{"id":62804,"date":"2014-07-21T05:37:23","date_gmt":"2014-07-21T03:37:23","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=62804"},"modified":"2014-07-21T05:37:23","modified_gmt":"2014-07-21T03:37:23","slug":"vi-r-26-12-teilweise-inhaltsgleich-mit-bfh-urteil-vom-2722014-vi-r-23-13-lohnsteueranrufungsauskunft-regelungsgehalt-gerichtliche-inhaltskontrolle-wiedereinsetzung-bei-verzoegerungen-bei-der-briefbefo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-26-12-teilweise-inhaltsgleich-mit-bfh-urteil-vom-2722014-vi-r-23-13-lohnsteueranrufungsauskunft-regelungsgehalt-gerichtliche-inhaltskontrolle-wiedereinsetzung-bei-verzoegerungen-bei-der-briefbefo\/","title":{"rendered":"VI&nbsp;R&nbsp;26\/12 &#8211; Teilweise inhaltsgleich mit BFH-Urteil vom 27.2.2014 VI R 23\/13; Lohnsteueranrufungsauskunft; Regelungsgehalt; gerichtliche Inhaltskontrolle; Wiedereinsetzung bei Verz&ouml;gerungen bei der Briefbef&ouml;rderung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 27.2.2014, VI R 26\/12<\/p>\n<p class=\"titel\">Teilweise inhaltsgleich mit BFH-Urteil vom 27.2.2014 VI R 23\/13; Lohnsteueranrufungsauskunft; Regelungsgehalt; gerichtliche Inhaltskontrolle; Wiedereinsetzung bei Verz&ouml;gerungen bei der Briefbef&ouml;rderung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Streitig ist die Rechtm&auml;&szlig;igkeit einer Lohnsteueranrufungsauskunft nach &sect;&nbsp;42e des Einkommensteuergesetzes (EStG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin), eine GmbH, ist pers&ouml;nlich haftende Gesellschafterin der X-GmbH &#038; Co. KG. Sie schloss mit ihrem Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer eine Vereinbarung &uuml;ber die Teilnahme an einem Arbeitszeitkontenmodell ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Schreiben vom 5.&nbsp;November 2010 beantragte die Kl&auml;gerin die Erteilung einer Lohnsteueranrufungsauskunft gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;42e EStG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) erteilte unter Hinweis auf das Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) vom 17.&nbsp;Juni 2009 IV&nbsp;C&nbsp;5-S&nbsp;2332\/07\/0004, 2009\/0406609 (BStBl I 2009, 1286) u.a. die Auskunft, dass Arbeitslohn bereits mit der Gutschrift von Betr&auml;gen auf dem Zeitwertkonto zugeflossen sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Den hiergegen eingelegten Einspruch wies das FA als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ck. Das Finanzgericht (FG) gab der Klage mit den in Entscheidungen der Finanzgerichte 2012, 1400 ver&ouml;ffentlichten Gr&uuml;nden statt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen wendet sich das FA mit der Revision. Das Urteil wurde dem FA zugestellt. Das Empfangsbekenntnis bescheinigt als Zustelldatum den 2.&nbsp;April 2012. Die Revisionsschrift datiert vom 26.&nbsp;April 2012 und ging mit einfachem Brief am 3.&nbsp;Mai 2012 beim Bundesfinanzhof (BFH) ein. Mit Schreiben vom 14.&nbsp;Mai 2012 teilte die Vorsitzende des VI.&nbsp;Senats dem FA mit, die Revisionsschrift sei erst am 3.&nbsp;Mai 2012, mithin einen Tag nach Ablauf der Rechtsmittelfrist, beim BFH eingegangen und wies auf &sect;&nbsp;56 der Finanzgerichtsordnung (FGO) hin. Die Revisionsbegr&uuml;ndungsfrist wurde auf Antrag des FA bis zum 3.&nbsp;Juli 2012 verl&auml;ngert. Am 1.