{"id":61659,"date":"2014-02-16T14:37:15","date_gmt":"2014-02-16T12:37:15","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=61659"},"modified":"2014-02-16T14:37:15","modified_gmt":"2014-02-16T12:37:15","slug":"v-r-17-13-verhaeltnis-nationales-recht-und-unionsrecht-anwendungsvorrang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-17-13-verhaeltnis-nationales-recht-und-unionsrecht-anwendungsvorrang\/","title":{"rendered":"V&nbsp;R&nbsp;17\/13 &#8211; Verh&auml;ltnis nationales Recht und Unionsrecht &#8211; Anwendungsvorrang"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 24.10.2013, V R 17\/13<\/p>\n<p class=\"titel\">Verh&auml;ltnis nationales Recht und Unionsrecht &#8211; Anwendungsvorrang<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Ob eine gesetzlich geschuldete Steuer i.S. von &sect; 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 UStG vorliegt, bestimmt sich unter Ber&uuml;cksichtigung des Unionsrechts.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Sieht das nationale Recht f&uuml;r eine Leistung den erm&auml;&szlig;igten Steuersatz vor, w&auml;hrend sie nach dem Unionsrecht dem Regelsteuersatz unterliegt, kann sich der zum Vorsteuerabzug berechtigte Leistungsempf&auml;nger auf den Anwendungsvorrang des Unionsrechts berufen und &#8211;bei Vorliegen der weiteren z.B. rechnungsm&auml;&szlig;igen Voraussetzungen&#8211; den Vorsteuerabzug nach dem f&uuml;r ihn g&uuml;nstigeren Regelsteuersatz in Anspruch nehmen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) erwarb mit &Uuml;bernahmebest&auml;tigung vom 6.&nbsp;Juli 2011 und aufgrund eines im Juli 2011 abgeschlossenen Kaufvertrages ein Springpferd. Es handelte sich um einen Mietkaufvertrag mit einer Mietzeit von 48&nbsp;Monaten, beginnend ab 1.&nbsp;August 2011. Die Gesamtmietforderung belief sich auf 77.645,52&nbsp;EUR zzgl. einer nach dem Regelsteuersatz berechneten Umsatzsteuer von 14.752,65&nbsp;EUR. Der Kl&auml;ger machte den Vorsteuerabzug aus dem Erwerb des Pferdes geltend.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Demgegen&uuml;ber erlie&szlig; der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;), im Dezember 2011 einen Bescheid &uuml;ber die Festsetzung der Umsatzsteuer-Vorauszahlung III\/2011, nach dem der Vorsteuerabzug nur auf der Grundlage des erm&auml;&szlig;igten Steuersatzes in H&ouml;he von 5.435,19&nbsp;EUR anerkannt wurde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Einspruch und Klage zum Finanzgericht (FG) hatten keinen Erfolg. Nach dem im Mehrwertsteuerrecht 2013, 562 ver&ouml;ffentlichten Urteil des FG ist der Kl&auml;ger nach &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 des Umsatzsteuergesetzes in der f&uuml;r das Streitjahr g&uuml;ltigen Fassung (UStG) und unter Ber&uuml;cksichtigung von Art.&nbsp;98 der Richtlinie des Rates vom 28.&nbsp;November 2006 &uuml;ber das gemeinsame Mehrwertsteuersystem 2006\/112\/EG (MwStSystRL) sowie unter Beachtung der Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europ&auml;ischen Union (EuGH) und des Bundesfinanzhofs (BFH) nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt. Die Lieferung des Pferdes unterliege nach &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 UStG i.V.m. der Anlage&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;a dem erm&auml;&szlig;igten Steuersatz, so dass die Steuer nur nach