{"id":61918,"date":"2014-03-01T11:43:05","date_gmt":"2014-03-01T09:43:05","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=61918"},"modified":"2014-03-01T11:43:05","modified_gmt":"2014-03-01T09:43:05","slug":"xi-r-22-11-wirkung-und-aenderbarkeit-eines-im-insolvenzverfahren-ergangenen-bestandskraeftigen-feststellungsbescheides","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/xi-r-22-11-wirkung-und-aenderbarkeit-eines-im-insolvenzverfahren-ergangenen-bestandskraeftigen-feststellungsbescheides\/","title":{"rendered":"XI&nbsp;R&nbsp;22\/11 &#8211; Wirkung und &Auml;nderbarkeit eines im Insolvenzverfahren ergangenen bestandskr&auml;ftigen Feststellungsbescheides"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 11.12.2013, XI R 22\/11<\/p>\n<p class=\"titel\">Wirkung und &Auml;nderbarkeit eines im Insolvenzverfahren ergangenen bestandskr&auml;ftigen Feststellungsbescheides<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Ein bestandskr&auml;ftiger Feststellungsbescheid &uuml;ber eine Umsatzsteuernachzahlung als Insolvenzforderung steht einer sp&auml;ter begehrten anderweitigen Umsatzsteuerfestsetzung entgegen, wenn dieser Bescheid nicht mehr ge&auml;ndert werden kann.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Die Entscheidung des FA &uuml;ber die R&uuml;cknahme des Feststellungsbescheides nach &sect; 130 Abs. 1 AO ist eine Ermessensentscheidung, die von den Gerichten nur eingeschr&auml;nkt &uuml;berpr&uuml;ft werden kann.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) begehrt als Insolvenzverwalter &uuml;ber das Verm&ouml;gen der Insolvenzschuldnerin aus einer f&uuml;r das Jahr 2003 (Streitjahr) nachgereichten Umsatzsteuererkl&auml;rung eine entsprechende Umsatzsteuerfestsetzung sowie die &Auml;nderung der nach &sect;&nbsp;251 Abs.&nbsp;3 der Abgabenordnung (AO) bislang vorgenommenen Feststellung der steuerlichen Insolvenzforderung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Unternehmensgegenstand der zum 1.&nbsp;Februar 2000 errichteten Insolvenzschuldnerin war die Beteiligung an Unternehmen sowie deren Verwaltung und Beratung im Bereich der neuen Technologien, insbesondere die Beteiligung an Internet-Unternehmen und die Dienstleistungs- und Entwicklungst&auml;tigkeit in diesem Umfeld. &Uuml;ber ihr Verm&ouml;gen er&ouml;ffnete das Amtsgericht X mit Beschluss vom 3.&nbsp;November 2004 das Insolvenzverfahren und bestellte den Kl&auml;ger zum Insolvenzverwalter.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In dem vom Kl&auml;ger als vorl&auml;ufigen Insolvenzverwalter erstellten Ermittlungsbericht vom 2.&nbsp;November 2004 berichtete dieser, dass ein Jahresabschluss &quot;angabegem&auml;&szlig; f&uuml;r 2003 erstellt&quot; worden sei, dieser ihm jedoch nicht vorliege. Am 6.&nbsp;Dezember 2004 zeigte der Kl&auml;ger gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;208 Abs.&nbsp;1 der Insolvenzordnung (InsO) die Masseunzul&auml;nglichkeit an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Insolvenzschuldnerin gab f&uuml;r das Streitjahr zun&auml;chst keine Umsatzsteuer-Jahreserkl&auml;rung ab. Nach vergeblicher Erinnerung ermittelte der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) eine Umsatzsteuerforderung f&uuml;r das Streitjahr nach vorheriger Sch&auml;tzung der Besteuerungsgrundlagen und &uuml;bermittelte dem Kl&auml;ger als Insolvenzverwalter am 16.&nbsp;November 2004 eine entsprechende Berechnungsmitteilung &uuml;ber einen Umsatzsteuerbetrag in H&ouml;he von &#8230;&nbsp;EUR. Daraus ergab sich ein Nachzahlungsbetrag von &#8230;&nbsp;EUR, den das FA am 28.&nbsp;Januar 2005 &#8211;neben anderen Forderungen&#8211; gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;174 Abs.