{"id":62367,"date":"2014-05-14T12:57:29","date_gmt":"2014-05-14T10:57:29","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=62367"},"modified":"2014-05-14T12:57:43","modified_gmt":"2014-05-14T10:57:43","slug":"v-b-24-13-vorsteuerabzug-greifbare-gesetzeswidrigkeit-sachaufklaerungsruege","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-b-24-13-vorsteuerabzug-greifbare-gesetzeswidrigkeit-sachaufklaerungsruege\/","title":{"rendered":"V&nbsp;B&nbsp;24\/13 &#8211; Vorsteuerabzug &#8211; Greifbare Gesetzeswidrigkeit &#8211; Sachaufkl&auml;rungsr&uuml;ge"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 18.3.2014, V B 24\/13<\/p>\n<p class=\"titel\">Vorsteuerabzug &#8211; Greifbare Gesetzeswidrigkeit &#8211; Sachaufkl&auml;rungsr&uuml;ge<\/p>\n<p class=\"gruende\">Gr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beschwerde der Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) hat keinen Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Hat das Finanzgericht (FG) sein Urteil kumulativ auf mehrere Gr&uuml;nde gest&uuml;tzt, von denen jeder f&uuml;r sich allein das Entscheidungsergebnis tr&auml;gt, ist hinsichtlich jeder Begr&uuml;ndung ein Zulassungsgrund in der von &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 der Finanzgerichtsordnung (FGO) geforderten Form geltend zu machen. Um eine kumulative Begr&uuml;ndung handelt es sich auch dann, wenn das FG seine Entscheidung &#8211;wie im Streitfall&#8211; auf eine Hauptbegr&uuml;ndung sowie auf eine Hilfsbegr&uuml;ndung st&uuml;tzt (Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 24.&nbsp;April 2013 X&nbsp;B&nbsp;179\/12, BFH\/NV 2013, 1229).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. So ist es im Streitfall. Das FG hat die Klageabweisung zum einen damit begr&uuml;ndet, dass die Rechnung, aus der die Kl&auml;gerin den Vorsteuerabzug geltend macht, nicht ordnungsgem&auml;&szlig; gewesen sei. Zum anderen hat das FG seine Entscheidung darauf gest&uuml;tzt, dass es sich bei der in der Rechnung ausgewiesenen Lieferung um ein Scheingesch&auml;ft gehandelt habe. Ein Zulassungsgrund liegt dabei nur im Hinblick auf die erste, nicht aber auch hinsichtlich der zweiten Begr&uuml;ndungsalternative vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) In Bezug auf die Rechtsauffassung des FG, dass die im Streitjahr 1999 erteilte Rechnung nicht ordnungsgem&auml;&szlig; gewesen sei, macht die Kl&auml;gerin inhaltlich zu Recht geltend, dass die Revision zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung nach &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Alternative&nbsp;2 FGO zugelassen werden k&ouml;nnte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Besonders schwerwiegende Fehler des FG bei der Anwendung materiellen Rechts, die geeignet sind, das Vertrauen in die Rechtsprechung zu besch&auml;digen, k&ouml;nnen die Zulassung der Revision nach &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Alternative&nbsp;2 FGO erm&ouml;glichen (BFH-Beschluss vom 16.&nbsp;Oktober 2013 I&nbsp;B&nbsp;8\/13, BFH\/NV 2014, 378).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Das FG-Urteil ist in diesem Sinne greifbar gesetzwidrig und nach Ma&szlig;gabe der BFH-Rechtsprechung zur alten Rechtslage auch unter keinem Gesichtspunkt rechtlich vertretbar.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach dem Urteil des FG ist der Vorsteuerabzug im Streitjahr 1999 zu versagen, da die der Kl&auml;gerin erteilte Rechnung vom 23.&nbsp;Februar 1999 kein Lieferdatum ausweise.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Rechnungen ohne Angaben zum Leistungszeitpunkt berechtigten zwar nicht zum Vorsteuerabzug, wie das FG entschieden hat (Urteil S.&nbsp;8). Dies gilt aber entgegen dem FG-Urteil nicht im Streitjahr, sondern erst f&uuml;r die Rechtslage ab 2004.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zu der im Streitjahr ma&szlig;geblichen Rechtslage hat der BFH mit Urteil vom 27.&nbsp;Juli 2000 V&nbsp;R&nbsp;55\/99 (BFHE 193, 156, BStBl II 2001, 426) ausdr&uuml;cklich entschieden, dass &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 des Umsatzsteuergesetzes (UStG) mit den Worten &quot;Rechnungen im Sinne des &sect;&nbsp;14&quot; an die Regelung der Rechnung in &sect;&nbsp;14 Abs.&nbsp;4 UStG ankn&uuml;pfte, nicht aber an diejenige in &sect;&nbsp;14 Abs.&nbsp;1 UStG (vgl. auch BFH-Urteil vom 24.