{"id":62526,"date":"2014-06-02T10:58:01","date_gmt":"2014-06-02T08:58:01","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=62526"},"modified":"2014-06-02T10:58:01","modified_gmt":"2014-06-02T08:58:01","slug":"vii-r-34-12-keine-aufrechnung-mit-der-haftungsschuld-des-eigentuemers-von-gegenstaenden-par-74-ao-gegen-dessen-steuerverguetungsansprueche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-r-34-12-keine-aufrechnung-mit-der-haftungsschuld-des-eigentuemers-von-gegenstaenden-par-74-ao-gegen-dessen-steuerverguetungsansprueche\/","title":{"rendered":"VII&nbsp;R&nbsp;34\/12 &#8211; Keine Aufrechnung mit der Haftungsschuld des Eigent&uuml;mers von Gegenst&auml;nden (&sect; 74 AO) gegen dessen Steuerverg&uuml;tungsanspr&uuml;che"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 28.1.2014, VII R 34\/12<\/p>\n<p class=\"titel\">Keine Aufrechnung mit der Haftungsschuld des Eigent&uuml;mers von Gegenst&auml;nden (&sect; 74 AO) gegen dessen Steuerverg&uuml;tungsanspr&uuml;che<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Eine Verrechnung der Haftungsschuld des an einem Unternehmen wesentlich beteiligten Eigent&uuml;mers von Gegenst&auml;nden mit einem diesem zustehenden Steuerguthaben ist unwirksam.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) hat die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) nach &sect;&nbsp;74 der Abgabenordnung (AO) f&uuml;r die Umsatzsteuerr&uuml;ckst&auml;nde 2007 bis 2010 einer in Insolvenz geratenen GmbH auf Haftung in Anspruch genommen, weil die Kl&auml;gerin der GmbH Grund und Boden sowie Geb&auml;ude &uuml;berlassen habe und an der GmbH als deren alleinige Gesellschafterin wesentlich beteiligt sei. Die Umsatzsteuer sei w&auml;hrend des Bestehens dieser Beteiligung entstanden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;gerin stehen aufgrund von Umsatzsteuerfestsetzungen 2007 bis 2010 vom 4.&nbsp;M&auml;rz 2011 gegen&uuml;ber dem FA Guthaben zu. Das FA ist der Auffassung, dieses Guthaben der Kl&auml;gerin sei durch Aufrechnung mit ihren Haftungsschulden erloschen. Es hat dar&uuml;ber den angefochtenen Abrechnungsbescheid vom 20.&nbsp;Juni 2011 erlassen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen richtet sich die nach erfolglosem Einspruchsverfahren erhobene Klage, die Erfolg hatte. Das Finanzgericht (FG) urteilte, die Aufrechnung des FA sei nicht wirksam. Es fehle an der Gleichartigkeit von Forderung und Gegenforderung. Die Hauptforderung sei auf Geld gerichtet, nicht jedoch die Gegenforderung des FA. Gegenstand derselben sei vielmehr ein Anspruch auf Geldzahlung aus einem Grundst&uuml;ck (Hinweis u.a. auf das Urteil des Bundesgerichtshofs vom 9.&nbsp;Februar 1965 V&nbsp;ZR&nbsp;49\/63, Wertpapier-Mitteilungen 1965, 476, siehe dort unter III.), welcher nur durch eine Zwangsvollstreckung in das der GmbH &uuml;berlassene Grundst&uuml;ck verwirklicht werden k&ouml;nne. Die Haftung, aufgrund derer die Gegenforderung begr&uuml;ndet sei, sei dinglich beschr&auml;nkt auf die &uuml;berlassenen Gegenst&auml;nde. Die Kl&auml;gerin m&uuml;sse lediglich die Verwertung der betreffenden Betriebsmittel dulden, woraus folge, dass die Forderung des FA nicht auf Geld laute. Das Urteil ist in Entscheidungen der Finanzgerichte 2012, 2179 ver&ouml;ffentlicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Gegen dieses Urteil richtet sich die Revision des FA, das geltend macht, bei dem Haftungsanspruch nach &sect;&nbsp;74 AO handele es sich um einen Zahlungsanspruch, der folglich einer Aufrechnung zug&auml;nglich sei. Dies sei nicht nur die mehrheitliche Auffassung der Rechtsprechung der Finanzgerichte, sondern ergebe sich auch aus dem Urteil des Senats vom 22.