{"id":62380,"date":"2014-05-14T12:57:27","date_gmt":"2014-05-14T10:57:27","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=62380"},"modified":"2014-05-14T12:57:42","modified_gmt":"2014-05-14T10:57:42","slug":"i-b-94-13-erschuetterung-eines-anscheinsbeweises","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-b-94-13-erschuetterung-eines-anscheinsbeweises\/","title":{"rendered":"I&nbsp;B&nbsp;94\/13 &#8211; Ersch&uuml;tterung eines Anscheinsbeweises"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 12.3.2014, I B 94\/13<\/p>\n<p class=\"titel\">Ersch&uuml;tterung eines Anscheinsbeweises<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin), eine GmbH, betreibt eine Werbeagentur. F&uuml;r drei ihrer Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer, die zugleich Gesellschafter waren, erwarb sie gegen Zahlung erheblicher Beitr&auml;ge eine Mitgliedschaft im C-Club. Der Club versteht sich als Institution zur Pflege des gesellschaftlichen Miteinanders. Er verf&uuml;gt &uuml;ber exklusiv ausgestattete R&auml;umlichkeiten (Restaurant, Besprechungszimmer, Bar und Bibliothek) in einem Palais. Unternehmer und Prominente aus Wirtschaft und Kultur bilden den Mitgliederkreis. Ein vierter Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer, der zeitlich sp&auml;ter seine Arbeit aufnahm und kein Gesellschafter der Kl&auml;gerin war, wurde nicht Mitglied des Clubs.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Den von der Kl&auml;gerin begehrten Abzug der Clubbeitr&auml;ge als Betriebsausgaben lie&szlig;en weder der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) noch das Finanzgericht (FG) zu (FG Berlin-Brandenburg, Urteil vom 17.&nbsp;April 2013&nbsp;&nbsp;12&nbsp;K&nbsp;12338\/11).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt die Zulassung der Revision gegen das FG-Urteil.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, die Nichtzulassungsbeschwerde zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist unzul&auml;ssig und durch Beschluss zu verwerfen (&sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Die Kl&auml;gerin hat die geltend gemachten Revisionszulassungsgr&uuml;nde nicht in einer den gesetzlichen Anforderungen (&sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 FGO) gen&uuml;genden Form dargelegt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Einen zur Zulassung der Revision f&uuml;hrenden Verfahrensmangel i.S. des &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 FGO hat die Kl&auml;gerin nicht schl&uuml;ssig geltend gemacht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die Sachverhaltsw&uuml;rdigung und die Grunds&auml;tze der Beweisw&uuml;rdigung sind revisionsrechtlich dem materiellen Recht zuzuordnen. Deshalb wird mit Einwendungen gegen die Sachverhalts- oder Beweisw&uuml;rdigung kein Verfahrensmangel i.S. des &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 FGO geltend gemacht (st&auml;ndige Rechtsprechung, z.B. Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 22.&nbsp;M&auml;rz 2011 X&nbsp;B&nbsp;151\/10, BFH\/NV 2011, 1165, m.w.N.). Selbst Verst&ouml;&szlig;e gegen Denkgesetze und Erfahrungss&auml;tze stellen in der Regel materiell-rechtliche Fehler dar, und zwar auch dann, wenn sich diese Fehler auf die W&uuml;rdigung von Tatsachen erstrecken (BFH-Beschluss in BFH\/NV 2011, 1165, m.w.N.); sie sind deshalb der Nachpr&uuml;fung des BFH im Rahmen einer Nichtzulassungsbeschwerde grunds&auml;tzlich entzogen und k&ouml;nnen nur &#8211;nach erfolgter Zulassung aufgrund eines gegebenen gesetzlichen Revisionszulassungsgrundes (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 FGO)&#8211; im Revisionsverfahren beanstandet werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Soweit die Kl&auml;gerin die Revisionszulassung mit der Begr&uuml;ndung begehrt, das FG habe bei seiner Tatsachenw&uuml;rdigung, wonach bei der Clubmitgliedschaft private Belange der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer gegen&uuml;ber betrieblichen Belangen wesentlich ins Gewicht fielen, Denkgesetze und allgemeine Erfahrungss&auml;tze au&szlig;er Acht gelassen, muss der Beschwerde demnach der Erfolg versagt bleiben. Denn damit wird kein Verfahrens-, sondern ein materiell-rechtlicher Mangel ger&uuml;gt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Soweit sich die Einwendungen der Kl&auml;gerin letztlich gegen die materiell-rechtliche Richtigkeit der angefochtenen Entscheidung richten, k&ouml;nnen diese im Verfahren der Nichtzulassungsbeschwerde nicht zum Erfolg f&uuml;hren. Fehler in der Anwendung des materiellen Rechts im konkreten Einzelfall &#8211;so sie denn vorliegen&#8211; rechtfertigen f&uuml;r sich genommen nicht die Zulassung der Revision (vgl. z.B. BFH-Beschluss vom 4.&nbsp;August 2010 X&nbsp;B&nbsp;198\/09, BFH\/NV 2010, 2102; Gr&auml;ber\/Ruban, Finanzgerichtsordnung, 7.