&nbsp;Juni 2012 ging beim BFH ein Schriftsatz des FA ein, in dem es u.a. ausf&uuml;hrte, die Revision sei rechtzeitig eingelegt worden, weil dem FA die Vorentscheidung erst am 3.&nbsp;April 2012 zugestellt worden sei. Hilfsweise beantragte das FA Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;56 FGO. Zur Begr&uuml;ndung f&uuml;hrte es aus, ein Verschulden an der Fristvers&auml;umnis liege nicht vor, weil der Revisionsschriftsatz am 26.&nbsp;April 2012 durch &Uuml;bergabe an ein privates Bef&ouml;rderungsunternehmen zur Post gegeben worden sei. Mit einer &uuml;berlangen Bef&ouml;rderungszeit bis zum 3.&nbsp;Mai 2012 sei nicht zu rechnen gewesen. Die Revisionsbegr&uuml;ndungsschrift ging am 27.&nbsp;Juni 2012 beim BFH ein.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gt das FA die Verletzung materiellen Rechts.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>das Urteil des FG D&uuml;sseldorf vom 21.&nbsp;M&auml;rz 2012&nbsp;&nbsp;4&nbsp;K&nbsp;2834\/11&nbsp;AO aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt,<br \/>die Revision als unzul&auml;ssig zu verwerfen, hilfsweise, sie als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. 1. Die Revision ist zul&auml;ssig. Im Streitfall kann offenbleiben, ob die Vorentscheidung &#8211;wie der Posteingangsstempel ausweist&#8211; am 2.&nbsp;April 2012 oder &#8211;wie vom FA behauptet&#8211; erst am 3.&nbsp;April 2012 zugestellt worden ist. Denn jedenfalls ist Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zu gew&auml;hren, weil das FA kein Verschulden am versp&auml;teten Eingang der Revision beim BFH trifft (&sect;&nbsp;56 Abs.&nbsp;1 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach &sect;&nbsp;120 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO ist die Revision innerhalb eines Monats nach Zustellung des vollst&auml;ndigen Urteils zu begr&uuml;nden. Ist das Urteil &#8211;wie der Eingangsstempel ausweist&#8211; am 2.&nbsp;April 2012 zugestellt worden, ist die Frist zur Einlegung der Revision am Mittwoch, dem 2.&nbsp;Mai 2012, abgelaufen. Der Eingang der Revision am 3.&nbsp;Mai 2012 w&auml;re danach versp&auml;tet. Nach &sect;&nbsp;56 Abs.&nbsp;1 FGO ist jedoch Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zu gew&auml;hren, wenn jemand ohne Verschulden verhindert war, eine gesetzliche Frist einzuhalten. In formeller Hinsicht setzt die Wiedereinsetzung voraus, dass innerhalb einer Frist von zwei Wochen nach Wegfall des Hindernisses die vers&auml;umte Rechtshandlung nachgeholt wird (&sect;&nbsp;56 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;3 FGO). Nach st&auml;ndiger Rechtsprechung d&uuml;rfen Verz&ouml;gerungen bei der Briefbef&ouml;rderung oder -zustellung, die der Rechtsmittelf&uuml;hrer nicht zu vertreten hat und auf die er auch keinen Einfluss besitzt, nicht als dessen Verschulden gewertet werden. Er darf darauf vertrauen, dass die von der Deutschen Post AG nach ihren organisatorischen und betrieblichen Vorkehrungen f&uuml;r den Normalfall festgelegten Postlaufzeiten eingehalten werden (z.B. BFH-Beschluss vom 6.&nbsp;April 1995 VIII&nbsp;B&nbsp;61\/94, BFH\/NV 1996, 137; BFH-Urteil vom 7.