&nbsp;November 2011 VII&nbsp;R&nbsp;63\/10 (BFHE&nbsp;235, 126, BStBl II&nbsp;2012, 223).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beruft sich darauf, dass der Haftungsanspruch nach &sect;&nbsp;74 AO gegenst&auml;ndlich begrenzt sei und ein Leistungsanspruch auf Geld aus dieser Vorschrift nicht folge. Anderenfalls m&uuml;sste der Anspruch in das gesamte Verm&ouml;gen des Haftungsschuldners vollstreckt werden k&ouml;nnen, was &sect;&nbsp;74 AO jedoch gerade ausschlie&szlig;e.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision des FA ist unbegr&uuml;ndet und daher zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das Urteil des FG entspricht dem Bundesrecht (&sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;1 FGO). Das FG hat im Ergebnis zu Recht geurteilt, die vom FA erkl&auml;rte Aufrechnung gegen die Umsatzsteuerguthaben der Kl&auml;gerin mit deren nach &sect;&nbsp;74 AO festgesetzter Haftungsschuld sei unwirksam.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Voraussetzung einer wirksamen Aufrechnung ist nach &sect;&nbsp;226 Abs.&nbsp;1 AO i.V.m. &sect;&nbsp;387 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs zun&auml;chst, dass die aufgerechneten Forderungen &#8211;Hauptforderung und Gegenforderung&#8211; ihrem Gegenstand nach gleichartig sind. Die gegen die Kl&auml;gerin festgesetzte Haftungsforderung k&ouml;nnte folglich mit deren auf Zahlung von Geld gerichteten Umsatzsteuerguthaben nur dann verrechnet werden, wenn es sich ebenfalls um eine auf Zahlung von Geld gerichtete Forderung handelte. Das ist zweifellos insofern der Fall, als auch die Haftungsforderung des FA auf einen Geldbetrag lautet und von der Kl&auml;gerin durch die Zahlung eines entsprechenden Geldbetrags befriedigt werden k&ouml;nnte. Jedoch weist die Haftungsforderung gegen&uuml;ber gew&ouml;hnlichen Forderungen aus einem Steuerschuldverh&auml;ltnis eine Besonderheit auf: Der Haftungsschuldner haftet nach &sect;&nbsp;74 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO nur &quot;mit&quot; den dem Unternehmen &uuml;berlassenen Gegenst&auml;nden. Das bedeutet, dass die Haftungsforderung im Fall ausbleibender Zahlung des Haftungsschuldners nicht in dessen gesamtes Verm&ouml;gen vollstreckt werden kann, sondern nur durch Vollstreckung in die Gegenst&auml;nde, derentwegen der Haftungsschuldner in Anspruch genommen worden ist, sowie in von ihm an deren Stelle erlangte, in seinem Verm&ouml;gen noch vorhandene Surrogate &#8211;wozu auch ein Erl&ouml;s oder eine Schadenersatzzahlung geh&ouml;ren soll (Urteil des Senats in BFHE 235, 126, BStBl II 2012, 223)&#8211;, sofern nicht &#8211;was in der Rechtsprechung des erkennenden Senats bisher offengeblieben ist&#8211; &sect;&nbsp;74 AO dar&uuml;ber hinaus eine Haftung in H&ouml;he des Werts der ehemals &uuml;berlassenen Gegenst&auml;nde begr&uuml;ndet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Daraus l&auml;sst sich