3355 und die mittlerweile geschaffene Rechtsgrundlage Anwendung finden.&quot;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Familienkasse erkl&auml;rte mit Schreiben vom 19.&nbsp;M&auml;rz 2012 &quot;abschlie&szlig;end&quot;, rechtlich bestehe im Vereinigten K&ouml;nigreich allein aufgrund des dortigen Wohnsitzes der E und der drei Kinder ein Anspruch auf child benefit. Die fehlende R&uuml;ckmeldung des CBO sei kein Indiz f&uuml;r das Fehlen eines solchen Anspruchs. &quot;Etwaig&quot; m&uuml;sse das FG &uuml;ber das Bestehen eines Anspruchs in Nordirland entscheiden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit einem am 23.&nbsp;M&auml;rz 2012 beim FG eingegangenen Schreiben vom 21.&nbsp;M&auml;rz 2012 erhob der Kl&auml;ger &quot;in Erg&auml;nzung zum Schreiben vom 15.02.2012&quot; ausdr&uuml;cklich Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge und k&uuml;ndigte die Einleitung eines Entsch&auml;digungsklageverfahrens beim Bundesfinanzhof (BFH) an. Daraufhin forderte das FG bei der Familienkasse die Kindergeldakte wieder an, die am 26.&nbsp;April 2012 beim FG einging. In der Folgezeit bat das FG angesichts des Umstands, dass die bisherigen europarechtlichen Regelungen &uuml;ber die Zust&auml;ndigkeit f&uuml;r die Gew&auml;hrung von Familienleistungen in grenz&uuml;berschreitenden F&auml;llen mit Wirkung zum 1.&nbsp;Mai 2010 ge&auml;ndert worden waren, die Beteiligten um Stellungnahme zum Kindergeldanspruch ab Mai 2010. Im Verlauf des sich hierzu entwickelnden Schriftwechsels regte das FG an, den Rechtsstreit, soweit er die Zeit ab Mai 2010 betreffe, zum Ruhen zu bringen, abzutrennen oder au&szlig;erhalb des Klageverfahrens im Verwaltungsverfahren zu bearbeiten. Der Kl&auml;ger erkl&auml;rte daraufhin am 30.&nbsp;Juli 2012 die R&uuml;cknahme der Klage f&uuml;r die Zeitr&auml;ume ab Mai 2010. Ferner holte das FG das Einverst&auml;ndnis der Beteiligten mit einer Entscheidung durch die Berichterstatterin und ohne m&uuml;ndliche Verhandlung ein.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 15.&nbsp;August 2012 bemerkte die Berichterstatterin, dass in der &#8211;ihr seit dem 26.&nbsp;April 2012 wieder vorliegenden&#8211; Kindergeldakte das Antwortschreiben des CBO vom 31.&nbsp;August 2010 abgeheftet war. Sie bat die Familienkasse um vollst&auml;ndige Vorlage des Vorgangs sowie um Mitteilung, weshalb dieses Schreiben dem Gericht nicht unverz&uuml;glich &uuml;bermittelt worden sei. Daraufhin erkl&auml;rte die Familienkasse, dem Begehren des Kl&auml;gers f&uuml;r Anspruchszeitr&auml;ume bis zum Zugang der Einspruchsentscheidung (M&auml;rz 2001 bis Februar 2004) innerhalb des Klageverfahrens und f&uuml;r die sp&auml;teren Anspruchszeitr&auml;ume (M&auml;rz 2004 bis April 2010) au&szlig;erhalb des Klageverfahrens abhelfen zu wollen. Nach Ergehen entsprechender Abhilfebescheide vom 16.&nbsp;Oktober 2012 erkl&auml;rten die Familienkasse und der Kl&auml;ger den Rechtsstreit in der Hauptsache f&uuml;r erledigt. Mit Kostenbeschluss vom 8.&nbsp;November 2012, der am 12.&nbsp;November 2012 mit einfachem Brief versandt wurde, legte das FG der Familienkasse die Kosten des Verfahrens auf.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger hat am 21.&nbsp;November 2012 die vorliegende Entsch&auml;digungsklage erhoben. Ausgehend von einer als &uuml;blich anzusehenden Verfahrensdauer von drei Jahren begehrt er f&uuml;r einen Zeitraum von 68&nbsp;Monaten eine Entsch&auml;digung f&uuml;r Nichtverm&ouml;gensnachteile in H&ouml;he von 7.200&nbsp;EUR. Ferner begehrt er Ersatz f&uuml;r &Uuml;berziehungszinsen, die seinem privaten Girokonto w&auml;hrend des Klageverfahrens belastet worden sind und die er in H&ouml;he von 14.985,16&nbsp;EUR auf die verz&ouml;gerte Auszahlung des Kindergelds zur&uuml;ckf&uuml;hrt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Er ist der Auffassung, eine detaillierte Untersuchung der einzelnen Verfahrensabschnitte er&uuml;brige sich, weil vorliegend sogar die vom Europ&auml;ischen Gerichtshof f&uuml;r Menschenrechte (EGMR) mit acht Jahren angesetzte absolute H&ouml;chstdauer f&uuml;r ein instanzgerichtliches Verfahren &uuml;berschritten sei. Im Rahmen der Pr&uuml;fung der Angemessenheit der Verfahrensdauer sei der staatlichen Seite auch das Verhalten der beteiligten Beh&ouml;rden zuzurechnen. Dies gelte nicht nur f&uuml;r die deutsche Familienkasse, sondern auch f&uuml;r die ausl&auml;ndischen Beh&ouml;rden, da die gegenteilige Handhabung dem &quot;Gedanken der Europ&auml;ischen Einheit&quot; widersprechen w&uuml;rde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt,<br \/>den Beklagten zu verurteilen, dem Kl&auml;ger wegen der &uuml;berlangen Dauer des Verfahrens vor dem FG Baden-W&uuml;rttemberg 13&nbsp;K&nbsp;50\/04 (sp&auml;ter 13&nbsp;K&nbsp;1691\/11 und 6&nbsp;K&nbsp;1691\/11) eine Entsch&auml;digung in H&ouml;he von 22.185,16&nbsp;EUR zu zahlen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte beantragt,<br \/>die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Er h&auml;lt die Klage bereits f&uuml;r unzul&auml;ssig, weil die &#8211;zwingend erforderliche&#8211; Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge nicht i.S. des Art.&nbsp;23 Satz&nbsp;2 &Uuml;berlVfRSchG &quot;unverz&uuml;glich&quot; nach Inkrafttreten dieses Gesetzes (3.&nbsp;Dezember 2011) erhoben worden sei. Hierf&uuml;r sei als Obergrenze in der Regel ein Zeitraum von zwei Wochen anzusehen. Die erst am 23.&nbsp;M&auml;rz 2012 beim FG eingegangene Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge sei daher erheblich versp&auml;tet gewesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Jedenfalls sei die Klage unbegr&uuml;ndet, weil die Verfahrensdauer nicht unangemessen gewesen sei. Der Fall sei sowohl rechtlich als auch tats&auml;chlich &auml;u&szlig;erst komplex gewesen. Das CBO und die nordirische Verbindungsstelle der Familienkasse h&auml;tten Anfragen nur sehr z&ouml;gerlich beantwortet. Zudem m&uuml;sse die richterliche Unabh&auml;ngigkeit beachtet werden. Danach seien Umst&auml;nde, die typischerweise Auspr&auml;gungen richterlichen Handelns und Entscheidens seien, keiner abweichenden W&uuml;rdigung durch das Entsch&auml;digungsgericht zug&auml;nglich. Die beim FG seit 2008 zust&auml;ndige Berichterstatterin sei sehr bem&uuml;ht gewesen, zur Vermeidung des Eintritts der Festsetzungsverj&auml;hrung in die Entscheidung auch die nach Erlass der Einspruchsentscheidung liegenden Anspruchszeitr&auml;ume einzubeziehen, obwohl dies nach der BFH-Rechtsprechung nicht erforderlich gewesen w&auml;re. Soweit damit eine Verfahrensverz&ouml;gerung verbunden gewesen sei, w&auml;re es unbillig, diesen Umstand im Entsch&auml;digungs-Rechtsstreit zum Vorteil des Kl&auml;gers zu w&uuml;rdigen. Dem Kl&auml;ger sei anzulasten, dass er zun&auml;chst unzutreffend behauptet habe, in Nordirland sei ein Antrag auf child benefit gestellt worden. Dieser Vortrag habe sich erst im Er&ouml;rterungstermin &#8211;nach mehr als f&uuml;nfj&auml;hriger Verfahrensdauer&#8211; als unzutreffend herausgestellt, so dass der Antrag habe nachgeholt werden m&uuml;ssen. Das FG habe zudem nicht zu vertreten, dass die Familienkasse die R&uuml;ckantwort des CBO vom 31.&nbsp;August 2010 nicht unverz&uuml;glich an das Gericht &uuml;bermittelt habe. Zudem habe das FG h&auml;ufig auf Bescheinigungen warten m&uuml;ssen, die der Kl&auml;ger habe einreichen m&uuml;ssen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Der Senat entscheidet gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;99 Abs.&nbsp;1 FGO durch Zwischenurteil vorab &uuml;ber den Grund des Entsch&auml;digungsanspruchs. Insoweit ist der Rechtsstreit zur Entscheidung reif, w&auml;hrend die Entscheidung &uuml;ber die H&ouml;he der geltend gemachten Entsch&auml;digung f&uuml;r materielle Nachteile (&Uuml;berziehungszinsen) wegen der Notwendigkeit weiterer Sachverhaltsermittlungen noch nicht ergehen kann und dem Endurteil vorbehalten bleibt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger hat die erforderliche Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge noch &quot;unverz&uuml;glich&quot; nach dem Inkrafttreten des &Uuml;berlVfRSchG erhoben (dazu unter 1.). Die Dauer des Ausgangsverfahrens war unangemessen; allerdings betrifft die Verz&ouml;gerung einen Zeitraum von 43&nbsp;Monaten statt der vom Kl&auml;ger genannten 68&nbsp;Monate (unter 2.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Der Kl&auml;ger hat im Ausgangsverfahren eine Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge so rechtzeitig angebracht, dass auch Entsch&auml;digungsanspr&uuml;che f&uuml;r die Zeit vor dem Inkrafttreten des &Uuml;berlVfRSchG gewahrt sind. Die Frage der Erhebung bzw. Rechtzeitigkeit einer Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge betrifft entgegen der Auffassung des Beklagten nicht die Zul&auml;ssigkeit, sondern allein die Begr&uuml;ndetheit der Entsch&auml;digungsklage (unter a). Zwar kann der vom Kl&auml;ger bereits vor Inkrafttreten des &Uuml;berlVfRSchG angebrachte Hinweis auf die Verfahrensdauer nicht als Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge i.S. des &sect;&nbsp;198 Abs.&nbsp;3 GVG angesehen werden (unter b). Jedoch ist das Schreiben des Kl&auml;gers vom 15.&nbsp;Februar 2012 als Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge auszulegen (unter c). Diese R&uuml;ge ist noch als &quot;unverz&uuml;glich&quot; nach Inkrafttreten des &Uuml;berlVfRSchG erhoben anzusehen (unter d).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Anders als der Beklagte meint, h&auml;tte das Fehlen einer Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge oder die nicht unverz&uuml;gliche Erhebung einer solchen R&uuml;ge nicht die Unzul&auml;ssigkeit der Entsch&auml;digungsklage zur Folge. Vielmehr ist die Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge lediglich materielle Voraussetzung eines Anspruchs auf Geldentsch&auml;digung (ebenso Beschluss des Bundessozialgerichts &#8211;BSG&#8211; vom 27.