&nbsp;1 InsO beim Kl&auml;ger anmeldete.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nachdem der Kl&auml;ger die Forderungen bestritten hatte, erteilte ihm das FA am 28.&nbsp;November 2005 einen Bescheid nach &sect;&nbsp;251 Abs.&nbsp;3 AO, in dem u.a. die Umsatzsteuernachzahlung f&uuml;r 2003 als Insolvenzforderung festgestellt wurde. Auf den hiergegen eingelegten Einspruch des Kl&auml;gers erlie&szlig; das FA am 2.&nbsp;August 2006 einen nach &sect;&nbsp;172 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a AO ge&auml;nderten Feststellungsbescheid, mit dem es &#8211;neben Forderungen betreffend die Umsatzsteuer-Vorauszahlungen f&uuml;r das 2. und 3. Kalendervierteljahr 2004 in H&ouml;he von &#8230;&nbsp;EUR bzw. &#8230;&nbsp;EUR samt eines auf das 2. Quartal 2004 bezogenen Versp&auml;tungszuschlages in H&ouml;he von &#8230;&nbsp;EUR und eines S&auml;umniszuschlages in H&ouml;he von &#8230;&nbsp;EUR&#8211; die Umsatzsteuernachforderung f&uuml;r 2003 nunmehr auf &#8230;&nbsp;EUR feststellte. Den Einspruch des Kl&auml;gers bezeichnete das FA dadurch als erledigt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hinsichtlich des sich aus dem Bescheid vom 2.&nbsp;August 2006 ergebenden &#8211;in die (Insolvenz-)Tabelle eingetragenen&#8211; Gesamtbetrages in H&ouml;he von &#8230;&nbsp;EUR erkl&auml;rte der Kl&auml;ger am 18.&nbsp;September 2006, diesen als (Insolvenz-)Forderung nachtr&auml;glich anzuerkennen und lediglich die dar&uuml;ber hinausgehenden Mehrbetr&auml;ge auch weiterhin bestreiten zu wollen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 1.&nbsp;November 2007 reichte der Kl&auml;ger f&uuml;r die Insolvenzschuldnerin eine Umsatzsteuererkl&auml;rung f&uuml;r 2003 ein, aus der sich eine Umsatzsteuererstattung in H&ouml;he von &#8230;&nbsp;EUR ergab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA nahm die Erkl&auml;rung mit Hinweis darauf zu den Akten, dass der vorangegangene Feststellungsbescheid vom 2.&nbsp;August 2006 bestandskr&auml;ftig geworden sei und insofern eine &Auml;nderung der Eintragung in der (Insolvenz-)Tabelle aufgrund der nachgereichten Umsatzsteuererkl&auml;rung nicht mehr m&ouml;glich sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger hielt mit einem Schreiben vom 3.&nbsp;M&auml;rz 2008 an der begehrten erkl&auml;rungsgem&auml;&szlig;en Durchf&uuml;hrung der Umsatzsteuerfestsetzung f&uuml;r 2003 fest und vertrat die Auffassung, dass der streitbefangene Feststellungsbescheid nach &sect;&sect;&nbsp;130, 131 AO zu &auml;ndern sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Bescheid vom 12.&nbsp;M&auml;rz 2008 lehnte das FA die &Auml;nderungsantr&auml;ge des Kl&auml;gers ab. Den hiergegen eingelegten Einspruch wies das FA mit Einspruchsentscheidung vom 29.&nbsp;Juli 2008 als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ck. Der Erlass eines auf die nachgereichte Umsatzsteuererkl&auml;rung f&uuml;r 2003 bezogenen Steuerbescheides verbiete sich angesichts der mit Bescheid vom 2.&nbsp;August 2006 bestandskr&auml;ftig festgestellten und in die (Insolvenz-)Tabelle eingetragenen Umsatzsteuerforderung. Auch eine &Auml;nderung des Feststellungsbescheides vom 2.&nbsp;August 2006 komme bereits grunds&auml;tzlich nicht in Betracht, da nach Eintritt der Bestandskraft eines derartigen Feststellungsbescheides wieder der Vorrang des Insolvenzrechts zum Tragen komme und hiernach aus Gr&uuml;nden der Rechtssicherheit und -klarheit gegen&uuml;ber s&auml;mtlichen anderen Gl&auml;ubigern eine anderweitige Feststellung von Steuerforderungen ausscheide. Selbst wenn aber eine &Auml;nderungsm&ouml;glichkeit auf der Grundlage der &sect;&sect;&nbsp;130, 131 AO f&uuml;r allgemeine Steuerverwaltungsakte oder aber der &sect;&sect;&nbsp;172&nbsp;ff. AO f&uuml;r Steuerbescheide bestehen sollte, sei es nicht ermessensgerecht, dem Kl&auml;ger f&uuml;r die Insolvenzschuldnerin eine abweichende Feststellung auf der Grundlage von &sect;&nbsp;130 Abs.