&nbsp;Mai 1996 VIII&nbsp;R&nbsp;60\/95, BFH\/NV 1997, 34). In der Verantwortung des Rechtsmittelf&uuml;hrers liegt es nur, das zur Bef&ouml;rderung bestimmte Schriftst&uuml;ck den postalischen Bestimmungen entsprechend und so rechtzeitig zur Post zu geben, dass es nach diesen organisatorischen und betrieblichen Vorkehrungen der Deutschen Post AG bei regelm&auml;&szlig;igem Dienstablauf den Empf&auml;nger fristgerecht erreicht. Der Rechtsmittelf&uuml;hrer kann Rechtsmittelfristen grunds&auml;tzlich bis zum letzten Tag in Anspruch nehmen. Lediglich gegen Ende der Frist obliegt es ihm, eine Bef&ouml;rderungsart zu w&auml;hlen, die die Einhaltung der Frist gew&auml;hrleistet. Im Rahmen der &uuml;blichen Postlaufzeiten ist der Rechtsmittelf&uuml;hrer auch nicht verpflichtet, alternative Bef&ouml;rderungsmittel zu nutzen. An die Sorgfaltspflichten von Beh&ouml;rden sind insoweit dieselben Anforderungen zu stellen wie an einen Prozessbevollm&auml;chtigten (BFH-Urteil in BFH\/NV 1997, 34).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Streitfall hat das FA durch Vorlage einer Kopie des Fristenkontrollbuchs glaubhaft gemacht, dass die &Uuml;bergabe der Revisionsschrift an den Dienstleister Z-GmbH, ein Tochterunternehmen der Deutschen Post AG, am 26.&nbsp;April 2012 erfolgt ist. Das FA durfte entsprechend den von der Deutschen Post AG verlautbarten Postlaufzeiten davon ausgehen, dass bei regelm&auml;&szlig;igem Betriebsablauf die Sendung innerhalb von 48&nbsp;Stunden und damit fristgerecht bis zum 2.&nbsp;Mai 2012 beim BFH eingehen w&uuml;rde. Denn es verblieben noch &#8211;den Feiertag am 1.&nbsp;Mai 2012 abgerechnet&#8211; mehr als drei Werktage bis zum Fristablauf (vgl. BFH-Urteil vom 9.&nbsp;Juli 2003 I&nbsp;R&nbsp;4\/02, BFH\/NV 2004, 83). Entsprechend hatte das FA keinen Anlass, sich ausnahmsweise durch einen Anruf beim BFH am Tag des Fristablaufs Gewissheit &uuml;ber den Eingang des Schriftsatzes zu verschaffen und ggf. auf andere Weise (z.B. durch Telefax) noch f&uuml;r einen rechtzeitigen Zugang zu sorgen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Revision ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Abweisung der Klage (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 FGO). Das FG hat zu Unrecht entschieden, das FA habe der Kl&auml;gerin eine Lohnsteueranrufungsauskunft mit dem beantragten Inhalt zu erteilen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;42e EStG hat das Betriebsst&auml;ttenfinanzamt auf Anfrage eines Beteiligten dar&uuml;ber Auskunft zu geben, ob und inwieweit im einzelnen Fall die Vorschriften &uuml;ber die Lohnsteuer anzuwenden sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Anfragende, vorliegend der Arbeitgeber, hat danach einen &#8211;auch gerichtlich durchsetzbaren&#8211; Anspruch auf Erteilung der Auskunft &uuml;ber die Anwendung lohnsteuerrechtlicher Vorschriften. Dieser Anspruch bezieht sich nicht nur darauf, dass der Arbeitgeber f&ouml;rmlich zu bescheiden ist. &sect;&nbsp;42e EStG vermittelt vielmehr einen Anspruch darauf, dass die Anrufungsauskunft inhaltlich richtig ist. Die Vorschrift r&auml;umt nicht nur das Recht ein, die Auffassung des FA zu erfahren, sondern auch Sicherheit &uuml;ber die zutreffende Rechtslage zu erlangen und lohnsteuerliche Rechte und Pflichten in einem besonderen Verfahren im Voraus (ggf. gerichtlich) verbindlich feststellen zu lassen. Auf diese Weise wird dem Zweck der Anrufungsauskunft hinreichend