{"id":62527,"date":"2014-06-02T10:57:58","date_gmt":"2014-06-02T08:57:58","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=62527"},"modified":"2014-06-02T10:57:58","modified_gmt":"2014-06-02T08:57:58","slug":"ix-r-38-13-umfang-der-bindungswirkung-eines-geaenderten-grundlagenbescheids","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-38-13-umfang-der-bindungswirkung-eines-geaenderten-grundlagenbescheids\/","title":{"rendered":"IX&nbsp;R&nbsp;38\/13 &#8211; Umfang der Bindungswirkung eines ge&auml;nderten Grundlagenbescheids"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 21.1.2014, IX R 38\/13<\/p>\n<p class=\"titel\">Umfang der Bindungswirkung eines ge&auml;nderten Grundlagenbescheids<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Enth&auml;lt ein ge&auml;nderter Grundlagenbescheid zugleich eine Aufhebung des Vorbehalts der Nachpr&uuml;fung und ist er damit nach &sect; 164 Abs. 3 Satz 2&nbsp;&nbsp;1. Halbsatz, &sect; 181 Abs. 1 Satz 1 AO wie eine erstmalige Feststellung zu werten, dann ist sein Regelungsinhalt nach &sect; 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, &sect; 182 Abs. 1 Satz 1 AO in vollem Umfang und ohne Bindung an in der Vergangenheit bereits erfolgte &Uuml;bernahmen aus vorangegangenen Feststellungsbescheiden in den Folgebescheid zu &uuml;bernehmen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Beteiligten streiten um die Ber&uuml;cksichtigung von Verlusten aus Spekulationsgesch&auml;ften.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) sind Eheleute und wurden im Streitjahr 1992 zusammen zur Einkommensteuer veranlagt. Die Kl&auml;gerin war u.a. Gesellschafterin einer verm&ouml;gensverwaltenden Gesellschaft des b&uuml;rgerlichen Rechts (GbR). Die GbR erzielte im Streitjahr Verluste aus Spekulationsgesch&auml;ften (nunmehr: privaten Ver&auml;u&szlig;erungsgesch&auml;ften). Am 8.&nbsp;Dezember 1994 wurde ein Feststellungsbescheid f&uuml;r 1992 erlassen, in dem der Kl&auml;gerin u.a. ein Verlust aus Spekulationsgesch&auml;ften in H&ouml;he von 583.967&nbsp;DM zugewiesen wurde. Dieser Bescheid wurde bestandskr&auml;ftig, stand jedoch unter dem Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung. Im daraufhin ergangenen (erstmaligen) Einkommensteuerbescheid 1992 vom 20.&nbsp;M&auml;rz 1995 blieb der Verlust im Hinblick auf die Vorschrift des &sect;&nbsp;23 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;3 des Einkommensteuergesetzes in der Fassung des Streitjahres (EStG) unber&uuml;cksichtigt. Auch dieser Bescheid wurde &#8211;ebenso wie nachfolgende &Auml;nderungsbescheide&#8211; bestandskr&auml;ftig, stand jedoch unter dem Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung. Mit Einkommensteuerbescheid vom 20.&nbsp;November 2000 wurde der Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung aufgehoben. Dieser Bescheid wurde nicht mit dem Einspruch angefochten und damit bestandskr&auml;ftig. Die Einkommensteuer wurde auf 681.380&nbsp;DM festgesetzt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 27.&nbsp;Oktober 2000 erlie&szlig; das f&uuml;r die GbR zust&auml;ndige Feststellungsfinanzamt einen ge&auml;nderten Feststellungsbescheid f&uuml;r 1992, in dem f&uuml;r die Kl&auml;gerin ein Verlust aus Spekulationsgesch&auml;ften in H&ouml;he von 588.378&nbsp;DM enthalten war. Die entsprechende Mitteilung ging am 6.&nbsp;November 2000 beim Beklagten und Revisionsbeklagten (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) ein. Dieses wertete die Mitteilung dahingehend aus, dass es am 1.&nbsp;M&auml;rz 2001 einen ge&auml;nderten Einkommensteuerbescheid f&uuml;r 1992 erlie&szlig;, den Spekulationsverlust aber weiterhin nicht ber&uuml;cksichtigte. Die Einkommensteuer wurde auf 617.928&nbsp;DM (.\/.