{"id":62157,"date":"2014-04-26T12:03:46","date_gmt":"2014-04-26T10:03:46","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=62157"},"modified":"2014-04-26T12:03:46","modified_gmt":"2014-04-26T10:03:46","slug":"vi-r-42-12-anwendungsvoraussetzung-der-1-regelung-reichweite-des-anscheinsbeweises-beim-alleingeschaeftsfuehrer-einer-gmbh-begriff-der-regelmaessigen-arbeitsstaette-19","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-42-12-anwendungsvoraussetzung-der-1-regelung-reichweite-des-anscheinsbeweises-beim-alleingeschaeftsfuehrer-einer-gmbh-begriff-der-regelmaessigen-arbeitsstaette-19\/","title":{"rendered":"VI&nbsp;R&nbsp;42\/12 &#8211; Anwendungsvoraussetzung der 1 %-Regelung &#8211; Reichweite des Anscheinsbeweises beim Alleingesch&auml;ftsf&uuml;hrer einer GmbH &#8211; Begriff der regelm&auml;&szlig;igen Arbeitsst&auml;tte"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 21.3.2013, VI R 42\/12<\/p>\n<p class=\"titel\">Anwendungsvoraussetzung der 1 %-Regelung &#8211; Reichweite des Anscheinsbeweises beim Alleingesch&auml;ftsf&uuml;hrer einer GmbH &#8211; Begriff der regelm&auml;&szlig;igen Arbeitsst&auml;tte<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. &Uuml;ber die Frage, ob und welches betriebliche Fahrzeug dem Arbeitnehmer ausdr&uuml;cklich oder doch zumindest konkludent auch zur privaten Nutzung &uuml;berlassen ist, entscheidet das FG unter Ber&uuml;cksichtigung s&auml;mtlicher Umst&auml;nde des Einzelfalls nach seiner freien, aus dem Gesamtergebnis des Verfahrens gewonnenen &Uuml;berzeugung.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Steht nicht fest, dass der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer einen Dienstwagen zur privaten Nutzung &uuml;berlassen hat, kann auch der Beweis des ersten Anscheins diese fehlende Feststellung nicht ersetzen.<\/p>\n<\/p>\n<p>3. Dies gilt auch bei angestellten Gesch&auml;ftsf&uuml;hrern einer GmbH. Auch in einem solchen Fall l&auml;sst sich kein allgemeiner Erfahrungssatz des Inhalts feststellen, dass ein Privatnutzungsverbot nur zum Schein ausgesprochen ist oder der (Allein-)Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer ein Privatnutzungsverbot generell missachtet.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Streitig ist der Ansatz eines geldwerten Vorteiles wegen der privaten Nutzung eines Firmenwagens.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table class=\"Rsp\">\n<tr>\n<th colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\"><\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">Die Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) sind zusammen zur Einkommensteuer veranlagte Eheleute. Sie hatten in den Streitjahren 2003 und 2004 ihren Wohnsitz in W. Der Kl&auml;ger ist seit dem 1.&nbsp;April 2001 bei der E&nbsp;GmbH in F als alleiniger Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer besch&auml;ftigt. Aus dieser T&auml;tigkeit erzielt er Eink&uuml;nfte aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit. Der Kl&auml;ger verf&uuml;gte &uuml;ber einen Dienstwagen (Listenpreis 35.000&nbsp;EUR), der im Wohnsitzkreis des Kl&auml;gers zugelassen war. Die Nutzung des Fahrzeugs war in einer Zusatzvereinbarung zum Arbeitsvertrag (&quot;Car Policy&quot;) wie folgt geregelt:<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">&quot;Der Gesch&auml;ftsleitung der &#8230; [E&nbsp;GmbH] wird bei &uuml;berwiegender Au&szlig;endienst-T&auml;tigkeit ein Firmenfahrzeug zur Verf&uuml;gung gestellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">Die Nutzung erstreckt sich nicht auf den privaten Bereich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">Der