{"id":62360,"date":"2014-05-14T12:51:47","date_gmt":"2014-05-14T10:51:47","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=62360"},"modified":"2014-05-14T12:51:47","modified_gmt":"2014-05-14T10:51:47","slug":"i-r-34-12-ueberpruefung-einer-verbindlichen-auskunft-passivierung-einer-verbindlichkeit-in-der-liquidationsschlussbilanz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-r-34-12-ueberpruefung-einer-verbindlichen-auskunft-passivierung-einer-verbindlichkeit-in-der-liquidationsschlussbilanz\/","title":{"rendered":"I&nbsp;R&nbsp;34\/12 &#8211; &Uuml;berpr&uuml;fung einer verbindlichen Auskunft &#8211; Passivierung einer Verbindlichkeit in der Liquidationsschlussbilanz"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 5.2.2014, I R 34\/12<\/p>\n<p class=\"titel\">&Uuml;berpr&uuml;fung einer verbindlichen Auskunft &#8211; Passivierung einer Verbindlichkeit in der Liquidationsschlussbilanz<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Streitpunkte sind die gerichtliche &Uuml;berpr&uuml;fbarkeit und die inhaltliche Richtigkeit einer verbindlichen Auskunft nach &sect;&nbsp;89 Abs.&nbsp;2 der Abgabenordnung (AO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) ist eine in Liquidation befindliche GmbH, die sich in ihrer aktiven Zeit mit Erwerb, Verwaltung und Ver&auml;u&szlig;erung von Immobilien und Unternehmensbeteiligungen befasst hat. Mit einem Gesch&auml;ftsanteil von 45&nbsp;v.H. ist die C-S.A. an der Kl&auml;gerin beteiligt. Die C-S.A. bzw. deren Rechtsvorg&auml;ngerin gew&auml;hrte der Kl&auml;gerin Gesellschafterdarlehen, die per 31.&nbsp;Dezember 2007 mit 18.675.900,85&nbsp;EUR valutierten. Die Kl&auml;gerin stellte ihre aktive T&auml;tigkeit im Jahr 2007 ein; im Mai 2009 beschloss die Gesellschafterversammlung die Aufl&ouml;sung der Kl&auml;gerin.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Juli 2009 schlossen die Kl&auml;gerin und die C-S.A. hinsichtlich des Gesellschafterdarlehens zur Vermeidung einer etwaigen &Uuml;berschuldung eine Rangr&uuml;cktrittsvereinbarung, nach deren Inhalt die C-S.A. hinsichtlich ihres Anspruchs auf R&uuml;ckzahlung der Darlehensvaluta hinter alle gegenw&auml;rtigen und zuk&uuml;nftigen Forderungen der &uuml;brigen Gl&auml;ubiger der Kl&auml;gerin zur&uuml;cktrat. Zahlungen auf das Darlehen sollten lediglich aus einem k&uuml;nftigen Jahres- oder Liquidations&uuml;berschuss oder aus einem die sonstigen Schulden &uuml;bersteigenden Verm&ouml;gen der Kl&auml;gerin zu leisten sein; die C-S.A. sollte mit ihrer nachrangigen Forderung nur zugleich und im anteiligen Verh&auml;ltnis mit den Einlagenr&uuml;ckgew&auml;hranspr&uuml;chen der &uuml;brigen Gesellschafter der Kl&auml;gerin und mit denjenigen Forderungen zu ber&uuml;cksichtigen sein, hinsichtlich derer ebenfalls eine Rangr&uuml;cktrittserkl&auml;rung abgegeben worden sei; dies sollte auch f&uuml;r den Fall der Insolvenz der Kl&auml;gerin gelten. Der Rangr&uuml;cktritt sollte seine Wirkung verlieren, sobald und soweit eine &Uuml;berschuldung der Kl&auml;gerin auch ohne ihn nicht mehr gegeben w&auml;re.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Liquidationser&ouml;ffnungsbilanz der Kl&auml;gerin zum 13.&nbsp;Mai 2009 wies bei einer Bilanzsumme von 18.689.377,55&nbsp;EUR auf der Aktivseite ein Restverm&ouml;gen in H&ouml;he von 75.400,39&nbsp;EUR sowie einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag in H&ouml;he von 18.613.977,16&nbsp;EUR aus. Dem standen R&uuml;ckstellungen in H&ouml;he von 5.000&nbsp;EUR und Verbindlichkeiten in H&ouml;he von 18.684.377,55&nbsp;EUR gegen&uuml;ber. Von den Gesamtverbindlichkeiten entfielen 18.675.900,85&nbsp;EUR auf das von der qualifizierten Rangr&uuml;cktrittsvereinbarung betroffene Darlehen der C-S.A.