{"id":62084,"date":"2014-04-26T12:10:05","date_gmt":"2014-04-26T10:10:05","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=62084"},"modified":"2014-04-26T12:10:05","modified_gmt":"2014-04-26T10:10:05","slug":"v-b-12-14-zustellung-des-urteils-bei-prozessvollmacht-heilung-von-zustellungsfehlern-unterschriftserfordernis-bei-urteilen-schwerwiegender-rechtsanwendungsfehler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-b-12-14-zustellung-des-urteils-bei-prozessvollmacht-heilung-von-zustellungsfehlern-unterschriftserfordernis-bei-urteilen-schwerwiegender-rechtsanwendungsfehler\/","title":{"rendered":"V&nbsp;B&nbsp;12\/14 &#8211; Zustellung des Urteils bei Prozessvollmacht; Heilung von Zustellungsfehlern; Unterschriftserfordernis bei Urteilen; Schwerwiegender Rechtsanwendungsfehler"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 27.2.2014, V B 12\/14<\/p>\n<p class=\"titel\">Zustellung des Urteils bei Prozessvollmacht; Heilung von Zustellungsfehlern; Unterschriftserfordernis bei Urteilen; Schwerwiegender Rechtsanwendungsfehler<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) erhob vor dem Finanzgericht (FG) erfolglos Klage wegen Umsatzsteuer 2008 und auf Feststellung der Nichtigkeit der &quot;Steuerbetr&auml;ge aus den Jahren 2002 bis einschlie&szlig;lich 2012 und fortfolgend, einschlie&szlig;lich der Feststellung der Nichtigkeit der Steuergesetzgebung&quot;.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Termin zur m&uuml;ndlichen Verhandlung am 26.&nbsp;November 2013 erschien der Kl&auml;ger mit einem Bevollm&auml;chtigten und legte die Kopie einer Vollmacht vom 12.&nbsp;November 2013 vor. Diese gilt f&uuml;r alle Instanzen und umfasst u.a. die Befugnis, Zustellungen zu bewirken und entgegenzunehmen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Urteil des FG vom 26.&nbsp;November 2013 wurde laut Postzustellungsurkunde am 6.&nbsp;Dezember 2013 durch Einlegung des Schriftst&uuml;cks in den zur Wohnung des Kl&auml;gers geh&ouml;renden Briefkasten zugestellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 27.&nbsp;Januar 2014 legte der Bevollm&auml;chtigte des Kl&auml;gers Beschwerde ein und wies darauf hin, dass er das Urteil &#8211;durch urlaubsbedingte Abwesenheit des Mandanten bis 22.&nbsp;Dezember 2013&#8211; erst am 27.&nbsp;Dezember 2013 erhalten habe. Zur Begr&uuml;ndung der Beschwerde macht er geltend, das als Ausfertigung zugestellte Urteil m&uuml;sse die exakte Kopie der Urschrift darstellen. Da die ihm vorliegende Ausfertigung keine Unterschrift der beteiligten Richter aufweise, sei davon auszugehen, dass auch die Urschrift des Urteils diesen Mangel habe. Der angefochtene Umsatzsteuerbescheid 2008 und die Steuerbescheide, die Steuerbetr&auml;ge aus den Jahren 2002 bis 2012 und fortfolgend forderten, seien nichtig. Seit der durch das Steuerverk&uuml;rzungsbek&auml;mpfungsgesetz vom 19.&nbsp;Dezember 2001 (BGBl I 2001, 3922) zum 1.&nbsp;Januar 2002 eingef&uuml;hrten Umsatzsteuer-Nachschau (&sect;&nbsp;27b des Umsatzsteuergesetzes) sei das Umsatzsteuergesetz wegen Eingriffs in die verfassungsm&auml;&szlig;igen Rechte der B&uuml;rger verfassungswidrig und damit insgesamt nichtig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Schreiben vom 29.&nbsp;Januar 2014 hat die Gesch&auml;ftsstelle des Senats auf den Vertretungszwang nach &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;4 der Finanzgerichtsordnung (FGO) und die Unzul&auml;ssigkeit eines nicht von einer vertretungsberechtigten Person oder Gesellschaft eingelegten Rechtsmittels hingewiesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die fristgerecht erhobene Beschwerde wegen Nichtzulassung der Revision ist unbegr&uuml;ndet und war deshalb zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;132 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect;&nbsp;116 FGO kann die Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil eines FG mit der Nichtzulassungsbeschwerde angefochten werden. Diese ist innerhalb eines Monats nach Zustellung des vollst&auml;ndigen Urteils beim Bundesfinanzhof (BFH) einzulegen (&sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Das Urteil ist dem Kl&auml;ger zwar laut Postzustellungsurkunde am 6.&nbsp;Dezember 2013 zugestellt worden, sodass die Frist zur Einlegung der Beschwerde nach &sect;&nbsp;54 FGO i.V.m. &sect;&nbsp;222 Abs.&nbsp;1 und 2 der Zivilprozessordnung (ZPO) sowie &sect;&sect;&nbsp;187 Abs.&nbsp;1, 188 Abs.&nbsp;2 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuches (BGB) bei ordnungsgem&auml;&szlig;er Zustellung bereits am Dienstag, dem 7.