&nbsp;63.452&nbsp;DM) festgesetzt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger legten gegen den ge&auml;nderten Einkommensteuerbescheid 1992 Einspruch ein. Sie machten geltend, dass die Einschr&auml;nkung der Verrechnung von Verlusten aus Spekulationsgesch&auml;ften nach &sect;&nbsp;23 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;3 EStG verfassungswidrig sei. Das Einspruchsverfahren ruhte zun&auml;chst. Nachdem der Bundesfinanzhof (BFH) in der Folgezeit entschieden hatte, dass Spekulationsverluste aus den Jahren vor 1999 grunds&auml;tzlich uneingeschr&auml;nkt ausgleichsf&auml;hig sind (vgl. BFH-Urteil vom 1.&nbsp;Juni 2004 IX&nbsp;R&nbsp;35\/01, BFHE 206, 273, BStBl II 2005, 26), erlie&szlig; das FA am 2.&nbsp;Juli 2010 einen ge&auml;nderten Einkommensteuerbescheid f&uuml;r 1992, in dem es einen Spekulationsverlust in H&ouml;he von 4.413&nbsp;DM ber&uuml;cksichtigte. Eine weitergehende Ber&uuml;cksichtigung des Spekulationsverlusts unterblieb. Die Einkommensteuer wurde auf 615.590&nbsp;DM festgesetzt. Der Einspruch wurde anschlie&szlig;end mit Einspruchsentscheidung vom 22.&nbsp;Juli 2010 im &Uuml;brigen als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die dagegen erhobene Klage, mit der die Kl&auml;ger den Ansatz der Spekulationsverluste in voller H&ouml;he begehrten, blieb erfolglos.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit ihrer Revision berufen sich die Kl&auml;ger auf die Bindungswirkung des Grundlagenbescheids gegen&uuml;ber dem Folgebescheid nach &sect;&nbsp;175&nbsp;Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Abgabenordnung (AO). Die Vorschrift begr&uuml;nde eine absolute und zwingende Anpassungsverpflichtung, die so weit reiche, wie es die Bindungswirkung des Grundlagenbescheids verlange. Der ge&auml;nderte Grundlagenbescheid habe den urspr&uuml;nglichen Grundlagenbescheid in sich aufgenommen und diesen suspendiert. Die Pflicht zur &Auml;nderung richte sich daher allein nach dem ge&auml;nderten Grundlagenbescheid.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger beantragen,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<blockquote>\n<blockquote>\n<blockquote><\/blockquote>\n<\/blockquote>\n<\/blockquote>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table style=\"margin-left:54\"pt>\n<tr>\n<td>das Urteil des Finanzgerichts (FG) K&ouml;ln vom 20.&nbsp;Juni 2013 aufzuheben und unter Ab&auml;nderung des Einkommensteuerbescheids f&uuml;r 1992 von 1.&nbsp;M&auml;rz 2001, ge&auml;ndert durch Bescheid vom 2.&nbsp;Juli 2010 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 22.&nbsp;Juli 2010 die Einkommensteuer f&uuml;r 1992 unter Ber&uuml;cksichtigung von Spekulationsverlusten in H&ouml;he von 588.378&nbsp;DM festzusetzen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<blockquote>\n<blockquote>\n<blockquote><\/blockquote>\n<\/blockquote>\n<\/blockquote>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table style=\"margin-left:54\"pt>\n<tr>\n<td>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA weist darauf hin, dass die Spekulationsverluste im erstmaligen Einkommensteuerbescheid vollumf&auml;nglich vom Grundlagen- in den Folgebescheid &uuml;bernommen worden seien und damit der Anpassungsverpflichtung nachgekommen worden sei. Die Verluste h&auml;tten sich im erstmaligen Einkommensteuerbescheid aufgrund der Verlustausgleichbeschr&auml;nkung nicht ausgewirkt. Die Frage des beschr&auml;nkten oder unbeschr&auml;nkten Verlustausgleichs sei nicht vom Regelungsgehalt des Grundlagenbescheids erfasst. Die Entscheidung des BFH &uuml;ber die uneingeschr&auml;nkte Ausgleichsf&auml;higkeit der Spekulationsverluste k&ouml;nne sich nur in den zum Zeitpunkt der Entscheidung noch nicht bestandskr&auml;ftigen Bescheiden auswirken. Zudem habe im Zeitpunkt der Auswertung des ersten Grundlagenbescheids die Versagung des Verlustausgleichs der geltenden Rechtslage entsprochen und der erstmalige Folgebescheid sei daher aus damaliger Sicht rechtm&auml;&szlig;ig gewesen. Auch wenn der erstmalige Folgebescheid nunmehr r&uuml;ckblickend fehlerhaft erscheine, sei er doch bestandskr&auml;ftig und nicht mehr zu &auml;ndern.