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Liquidator der Kl&auml;gerin beabsichtigte im Rahmen der Liquidation, die noch offenen Verbindlichkeiten lediglich in H&ouml;he des Verm&ouml;gens abz&uuml;glich der Liquidationskosten zu begleichen. Der verbleibende Restbetrag des mit dem Rangr&uuml;cktritt versehenen Darlehens der C-S.A. sollte mangels hinreichenden Aktivverm&ouml;gens nicht zur&uuml;ckgezahlt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragte mit Schreiben vom 29.&nbsp;Mai 2010 beim Beklagten und Revisionskl&auml;ger (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) eine verbindliche Auskunft gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;89 Abs.&nbsp;2 AO und fragte sinngem&auml;&szlig;, ob das FA ihre Auffassung teile, dass sie weder w&auml;hrend noch bei Beendigung der Liquidation einen steuerpflichtigen Gewinn erziele, wenn der verbleibende Restbetrag des Gesellschafterdarlehens in der Liquidation der Kl&auml;gerin nicht an die C-S.A. zur&uuml;ckgef&uuml;hrt werde. Ihrer Auffassung nach k&ouml;nne ein steuerpflichtiger Gewinn nicht entstehen, weil die Verpflichtung aus dem Gesellschafterdarlehen sowohl in der Liquidationsanfangs- als auch in der Liquidationsschlussbilanz zu passivieren sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA entschied mit Verf&uuml;gung vom 20.&nbsp;April 2011, dass es der Rechtsauffassung der Kl&auml;gerin nicht folge, sondern davon ausgehe, dass die Kl&auml;gerin die gegen&uuml;ber der C-S.A. bestehenden Verbindlichkeiten in ihrer Liquidationsschlussbilanz nicht mehr ausweisen k&ouml;nne, diese also gewinnwirksam aufzul&ouml;sen habe. Zum Abwicklungs-Endverm&ouml;gen i.S. des &sect;&nbsp;11 des K&ouml;rperschaftsteuergesetzes 2002 (KStG&nbsp;2002) geh&ouml;re die Darlehensverbindlichkeit nicht mehr. Eine betriebliche Verbindlichkeit sei bilanziell nur auszuweisen, solange nicht der Gl&auml;ubiger dem Schuldner die Schuld erlasse oder festgestellt werde, dass die Verbindlichkeit aus sonstigen Gr&uuml;nden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht erf&uuml;llt werden k&ouml;nne. Danach sei grunds&auml;tzlich die Passivierung eines mit einem Rangr&uuml;cktritt verbundenen Darlehens m&ouml;glich, weil diese Verbindlichkeit zuk&uuml;nftig aus einem m&ouml;glichen Abwicklungsgewinn befriedigt werden k&ouml;nne. Im Zeitpunkt der Aufstellung der Liquidationsschlussbilanz sei es aber unwahrscheinlich, dass es zu einer zuk&uuml;nftigen Erf&uuml;llung der Forderung komme.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die deswegen erhobene Klage, die darauf gerichtet war, das FA zu verpflichten, die Kl&auml;gerin im Wege einer verbindlichen Auskunft dahin zu bescheiden, dass sie auf Grundlage des vorgetragenen Sachverhalts weder w&auml;hrend noch bei Beendigung ihrer Liquidation einen steuerpflichtigen Gewinn erziele, wenn der verbleibende Restbetrag des Darlehens der C-S.A. w&auml;hrend der Liquidation nicht zur&uuml;ckgef&uuml;hrt werde, hatte teilweise Erfolg. Das Finanzgericht (FG) hat die Verf&uuml;gung vom 20.&nbsp;April 2011 aufgehoben und das FA verpflichtet, die Kl&auml;gerin unter Beachtung der eigenen Rechtsauffassung erneut zu bescheiden; die weiter gehende Klage hat es abgewiesen (FG K&ouml;ln, Urteil vom 6.