&nbsp;Juni 2013 B&nbsp;10&nbsp;&Uuml;G&nbsp;9\/13&nbsp;B, nicht ver&ouml;ffentlicht &#8211;n.v.&#8211;, unter II.2.b). Dies folgt bereits aus der Regelung des &sect;&nbsp;198 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;3 GVG, wonach die Feststellung einer &uuml;berlangen Verfahrensdauer &#8211;die im Verfahren &uuml;ber eine Entsch&auml;digungsklage keinen gesonderten Antrag voraussetzt&#8211; auch dann ausgesprochen werden kann, wenn die in &sect;&nbsp;198 Abs.&nbsp;3 GVG genannten Voraussetzungen nicht erf&uuml;llt sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Das Schreiben des Kl&auml;gers vom 8.&nbsp;August 2011 kann nicht als Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge i.S. des &sect;&nbsp;198 Abs.&nbsp;3 GVG angesehen werden. Zwar hat der Kl&auml;ger schon in diesem Schreiben eine &uuml;berlange Verfahrensdauer ausdr&uuml;cklich unter Hinweis auf den seinerzeit von den gesetzgebenden K&ouml;rperschaften beratenen Entwurf des &Uuml;berlVfRSchG ger&uuml;gt. Zu diesem Zeitpunkt war das &Uuml;berlVfRSchG &#8211;und damit die Vorschrift des &sect;&nbsp;198 Abs.&nbsp;3 GVG&#8211; aber noch nicht in Kraft getreten. Das genannte Gesetz ist am Tage nach seiner Verk&uuml;ndung &#8211;d.h. am 3.&nbsp;Dezember 2011&#8211; in Kraft getreten. Zwar gilt es auch f&uuml;r Verfahren, die bei seinem Inkrafttreten bereits anh&auml;ngig waren (Art.&nbsp;23 Satz&nbsp;1 &Uuml;berlVfRSchG). F&uuml;r diese Verfahren enth&auml;lt Art.&nbsp;23 Satz&nbsp;2 &Uuml;berlVfRSchG aber die zus&auml;tzliche Ma&szlig;gabe, dass die Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge &quot;unverz&uuml;glich nach Inkrafttreten&quot; erhoben werden muss. Eine bereits vor dem Inkrafttreten des Gesetzes erhobene Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge erf&uuml;llt diese Voraussetzung nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Allerdings ist nicht erst das Schreiben des Kl&auml;gers vom 21.&nbsp;M&auml;rz 2012 &#8211;in dem er erstmals ausdr&uuml;cklich den Begriff &quot;Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge&quot; verwendet hat&#8211;, sondern bereits das Schreiben vom 15.&nbsp;Februar 2012, das am 16.&nbsp;Februar 2012 beim FG eingegangen ist, als Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge i.S. des &sect;&nbsp;198 Abs.&nbsp;3 GVG anzusehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>27<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Die genannte Vorschrift stellt keine besonderen Anforderungen an die Form oder den Mindestinhalt einer Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge. In den Gesetzesmaterialien findet sich die &#8211;mit dem Gesetzeswortlaut in Einklang stehende&#8211; Auffassung, eine Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge k&ouml;nne auch m&uuml;ndlich erhoben werden (BTDrucks 17\/3802, 22); auch brauche sie nicht begr&uuml;ndet werden, insbesondere gen&uuml;ge ein schlichter Hinweis auf die bisherige Verfahrensdauer (BTDrucks 17\/7217, 27). Aus dem Wortlaut und der Entstehungsgeschichte des Gesetzes folgt daher, dass auch eine nicht ausdr&uuml;cklich als &quot;Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge&quot; bezeichnete &Auml;u&szlig;erung eines Verfahrensbeteiligten im Wege der Auslegung als Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge i.S. des &sect;&nbsp;198 Abs.&nbsp;3 GVG angesehen werden kann.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>28<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Bei der Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge handelt es sich auch nicht um eine Prozesshandlung im engeren Sinne, weil sie auf das im Ausgangsverfahren bestehende Prozessrechtsverh&auml;ltnis nicht unmittelbar rechtsgestaltend einwirkt. Die an Prozesshandlungen zu stellenden Anforderungen im Hinblick auf die Klarheit, Eindeutigkeit und Bedingungsfeindlichkeit derartiger &Auml;u&szlig;erungen gelten f&uuml;r Verz&ouml;gerungsr&uuml;gen daher nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>29<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Die erforderliche Auslegung des Schreibens des Kl&auml;gers vom 15.&nbsp;Februar 2012 f&uuml;hrt zu dem Ergebnis, dass es sich dabei um eine Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge gehandelt hat. Der Kl&auml;ger hat darin erkl&auml;rt, &quot;ohne eine klare Richtungsvorgabe&quot; des FG gegen&uuml;ber der Familienkasse m&uuml;sse die Entscheidung des EGMR vom 2.&nbsp;September 2010&nbsp;&nbsp;46344\/06 &#8211;Rumpf\/Deutschland&#8211; (Neue Juristische Wochenschrift &#8211;NJW&#8211; 2010, 3355) &quot;und die mittlerweile geschaffene Rechtsgrundlage&quot; Anwendung finden. Mit dem vom Kl&auml;ger genannten Urteil des EGMR ist die Bundesrepublik Deutschland verpflichtet worden, innerhalb eines Jahres nach Endg&uuml;ltigkeit jener Entscheidung einen Rechtsbehelf gegen &uuml;berlange Gerichtsverfahren einzuf&uuml;hren. Die vom Kl&auml;ger bezeichnete &quot;mittlerweile geschaffene Rechtsgrundlage&quot; ist das &Uuml;berlVfRSchG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>30<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ein Hinweis eines Verfahrensbeteiligten in einem seinerzeit bereits seit &uuml;ber acht Jahren anh&auml;ngigen Gerichtsverfahren auf die Rechtsprechung des EGMR zu &uuml;berlangen Verfahren und die f&uuml;r derartige F&auml;lle neu geschaffene nationale Rechtsgrundlage kann aber &#8211;was bisher weder vom FG noch vom Beklagten erwogen worden ist&#8211; nicht anders verstanden werden, als dass der Verfahrensbeteiligte damit eine aus seiner Sicht &uuml;berlange Verfahrensdauer r&uuml;gen m&ouml;chte. Dies gilt im Streitfall erst recht angesichts des Umstands, dass der Kl&auml;ger bereits vor dem Inkrafttreten des &Uuml;berlVfRSchG die Verfahrensdauer unter ausdr&uuml;cklicher Bezugnahme auf den seinerzeitigen Entwurf des &Uuml;berlVfRSchG ger&uuml;gt hatte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>31<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Die Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge vom 16.&nbsp;Februar 2012 ist unverz&uuml;glich nach Inkrafttreten des &Uuml;berlVfRSchG erhoben worden und hat damit Entsch&auml;digungsanspr&uuml;che auch f&uuml;r die Zeit vor dem Inkrafttreten des &Uuml;berlVfRSchG gewahrt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>32<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Gem&auml;&szlig; Art.&nbsp;23 Satz&nbsp;1 &Uuml;berlVfRSchG gilt dieses Gesetz auch f&uuml;r Verfahren, die bei seinem Inkrafttreten (3.&nbsp;Dezember 2011) bereits anh&auml;ngig waren. War ein solches anh&auml;ngiges Verfahren beim Inkrafttreten des Gesetzes bereits verz&ouml;gert, gilt die in &sect;&nbsp;198 Abs.&nbsp;3 GVG vorgesehene Obliegenheit zur Erhebung einer Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge mit der Ma&szlig;gabe, dass diese &quot;unverz&uuml;glich nach Inkrafttreten erhoben werden muss&quot; (Art.&nbsp;23 Satz&nbsp;2 &Uuml;berlVfRSchG). In diesem Fall wahrt die Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge einen Anspruch nach &sect;&nbsp;198 GVG auch f&uuml;r den vorausgehenden Zeitraum (Art.&nbsp;23 Satz&nbsp;3 &Uuml;berlVfRSchG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>33<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Der Begriff &quot;unverz&uuml;glich&quot; bedeutet ein Handeln &quot;ohne schuldhaftes Z&ouml;gern&quot; (&sect;&nbsp;121 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs &#8211;BGB&#8211;). Diese Legaldefinition gilt nach allgemeiner Auffassung auch &uuml;ber die F&auml;lle des &sect;&nbsp;121 BGB hinaus, mithin gleicherma&szlig;en im &ouml;ffentlichen Recht. Der Senat vermag dem Beklagten allerdings nicht darin zu folgen, dass auch die von der zivilgerichtlichen Rechtsprechung zu &sect;&nbsp;121 BGB in typisierender Betrachtungsweise vertretene Bejahung eines &quot;schuldhaften Z&ouml;gerns&quot; bei &Uuml;berschreitung einer Zwei-Wochen-Frist unbesehen auf alle anderen Rechtsbereiche zu &uuml;bertragen ist, in denen der Gesetzgeber den Begriff &quot;unverz&uuml;glich&quot; verwendet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>34<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die angef&uuml;hrte Zwei-Wochen-Frist geht auf das Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG) vom 14.&nbsp;Dezember 1979&nbsp;&nbsp;7&nbsp;AZR&nbsp;38\/78 (BAGE 32, 237, unter IV.2.) zur&uuml;ck. Darin wurde die f&uuml;r au&szlig;erordentliche fristlose K&uuml;ndigungen geltende zweiw&ouml;chige gesetzliche Ausschlussfrist des &sect;&nbsp;626 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 BGB auch zur Auslegung des Begriffs der &quot;Unverz&uuml;glichkeit&#8221; in F&auml;llen der Irrtumsanfechtung herangezogen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>35<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Diese &Uuml;bertragung der in &sect;&nbsp;626 BGB genannten Frist ist aber nicht in allen F&auml;llen, in denen der Gesetzgeber den Begriff &quot;unverz&uuml;glich&#8221; verwendet, sachgerecht. Vielmehr ist eine normspezifische Auslegung dieses Tatbestandsmerkmals &#8211;bzw. der gesetzlichen Erl&auml;uterung &quot;ohne schuldhaftes Z&ouml;gern&quot;&#8211; in Abh&auml;ngigkeit vom betroffenen Sachbereich, des in diesem Sachbereich typischerweise anzutreffenden Grades der Dringlichkeit, der Interessenlage der Parteien bzw. Beteiligten und dem jeweiligen Zweck des Unverz&uuml;glichkeitserfordernisses geboten und wird von der Rechtsprechung und Rechtspraxis auch entsprechend vorgenommen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>36<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(1) So findet sich der Begriff &quot;unverz&uuml;glich&quot; auch im Zusammenhang mit der R&uuml;gepflicht beim Handelskauf (&sect;&nbsp;377 Abs.