{"id":61657,"date":"2014-02-16T14:37:33","date_gmt":"2014-02-16T12:37:33","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=61657"},"modified":"2014-02-16T14:37:33","modified_gmt":"2014-02-16T12:37:33","slug":"vi-r-44-12-bindungswirkung-einer-lohnsteueranrufungsauskunft-auch-gegenueber-dem-arbeitnehmer-nachforderungsverfahren-als-fortsetzung-des-lohnsteuerabzugsverfahrens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-44-12-bindungswirkung-einer-lohnsteueranrufungsauskunft-auch-gegenueber-dem-arbeitnehmer-nachforderungsverfahren-als-fortsetzung-des-lohnsteuerabzugsverfahrens\/","title":{"rendered":"VI&nbsp;R&nbsp;44\/12 &#8211; Bindungswirkung einer Lohnsteueranrufungsauskunft auch gegen&uuml;ber dem Arbeitnehmer &#8211; Nachforderungsverfahren als Fortsetzung des Lohnsteuerabzugsverfahrens"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 17.10.2013, VI R 44\/12<\/p>\n<p class=\"titel\">Bindungswirkung einer Lohnsteueranrufungsauskunft auch gegen&uuml;ber dem Arbeitnehmer &#8211; Nachforderungsverfahren als Fortsetzung des Lohnsteuerabzugsverfahrens<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Erteilt das Betriebsst&auml;ttenfinanzamt dem Arbeitgeber eine Lohnsteueranrufungsauskunft, sind die Finanzbeh&ouml;rden im Rahmen des Lohnsteuerabzugsverfahrens an diese auch gegen&uuml;ber dem Arbeitnehmer gebunden.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Das FA kann daher die vom Arbeitgeber aufgrund einer (unrichtigen) Anrufungsauskunft nicht einbehaltene und abgef&uuml;hrte Lohnsteuer vom Arbeitnehmer nicht nach &sect; 42d Abs. 3 Satz 4 Nr. 1 EStG nachfordern.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Streitig ist die Rechtm&auml;&szlig;igkeit eines Lohnsteuer-Nachforderungsbescheids zu Lasten des Arbeitnehmers.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) ist Arbeitnehmer der G-GmbH (GmbH). Die GmbH war zun&auml;chst Mitglied der Zusatzversorgungskasse (ZVK) der Stadt &quot;E-Stadt&quot;. Mit der Mitgliedschaft verfolgte sie den Zweck, ihren Arbeitnehmern beim Ausscheiden aus dem Arbeitsverh&auml;ltnis einen zus&auml;tzlichen Versorgungsanspruch zu verschaffen. Entsprechend einer am 10.&nbsp;Januar 2001 abgeschlossenen Vereinbarung &uuml;bernahm die ZVK &quot;L-Stadt&quot; das Verm&ouml;gen der ZVK &quot;E-Stadt&quot;. Die bisherigen Mitglieder der ZVK &quot;E-Stadt&quot; wurden mit Wirkung ab dem 1.&nbsp;Januar 2001 Mitglieder der ZVK &quot;L-Stadt&quot;. Zum Ausgleich der mit der &Uuml;bernahme der ZVK &quot;E-Stadt&quot; f&uuml;r die ZVK &quot;L-Stadt&quot; verbundenen Nachteile hatte die ZVK &quot;E-Stadt&quot; eine Ausgleichszahlung (sog. Nachteilsausgleich) an die ZVK &quot;L-Stadt&quot; zu leisten. Sie behandelte die Zahlungen des Nachteilsausgleichs als erh&ouml;hte Umlage und erhob Lohnsteuer mit einem Pauschalsteuersatz gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;40b des Einkommensteuergesetzes (EStG). Soweit die Zahlungen die Pauschalierungsgrenze &uuml;berstiegen, unterwarf die GmbH die entsprechenden Betr&auml;ge dem Regelbesteuerungsverfahren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Urteil vom 14.&nbsp;September 2005 VI&nbsp;R&nbsp;148\/98 (BFHE 210, 443, BStBl II 2006, 532) entschied der erkennende Senat, dass die Nachteilsausgleichszahlungen keinen Arbeitslohn darstellten. Im Anschluss an diese Entscheidung beantragte die GmbH beim zust&auml;ndigen Betriebsst&auml;ttenfinanzamt &quot;E-Stadt&quot; eine Anrufungsauskunft nach &sect;&nbsp;42e EStG, wonach es ihr erlaubt sei, s&auml;mtliche zu Unrecht versteuerten Nachteilsausgleichszahlungen der Jahre 2002 bis 2005 im laufenden Lohnsteuerzahlungszeitraum des Jahres 2006 in Form negativer Einnahmen zu korrigieren. Diesem Antrag gab das Betriebsst&auml;ttenfinanzamt am 29.