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist begr&uuml;ndet. Die Vorentscheidung ist aufzuheben und die Sache an das FG zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung zur&uuml;ckzuverweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG hat nicht weiter gepr&uuml;ft, ob der ge&auml;nderte Feststellungsbescheid vom 27.&nbsp;Oktober 2000 zugleich eine Aufhebung des Vorbehalts der Nachpr&uuml;fung enthielt und damit nach &sect;&nbsp;164 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;2&nbsp;&nbsp;1.&nbsp;Halbsatz, &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO wie eine erstmalige Feststellung der Eink&uuml;nfte aus Spekulationsgesch&auml;ften zu werten ist. In diesem Fall sind die Besteuerungsgrundlagen nach &sect;&nbsp;175&nbsp;Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 AO in vollem Umfang und ohne Bindung an in der Vergangenheit bereits erfolgte &Uuml;bernahmen aus vorangegangenen Feststellungsbescheiden in den &#8211;mit dem Einspruch angefochtenen&#8211; Folgebescheid vom 1.&nbsp;M&auml;rz 2001 und damit auch in den an seine Stelle tretenden Folgebescheid vom 2.&nbsp;Juli 2010 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 22.&nbsp;Juli 2010 zu &uuml;bernehmen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 AO ist ein Steuerbescheid (Folgebescheid) zu erlassen, aufzuheben oder zu &auml;ndern, soweit ein Grundlagenbescheid, dem Bindungswirkung f&uuml;r diesen Steuerbescheid zukommt, erlassen, aufgehoben oder ge&auml;ndert wird. Grundlagenbescheid ist nach &sect;&nbsp;171 Abs.&nbsp;10 Satz&nbsp;1 AO auch ein Feststellungsbescheid, soweit er f&uuml;r die Festsetzung einer Steuer bindend ist. Feststellungsbescheide (Grundlagenbescheide) sind u.a. f&uuml;r Steuerbescheide (Folgebescheide) bindend, soweit in ihnen getroffene Feststellungen f&uuml;r diese Folgebescheide von Bedeutung sind (&sect;&nbsp;182 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die Bindungswirkung ergibt sich nach Inhalt und Umfang aus den &quot;getroffenen Feststellungen&quot; (Verf&uuml;gungss&auml;tze), also dem Regelungsteil des Feststellungsbescheids. Im Umfang der in &sect;&nbsp;182 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO festgelegten Bindungswirkung (&quot;soweit&quot;) des Feststellungsbescheids (Grundlagenbescheids) folgt aus &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 AO (&quot;ist&quot;) eine absolute Anpassungspflicht in Bezug auf davon betroffene Steuerbescheide als Folgebescheide (vgl. BFH-Urteil vom 29.&nbsp;Februar 2012 IX&nbsp;R&nbsp;21\/10, BFH\/NV 2012, 1297, unter II.1., m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 AO l&auml;sst jedoch keine uneingeschr&auml;nkte Aufhebung\/&Auml;nderung des Folgebescheids zu, sondern nur eine der Bindungswirkung entsprechende Anpassung an den erlassenen, aufgehobenen oder ge&auml;nderten Grundlagenbescheid. Die Aufgabe, den Folgebescheid an den Grundlagenbescheid anzupassen, rechtfertigt keine Wiederaufrollung der gesamten Steuerveranlagung; sie reicht nur so weit, wie es die Bindungswirkung des Grundlagenbescheids verlangt (BFH-Urteil vom 7.&nbsp;Mai 2008 X&nbsp;R&nbsp;21\/05, BFH\/NV 2008, 1436, unter II.1.b; Beschluss vom 24.&nbsp;September 2008 I&nbsp;B&nbsp;28\/08, BFH\/NV 2009, 117, unter II.1.). Der Erlass, die &Auml;nderung oder die Aufhebung eines Grundlagenbescheids darf deshalb nicht zum Anlass genommen werden, f&uuml;r den Folgebescheid bedeutsame Besteuerungsgrundlagen zu &auml;ndern, wegzulassen oder erstmals aufzunehmen, die weder Gegenstand des Grundlagenbescheids sind noch durch seinen Regelungsinhalt beeinflusst werden. &Auml;ndert zudem ein Grundlagenbescheid einen bereits vollst&auml;ndig im Folgebescheid umgesetzten Grundlagenbescheid, so greift die &Auml;nderungsbefugnis nach &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 AO nur ein, &quot;soweit&quot; der ge&auml;nderte Feststellungsbescheid vom Regelungsgehalt &uuml;ber den bisherigen Grundlagenbescheid hinausgeht. Die Anpassungspflicht hinsichtlich des Folgebescheids reicht in diesem Fall auch nur so weit, wie der ge&auml;nderte Grundlagenbescheid den bisherigen Grundlagenbescheid &auml;ndert. Denn nur insoweit wurde nach dem Wortlaut der Vorschrift der vorangegangene Grundlagenbescheid &quot;aufgehoben oder ge&auml;ndert&quot; (vgl. S&ouml;hn in H&uuml;bschmann\/Hepp\/Spitaler &#8211;HHSp&#8211;, &sect;&nbsp;182 AO Rz&nbsp;53; Loose in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect;&nbsp;175 AO Rz&nbsp;11; v.