entsprochen, pr&auml;ventiv Konflikte zwischen dem Betriebsst&auml;ttenfinanzamt und dem Arbeitgeber zu vermeiden und auftretende lohnsteuerrechtliche Fragen, die h&auml;ufig auch die Kostenkalkulation des Arbeitgebers ber&uuml;hren, zeitnah einer Kl&auml;rung zuzuf&uuml;hren. Denn es w&auml;re mit den Grunds&auml;tzen eines fairen Verfahrens schwerlich vereinbar, dem vom Fiskus in die Pflicht genommenen Arbeitgeber, der mit dem Inhalt einer Anrufungsauskunft nicht einverstanden ist, anheim zu stellen, die Lohnsteuer zun&auml;chst (rechtswidrig) einzubehalten und abzuf&uuml;hren, den einschl&auml;gigen Rechtsschutz jedoch erst sp&auml;ter durch Anfechtung entsprechender Lohnsteuer- bzw. Haftungsbescheide zu suchen (Senatsurteil vom 30.&nbsp;April 2009 VI&nbsp;R&nbsp;54\/07, BFHE 225, 50, BStBl II 2010, 996).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Der Arbeitgeber kann daher eine erteilte Anrufungsauskunft nach den allgemeinen Regeln anfechten und Verpflichtungsklage erheben, um eine Auskunft dar&uuml;ber zu erlangen, ob und inwieweit im Einzelfall Vorschriften &uuml;ber die Lohnsteuer anzuwenden sind. Das FG entscheidet dann auch &uuml;ber den Inhalt der Auskunft. Allerdings beschr&auml;nkt sich die inhaltliche &Uuml;berpr&uuml;fung einer Lohnsteueranrufungsauskunft durch das FG nur darauf, ob die gegenw&auml;rtige rechtliche Einordnung des &#8211;zutreffend erfassten&#8211; zur Pr&uuml;fung gestellten Sachverhalts in sich schl&uuml;ssig und nicht evident rechtsfehlerhaft ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Denn die gerichtliche Kontrolldichte eines angefochtenen Verwaltungsaktes h&auml;ngt wesentlich von dessen Regelungsaussage ab (vgl. BFH-Urteil vom 29.&nbsp;Februar 2012 IX&nbsp;R&nbsp;11\/11, BFHE 237, 9, BStBl II 2012, 651 zur verbindlichen Auskunft). Diese ersch&ouml;pft sich bei einer Lohnsteueranrufungsauskunft darin, wie die Finanzbeh&ouml;rde einen ihr zur Pr&uuml;fung gestellten typischerweise hypothetischen Sachverhalt im Hinblick auf die Verpflichtung zum Lohnsteuerabzug gegenw&auml;rtig beurteilt. Die Lohnsteuerauskunft entscheidet weder &uuml;ber den Einkommensteueranspruch noch setzt sie die Einkommensteuerschuld des Arbeitnehmers fest (Senatsurteile vom 13.&nbsp;November 1959 VI&nbsp;124\/59&nbsp;U, BFHE 70, 290, BStBl III 1960, 108; vom 9.&nbsp;Oktober 1992 VI&nbsp;R&nbsp;97\/90, BFHE 169, 202, BStBl II 1993, 166; Senatsbeschluss vom 22.&nbsp;Mai 2007 VI&nbsp;B&nbsp;143\/06, BFH\/NV 2007, 1658). Denn das Lohnsteuerabzugsverfahren ist nur ein Vorauszahlungsverfahren (Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 10.&nbsp;April 1997&nbsp;&nbsp;2&nbsp;BvL&nbsp;77\/92, BVerfGE 96, 1) mit vorl&auml;ufigem Charakter. Seine Besonderheiten und Regelungen wirken nicht in das Veranlagungsverfahren hinein (Trzaskalik, in: Kirchhof\/S&ouml;hn\/ Mellinghoff, EStG, &sect;&nbsp;38 Rz&nbsp;A&nbsp;7). Auch wird der Arbeitgeber nicht verpflichtet, die Lohnsteuer entsprechend der ihm erteilten Auskunft zu berechnen und abzuf&uuml;hren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Trifft die Lohnsteueranrufungsauskunft aber keine Entscheidung &uuml;ber den materiellen Einkommensteueranspruch, bedarf es keiner umfassenden gerichtlichen Kontrolle, welche lohn- und einkommensteuerrechtlichen Folgen der