&nbsp;1 AO zuzubilligen. Denn der Insolvenzschuldnerin sei das Vorliegen des Jahresabschlusses f&uuml;r das Streitjahr stets bekannt gewesen; die versp&auml;tete Kenntnisnahme des Kl&auml;gers hiervon ginge zu ihren Lasten, zumal er von Anfang an die Verpflichtung gehabt habe, alle in den Unterlagen der Insolvenzschuldnerin vorhandenen Jahresabschl&uuml;sse herauszusuchen und ggf. unverz&uuml;glich einzureichen. Unter diesen Umst&auml;nden habe der Kl&auml;ger auch keinen Anspruch auf &Auml;nderung des Feststellungsbescheides nach &sect;&nbsp;173 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 AO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) wies die hiergegen erhobene Klage ab. Es f&uuml;hrte aus, dass einer Umsatzsteuerfestsetzung f&uuml;r das Jahr 2003 die bestandskr&auml;ftige Feststellung in dem Bescheid vom 2.&nbsp;August 2006 entgegenstehe, mit dem das FA gegen&uuml;ber dem Kl&auml;ger die Umsatzsteuerforderung f&uuml;r das Jahr 2003 auf &#8230;&nbsp;EUR nach &sect;&nbsp;251 Abs.&nbsp;3 AO festgestellt und zur Insolvenztabelle angemeldet habe. Eine Feststellung der Forderung in der Insolvenztabelle sei das &quot;insolvenzrechtliche &Auml;quivalent&quot; zur Steuerfestsetzung durch Verwaltungsakt (vgl. z.B. Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 19.&nbsp;August 2008 VII&nbsp;R&nbsp;36\/07, BFHE 222, 205, BStBl II 2009, 90).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Eine &Auml;nderung des Feststellungsbescheides vom 2.&nbsp;August 2006 sei nicht m&ouml;glich. Der Senat k&ouml;nne offenlassen, ob die Vorschriften der &sect;&sect;&nbsp;172&nbsp;ff. AO oder der &sect;&sect;&nbsp;130&nbsp;ff. AO einschl&auml;gig seien, oder ob eine &Auml;nderung nur unter den Voraussetzungen einer sog. Restitutionsklage gem&auml;&szlig; &sect;&sect;&nbsp;134 der Finanzgerichtsordnung (FGO), 580 Nr.&nbsp;7 Buchst.&nbsp;b der Zivilprozessordnung (ZPO) erfolgen k&ouml;nne. Denn im Streitfall seien f&uuml;r keine der genannten M&ouml;glichkeiten die entsprechenden Voraussetzungen erf&uuml;llt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Entscheidung des FG ist in Entscheidungen der Finanzgerichte 2012, 20 ver&ouml;ffentlicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit seiner Revision r&uuml;gt der Kl&auml;ger die Verletzung materiellen Rechts. Entgegen der Auffassung des FG fehle es an einer Steuerfestsetzung zur Umsatzsteuer f&uuml;r 2003. Die beantragte Festsetzung der Umsatzsteuer sei trotz der Regelung in &sect;&nbsp;87 InsO grunds&auml;tzlich zul&auml;ssig, da sie auf eine Umsatzsteuererstattung gerichtet sei (vgl. BFH-Urteil vom 13.&nbsp;Mai 2009 XI&nbsp;R&nbsp;63\/07, BFHE 225, 278, BStBl II 2010, 11). Das FG habe verkannt, dass der streitbefangene Feststellungsbescheid ge&auml;ndert werden m&uuml;sse, weil sich die darin festgestellte Forderung nachtr&auml;glich als materiell unrichtig herausgestellt habe. Entgegen der Auffassung des FG sei es ihm unzumutbar gewesen, den Jahresabschluss f&uuml;r 2003 schon fr&uuml;her zu beschaffen. Das dem FA bei der Entscheidung &uuml;ber die R&uuml;cknahme des rechtswidrigen Feststellungsbescheides in &sect;&nbsp;130 AO einger&auml;umte Ermessen sei daher auf &quot;Null&quot; reduziert gewesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt sinngem&auml;&szlig;, das FG-Urteil aufzuheben und das FA zu verpflichten, unter Aufhebung des Ablehnungsbescheides vom 12.&nbsp;M&auml;rz 2008 und der Einspruchsentscheidung vom 29.