{"id":61658,"date":"2014-02-16T14:37:17","date_gmt":"2014-02-16T12:37:17","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=61658"},"modified":"2014-02-16T14:37:17","modified_gmt":"2014-02-16T12:37:17","slug":"v-r-14-12-abgrenzung-zwischen-lieferung-und-sonstiger-leistung-bei-steuersatzermaessigung-verfassungsmaessigkeit-der-anwendung-des-regelsteuersatzes-auf-die-lieferung-von-beatmungsmasken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-14-12-abgrenzung-zwischen-lieferung-und-sonstiger-leistung-bei-steuersatzermaessigung-verfassungsmaessigkeit-der-anwendung-des-regelsteuersatzes-auf-die-lieferung-von-beatmungsmasken\/","title":{"rendered":"V&nbsp;R&nbsp;14\/12 &#8211; Abgrenzung zwischen Lieferung und sonstiger Leistung bei Steuersatzerm&auml;&szlig;igung &#8211; Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit der Anwendung des Regelsteuersatzes auf die Lieferung von Beatmungsmasken"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 24.10.2013, V R 14\/12<\/p>\n<p class=\"titel\">Abgrenzung zwischen Lieferung und sonstiger Leistung bei Steuersatzerm&auml;&szlig;igung &#8211; Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit der Anwendung des Regelsteuersatzes auf die Lieferung von Beatmungsmasken<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Die Steuersatzerm&auml;&szlig;igung f&uuml;r die Leistungen aus der T&auml;tigkeit als Zahntechniker gem&auml;&szlig; &sect; 12 Abs. 2 Nr. 6 UStG umfasst sonstige Leistungen (&sect; 3 Abs. 9 UStG) und die Lieferung (&sect; 3 Abs. 1 UStG) von Zahnersatz, nicht indes die Lieferung anderer Gegenst&auml;nde (z.B. Beatmungsmasken).<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Kl&auml;ger und Revisionsbeklagte (Kl&auml;ger) ist Zahntechnikermeister. In den Streitjahren 2003 bis 2005 lieferte er sog. Beatmungsmasken, die er auf &auml;rztliche Verordnung individuell f&uuml;r einzelne Patienten in seinem Dentallabor herstellte. Abnehmer waren Schwerstkranke, die bei der Benutzung von Beatmungsger&auml;ten die vom Hersteller mitgelieferten Standardmasken nicht verwenden konnten. F&uuml;r die Herstellung nahm der Kl&auml;ger unter &auml;rztlicher Aufsicht Gipsabdr&uuml;cke und verwendete Silikonmasse aus der Zahntechnik.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger versteuerte die Lieferungen nach dem erm&auml;&szlig;igten Steuersatz. Demgegen&uuml;ber ging der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) im Anschluss an eine Au&szlig;enpr&uuml;fung davon aus, dass der Regelsteuersatz anzuwenden sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der nach erfolglosem Einspruch erhobenen Klage gab das Finanzgericht (FG) mit seinem in &quot;Entscheidungen der Finanzgerichte&quot; 2012, 1404 ver&ouml;ffentlichten Urteil statt. Bei den Lieferungen handele es sich um eine Leistung aus der T&auml;tigkeit als Zahntechniker, so dass &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;6 des Umsatzsteuergesetzes (UStG) in der in den Streitjahren (2003 bis 2005) geltenden Fassung anzuwenden sei. Berufstypisch f&uuml;r die T&auml;tigkeit als Zahntechniker sei nicht nur die Herstellung von Zahnprothesen, sondern auch die Fertigung von Epithesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen wendet sich das FA mit der Revision, f&uuml;r die es die Verletzung materiellen Rechts anf&uuml;hrt. Die T&auml;tigkeiten des Kl&auml;gers seien nicht als berufstypische Leistungen der Zahntechniker nach der Verordnung &uuml;ber das Berufsbild und &uuml;ber die Pr&uuml;fungsanforderungen im praktischen und im fachtheoretischen Teil der Meisterpr&uuml;fung f&uuml;r das Zahntechniker-Handwerk vom 27.