{"id":62646,"date":"2014-06-18T11:33:29","date_gmt":"2014-06-18T09:33:29","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=62646"},"modified":"2014-06-18T11:33:29","modified_gmt":"2014-06-18T09:33:29","slug":"v-r-8-13-zeitpunkt-des-vorsteuerabzugs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-8-13-zeitpunkt-des-vorsteuerabzugs\/","title":{"rendered":"V&nbsp;R&nbsp;8\/13 &#8211; Zeitpunkt des Vorsteuerabzugs"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 13.2.2014, V R 8\/13<\/p>\n<p class=\"titel\">Zeitpunkt des Vorsteuerabzugs<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Das Recht auf Vorsteuerabzug ist f&uuml;r den Voranmeldungszeitraum (Besteuerungszeitraum) auszu&uuml;ben, in dem das Abzugsrecht entstanden ist und die Aus&uuml;bungsvoraussetzungen vorliegen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Unternehmensgegenstand der Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagten (Kl&auml;gerin) ist die &quot;Lagerung und Distribution von Waren&quot;. Sie war Inhaberin eines ihr bewilligten Zolllagerverfahrens Typ&nbsp;C und lagerte f&uuml;r ihre Auftraggeber Waren wie z.B. Haushaltsger&auml;te und Waren der Unterhaltungselektronik. Der Kl&auml;gerin oblag die zollrechtliche Abwicklung der Einlagerung. Sie erlangte kein Eigentum an den eingelagerten Waren. Die Waren wurden aus dem Lager der Kl&auml;gerin unter Verwendung zollrechtlicher Versandverfahren abgeholt, f&uuml;r die die Kl&auml;gerin nicht verantwortlich war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Aufgrund einer bei der Kl&auml;gerin durchgef&uuml;hrten Zollpr&uuml;fung ging die zust&auml;ndige Zollbeh&ouml;rde davon aus, dass sie aufgrund fehlerhafter Verwendung von Datenverarbeitungssystemen zollrechtliche Bestandsaufzeichnungen nicht korrekt gef&uuml;hrt habe. Insbesondere seien Entnahmen aus dem Zolllager zum Teil nicht oder versp&auml;tet gebucht worden. Gegenst&auml;nde seien einer neuen zollrechtlichen Bestimmung erst mehrere Tage nach der Entnahme zugef&uuml;hrt worden. Nachweise des Erhalts einer neuen zollrechtlichen Bestimmung seien nicht oder nicht formal korrekt erbracht worden. Mit insgesamt sieben Abgabenbescheiden vom 26., 27. und 30.&nbsp;Juni 2008 sowie vom 1.&nbsp;Juli 2008 setzte die Zollbeh&ouml;rde Zoll und dar&uuml;ber hinaus in H&ouml;he von 2.792.009,80&nbsp;EUR auch Einfuhrumsatzsteuer fest. Rechtsgrundlage f&uuml;r die Erhebung der Einfuhrumsatzsteuer waren Art.&nbsp;203 und Art.&nbsp;204 Zollkodex (ZK) i.V.m. &sect;&nbsp;21 Abs.&nbsp;2 des Umsatzsteuergesetzes i.d.F. des Streitjahres (UStG). Die Zollbeh&ouml;rde gab im November 2012 einem Erlassantrag der Kl&auml;gerin teilweise statt und erm&auml;&szlig;igte auf der Grundlage von Art.&nbsp;236 Abs.&nbsp;1 ZK die Einfuhrumsatzsteuer auf 1.759.321,64&nbsp;EUR.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Soweit die Abgabenerhebung auf Art.&nbsp;203 ZK beruhte, wies das Finanzgericht (FG) nach erfolglosem Einspruchsverfahren mehrere Klagen gegen die Abgabenbescheide durch die Urteile vom 25.&nbsp;November 2010 ab. Die Kl&auml;gerin entrichtete die insoweit geschuldete Einfuhrumsatzsteuer in H&ouml;he von 48.221,21&nbsp;EUR. Hinsichtlich der restlichen Einfuhrumsatzsteuer hatte die Zollbeh&ouml;rde Aussetzung der Vollziehung gew&auml;hrt. In Bezug auf die Abgabenerhebung nach Art.&nbsp;204 ZK richtete das FG ein Vorabentscheidungsersuchen an den Gerichtshof der Europ&auml;ischen Union (EuGH), der in seinem Urteil vom 6.