{"id":62033,"date":"2014-03-11T12:30:57","date_gmt":"2014-03-11T10:30:57","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=62033"},"modified":"2014-03-11T12:30:57","modified_gmt":"2014-03-11T10:30:57","slug":"iii-b-86-13-umfang-der-hinweispflicht-des-finanzgerichts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-b-86-13-umfang-der-hinweispflicht-des-finanzgerichts\/","title":{"rendered":"III&nbsp;B&nbsp;86\/13 &#8211; Umfang der Hinweispflicht des Finanzgerichts"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 27.1.2014, III B 86\/13<\/p>\n<p class=\"titel\">Umfang der Hinweispflicht des Finanzgerichts<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) ist die Mutter eines im Mai 1987 geborenen Sohnes (S), der im Streitzeitraum Januar bis Dezember 2007 studierte. Nachdem die Beklagte und Beschwerdegegnerin (die Familienkasse) die Kl&auml;gerin erfolglos aufgefordert hatte, Nachweise &uuml;ber die Eink&uuml;nfte und Bez&uuml;ge des S vorzulegen, hob sie die Kindergeldfestsetzung f&uuml;r S mit Bescheid vom 26.&nbsp;August 2008 u.a. f&uuml;r Januar bis Dezember 2007 auf und forderte das bereits ausgezahlte Kindergeld zur&uuml;ck. Den dagegen gerichteten Einspruch wies die Familienkasse als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ck.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) wies die Klage als unbegr&uuml;ndet ab. Zur Begr&uuml;ndung verwies es u.a. darauf, dass die von der Kl&auml;gerin als besondere Ausbildungskosten in H&ouml;he von 989&nbsp;EUR geltend gemachten Aufwendungen f&uuml;r einen Universit&auml;tsbesuch in England &#8211;insbesondere in Bezug auf den Reiseverlauf, die angefahrenen Orte und den Ausbildungsbezug der Unternehmungen&#8211; nicht hinreichend nachvollziehbar dargelegt und belegt worden seien und danach der Jahresgrenzbetrag um 717&nbsp;EUR &uuml;berschritten werde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit ihrer Beschwerde begehrt die Kl&auml;gerin die Zulassung der Revision wegen Verfahrensm&auml;ngeln (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 der Finanzgerichtsordnung -FGO-).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist jedenfalls unbegr&uuml;ndet und deshalb durch Beschluss zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 FGO). Sofern Zulassungsgr&uuml;nde &uuml;berhaupt in einer den Darlegungsanforderungen des &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 FGO gen&uuml;genden Form geltend gemacht wurden, liegen sie jedenfalls nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Soweit die Kl&auml;gerin r&uuml;gt, das FG habe seine Hinweispflicht (&sect;&nbsp;76 Abs.&nbsp;2 FGO) verletzt, liegt ein solcher Versto&szlig; nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach st&auml;ndiger Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) verpflichtet &sect;&nbsp;76 Abs.&nbsp;2 FGO das FG nicht, die Beteiligten zu einer Substantiierung ihres Sachvortrags zu veranlassen, wenn die rechtliche Bedeutung der vorzutragenden Tatsachen f&uuml;r den Ausgang des Klageverfahrens auf der Hand liegt (vgl. u.a. BFH-Beschluss vom 4.&nbsp;August 1999 VIII&nbsp;B&nbsp;51\/98, BFH\/NV 2000, 204). Ebenso wenig ist es gehalten, die ma&szlig;gebenden rechtlichen Gesichtspunkte mit den Verfahrensbeteiligten vorher umfassend zu er&ouml;rtern oder ihnen die einzelnen f&uuml;r die Entscheidung erheblichen Gesichtspunkte im Voraus anzudeuten (z.B. BFH-Urteil vom 28.&nbsp;Februar 1989 VIII&nbsp;R&nbsp;303\/84, BFHE 157, 51, BStBl II 1989, 711; BFH-Beschluss vom 12.&nbsp;Juli 2002 VII&nbsp;B&nbsp;257\/01, BFH\/NV 2002, 1498, jeweils m.w.N.). Das gilt insbesondere dann, wenn ein Beteiligter steuerlich beraten und im Prozess entsprechend vertreten war (vgl. BFH-Beschluss in BFH\/NV 2000, 204).