&nbsp;1 des Handelsgesetzbuchs &#8211;HGB&#8211;). Hier liegt auf der Hand, dass die schematische Anwendung einer Zwei-Wochen-Frist nicht sachgerecht w&auml;re, insbesondere wenn es sich um verderbliche Waren handelt. &sect;&nbsp;377 Abs.&nbsp;1 HGB ist im Interesse der im Handelsverkehr unerl&auml;sslichen schnellen Abwicklung der Handelsgesch&auml;fte streng auszulegen (Urteil des Bundesgerichtshofs &#8211;BGH&#8211; vom 30.&nbsp;Januar 1985 VIII&nbsp;ZR&nbsp;238\/83, BGHZ 93, 338, unter 5.c&nbsp;bb). Dementsprechend hat der BGH in der vorstehend angef&uuml;hrten Entscheidung ein zweiw&ouml;chiges Zuwarten &#8211;das in den F&auml;llen des &sect;&nbsp;121 BGB noch hinzunehmen w&auml;re&#8211; nicht mehr als ausreichend angesehen. Vielmehr wird f&uuml;r den Regelfall &#8211;in Abh&auml;ngigkeit von den Eigenschaften der betroffenen Ware&#8211; nur die Wahrung einer Frist, die zwischen einigen Stunden und einer Woche betr&auml;gt, noch als angemessen angesehen (vgl. Emmerich\/Hoffmann in Heymann, HGB, 2.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;377 Rz&nbsp;53&nbsp;ff., m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>37<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(2) Gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;34b Abs.&nbsp;4 Nr.&nbsp;2 EStG m&uuml;ssen Sch&auml;den infolge h&ouml;herer Gewalt &quot;unverz&uuml;glich&quot; nach Feststellung des Schadensfalls der zust&auml;ndigen Finanzbeh&ouml;rde mitgeteilt werden, damit die f&uuml;r au&szlig;erordentliche Holznutzungen geltenden erm&auml;&szlig;igten Steuers&auml;tze in Anspruch genommen werden k&ouml;nnen. Die Finanzverwaltung sieht dieses Erfordernis noch als gewahrt an, wenn die entsprechende Schadensmeldung sp&auml;testens bis zum Ablauf von drei Monaten nach Feststellung des Schadens eingereicht wird (Verf&uuml;gung der Oberfinanzdirektion Magdeburg vom 5.&nbsp;Februar 2007 S&nbsp;2232-14-St-212, Einkommensteuer-Kartei Sachsen-Anhalt &sect;&nbsp;34b EStG Karte&nbsp;1, unter 1.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>38<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(3) Auch in seiner Rechtsprechung zur unverschuldeten versp&auml;teten Geltendmachung von Betriebskosten-Nachforderungen durch den Vermieter (&sect;&nbsp;556 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 BGB) wendet der BGH zur Bestimmung des Zeitraums, der dem Vermieter nach Wegfall des Hindernisses f&uuml;r die Nachholung der Geltendmachung zuzubilligen ist, nicht die aus der Rechtsprechung zu &sect;&nbsp;121 BGB abgeleitete Zwei-Wochen-Frist, sondern eine Drei-Monats-Frist an (vgl. Urteile vom 5.&nbsp;Juli 2006 VIII&nbsp;ZR&nbsp;220\/05, NJW 2006, 3350, unter II.2.b&nbsp;bb, und vom 12.&nbsp;Dezember 2012 VIII&nbsp;ZR&nbsp;264\/12, NJW 2013, 456).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>39<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Die gebotene normspezifische Auslegung f&uuml;hrt im Falle des Art.&nbsp;23 Satz&nbsp;2 &Uuml;berlVfRSchG zu dem Ergebnis, dass eine Zwei-Wochen-Frist nicht sachgerecht ist. Der Senat h&auml;lt bei typisierender Betrachtung vielmehr eine Frist von drei Monaten f&uuml;r angemessen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>40<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(1) Die zu &sect;&nbsp;121 BGB ergangene Entscheidung des BAG in BAGE 32, 237 ist auf die Situation, wie sie der Gesetzgeber mit dem Inkrafttreten des &Uuml;berlVfRSchG und der dazugeh&ouml;rigen &Uuml;bergangsregelung geschaffen hat, bereits im Ausgangspunkt nicht &uuml;bertragbar. &sect;&nbsp;121 BGB betrifft die Anfechtung eines Vertrags wegen eines Irrtums des Anfechtenden. Die Anfechtungsm&ouml;glichkeit besteht &#8211;in Abgrenzung zu den F&auml;llen des &sect;&nbsp;123 BGB, f&uuml;r die der Gesetzgeber eine Jahresfrist vorsieht (&sect;&nbsp;124 Abs.&nbsp;1 BGB)&#8211; gerade dann, wenn der andere Teil nichts zu dem Irrtum beigetragen hat. Daher kommt im Rahmen der erforderlichen Abw&auml;gung zwischen dem Interesse des Anfechtungsberechtigten an seiner L&ouml;sung von dem Vertrag und dem Interesse des Anfechtungsgegners am rechtlichen Bestand des Vertrags dem Schutz des Anfechtungsgegners ein hoher Stellenwert zu. Hinzu kommt, dass die Frist des &sect;&nbsp;121 BGB &#8211;ebenso wie die vom BAG herangezogene zweiw&ouml;chige Frist f&uuml;r die au&szlig;erordentliche fristlose K&uuml;ndigung nach &sect;&nbsp;626 Abs.&nbsp;2 BGB&#8211; erst beginnt, wenn der Anfechtungs- bzw. K&uuml;ndigungsberechtigte positive Kenntnis von dem Anfechtungs- bzw. K&uuml;ndigungsgrund hat; ein blo&szlig;es Kennenm&uuml;ssen l&ouml;st den Fristbeginn hingegen nicht aus.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>41<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Beide genannten Gesichtspunkte, die in den F&auml;llen des &sect;&nbsp;121 BGB f&uuml;r eine eher strenge Auslegung des Tatbestandsmerkmals &quot;unverz&uuml;glich&quot; sprechen, sind in den F&auml;llen des Art.&nbsp;23 Satz&nbsp;2 &Uuml;berlVfRSchG nicht einschl&auml;gig. Hier liegt die wesentliche Ursache f&uuml;r die Erforderlichkeit der unverz&uuml;glichen Abgabe einer Erkl&auml;rung nicht beim Erkl&auml;renden &#8211;im Fall des &sect;&nbsp;121 BGB dem Anfechtungsberechtigten, im Fall des &Uuml;berlVfRSchG dem sp&auml;teren Entsch&auml;digungskl&auml;ger&#8211;, sondern beim Erkl&auml;rungsempf&auml;nger. Denn vor allem das Gericht hat durch sein z&ouml;gerliches Verhalten &#8211;unterstellt, die Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge sei berechtigt&#8211; die Ursache f&uuml;r die Erhebung der Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge gesetzt. Zudem kn&uuml;pft Art.&nbsp;23 Satz&nbsp;2 &Uuml;berlVfRSchG den Beginn des zur Verf&uuml;gung stehenden Zeitraums an ein rein objektives Kriterium &#8211;das Inkrafttreten des Gesetzes&#8211;; eine positive Kenntnis des Berechtigten von dem Ereignis, das den Fristenlauf ausl&ouml;st, ist nicht erforderlich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>42<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Beide Gesichtspunkte rechtfertigen und gebieten es, den Begriff der &quot;Unverz&uuml;glichkeit&quot; hier deutlich weniger streng auszulegen als bei &sect;&nbsp;121 BGB.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>43<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(2) Gleichwohl l&auml;sst sich der in der Entscheidung in BAGE 32, 237 enthaltene grunds&auml;tzliche methodische Ansatz des BAG, in verwandten Rechtsnormen genannte Fristen f&uuml;r eine normspezifische Konkretisierung des Begriffs &quot;unverz&uuml;glich&quot; heranzuziehen, auch vorliegend fruchtbar machen. So gilt f&uuml;r die Erhebung einer Verfassungsbeschwerde gegen ein Gesetz &#8211;abweichend von der einmonatigen Regelfrist&#8211; eine Frist von einem Jahr (&sect;&nbsp;93 Abs.&nbsp;3 des Gesetzes &uuml;ber das Bundesverfassungsgericht &#8211;BVerfGG&#8211;). Beschwerden zum EGMR k&ouml;nnen innerhalb von sechs Monaten nach der endg&uuml;ltigen innerstaatlichen Entscheidung erhoben werden (Art.&nbsp;35 Abs.&nbsp;1 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten &#8211;EMRK&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>44<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>&sect;&nbsp;93 Abs.&nbsp;3 BVerfGG zeigt, dass der nationale Gesetzgeber in F&auml;llen, in denen das Inkrafttreten eines Gesetzes einen Fristenlauf ausl&ouml;st, die f&uuml;r die Erhebung von Rechtsbehelfen ansonsten allgemein &uuml;bliche Monatsfrist nicht als ausreichend ansieht, sondern eine erheblich l&auml;ngere Frist gew&auml;hrt. Die Sechs-Monats-Frist des Art.&nbsp;35 Abs.&nbsp;1 EMRK steht wiederum in einem sehr engen Zusammenhang zu dem in Entsch&auml;digungsklagef&auml;llen betroffenen Sachbereich, da mit dem &Uuml;berlVfRSchG gerade die Rechtsprechung des EGMR umgesetzt werden sollte und weitere Verurteilungen der Bundesrepublik Deutschland durch den EGMR vermieden werden sollten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>45<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In seinen Entscheidungen, die nach Inkrafttreten des &Uuml;berlVfRSchG ergangen sind, verweist der EGMR die Beschwerdef&uuml;hrer auch in solchen Verfahren, die bei ihm bereits vor Inkrafttreten des Gesetzes anh&auml;ngig waren, auf den nationalen Rechtsbehelf der Entsch&auml;digungsklage. Er f&uuml;hrt aber zugleich aus, dass er diese Position in Zukunft &uuml;berpr&uuml;fen werde, was insbesondere von der F&auml;higkeit der innerstaatlichen Gerichte abh&auml;ngig sei, im Hinblick auf das &Uuml;berlVfRSchG eine konsistente und den Erfordernissen der EMRK entsprechende Rechtsprechung zu etablieren (so ausdr&uuml;cklich Entscheidung des EGMR vom 29.&nbsp;Mai 2012&nbsp;&nbsp;53126\/07 &#8211;Taron\/Deutschland&#8211;, Europ&auml;ische Grundrechte-Zeitschrift 2012, 514, Rz&nbsp;45). Vor diesem Hintergrund hat der Senat auch die Erfordernisse eines effektiven Menschenrechtsschutzes zu ber&uuml;cksichtigen, mit dem eine kurze &#8211;den auch f&uuml;r bereits anh&auml;ngige F&auml;lle erforderlichen Rechtsschutz eher verhindernde als erm&ouml;glichende&#8211; Zwei-Wochen-Frist nicht vereinbar w&auml;re.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>46<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(3) Hiervon ausgehend h&auml;lt der Senat eine Frist im Umfang der H&auml;lfte der in Art.&nbsp;35 Abs.