&nbsp;Wedelst&auml;dt in Beermann\/ Gosch, AO &sect;&nbsp;175&nbsp;AO Rz&nbsp;28; BFH-Urteil vom 29.&nbsp;Juni 2005 X&nbsp;R&nbsp;31\/04, BFH\/NV 2005, 1749, unter 1.b). &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 AO kann eine &Auml;nderung des Folgebescheids somit nicht bewirken, soweit der (ge&auml;nderte) Grundlagenbescheid bezogen auf seinen Inhalt f&uuml;r den Folgebescheid nur mehr als &quot;Wiederholung&quot; zu werten ist (vgl. BFH-Urteile vom 13.&nbsp;Dezember 2000 X&nbsp;R&nbsp;42\/96, BFHE 194, 305, BStBl II 2001, 471, unter II.2.b, und BFH\/NV 2008, 1436, unter II.1.b a.E.; S&ouml;hn in HHSp, &sect;&nbsp;182 AO Rz&nbsp;50a; v.&nbsp;Groll in HHSp &sect;&nbsp;175 Rz&nbsp;169, 172; Pahlke\/Koenig\/ Koenig, Abgabenordnung, 2.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;175 Rz&nbsp;12).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Die Bindungswirkung ist jedoch unbeschr&auml;nkt, wenn der ge&auml;nderte Feststellungsbescheid zugleich eine Aufhebung des Vorbehalts der Nachpr&uuml;fung nach &sect;&nbsp;164 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;2&nbsp;&nbsp;1.&nbsp;Halbsatz AO enth&auml;lt. Nach dieser Vorschrift gilt der ge&auml;nderte Feststellungsbescheid als erstmalige Feststellung und damit als erstmalige Einzelfallregelung, der kein blo&szlig; wiederholender Charakter zuzumessen ist. Die durch die Aufhebung des Vorbehalts der Nachpr&uuml;fung entstandene Bindungswirkung umfasst folglich den gesamten Grundlagenbescheid. Das gilt auch dann, wenn der Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung des Grundlagenbescheids aufgehoben wird, ohne dass eine sachliche &Auml;nderung des Grundlagenbescheids erfolgt (vgl. BFH-Urteil in BFHE 194, 305, BStBl II 2001, 471, unter II.2.b&nbsp;aa; BFH-Beschluss vom 11.&nbsp;April 1995 III&nbsp;B&nbsp;74\/92, BFH\/NV 1995, 943; Pahlke\/Koenig\/Koenig, Abgabenordnung, 2.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;175 Rz&nbsp;14; a.A. v.&nbsp;Groll in HHSp, &sect;&nbsp;175 AO Rz&nbsp;169). Auf die Frage, ob und in welchem Umfang Besteuerungsgrundlagen aus vorangegangenen (bestandskr&auml;ftigen) Feststellungsbescheiden bereits in (bestandskr&auml;ftigen) Folgebescheiden umgesetzt worden waren, kommt es in diesem Fall nicht an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. An diesen Ma&szlig;st&auml;ben gemessen kommt es somit entscheidungserheblich darauf an, ob mit dem ge&auml;nderten Feststellungsbescheid vom 27.&nbsp;Oktober 2000 zugleich ein im Feststellungsverfahren noch geltender Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung aufgehoben wurde oder nicht. W&auml;re mit dem ge&auml;nderten Feststellungsbescheid vom 27.&nbsp;Oktober 2000 zugleich ein im Feststellungsverfahren noch geltender Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung nach &sect;&nbsp;164 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;2&nbsp;&nbsp;1.&nbsp;Halbsatz, &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;1 AO aufgehoben worden, w&uuml;rde hinsichtlich des Folgebescheids vom 1.&nbsp;M&auml;rz 2001 und damit auch des an dessen Stelle getretenen Folgebescheids vom 2.&nbsp;Juli 2010 nach &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 AO eine umfassende Anpassungsverpflichtung an dem gesamten, im ge&auml;nderten Feststellungsbescheid enthaltenden Regelungsinhalt gelten. W&auml;re mit dem ge&auml;nderten Feststellungsbescheid vom 27.