&nbsp;Februar 1980 (BGBl I 1980, 261) bzw. ab 1.&nbsp;Juli 2007 der Verordnung &uuml;ber das Meisterpr&uuml;fungsberufsbild und &uuml;ber die Pr&uuml;fungsanforderungen in den Teilen&nbsp;I und II der Meisterpr&uuml;fung im Zahntechniker-Handwerk Zahntechnikermeisterverordnung (ZahntechMstrV) vom 8.&nbsp;Mai 2007 (BGBl I 2007, 687) anzusehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>das Urteil des FG aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen und regt an, die Sache dem Gerichtshof der Europ&auml;ischen Union (EuGH) vorzulegen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG habe zutreffend entschieden, da die Aufz&auml;hlung in &sect;&nbsp;2 ZahntechMstrV nicht abschlie&szlig;end sei. Zudem ergebe sich die Anwendung des erm&auml;&szlig;igten Steuersatzes aus &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 UStG i.V.m. der Anlage&nbsp;2 Nr.&nbsp;52 Buchst.&nbsp;d zum UStG, da die Beatmungsmasken nach Unterpos. 9021&nbsp;90 des Zolltarifs (ZT) einzureihen seien. Eine dem entgegen stehende Zolltarifauskunft sei f&uuml;r Zwecke der Umsatzsteuer nicht bindend. Hilfsweise sei dem EuGH die Frage vorzulegen, ob die Herstellung individuell f&uuml;r einzelne Patienten ma&szlig;gefertigter Beatmungsmasken im Rahmen der Berufsaus&uuml;bung der Zahntechniker erfolge. Zudem sei die Besteuerung nach dem allgemeinen Steuersatz verfassungswidrig, da er ansonsten seine Leistungen zu einem h&ouml;heren Preis als andere Zahntechniker anbieten m&uuml;sse. Dies versto&szlig;e gegen den Gleichheitsgrundsatz. Die Anwendung des Regelsteuersatzes verletze ihn auch in seiner durch Art.&nbsp;12 Abs.&nbsp;1 des Grundgesetzes (GG) gesch&uuml;tzten Berufsfreiheit.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision des FA ist begr&uuml;ndet. Das Urteil des FG ist aufzuheben und die Sache an das FG zur&uuml;ckzuverweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Entgegen dem Urteil des FG handelt es sich nicht um Leistungen aus der T&auml;tigkeit als Zahntechniker i.S. von &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;6 UStG. Die Sache ist nicht spruchreif. Im Hinblick auf eine m&ouml;gliche Anwendung des erm&auml;&szlig;igten Steuersatzes aufgrund der zolltariflichen Einordnung sind im zweiten Rechtsgang noch weitere Feststellungen zu treffen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die vom Kl&auml;ger ausgef&uuml;hrten Lieferungen unterliegen nicht &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;6 UStG. Die nach dieser Vorschrift erforderliche Leistung aus der T&auml;tigkeit als Zahntechniker gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;6 UStG setzt voraus, dass es sich um eine sonstige Leistung (&sect;&nbsp;3 Abs.&nbsp;9 UStG) oder um die Lieferung (&sect;&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 UStG) von Zahnersatz handelt. Die Steuersatzerm&auml;&szlig;igung erfasst nicht die Lieferung anderer Gegenst&auml;nde wie z.B. von Beatmungsmasken.