&nbsp;M&auml;rz 2012&nbsp;&nbsp;13&nbsp;K&nbsp;3006\/11, Entscheidungen der Finanzgerichte 2012, 1421). Das FG h&auml;lt den Inhalt der vom FA erteilten Auskunft f&uuml;r gerichtlich in vollem Umfang &uuml;berpr&uuml;fbar und f&uuml;r rechtlich unzutreffend. Allerdings sei verfahrensrechtlich gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;102 der Finanzgerichtsordnung (FGO) nur ein sog. Bescheidungsurteil m&ouml;glich, weil dem FA Gelegenheit gegeben werden m&uuml;sse, im Lichte der Rechtsauffassung des Gerichts erneut &uuml;ber die Frage zu entscheiden, ob und in welchem Umfang die erbetene Auskunft erteilt werde (Entschlie&szlig;ungsermessen).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Gegen das FG-Urteil richtet sich die &#8211;vom FG zugelassene&#8211; Revision des FA.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, das FG-Urteil aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt, die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist begr&uuml;ndet und f&uuml;hrt gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 FGO zur Abweisung der Klage. Die Kl&auml;gerin hat keinen Anspruch auf eine verbindliche Auskunft mit dem von ihr begehrten Inhalt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz unterliegt die verbindliche Auskunft im Hinblick auf ihre materiell-rechtliche Richtigkeit keiner uneingeschr&auml;nkten gerichtlichen Pr&uuml;fung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Der IX. Senat des Bundesfinanzhofs (BFH) hat mit Urteil vom 29.&nbsp;Februar 2012 IX&nbsp;R&nbsp;11\/11 (BFHE 237, 9, BStBl II 2012, 651) &#8211;das zum Zeitpunkt des Ergehens des angefochtenen Urteils noch nicht ver&ouml;ffentlicht war&#8211; entschieden, dass eine verbindliche Auskunft nach &sect;&nbsp;89 Abs.&nbsp;2 AO gerichtlich nur daraufhin &uuml;berpr&uuml;ft werden kann, ob die Beh&ouml;rde den zu beurteilenden Sachverhalt zutreffend erfasst hat und ob dessen rechtliche Einordnung in sich schl&uuml;ssig und nicht evident rechtsfehlerhaft ist. Der erkennende Senat schlie&szlig;t sich dem an und verweist insoweit zur Vermeidung von Wiederholungen auf die Entscheidungsgr&uuml;nde des BFH-Urteils in BFHE 237, 9, BStBl II 2012, 651.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die von der Kl&auml;gerin ge&auml;u&szlig;erte Kritik an der Auffassung des IX. Senats des BFH n&ouml;tigt zu keiner &Auml;nderung der Rechtsprechung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Die Kl&auml;gerin meint, die begrenzte &Uuml;berpr&uuml;fbarkeit sei mit Sinn und Zweck des Auskunftsverfahrens, durch welches dem Steuerpflichtigen Rechtssicherheit (Planungs- und Entscheidungssicherheit) in Bezug auf das Besteuerungsverfahren verschafft werden solle, nicht zu vereinbaren (kritisch auch Steinhauff, juris PraxisReport Steuerrecht 35\/2012 Anm.&nbsp;2; Frase, Betriebs-Berater 2012, 1969; Plewka\/Pott, Neue Juristische Wochenschrift 2012, 2558; Farle, Deutsches Steuerrecht 2012, 1590). Dem liegt eine unzutreffende Auffassung von Sinn und Zweck des Auskunftsverfahrens zugrunde. Bei dem Auskunftsverfahren geht es darum, dem Steuerpflichtigen eine M&ouml;glichkeit zu verschaffen, schon im Vorfeld einer geplanten Ma&szlig;nahme zu erfahren, wie die zust&auml;ndige Beh&ouml;rde den Sachverhalt rechtlich beurteilt. Nicht aber ist das Verfahren Instrument einer umfassenden Rechtm&auml;&szlig;igkeitskontrolle im Vorfeld der Steuerfestsetzung. Dies ergibt sich nicht zuletzt auch aus dem Umstand, dass die Steuerpflichtigen mit den geplanten Ma&szlig;nahmen in aller Regel nicht so lange zuwarten k&ouml;nnen, bis die betreffende Rechtsfrage letztinstanzlich gekl&auml;rt ist. Aus der von der Kl&auml;gerin zitierten Begr&uuml;ndung der vom Bundesministerium der Finanzen erlassenen Verordnung zur Durchf&uuml;hrung von &sect;&nbsp;89 Abs.