&nbsp;1 EMRK genannten Frist &#8211;d.h. drei Monate&#8211; f&uuml;r erforderlich, um den Anforderungen der EMRK Rechnung zu tragen, aber auch f&uuml;r ausreichend, damit Prozessbevollm&auml;chtigte s&auml;mtliche von ihnen gef&uuml;hrte Verfahren auf m&ouml;gliche Verz&ouml;gerungen analysieren k&ouml;nnen (a.A. ohne Begr&uuml;ndung in einer nicht tragenden Erw&auml;gung f&uuml;r eine am 13.&nbsp;Februar 2012 erhobene Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge Landessozialgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 13.&nbsp;September 2012 L&nbsp;38&nbsp;SF&nbsp;73\/12&nbsp;EK&nbsp;AS, n.v.; ebenso Oberlandesgericht Bremen, Urteil vom 4.&nbsp;Juli 2013&nbsp;&nbsp;1&nbsp;SchH&nbsp;10\/12&nbsp;(EntV), NJW 2013, 3109, f&uuml;r eine am 23.&nbsp;Januar 2013 eingegangene Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>47<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Diese Frist hat der Kl&auml;ger im Streitfall mit seinem am 16.&nbsp;Februar 2012 beim FG eingegangenen Schreiben gewahrt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>48<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Dauer des Ausgangsverfahrens war unangemessen. Die Verz&ouml;gerung bel&auml;uft sich entgegen der Auffassung des Kl&auml;gers aber nicht auf 68&nbsp;Monate, sondern auf 43&nbsp;Monate.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>49<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;198 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 GVG richtet sich die Angemessenheit der Verfahrensdauer nach den Umst&auml;nden des Einzelfalls, insbesondere nach der Schwierigkeit und Bedeutung des Verfahrens und nach dem Verhalten der Verfahrensbeteiligten und Dritter. Diese gesetzlichen Ma&szlig;st&auml;be beruhen auf der st&auml;ndigen Rechtsprechung des EGMR und des Bundesverfassungsgerichts &#8211;BVerfG&#8211; (n&auml;her dazu Senatsurteil vom 17.&nbsp;April 2013 X&nbsp;K&nbsp;3\/12, BFHE 240, 516, BStBl II 2013, 547, unter III.3.a).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>50<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Grundlage dieser Rechtsprechung ist zum einen die Regelung des Art.&nbsp;6 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EMRK, wonach jede Person ein Recht darauf hat, dass &uuml;ber Streitigkeiten von einem Gericht &quot;innerhalb angemessener Frist verhandelt wird&quot;. Zum anderen folgt aus dem Rechtsstaatsprinzip des Art.&nbsp;20 Abs.&nbsp;3 des Grundgesetzes (GG) ein Anspruch auf gerichtliche Entscheidung &uuml;ber streitige Rechtsverh&auml;ltnisse &quot;in angemessener Zeit&quot; (BVerfG-Beschluss vom 27.&nbsp;Juli 2004&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvR&nbsp;1196\/04, NJW 2004, 3320, unter II.2.a, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>51<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Bei der Konkretisierung dieses Anspruchs des Verfahrensbeteiligten und bei der Ableitung der in &sect;&nbsp;198 GVG vorgesehenen Rechtsfolgen f&uuml;r den einzelnen Fall ist zu ber&uuml;cksichtigen, dass der Begriff der &quot;Angemessenheit&quot; f&uuml;r Wertungen offen ist. Dies erm&ouml;glicht es, dem Spannungsverh&auml;ltnis zwischen einem m&ouml;glichst z&uuml;gigen Abschluss des Rechtsstreits und anderen, ebenfalls hochrangigen sowie verfassungs- und menschenrechtlich verankerten prozessualen Grunds&auml;tzen Rechnung zu tragen (allgemein zu diesem Spannungsverh&auml;ltnis bereits Urteil des BSG vom 21.&nbsp;Februar 2013 B&nbsp;10&nbsp;&Uuml;G&nbsp;1\/12&nbsp;KL, Die Sozialgerichtsbarkeit &#8211;SGb&#8211; 2013, 527, zur amtlichen Ver&ouml;ffentlichung in BSGE vorgesehen, unter 2.a&nbsp;aa, m.w.N.). Die z&uuml;gige Erledigung eines Rechtsstreits ist kein Selbstzweck (so auch Urteil des Bundesverwaltungsgerichts &#8211;BVerwG&#8211; vom 11.&nbsp;Juli 2013&nbsp;&nbsp;5&nbsp;C&nbsp;23.12&nbsp;D, zur amtlichen Ver&ouml;ffentlichung in BVerwGE vorgesehen, unter 1.b&nbsp;bb&nbsp;(3)).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>52<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>So k&ouml;nnte eine &Uuml;berbeschleunigung von Verfahren in einen Konflikt mit dem &#8211;durch Art.&nbsp;6 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EMRK, Art.&nbsp;19 Abs.&nbsp;4, Art.&nbsp;20 Abs.&nbsp;3 GG abgesicherten&#8211; Anspruch auf Gew&auml;hrung eines effektiven Rechtsschutzes geraten, zu dessen Kernbereich die Schaffung gerichtlicher Strukturen geh&ouml;rt, die eine m&ouml;glichst weitgehende inhaltliche Richtigkeit von Entscheidungen und ihre m&ouml;glichst hohe Qualit&auml;t gew&auml;hrleisten. Ferner k&ouml;nnte der Grundsatz der Unabh&auml;ngigkeit der Richter (Art.&nbsp;6 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EMRK, Art.&nbsp;97 Abs.&nbsp;1 GG) ber&uuml;hrt sein, sofern die Entsch&auml;digungsgerichte mittelbar in die Freiheit der Richter eingreifen w&uuml;rden, ihr Verfahren frei von &auml;u&szlig;eren Einfl&uuml;ssen zu gestalten. Auch der Anspruch auf den gesetzlichen Richter (Art.&nbsp;6 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EMRK, Art.&nbsp;101 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 GG) k&ouml;nnte betroffen sein, wenn zunehmender Beschleunigungsdruck dazu f&uuml;hren w&uuml;rde, dass Verfahren bereits wegen kurzzeitiger, in der Person eines Richters liegender Erledigungshindernisse (z.B. einer nicht langfristigen Erkrankung oder einer lediglich als vor&uuml;bergehend anzusehenden h&ouml;heren Belastung durch anderweitige Verfahren) diesem Richter entzogen und einem anderen Richter zugewiesen werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>53<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der erkennende Senat ist daher, um diesen gegenl&auml;ufigen, ebenfalls hochrangigen Rechtsgrunds&auml;tzen Rechnung zu tragen, der Auffassung, dass die zeitliche Grenze bei der Bestimmung der Angemessenheit der Dauer eines Verfahrens nicht zu eng gezogen werden darf. Die Dauer eines Gerichtsverfahrens ist nicht schon dann &quot;unangemessen&quot;, wenn die Betrachtung eine Abweichung vom Optimum ergibt. Vielmehr muss eine deutliche &Uuml;berschreitung der &auml;u&szlig;ersten Grenze des Angemessenen festzustellen sein (ebenso BSG-Urteil in SGb 2013, 527, unter 2.a&nbsp;aa). Hinzu kommt, dass die Betrachtung des jeweiligen Verfahrensablaufs durch das Entsch&auml;digungsgericht notwendigerweise r&uuml;ckblickend vorgenommen wird und daher regelm&auml;&szlig;ig auf bessere Erkenntnisse gegr&uuml;ndet ist als sie das Ausgangsgericht haben konnte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>54<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Aus den genannten Gr&uuml;nden ist dem Ausgangsgericht ein erheblicher Spielraum f&uuml;r die Gestaltung seines Verfahrens einzur&auml;umen (vgl. auch BVerwG-Urteil 5&nbsp;C&nbsp;23.12&nbsp;D, unter 1.b&nbsp;bb&nbsp;(3)). So ist jedes Gericht &#8211;nicht nur ein Rechtsmittelgericht, das in besonderem Ma&szlig;e Verfahren von grunds&auml;tzlicher Bedeutung zu entscheiden hat&#8211; berechtigt, einzelne (&auml;ltere und j&uuml;ngere) Verfahren aus Gr&uuml;nden eines sachlichen, rechtlichen, pers&ouml;nlichen oder organisatorischen Zusammenhangs zu bestimmten Gruppen zusammenzufassen oder die Entscheidung einer bestimmten Sach- oder Rechtsfrage als dringlicher anzusehen als die Entscheidung anderer Fragen, auch wenn eine solche zeitliche &quot;Bevorzugung&quot; einzelner Verfahren jeweils denknotwendig zu einer l&auml;ngeren Dauer anderer Verfahren f&uuml;hrt. Ebenso ist es hinzunehmen, wenn die &#8211;durch Art.&nbsp;19 Abs.&nbsp;4, Art.&nbsp;20 Abs.&nbsp;3 GG im Einzelfall als geboten erscheinende und zum Kernbereich der durch Art.&nbsp;97 Abs.&nbsp;1 GG gesch&uuml;tzten richterlichen Unabh&auml;ngigkeit geh&ouml;rende&#8211; besonders intensive Befassung mit einem in tats&auml;chlicher und\/oder rechtlicher Hinsicht schwierig erscheinenden Verfahren notwendigerweise dazu f&uuml;hrt, dass sich nicht allein die Dauer dieses Verfahrens verl&auml;ngert, sondern w&auml;hrend dieser Zeit auch eine F&ouml;rderung aller anderen diesem Richter zugewiesenen Verfahren nicht m&ouml;glich ist. Hinzu kommt, dass es aus nachvollziehbaren Gr&uuml;nden der &ouml;ffentlichen Personalwirtschaft gerichtsorganisatorisch mitunter unvermeidbar ist, Richtern oder Spruchk&ouml;rpern einen relativ gro&szlig;en Bestand an Verfahren zuzuweisen. Eine gleichzeitige inhaltlich tiefgehende Bearbeitung s&auml;mtlicher Verfahren, die bei einem Gericht anh&auml;ngig oder einem Spruchk&ouml;rper bzw. Richter zugewiesen sind, ist aber aus tats&auml;chlichen Gr&uuml;nden nicht m&ouml;glich und wird auch von Art.&nbsp;20 Abs.&nbsp;3 GG bzw. Art.&nbsp;6 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EMRK nicht verlangt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>55<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der damit vom Entsch&auml;digungsgericht den Ausgangsgerichten einger&auml;umte Gestaltungsspielraum dient dazu, dass Gerichte &#8211;ohne unangemessene &Uuml;berbetonung allein des zeitlichen bzw. quantitativen Aspekts richterlicher Verfahrensgestaltung und Entscheidungsfindung&#8211; in innerer und &auml;u&szlig;erer Freiheit und Unabh&auml;ngigkeit inhaltlich m&ouml;glichst zutreffende und qualitativ m&ouml;glichst hochwertige Entscheidungen treffen k&ouml;nnen. Stets ist zu beachten, dass sich mit zunehmender Verfahrensdauer die Pflicht des Gerichts verdichtet, sich nachhaltig um eine F&ouml;rderung, Beschleunigung und Beendigung des Verfahrens zu bem&uuml;hen (BVerfG-Beschluss in NJW 2004, 3320, unter II.2.a, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>56<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Die nach dem Wortlaut des &sect;&nbsp;198 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 GVG &#8211;sowie nach der im Gesetzeswortlaut zum Ausdruck kommenden Konzeption des EGMR und BVerfG&#8211; damit im Vordergrund stehende Einzelfallbetrachtung schlie&szlig;t es aus, im Rahmen der Auslegung der genannten Vorschrift konkrete Fristen zu bezeichnen, innerhalb der ein Verfahren im Regelfall abschlie&szlig;end erledigt sein sollte (dazu unter aa) oder bei deren &Uuml;berschreitung eine &quot;absolute &uuml;berlange Verfahrensdauer&quot; anzunehmen sein soll, die ohne weitere Einzelfallbetrachtung zur Zuerkennung einer Entsch&auml;digung f&uuml;hren soll (unter bb).