&nbsp;September 2012 C-28\/11, Eurogate (Zeitschrift f&uuml;r Z&ouml;lle und Verbrauchsteuern 2012, 264) die Zollschuldentstehung aber als mit Art.&nbsp;204 ZK vereinbar ansah.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der am 4.&nbsp;Februar 2009 bei dem Beklagten und Revisionskl&auml;ger (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) eingegangenen Umsatzsteuervoranmeldung Februar 2009 machte die Kl&auml;gerin den Abzug der ihr gegen&uuml;ber durch die Einfuhrabgabenbescheide festgesetzten Einfuhrumsatzsteuer in H&ouml;he von 2.792.009,80&nbsp;EUR als Vorsteuer geltend. Demgegen&uuml;ber erlie&szlig; das FA am 24.&nbsp;M&auml;rz 2009 einen Vorauszahlungsbescheid Februar 2009, in dem es den geltend gemachten Vorsteuerabzug aus Einfuhrumsatzsteuer nicht ber&uuml;cksichtigte. Der Einspruch hatte keinen Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen erhob die Kl&auml;gerin Klage zum FG. W&auml;hrend des finanzgerichtlichen Verfahrens erging der Umsatzsteuerjahresbescheid 2009 (Streitjahr) vom 11.&nbsp;Dezember 2012, der gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;68 der Finanzgerichtsordnung (FGO) Gegenstand des Klageverfahrens wurde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG gab der Klage mit seinem in Entscheidungen der Finanzgerichte 2013, 562 ver&ouml;ffentlichten Urteil statt und entschied antragsgem&auml;&szlig;, dass die Einfuhrumsatzsteuer in H&ouml;he von 1.759.321,64&nbsp;EUR als Vorsteuer zu ber&uuml;cksichtigen sei. Das Recht zum Vorsteuerabzug setze entgegen dem Wortlaut von &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 UStG nicht voraus, dass die Einfuhrumsatzsteuer auch entrichtet worden sei, da die Vorschrift insoweit nicht Art.&nbsp;168 Buchst.&nbsp;e und Art.&nbsp;178 Buchst.&nbsp;e der Richtlinie des Rates vom 28.&nbsp;November 2006 &uuml;ber das gemeinsame Mehrwertsteuersystem 2006\/112\/EG (MwStSystRL) entspreche. Dies ergebe sich auch aus der Rechtsprechung des EuGH. Dar&uuml;ber hinaus sei der Zolllagerinhaber bei richtlinienkonformer Anwendung und Auslegung von &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 UStG entgegen der bisherigen Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) berechtigt, Einfuhrumsatzsteuer als Vorsteuer abzuziehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen wendet sich das FA mit der Revision, mit der es Verletzung materiellen Rechts geltend macht. Der Zolllagerinhaber sei entsprechend bisheriger BFH-Rechtsprechung mangels Verf&uuml;gungsmacht am eingef&uuml;hrten Gegenstand nicht zum Vorsteuerabzug aus der Einfuhrumsatzsteuer berechtigt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>das Urteil des FG aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt sinngem&auml;&szlig;,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Sie sei zum Vorsteuerabzug berechtigt, da es auf die Verf&uuml;gungsmacht nicht ankomme.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Bundesministerium der Finanzen ist dem Verfahren beigetreten, ohne einen Antrag zu stellen. Es unterst&uuml;tzt das Vorbringen des FA.