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;115 Rz&nbsp;24 und &sect;&nbsp;116 Rz&nbsp;34). Eine Ausnahme hiervon kommt nach &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Alternative&nbsp;2 FGO nur dann in Betracht, wenn das angefochtene Urteil derart schwerwiegende Fehler bei der Auslegung des revisiblen Rechts aufweist, dass die Entscheidung des FG &quot;objektiv willk&uuml;rlich&quot; erscheint oder auf sachfremden Erw&auml;gungen beruht und unter keinem denkbaren Gesichtspunkt rechtlich vertretbar ist (z.B. BFH-Beschluss vom 14.&nbsp;Dezember 2011 X&nbsp;B&nbsp;85\/11, BFH\/NV 2012, 749). Dies ist im Streitfall weder vorgetragen noch sonst ersichtlich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Auch mit der R&uuml;ge, das FG habe einen Anscheinsbeweis, der f&uuml;r eine &uuml;berwiegende oder ausschlie&szlig;liche private Veranlassung der Mitgliedschaft im C-Club spreche, zu Unrecht nicht als ersch&uuml;ttert angesehen, macht die Kl&auml;gerin keinen Verfahrensmangel geltend. Der BFH hat zwar Rechtsverst&ouml;&szlig;e, die die Grundlagen der Beweisw&uuml;rdigung betreffen, als Verfahrensm&auml;ngel qualifiziert. Davon ist er unter anderem dann ausgegangen, wenn das FG einen Anscheinsbeweis als widerlegt ansieht und seiner Entscheidung einen atypischen Sachverhalt zugrunde legt, ohne zuvor alle Beweise erhoben zu haben, die den an sich n&auml;her liegenden und deshalb zu erwartenden Geschehensablauf auszuschlie&szlig;en geeignet sind (Senatsurteil vom 14.&nbsp;September 1994 I&nbsp;R&nbsp;52\/94, BFH\/NV 1995, 606; vgl. Seer in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect;&nbsp;115 FGO Rz&nbsp;108). Doch ist ein solcher Fehler dem FG nach dem eigenen Vorbringen der Kl&auml;gerin gar nicht unterlaufen. Das FG ist bei seiner Tatsachenw&uuml;rdigung nicht ohne gen&uuml;genden Anlass von einem typischen Geschehensablauf zugunsten eines atypischen Sachverhalts abgewichen. Vielmehr hat es, so die Beanstandung der Kl&auml;gerin, den typischen Ablauf (&uuml;berwiegende private Veranlassung der Clubmitgliedschaft) selbst dann noch seiner Entscheidung zugrunde gelegt, als es schon von der Ersch&uuml;tterung des Anscheinsbeweises ausgehen musste. Darin ist kein Versto&szlig; gegen die Grundlagen der Beweisw&uuml;rdigung, sondern allenfalls ein &quot;normaler&quot; Beweisw&uuml;rdigungsfehler zu erblicken (vgl. BFH-Beschluss vom 20.&nbsp;August 2008 VI&nbsp;B&nbsp;45\/08, BFH\/NV 2008, 2021), der den Weg zur Revision grunds&auml;tzlich nicht er&ouml;ffnet. Vorliegend kommt hinzu, dass das FG einen Anscheinsbeweis gar nicht bem&uuml;ht hat, um zu seiner &Uuml;berzeugung zu kommen. Es hat zur Beurteilung der Tatfrage, ob die Mitgliedschaft der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der Kl&auml;gerin im C-Club betrieblich veranlasst war oder nicht, lediglich Folgerungen aus festgestellten Einzeltatsachen gezogen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. a) F&uuml;r die von der Kl&auml;gerin begehrte Zulassung der Revision wegen Divergenz (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Alternative&nbsp;2 FGO) ist kein Raum. Hierzu w&auml;re es insbesondere erforderlich gewesen, einen abstrakten tragenden Rechtssatz des angefochtenen FG-Urteils sowie einen tragenden abstrakten Rechtssatz einer genau bezeichneten divergierenden Entscheidung herauszuarbeiten und so gegen&uuml;berzustellen, dass die behauptete Abweichung erkennbar wird (st&auml;ndige Rechtsprechung, z.B. Senatsbeschluss vom 25.&nbsp;September 2012 I&nbsp;B&nbsp;189\/11, BFH\/NV 2013, 92, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Bei der R&uuml;ge, das FG habe die Aufteilung der streitgegenst&auml;ndlichen Clubbeitr&auml;ge unterlassen und sei dadurch vom Beschluss des Gro&szlig;en Senats des BFH vom 21.&nbsp;September 2009 GrS&nbsp;1\/06 (BFHE 227, 1, BStBl II 2010, 672) abgewichen, fehlt eine solche Gegen&uuml;berstellung abstrakter Rechtss&auml;tze. Die Vorinstanz hat, was sich unmittelbar aus der Bezugnahme auf das in den Gr&uuml;nden zitierte Urteil des FG K&ouml;ln vom 16.&nbsp;Juni 2011&nbsp;&nbsp;10&nbsp;K&nbsp;3761\/08 (Entscheidungen der Finanzgerichte 2011, 1782) ergibt, die vom BFH entwickelten Grunds&auml;tze zur Aufteilbarkeit gemischt veranlasster Aufwendungen seinem Urteil zugrunde gelegt. Damit richten sich die unter dem Mantel einer Divergenzr&uuml;ge vorgetragenen Angriffe der Kl&auml;gerin tats&auml;chlich gegen die tatrichterliche Anwendung dieser Rechtsgrunds&auml;tze im konkreten Einzelfall. Selbst wenn dem FG hierbei Fehler unterlaufen sein sollten, kann damit, wie vorstehend unter II.1.b der Gr&uuml;nde dieses Beschlusses bereits ausgef&uuml;hrt, die Revisionszulassung grunds&auml;tzlich nicht erreicht werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 12.3.2014, I B 94\/13 Ersch&uuml;tterung eines Anscheinsbeweises Tatbestand 1&nbsp; I. Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin), eine GmbH, betreibt eine Werbeagentur. 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