Ma&szlig;gabe des erm&auml;&szlig;igten Steuersatzes gesetzlich geschuldet werde und nur insoweit zum Vorsteuerabzug berechtige. Dass die Geltung des erm&auml;&szlig;igten Steuersatzes f&uuml;r die Lieferung im Streitfall unionsrechtswidrig sei, sei ohne Bedeutung. Die Regelungen der MwStSystRL &uuml;ber die Anwendung erm&auml;&szlig;igter Steuers&auml;tze betr&auml;fen nur das Steuerrechtsverh&auml;ltnis zwischen dem Lieferer und dessen Finanzamt, an dem der Leistungsempf&auml;nger nicht beteiligt sei. Der Kl&auml;ger k&ouml;nne sich daher nicht auf das Unionsrecht berufen. Er k&ouml;nne auch nicht geltend machen, dass sich der Lieferer auf das Unionsrecht berufen habe, da das nationale Recht f&uuml;r den Lieferer g&uuml;nstiger sei als das Unionsrecht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen wendet sich der Kl&auml;ger mit der Revision, f&uuml;r die er Verletzung materiellen Rechts geltend macht. Die Lieferung des Pferdes unterliege nach dem Unionsrecht dem Regelsteuersatz. Er k&ouml;nne sich hierauf gegen&uuml;ber allen nicht richtlinienkonformen innerstaatlichen Vorschriften berufen. Hierf&uuml;r spreche auch das Ziel einer einheitlichen Anwendung des Mehrwertsteuerrechts. Durch den erm&auml;&szlig;igten Steuersatz solle der Leistungsempf&auml;nger beg&uuml;nstigt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>W&auml;hrend des Revisionsverfahrens gab der Kl&auml;ger eine Umsatzsteuerjahreserkl&auml;rung 2011 ab, in der aufgrund eines &quot;Versehens&quot; der Vorsteuerabzug aus dem Erwerb des Springpferds nur nach Ma&szlig;gabe des erm&auml;&szlig;igten Steuersatzes geltend gemacht wurde. Die Jahreserkl&auml;rung f&uuml;hrte im Hinblick auf andere Sachverhalte zu einer Steuerverg&uuml;tung. Das FA stimmte der Jahreserkl&auml;rung nach &sect;&nbsp;168 Satz&nbsp;2 der Abgabenordnung durch Bescheid vom 14.&nbsp;Juni 2013 zu. Der Umsatzsteuerjahresbescheid 2011 wurde gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;68 der Finanzgerichtsordnung (FGO) i.V.m. &sect;&nbsp;121 Satz&nbsp;1 FGO zum Gegenstand des Klageverfahrens.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt sinngem&auml;&szlig;,<br \/>das Urteil des FG aufzuheben und den Umsatzsteuerjahresbescheid 2011 vom 14.&nbsp;Juni 2013 dahingehend zu &auml;ndern, dass der volle Vorsteuerabzug f&uuml;r den Mietkauf des Pferdes in H&ouml;he von 14.752,65&nbsp;EUR gew&auml;hrt wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt sinngem&auml;&szlig;,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das nationale Recht habe die Bestimmungen des Unionsrechts zum Vorsteuerabzug zutreffend umgesetzt. Der Kl&auml;ger k&ouml;nne sich nicht darauf berufen, dass der Lieferer die Steuer nach &sect;&nbsp;14c UStG schulde. Die Regelungen zum erm&auml;&szlig;igten Steuersatz betr&auml;fen nur das Steuerschuldverh&auml;ltnis zwischen Fiskus und Lieferer, nicht aber auch das zum Leistungsempf&auml;nger. Der Besteuerung sei geltendes, nicht aber fiktives Recht zugrunde zu legen. Eine Berufung auf das Unionsrecht zu eigenen Ungunsten sei nicht m&ouml;glich. Der Kl&auml;ger k&ouml;nne nicht zu Lasten seines Lieferers einen Anwendungsvorrang geltend machen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision des Kl&auml;gers ist begr&uuml;ndet. Das Urteil des FG ist aufzuheben und die Sache an das FG zur&uuml;ckzuverweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;2 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Das angefochtene Urteil ist aus verfahrensrechtlichen Gr&uuml;nden aufzuheben, da sich w&auml;hrend des Revisionsverfahrens der Verfahrensgegenstand, &uuml;ber dessen Rechtm&auml;&szlig;igkeit das FG zu entscheiden hatte, ge&auml;ndert hat (&sect;&nbsp;127 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG hat &uuml;ber den Umsatzsteuervorauszahlungsbescheid III\/2011 vom 1.