&nbsp;Juli 2008 die Umsatzsteuer f&uuml;r 2003 auf &#8230;&nbsp;EUR festzusetzen, sowie den Feststellungsbescheid vom 2.&nbsp;August 2006 dahingehend zu &auml;ndern, dass die Umsatzsteuerforderung f&uuml;r das Streitjahr anstelle in H&ouml;he von bisher &#8230;&nbsp;EUR nunmehr in H&ouml;he von 0&nbsp;EUR als Insolvenzforderung festgestellt wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und war daher zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG hat zu Recht entschieden, dass die vom Kl&auml;ger beantragte Festsetzung einer Umsatzsteuer f&uuml;r 2003 entsprechend der nachgereichten Umsatzsteuererkl&auml;rung der bestandskr&auml;ftige Feststellungsbescheid vom 2.&nbsp;August 2006 entgegensteht. Das FG hat insoweit zutreffend angenommen, dass dieser Feststellungsbescheid einer &Auml;nderung nach &sect;&nbsp;130 Abs.&nbsp;1 AO nicht mehr zug&auml;nglich ist, weil die nur eingeschr&auml;nkt &uuml;berpr&uuml;fbare ablehnende Ermessensentscheidung des FA nicht zu beanstanden ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Das FG ist zu Recht davon ausgegangen, dass das FA im Streitfall nicht schon aufgrund von &sect;&nbsp;251 Abs.&nbsp;2 AO i.V.m. &sect;&nbsp;87 InsO gehindert war, entsprechend der nachgereichten Umsatzsteuer-Jahreserkl&auml;rung eine Umsatzsteuerfestsetzung f&uuml;r 2003 vorzunehmen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;87 InsO, der &uuml;ber die Verweisung in &sect;&nbsp;251 Abs.&nbsp;2 AO (&quot;Unber&uuml;hrt bleiben die Vorschriften der Insolvenzordnung&#8230;&quot;) auch im Steuerrecht zu beachten ist, k&ouml;nnen die Insolvenzgl&auml;ubiger zwar ihre Forderungen nur entsprechend den Vorschriften &uuml;ber das Insolvenzverfahren verfolgen (vgl. dazu BFH-Urteile vom 24.&nbsp;August 2004 VIII&nbsp;R&nbsp;14\/02, BFHE 207, 10, BStBl II 2005, 246 noch zur Rechtslage nach der Konkursordnung; vom 10.&nbsp;Dezember 2008 I&nbsp;R&nbsp;41\/07, BFH\/NV 2009, 719, m.w.N.). Ebenso d&uuml;rfen nach Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens keine Bescheide mehr erlassen werden, in denen Besteuerungsgrundlagen festgestellt werden, welche die H&ouml;he der zur Tabelle anzumeldenden Steuerforderungen beeinflussen k&ouml;nnten (vgl. BFH-Urteil vom 2.&nbsp;Juli 1997 I&nbsp;R&nbsp;11\/97, BFHE 183, 365, BStBl II 1998, 428).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Der BFH hat aber entsprechend dem Vorbringen des Kl&auml;gers gleichfalls gekl&auml;rt, dass das FA durch die Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens grunds&auml;tzlich nicht gehindert ist, eine negative Umsatzsteuer festzusetzen, weil einem solchen Bescheid die abstrakte Eignung fehlt, sich auf anzumeldende Steuerforderungen auszuwirken. Denn mit einem solchen Bescheid setzt das FA keine Insolvenzforderung fest, die nach &sect;&nbsp;87 InsO nur nach den Vorschriften &uuml;ber das Insolvenzverfahren verfolgt werden kann, sondern einen Erstattungsbetrag, der nicht zur Tabelle anzumelden w&auml;re (vgl. hierzu im Einzelnen BFH-Urteil in BFHE 225, 278, BStBl II 2010, 11, unter II.2.). Deshalb scheidet hier auch eine Unterbrechung des Festsetzungsverfahrens mit Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens analog &sect;&nbsp;240 Satz&nbsp;1 ZPO aus.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Da der Kl&auml;ger mit seiner nachgereichten Umsatzsteuererkl&auml;rung f&uuml;r 2003 eine Erstattung begehrt, w&uuml;rde die Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens eine entsprechende Umsatzsteuerfestsetzung durch das FA dem Grunde nach nicht hindern.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Das FG hat zu Recht entschieden, dass der begehrten Umsatzsteuerfestsetzung der bestandskr&auml;ftige Feststellungsbescheid vom 2.