&nbsp;Juni 2006 statt. Die GmbH machte in der Lohnsteuerabrechnung f&uuml;r September 2006 von der Auskunft Gebrauch und verrechnete die laufenden Bruttoarbeitsl&ouml;hne ihrer Mitarbeiter mit negativen Einnahmen im Umfang der jeweils auf die Nachteilsausgleichszahlungen abgef&uuml;hrten Lohnsteuer, auch soweit das Jahr 2001 betroffen war. Mit Schreiben vom 20.&nbsp;September 2006 widerrief das Betriebsst&auml;ttenfinanzamt seine Anrufungsauskunft vom 29.&nbsp;Juni 2006. Die dagegen von der GmbH erhobene Klage war in der Revisionsinstanz erfolgreich. Der Senat hob die Aufhebungsverf&uuml;gung des Betriebsst&auml;ttenfinanzamts vom 20.&nbsp;September 2006 mit Urteil vom 2.&nbsp;September 2010 VI&nbsp;R&nbsp;3\/09 (BFHE 230, 500, BStBl II 2011, 233) auf.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 21.&nbsp;November 2008 erhielt der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) als Wohnsitzfinanzamt des Kl&auml;gers eine Kontrollmitteilung der Zentralen Au&szlig;enpr&uuml;fungsstelle Lohnsteuer (ZALSt). Die ZALSt informierte das FA dar&uuml;ber, dass die GmbH als Arbeitgeber des Kl&auml;gers im Lohnsteuerzahlungszeitraum September 2006 den Bruttoarbeitslohn des Kl&auml;gers um 4.082,63 EUR gemindert habe. Die GmbH sei unzutreffenderweise davon ausgegangen, dass in dieser H&ouml;he negativer Arbeitslohn des Kl&auml;gers vorgelegen habe. Bei dem Betrag handele es sich um die Summe der in den Jahren 2001 bis 2005 auf den Kl&auml;ger entfallenden und individuell versteuerten Nachteilsausgleichszahlungen der GmbH an die ZVK &quot;L-Stadt&quot;.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA erlie&szlig; daraufhin gegen&uuml;ber dem Kl&auml;ger, der mangels Antrag im Streitjahr nicht zur Einkommensteuer veranlagt worden ist (&sect;&nbsp;46 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;8 EStG), unter dem Datum 12.&nbsp;Dezember 2008 einen Bescheid &uuml;ber die Festsetzung von nachzufordernder Lohnsteuer sowie von nachzuforderndem Solidarit&auml;tszuschlag. Der Lohnsteuernachforderungsbetrag wurde auf 1.154 EUR und der Solidarit&auml;tszuschlag auf 63,47 EUR festgesetzt. Die nach erfolglosem Vorverfahren erhobene Klage wies das Finanzgericht (FG) aus den in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2012, 1781 ver&ouml;ffentlichten Gr&uuml;nden ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gt der Kl&auml;ger die Verletzung materiellen Rechts.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Er beantragt,<br \/>das Urteil des FG D&uuml;sseldorf vom 24.&nbsp;April 2012&nbsp;&nbsp;13&nbsp;K&nbsp;799\/09&nbsp;L sowie den Bescheid &uuml;ber die Festsetzung von nachzufordernder Lohnsteuer sowie von nachzuforderndem Solidarit&auml;tszuschlag vom 12.&nbsp;Dezember 2008 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 5.&nbsp;Juni 2009 aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision des Kl&auml;gers ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und Stattgabe der Klage (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Der angefochtene Lohnsteuer-Nachforderungsbescheid sowie die dazugeh&ouml;rige Einspruchsentscheidung sind rechtswidrig und verletzen den Kl&auml;ger in seinen Rechten. Sie waren daher gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;100 Abs.