&nbsp;Dezember 2011 entschieden. An dessen Stelle ist w&auml;hrend des Revisionsverfahrens der Umsatzsteuerjahresbescheid 2011 vom 14.&nbsp;Juni 2013 getreten, der nach &sect;&nbsp;68 Satz&nbsp;1 i.V.m. &sect;&nbsp;121 Satz&nbsp;1 FGO Gegenstand des Verfahrens geworden ist (zur Anwendung von &sect;&nbsp;68 FGO im Verh&auml;ltnis von Vorauszahlungs- zu Jahresbescheid vgl. z.B. BFH-Urteile vom 19.&nbsp;Mai 2005 V&nbsp;R&nbsp;31\/03, BFHE 210, 167, BStBl II 2005, 671, unter II.1.a, und vom 19.&nbsp;Juli 2011 XI&nbsp;R&nbsp;21\/10, BFHE 235, 14, BStBl II 2012, 434, unter II.1.a). Dass der Kl&auml;ger &quot;versehentlich&quot; eine nach seinem materiell-rechtlichen Rechtsstandpunkt unzutreffende Jahreserkl&auml;rung abgegeben hat, ist dabei unbeachtlich, da er letztlich nur die ansonsten durch das FA vorzunehmende &Auml;nderung vorweggenommen hat. Das angefochtene Urteil ist daher gegenstandslos geworden und aufzuheben (vgl. z.B. BFH-Urteile vom 17.&nbsp;Januar 2008 VI&nbsp;R&nbsp;44\/07, BFHE 220, 269, BStBl II 2011, 21; vom 10.&nbsp;November 2010 XI&nbsp;R&nbsp;79\/07, BFHE 231, 373, BStBl II 2011, 311, unter II.1.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Revision hat auch in der Sache Erfolg. Nach &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 UStG ist der die Leistung empfangende Unternehmer &#8211;unter den weiteren Voraussetzungen dieser Vorschrift&#8211; zum Vorsteuerabzug aus der ihm in Rechnung gestellten Umsatzsteuer berechtigt, wenn diese gesetzlich geschuldet wird. Ob eine in einer Rechnung ausgewiesene Umsatzsteuer in diesem Sinne gesetzlich geschuldet wird, ist entgegen dem Urteil des FG unter Ber&uuml;cksichtigung des Unionsrechts zu entscheiden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach der Rechtsprechung des EuGH sind die nationalen Gerichte bei einem Widerspruch zwischen den Vorschriften des innerstaatlichen Rechts und den Bestimmungen des Unionsrechts gehalten, f&uuml;r die volle Wirksamkeit des Unionsrechts Sorge zu tragen, indem sie erforderlichenfalls jede &#8211;auch sp&auml;tere&#8211; entgegenstehende Vorschrift des nationalen Rechts aus eigener Entscheidungsbefugnis unangewandt lassen, ohne dass die vorherige Beseitigung dieser Vorschrift auf gesetzgeberischem Wege oder durch irgendein anderes verfassungsrechtliches Verfahren beantragt oder abgewartet werden m&uuml;sste. Es ist alles Erforderliche zu tun, um diejenigen innerstaatlichen Rechtsvorschriften &quot;auszuschalten&quot;, die unter Umst&auml;nden ein Hindernis f&uuml;r die volle Wirksamkeit der Unionsnormen bilden (EuGH-Urteil vom 26.&nbsp;Februar 2013 C-617\/10, Fransson, Neue Juristische Wochenschrift 2013, 1415, Rdnr.&nbsp;45&nbsp;f). In &Uuml;bereinstimmung hiermit kann sich der Steuerpflichtige nach der Rechtsprechung des erkennenden Senats insbesondere auf den Anwendungsvorrang des Unionsrechts gegen&uuml;ber richtlinienwidrigen Regelungen des nationalen Rechts berufen (vgl. z.B. BFH-Urteil vom 11.