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;6 UStG erm&auml;&szlig;igt sich in den Streitjahren die Steuer f&uuml;r &quot;die Leistungen aus der T&auml;tigkeit als Zahntechniker sowie die in &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;14 Satz&nbsp;4 Buchstabe&nbsp;b bezeichneten Leistungen der Zahn&auml;rzte&quot;.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Vorschrift beruht in den Streitjahren 2003 bis 2005 unionsrechtlich auf Art.&nbsp;28 Abs.&nbsp;3 Buchst.&nbsp;a i.V.m. Anlage&nbsp;E Nr.&nbsp;2 i.V.m. Art.&nbsp;13 Teil&nbsp;A Buchst.&nbsp;e der Sechsten Richtlinie des Rates vom 17.&nbsp;Mai 1977 zur Harmonisierung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten &uuml;ber die Umsatzsteuern 77\/388\/EWG (Richtlinie 77\/388\/EWG). Danach waren die Mitgliedstaaten berechtigt, auf &quot;die Dienstleistungen, die Zahntechniker im Rahmen ihrer Berufsaus&uuml;bung erbringen, sowie die Lieferungen von Zahnersatz durch Zahn&auml;rzte und Zahntechniker&quot; einen erm&auml;&szlig;igten Steuersatz anzuwenden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Aufgrund richtlinienkonformer Auslegung entsprechend Art.&nbsp;28 Abs.&nbsp;3 Buchst.&nbsp;a i.V.m. Anlage&nbsp;E Nr.&nbsp;2 i.V.m. Art.&nbsp;13 Teil&nbsp;A Buchst.&nbsp;e der Richtlinie 77\/388\/EWG sind nur Dienstleistungen (Art.&nbsp;6 der Richtlinie 77\/388\/EWG) und damit nur sonstige Leistungen (&sect;&nbsp;3 Abs.&nbsp;9 UStG), die Zahntechniker im Rahmen ihrer Berufsaus&uuml;bung erbringen, als Leistungen aus der T&auml;tigkeit als Zahntechniker i.S. von &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;6 UStG anzusehen. Handelt es sich demgegen&uuml;ber um eine Lieferung (&sect;&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 UStG und Art.&nbsp;5 der Richtlinie 77\/388\/EWG), ist die Regelung nur anzuwenden, wenn es sich um die Lieferung von Zahnersatz handelt, so dass die Lieferung anderer Gegenst&auml;nde von dieser Vorschrift nicht erfasst wird. Hierf&uuml;r spricht neben dem allgemeinen Grundsatz enger Auslegung von Ausnahmetatbest&auml;nden, dass Vorschriften des nationalen Rechts auch dann eng auszulegen sind, wenn sie ansonsten nicht der Richtlinie entsprechen (Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 8.&nbsp;M&auml;rz 2012 V&nbsp;R&nbsp;14\/11, BFHE 237, 279, BStBl II 2012, 630, unter II.2.c&nbsp;bb).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Im Streitfall hat der Kl&auml;ger Beatmungsmasken hergestellt und geliefert. Es handelt sich nicht um eine &quot;Zurichtung&quot; von Gegenst&auml;nden, die vom Leistungsempf&auml;nger mitgebracht werden und die als sonstige Leistung anzusehen sein kann (vgl. BFH-Urteil vom 9.&nbsp;Juni 2005 V&nbsp;R&nbsp;50\/02, BFHE 210, 182, BStBl II 2006, 98 zur orthop&auml;dischen Zurichtung der vom Kunden mitgebrachten Konfektionsschuhe). Die Lieferungen durch den Kl&auml;ger unterliegen somit nicht dem erm&auml;&szlig;igten Steuersatz nach &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;6 UStG, da es sich bei den Beatmungsmasken nicht um Zahnersatz handelt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Die gegen die Anwendung des Regelsteuersatzes gerichteten Einwendungen des Kl&auml;gers greifen nicht durch.