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>57<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) In der Literatur wird mitunter vertreten, der Rechtsprechung des EGMR sei zu entnehmen, dass die angemessene Verfahrensdauer grob ein Jahr pro Instanz betrage (B&ouml;cker, Deutsches Steuerrecht 2011, 2173, 2175, m.N. in Fn.&nbsp;25; ders., Der Betrieb 2013, 1930, 1931).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>58<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Daran ist zutreffend, dass sich in mehreren Entscheidungen des EGMR die Formulierung findet, &quot;one year per instance may be a rough rule of thumb in Article&nbsp;6 &sect;&nbsp;1 cases&quot; (ein Jahr pro Instanz mag eine grobe Faustregel in F&auml;llen des Art.&nbsp;6 Abs.&nbsp;1 EMRK sein). Tragend war diese Formulierung aber f&uuml;r keine der Entscheidungen des EGMR, in denen sie verwendet worden ist. Ganz &uuml;berwiegend sind diese Entscheidungen von vornherein nicht zu Art.&nbsp;6 Abs.&nbsp;1 EMRK ergangen, der den Anspruch auf Entscheidung &quot;innerhalb angemessener Frist&quot; enth&auml;lt, sondern zu Freiheitsentziehungen i.S. des Art.&nbsp;5 EMRK, der in Abs.&nbsp;4 einen Anspruch auf gerichtliche Entscheidung &quot;innerhalb kurzer Frist&quot; vorsieht (zu Strafverfahren in der Russischen F&ouml;rderation vgl. Entscheidungen des EGMR vom 7.&nbsp;April 2005&nbsp;&nbsp;54071\/00 &#8211;Rokhlina&#8211;; vom 8.&nbsp;November 2005&nbsp;&nbsp;6847\/02 &#8211;Khudoyorov&#8211;; vom 24.&nbsp;Mai 2007&nbsp;&nbsp;27193\/02 &#8211;Ignatov&#8211;, Rz&nbsp;111; vom 9.&nbsp;Oktober 2008&nbsp;&nbsp;62936\/00 &#8211;Moiseyev&#8211;, Rz&nbsp;160, und vom 26.&nbsp;November 2009&nbsp;&nbsp;13591\/05 &#8211;Nazarov&#8211;, Rz&nbsp;126; zur zwangsweisen Unterbringung eines als &quot;Psychopathen&quot; eingestuften Straft&auml;ters in einer britischen Klinik vgl. EGMR-Urteil vom 20.&nbsp;Februar 2003&nbsp;&nbsp;50272\/99 &#8211;Hutchison Reid&#8211;, Rz&nbsp;79). Im Anwendungsbereich des Art.&nbsp;6 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EMRK findet sich diese Formel &#8211;ebenfalls nicht tragend&#8211; in einer Entscheidung, die eine arbeitsrechtliche Streitigkeit wegen einer angeblichen Diskriminierung betraf (EGMR-Urteil vom 16.&nbsp;Januar 2003&nbsp;&nbsp;50034\/99 &#8211;Obasa&#8211;, Rz&nbsp;35). Arbeitsrechtliche Streitigkeiten geh&ouml;ren aber grunds&auml;tzlich zu den Verfahrensarten, die besonders eilbed&uuml;rftig sind (vgl. Peukert in Frowein\/Peukert, EMRK-Kommentar, 3.&nbsp;Aufl., Art.&nbsp;6 Rz&nbsp;262, m.w.N. auf die Rechtsprechung des EGMR). Insoweit enthalten auch die Vorschriften des Arbeitsgerichtsgesetzes (ArbGG) seit jeher besondere Beschleunigungsgebote, die sich in den f&uuml;r andere Gerichtszweige geltenden Verfahrensordnungen nicht finden (z.B. &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;1, &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2, &sect;&nbsp;47 Abs.&nbsp;2, &sect;&nbsp;61a ArbGG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>59<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Eine Entscheidung des EGMR, die tragend auf die &quot;grobe Faustregel&quot; einer angemessenen Verfahrensdauer von einem Jahr pro Instanz gest&uuml;tzt oder in der gar ein geringf&uuml;giges &Uuml;berschreiten dieser zeitlichen Grenze als unangemessen angesehen worden w&auml;re, ist weder in der Literatur nachgewiesen noch sonst ersichtlich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>60<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Jedenfalls im Anwendungsbereich des &sect;&nbsp;198 GVG w&auml;re eine Auslegung dieser Vorschrift dahingehend, eine Jahresfrist als &quot;Faustregel&quot; anzunehmen, schon durch die Entstehungsgeschichte dieser Norm ausgeschlossen. Im Gesetzgebungsverfahren war ausdr&uuml;cklich beantragt worden, in das Gesetz eine Regelung aufzunehmen, wonach bei einer Verfahrenslaufzeit von mehr als einem Jahr die Unangemessenheit der Verfahrensdauer vermutet werden sollte. Dieser Antrag ist indes von der gro&szlig;en Mehrheit der Abgeordneten des Rechtsausschusses abgelehnt worden (zum Ganzen ausf&uuml;hrlich BTDrucks 17\/7217, 25).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>61<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Soweit der Kl&auml;ger die Auffassung vertritt, ab einer &#8211;im Streitfall gegebenen&#8211; Verfahrenslaufzeit von acht Jahren sei von einer &quot;absoluten &uuml;berlangen Verfahrensdauer&quot; auszugehen, die eine Einzelfallpr&uuml;fung entbehrlich mache, vermag der Senat dem ebenfalls nicht zu folgen. Zwar verdichtet sich mit zunehmender Verfahrensdauer die Pflicht des Gerichts, sich nachhaltig um eine F&ouml;rderung, Beschleunigung und Beendigung des Verfahrens zu bem&uuml;hen (BVerfG-Beschluss in NJW 2004, 3320, unter II.2.a, m.w.N.). Eine Bewertung der Umst&auml;nde des Einzelfalls bleibt aber stets erforderlich. Selbst wenn es eine Grenze der &quot;absoluten &uuml;berlangen Verfahrensdauer&quot; g&auml;be, w&auml;re diese jedenfalls nicht bei acht Jahren zu ziehen (vgl. &#8211;unter Auswertung der Rechtsprechung des EGMR&#8211; Peukert in Frowein\/Peukert, a.a.O., Art.&nbsp;6 Rz&nbsp;249: erst eine Verfahrensdauer von zehn und mehr Jahren werde &quot;grunds&auml;tzlich als nicht angemessen&quot; bewertet).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>62<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Gleichwohl k&ouml;nnen angesichts der besonderen Bedingungen, die die im Vergleich zu anderen Gerichtsbarkeiten eher homogene Fallstruktur in der Finanzgerichtsbarkeit und die relativ einheitliche Bearbeitungsweise der einzelnen Gerichte und Spruchk&ouml;rper mit sich bringen, f&uuml;r bestimmte typischerweise zu durchlaufende Abschnitte finanzgerichtlicher Verfahren &#8211;nicht jedoch f&uuml;r ihre Gesamtdauer&#8211; zeitraumbezogene Konkretisierungen gefunden werden. Vorrang beh&auml;lt dennoch die stets vorzunehmende Einzelfallbetrachtung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>63<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Nach den Ausf&uuml;hrungen unter c kann ein Regel- oder auch nur Anhaltswert f&uuml;r die Gesamtdauer eines Verfahrens nicht genannt werden. Dies folgt schon daraus, dass der Schwierigkeitsgrad des einzelnen Verfahrens sowohl rechtstats&auml;chlich von entscheidender Bedeutung f&uuml;r die konkrete Verfahrensdauer ist als auch nach der Konzeption des &sect;&nbsp;198 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 GVG zu den wesentlichen Merkmalen f&uuml;r die Beurteilung der Angemessenheit der Verfahrensdauer geh&ouml;rt. Finanzgerichtliche Verfahren unterscheiden sich in ihrem Schwierigkeitsgrad und der dadurch hervorgerufenen Bearbeitungsintensit&auml;t und -dauer so sehr voneinander, dass eine Generalisierung der Gesamtverfahrensdauer nicht m&ouml;glich ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>64<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auf der anderen Seite wird die h&ouml;chstrichterliche finanzgerichtliche Rechtsprechung in Entsch&auml;digungssachen, schon zur Gew&auml;hrleistung einer m&ouml;glichst einheitlichen Rechtsanwendung und um der Rechtspraxis Anhaltspunkte f&uuml;r die Einsch&auml;tzung der Erfolgsaussichten etwa zu erhebender Entsch&auml;digungsklagen zu geben, es nicht g&auml;nzlich vermeiden k&ouml;nnen, dort &#8211;unter Beachtung des Grundsatzes, dass die stets vorzunehmende Einzelfallbetrachtung Vorrang hat&#8211; zeitraumbezogene Konkretisierungen vorzunehmen, wo derartige Konkretisierungen aufgrund vorgefundener &Uuml;bereinstimmungen sowohl in der Struktur zahlreicher finanzgerichtlicher Verfahren als auch ihrer Bearbeitung durch die Gerichte vertretbar sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>65<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Die Frage, ob zeitliche Konkretisierungen stets ausgeschlossen sind oder f&uuml;r bestimmte Fallgruppen eine Erleichterung der rechtlichen Beurteilung erm&ouml;glichen, wird in der bisherigen Rechtsprechung der obersten Gerichtsh&ouml;fe des Bundes zu &sect;&nbsp;198 GVG nicht einheitlich beurteilt. Dies beruht indes darauf, dass zwischen den einzelnen Gerichtsbarkeiten erhebliche Unterschiede sowohl in der Struktur und Streubreite der Verfahren als auch in den Verfahrensabl&auml;ufen bestehen. So lehnt das BVerwG (Urteil 5&nbsp;C&nbsp;23.12&nbsp;D, unter 1.b&nbsp;aa&nbsp;(2)) f&uuml;r instanzgerichtliche Verfahren der Verwaltungsgerichtsbarkeit jede Orientierung an Anhaltswerten ab und f&uuml;hrt zur Begr&uuml;ndung aus, die Struktur der zu entscheidenden Verfahren sei zu unterschiedlich. Demgegen&uuml;ber sieht das BSG f&uuml;r Verfahren der Nichtzulassungsbeschwerde &#8211;deren Ablauf aufgrund der im H&ouml;chstfall drei Monate betragenden Begr&uuml;ndungsfrist und des Umstands, dass in aller Regel Sachverhaltsermittlungen nicht vorgesehen sind, in besonderem Ma&szlig;e standardisiert ist, so dass die einzelnen Verfahren nur eine geringe Varianz zueinander aufweisen&#8211; eine Regelfrist f&uuml;r die Gesamtbearbeitungsdauer von zw&ouml;lf Monaten vor (BSG-Urteil in SGb 2013, 527, unter 2.a cc ccc).