{"id":61947,"date":"2014-03-01T11:43:33","date_gmt":"2014-03-01T09:43:33","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=61947"},"modified":"2014-03-01T11:43:33","modified_gmt":"2014-03-01T09:43:33","slug":"iii-b-89-13-kindergeldberechtigung-einer-als-unbeschraenkt-steuerpflichtig-behandelten-saisonarbeiterin-gesetzlicher-richter-vorabentscheidungsverfahren-durch-ein-fg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-b-89-13-kindergeldberechtigung-einer-als-unbeschraenkt-steuerpflichtig-behandelten-saisonarbeiterin-gesetzlicher-richter-vorabentscheidungsverfahren-durch-ein-fg\/","title":{"rendered":"III&nbsp;B&nbsp;89\/13 &#8211; Kindergeldberechtigung einer als unbeschr&auml;nkt steuerpflichtig behandelten Saisonarbeiterin &#8211; Gesetzlicher Richter &#8211; Vorabentscheidungsverfahren durch ein FG"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 14.1.2014, III B 89\/13<\/p>\n<p class=\"titel\">Kindergeldberechtigung einer als unbeschr&auml;nkt steuerpflichtig behandelten Saisonarbeiterin &#8211; Gesetzlicher Richter &#8211; Vorabentscheidungsverfahren durch ein FG<\/p>\n<p class=\"gruende\">Gr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beschwerde ist &#8211;bei Bedenken gegen ihre Zul&auml;ssigkeit&#8211; jedenfalls unbegr&uuml;ndet und daher gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) durch Beschluss zur&uuml;ckzuweisen. Das Finanzgericht (FG) hat weder den Anspruch der Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) auf rechtliches Geh&ouml;r verletzt noch diese ihrem gesetzlichen Richter entzogen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. a) Der Anspruch auf rechtliches Geh&ouml;r umfasst vor allem das durch Art.&nbsp;103 Abs.&nbsp;1 des Grundgesetzes (GG) und &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;2 FGO gew&auml;hrleistete Recht der Verfahrensbeteiligten, sich vor Erlass einer Entscheidung zu den entscheidungserheblichen Tatsachen und Beweisergebnissen zu &auml;u&szlig;ern. Sie haben einen Anspruch darauf, dem Gericht auch in rechtlicher Hinsicht alles vorzutragen, was sie f&uuml;r wesentlich halten. Diesen Anspr&uuml;chen entspricht die Pflicht des Gerichts, die Ausf&uuml;hrungen der Prozessbeteiligten zur Kenntnis zu nehmen und in Erw&auml;gung zu ziehen. Weiterhin hat das Gericht seine Entscheidung zu begr&uuml;nden, wobei aus seiner Begr&uuml;ndung erkennbar sein muss, dass eine Auseinandersetzung mit dem wesentlichen Vorbringen der Verfahrensbeteiligten stattgefunden hat. Diese richterliche Pflicht geht jedoch nicht soweit, dass sich das Gericht mit jedem Vorbringen in den Entscheidungsgr&uuml;nden ausdr&uuml;cklich befassen m&uuml;sste, da davon auszugehen ist, dass das Gericht das Vorbringen der Beteiligten auch zur Kenntnis genommen hat. Es darf das Vorbringen au&szlig;er Acht lassen, das nach seiner Auffassung unerheblich oder unsubstantiiert ist. Das rechtliche Geh&ouml;r ist erst dann verletzt, wenn sich aus den besonderen Umst&auml;nden des Einzelfalles deutlich ergibt, dass das Gericht ein Vorbringen entweder &uuml;berhaupt nicht zur Kenntnis genommen oder bei seiner Entscheidung ersichtlich nicht in Erw&auml;gung gezogen hat (vgl. z.B. Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 22.&nbsp;April 2008 X&nbsp;B&nbsp;154\/07, BFH\/NV 2008, 1361, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Nach Art.&nbsp;101 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 GG darf niemand seinem gesetzlichen Richter entzogen werden. Auch der Gerichtshof der Europ&auml;ischen Union (EuGH) ist gesetzlicher Richter im Sinne dieser Bestimmung. Es kann daher einen Entzug des gesetzlichen Richters darstellen, wenn ein nationales Gericht seiner Pflicht zur Anrufung des Gerichtshofs im Wege des Vorabentscheidungsverfahrens nach Art.&nbsp;267 des Vertrags &uuml;ber die Arbeitsweise der Europ&auml;ischen Union nicht nachkommt (vgl. Beschluss des Bundesverfassungsgerichts &#8211;BVerfG&#8211; vom 25.&nbsp;Februar 2010&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvR&nbsp;230\/09, Kammerentscheidungen des Bundesverfassungsgerichts &#8211;BVerfGK&#8211; 17, 108, m.w.N.). Eine Gerichtsentscheidung, in der eine m&ouml;gliche Vorlage an den EuGH abgelehnt wird, verst&ouml;&szlig;t allerdings nur dann gegen das Gebot des gesetzlichen Richters, wenn das Gericht den ihm in solchen F&auml;llen notwendig zukommenden Beurteilungsrahmen in unvertretbarer Weise &uuml;berschritten hat (vgl. BFH-Beschluss vom 4.&nbsp;September 2009 IV&nbsp;K&nbsp;1\/09, BFH\/NV 2010, 218; BVerfG-Beschluss vom 15.&nbsp;Dezember 2011&nbsp;&nbsp;2&nbsp;BvR&nbsp;148\/11, BVerfGK 19, 265).