&nbsp;1 Satz 1&nbsp;FGO aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect;&nbsp;42d Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;4 Nr.&nbsp;1 EStG kann das FA den Arbeitnehmer als Schuldner der Lohnsteuer in Anspruch nehmen, wenn der Arbeitgeber die Lohnsteuer nicht vorschriftsm&auml;&szlig;ig angemeldet hat (zu &sect;&nbsp;42d Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;4 Nr.&nbsp;1 EStG als &quot;Anspruchs-grundlage&quot; vgl. Senatsentscheidung vom 13.&nbsp;Januar 1989 VI&nbsp;R&nbsp;153\/85, BFHE 156, 99, BStBl II 1989, 447; FG M&uuml;nchen, Urteil vom 15.&nbsp;Mai 2003&nbsp;&nbsp;11 K 2986\/02, EFG 2003, 1281; Trzaskalik, in: Kirchhof\/S&ouml;hn\/Mellinghoff, EStG, &sect;&nbsp;42d Rz&nbsp;D&nbsp;5, D 7; Wagner, in Heuermann\/Wagner, Lohnsteuer J Rz&nbsp;131; Hartz\/Mee&szlig;en\/Wolf, ABC-F&uuml;hrer Lohnsteuer, Nachforderung von Lohnsteuer Rz&nbsp;31, 35).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;38 Abs.&nbsp;2 Satz 1 EStG ist der Arbeitnehmer Schuldner der Lohnsteuer. Nicht einbehaltene und nicht abgef&uuml;hrte Lohnsteuer kann deshalb von der Finanzbeh&ouml;rde grunds&auml;tzlich von ihm nachgefordert werden, und zwar auch dann, wenn das Kalenderjahr abgelaufen ist (Schmidt\/Kr&uuml;ger, EStG, 32. Aufl., &sect;&nbsp;42d Rz 22; Trzaskalik, in: Kirchhof\/S&ouml;hn\/Mellinghoff, EStG, &sect;&nbsp;42d Rz&nbsp;D&nbsp;7; Wagner, a.a.O., Lohnsteuer J Rz&nbsp;132). Denn der Lohnsteueranspruch erlischt nicht, wenn die Einkommensteuer nach Ablauf des Kalenderjahres gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;36 Abs.&nbsp;1 EStG entsteht (Schmidt\/Kr&uuml;ger, a.a.O., &sect;&nbsp;42d Rz&nbsp;22; Trzaskalik, in: Kirchhof\/S&ouml;hn\/Mellinghoff, EStG, &sect;&nbsp;42d Rz&nbsp;D&nbsp;7; Wagner, a.a.O., Lohnsteuer J Rz&nbsp;132). Allerdings ist der Lohnsteuer-Nachforderungsbescheid auch in diesem Fall ein Vorauszahlungsbescheid, sofern das FA &#8211;wie vorliegend&#8211; lediglich die Lohnsteuer des fehlerhaften Abf&uuml;hrungszeitraums festsetzt (Schmidt\/Kr&uuml;ger, a.a.O., &sect;&nbsp;42d Rz&nbsp;22).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Zugleich haftet der Arbeitgeber nach &sect;&nbsp;42d Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG f&uuml;r nicht einbehaltene und nicht abgef&uuml;hrte Lohnsteuer. Soweit diese Haftung reicht, sind der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer Gesamtschuldner (&sect;&nbsp;42d Abs.&nbsp;3 Satz 1 EStG). Das Betriebsst&auml;ttenfinanzamt kann die Steuerschuld oder Haftungsschuld nach pflichtgem&auml;&szlig;em Ermessen gegen&uuml;ber jedem Gesamtschuldner geltend machen (&sect;&nbsp;42d Abs.&nbsp;3 Satz 2 EStG). Allerdings kann der Arbeitnehmer nach &sect;&nbsp;42d Abs.&nbsp;3 Satz 4 Nr.&nbsp;1 EStG f&uuml;r seine Lohnsteuer als (Gesamt)Schuldner neben dem Arbeitgeber nur in bestimmten F&auml;llen in Anspruch genommen werden, etwa wenn der Arbeitgeber die Lohnsteuer nicht vorschriftsm&auml;&szlig;ig vom Arbeitslohn einbehalten hat (vgl. Senatsurteil vom 13.&nbsp;Januar 2011 VI&nbsp;R&nbsp;61\/09, BFHE 232, 5, BStBl&nbsp;II&nbsp;2011, 479).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) An einer vorschriftswidrigen Einbehaltung und Abf&uuml;hrung der Lohnsteuer fehlt es, wenn der Arbeitgeber eine Anrufungsauskunft eingeholt hat und danach verfahren ist. In einem solchen Fall kann ihm nicht entgegengehalten werden, er habe die Lohnsteuer nicht vorschriftsm&auml;&szlig;ig einbehalten. Das gilt unabh&auml;ngig davon, ob die Anrufungsauskunft materiell richtig oder unrichtig ist (Senatsurteil vom 16.