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision des FA ist begr&uuml;ndet. Das Urteil des FG ist aufzuheben und die Klage abzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 FGO). Die Kl&auml;gerin ist zum Vorsteuerabzug aus der Einfuhrumsatzsteuer bereits deshalb nicht berechtigt, da diese im Streitjahr weder festgesetzt noch entrichtet wurde. Auf die Frage eines Leistungsbezugs f&uuml;r das Unternehmen (f&uuml;r Zwecke besteuerter Ums&auml;tze) kommt es daher nicht an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Kl&auml;gerin ist nach nationalem Recht f&uuml;r das Streitjahr nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 UStG kann der Unternehmer &quot;die entrichtete Einfuhrumsatzsteuer f&uuml;r Gegenst&auml;nde, die f&uuml;r sein Unternehmen nach &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;4 eingef&uuml;hrt worden sind&quot;, als Vorsteuer abziehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auf die &Auml;nderung von &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 UStG durch Art.&nbsp;10 Nr.&nbsp;9 Buchst.&nbsp;a Doppelbuchst.&nbsp;aa des Amtshilferichtlinie-Umsetzungsgesetzes &#8211;AmtshilfeRLUmsG&#8211; (BGBl I 2013, 1809) kommt es im Streitfall nicht an, da diese Regelung ohne R&uuml;ckwirkung erst zum 30.&nbsp;Juni 2013 in Kraft getreten ist (Art.&nbsp;31 Abs.&nbsp;1 AmtshilfeRLUmsG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die Voraussetzungen des &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 UStG liegen im Streitjahr nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach den vom FG getroffenen Feststellungen hat die Kl&auml;gerin Einfuhrumsatzsteuer nur in H&ouml;he von 48.221,21&nbsp;EUR und dabei in dem Umfang entrichtet, als das FG mit Urteilen vom 25.&nbsp;November 2010 die Rechtm&auml;&szlig;igkeit der Abgabenbescheide best&auml;tigt hat. Danach ist keine dar&uuml;ber hinausgehende Entrichtung der Einfuhrumsatzsteuer im Streitjahr gegeben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Kl&auml;gerin kann sich f&uuml;r einen Vorsteuerabzug aus der Einfuhrumsatzsteuer entgegen dem FG-Urteil auch nicht auf das Unionsrecht berufen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Soweit Gegenst&auml;nde f&uuml;r die Zwecke seiner besteuerten Ums&auml;tze verwendet werden, ist der Steuerpflichtige gem&auml;&szlig; Art.&nbsp;168 Buchst.&nbsp;e MwStSystRL berechtigt, in dem Mitgliedstaat, in dem er diese Ums&auml;tze bewirkt, vom Betrag der von ihm geschuldeten Steuer &quot;die Mehrwertsteuer, die f&uuml;r die Einfuhr von Gegenst&auml;nden in diesem Mitgliedstaat geschuldet wird oder entrichtet worden ist&quot; abzuziehen. Diese Bestimmung hat die Vorg&auml;ngerregelung in Art.&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;b der Sechsten Richtlinie des Rates vom 17.&nbsp;Mai 1977 zur Harmonisierung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten &uuml;ber die Umsatzsteuern 77\/388\/EWG (Richtlinie 77\/388\/EWG) ersetzt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach dem EuGH-Urteil vom 29.&nbsp;M&auml;rz 2012 C-414\/10, V&eacute;leclair (BStBl II 2013, 941) erlaubt es Art.&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;b der Richtlinie 77\/388\/EWG einem Mitgliedstaat nicht, &quot;das Recht auf Abzug der Einfuhrmehrwertsteuer von der tats&auml;chlichen vorherigen Zahlung dieser Steuer durch den Steuerschuldner abh&auml;ngig zu machen, wenn dieser auch der zum Abzug Berechtigte ist.&quot;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Danach bezieht sich der Begriff &quot;geschuldet&quot; auf eine rechtlich durchsetzbare Steuerschuld und setzt somit voraus, dass der Steuerpflichtige zur Zahlung des Mehrwertsteuerbetrags, den er als Vorsteuer abziehen m&ouml;chte, verpflichtet ist (EuGH-Urteil V&eacute;leclair in BStBl II 2013, 941, Rdnr.&nbsp;20). Zudem sehe Art.&nbsp;18 Abs.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;b der Richtlinie 77\/388\/EWG (vgl. im Streitjahr Art.