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Im Streitfall lag die rechtliche Bedeutung der vorzutragenden Tatsachen f&uuml;r den Ausgang des Klageverfahrens auf der Hand, da die Familienkasse noch mit Schreiben vom 27.&nbsp;Januar 2010 die Anerkennung der Aufwendungen f&uuml;r die Englandreise im Rahmen der besonderen Ausbildungskosten abgelehnt hatte und der Kl&auml;gervertreter daraufhin im Schreiben vom 6.&nbsp;April 2010 selbst auf die Abgrenzung zwischen einem ausbildungsorientierten Auslandsaufenthalt und einer &uuml;berwiegenden Freizeitbesch&auml;ftigung eingegangen war. Insofern musste sich f&uuml;r die anwaltlich vertretene Kl&auml;gerin ohne weiteres aufdr&auml;ngen, dass etwaige w&auml;hrend des Auslandsaufenthalts durchgef&uuml;hrte Universit&auml;tsbesuche konkret (Orte, Zeiten, Gespr&auml;chspartner oder Veranstaltungsteilnahmen) darzulegen und unter Beweis zu stellen sind und dass die blo&szlig;e Vorlage allgemein gehaltener Schreiben der UCAS f&uuml;r einen Prozesserfolg nicht ausreichend sein k&ouml;nnte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Soweit die Kl&auml;gerin einen Versto&szlig; gegen die Sachaufkl&auml;rungspflicht (&sect;&nbsp;76 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO) r&uuml;gt, ist ein solcher Verfahrensmangel nicht den Anforderungen des &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 FGO entsprechend dargelegt worden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach der st&auml;ndigen Rechtsprechung des BFH (vgl. hierzu die Nachweise bei Gr&auml;ber\/Ruban, Finanzgerichtsordnung, 7.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;120 Rz&nbsp;70) sind insoweit u.a. Ausf&uuml;hrungen dazu erforderlich, welche Tatsachen das FG auch ohne besonderen Antrag h&auml;tte aufkl&auml;ren m&uuml;ssen oder welche Beweise zu welchem Beweisthema es von Amts wegen h&auml;tte erheben m&uuml;ssen, aus welchen (genau bezeichneten) Gr&uuml;nden sich dem FG die Notwendigkeit einer weiteren Aufkl&auml;rung des Sachverhalts oder einer Beweiserhebung auch ohne einen entsprechenden Antrag h&auml;tte aufdr&auml;ngen m&uuml;ssen und inwieweit eine weitere Aufkl&auml;rung des Sachverhalts auf der Grundlage des materiell-rechtlichen Standpunkts des FG zu einer anderen Entscheidung h&auml;tte f&uuml;hren k&ouml;nnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Diesen Anforderungen gen&uuml;gt die Beschwerdebegr&uuml;ndung nicht. Nach den Ausf&uuml;hrungen des FG ergab sich aus den eingereichten UCAS-Unterlagen nichts Konkretes zu den n&auml;heren Umst&auml;nden der Reise nach England. Eine von der Kl&auml;gerin vorgelegte Einladung eines Colleges habe sich nicht auf den Streitzeitraum bezogen. Aus welchen Umst&auml;nden sich dem FG Anhaltspunkte f&uuml;r Ermittlungsma&szlig;nahmen im Hinblick auf die in der Beschwerdebegr&uuml;ndung vorgetragenen Besuche mehrerer Universit&auml;ten in X und Y h&auml;tten aufdr&auml;ngen m&uuml;ssen, wird aus dem Vortrag der Kl&auml;gerin nicht ersichtlich. Ebenso wenig legt die Kl&auml;gerin dar, weshalb weitere Ermittlungen des FG zu der Frage, ob die UCAS der in Deutschland vorhandenen ZVS entspreche, auf der Grundlage des materiell-rechtlichen Standpunkts des FG zu einer anderen Entscheidung h&auml;tten f&uuml;hren k&ouml;nnen. Entscheidend f&uuml;r die Nichtanerkennung der geltend gemachten Aufwendungen war nicht die Funktion der UCAS im englischen System der Studienplatzvergabe, sondern der Umstand, dass dem FG hinreichende Anhaltspunkte f&uuml;r einen ausbildungsorientierten Inhalt der Englandreise fehlten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 27.1.2014, III B 86\/13 Umfang der Hinweispflicht des Finanzgerichts Tatbestand 1&nbsp; I. Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) ist die Mutter eines im Mai 1987 geborenen Sohnes (S), der im Streitzeitraum Januar bis Dezember 2007 studierte. 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