&nbsp;Oktober 2000 hingegen nicht zugleich ein im Feststellungsverfahren noch geltender Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung aufgehoben worden, sondern war bereits der vorangegangene Feststellungsbescheid vom 8.&nbsp;Dezember 1994 endg&uuml;ltig, h&auml;tte das FG zu Recht eine weitergehende &Auml;nderung des Einkommensteuerbescheids f&uuml;r 1992 vom 2.&nbsp;Juli 2010 abgelehnt und zutreffend im angefochtenen Einkommensteuerbescheid lediglich Spekulationsverluste in H&ouml;he von 4.413&nbsp;DM &#8211;rechnerisch 4.411&nbsp;DM&#8211; zur Verrechnung zugelassen. Denn in diesem Fall w&auml;ren aufgrund des erstmaligen Feststellungsbescheids vom 8.&nbsp;Dezember 1994 im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung 1992 bereits Spekulationsverluste in H&ouml;he von 583.967&nbsp;DM nach &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1, &sect;&nbsp;182 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO in die Einkommensteuerveranlagung der Kl&auml;ger &uuml;bernommen worden, h&auml;tten sich dort aber aufgrund der Anwendung des Verlustausgleichsverbots in &sect;&nbsp;23 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;3 EStG nicht ausgewirkt. Die &Uuml;bernahme von &#8211;aufgrund der ge&auml;nderten Rechtslage nunmehr ausgleichsf&auml;higen&#8211; Spekulationseink&uuml;nften in H&ouml;he von 588.378&nbsp;DM in der Folge des ge&auml;nderten Feststellungsbescheids vom 27.&nbsp;Oktober 2000 k&ouml;nnte in diesem Fall daher nur in H&ouml;he des &Auml;nderungsumfangs von 4.413&nbsp;DM erfolgen. Denn soweit der ge&auml;nderte Feststellungsbescheid vom 27.&nbsp;Oktober 2000 negative Eink&uuml;nfte aus Spekulationsgesch&auml;ften in H&ouml;he von 583.967&nbsp;DM bindend feststellt, handelt es sich in diesem Fall nur um eine wiederholende Feststellung, die bereits im Bescheid vom 8.&nbsp;Dezember 1994 enthalten war und die daher keine (erneute) Anpassungspflicht begr&uuml;nden kann (vgl. BFH-Urteile in BFHE 194, 305, BStBl II 2001, 471, unter II.2.b, und in BFH\/NV 2008, 1436, unter II.1.b a.E.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Sache ist nicht spruchreif. Das FG hat keine Feststellungen zu der Frage getroffen, ob der ge&auml;nderte Feststellungsbescheid vom 27.&nbsp;Oktober 2000 zugleich eine Aufhebung des Vorbehalts der Nachpr&uuml;fung enthielt und damit nach &sect;&nbsp;164 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;2&nbsp;&nbsp;1.&nbsp;Halbsatz, &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO wie eine erstmalige Feststellung der Eink&uuml;nfte aus Spekulationsgesch&auml;ften zu werten ist. Dies hat das FG durch eine Auswertung der Mitteilungen &uuml;ber die gesonderte und einheitliche Feststellung der Besteuerungsgrundlagen und eine Beiziehung der Akten des Feststellungsverfahrens nachzuholen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 21.1.2014, IX R 38\/13 Umfang der Bindungswirkung eines ge&auml;nderten Grundlagenbescheids Leits&auml;tze Enth&auml;lt ein ge&auml;nderter Grundlagenbescheid zugleich eine Aufhebung des Vorbehalts der Nachpr&uuml;fung und ist er damit nach &sect; 164 Abs. 3 Satz 2&nbsp;&nbsp;1. Halbsatz, &sect; 181 Abs. 1 Satz 1 AO wie eine erstmalige Feststellung zu werten, dann ist sein Regelungsinhalt nach &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-38-13-umfang-der-bindungswirkung-eines-geaenderten-grundlagenbescheids\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">IX&nbsp;R&nbsp;38\/13 &#8211; Umfang der Bindungswirkung eines ge&auml;nderten Grundlagenbescheids<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-62527","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/62527","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=62527"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/62527\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=62527"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=62527"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=62527"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}