&nbsp;Oktober 2012 V&nbsp;R&nbsp;9\/10, BFHE 238, 570, BFH\/NV 2013, 170).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Im Streitfall kann der Kl&auml;ger entgegen dem Urteil des FG einen Anwendungsvorrang des Unionsrechts gegen&uuml;ber der richtlinienwidrigen Regelung in &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 UStG i.V.m. der Anlage&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;a geltend machen. Besteuert das nationale Recht eine Leistung erm&auml;&szlig;igt, w&auml;hrend sie nach dem Unionsrecht dem Regelsteuersatz unterliegt, kann sich der zum Vorsteuerabzug berechtigte Leistungsempf&auml;nger auf den Anwendungsvorrang des Unionsrechts berufen und &#8211;bei Vorliegen der weiteren z.B. rechnungsm&auml;&szlig;igen Voraussetzungen&#8211; den Vorsteuerabzug nach dem f&uuml;r ihn g&uuml;nstigeren Regelsteuersatz in Anspruch nehmen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) In Bezug auf die Lieferung von Springpferden entsprach das nationale Recht nicht dem Unionsrecht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(1) Nach &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 UStG i.V.m. der Anlage 2 Nr.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;a in seiner im Streitjahr geltenden Fassung galt der erm&auml;&szlig;igte Steuersatz f&uuml;r &quot;Pferde, einschlie&szlig;lich reinrassiger Zuchttiere, ausgenommen Wildpferde&quot;. Danach war der erm&auml;&szlig;igte Steuersatz auch auf die Lieferung von Springpferden anzuwenden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(2) Demgegen&uuml;ber unterliegt die Lieferung von Springpferden nach dem Unionsrecht nicht dem erm&auml;&szlig;igten Steuersatz, sondern dem Regelsteuersatz. Die Mitgliedstaaten sind berechtigt, auf die Lieferung von Pferden nach Art.&nbsp;98 MwStSystRL i.V.m. Anhang&nbsp;III Nr.&nbsp;1 zu dieser Richtlinie einen erm&auml;&szlig;igten Steuersatz f&uuml;r die Lieferung lebender Tiere einzuf&uuml;hren. Dies gilt nach dem EuGH-Urteil vom 12.&nbsp;Mai 2011 C-453\/09, Kommission\/ Deutschland (Slg. 2011, I-74 Rdnr.&nbsp;45) aber nur f&uuml;r die &quot;Tiere &#8230;, die gew&ouml;hnlich und allgemein daf&uuml;r bestimmt sind, in die menschliche oder tierische Nahrungskette zu gelangen&quot; und somit nicht f&uuml;r Springpferde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Dass der Kl&auml;ger nicht Steuerschuldner, sondern Abnehmer der Lieferung war, ohne die Steuer hierf&uuml;r als Leistungsempf&auml;nger nach &sect;&nbsp;13b UStG zu schulden, ist f&uuml;r die Geltendmachung des Anwendungsvorrangs des Unionsrechts unbeachtlich. In Bezug auf den Anwendungsvorrang ist die Minderung der den Unternehmer treffenden Steuerschuld ma&szlig;geblich. Diese verringert sich nicht nur f&uuml;r den Leistenden aufgrund der Anwendung eines unionsrechtlich vorgegebenen erm&auml;&szlig;igten Steuersatzes anstelle des vom nationalen Recht vorgesehenen Regelsteuersatzes, sondern im Umkehrfall auch f&uuml;r den Leistungsempf&auml;nger, wenn das Unionsrecht wie im Streitfall die Anwendung des Regelsteuersatzes vorsieht, w&auml;hrend der Umsatz nach nationalem Recht dem erm&auml;&szlig;igten Steuersatz unterliegt. Denn im zuletzt genannten Fall mindert sich f&uuml;r den zum Vorsteuerabzug berechtigten Leistungsempf&auml;nger