{"id":61640,"date":"2014-02-16T14:37:20","date_gmt":"2014-02-16T12:37:20","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=61640"},"modified":"2014-02-16T14:37:20","modified_gmt":"2014-02-16T12:37:20","slug":"v-r-31-12-sollbesteuerung-und-steuerberichtigung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-31-12-sollbesteuerung-und-steuerberichtigung\/","title":{"rendered":"V&nbsp;R&nbsp;31\/12 &#8211; Sollbesteuerung und Steuerberichtigung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 24.10.2013, V R 31\/12<\/p>\n<p class=\"titel\">Sollbesteuerung und Steuerberichtigung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Soweit ein der Sollbesteuerung unterliegender Unternehmer seinen Entgeltanspruch aufgrund eines vertraglichen Einbehalts zur Absicherung von Gew&auml;hrleistungsanspr&uuml;chen &uuml;ber einen Zeitraum von zwei bis f&uuml;nf Jahren nicht verwirklichen kann, ist er bereits f&uuml;r den Voranmeldungszeitraum der Leistungserbringung zur Steuerberichtigung berechtigt.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin), eine GmbH &#038; Co.&nbsp;KG, ist im Bereich der Oberfl&auml;chentechnik (Malerarbeiten, Strahltechnik und Verzinkerei) t&auml;tig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In ihrer f&uuml;r das Streitjahr 2007 abgegebenen Umsatzsteuerjahreserkl&auml;rung vom 8.&nbsp;April 2008, die einer Steuerfestsetzung unter Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;168 Satz&nbsp;1 der Abgabenordnung gleichstand, ber&uuml;cksichtigte die Kl&auml;gerin sog. Sicherheitseinbehalte f&uuml;r m&ouml;gliche Baum&auml;ngel nicht als bereits bei der Leistungserbringung zu versteuerndes Entgelt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Anschluss an eine Umsatzsteuer-Sonderpr&uuml;fung ging der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) demgegen&uuml;ber davon aus, dass die Kl&auml;gerin ihre Leistungen auch im Umfang der Sicherheitseinbehalte bereits mit Leistungserbringung zu versteuern habe. Das FA erlie&szlig; am 25.&nbsp;Juni 2008 einen entsprechenden &Auml;nderungsbescheid f&uuml;r das Streitjahr.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Einspruch und Klage zum Finanzgericht (FG) hatten keinen Erfolg. Nach dem in &quot;Entscheidungen der Finanzgerichte&quot; 2012, 2167 ver&ouml;ffentlichten Urteil des FG ist die Kl&auml;gerin nach &sect;&nbsp;13 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;a des Umsatzsteuergesetzes (UStG) in der f&uuml;r das Streitjahr geltenden Fassung unter Ber&uuml;cksichtigung der hierzu ergangenen Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) zur Besteuerung nach vereinbarten Entgelten (Sollbesteuerung) auch im Umfang der Sicherungseinbehalte verpflichtet. Die Voraussetzungen f&uuml;r eine Besteuerung nach vereinnahmten Entgelten (Istbesteuerung) gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;13 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;b UStG i.V.m. &sect;&nbsp;20 UStG h&auml;tten nicht vorgelegen. Daher habe die Kl&auml;gerin ihre Leistungen bei Erbringung unabh&auml;ngig von einer Entgeltvereinnahmung zu versteuern. Eine Berichtigung wegen Uneinbringlichkeit nach &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 UStG liege nicht vor. Eine derartige Uneinbringlichkeit sei nur aufgrund konkreter M&auml;ngelr&uuml;gen anzunehmen, die im Streitfall nicht vorl&auml;gen. Nach den von der Kl&auml;gerin geschlossenen Vertr&auml;gen sei sie zumindest gegen &Uuml;bernahme von Gew&auml;hrleistungsb&uuml;rgschaften zur vollen Entgeltvereinnahmung berechtigt gewesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen wendet sich die Kl&auml;gerin mit der Revision, die sie auf Verletzung materiellen