&nbsp;September 1987 V&nbsp;R&nbsp;50\/85, BFHE 153, 65, BStBl II 1988, 688). Deshalb brauchte eine zum Vorsteuerabzug berechtigende Rechnung nach der im Streitjahr geltenden Rechtslage nicht s&auml;mtliche der in &sect;&nbsp;14 Abs.&nbsp;1 UStG aufgef&uuml;hrten Merkmale aufweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Das Vorliegen des Zulassungsgrundes vermag der Beschwerde aber nicht zum Erfolg zu verhelfen, da in Bezug auf die zweite Begr&uuml;ndungsalternative kein Zulassungsgrund vorliegt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Die von der Kl&auml;gerin behauptete Verletzung rechtlichen Geh&ouml;rs durch &Uuml;berraschungsentscheidung (&sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;2 FGO) in Bezug auf die vom FG angenommene Steuerhinterziehung liegt nicht vor, da sich der Hinterziehungsvorwurf bereits aus dem angefochtenen Steuerbescheid ergab, wie der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) zutreffend anmerkt. Das FA hatte zum Vorliegen einer Steuerhinterziehung zudem ausdr&uuml;cklich in der Einspruchsentscheidung Stellung genommen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Ein Versto&szlig; gegen die von Amts wegen vorzunehmende Sachaufkl&auml;rung (&sect;&nbsp;76 Abs.&nbsp;1 FGO) ist nicht hinreichend dargelegt (&sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 FGO). Die bereits im Verfahren vor dem FG durch einen Rechtsanwalt fachkundig vertretene Kl&auml;gerin ber&uuml;cksichtigt insoweit nicht hinreichend, dass die R&uuml;ge, das FG habe den Sachverhalt auch ohne entsprechenden Beweisantritt von Amts wegen n&auml;her aufkl&auml;ren m&uuml;ssen, voraussetzt, dass der Beschwerdef&uuml;hrer substantiiert darlegt, aus welchen &#8211;genau bezeichneten&#8211; Gr&uuml;nden sich dem FG die Notwendigkeit einer weiteren Sachaufkl&auml;rung (Beweiserhebung) auch ohne entsprechenden Antrag h&auml;tte aufdr&auml;ngen m&uuml;ssen, welche (entscheidungserheblichen) Tatsachen sich bei einer weiteren Sachaufkl&auml;rung voraussichtlich ergeben h&auml;tten, inwiefern eine weitere Aufkl&auml;rung des Sachverhalts auf der Grundlage des &#8211;ggf. auch unrichtigen&#8211; materiell-rechtlichen Standpunkts des FG zu einer anderen Entscheidung h&auml;tte f&uuml;hren k&ouml;nnen und warum ein fachkundig vertretener Kl&auml;ger nicht von sich aus &#8211;in der m&uuml;ndlichen Verhandlung&#8211; entsprechende Antr&auml;ge gestellt oder das Unterbliebene der Beweiserhebung in sonstiger Weise gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;295 der Zivilprozessordnung i.V.m. &sect;&nbsp;155 FGO ger&uuml;gt hat (BFH-Beschl&uuml;sse vom 22.&nbsp;Januar 2013 V&nbsp;B&nbsp;85\/12, juris; vom 19.&nbsp;Januar 2006 VIII&nbsp;B&nbsp;84\/05, BFH\/NV 2006, 803; vom 4.&nbsp;Dezember 2006 VIII&nbsp;B&nbsp;61\/06, BFH\/NV 2007, 451; vom 9.&nbsp;Januar 2007 VIII&nbsp;B&nbsp;180\/05, BFH\/NV 2007, 751, und vom 27.&nbsp;M&auml;rz 2007 VIII&nbsp;B&nbsp;152\/05, BFH\/NV 2007, 1335). Dem gen&uuml;gt der Vortrag der Kl&auml;gerin nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Das FG hat keinen Tatsachenvortrag unber&uuml;cksichtigt gelassen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ein Verfahrensmangel i.S. von &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 i.V.m. &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO kann zwar gegeben sein, wenn das FG seiner &Uuml;berzeugungsbildung nicht das Gesamtergebnis des Verfahrens, also den gesamten konkretisierten Prozessstoff zugrunde gelegt hat (BFH-Beschluss vom 13.&nbsp;Dezember 2011 V&nbsp;B&nbsp;39\/11, Zeitschrift f&uuml;r Steuern und Recht 2012, R&nbsp;173). Im Kern behauptet die Kl&auml;gerin im Streitfall nur einen materiell-rechtlichen Fehler der Vorentscheidung. Ein Versto&szlig; des FG gegen &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO kann aber nicht vorliegen, wenn der Beschwerdef&uuml;hrer geltend macht, das FG habe den ihm vorliegenden Akteninhalt nicht entsprechend seinen Vorstellungen gew&uuml;rdigt oder wenn dem Beschwerdef&uuml;hrer die W&uuml;rdigung des FG fehlerhaft erscheint (vgl. z.B. BFH-Beschluss vom 26.&nbsp;Mai 2010 V&nbsp;B&nbsp;70\/09, BFH\/NV 2010, 1837).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 18.3.2014, V B 24\/13 Vorsteuerabzug &#8211; Greifbare Gesetzeswidrigkeit &#8211; Sachaufkl&auml;rungsr&uuml;ge Gr&uuml;nde 1&nbsp; Die Beschwerde der Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) hat keinen Erfolg. 2&nbsp; 1. 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