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Gemessen an diesen Ma&szlig;st&auml;ben hat das FG weder gegen den Anspruch der Kl&auml;gerin auf rechtliches Geh&ouml;r versto&szlig;en noch seine Vorlagepflicht verletzt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Wie sich aus dem angegriffenen Urteil selbst ergibt, hat das FG die Rechtsausf&uuml;hrungen der Kl&auml;gerin zur Kindergeldberechtigung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;b des Einkommensteuergesetzes (EStG) zur Kenntnis genommen und ersichtlich in Erw&auml;gung gezogen. Unter anderem mit dem Verweis auf das BFH-Urteil vom 24.&nbsp;Oktober 2012 V&nbsp;R&nbsp;43\/11 (BFHE 239, 327, BStBl II 2013, 491) ist das FG auch seiner Pflicht, auf das wesentliche Beteiligtenvorbringen in den Gr&uuml;nden der Entscheidung einzugehen, nachgekommen. Der BFH hat in dem zitierten Urteil die nationalen Rechtsvorschriften zum Monatsprinzip bei der Kindergeldberechtigung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;b EStG und die hierzu vertretenen Auffassungen gew&uuml;rdigt und ist zugleich auch auf unionsrechtliche Fragestellungen eingegangen. Das FG hat sich in der angegriffenen Entscheidung bewusst der Rechtsprechung des BFH angeschlossen. Die Kl&auml;gerin wurde damit dar&uuml;ber in Kenntnis gesetzt, dass ihre steuer- wie gemeinschaftsrechtlichen Argumente sowohl nach Auffassung des BFH wie auch des FG nicht stichhaltig sind. Das FG war nicht gehalten, jedes von der Kl&auml;gerin gegen das Monatsprinzip ins Feld gef&uuml;hrte (Unter-)Argument noch einmal einzeln abzuhandeln, da das einschl&auml;gige BFH-Urteil bereits eine eingehende rechtliche Auseinandersetzung enthielt. Auch wenn sich die Kl&auml;gerin im Vergleich zu den Beteiligten des BFH-Verfahrens einer verbreiterten und vertieften Argumentation bedient haben sollte, konnte sich das FG im Wesentlichen damit begn&uuml;gen, auf die einschl&auml;gige h&ouml;chstrichterliche Rechtsprechung zu verweisen. Denn die streitige Rechtsfrage blieb als solche unver&auml;ndert, so dass Angriffe gegen die bereits vorliegende und vom FG als zutreffend herangezogene Grundsatzentscheidung des BFH vom FG als rechtlich unbeachtlich gewertet werden konnten, ohne dass dies im Detail noch einmal in den Entscheidungsgr&uuml;nden dargestellt werden musste.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Neue, bislang vom BFH ungepr&uuml;fte Gesichtspunkte k&ouml;nnen im &Uuml;brigen die Zulassung der Revision wegen grunds&auml;tzlicher Bedeutung rechtfertigen (vgl. Gr&auml;ber\/Ruban, Finanzgerichtsordnung, 7.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;115 Rz&nbsp;28, m.w.N.). Sollte das Vorbringen der Kl&auml;gerin dahin zu verstehen sein, muss der Beschwerde allerdings der Erfolg versagt bleiben. Denn der BFH hat sich mehrfach ausf&uuml;hrlich &#8211;auch unter Ber&uuml;cksichtigung des Unionsrechts&#8211; mit der Geltung des Monatsprinzips bei der Kindergeldberechtigung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;b EStG befasst und die im BFH-Urteil in BFHE 239, 327, BStBl II 2013, 491 vertretene Auffassung als zutreffende und gemeinschaftsrechtskonforme Gesetzesinterpretation best&auml;tigt (BFH-Urteil vom 18.&nbsp;April 2013 VI&nbsp;R&nbsp;70\/11, BFH\/NV 2013, 1554; Senatsurteil vom 18.&nbsp;Juli 2013 III&nbsp;R&nbsp;59\/11, BFH\/NV 2013, 1992). Damit gibt es keine kl&auml;rungsbed&uuml;rftige Rechtsfrage mehr.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beschwerde ist &auml;u&szlig;erlich zwar in die Gestalt einer Geh&ouml;rsr&uuml;ge gekleidet, richtet sich im Kern aber allein gegen die Richtigkeit des FG-Urteils und die ihm zugrunde liegende h&ouml;chstrichterliche Rechtsprechung. Damit kann die Zulassung der Revision nicht erreicht werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Auch die R&uuml;ge, das FG habe den EuGH anrufen oder aber die Revision zulassen m&uuml;ssen, greift nicht durch. Denn erstinstanzliche Gerichte sind unionsrechtlich nicht zur Vorlage verpflichtet. Dies gilt auch dann, wenn eine Zulassung des Rechtsmittels durch das oberste Gericht erforderlich ist (vgl. BVerfG-Beschluss vom 31.&nbsp;Mai 1990&nbsp;&nbsp;2&nbsp;BvL&nbsp;12,&nbsp;13\/88, 2&nbsp;BvR&nbsp;1436\/87, BVerfGE 82, 159; BFH-Beschluss vom 9.&nbsp;November 2007 IV&nbsp;B&nbsp;169\/06, BFH\/NV 2008, 390; Senatsbeschluss vom 14.&nbsp;November 2008 III&nbsp;B&nbsp;17\/08, BFH\/NV 2009, 380).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 14.1.2014, III B 89\/13 Kindergeldberechtigung einer als unbeschr&auml;nkt steuerpflichtig behandelten Saisonarbeiterin &#8211; Gesetzlicher Richter &#8211; Vorabentscheidungsverfahren durch ein FG Gr&uuml;nde 1&nbsp; Die Beschwerde ist &#8211;bei Bedenken gegen ihre Zul&auml;ssigkeit&#8211; jedenfalls unbegr&uuml;ndet und daher gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) durch Beschluss zur&uuml;ckzuweisen. 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