zwar nicht unmittelbar etwas gegen die Wirksamkeit der vom FA erkl&auml;rten Aufrechnung herleiten, weil sich das FA durch diese zwar Befriedigung durch Verwertung an sich nicht f&uuml;r einen Zugriff aufgrund der Haftung zur Verf&uuml;gung stehender Gegenst&auml;nde &#8211;der Umsatzsteuerguthaben der Kl&auml;gerin&#8211; verschafft hat, dies aber nicht im Wege der Vollstreckung geschehen ist, welche &sect;&nbsp;74 AO &#8211;wie ausgef&uuml;hrt&#8211; nicht zulie&szlig;e; denn Aufrechnung ist keine Vollstreckung. Mit Recht hat das FG aber sinngem&auml;&szlig; darauf hingewiesen und auch die Kl&auml;gerin in ihrer Revisionserwiderung den Gedanken hervorgehoben, dass sich der Sinngehalt des &sect;&nbsp;74 AO nicht darin ersch&ouml;pft, eine Vollstreckung in das von der &Uuml;berlassung von Verm&ouml;gensgegenst&auml;nden des Haftungsschuldners an den Steuerschuldner nicht betroffene Verm&ouml;gen zu verhindern. Die Vorschrift will bewirken, dass das Finanzamt hinsichtlich der Befriedigungsm&ouml;glichkeiten f&uuml;r seine Steuerforderungen so (aber auch nicht besser) steht, wie wenn die dem Unternehmen von dem Haftungsschuldner lediglich zur Nutzung &uuml;berlassenen Gegenst&auml;nde zu dem Verm&ouml;gen des Unternehmens geh&ouml;rten. Es soll dem an einem Unternehmen wesentlich beteiligten Dritten verwehrt sein, dem Finanzamt Vollstreckungssubstanz vorzuenthalten oder zu entziehen, obwohl das Unternehmen unter Nutzung der betreffenden Gegenst&auml;nde betrieben wird und daher die durch diesen Betrieb entstehenden Steuerforderungen &#8211;jedenfalls typischerweise&#8211; gerade auf der Nutzung der &uuml;berlassenen Gegenst&auml;nde (zumindest mit-)beruhen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>&Uuml;ber dieses Ziel sch&ouml;sse es aber hinaus, wenn man dem Finanzamt &#8211;statt es auf den Weg einer Vollstreckung in die f&uuml;r die Befriedigung der Haftungsforderung vom Gesetz vorgesehenen Gegenst&auml;nde zu verweisen&#8211; eine Aufrechnung mit irgendwelchen Forderungen des an dem Unternehmen beteiligten Dritten gestattete; denn diese st&uuml;nden dem Finanzamt zur Befriedigung wegen Steuerschulden des Unternehmens auch dann nicht zur Verf&uuml;gung, wenn jene von dem Dritten &uuml;berlassenen Gegenst&auml;nde Eigentum des Unternehmens und damit Vollstreckungssubstanz w&auml;ren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ob eine Aufrechnung gegen solche Forderungen des Haftungsschuldners auch dann unzul&auml;ssig w&auml;re, wenn die Haftungsforderung ohnehin nur noch durch Zugriff auf Forderungen des Haftungsschuldners vollstreckt werden kann, weil an die Stelle der dem Unternehmen ehemals &uuml;berlassenen Gegenst&auml;nde inzwischen ein entsprechendes Surrogat getreten ist, bedarf keiner Entscheidung; denn ein solcher Fall liegt hier nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 28.1.2014, VII R 34\/12 Keine Aufrechnung mit der Haftungsschuld des Eigent&uuml;mers von Gegenst&auml;nden (&sect; 74 AO) gegen dessen Steuerverg&uuml;tungsanspr&uuml;che Leits&auml;tze Eine Verrechnung der Haftungsschuld des an einem Unternehmen wesentlich beteiligten Eigent&uuml;mers von Gegenst&auml;nden mit einem diesem zustehenden Steuerguthaben ist unwirksam. Tatbestand 1&nbsp; I. 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