&nbsp;August 2006 gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;251 Abs.&nbsp;3 AO, der wegen der zutreffenden Ermessensentscheidung des FA keiner &Auml;nderung nach &sect;&nbsp;130 Abs.&nbsp;1 AO mehr zug&auml;nglich war, entgegensteht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) &sect;&nbsp;251 Abs.&nbsp;3 AO sieht vor, dass bei Geltendmachung eines Anspruchs aus dem Steuerschuldverh&auml;ltnis als Insolvenzforderung die Finanzbeh&ouml;rde erforderlichenfalls die Insolvenzforderung durch schriftlichen Verwaltungsakt feststellt. Dieser Feststellungsbescheid ist mangels Festsetzung einer Steuer kein Steuerbescheid i.S. von &sect;&nbsp;155 AO. Er ist daher nach Eintritt der Bestandskraft nur nach &sect;&sect;&nbsp;130, 131 AO &auml;nderbar (BFH-Urteile vom 24.&nbsp;November 2011 V&nbsp;R&nbsp;13\/11, BFHE 235, 137, BStBl II 2012, 298, und V&nbsp;R&nbsp;20\/10, BFH\/NV 2012, 711; vom 6.&nbsp;Dezember 2012 V&nbsp;R&nbsp;1\/12, BFH\/NV 2013, 906; Loose in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect;&nbsp;251 AO Rz&nbsp;68, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ein gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;251 Abs.&nbsp;3 AO erlassener Bescheid hat die Feststellung zum Inhalt, dass der bestrittene Anspruch in der geltend gemachten H&ouml;he besteht und i.S. von &sect;&nbsp;38 InsO begr&uuml;ndet ist (vgl. BFH-Urteil in BFHE 207, 10, BStBl II 2005, 246; Loose in Tipke\/Kruse, a.a.O., &sect;&nbsp;251 AO Rz&nbsp;68). Festgestellte Steueranspr&uuml;che werden von der rechtskraft&auml;hnlichen Wirkung des Tabelleneintrages i.S. von &sect;&nbsp;178 Abs.&nbsp;3 InsO erfasst, so dass sie ohne Steuerbescheid durchgesetzt werden k&ouml;nnen (vgl. Braun\/Specovius, InsO, &sect;&nbsp;178 Rz&nbsp;22; Jatzke in H&uuml;bschmann\/Hepp\/ Spitaler &#8211;HHSp&#8211;, &sect;&nbsp;251 AO Rz&nbsp;423, m.w.N.). Wird der Feststellungsbescheid unanfechtbar, wirkt er in entsprechender Anwendung der Regelung in &sect;&nbsp;183 Abs.&nbsp;1 InsO wie eine rechtskr&auml;ftige Entscheidung gegen&uuml;ber dem Insolvenzverwalter und allen Insolvenzgl&auml;ubigern (vgl. Jatzke in HHSp, &sect;&nbsp;251 AO Rz&nbsp;423).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Im Streitfall ist der Feststellungsbescheid vom 2.&nbsp;August 2006 &#8211;nach einem Bestreiten der vom FA zur Insolvenztabelle angemeldeten Umsatzsteuerforderung ergangen und f&uuml;r 2003 mit einer Umsatzsteuerforderung von &#8230;&nbsp;EUR&#8211; bestandskr&auml;ftig geworden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>27<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Etwas Abweichendes ergibt sich nicht daraus, dass der Kl&auml;ger gegen den fr&uuml;heren Feststellungsbescheid vom 28.&nbsp;November 2005 Einspruch eingelegt hatte und der streitbefangene Feststellungsbescheid vom 2.&nbsp;August 2006 nach &sect;&nbsp;365 Abs.&nbsp;3 AO zun&auml;chst zum Gegenstand dieses Einspruchsverfahrens wurde. Denn das Einspruchsverfahren hatte sich jedenfalls dadurch erledigt, dass der Kl&auml;ger am 18.&nbsp;September 2006 erkl&auml;rt hat, den sich aus dem Feststellungsbescheid vom 2.&nbsp;August 2006 ergebenden Gesamtbetrag von &#8230;&nbsp;EUR anzuerkennen (vgl. dazu BFH-Beschluss vom 10.&nbsp;November 2010 IV&nbsp;B&nbsp;11\/09, BFH\/NV 2011, 649).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>28<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Eine grunds&auml;tzlich m&ouml;gliche &Auml;nderung des Feststellungsbescheides nach &sect;&nbsp;130 Abs.&nbsp;1 AO scheidet aus, weil das FG zutreffend entschieden hat, dass das FA das ihm insoweit zustehende Ermessen fehlerfrei ausge&uuml;bt hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>29<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Nach &sect;&nbsp;130 Abs.