&nbsp;2 der Abgabenordnung vom 19.&nbsp;Oktober 2007 (BRDrucks 725\/07, S. 3), der zufolge die verbindliche Auskunft es den Steuerpflichtigen erm&ouml;glichen solle, steuerliche Konsequenzen bereits vor der Verwirklichung von Gestaltungsm&ouml;glichkeiten abzusch&auml;tzen, folgt nicht Gegenteiliges.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Soweit sich die Kl&auml;gerin f&uuml;r ihre gegenteilige Auffassung auf Aussagen des Urteils des VI. Senats des BFH vom 30.&nbsp;April 2009 VI&nbsp;R&nbsp;54\/07 (BFHE 225, 50, BStBl II 2010, 996) zur gerichtlichen &Uuml;berpr&uuml;fbarkeit der Lohnsteueranrufungsauskunft gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;42e des Einkommensteuergesetzes beruft, hat bereits der IX. Senat in seinem Urteil in BFHE 237, 9, BStBl II 2012, 651 verdeutlicht, dass insoweit eine umfassendere Rechtsschutzm&ouml;glichkeit f&uuml;r den Arbeitgeber geboten ist, weil die Anrufungsauskunft den Arbeitgeber in der Wahrnehmung dessen Funktion als bei der Steuererhebung vom Staat in die Pflicht genommener, Haftungsrisiken ausgesetzter &quot;Erf&uuml;llungsgehilfe&quot; unterst&uuml;tzen soll. An dieser Besonderheit, die eine andere Handhabung als im Anwendungsbereich des &sect;&nbsp;89 Abs.&nbsp;2 AO rechtfertigt, hat sich dadurch, dass nach neuer BFH-Rechtsprechung die dem Arbeitgeber erteilte Lohnsteueranrufungsauskunft auch dem Arbeitnehmer gegen&uuml;ber verbindlich ist (BFH-Urteil vom 17.&nbsp;Oktober 2013 VI&nbsp;R&nbsp;44\/12, BFHE 243, 266, BFH\/NV 2014, 229), nichts ge&auml;ndert.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Ein anderes Ergebnis ergibt sich auch nicht aus dem Umstand, dass gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;89 Abs.&nbsp;4 und 5 AO auch f&uuml;r den hier vorliegenden Fall der Erteilung einer Negativ-Auskunft grunds&auml;tzlich eine am Gegenstandswert der Auskunft und am Ma&szlig;stab des &sect;&nbsp;34 des Gerichtskostengesetzes orientierte Auskunftsgeb&uuml;hr f&auml;llig wird. Falls die Erhebung einer Geb&uuml;hr, die sich nicht am jeweiligen Verwaltungsaufwand orientiert, im Falle der Erteilung einer Negativ-Auskunft als unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig zu beurteilen w&auml;re (offengelassen im Senatsurteil vom 30.&nbsp;M&auml;rz 2011 I&nbsp;R&nbsp;61\/10, BFHE 232, 406, BStBl II 2011, 536), k&ouml;nnte dies dazu f&uuml;hren, dass die Beh&ouml;rde nach Ma&szlig;gabe des &sect;&nbsp;89 Abs.&nbsp;7 AO gehalten w&auml;re, wegen Unbilligkeit ganz oder teilweise auf die Erhebung der Geb&uuml;hr zu verzichten. Eine erweiterte gerichtliche &Uuml;berpr&uuml;fungsm&ouml;glichkeit vermag die Geb&uuml;hrenerhebung dagegen nicht zu begr&uuml;nden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die vom FA erteilte Auskunft ist rechtlich vertretbar und nicht evident rechtsfehlerhaft.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Wird eine Kapitalgesellschaft nach der Aufl&ouml;sung abgewickelt, so ist im Grundsatz der im Zeitraum der Abwicklung erzielte Gewinn der Besteuerung zugrunde zu legen (&sect;&nbsp;11 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 KStG 2002). Zur Ermittlung des Gewinns ist das Abwicklungs-Endverm&ouml;gen dem Abwicklungs-Anfangsverm&ouml;gen gegen&uuml;berzustellen (&sect;&nbsp;11 Abs.