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>66<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Dies vorausgeschickt, l&auml;sst sich f&uuml;r den ganz &uuml;berwiegenden Teil der finanzgerichtlichen Klageverfahren zum einen feststellen, dass die jeweiligen Verfahrenssituationen und Streitgegenst&auml;nde im Kern miteinander vergleichbar sind und eine erheblich geringere Varianz zueinander aufweisen als dies in der Verwaltungs- oder Zivilgerichtsbarkeit der Fall ist. In den meisten F&auml;llen geht es darum, dass der B&uuml;rger sich gegen einen Geldanspruch wendet, den die Finanzverwaltung durch Steuerbescheid gegen ihn festgesetzt hat, oder &#8211;in Gestalt einer Steuerverg&uuml;tung&#8211; seinerseits einen Geldanspruch von der Finanzverwaltung begehrt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>67<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dar&uuml;ber hinaus l&auml;sst sich feststellen, dass der Ablauf der weitaus meisten finanzgerichtlichen Klageverfahren im Wesentlichen einer Einteilung in drei Phasen folgt: Die erste Phase besteht in der Einreichung und im Austausch vorbereitender Schrifts&auml;tze (&sect;&nbsp;77 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO) durch die Beteiligten. Das Gericht wird in dieser Phase zumeist nur insoweit t&auml;tig, als es eingehende Schrifts&auml;tze an den jeweils anderen Beteiligten weiterleitet; die Erteilung rechtlicher Hinweise durch das Gericht beschr&auml;nkt sich &#8211;auch mangels Vorliegens der Akten der beklagten Beh&ouml;rde&#8211; auf Ausnahmef&auml;lle. An das Ende dieses Schriftsatzaustausches schlie&szlig;t sich in der Regel eine Phase an, in der das Verfahren &#8211;gerichtsorganisatorisch durch die Gesamtanzahl der dem Spruchk&ouml;rper oder Richter zugewiesenen Verfahren bedingt&#8211; wegen der Arbeit an anderen Verfahren nicht bearbeitet werden kann. Der Beginn der dritten Phase ist dadurch gekennzeichnet, dass das Gericht Ma&szlig;nahmen trifft, die das Verfahren einer Entscheidung zuf&uuml;hren sollen (z.B. Handlungen der Sachaufkl&auml;rung, Erteilung rechtlicher Hinweise, sonstige in &sect;&nbsp;79 FGO genannte Anordnungen, in einfach gelagerten F&auml;llen auch die sofortige Ladung zur m&uuml;ndlichen Verhandlung). Diese dritte Phase ist in besonderem Ma&szlig;e vom Schwierigkeitsgrad des Verfahrens, dem Verhalten der Verfahrensbeteiligten und Dritter &#8211;insbesondere von deren Reaktionsgeschwindigkeit auf gerichtliche Anfragen und Ermittlungshandlungen&#8211; und der Intensit&auml;t der Bearbeitung durch den hierf&uuml;r berufenen Richter abh&auml;ngig. Die Frage, welche Dauer f&uuml;r diese Phase &#8211;und damit auch f&uuml;r die Gesamtlaufzeit eines Verfahrens&#8211; &quot;angemessen&quot; ist, entzieht sich daher jedem Versuch einer Typisierung oder zeitlichen Konkretisierung. Gleiches mag f&uuml;r die erste Phase gelten, da auch die Dauer des Wechsels vorbereitender Schrifts&auml;tze zwischen den Beteiligten h&auml;ufig vom Schwierigkeitsgrad des Verfahrens sowie dem Verhalten der Verfahrensbeteiligten abh&auml;ngig sein wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>68<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Demgegen&uuml;ber eignet sich die dargestellte zweite Phase eher f&uuml;r die Suche nach zeitlichen Konkretisierungen. Insbesondere ist sie in erster Linie gerichtsorganisatorisch bedingt, weist aber keinen Zusammenhang zum Schwierigkeitsgrad des einzelnen Verfahrens auf, da ein &#8211;vermeintlich&#8211; h&ouml;herer Schwierigkeitsgrad eines Verfahrens nicht als sachlicher Grund anzusehen w&auml;re, ein solches Verfahren l&auml;nger als vermeintlich einfachere Verfahren unbearbeitet zu lassen. Zugleich ist diese zweite Phase typischer finanzgerichtlicher Verfahren im Hinblick auf den Schutzzweck der &sect;&sect;&nbsp;198&nbsp;ff. GVG von besonderer Bedeutung, da gerade w&auml;hrend eines Zeitraums, in dem weder die Beteiligten noch das Gericht Aktivit&auml;ten entfalten, f&uuml;r den Verfahrensbeteiligten mit zunehmender Dauer dieses Zeitraums die Frage Bedeutung gewinnt, wann denn mit einer F&ouml;rderung und Entscheidung &quot;seines&quot; Verfahrens zu rechnen sei. Demgegen&uuml;ber ist in der ersten Phase, in der die Beteiligten aktiv sind, und in der dritten Phase, in der das Gericht das Verfahren in Richtung auf eine Entscheidung vorantreibt, die Betroffenheit des Verfahrensbeteiligten durch eine &#8211;unter Umst&auml;nden l&auml;ngere&#8211; Dauer dieser Verfahrensabschnitte geringer, weil das Verfahren jeweils gef&ouml;rdert wird. Die Dauer dieser Verfahrensabschnitte wird daher im Wesentlichen nur durch den aus der Rechtsprechung des BVerfG folgenden Gesichtspunkt begrenzt, wonach sich mit zunehmender Verfahrensdauer die Pflicht des Gerichts verdichtet, sich nachhaltig um eine F&ouml;rderung, Beschleunigung und Beendigung des Verfahrens zu bem&uuml;hen (Beschluss in NJW 2004, 3320, unter II.2.a, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>69<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>dd) Vor diesem Hintergrund spricht bei einem finanzgerichtlichen Klageverfahren, das im Vergleich zu dem dargestellten Verfahrensablauf keine wesentlichen Besonderheiten aufweist, eine Vermutung daf&uuml;r, dass die Dauer des Verfahrens angemessen ist, wenn das Gericht gut zwei Jahre nach dem Eingang der Klage mit Ma&szlig;nahmen beginnt, die das Verfahren einer Entscheidung zuf&uuml;hren sollen (vgl. hierzu bereits Senatsurteil in BFHE 240, 516, BStBl II 2013, 547, unter III.3.a&nbsp;b), und die damit begonnene (&quot;dritte&quot;) Phase des Verfahrensablaufs nicht durch nennenswerte Zeitr&auml;ume unterbrochen wird, in denen das Gericht die Akte unbearbeitet l&auml;sst.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>70<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der erkennende Senat hat diesen f&uuml;r die Dauer der ersten beiden Phasen genannten, in einem Verfahren ohne Besonderheiten die Vermutung der Angemessenheit begr&uuml;ndenden &quot;Karenzzeitraum&quot; von gut zwei Jahren anhand einer Abw&auml;gung der widerstreitenden Gesichtspunkte gewonnen. Ein solcher Zeitraum erscheint f&uuml;r den Regelfall als ausreichend, dem gerichtsorganisatorisch bedingten Faktum Rechnung zu tragen, dass zu einem richterlichen Dezernat zahlreiche Verfahren geh&ouml;ren, die aber nicht allesamt gleichzeitig mit dem erforderlichen Tiefgang bearbeitet werden k&ouml;nnen. Zugleich erm&ouml;glicht es dieser Zeitraum dem Richter an einem oberen Landesgericht (vgl. &sect;&nbsp;2 FGO), in Verantwortung f&uuml;r die inhaltliche Richtigkeit und das qualitativ hohe Niveau seiner Entscheidung sowie in Aus&uuml;bung seiner richterlichen Unabh&auml;ngigkeit gegebenenfalls von seinem Gestaltungsspielraum (siehe oben b) Gebrauch zu machen, indem er einzelne Verfahren zeitlich vorzieht oder besonders intensiv bearbeitet, und andere Verfahren dadurch notwendigerweise l&auml;nger unbearbeitet l&auml;sst.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>71<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auf der anderen Seite h&auml;lt es der Senat dem Verfahrensbeteiligten noch f&uuml;r zumutbar, bis zu zwei Jahre auf den Beginn der zielgerichteten Bearbeitung durch das FG zu warten. Dabei ist entscheidend zu ber&uuml;cksichtigen, dass der Gegenstand finanzgerichtlicher Klageverfahren &#8211;anders als etwa die typische Streitigkeit aus dem Bereich des Arbeits-, Familien- oder Statusrechts oder des Rechts existenzsichernder Sozialleistungen (vgl. die auf die Rechtsprechung des EGMR gest&uuml;tzte Zusammenstellung eilbed&uuml;rftiger Verfahrensarten bei Peukert in Frowein\/Peukert, a.a.O., Art.&nbsp;6 Rz&nbsp;262)&#8211; typischerweise nicht durch besondere Eilbed&uuml;rftigkeit gekennzeichnet ist. Es geht in aller Regel um staatliche Geldanspr&uuml;che, die zudem regelm&auml;&szlig;ig auf einen Bruchteil des Einkommens, Umsatzes oder der sonstigen Wirtschaftsteilhabe des Verfahrensbeteiligten beschr&auml;nkt sind. Zudem gew&auml;hren Finanzverwaltung und -gerichte unter Anwendung relativ gro&szlig;z&uuml;giger Ma&szlig;st&auml;be Aussetzung der Vollziehung, so dass die meisten Verfahrensbeteiligten w&auml;hrend der Verfahrensdauer von der Pflicht zur Leistung der streitigen Steuern entweder befreit sind oder sich befreien lassen k&ouml;nnten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>72<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Eine Frist von etwa zwei Jahren wird auch von gro&szlig;en Teilen der Literatur vertreten (Peukert in Frowein\/Peukert, a.a.O., Art.&nbsp;6 Rz&nbsp;249: 1,5 bis zwei Jahre; Meyer-Ladewig, EMRK, 3.&nbsp;Aufl., Art.&nbsp;6 Rz&nbsp;199: zwei Jahre; Remus, NJW 2012, 1403, 1404: zwei bis drei Jahre). Sie entspricht zudem der tats&auml;chlichen durchschnittlichen Dauer zul&auml;ssiger Klageverfahren, die von den Finanzgerichten in den Jahren 2007 bis 2010 durch Urteil entschieden worden sind (Gesch&auml;ftsbericht der Finanzgerichte der Bundesrepublik Deutschland f&uuml;r die Jahre 2009 und 2010, Entscheidungen der Finanzgerichte 2011, 1578, 1581; vgl. aber zur eingeschr&auml;nkten Aussagekraft statistischer Werte f&uuml;r die Konkretisierung des &sect;&nbsp;198 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 GVG BVerwG-Urteil 5&nbsp;C&nbsp;23.12&nbsp;D, unter 1.b&nbsp;aa&nbsp;(2)). Auch das BVerfG hat es &#8211;in Bezug auf sein eigenes Verfahren&#8211; nicht als unangemessen angesehen, wenn bis zur Entscheidung &uuml;ber einen Schadensersatz-Geldanspruch ein Zeitraum von 27&nbsp;Monaten verstrichen ist (BVerfG-Beschluss vom 3.