&nbsp;1 AO kann ein rechtswidriger Verwaltungsakt, auch nachdem er unanfechtbar geworden ist, ganz oder teilweise mit Wirkung f&uuml;r die Zukunft oder f&uuml;r die Vergangenheit zur&uuml;ckgenommen werden. Im Streitfall kommt wegen der nunmehr eingereichten Steuererkl&auml;rung f&uuml;r 2003 mit einem sich daraus ergebenden Erstattungsbetrag eine nachtr&auml;gliche materielle Rechtswidrigkeit des Feststellungsbescheides i.S. von &sect;&nbsp;130 Abs.&nbsp;1 AO in Betracht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>30<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Die R&uuml;cknahme eines rechtswidrigen Verwaltungsakts ist nach dem Wortlaut des &sect;&nbsp;130 Abs.&nbsp;1 AO (&quot;kann&quot;) eine Ermessensentscheidung der Finanzbeh&ouml;rde i.S. des &sect;&nbsp;5 AO, die grunds&auml;tzlich nur eingeschr&auml;nkter gerichtlicher Nachpr&uuml;fung unterliegt (&sect;&sect;&nbsp;102, 121 FGO). Sie kann im finanzgerichtlichen Verfahren nur dahin gepr&uuml;ft werden, ob die Ablehnung der R&uuml;cknahme rechtswidrig ist, weil die gesetzlichen Grenzen des Ermessens &uuml;berschritten sind oder von dem Ermessen in einer dem Zweck der Erm&auml;chtigung nicht entsprechenden Weise Gebrauch gemacht wurde (vgl. BFH-Urteile in BFHE 235, 137, BStBl II 2012, 298; in BFH\/NV 2012, 711, und in BFH\/NV 2013, 906). Stellt das Gericht einen Ermessensfehler fest, ist es grunds&auml;tzlich auf die Aufhebung der angefochtenen Verwaltungsentscheidung beschr&auml;nkt. Nur in den F&auml;llen der sog. Ermessensreduzierung auf &quot;Null&quot; ist es befugt, seine Entscheidung an die Stelle der Ermessensentscheidung der Verwaltungsbeh&ouml;rde zu setzen (st&auml;ndige Rechtsprechung, vgl. hierzu statt vieler BFH-Urteil vom 19.&nbsp;Juni 2013 XI&nbsp;R&nbsp;41\/10, BFHE 242, 258, BFH\/NV 2013, 2041). Ma&szlig;geblicher Zeitpunkt f&uuml;r die durch das FG vorzunehmende Rechtskontrolle sind grunds&auml;tzlich die Ermessenserw&auml;gungen in der Einspruchsentscheidung, sofern das FA nicht seine Ermessenserw&auml;gungen danach im finanzgerichtlichen Verfahren gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;102 Satz&nbsp;2 FGO in zul&auml;ssiger Weise erg&auml;nzt hat (vgl. dazu im Einzelnen Lange in HHSp, &sect;&nbsp;102 FGO Rz&nbsp;62, 65&nbsp;ff.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>31<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Bei der Entscheidung, ob einem Begehren auf R&uuml;cknahme eines unanfechtbaren Verwaltungsakts zu entsprechen ist, hat die Verwaltung im konkreten Fall abzuw&auml;gen, ob dem Prinzip der Gesetzm&auml;&szlig;igkeit der Verwaltung und der Gerechtigkeit im Einzelfall oder dem Interesse der Allgemeinheit am Eintritt von Rechtsfrieden und Rechtssicherheit der Vorzug zu geben ist. Dabei kommt es auf die Schwere und Offensichtlichkeit des Rechtsversto&szlig;es sowie darauf an, weshalb die Rechtswidrigkeit des Verwaltungsakts erst nach Ablauf der Rechtsbehelfsfrist vom Steuerpflichtigen geltend gemacht wird (BFH-Urteile in BFHE 235, 137, BStBl II 2012, 298; in BFH\/NV 2012, 711; in BFH\/NV 2013, 906, jeweils m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>32<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Ermessen ist in der Regel ermessensfehlerfrei ausge&uuml;bt, wenn der Adressat die Gr&uuml;nde, die seiner Auffassung nach eine R&uuml;cknahme rechtfertigen, mit einem fristgerecht eingelegten Einspruch gegen den Bescheid h&auml;tte vorbringen k&ouml;nnen und keine besonderen Umst&auml;nde vorliegen, nach denen vom Adressaten die Rechtsverfolgung im Einspruchsverfahren unter Ber&uuml;cksichtigung aller Umst&auml;nde nicht erwartet werden konnte (BFH-Urteile in BFHE 235, 137, BStBl II 2012, 298; in BFH\/NV 2013, 906).