Gesetzgeber verlangt eine Versteuerung des geldwerten Vorteils. Dieser betr&auml;gt z. Zt. 1&nbsp;% des Brutto-Listenpreises des genutzten Fahrzeugs, soweit Dienstsitz des Mitarbeiters gleich Wohnsitz ist, entf&auml;llt eine Versteuerung ebenfalls f&uuml;r die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsst&auml;tte. Sollten betriebliche Notwendigkeiten eine &Auml;nderung erforderlich machen, werden diese gem&auml;&szlig; den gesetzlichen Regelungen vorgenommen &#8230;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">Das Fahrzeug darf ausschlie&szlig;lich durch den Mitarbeiter genutzt werden. Im Bedarfsfall wird der Ehegatte (Lebenspartner) zugelassen &#8230;&quot;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Jahr 2005 fand bei der E&nbsp;GmbH eine Lohnsteuer-Au&szlig;enpr&uuml;fung durch das Finanzamt F statt. Dabei wurde festgestellt, dass der Kl&auml;ger kein Fahrtenbuch gef&uuml;hrt hat und ein privater Nutzungsvorteil bislang nicht besteuert worden ist. Der steuerliche Berater der E&nbsp;GmbH teilte dem Finanzamt F hierzu mit, der Kl&auml;ger habe ein Fahrtenbuch f&uuml;hren sollen. Da er dies nicht getan habe, solle eine Mitteilung an sein Wohnsitzfinanzamt ergehen. Der Au&szlig;enpr&uuml;fer nahm daraufhin einen geldwerten Vorteil aus der Fahrzeug&uuml;berlassung an und errechnete f&uuml;r die Privatnutzung j&auml;hrlich 4.200&nbsp;EUR (35.000&nbsp;EUR x 1&nbsp;% x 12) und f&uuml;r die Fahrten Wohnung\/Arbeitsst&auml;tte j&auml;hrlich 17.136&nbsp;EUR (35.000&nbsp;EUR x 0,03&nbsp;% x 136&nbsp;km x 12).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) machte sich die Pr&uuml;fungsfeststellungen zu eigen, &auml;nderte die Einkommensteuer-Festsetzungen f&uuml;r die Streitjahre gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;173 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Abgabenordnung und erh&ouml;hte die Lohneink&uuml;nfte des Kl&auml;gers jeweils um 21.336&nbsp;EUR.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der nach erfolglosem Vorverfahren erhobenen Klage gab das Finanzgericht (FG) teilweise statt (Entscheidungen der Finanzgerichte 2012, 1733). Das FA habe zwar dem Grunde nach zu Recht die Eink&uuml;nfte des Kl&auml;gers aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit um den Wert der Privatnutzung des Dienstfahrzeugs und f&uuml;r Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsst&auml;tte erh&ouml;ht (&sect;&nbsp;8 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 des Einkommensteuergesetzes &#8211;EStG&#8211;). Der Ansatz f&uuml;r die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsst&auml;tte sei jedoch zu hoch. Insoweit m&uuml;sse eine Einzelbewertung der Fahrten in analoger Anwendung des &sect;&nbsp;8 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;5 EStG erfolgen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gen die Kl&auml;ger die Verletzung materiellen Rechts.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Sie beantragen sinngem&auml;&szlig;,<br \/>das Urteil des FG M&uuml;nster vom 17.&nbsp;Januar 2012&nbsp; 5&nbsp;K&nbsp;1240\/09&nbsp;E sowie die Einspruchsentscheidungen vom 18.&nbsp;M&auml;rz 2009 aufzuheben und die Einkommensteuerbescheide f&uuml;r die Jahre 2003 und 2004 &#8211;jeweils&#8211; vom 13.