&nbsp;April 2013&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvR&nbsp;2256\/10 &#8211; Vz&nbsp;32\/12, NJW 2013, 2341, unter II.1.c vor aa). Zwar beziehen sich alle vorstehend genannten Durchschnittswerte auf die gesamte Verfahrenslaufzeit, w&auml;hrend der vom Senat genannte Zeitraum nur die beiden ersten Phasen eines typischen finanzgerichtlichen Verfahrens erfasst. Die damit verbundene Gew&auml;hrung eines zus&auml;tzlichen Bearbeitungszeitraums rechtfertigt sich aber daraus, dass eine entsch&auml;digungspflichtige menschenrechts- und grundgesetzwidrige Verz&ouml;gerung nur bei einer deutlichen &Uuml;berschreitung der &auml;u&szlig;ersten Grenze des Angemessenen festzustellen ist (vgl. oben b). Hinzu kommt, dass gerade bei einfach gelagerten Verfahren die dritte Phase der Bearbeitung sich h&auml;ufig auf die Ladung zur und Durchf&uuml;hrung der m&uuml;ndlichen Verhandlung oder eines Er&ouml;rterungstermins beschr&auml;nken wird, also nicht zu einer wesentlichen weiteren Verl&auml;ngerung der Verfahrensdauer f&uuml;hrt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>73<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>ee) Allerdings steht es jedem Verfahrensbeteiligten frei, das Gericht auf eine aus seiner Sicht gegebene besondere Eilbed&uuml;rftigkeit des Verfahrens hinzuweisen. Dies zeigt auch die Regelung des &sect;&nbsp;198 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 GVG, die Umst&auml;nde erfasst, die f&uuml;r ein besonderes Beschleunigungsbed&uuml;rfnis von Bedeutung sind (vgl. BTDrucks 17\/3802, 21). Werden solche Gr&uuml;nde rechtzeitig und in nachvollziehbarer Weise vorgetragen, gilt die eingangs genannte Vermutung, die Verfahrensdauer sei angemessen, wenn die dritte Phase im Verfahrensablauf gut zwei Jahre nach dem Eingang der Klage beginnt, nicht. Vielmehr kommt es dann ausschlie&szlig;lich auf die besonderen Umst&auml;nde des Einzelfalls an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>74<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>e) Bei Anwendung dieser Grunds&auml;tze ergibt sich, dass das Ausgangsverfahren w&auml;hrend eines Zeitraums von 43&nbsp;Monaten in unangemessener Weise verz&ouml;gert worden ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>75<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Die Anwendung der in &sect;&nbsp;198 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 GVG beispielhaft genannten Kriterien vermittelt im Streitfall kein einheitliches Bild.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>76<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>So war der Schwierigkeitsgrad des Verfahrens als &uuml;berdurchschnittlich hoch anzusehen. Zum einen waren Sachverhaltsermittlungen im Ausland durchzuf&uuml;hren, die sich als &auml;u&szlig;erst langwierig gestalteten. Zum anderen waren sowohl ausl&auml;ndische als auch komplexe europ&auml;ische Rechtsvorschriften anzuwenden. Die Auslegung der letztgenannten Vorschriften hat gerade w&auml;hrend der Zeit der Anh&auml;ngigkeit des Ausgangsverfahrens einer sehr dynamischen Entwicklung unterlegen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>77<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auf der anderen Seite war auch die Bedeutung des Verfahrens f&uuml;r den Kl&auml;ger als &uuml;berdurchschnittlich hoch einzusch&auml;tzen. Das Kindergeld stellt &#8211;obwohl es rechtstechnisch im EStG geregelt ist und als &quot;Steuerverg&uuml;tung&quot; bezeichnet wird (&sect;&nbsp;31 Satz&nbsp;3 EStG)&#8211; eine Leistung zur F&ouml;rderung der Familie (&sect;&nbsp;31 Satz&nbsp;2 EStG) dar, die ihren F&ouml;rderzweck grunds&auml;tzlich nur erf&uuml;llen kann, wenn es den Berechtigten in zeitlichem Zusammenhang zum Anfallen der kindbedingten Unterhaltsaufwendungen ausgezahlt wird. Dies gilt ungeachtet dessen, dass der Kl&auml;ger im vorliegenden Verfahren trotz eines entsprechenden Hinweises des Beklagten keine Angaben zu seinen Einkommens- und Verm&ouml;gensverh&auml;ltnissen gemacht hat, so dass nicht festgestellt werden kann, dass er auf die m&ouml;glichst z&uuml;gige Auszahlung des Kindergelds ebenso angewiesen war wie ein Empf&auml;nger solcher Sozialleistungen, die zur Existenzsicherung und ausschlie&szlig;lich in F&auml;llen einer konkreten Bed&uuml;rftigkeit gezahlt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>78<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Verhalten Dritter hat in erheblichem Ma&szlig;e zu der letztlich erreichten Verfahrensdauer von mehr als acht Jahren beigetragen. So war lange Zeit unklar, ob E &#8211;die am Klageverfahren nicht beteiligt war und deren Verhalten dem Kl&auml;ger nicht zuzurechnen ist&#8211; &uuml;berhaupt einen Kindergeldantrag in Nordirland gestellt hatte. Auch erteilte E nur sehr schleppend Ausk&uuml;nfte &uuml;ber die ihr gegen&uuml;ber ergangenen Entscheidungen der CBO; ebenso haben die CBO selbst sowie die nordirische Verbindungsstelle der Familienkasse jeweils l&auml;ngere Zeit ben&ouml;tigt, um Ausk&uuml;nfte gegen&uuml;ber der Familienkasse zu erteilen. Die Familienkasse als Verfahrensbeteiligte hat insoweit zu einer nennenswerten Verfahrensverz&ouml;gerung beigetragen, als sie die &#8211;letztlich streitentscheidende&#8211; Antwort der CBO nicht an das FG weitergeleitet, sondern unbearbeitet zu ihren Akten genommen hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>79<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Die vom Senat erkannte Verz&ouml;gerung um 43&nbsp;Monate ergibt sich aus einer Betrachtung des konkreten Verfahrensablaufs.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>80<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(1) Das seit dem 20.&nbsp;Februar 2004 beim FG anh&auml;ngige Ausgangsverfahren ist bereits unmittelbar nach seinem Eingang sehr zielgerichtet durch den damaligen Vorsitzenden gef&ouml;rdert worden. Dieser hat am 7.&nbsp;Juni 2004 einen rechtlichen Hinweis an den Kl&auml;ger gerichtet, der der rechtlichen und tats&auml;chlichen Problematik des Falles umfassend gerecht geworden, vom Kl&auml;ger aber nur unzureichend aufgegriffen worden ist. Weitere Hinweise des damaligen Senatsvorsitzenden folgten am 2.&nbsp;Februar 2005 und 24.&nbsp;M&auml;rz 2005. Danach hat das FG seine T&auml;tigkeit indes f&uuml;r einen mehrj&auml;hrigen Zeitraum eingestellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>81<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(2) Geht man nach den unter d dargelegten Grunds&auml;tzen davon aus, dass die Angemessenheit der Verfahrensdauer zu vermuten ist, wenn das Gericht gut zwei Jahre nach dem Eingang der Klage mit Ma&szlig;nahmen beginnt, die das Verfahren einer Entscheidung zuf&uuml;hren sollen, und ber&uuml;cksichtigt man zus&auml;tzlich, dass der damalige Senatsvorsitzende bereits w&auml;hrend des Wechsels der vorbereitenden Schrifts&auml;tze zwischen den Beteiligten zielgerichtete rechtliche Hinweise erteilt hatte, was eine gewisse Verl&auml;ngerung der Regelfrist rechtfertigt, h&auml;tte das FG das Verfahren im zweiten Halbjahr 2006 wieder aufgreifen und durch kontinuierliches T&auml;tigwerden zur Entscheidungsreife f&uuml;hren m&uuml;ssen. Da zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits die Familienkasse eigenst&auml;ndig mit Ermittlungen in Nordirland begonnen hatte, war es unter den besonderen Umst&auml;nden des Streitfalls f&uuml;r das FG sachgerecht, den Ausgang dieser Ermittlungen zun&auml;chst abzuwarten. Daher ist die Regelfrist hier um weitere sechs Monate zu verl&auml;ngern. Sp&auml;testens ab dem Beginn des Jahres 2007 &#8211;das Verfahren war seinerzeit bereits fast drei Jahre anh&auml;ngig&#8211; gen&uuml;gte es aber nicht mehr, lediglich das eigenst&auml;ndige (und bisher nicht zu konkreten Ergebnissen f&uuml;hrende) Handeln der Familienkasse zu beobachten. Vielmehr h&auml;tte das FG entweder selbst &#8211;notfalls, wie wesentlich sp&auml;ter auch tats&auml;chlich geschehen, &uuml;ber den Kl&auml;ger&#8211; darauf hinwirken m&uuml;ssen, dass E in Nordirland einen bearbeitungsf&auml;higen Kindergeldantrag stellt, oder aber im Wege der ihm obliegenden Sachaufkl&auml;rung den Inhalt des im Vereinigten K&ouml;nigreich geltenden Kindergeldrechts ermitteln m&uuml;ssen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>82<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(3) Seit Januar 2007 war das Verfahren daher als verz&ouml;gert anzusehen. Die Verz&ouml;gerung wurde auch nicht durch die zwischen November 2007 und Februar 2008 an die Familienkasse gerichteten Sachstandsanfragen des FG unterbrochen. Denn in diesem Verfahrensstadium war &#8211;wie vorstehend unter (2) dargelegt&#8211; das blo&szlig;e Abwarten der Ergebnisse der eigenen Ermittlungen der Familienkasse nicht mehr ausreichend. Die Verz&ouml;gerung des Verfahrens endete vielmehr &#8211;vorl&auml;ufig&#8211; erst mit der im April 2009 ergangenen Ladung zum Er&ouml;rterungstermin. Von Januar 2007 bis M&auml;rz 2009 ist danach eine unangemessene Verfahrensverz&ouml;gerung von 27&nbsp;Monaten zu verzeichnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>83<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(4) Mit Zustimmung der Beteiligten hat das FG am 15.&nbsp;Juni 2009 das Ruhen des Verfahrens angeordnet. Die Zeit eines einvernehmlichen f&ouml;rmlichen Ruhens des Verfahrens kann grunds&auml;tzlich nicht als unangemessen im Hinblick auf die Gesamtverfahrensdauer angesehen werden, da jeder Beteiligte die M&ouml;glichkeit hat, den Eintritt des Ruhens durch Versagung seiner erforderlichen Zustimmung zu verhindern.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>84<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Allerdings endet die Wirkung eines Ruhensbeschlusses von selbst, sobald das in diesem Beschluss genannte Ereignis eintritt (BFH-Beschluss vom 9.&nbsp;August 2007 III&nbsp;B&nbsp;187\/06, BFH\/NV 2007, 2310). F&uuml;r den konkreten Zeitpunkt, zu dem die Wirkung eines Ruhensbeschlusses endet, ist dabei die Formulierung des jeweiligen Beschlusstenors ma&szlig;gebend. So endet ein &quot;bis zum Ergehen&quot; einer bestimmten obergerichtlichen Entscheidung angeordnetes Ruhen bereits mit dem &#8211;objektiven&#8211; Ergehen der Entscheidung im bezeichneten Musterverfahren; ob das Gericht oder die Beteiligten im bisher ruhenden Verfahren Kenntnis von der obergerichtlichen Entscheidung haben, ist ohne Belang (BFH-Beschluss vom 8.