&nbsp;November 2005 VI&nbsp;R&nbsp;23\/02, BFHE&nbsp;212, 59, BStBl&nbsp;II&nbsp;2006, 210, m.w.N.; Schmidt\/Kr&uuml;ger, a.a.O., &sect;&nbsp;42d Rz&nbsp;3 und &sect;&nbsp;42e Rz&nbsp;8 f.). Ist der Arbeitgeber entsprechend einer Anrufungsauskunft verfahren, hat er den &quot;Weisungen und Vorschriften&quot; des Auftrag gebenden Finanzamts Rechnung getragen und damit die Lohnsteuer vorschriftsm&auml;&szlig;ig einbehalten und abgef&uuml;hrt (Schmidt\/Kr&uuml;ger, a.a.O., &sect;&nbsp;42d Rz&nbsp;3). Der Haftungstatbestand ist in diesen F&auml;llen nicht erf&uuml;llt (Senatsurteil in BFHE 212, 59, BStBl II 2006, 210, m.w.N.; Schmidt\/Kr&uuml;ger, a.a.O., &sect;&nbsp;42d Rz&nbsp;3; Bl&uuml;mich\/Wagner, &sect;&nbsp;42d EStG Rz&nbsp;51; Trzaskalik, in: Kirchhof\/S&ouml;hn\/Mellinghoff, EStG, &sect;&nbsp;42d Rz&nbsp;B&nbsp;1; Gersch in Herrmann\/Heuer\/Raupach, &sect;&nbsp;42e EStG Rz&nbsp;24).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) &Uuml;berdies f&uuml;hrt die ordnungsgem&auml;&szlig;e Abf&uuml;hrung der auskunftsgem&auml;&szlig; einbehaltenen Lohnsteuer zum Erl&ouml;schen des Lohnsteueranspruchs des FA (&sect;&nbsp;47 der Abgabenordnung &#8211;AO&#8211;). Der Arbeitnehmer (Steuerschuldner) kann damit nicht mehr auf Zahlung der Lohnsteuer in Anspruch genommen werden, und zwar auch dann nicht, wenn der Arbeitgeber die Lohnsteuer aufgrund einer materiell unrichtigen Lohnsteueranrufungsauskunft einbehalten und abgef&uuml;hrt hat. In einem solchen Fall wird zwar nicht die Einkommensteuerschuld, aber die Lohnsteuerschuld i.S. des &sect;&nbsp;38 Abs.&nbsp;2 EStG des Arbeitnehmers wie auch die Entrichtungsschuld des Arbeitgebers durch das Finanzamt im Wege der Anrufungsauskunft verbindlich festgestellt. Es kann daher die vom Arbeitgeber aufgrund einer unrichtigen Anrufungsauskunft nicht einbehaltene und abgef&uuml;hrte Lohnsteuer vom Arbeitnehmer nicht nach &sect;&nbsp;42d Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;4 Nr.&nbsp;1 EStG nachfordern (Bl&uuml;mich\/ Heuermann, &sect;&nbsp;42e EStG Rz&nbsp;31; Seer in Tipke\/Kruse, &sect;&nbsp;89 AO Rz&nbsp;109; Wagner, a.a.O., Lohnsteuer K Rz&nbsp;32). Denn die Finanzbeh&ouml;rden sind zwar nicht im Veranlagungsverfahren, aber im Rahmen des Lohnsteuerabzugsverfahrens und damit des Vorauszahlungsverfahrens (vgl. Senatsurteil in BFHE 232, 5, BStBl II 2011, 479, m.w.N.) auch gegen&uuml;ber dem Arbeitnehmer gebunden (Trzaskalik, in: Kirchhof\/S&ouml;hn\/Mellinghoff, EStG, &sect;&nbsp;42e Rz&nbsp;B&nbsp;13; Di&szlig;ars, Die Information f&uuml;r Steuerberater und Wirtschaftspr&uuml;fer (INF) 2003, 862 &lt;865&gt;; Bl&uuml;mich\/Heuermann, &sect;&nbsp;42e EStG Rz&nbsp;38; Schmidt\/Kr&uuml;ger, a.a.O, &sect;&nbsp;42d Rz&nbsp;24 bis zum Abschluss des Lohnsteuerabzugsverfahrens; a.A. Eisgruber in Kirchhof, EStG, 12. Aufl., &sect;&nbsp;42e Rz&nbsp;6 f.; Frotscher in Frotscher, EStG, Freiburg 2011, &sect;&nbsp;42e Rz&nbsp;23). Die Frage nach der Anwendung der lohnsteuerrechtlichen Vorschriften ist einheitlich zu beantworten (Trzaskalik, in: Kirchhof\/ S&ouml;hn\/Mellinghoff, EStG, &sect;&nbsp;42e Rz&nbsp;B&nbsp;13; Bl&uuml;mich\/Heuermann, &sect;&nbsp;42e EStG Rz&nbsp;31; Wagner, a.a.O., Lohnsteuer K Rz&nbsp;32). Ob die Anrufungsauskunft nach &sect;&nbsp;42e EStG insoweit als