Sachverhalt tats&auml;chlich zeitigen wird, sollte er &#8211;wie in der Anfrage angek&uuml;ndigt&#8211; verwirklicht werden. Vielmehr ist aufgrund des vorl&auml;ufigen Charakters des Lohnsteuerabzugsverfahrens nur zu untersuchen, ob das Betriebsst&auml;ttenfinanzamt mit der Mitteilung &uuml;ber die gegenw&auml;rtige Einsch&auml;tzung der Rechtslage den Anforderungen an ein faires Verwaltungsverfahren gen&uuml;gt hat (ebenso f&uuml;r die verbindliche Auskunft BFH-Urteil in BFHE 237, 9, BStBl II 2012, 651). So hat die Finanzbeh&ouml;rde den ihr im Rahmen einer Lohnsteueranrufungsauskunft zur Pr&uuml;fung gestellten Sachverhalt zutreffend zu erfassen. Das Gebot der Durchf&uuml;hrung eines fairen Verwaltungsverfahrens fordert auch, dass die Beh&ouml;rde keine Auskunft erteilt, die offensichtlich nicht mit dem Gesetz oder der h&ouml;chstrichterlichen Rechtsprechung &#8211;soweit sie von der Finanzverwaltung angewandt wird, d.h. kein Nichtanwendungserlass besteht&#8211; in Einklang steht. Anhand dieses Ma&szlig;stabs hat das FG die sachliche Richtigkeit einer erteilten Auskunft zu pr&uuml;fen. Einer umfassenden inhaltlichen &Uuml;berpr&uuml;fung durch das FG bedarf es nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im &Uuml;brigen w&uuml;rden dadurch Streitigkeiten &#8211;insbesondere aus dem Haftungsverfahren&#8211; in das Anrufungsverfahren verlagert. Es ist jedoch nicht dessen Aufgabe, ungekl&auml;rte Rechtsfragen (auch f&uuml;r das Veranlagungsverfahren des Arbeitnehmers) abschlie&szlig;end zu beantworten oder die &Uuml;bereinstimmung von Verwaltungsanweisungen mit dem Gesetz zu &uuml;berpr&uuml;fen. Denn gemessen an der Regelungsaussage dient die Lohnsteueranrufungsauskunft vornehmlich der Vermeidung des Haftungsrisikos des Arbeitgebers, soweit er ihren Inhalt den von ihm einzureichenden Lohnsteueranmeldungen zugrunde legt. Sie bezweckt hingegen nicht, ihm das Prozessrisiko abzunehmen, falls er nicht nach dem Inhalt der Auskunft verfahren will. In diesem Fall muss er vielmehr seine Rechtsauffassung im Wege des Steueranmeldungs- bzw. Haftungsverfahrens durchsetzen. Dabei verkennt der Senat nicht, dass der Arbeitgeber als Entrichtungspflichtiger f&uuml;r Lohnsteuerzwecke vom Fiskus in Anspruch genommen wird (zu den einschl&auml;gigen Arbeitgeberpflichten vgl. auch Dr&uuml;en, Finanz-Rundschau 2004, 1134&nbsp;ff.) und damit ein latentes Zahlungs- und Haftungsrisiko tr&auml;gt und dass er ferner in F&auml;llen, in denen streitig ist, ob er &uuml;berhaupt Arbeitnehmer (oder Selbstst&auml;ndige) besch&auml;ftigt, zun&auml;chst durch eine entsprechende Infrastruktur belastet ist. Diese Lasten verlangen jedoch f&uuml;r den Arbeitgeber im Bereich des &sect;&nbsp;42e EStG nicht eine in vollem Umfang inhaltlich &uuml;berpr&uuml;fbare Lohnsteueranrufungsauskunft, sondern lediglich einen Rechtsschutz, der nicht schw&auml;cher ausf&auml;llt als der im Rahmen einer verbindlichen Auskunft nach &sect;&nbsp;89 Abs.&nbsp;2 der Abgabenordnung (Senatsurteil in BFHE 225, 50, BStBl II 2010, 996). Dem ist vorliegend nicht zuletzt zur Vermeidung von Wertungswiderspr&uuml;chen Rechnung zu tragen. Denn das FG pr&uuml;ft auch den Inhalt einer erteilten verbindlichen Auskunft nur darauf, ob die gegenw&auml;rtige rechtliche Einordnung des &#8211;zutreffend erfassten&#8211; zur Pr&uuml;fung gestellten Sachverhalts in sich schl&uuml;ssig und nicht evident rechtsfehlerhaft ist (BFH-Urteil in BFHE 237, 9, BStBl II 2012, 651).