Rechts st&uuml;tzt. Ihre Auftraggeber h&auml;tten zwischen 5&nbsp;% bis 10&nbsp;% der Auftragssumme als Sicherheit f&uuml;r Gew&auml;hrleistungszeitr&auml;ume von zwei oder f&uuml;nf Jahren einbehalten. Im Umfang dieser Sicherungseinbehalte habe sie nicht &uuml;ber liquide Mittel verf&uuml;gt. Bereits mangelnder Zahlungswille reiche f&uuml;r eine Berichtigung nach &sect;&nbsp;17 UStG aus. Es bestehe kein Erfordernis einer Entgeltsminderung oder einer M&auml;ngelr&uuml;ge. Dies entspreche auch der Rechtsprechung zum Insolvenzrecht, nach der dem Zahlungseingang erhebliche Bedeutung zukomme. Sie sei als blo&szlig;er Steuereinnehmer nicht zur Vorfinanzierung von Steuern verpflichtet. Zudem habe sie im Streitjahr von Banken keine B&uuml;rgschaften erhalten k&ouml;nnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt,<br \/>das Urteil des FG und den Umsatzsteuer&auml;nderungsbescheid 2007 vom 25.&nbsp;Juni 2008 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 4.&nbsp;November 2009 aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin habe ihre Entgelte im Hinblick auf Gew&auml;hrleistungsverpflichtungen unstreitig teilweise erst nach zwei bis f&uuml;nf Jahren vereinnahmt. &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 UStG sei zwar bei mangelndem Zahlungswillen oder bei Zahlungsunf&auml;higkeit anzuwenden. Die Auftraggeber der Kl&auml;gerin h&auml;tten aber weder die Zahlungen noch das Bestehen oder die H&ouml;he der vereinbarten Entgelte bestritten. Eine lediglich tempor&auml;re Zahlungsunwilligkeit reiche nicht aus. Die Kl&auml;gerin habe weder konkrete Vereinbarungen vorgelegt noch M&auml;ngelr&uuml;gen oder Rechnungsk&uuml;rzungen nachgewiesen. Die Pflicht zur Vorfinanzierung im Rahmen der Sollbesteuerung sei nicht rechtswidrig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision der Kl&auml;gerin ist begr&uuml;ndet. Das Urteil des FG ist aufzuheben und die Sache an das FG zur&uuml;ckzuverweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Entgegen dem Urteil des FG kann die Kl&auml;gerin im Umfang der Sicherungseinbehalte zu einer Minderung wegen Uneinbringlichkeit nach &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 UStG berechtigt sein. Zum Umfang und den Voraussetzungen dieser Sicherungseinbehalte sind aber noch weitere Feststellungen zu treffen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Steuer f&uuml;r die von der Kl&auml;gerin erbrachten Leistungen ist nach &sect;&nbsp;13 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;a UStG mit dem Ablauf des Voranmeldungszeitraums der Leistungserbringung und damit im Streitjahr entstanden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;13 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;a UStG entsteht die Steuer f&uuml;r Lieferungen und sonstige Leistungen bei der Berechnung der Steuer nach vereinbarten Entgelten und damit bei der sog. Sollbesteuerung mit Ablauf des Voranmeldungszeitraums, in dem die Leistungen ausgef&uuml;hrt worden sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Vorschrift beruht unionsrechtlich auf Art.&nbsp;63 der Richtlinie 2006\/112\/EG des Rates vom 28.&nbsp;November 2006 &uuml;ber das gemeinsame Mehrwertsteuersystem (MwStSystRL). Danach treten Steuertatbestand und Steueranspruch zu dem Zeitpunkt ein, zu dem die Lieferung von Gegenst&auml;nden bewirkt oder die Dienstleistung erbracht wird. Eine einschr&auml;nkende Auslegung dieser Bestimmung dergestalt, dass Steuertatbestand und Steueranspruch nur im Umfang der Leistungsentgelte eintreten, die bei Leistungsbewirkung f&auml;llig und rechtlich durchsetzbar sind, ist im Hinblick auf ihren eindeutigen Wortlaut nicht m&ouml;glich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Wie der Senat bereits in seinem Urteil vom 22.