&nbsp;Januar 2013 V&nbsp;B&nbsp;23\/12, BFH\/NV 2013, 748). Ebenso kommt es zur Beurteilung des vorliegenden Falles, in dem das FG das Ruhen &quot;bis zur Entscheidung&quot; &uuml;ber den Antrag der E angeordnet hatte, allein auf das objektive Ergehen dieser Entscheidung an, nicht aber auf die entsprechende Kenntniserlangung durch das FG. Damit ruhte das Ausgangsverfahren ab dem 30.&nbsp;M&auml;rz 2010, dem Datum der Entscheidung der CBO, nicht mehr.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>85<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(5) Dies bedeutet jedoch nicht, dass das Ausgangsverfahren ab diesem Zeitpunkt wieder als unangemessen verz&ouml;gert anzusehen w&auml;re. Vielmehr ist im Rahmen der Beurteilung der Angemessenheit zu ber&uuml;cksichtigen, dass das FG vom objektiven Wegfall des Ruhensgrunds keine Kenntnis haben konnte. Zudem hat das FG die Familienkasse bereits am 6.&nbsp;April 2010 gebeten, &uuml;ber deren nordirische Verbindungsstelle Ermittlungen zum Schicksal des Kindergeldantrags zu f&uuml;hren. Dies war sachgerecht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>86<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach Auffassung des Senats durfte das FG in diesem Verfahrensstadium allerdings nicht l&auml;nger als sechs Monate auf eine Antwort warten. Zwar nehmen Ermittlungen, die im Wege der Einschaltung ausl&auml;ndischer Beh&ouml;rden gef&uuml;hrt werden, erfahrungsgem&auml;&szlig; deutlich l&auml;ngere Zeitr&auml;ume in Anspruch als vergleichbare Ermittlungen im Inland. Auf der anderen Seite sind die Verbindungsstellen der Familienkassen gerade deshalb geschaffen worden, um im Interesse der Verfahrensbeschleunigung einen unmittelbaren Verkehr zwischen den beteiligten Fachbeh&ouml;rden zu erm&ouml;glichen (vgl. Art.&nbsp;3 der Verordnung (EWG) Nr.&nbsp;574\/72 des Rates vom 21.&nbsp;M&auml;rz 1972 &uuml;ber die Durchf&uuml;hrung der Verordnung (EWG) Nr.&nbsp;1408\/71 &uuml;ber die Anwendung der Systeme der sozialen Sicherheit auf Arbeitnehmer und Selbst&auml;ndige sowie deren Familienangeh&ouml;rige, die innerhalb der Gemeinschaft zu- und abwandern), ohne den komplizierten und zeitraubenden Weg eines Rechtshilfeersuchens zu gehen. Zudem war das Verfahren beim Beginn dieser Ermittlungen bereits seit &uuml;ber sechs Jahren anh&auml;ngig und schon erheblich verz&ouml;gert. In einem solchen Fall verdichtet sich &#8211;wie bereits ausgef&uuml;hrt&#8211; die Pflicht des Gerichts, auf eine ununterbrochene F&ouml;rderung des Verfahrens hinzuwirken. Angesichts des Umstands, dass im gesamten Verlauf des bisherigen Verfahrens keine brauchbaren Unterlagen aus Nordirland beim FG eingegangen waren, durfte es sich nicht allein auf die Antwortbereitschaft der ausl&auml;ndischen Beh&ouml;rde verlassen. Sp&auml;testens im November 2010 h&auml;tte das FG daher auf anderem Wege t&auml;tig werden m&uuml;ssen. Tats&auml;chlich ist es jedoch erst am 10.&nbsp;August 2011 &#8211;auf Dr&auml;ngen des Kl&auml;gers&#8211; t&auml;tig geworden, indem es diesen um die Vorlage einer Bescheinigung des CBO gebeten hat. F&uuml;r den Zeitraum von November 2010 bis Juli 2011 ist somit eine weitere unangemessene Verz&ouml;gerung von neun Monaten zu verzeichnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>87<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(6) Der Kl&auml;ger reichte die angeforderte Bescheinigung am 6.&nbsp;Dezember 2011 beim FG ein. Danach h&auml;tte das FG angesichts der bereits erreichten Verfahrensdauer von knapp acht Jahren umgehend mit der abschlie&szlig;enden Bearbeitung des Verfahrens beginnen m&uuml;ssen. Allein die kommentarlose &Uuml;bersendung der Bescheinigung an die Familienkasse kann nach nahezu achtj&auml;hriger Verfahrensdauer nicht als ausreichende Verfahrensf&ouml;rderung angesehen werden, zumal das FG selbst diese Bescheinigung angefordert hatte und sich daher gegen&uuml;ber den Beteiligten zumindest dazu h&auml;tte &auml;u&szlig;ern k&ouml;nnen, ob die Bescheinigung die Erwartungen, die das FG bei dessen Anforderung hegte, erf&uuml;llen konnte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>88<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Tats&auml;chlich hat das FG erst auf die wiederholten Verz&ouml;gerungsr&uuml;gen des Kl&auml;gers am 26.&nbsp;M&auml;rz 2012 die Kindergeldakten bei der Familienkasse angefordert und die Akten im August 2012 durchgesehen; diese Aktendurchsicht f&uuml;hrte dann am 15.&nbsp;August 2012 zu rechtlichen Hinweisen an die Beteiligten und &#8211;ohne weitere Verz&ouml;gerung&#8211; zu einer Beendigung des Ausgangsverfahrens durch beh&ouml;rdliche Abhilfe und die Abgabe von Hauptsacheerledigungserkl&auml;rungen. Im Zeitraum von Januar bis Juli 2012 ist daher eine weitere unangemessene Verz&ouml;gerung von sieben Monaten eingetreten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>89<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dieser Beurteilung steht nicht entgegen, dass das FG sich in der Zeit ab dem 20.&nbsp;April 2012 bem&uuml;ht hat, die Erledigung eines Verfahrens &uuml;ber &quot;Kindergeld ab Mai 2010&quot; zu erreichen. Ein solches Verfahren war zu keinem Zeitpunkt beim FG anh&auml;ngig. Die &#8211;auch teilweise&#8211; Ablehnung einer Kindergeldfestsetzung entfaltet vielmehr nur bis zum Ende des Monats der Bekanntgabe der Einspruchsentscheidung Bindungswirkung (BFH-Beschluss vom 19.&nbsp;Dezember 2008 III&nbsp;B&nbsp;163\/07, BFH\/NV 2009, 578, m.w.N. auf die st&auml;ndige h&ouml;chstrichterliche Rechtsprechung zu dieser Frage), hier also bis Januar 2004. Wenn das FG sich um die Beendigung eines solchen, nur vermeintlich bei ihm anh&auml;ngigen Verfahrens bem&uuml;ht, kann dies nicht dazu f&uuml;hren, dass das tats&auml;chlich anh&auml;ngige, bereits erheblich verz&ouml;gerte Verfahren w&auml;hrend eines weiteren Zeitraums unbearbeitet bleiben darf. Soweit der Beklagte das Vorgehen des FG damit zu erkl&auml;ren versucht, die dortige Berichterstatterin habe den Eintritt der Festsetzungsverj&auml;hrung verhindern wollen, &uuml;berzeugt dies nicht. F&uuml;r Anspruchszeitr&auml;ume ab Mai 2010 drohte im Jahr 2012 erkennbar noch keine Festsetzungsverj&auml;hrung. F&uuml;r Zeitr&auml;ume ab Februar 2004 &#8211;f&uuml;r die aufgrund entsprechender Erkl&auml;rungen der Familienkasse der Eintritt der Festsetzungsverj&auml;hrung ebenfalls nicht drohte&#8211; sind keine Ma&szlig;nahmen des FG feststellbar, die zus&auml;tzlich zu den bereits f&uuml;r den Streitzeitraum (M&auml;rz 2001 bis Januar 2004) ergriffenen Ma&szlig;nahmen getroffen worden w&auml;ren und insoweit zu einer Verl&auml;ngerung des Verfahrens h&auml;tten f&uuml;hren k&ouml;nnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>90<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(7) Danach ist das Verfahren von Januar 2007 bis M&auml;rz 2009 (27&nbsp;Monate), November 2010 bis Juli 2011 (neun Monate) und Januar bis Juli 2012 (sieben Monate) unangemessen verz&ouml;gert worden, insgesamt also w&auml;hrend eines Zeitraums von 43&nbsp;Monaten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>91<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Die vorstehend vorgenommene Beurteilung l&auml;sst entgegen der Auffassung des Beklagten keinen Raum mehr daf&uuml;r, die unzutreffende Angabe des Kl&auml;gers zu Beginn des Ausgangsverfahrens, in Nordirland sei bereits damals ein Kindergeldantrag gestellt worden, zur Rechtfertigung der langen Verfahrensdauer heranzuziehen. Vielmehr hat der Senat die Wartezeit auf die Antragstellung, Antragsbearbeitung und Entscheidungsbekanntgabe in Nordirland im Rahmen der vorstehend unter bb vorgenommenen W&uuml;rdigung der Umst&auml;nde des Einzelfalls bereits hinreichend bei der Bemessung der noch als angemessen anzusehenden Verfahrensdauer ber&uuml;cksichtigt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>92<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Umgekehrt vermag der Senat auch der Auffassung des Kl&auml;gers nicht zu folgen, das Verhalten aller in das Ausgangsverfahren einbezogenen in- und ausl&auml;ndischen Beh&ouml;rden sei dem Beklagten zuzurechnen, so dass die Wartezeit auf beh&ouml;rdliche Entscheidungen keinerlei Verfahrensverl&auml;ngerung rechtfertige. Das &quot;Verhalten der Verfahrensbeteiligten und Dritter&quot; ist vielmehr gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;198 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 GVG als eines von mehreren Merkmalen in die Bewertung und Gewichtung der Umst&auml;nde des Einzelfalls einzubeziehen. Soweit das FG das Verhalten von &#8211;insbesondere ausl&auml;ndischen&#8211; Beh&ouml;rden nicht beeinflussen kann, ist ihm dieses Verhalten nicht unmittelbar zuzurechnen. Es hat lediglich die &#8211;sich mit zunehmender Verfahrensdauer verdichtende&#8211; Pflicht, das Verfahren zu f&ouml;rdern.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>93<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Entscheidung &uuml;ber die H&ouml;he des Entsch&auml;digungsanspruchs bleibt dem Betragsverfahren bzw. Endurteil vorbehalten. Gleiches gilt f&uuml;r die Kostenentscheidung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Entscheidung vom 7.11.2013, X K 13\/12 Unangemessene Dauer eines finanzgerichtlichen Klageverfahrens Leits&auml;tze 1. Die Dauer eines Gerichtsverfahrens ist nur dann &quot;unangemessen&quot; i.S des &sect; 198 GVG, wenn eine deutliche &Uuml;berschreitung der &auml;u&szlig;ersten Grenze des Angemessenen feststellbar ist. 2. 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