&nbsp;August 2007 insoweit abzu&auml;ndern, als dass die Eink&uuml;nfte des Kl&auml;gers aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit &#8211;jeweils&#8211; um 21.336&nbsp;EUR herabgesetzt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision der Kl&auml;ger ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Zur&uuml;ckverweisung der Sache zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das FG (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. &Uuml;berl&auml;sst der Arbeitgeber einem Arbeitnehmer unentgeltlich oder verbilligt einen Dienstwagen auch zur privaten Nutzung, f&uuml;hrt das nach der st&auml;ndigen Rechtsprechung des Senats zu einem als Lohnzufluss nach &sect;&nbsp;19 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG zu erfassenden steuerbaren Nutzungsvorteil des Arbeitnehmers (Urteile des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 6.&nbsp;November 2001 VI&nbsp;R&nbsp;62\/96, BFHE 197, 142, BStBl II 2002, 370; vom 7.&nbsp;November 2006 VI&nbsp;R&nbsp;19\/05, BFHE 215, 256, BStBl II 2007, 116; VI&nbsp;R&nbsp;95\/04, BFHE 215, 252, BStBl II 2007, 269; vom 4.&nbsp;April 2008 VI&nbsp;R&nbsp;68\/05, BFHE 221, 17, BStBl II 2008, 890; vom 28.&nbsp;August 2008 VI&nbsp;R&nbsp;52\/07, BFHE 223, 12, BStBl II 2009, 280; vom 21.&nbsp;April 2010 VI&nbsp;R&nbsp;46\/08, BFHE 229, 228, BStBl II 2010, 848; vom 6.&nbsp;Oktober 2011 VI&nbsp;R&nbsp;56\/10, BFHE 235, 383, BStBl II 2012, 362), und zwar unabh&auml;ngig davon, ob und in welchem Umfang der Arbeitnehmer den betrieblichen PKW tats&auml;chlich privat nutzt (BFH-Urteil vom 21.&nbsp;M&auml;rz 2013 VI&nbsp;R&nbsp;31\/10, BFHE 241, 167). Der Vorteil ist nach &sect;&nbsp;8 Abs.&nbsp;2 S&auml;tze&nbsp;2 bis 5 i.V.m. &sect;&nbsp;6 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;4 Satz&nbsp;2 EStG entweder mit der Fahrtenbuchmethode oder, wenn &#8211;wie im Streitfall mittlerweile unstreitig&#8211; kein ordnungsgem&auml;&szlig;es Fahrtenbuch gef&uuml;hrt wird, mit der 1&nbsp;%-Regelung zu bewerten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. &Uuml;ber die Frage, ob und welches betriebliche Fahrzeug dem Arbeitnehmer ausdr&uuml;cklich oder doch zumindest konkludent auch zur privaten Nutzung &uuml;berlassen ist, entscheidet das FG unter Ber&uuml;cksichtigung s&auml;mtlicher Umst&auml;nde des Einzelfalls nach seiner freien, aus dem Gesamtergebnis des Verfahrens gewonnenen &Uuml;berzeugung. Zwar ist die finanzrichterliche &Uuml;berzeugungsbildung revisionsrechtlich nur eingeschr&auml;nkt auf Verst&ouml;&szlig;e gegen Denkgesetze und allgemeine Erfahrungss&auml;tze &uuml;berpr&uuml;fbar. Das FG hat jedoch im Einzelnen darzulegen, wie und dass es seine &Uuml;berzeugung in rechtlich zul&auml;ssiger und einwandfreier Weise gewonnen hat (BFH-Beschluss vom 13.&nbsp;M&auml;rz 1997 I&nbsp;B&nbsp;78\/96, BFH\/NV 1997, 772). Die subjektive Gewissheit des Tatrichters vom Vorliegen eines entscheidungserheblichen Sachverhalts ist nur dann ausreichend und f&uuml;r das Revisionsgericht bindend, wenn sie auf einer logischen, verstandesm&auml;&szlig;ig einsichtigen W&uuml;rdigung beruht, deren nachvollziehbare Folgerungen den Denkgesetzen entsprechen und von den festgestellten Tatsachen getragen werden. Fehlt es an einer tragf&auml;higen Tatsachengrundlage f&uuml;r die Folgerungen in der tatrichterlichen Entscheidung oder fehlt die nachvollziehbare Ableitung dieser Folgerungen aus den festgestellten Tatsachen und Umst&auml;nden, so liegt ein Versto&szlig; gegen die Denkgesetze vor (BFH-Urteil vom 11.&nbsp;November 2010 VI&nbsp;R&nbsp;16\/09, BFHE 232, 34, BStBl II 2011, 966, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Ein solcher Rechtsanwendungsfehler ist vorliegend zu beklagen. Denn die W&uuml;rdigung des FG, dass dem Kl&auml;ger von der E&nbsp;GmbH der Dienstwagen in den Streitjahren arbeitsvertraglich auch zur privaten Nutzung &uuml;berlassen worden ist, h&auml;lt revisionsrechtlicher Pr&uuml;fung nicht stand.