&nbsp;Juli 2010 V&nbsp;R&nbsp;4\/09 (BFHE 231, 260, BStBl II 2013, 590, unter II.4.b&nbsp;dd) ausdr&uuml;cklich entschieden hat, verst&ouml;&szlig;t die auf dem Unionsrecht beruhende Sollbesteuerung nicht gegen die Grunds&auml;tze der Gleichbehandlung und der Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeit und ist aus diesem Grund auch verfassungsgem&auml;&szlig; (vgl. auch den Beschluss des Bundesverfassungsgerichts &#8211;BVerfG&#8211; vom 20.&nbsp;M&auml;rz 2013&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvR&nbsp;3063\/10, H&ouml;chstrichterliche Finanzrechtsprechung &#8211;HFR&#8211; 2013, 535, Wertpapier-Mitteilungen\/Zeitschrift f&uuml;r Wirtschafts- und Bankrecht &#8211;WM&#8211; 2013, 818, mit dem eine Verfassungsbeschwerde gegen dieses Senatsurteil nicht zur Entscheidung angenommen wurde). Soweit sich die Sollbesteuerung im Einzelfall als unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig erweisen sollte, ist dem durch die Auslegung des Berichtigungstatbestandes der Uneinbringlichkeit (&sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 UStG, vgl. auch Art.&nbsp;90 Abs.&nbsp;1 MwStSystRL) Rechnung zu tragen (BFH-Urteil in BFHE 231, 260, BStBl II 2013, 590, unter II.4.b&nbsp;dd&nbsp;(1), und W&auml;ger, Umsatzsteuer-Rundschau 2013, 673&nbsp;ff., 674).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Im Streitfall entstand die Steuer f&uuml;r die Leistungen der Kl&auml;gerin, die der Sollbesteuerung nach &sect;&nbsp;13 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;a UStG unterlag, mit Ablauf des Voranmeldungszeitraums der Leistungserbringung und damit im Streitjahr, da ihr keine Genehmigung zur sog. Istbesteuerung nach &sect;&nbsp;13 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;b UStG i.V.m. &sect;&nbsp;20 UStG erteilt worden war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Das Urteil des FG ist aufzuheben, da die Kl&auml;gerin dem Grunde nach zu einer Berichtigung des Steueranspruchs f&uuml;r die von ihr erbrachten Leistungen gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 UStG berechtigt ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) &Auml;ndert sich die Bemessungsgrundlage f&uuml;r einen steuerpflichtigen Umsatz i.S. des &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 UStG, hat der Unternehmer, der diesen Umsatz ausgef&uuml;hrt hat, gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 UStG den daf&uuml;r geschuldeten Steuerbetrag zu berichtigen. Nach &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 UStG gilt dies sinngem&auml;&szlig;, wenn das vereinbarte Entgelt f&uuml;r eine steuerpflichtige Lieferung, sonstige Leistung oder einen steuerpflichtigen innergemeinschaftlichen Erwerb uneinbringlich geworden ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Diese Regelung beruht unionsrechtlich auf Art.&nbsp;90 Abs.&nbsp;1 MwStSystRL. Danach wird im Falle der Annullierung, der R&uuml;ckg&auml;ngigmachung, der Aufl&ouml;sung, der vollst&auml;ndigen oder teilweisen Nichtbezahlung oder des Preisnachlasses nach der Bewirkung des Umsatzes die Steuerbemessungsgrundlage unter den von den Mitgliedstaaten festgelegten Bedingungen entsprechend vermindert.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Bei der Auslegung des Begriffs der Uneinbringlichkeit i.S. von &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 UStG ist der f&uuml;r die Mitgliedstaaten bestehende Regelungsspielraum zu beachten, der sich daraus ergibt, dass Art.&nbsp;90 Abs.