&nbsp;178 Buchst.&nbsp;e MwStSystRL) lediglich vor, dass der Steuerpflichtige, um das Recht auf Vorsteuerabzug aus&uuml;ben zu k&ouml;nnen, nur ein die Einfuhr bescheinigendes Dokument besitzen muss, das ihn als Empf&auml;nger oder Importeur ausweist und aus dem sich der geschuldete Steuerbetrag &quot;ergibt oder auf Grund dessen seine Berechnung m&ouml;glich ist&quot; (EuGH-Urteil V&eacute;leclair in BStBl II 2013, 941, Rdnr.&nbsp;26).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die Berufung auf Art.&nbsp;168 Buchst.&nbsp;e MwStSystRL er&ouml;ffnet der Kl&auml;gerin kein Recht auf Abzug der ihr gegen&uuml;ber festgesetzten Einfuhrumsatzsteuer als Vorsteuer im Streitjahr 2009. Denn die Kl&auml;gerin schuldete die Einfuhrumsatzsteuer aufgrund der ihr gegen&uuml;ber bereits <span style=\"text-decoration:underline\">2008<\/span> ergangenen Abgabenbescheide, n&auml;mlich denjenigen vom 26., 27. und 30.&nbsp;Juni 2008 sowie vom 1.&nbsp;Juli 2008.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Damit lag das &quot;die Einfuhr bescheinigende Dokument&quot; i.S. von Art.&nbsp;178 Buchst.&nbsp;e MwStSystRL, das die Kl&auml;gerin als &quot;Empf&auml;nger&quot; oder &quot;Importeur&quot; ausweist und aus dem sich der &quot;Betrag der geschuldeten Mehrwertsteuer&quot; ergibt, nicht erst im Streitjahr (2009), sondern schon im Vorjahr vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kl&auml;gerin kann f&uuml;r einen Vorsteuerabzug auch nicht geltend machen, sie sei berechtigt, den Vorsteuerabzug aus geschuldeter Einfuhrumsatzsteuer nicht nur im Besteuerungszeitraum der Schuldentstehung, sondern &#8211;nach ihrer Wahl alternativ&#8211; auch in sp&auml;teren Besteuerungszeitr&auml;umen geltend zu machen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;2 Satz 1 UStG sind von &quot;der nach Absatz 1 berechneten Steuer &#8230; die in den Besteuerungszeitraum fallenden, nach &sect;&nbsp;15 abziehbaren Vorsteuerbetr&auml;ge abzusetzen&quot;. Danach hat der Unternehmer die Vorsteuer in dem Besteuerungszeitraum abzuziehen, in dem sie entstanden ist (BFH-Urteil vom 1.&nbsp;Dezember 2010 XI&nbsp;R&nbsp;28\/08, BFHE 233, 53, BStBl II 2011, 994, Leitsatz&nbsp;1). Er kann sie nicht in sp&auml;teren Besteuerungszeitr&auml;umen geltend machen (BFH-Urteil in BFHE 233, 53, BStBl II 2011, 994, unter II.1.a).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Damit entspricht das nationale Recht der Rechtsprechung des EuGH, der mit Urteil vom 29.&nbsp;April 2004 C-152\/02, Terra Baubedarf (Slg. 2004, I-5583) entschieden hat, dass das Vorsteuerabzugsrecht f&uuml;r den Erkl&auml;rungszeitraum auszu&uuml;ben ist, in dem die Lieferung oder die Dienstleistung bewirkt wurde und in dem der Steuerpflichtige die Rechnung oder das Dokument besitzt, das nach den von den Mitgliedstaaten festgelegten Kriterien als Rechnung betrachtet werden kann.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>27<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Ein f&uuml;r den Steuerpflichtigen bestehendes Wahlrecht, den Vorsteuerabzug alternativ auch in einem sp&auml;teren Besteuerungszeitraum geltend zu machen, ergibt sich auch nicht aus dem Unionsrecht (BFH-Urteil in BFHE 233, 53, BStBl II 2011, 994, unter II.1.b).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>28<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Denn nach Art.