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Die Anwendung des Regelsteuersatzes ist nicht verfassungswidrig. Wie der Senat unter Bezugnahme auf die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) bereits ausdr&uuml;cklich entschieden hat, ist das nationale Recht, soweit es auf der Umsetzung europ&auml;ischer Richtlinien als sekund&auml;rem Unionsrecht beruht, grunds&auml;tzlich nicht am Ma&szlig;stab der Grundrechte des GG zu &uuml;berpr&uuml;fen, sondern unterliegt dem auf Unionsrechtsebene gew&auml;hrleisteten Grundrechtsschutz. Lediglich soweit der nationale Gesetzgeber &uuml;ber einen Spielraum bei der Umsetzung von sekund&auml;rem Unionsrecht verf&uuml;gt, ist er an die Vorgaben des GG gebunden und unterliegt insoweit in vollem Umfang der verfassungsrechtlichen &Uuml;berpr&uuml;fung (BFH-Urteil vom 22.&nbsp;Juli 2010 V&nbsp;R&nbsp;4\/09, BFHE 231, 260, BStBl II 2013, 590, unter II.4.e; vgl. hierzu auch den BVerfG-Beschluss vom 20.&nbsp;M&auml;rz 2013&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvR&nbsp;3063\/10, H&ouml;chstrichterliche Finanzrechtsprechung 2013, 535, Wertpapier-Mitteilungen\/Zeitschrift f&uuml;r Wirtschafts- und Bankrecht 2013, 818, mit dem eine Verfassungsbeschwerde gegen dieses Senatsurteil nicht zur Entscheidung angenommen wurde).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Streitfall l&auml;sst das sekund&auml;re Unionsrecht keine Anwendung des erm&auml;&szlig;igten Steuersatzes zu, so dass f&uuml;r das nationale Recht bei der Frage, ob Lieferungen, die Zahntechniker im Rahmen ihrer Berufsaus&uuml;bung ausf&uuml;hren, einem erm&auml;&szlig;igten Steuersatz unterliegen, kein Umsetzungsspielraum besteht. Im &Uuml;brigen kommt ein Gleichheitsversto&szlig; schon deshalb nicht in Betracht, weil nicht nur die Lieferung von Beatmungsmasken durch den Kl&auml;ger, sondern auch die Lieferung von Beatmungsmasken durch andere Zahntechniker dem Regelsteuersatz unterliegt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Einer Vorlage an den EuGH bedarf es nicht, da die Herstellung von Beatmungsmasken umsatzsteuerrechtlich eine Lieferung (&sect;&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 UStG) ist, die nach dem eindeutigen Wortlaut von Art.&nbsp;28 Abs.&nbsp;3 Buchst.&nbsp;a i.V.m. Anlage E Nr.&nbsp;2 i.V.m. Art.&nbsp;13 Teil&nbsp;A Buchst.&nbsp;e der Richtlinie 77\/388\/EWG vom Anwendungsbereich des erm&auml;&szlig;igten Steuersatzes ausgeschlossen ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Aus diesem Grund kam es auch nicht auf das Beweisangebot des Kl&auml;gers zum Berufsbild des Zahntechnikers in der m&uuml;ndlichen Verhandlung vor dem FG an. Sind Lieferungen von der Steuersatzerm&auml;&szlig;igung ausgeschlossen, k&ouml;nnen auch &Uuml;berlegungen zum Berufsbild des Zahntechnikers eine Steuersatzerm&auml;&szlig;igung der Lieferung nicht begr&uuml;nden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Das FG ist von anderen Grunds&auml;tzen ausgegangen; das Urteil ist daher aufzuheben. Die Sache ist nicht spruchreif. Das FG hat &#8211;ausgehend von seinem Rechtsstandpunkt zu Recht&#8211; keine Feststellungen zu der Frage getroffen, ob die Voraussetzungen f&uuml;r eine erm&auml;&szlig;igte Besteuerung nach &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 UStG i.V.m. Nr.&nbsp;52 Buchst.&nbsp;d der Anlage&nbsp;2 zum UStG vorliegen. Insoweit wird im zweiten Rechtsgang zu ber&uuml;cksichtigen sein, dass sich gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 UStG die Steuer auf 7&nbsp;% f&uuml;r die Lieferungen der in der Anlage&nbsp;2 bezeichneten Gegenst&auml;nde erm&auml;&szlig;igt. Zu diesen Gegenst&auml;nden geh&ouml;ren nach Nr.