&nbsp;1 MwStSystRL eine Verminderung der Steuerbemessungsgrundlage f&uuml;r den Fall &quot;der vollst&auml;ndigen oder teilweisen Nichtbezahlung &#8230; nach der Bewirkung des Umsatzes &#8230; unter den von den Mitgliedstaaten festgelegten Bedingungen&quot; anordnet. Bei der Aus&uuml;bung dieser Regelungsbefugnis, die den Mitgliedstaaten einen Umsetzungsspielraum einr&auml;umt, sind nach der Rechtsprechung des BVerfG (BVerfG-Beschluss in HFR 2013, 535, WM 2013, 818, unter III.1.) wie auch nach der Rechtsprechung des erkennenden Senats (BFH-Urteil in BFHE 231, 260, BStBl II 2013, 590, unter II.4.e) die Grundrechte des nationalen Verfassungsrechts zu ber&uuml;cksichtigen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Uneinbringlich ist ein Entgelt i.S. von &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 UStG, wenn bei objektiver Betrachtung damit zu rechnen ist, dass der Leistende die Entgeltforderung (ganz oder teilweise) jedenfalls auf absehbare Zeit rechtlich oder tats&auml;chlich nicht durchsetzen kann (BFH-Urteil in BFHE 231, 260, BStBl II 2013, 590, unter II.4.b&nbsp;dd&nbsp;(1)). Kann der Unternehmer das Entgelt f&uuml;r seine bereits erbrachten Leistungen aus Gr&uuml;nden, die bereits bei Leistungserbringung vorliegen, f&uuml;r einen Zeitraum &uuml;ber zwei bis f&uuml;nf Jahre nicht vereinnahmen, ist erst recht von Uneinbringlichkeit i.S. von &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 UStG auszugehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Denn eine Vorfinanzierung der Umsatzsteuer &uuml;ber mehrj&auml;hrige Zeitr&auml;ume ist im Verh&auml;ltnis zur Besteuerung der Unternehmer, die der Istbesteuerung unterliegen, mit dem Gleichheitsgrundsatz nicht vereinbar. Mit der Istbesteuerung (&sect;&nbsp;13 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;b UStG i.V.m. &sect;&nbsp;20 UStG) hat der Gesetzgeber die ihm nach Unionsrecht einger&auml;umte Erm&auml;chtigung ausge&uuml;bt, f&uuml;r die Entstehung des Steueranspruchs nach Art.&nbsp;66 Buchst.&nbsp;b MwStSystRL auf die Vereinnahmung des Preises abzustellen. Die Auslegung des Begriffs &quot;Uneinbringlichkeit&quot; muss auch dazu dienen, die Besteuerungsgleichheit zwischen den Besteuerungsformen der Soll- und Istbesteuerung zu gew&auml;hrleisten (BFH-Urteil in BFHE 231, 260, BStBl II 2013, 590, unter II.4.b&nbsp;dd&nbsp;(1) und oben II.1.a, und W&auml;ger, a.a.O., S.&nbsp;674).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dar&uuml;ber hinaus w&auml;re die Verpflichtung zu einer mehrj&auml;hrigen Vorfinanzierung der Umsatzsteuer mit Blick auf die dem Unternehmer zukommende Aufgabe, &quot;&ouml;ffentliche Gelder&quot; als &quot;Steuereinnehmer f&uuml;r Rechnung des Staates&quot; zu vereinnahmen (Urteile des Europ&auml;ischen Gerichtshofs vom 20.&nbsp;Oktober 1993 C-10\/92, Balocchi, Slg. 1993, I-5105, Rdnr.&nbsp;25, und vom 21.&nbsp;Februar 2008 C-271\/06, Netto Supermarkt, Slg. 2008, I-771, Rdnr.&nbsp;21) unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig. Ob dies auch f&uuml;r andere Fallgestaltungen wie z.B. die Lieferung im Rahmen von Leasingverh&auml;ltnissen zu gelten hat (so Senatsurteil vom 1.&nbsp;Oktober 1970 V&nbsp;R&nbsp;49\/70, BFHE 100, 272, BStBl II 1971, 34, unter 3.), ist im Streitfall nicht zu entscheiden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Gegen Uneinbringlichkeit bereits im Voranmeldungszeitraum der Leistungserbringung (&sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1, Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 i.V.m. &sect;&nbsp;18 Abs.&nbsp;1 UStG) spricht nicht das Senatsurteil vom 28.