Verwaltungsakt mit Drittwirkung zu beurteilen ist, braucht der Senat hierbei nicht zu entscheiden (so Drenseck, Verwaltungsakte im Lohn- und Einkommensteuerverfahren, in Stolterfoht, Grundfragen des Lohnsteuerrechts 1986, 377, &lt;396&gt;; Schmidt\/Kr&uuml;ger, a.a.O., &sect;&nbsp;42e Rz&nbsp;9; Di&szlig;ars, INF 2003, 862 &lt;865&gt;; Bl&uuml;mich\/Heuermann, &sect;&nbsp;42e EStG Rz&nbsp;31; Seer, a.a.O., &sect;&nbsp;89 AO Rz&nbsp;109). Jedenfalls kann sich der Arbeitgeber auf eine dem Arbeitnehmer erteilte Auskunft berufen und umgekehrt (Trzaskalik, in: Kirchhof\/ S&ouml;hn\/Mellinghoff, EStG, &sect;&nbsp;42e Rz&nbsp;B 13; Di&szlig;ars, INF 2003, 862 &lt;864 f.&gt;; Bl&uuml;mich\/Heuermann, &sect;&nbsp;42e EStG Rz&nbsp;31; Seer, a.a.O., &sect;&nbsp;89 AO Rz&nbsp;109). An der gegenteiligen Auffassung, nach der das FA nicht gehindert ist, im Lohnsteuerverfahren dem Arbeitnehmer gegen&uuml;ber einen anderen, ung&uuml;nstigeren Rechtsstandpunkt zu vertreten als im Auskunftsverfahren gegen&uuml;ber dem Arbeitgeber (Senatsbeschluss vom 22.&nbsp;Mai 2007 VI&nbsp;B&nbsp;143\/06, BFH\/NV 2007, 1658), h&auml;lt der Senat nicht fest. Denn das dem Arbeitnehmer einger&auml;umte Antragsrecht w&auml;re ansonsten praktisch wertlos. Arbeitgeber und Arbeitnehmer w&auml;ren gezwungen, jeweils einen gemeinsamen Antrag nach &sect;&nbsp;42e EStG zu stellen (Seer, a.a.O., &sect;&nbsp;89 AO Rz&nbsp;109).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Entscheidung des FG entspricht diesen Grunds&auml;tzen nicht. Vielmehr steht der streitigen Lohnsteuernachforderung die dem Arbeitgeber des Kl&auml;gers am 29.&nbsp;Juni 2006 im Rahmen des Lohnsteuerabzugs erteilte Anrufungsauskunft entgegen (vgl. Senatsurteil in BFHE 232, 5, BStBl II 2011, 479). Denn das Nachforderungsverfahren ist die Fortsetzung des Lohnsteuerabzugsverfahrens (Drenseck, Verwaltungsakte im Lohn- und Einkommensteuerverfahren, in Stolterfoht, Grundfragen des Lohnsteuerrechts 1986, 377, &lt;424&gt;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 17.10.2013, VI R 44\/12 Bindungswirkung einer Lohnsteueranrufungsauskunft auch gegen&uuml;ber dem Arbeitnehmer &#8211; Nachforderungsverfahren als Fortsetzung des Lohnsteuerabzugsverfahrens Leits&auml;tze 1. Erteilt das Betriebsst&auml;ttenfinanzamt dem Arbeitgeber eine Lohnsteueranrufungsauskunft, sind die Finanzbeh&ouml;rden im Rahmen des Lohnsteuerabzugsverfahrens an diese auch gegen&uuml;ber dem Arbeitnehmer gebunden. 2. Das FA kann daher die vom Arbeitgeber aufgrund einer (unrichtigen) Anrufungsauskunft &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-44-12-bindungswirkung-einer-lohnsteueranrufungsauskunft-auch-gegenueber-dem-arbeitnehmer-nachforderungsverfahren-als-fortsetzung-des-lohnsteuerabzugsverfahrens\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VI&nbsp;R&nbsp;44\/12 &#8211; Bindungswirkung einer Lohnsteueranrufungsauskunft auch gegen&uuml;ber dem Arbeitnehmer &#8211; Nachforderungsverfahren als Fortsetzung des Lohnsteuerabzugsverfahrens<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-61657","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/61657","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=61657"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/61657\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=61657"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=61657"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=61657"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}