&nbsp;179 MwStSystRL wird der &quot;Vorsteuerabzug &#8230; vom Steuerpflichtigen global vorgenommen, indem er von dem Steuerbetrag, den er f&uuml;r einen Steuerzeitraum schuldet, den Betrag der Mehrwertsteuer absetzt, f&uuml;r die w&auml;hrend des gleichen Steuerzeitraums das Abzugsrecht entstanden ist und gem&auml;&szlig; Artikel&nbsp;178 ausge&uuml;bt wird.&quot; Auch hieraus ergibt sich ein Abzugsrecht nur f&uuml;r den Besteuerungszeitraum, f&uuml;r den auch die Aus&uuml;bungsvoraussetzungen erf&uuml;llt sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>29<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das als Aus&uuml;bungsvoraussetzung f&uuml;r den Vorsteuerabzug von Einfuhrumsatzsteuer gem&auml;&szlig; Art.&nbsp;178 Buchst.&nbsp;e MwStSystRL ma&szlig;gebliche Dokument, das den Steuerpflichtigen als Empf&auml;nger der Lieferung oder als Importeur ausweist, ergab sich im Streitfall aus den Abgabenbescheiden vom 26., 27. und 30.&nbsp;Juni 2008 sowie vom 1.&nbsp;Juli 2008, so dass die Aus&uuml;bungsvoraussetzungen bereits in diesem Jahr und nicht erst im Streitjahr (2009) vorlagen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>30<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ein Wahlrecht kann auch nicht aus Art.&nbsp;180 MwStSystRL abgeleitet werden. Danach k&ouml;nnen die Mitgliedstaaten einem Steuerpflichtigen gestatten, &quot;einen Vorsteuerabzug vorzunehmen, der nicht gem&auml;&szlig; den Artikeln 178 und 179 vorgenommen wurde.&quot; Diese Erm&auml;chtigung hat der nationale Gesetzgeber aber nicht ausge&uuml;bt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>31<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auch insoweit liegt kein Versto&szlig; gegen das Unionsrecht vor. Der EuGH hat vielmehr ausdr&uuml;cklich entschieden, dass das Abzugsrecht grunds&auml;tzlich &quot;w&auml;hrend des gleichen Zeitraums&quot; ausge&uuml;bt wird, in dem es entstanden ist, dass die Mitgliedstaaten verlangen k&ouml;nnen, dass das Abzugsrecht w&auml;hrend des Zeitraums, in dem es entstanden ist, ausge&uuml;bt wird und dass die M&ouml;glichkeit, das Abzugsrecht ohne jede zeitliche Beschr&auml;nkung auszu&uuml;ben, dem Grundsatz der Rechtssicherheit zuwiderliefe (vgl. EuGH-Urteil vom 8.&nbsp;Mai 2008 C-95\/07 und C-96\/07, Ecotrade SpA, Slg. 2008, I-3457, Rdnrn.&nbsp;41&nbsp;ff.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 13.2.2014, V R 8\/13 Zeitpunkt des Vorsteuerabzugs Leits&auml;tze Das Recht auf Vorsteuerabzug ist f&uuml;r den Voranmeldungszeitraum (Besteuerungszeitraum) auszu&uuml;ben, in dem das Abzugsrecht entstanden ist und die Aus&uuml;bungsvoraussetzungen vorliegen. Tatbestand 1&nbsp; I. Unternehmensgegenstand der Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagten (Kl&auml;gerin) ist die &quot;Lagerung und Distribution von Waren&quot;. Sie war Inhaberin eines ihr bewilligten Zolllagerverfahrens Typ&nbsp;C &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-8-13-zeitpunkt-des-vorsteuerabzugs\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">V&nbsp;R&nbsp;8\/13 &#8211; Zeitpunkt des Vorsteuerabzugs<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-62646","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/62646","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=62646"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/62646\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=62646"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=62646"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=62646"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}