&nbsp;52 Buchst.&nbsp;d der Anlage&nbsp;2 zum UStG Schwerh&ouml;rigenger&auml;te, Herzschrittmacher und andere Vorrichtungen zum Beheben von Funktionssch&auml;den oder Gebrechen, zum Tragen in der Hand oder am K&ouml;rper oder zum Einpflanzen in den Organismus, ausgenommen Teile und Zubeh&ouml;r aus den Unterpos.&nbsp;9021.40 und 9021.50 sowie aus Unterpos.&nbsp;9021.90 ZT.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ohne dass dabei eine Bindung an die im Streitfall erteilte und nur f&uuml;r Zollzwecke verbindliche Zolltarifauskunft besteht, kann die zollrechtliche Einreihung aber nicht nach diesen Tarifpositionen erfolgen, wenn die vom Kl&auml;ger hergestellten Beatmungsmasken zolltarifrechtlich der Pos.&nbsp;9019 unterliegen, die f&uuml;r Apparate und Ger&auml;te f&uuml;r Ozontherapie, Sauerstofftherapie oder Aerosoltherapie, Beatmungsapparate zum Wiederbeleben und andere Apparate und Ger&auml;te f&uuml;r Atmungstherapie gilt. Nach den Erl&auml;uterungen zum Harmonisierten System (ErlHS), die nach der st&auml;ndigen Rechtsprechung des EuGH sowie des BFH (z.B. BFH-Urteil vom 5.&nbsp;Februar 2013 VII&nbsp;R&nbsp;37\/11, BFH\/NV 2013, 790, m.w.N. zur EuGH-Rechtsprechung) zwar nicht bindende, jedoch wichtige und bei der tariflichen Einreihung zu ber&uuml;cksichtigende Hilfsmittel sind, um eine einheitliche Anwendung des ZT zu gew&auml;hrleisten, geh&ouml;ren hierzu Apparate und Ger&auml;te f&uuml;r Patienten, die unter unzureichender Thoraxkapazit&auml;t leiden (ErlHS Nr.&nbsp;25.0 zu Pos.&nbsp;9019 der Kombinierten Nomenklatur &#8211;KN&#8211;). Diese Tarifposition ist auch auf Teile und Zubeh&ouml;r f&uuml;r diese Apparate und Ger&auml;te anzuwenden (ErlHS Nr.&nbsp;37.0 zu Pos.&nbsp;9019 KN). Hierzu sind im zweiten Rechtsgang weitere Feststellungen zu treffen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 24.10.2013, V R 14\/12 Abgrenzung zwischen Lieferung und sonstiger Leistung bei Steuersatzerm&auml;&szlig;igung &#8211; Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit der Anwendung des Regelsteuersatzes auf die Lieferung von Beatmungsmasken Leits&auml;tze Die Steuersatzerm&auml;&szlig;igung f&uuml;r die Leistungen aus der T&auml;tigkeit als Zahntechniker gem&auml;&szlig; &sect; 12 Abs. 2 Nr. 6 UStG umfasst sonstige Leistungen (&sect; 3 Abs. 9 UStG) und die &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-14-12-abgrenzung-zwischen-lieferung-und-sonstiger-leistung-bei-steuersatzermaessigung-verfassungsmaessigkeit-der-anwendung-des-regelsteuersatzes-auf-die-lieferung-von-beatmungsmasken\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">V&nbsp;R&nbsp;14\/12 &#8211; Abgrenzung zwischen Lieferung und sonstiger Leistung bei Steuersatzerm&auml;&szlig;igung &#8211; Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit der Anwendung des Regelsteuersatzes auf die Lieferung von Beatmungsmasken<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-61658","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/61658","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=61658"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/61658\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=61658"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=61658"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=61658"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}