seine Steuerschuld, wenn der Vorsteuerabzug nach Ma&szlig;gabe des Regelsteuersatzes anstelle des erm&auml;&szlig;igten Steuersatzes vorgenommen wird, sofern z.B. auch eine dementsprechende Rechnung vorliegt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Demgegen&uuml;ber l&auml;sst sich die Annahme des FG, es komme auf den mit der jeweiligen Vorschrift verfolgten Zweck an, so dass danach zu differenzieren sei, ob eine Regelung dem Schutz der Interessen einzelner oder dem &ouml;ffentlichen Interesse an der gesetzm&auml;&szlig;igen Steuererhebung zu dienen bestimmt sei, nicht mit dem sich aus der EuGH-Rechtsprechung ergebenden Erfordernis vereinbaren, f&uuml;r die volle Wirksamkeit des Unionsrechts Sorge zu tragen und dabei jede entgegenstehende Vorschrift des nationalen Rechts au&szlig;er Betracht zu lassen. Es ist daher unerheblich, welchen rechtlichen Interessen die Bestimmung des Unionsrechts dient, deren Anwendungsvorrang der Steuerpflichtige geltend macht, wenn die Berufung auf das Unionsrecht zu einer niedrigeren Steuerschuld des Steuerpflichtigen f&uuml;hrt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Gegenteiliges ergibt sich auch nicht aus der vom FG f&uuml;r seine Beurteilung in Bezug genommene BFH-Rechtsprechung zum Auskunftsanspruch hinsichtlich der Besteuerung von Konkurrenten in der Rechtsform der juristischen Person des &ouml;ffentlichen Rechts (BFH-Urteil vom 5.&nbsp;Oktober 2006 VII&nbsp;R&nbsp;24\/03, BFHE 215, 32, BStBl II 2007, 243). Diese allein Auskunftsanspr&uuml;che betreffende Rechtsprechung schr&auml;nkt die Geltendmachung des Anwendungsvorrangs in Bezug auf die eigene Besteuerung des Steuerpflichtigen nicht ein.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Aufgrund des Erfordernisses, f&uuml;r die volle Wirksamkeit des Unionsrechts Sorge zu tragen, kann dem Kl&auml;ger auch nicht entgegengehalten werden, dass f&uuml;r seinen Lieferer die nach nationalem Recht bestehende Rechtslage g&uuml;nstiger als das Unionsrecht ist. Die Rechtsfolgen des vom Kl&auml;ger geltend gemachten Anwendungsvorrangs beschr&auml;nken sich vielmehr auf seine eigene Person und wirken sich entgegen der Auffassung des FA daher erst dann auf die Besteuerung seines Lieferers aus, wenn dieser gleichfalls einen Anwendungsvorrang geltend machen k&ouml;nnte, der aber f&uuml;r den Lieferer nach den Verh&auml;ltnissen des Streitfalls nicht zu einer niedrigeren Steuer f&uuml;hren kann.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Da das Urteil des FG diesen Ma&szlig;st&auml;ben nicht entspricht, ist es aufzuheben. Der Kl&auml;ger kann aus der auf der Grundlage des Regelsteuersatzes erstellten Rechnung zum vollen Vorsteuerabzug berechtigt sein, da der Regelsteuersatz auf die von ihm bezogene Lieferung dem Unionsrecht entspricht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Sache ist nicht spruchreif. Das FG hat von seinem Rechtsstandpunkt aus zu Recht keine Feststellungen zu den weiteren Voraussetzungen des Vorsteuerabzugs nach &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 UStG getroffen. Insoweit sind im zweiten Rechtsgang Feststellungen zu einer aufgrund des &quot;Mietkaufs&quot; bereits im Streitjahr mit der &Uuml;bergabe an die Kl&auml;gerin ausgef&uuml;hrten Lieferung zu treffen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Insoweit ist zu ber&uuml;cksichtigen, dass Lieferungen nach &sect;&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 UStG Leistungen sind, durch die ein Unternehmer oder in seinem Auftrag ein Dritter den Abnehmer oder in dessen Auftrag einen Dritten bef&auml;higt, im eigenen Namen &uuml;ber einen Gegenstand zu verf&uuml;gen (Verschaffung der Verf&uuml;gungsmacht). Die Vorschrift beruht unionsrechtlich auf Art.