&nbsp;2 KStG 2002). F&uuml;r die Ermittlung des Abwicklungs-Endverm&ouml;gens sind die sich nach den allgemeinen Vorschriften des Bewertungsgesetzes (BewG) ergebenden Werte anzusetzen (Senatsurteil vom 14.&nbsp;Dezember 1965 I&nbsp;246\/62&nbsp;U, BFHE 84, 420, BStBl III 1966, 152; Bl&uuml;mich\/Hofmeister, &sect;&nbsp;11 KStG Rz&nbsp;51; Bergmann, Liquidationsbesteuerung von Kapitalgesellschaften, 2012, S.&nbsp;120&nbsp;ff.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) F&uuml;r die Bewertung der Schulden im Abwicklungs-Endverm&ouml;gen gilt demzufolge die Bestimmung des &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;1 BewG. Danach sind u.a. Schulden mit dem Nennwert anzusetzen, wenn nicht besondere Umst&auml;nde einen h&ouml;heren oder geringeren Wert begr&uuml;nden. Der BFH hat entschieden, dass zwar f&uuml;r Schulden nicht die Bestimmung des &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 BewG gilt, wonach Forderungen, die uneinbringlich sind, au&szlig;er Ansatz bleiben; jedoch sind Ausnahmef&auml;lle denkbar, in denen mit einer bestehenden Schuld keine wirtschaftliche Belastung (mehr) verbunden ist und in denen die Schulden demnach au&szlig;er Ansatz bleiben (BFH-Urteil vom 26.&nbsp;Februar 2003 II&nbsp;R&nbsp;19\/01, BFHE 201, 531, BStBl II 2003, 561).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ohne dass der Senat hierzu im streitgegenst&auml;ndlichen Verfahren n&auml;her Stellung zu nehmen hat, ist es vor diesem Hintergrund zumindest diskussionsw&uuml;rdig, entsprechend der hier vom FA vertretenen Auffassung als einen solchen Ausnahmefall auch eine bestehende Forderung anzusehen, die aufgrund der bevorstehenden Existenzbeendigung des Schuldners mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht mehr erf&uuml;llt werden wird (vgl. hierzu auch Bergmann, a.a.O., S.&nbsp;145&nbsp;ff., der dieser Sichtweise zwar im Ergebnis nicht folgt, sie aber als durchaus ernsthafte Entscheidungsm&ouml;glichkeit erw&auml;gt).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 5.2.2014, I R 34\/12 &Uuml;berpr&uuml;fung einer verbindlichen Auskunft &#8211; Passivierung einer Verbindlichkeit in der Liquidationsschlussbilanz Tatbestand 1&nbsp; I. Streitpunkte sind die gerichtliche &Uuml;berpr&uuml;fbarkeit und die inhaltliche Richtigkeit einer verbindlichen Auskunft nach &sect;&nbsp;89 Abs.&nbsp;2 der Abgabenordnung (AO). 2&nbsp; Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) ist eine in Liquidation befindliche GmbH, die sich in ihrer &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-r-34-12-ueberpruefung-einer-verbindlichen-auskunft-passivierung-einer-verbindlichkeit-in-der-liquidationsschlussbilanz\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">I&nbsp;R&nbsp;34\/12 &#8211; &Uuml;berpr&uuml;fung einer verbindlichen Auskunft &#8211; Passivierung einer Verbindlichkeit in der Liquidationsschlussbilanz<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-62360","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/62360","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=62360"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/62360\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=62360"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=62360"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=62360"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}