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Soweit das FG diese Erkenntnis aus der vom Kl&auml;ger vorgelegten &quot;Car Policy&quot; sch&ouml;pft, ist dieser Schluss f&uuml;r den Senat nicht nachvollziehbar. Denn dort ist gerade das Gegenteil bestimmt. Dort ist ausdr&uuml;cklich geregelt, dass sich die Nutzung nicht auf den privaten Bereich erstreckt. Die Erweiterung in der &quot;Car Policy&quot;, dass &quot;im Bedarfsfall&quot; statt des Mitarbeiters &quot;der Ehegatte (Lebenspartner) zugelassen&quot; wird, zielt ersichtlich auf die dienstliche Nutzung des PKW. Hieraus eine private Nutzungsbefugnis des Ehe- oder Lebenspartners zu lesen, ist eine &#8211;jedenfalls ohne weitere Kl&auml;rung des tats&auml;chlich gewollten Vertragsinhalts&#8211; nicht tragf&auml;hige &Uuml;berinterpretation des Vertragsinhalts.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Dar&uuml;ber hinaus geht das FG fehl, wenn es allein aus einer fehlenden &Uuml;berwachung dieses Nutzungsverbots auf dessen Steuerunerheblichkeit schlie&szlig;t.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Denn einen &#8211;auf der allgemeinen Lebenserfahrung gr&uuml;ndenden&#8211; Erfahrungssatz, nach dem ein angestellter Alleingesch&auml;ftsf&uuml;hrer generell arbeitsvertraglich vereinbarte Nutzungsverbote nicht achten werde, vermag der Senat nicht zu erkennen. Zwar mag es sein, dass in F&auml;llen wie dem vorliegenden der Arbeitnehmer &#8211;in Ermangelung einer &quot;Kontrollinstanz&quot;&#8211; bei einer Zuwiderhandlung keine arbeitsrechtlichen oder gar strafrechtlichen Konsequenzen zu gew&auml;rtigen hat. Gleichwohl rechtfertigt dies einen entsprechenden steuerstrafrechtlich erheblichen Generalverdacht nicht (BFH-Urteil vom 21.&nbsp;M&auml;rz 2013 VI&nbsp;R&nbsp;46\/11, BFHE 241, 175). Dies gilt selbst dann, wenn der Arbeitgeber ein arbeitsvertraglich vereinbartes Privatnutzungsverbot nicht &uuml;berwacht (BFH-Urteile in BFHE 229, 228, BStBl II 2010, 848; in BFHE 235, 383, BStBl II 2012, 362, sowie vom 21.&nbsp;M&auml;rz 2013 VI&nbsp;R&nbsp;46\/11, BFHE 241, 175).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Das FG wird nach Ma&szlig;gabe der vorgenannten Rechtsgrunds&auml;tze den hier streitigen Sachverhalt insbesondere dahingehend weiter aufzukl&auml;ren haben, ob dem Kl&auml;ger der betriebliche PKW auch zur privaten Nutzung arbeitsvertraglich oder doch mindestens auf Grundlage einer konkludent getroffenen Nutzungsvereinbarung tats&auml;chlich &uuml;berlassen war. Diese Feststellungen kann auch bei einem Alleingesch&auml;ftsf&uuml;hrer der Beweis des ersten Anscheins nicht ersetzen (BFH-Urteil vom 21.&nbsp;M&auml;rz 2013 VI&nbsp;R&nbsp;46\/11, BFHE 241, 175).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Hat sich das FG mit der erforderlichen Gewissheit davon &uuml;berzeugt, dass dem Kl&auml;ger der streitige PKW tats&auml;chlich zur privaten Nutzung &uuml;berlassen war, sind weitere Feststellungen insbesondere zu den Nutzungsverh&auml;ltnissen nicht erforderlich. Der Vorteil ist unabh&auml;ngig von den tats&auml;chlichen Nutzungsverh&auml;ltnissen nach &sect;&nbsp;8 Abs.&nbsp;2 S&auml;tze&nbsp;2 bis 5 i.V.m. &sect;&nbsp;6 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;4 Satz&nbsp;2 EStG entweder mit der Fahrtenbuchmethode oder, wenn kein ordnungsgem&auml;&szlig;es Fahrtenbuch gef&uuml;hrt wird, mit der 1&nbsp;%-Regelung zu bewerten (BFH-Urteil vom 21.&nbsp;M&auml;rz 2013 VI&nbsp;R&nbsp;31\/10, BFHE 241, 167).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Weiter weist der erkennende Senat f&uuml;r den zweiten Rechtsgang darauf hin, dass allein die Nutzung eines betrieblichen Fahrzeugs f&uuml;r Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsst&auml;tte noch keine &Uuml;berlassung zur privaten Nutzung i.S. des &sect;&nbsp;8 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 EStG begr&uuml;ndet (BFH-Urteil in BFHE 235, 383, BStBl II 2012, 362).