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>33<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>dd) Im Streitfall hat das FG im Rahmen der ihm obliegenden Pr&uuml;fung nach &sect;&nbsp;102 FGO zutreffend angenommen, dass das FA die R&uuml;cknahme des streitbefangenen Feststellungsbescheides ermessensfehlerfrei abgelehnt hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>34<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(1) Das FA hatte im Ablehnungsbescheid vom 12.&nbsp;M&auml;rz 2008 zutreffend darauf hingewiesen, dass der Kl&auml;ger die entsprechende Umsatzsteuerforderung ausdr&uuml;cklich nachtr&auml;glich anerkannt hat. In seiner Einspruchsentscheidung hat das FA im Zusammenhang mit einer m&ouml;glichen &Auml;nderung des Feststellungsbescheides nach &sect;&nbsp;130 Abs.&nbsp;1 AO ferner ausgef&uuml;hrt, dass die eingereichte Umsatzsteuer-Jahreserkl&auml;rung f&uuml;r 2003 innerhalb der Einspruchsfrist h&auml;tte eingehen m&uuml;ssen. Denn der bei der Insolvenzschuldnerin befindliche Jahresabschluss f&uuml;r 2003 sei nicht vom Kl&auml;ger erstellt, sondern nur &quot;entdeckt&quot; worden. Der Kl&auml;ger sei seiner Verpflichtung, s&auml;mtliche steuerlichen Pflichten der Insolvenzschuldnerin zu erf&uuml;llen und dazu alle erforderlichen Unterlagen einzusehen, nur unzureichend nachgekommen. Seine &uuml;ber ein Jahr versp&auml;tete Kenntnisnahme des Jahresabschlusses f&uuml;r das Streitjahr gehe daher zu Lasten der Insolvenzschuldnerin.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>35<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(2) Im Rahmen des Klageverfahrens hat das FA nach den den Senat bindenden Feststellungen des FG (&sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO) erg&auml;nzend ausgef&uuml;hrt, dass nicht feststehe, wann und unter welchen Umst&auml;nden der fragliche Jahresabschluss f&uuml;r die Insolvenzschuldnerin zum 31.&nbsp;Dezember 2003 &quot;aufgetaucht&quot; sei. Sollte er tats&auml;chlich den bei der Insolvenzschuldnerin durch die Staatsanwaltschaft beschlagnahmten Gesch&auml;ftsunterlagen beigelegen haben, h&auml;tte es dem Kl&auml;ger oblegen, alsbald die Einsichtnahme in diese Unterlagen zu beantragen. Eine solche Recherche w&auml;re zwar arbeitszeit- und kostenintensiver gewesen, h&auml;tte dem Kl&auml;ger aber m&ouml;glicherweise die Chance er&ouml;ffnet, die richtigen Besteuerungsgrundlagen fr&uuml;hzeitig zu ermitteln.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>36<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(3) Die Entscheidung des FG, dass diese Ermessenserw&auml;gungen des FA den aufgezeigten Rechtsgrunds&auml;tzen zu &sect;&nbsp;102 FGO gen&uuml;gen, ist zutreffend. Das FA hat sein Interesse als Insolvenzgl&auml;ubiger am festgestellten Bestand der Insolvenzforderungen erkennbar gegen die vom Kl&auml;ger vorgetragenen Gesichtspunkte abgewogen. Insbesondere hat sich das FA erg&auml;nzend und hinreichend mit der vom Kl&auml;ger im finanzgerichtlichen Verfahren zus&auml;tzlich aufgeworfenen Frage auseinandergesetzt, ob es ihm m&ouml;glich und auch zumutbar gewesen w&auml;re, die Umsatzsteuer-Jahreserkl&auml;rung f&uuml;r 2003 zu einem fr&uuml;heren Zeitpunkt einzureichen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>37<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>ee) Die hiergegen erhobenen &#8211;weiteren&#8211; Einwendungen des Kl&auml;gers greifen nicht durch.