&nbsp;14 MwStSystRL. Der unionsrechtliche Begriff der Lieferung bezieht sich nach der Rechtsprechung des BFH nicht auf die Eigentums&uuml;bertragung in den durch das anwendbare nationale Recht vorgesehenen Formen, sondern umfasst vielmehr jede &Uuml;bertragung eines k&ouml;rperlichen Gegenstands durch eine Partei, die die andere Partei erm&auml;chtigt, &uuml;ber diesen Gegenstand faktisch so zu verf&uuml;gen, als w&auml;re sie sein Eigent&uuml;mer. Das setzt die &Uuml;bertragung von Substanz, Wert und Ertrag voraus, die ohne zivilrechtlichen Eigentums&uuml;bergang z.B. dann vorliegen kann, wenn der dem zivilrechtlichen Eigent&uuml;mer zustehende Herausgabeanspruch wertlos ist oder der Eigent&uuml;mer den wirtschaftlichen Gehalt des Gegenstands dem Abnehmer auf sonstige Weise zuwendet, wobei dem Herausgabeanspruch des Eigent&uuml;mers z.B. dann keine wirtschaftliche Bedeutung mehr zukommt, wenn der Nutzungsberechtigte nach dem Nutzungsvertrag verlangen kann, dass ihm das zur Nutzung &uuml;berlassene Wirtschaftsgut unentgeltlich oder zu einem geringen Entgelt &uuml;bertragen wird (BFH-Urteil vom 16.&nbsp;April 2008 XI&nbsp;R&nbsp;56\/06, BFHE 221, 475, BStBl II 2008, 909, unter II.2.a). Dem entspricht es, dass der EuGH davon ausgeht, dass die &Uuml;bergabe eines Gegenstandes aufgrund eines Leasingvertrages dem Erwerb eines Investitionsguts und damit einer Lieferung gleichzusetzen ist, wenn der Leasingnehmer z.B. &uuml;ber die wesentlichen Elemente des Eigentums an dem Gegenstand verf&uuml;gt (EuGH-Urteil vom 16.&nbsp;Februar 2012 C-118\/11, Eon Aset, Umsatzsteuer-Rundschau 2012, 230, mit Anm. W&auml;ger, Rdnr.&nbsp;40). Diese Grunds&auml;tze sind auch f&uuml;r das Vorliegen einer Lieferung im Rahmen eines Mietkaufs zu beachten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 24.10.2013, V R 17\/13 Verh&auml;ltnis nationales Recht und Unionsrecht &#8211; Anwendungsvorrang Leits&auml;tze 1. Ob eine gesetzlich geschuldete Steuer i.S. von &sect; 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 UStG vorliegt, bestimmt sich unter Ber&uuml;cksichtigung des Unionsrechts. 2. Sieht das nationale Recht f&uuml;r eine Leistung den erm&auml;&szlig;igten Steuersatz vor, w&auml;hrend sie nach dem &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-17-13-verhaeltnis-nationales-recht-und-unionsrecht-anwendungsvorrang\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">V&nbsp;R&nbsp;17\/13 &#8211; Verh&auml;ltnis nationales Recht und Unionsrecht &#8211; Anwendungsvorrang<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-61659","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/61659","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=61659"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/61659\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=61659"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=61659"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=61659"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}