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Ob der Kl&auml;ger eine regelm&auml;&szlig;ige Arbeitsst&auml;tte in den Streitjahren innehatte und wo eine solche gegebenenfalls zu verorten ist, bedarf ebenfalls noch weiterer Feststellungen des FG. Denn der Mittelpunkt der dauerhaft angelegten beruflichen T&auml;tigkeit und damit die regelm&auml;&szlig;ige Arbeitsst&auml;tte i.S. des &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 Nr.&nbsp;4 EStG bestimmt sich nach den qualitativen Merkmalen einer wie auch immer gearteten Arbeitsleistung, die der Arbeitnehmer an dieser Arbeitsst&auml;tte im Einzelnen wahrnimmt oder wahrzunehmen hat, sowie nach dem konkreten Gewicht dieser dort verrichteten T&auml;tigkeit. Nach diesen Rechtsgrunds&auml;tzen erf&uuml;llt eine Betriebsst&auml;tte des Arbeitgebers, die der Arbeitnehmer beispielsweise lediglich zu Kontrollzwecken aufsucht, nicht die Voraussetzungen einer regelm&auml;&szlig;igen Arbeitsst&auml;tte. Allein der Umstand, dass ein Arbeitnehmer den Betriebssitz oder sonstige Einrichtungen des Arbeitgebers mit einer gewissen Nachhaltigkeit aufsucht, gen&uuml;gt f&uuml;r sich betrachtet nicht, um dort den T&auml;tigkeitsmittelpunkt eines Arbeitnehmers zu begr&uuml;nden. Hierf&uuml;r muss der Arbeitnehmer an diesem Ort vielmehr schwerpunktm&auml;&szlig;ig t&auml;tig werden. Daran fehlt es insbesondere, wenn er &#8211;wie ein Au&szlig;endienstmitarbeiter&#8211; seiner eigentlichen T&auml;tigkeit au&szlig;erhalb des Betriebssitzes nachgeht (BFH-Urteil vom 9.&nbsp;Juni 2011 VI&nbsp;R&nbsp;58\/09, BFHE 234, 155, BStBl II 2012, 34). Das FG wird deshalb zu pr&uuml;fen haben, ob die E&nbsp;GmbH in F eine betriebliche Einrichtung (bei der Konzernmutter, vgl. BFH-Urteil vom 13.&nbsp;Juni 2012 VI&nbsp;R&nbsp;47\/11, BFHE 238, 53, BStBl II 2013, 169) vorgehalten hat und in welchem qualitativen Umfang der Kl&auml;ger dort t&auml;tig geworden ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 21.3.2013, VI R 42\/12 Anwendungsvoraussetzung der 1 %-Regelung &#8211; Reichweite des Anscheinsbeweises beim Alleingesch&auml;ftsf&uuml;hrer einer GmbH &#8211; Begriff der regelm&auml;&szlig;igen Arbeitsst&auml;tte Leits&auml;tze 1. &Uuml;ber die Frage, ob und welches betriebliche Fahrzeug dem Arbeitnehmer ausdr&uuml;cklich oder doch zumindest konkludent auch zur privaten Nutzung &uuml;berlassen ist, entscheidet das FG unter Ber&uuml;cksichtigung s&auml;mtlicher Umst&auml;nde des &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-42-12-anwendungsvoraussetzung-der-1-regelung-reichweite-des-anscheinsbeweises-beim-alleingeschaeftsfuehrer-einer-gmbh-begriff-der-regelmaessigen-arbeitsstaette-19\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VI&nbsp;R&nbsp;42\/12 &#8211; Anwendungsvoraussetzung der 1 %-Regelung &#8211; Reichweite des Anscheinsbeweises beim Alleingesch&auml;ftsf&uuml;hrer einer GmbH &#8211; Begriff der regelm&auml;&szlig;igen Arbeitsst&auml;tte<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-62157","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/62157","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=62157"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/62157\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=62157"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=62157"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=62157"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}