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>38<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Soweit der Kl&auml;ger ausf&uuml;hrt, dass er nicht von der Existenz des Jahresabschlusses f&uuml;r 2003 &uuml;berzeugt gewesen sei und es ihm nicht zumutbar gewesen sei, &quot;ins Blaue hinein&quot; etwa 100 Kartons mit 500 Ordnern durchsuchen zu lassen, vertritt er hinsichtlich der Zumutbarkeit insoweit lediglich eine andere Auffassung als das FA. Die Entscheidung des FA ist im Ergebnis auch deshalb nicht zu beanstanden, weil der Kl&auml;ger seinerzeit trotz &#8211;insoweit unbestrittener&#8211; Kenntnis des m&ouml;glichen Vorhandenseins eines Jahresabschlusses f&uuml;r 2003 die entsprechende mit bestandskr&auml;ftigem Feststellungsbescheid vom 2.&nbsp;August 2006 festgestellte Insolvenzforderung am 18.&nbsp;September 2006 anerkannt hatte und gleichwohl erst mehr als ein Jahr danach &#8211;n&auml;mlich am 1.&nbsp;November 2007&#8211; die Umsatzsteuererkl&auml;rung f&uuml;r 2003 eingereicht hat. Auf dieses widerspr&uuml;chliche Verhalten hatte das FA den Kl&auml;ger bereits mit seinem angefochtenen Ablehnungsbescheid hingewiesen, ohne dass der Kl&auml;ger dies &#8211;wie es geboten gewesen w&auml;re&#8211; zu gegebener Zeit ausreichend erl&auml;utert h&auml;tte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>39<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Soweit der Kl&auml;ger nun geltend macht, das FA habe in seiner urspr&uuml;nglichen Berechnungsmitteilung vom 16.&nbsp;November 2004 darauf hingewiesen, dass die &quot;Festsetzung&quot; unter dem Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung stehe und er daher darauf vertraut habe, dass jederzeit eine &Auml;nderung nach &sect;&nbsp;164 Abs.&nbsp;2 AO erfolgen k&ouml;nne, ist dieser Einwand schon deshalb unbeachtlich, weil die Berechnungsmitteilung des FA vom 16.&nbsp;November 2004 durch den Feststellungsbescheid vom 2.&nbsp;August 2006 ersetzt worden ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>40<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Dass der bestandskr&auml;ftige Feststellungsbescheid vom 2.&nbsp;August 2006 auch nicht nach &sect;&nbsp;173 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 AO oder nach &sect;&nbsp;134 FGO i.V.m. &sect;&nbsp;580 Nr.&nbsp;7 ZPO ge&auml;ndert werden kann, hat das FG zutreffend im Einzelnen dargelegt. Dar&uuml;ber besteht kein Streit.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 11.12.2013, XI R 22\/11 Wirkung und &Auml;nderbarkeit eines im Insolvenzverfahren ergangenen bestandskr&auml;ftigen Feststellungsbescheides Leits&auml;tze 1. Ein bestandskr&auml;ftiger Feststellungsbescheid &uuml;ber eine Umsatzsteuernachzahlung als Insolvenzforderung steht einer sp&auml;ter begehrten anderweitigen Umsatzsteuerfestsetzung entgegen, wenn dieser Bescheid nicht mehr ge&auml;ndert werden kann. 2. Die Entscheidung des FA &uuml;ber die R&uuml;cknahme des Feststellungsbescheides nach &sect; 130 Abs. &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/xi-r-22-11-wirkung-und-aenderbarkeit-eines-im-insolvenzverfahren-ergangenen-bestandskraeftigen-feststellungsbescheides\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">XI&nbsp;R&nbsp;22\/11 &#8211; Wirkung und &Auml;nderbarkeit eines im Insolvenzverfahren ergangenen bestandskr&auml;ftigen Feststellungsbescheides<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-61918","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/61918","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=61918"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/61918\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=61918"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=61918"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=61918"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}