&nbsp;Januar 2014, abgelaufen w&auml;re.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Im Streitfall fehlt es jedoch an einer ordnungsgem&auml;&szlig;en Zustellung. Ausweislich der in den FG-Akten befindlichen Postzustellungsurkunde wurde das Urteil ausschlie&szlig;lich an den Kl&auml;ger zugestellt, obwohl dieser einen Bevollm&auml;chtigten mit der Wahrnehmung seiner Interessen beauftragt hatte. Nach &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;6 Satz&nbsp;5 FGO waren Zustellungen des Gerichts daher ausschlie&szlig;lich an den Bevollm&auml;chtigten zu richten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Der Zustellungsmangel gilt mit dem tats&auml;chlichen Zugang des Urteils an den Prozessbevollm&auml;chtigten als geheilt (&sect;&nbsp;189 ZPO) und das Urteil in diesem Zeitpunkt als zugestellt (vgl. BFH-Beschluss vom 17.&nbsp;M&auml;rz 2009 IV&nbsp;B&nbsp;102\/08, juris). Ausweislich des Vorbringens des Bevollm&auml;chtigten hat er das Urteil am 27.&nbsp;Dezember 2013 erhalten. Die Frist zur Einlegung der Beschwerde nach &sect;&nbsp;54 FGO i.V.m. &sect;&nbsp;222 Abs.&nbsp;1 und 2 ZPO sowie &sect;&sect;&nbsp;187 Abs.&nbsp;1, 188 Abs.&nbsp;2 BGB endete daher erst mit Ablauf des 27.&nbsp;Januar 2014. Die an diesem Tag beim BFH eingegangene Beschwerde war daher noch rechtzeitig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Beschwerde ist unbegr&uuml;ndet, da Gr&uuml;nde f&uuml;r die Zulassung der Revision gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 FGO nicht vorliegen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Entgegen der Ansicht des Kl&auml;gers ergibt sich ein Verfahrensfehler i.S. von &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 FGO nicht daraus, dass die Urteilsausfertigung nicht von den Richtern unterschrieben ist. Vielmehr belegt der Ausfertigungsvermerk des Urkundsbeamten, dass die mitwirkenden Richter das Urteil im Original unterschrieben haben (vgl. Urteil des Bundesgerichtshofs vom 2.&nbsp;Februar 2012 I&nbsp;ZR&nbsp;81\/10, H&ouml;chstrichterliche Finanzrechtsprechung 2013, 187, m.w.N.). Von einer unzul&auml;ssigen Ersetzung einer Richterunterschrift kann insoweit nicht ausgegangen werden. Die Urteilsausfertigung erfordert gerade keine Originalunterschrift (vgl. BFH-Beschl&uuml;sse vom 19.&nbsp;November 2013 IX&nbsp;B&nbsp;79\/13, BFH\/NV 2014, 371, sowie vom 8.&nbsp;M&auml;rz 2006 VII&nbsp;B&nbsp;309\/05, BFH\/NV 2006, 1317).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Soweit der Kl&auml;ger geltend macht, die angegriffenen Umsatzsteuerbescheide seien entgegen dem Urteil des FG seit 2002 verfassungswidrig und damit nichtig, r&uuml;gt er eine vermeintlich unrichtige Rechtsanwendung durch das FG. Ein materiell-rechtlicher Fehler bei der Rechtsanwendung kann aber nur ausnahmsweise nach &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Alternative&nbsp;2 FGO zur Zulassung der Revision f&uuml;hren, wenn es sich um einen schwerwiegenden Rechtsanwendungsfehler handelt, der geeignet ist, das Vertrauen in die Rechtsprechung zu besch&auml;digen. Ein derartiger Fehler liegt jedoch nur dann vor, wenn die angefochtene FG-Entscheidung objektiv willk&uuml;rlich und unter keinem denkbaren Gesichtspunkt rechtlich vertretbar ist (vgl. BFH-Beschluss vom 25.&nbsp;M&auml;rz 2010 X&nbsp;B&nbsp;176\/08, BFH\/NV 2010, 1455, m.w.N.). Einen solchen qualifizierten Rechtsanwendungsfehler des FG hat der Kl&auml;ger weder dargelegt noch liegt ein solcher Fehler tats&auml;chlich vor. Wie der BFH bereits mehrfach entschieden hat, ergibt sich aus einem etwaigen Versto&szlig; gegen das sog. Zitiergebot keine Nichtigkeit des Umsatzsteuergesetzes oder der hierauf gest&uuml;tzten Umsatzsteuerbescheide (BFH-Beschl&uuml;sse vom 16.&nbsp;Dezember 2009 V&nbsp;B&nbsp;23\/08, BFH\/NV 2010, 1866; vom 18.&nbsp;Mai 2011 VII&nbsp;B&nbsp;195\/10, BFH\/NV 2011, 1743; vom 12.&nbsp;M&auml;rz 2009, XI&nbsp;B&nbsp;23, 24\/08, Zeitschrift f&uuml;r Steuern und Recht 2009, R&nbsp;538).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Da die Beschwerde unbegr&uuml;ndet ist, kann der Senat offen lassen, ob es sich beim Bevollm&auml;chtigten um eine zur Vertretung berechtigte Person i.S. von &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;4 FGO handelt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 27.2.2014, V B 12\/14 Zustellung des Urteils bei Prozessvollmacht; Heilung von Zustellungsfehlern; Unterschriftserfordernis bei Urteilen; Schwerwiegender Rechtsanwendungsfehler Tatbestand 1&nbsp; I. 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