&nbsp;Juni 2000 V&nbsp;R&nbsp;45\/99 (BFHE 192, 129, BStBl II 2000, 703, unter II.4.). Dort hat der Senat nur entschieden, dass sich Uneinbringlichkeit nach &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 UStG und nachtr&auml;gliche Vereinnahmung nach Satz&nbsp;2 dieser Vorschrift im selben Voranmeldungs- oder Besteuerungszeitraum gegenseitig aufheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>e) Die Annahme einer Uneinbringlichkeit aufgrund von Umst&auml;nden, die bei Leistungserbringung vorliegen, und die zu einer Berichtigung bereits f&uuml;r den Voranmeldungszeitraum der Leistungserbringung f&uuml;hren, verst&ouml;&szlig;t auch nicht gegen den durch Art.&nbsp;90 Abs.&nbsp;1 MwStSystRL vorgegebenen Rechtsrahmen. Soweit es danach erforderlich ist, eine Berichtigung &quot;nach der Bewirkung des Umsatzes&quot; vorzusehen, reicht es aus, wenn es zur Uneinbringlichkeit nach der Leistungserbringung deshalb kommt, weil keine B&uuml;rgschaft gestellt werden kann.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>f) Ein Widerspruch zur Rechtsprechung des XI.&nbsp;Senats des BFH liegt nicht vor. Soweit dieser in seinem Urteil vom 16.&nbsp;April 2008 XI&nbsp;R&nbsp;56\/06 (BFHE 221, 475, BStBl II 2008, 909) davon ausgegangen ist, dass die Lieferung bereits bei ihrer Ausf&uuml;hrung voll zu versteuern ist, betraf dies eine Lieferung im Rahmen eines tausch&auml;hnlichen Vorgangs, bei dem vom Empf&auml;nger der Lieferung keine Zahlungen zu leisten waren, so dass sich die Frage nach dem Zeitpunkt einer Vereinnahmung von Geldbetr&auml;gen nicht stellen konnte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Sache ist nicht spruchreif. Das FG hat ausgehend von seinem Rechtsstandpunkt keine Feststellungen zu der Frage getroffen, in welchem Umfang die Kl&auml;gerin aufgrund der Sicherungseinbehalte Entgelte nicht vereinnahmen konnte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Soweit die Kl&auml;gerin nach den von ihr abgeschlossenen Vertr&auml;gen eine vollst&auml;ndige Entgeltzahlung bereits mit Leistungserbringung f&uuml;r den Fall beanspruchen konnte, dass sie die Gew&auml;hrleistungsanspr&uuml;che ihrer Leistungsempf&auml;nger durch Bankb&uuml;rgschaft sicherte, kommt es dabei auch darauf an, ob der Kl&auml;gerin eine derartige B&uuml;rgschaftsgestellung m&ouml;glich war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>27<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zu pr&uuml;fen ist schlie&szlig;lich auch, ob die Kl&auml;gerin im Streitjahr eine Steuerminderung f&uuml;r in Vorjahren erbrachte Leistungen geltend gemacht hat, die dann aber nur zu einer Berichtigung im Jahr der Leistungserbringung f&uuml;hren k&ouml;nnte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 24.10.2013, V R 31\/12 Sollbesteuerung und Steuerberichtigung Leits&auml;tze Soweit ein der Sollbesteuerung unterliegender Unternehmer seinen Entgeltanspruch aufgrund eines vertraglichen Einbehalts zur Absicherung von Gew&auml;hrleistungsanspr&uuml;chen &uuml;ber einen Zeitraum von zwei bis f&uuml;nf Jahren nicht verwirklichen kann, ist er bereits f&uuml;r den Voranmeldungszeitraum der Leistungserbringung zur Steuerberichtigung berechtigt. Tatbestand 1&nbsp; I. Die Kl&auml;gerin und &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-31-12-sollbesteuerung-und-steuerberichtigung\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">V&nbsp;R&nbsp;31\/12 &#8211; Sollbesteuerung und Steuerberichtigung<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-61640","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/61640","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=61640"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/61640\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=61640"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=61640"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=61640"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}