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Schlie&szlig;lich tr&auml;gt dieses Verst&auml;ndnis der Lohnsteueranrufungsauskunft auch dem Grundsatz der Gewaltenteilung in besonderer Weise Rechnung. Es entspricht dem Wesen einer Auskunft, dass sie die Rechtsauffassung der sie erteilenden Stelle, mithin der Finanzbeh&ouml;rde, beinhaltet. W&uuml;rde bereits in diesem Stadium des Steuererhebungsverfahrens eine vollumf&auml;ngliche inhaltliche &Uuml;berpr&uuml;fung der von der Beh&ouml;rde ge&auml;u&szlig;erten rechtlichen Beurteilung erfolgen, so w&uuml;rde die Finanzbeh&ouml;rde im Wege der Anrufungsauskunft durch das FG verpflichtet, eine beh&ouml;rdliche Auskunft zu erteilen, die nicht ihrer Rechtsauffassung entspricht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Nach den angef&uuml;hrten Rechtsgrunds&auml;tzen hatte die Kl&auml;gerin vorliegend keinen Anspruch auf die Erteilung einer Auskunft mit dem von ihr begehrten Inhalt. Im Streitfall hatte die Finanzbeh&ouml;rde auf der Grundlage des ihr in der Anrufungsauskunft zur Pr&uuml;fung vorgelegten Sachverhalts eine Auskunft &uuml;ber den Zufluss k&uuml;nftig f&auml;llig werdenden Arbeitslohns bei Gutschrift auf dem Zeitwertkonto eines Organs einer K&ouml;rperschaft (vgl. BMF-Schreiben in BStBl I 2009, 1286) zu erteilen, die auch bisher von der h&ouml;chstrichterlichen Rechtsprechung noch nicht gekl&auml;rte Rechtsfragen betrifft. Die ihr zur Pr&uuml;fung gestellten Fragen beantworteten sich damit weder ohne weiteres aus dem Gesetz noch aufgrund vorhandener st&auml;ndiger Rechtsprechung. Die Beh&ouml;rde hat auf der Grundlage des vorgetragenen Sachverhalts eine Auffassung &uuml;ber die lohnsteuerrechtlichen Pflichten der Kl&auml;gerin vertreten, die weder ersichtlich dem Gesetz noch der h&ouml;chstrichterlichen Rechtsprechung widerspricht. Da die erteilte Auskunft danach den Anforderungen an eine Lohnsteueranrufungsauskunft nach &sect;&nbsp;42e EStG entsprach, konnte eine Verpflichtungsklage auf Erteilung der begehrten f&uuml;r die Kl&auml;gerin g&uuml;nstigen Lohnsteueranrufungsauskunft keinen Erfolg haben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung folgt aus &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 27.2.2014, VI R 26\/12 Teilweise inhaltsgleich mit BFH-Urteil vom 27.2.2014 VI R 23\/13; Lohnsteueranrufungsauskunft; Regelungsgehalt; gerichtliche Inhaltskontrolle; Wiedereinsetzung bei Verz&ouml;gerungen bei der Briefbef&ouml;rderung Tatbestand 1&nbsp; I. Streitig ist die Rechtm&auml;&szlig;igkeit einer Lohnsteueranrufungsauskunft nach &sect;&nbsp;42e des Einkommensteuergesetzes (EStG). 2&nbsp; Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin), eine GmbH, ist pers&ouml;nlich haftende Gesellschafterin der X-GmbH &#038; &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-26-12-teilweise-inhaltsgleich-mit-bfh-urteil-vom-2722014-vi-r-23-13-lohnsteueranrufungsauskunft-regelungsgehalt-gerichtliche-inhaltskontrolle-wiedereinsetzung-bei-verzoegerungen-bei-der-briefbefo\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VI&nbsp;R&nbsp;26\/12 &#8211; Teilweise inhaltsgleich mit BFH-Urteil vom 27.2.2014 VI R 23\/13; Lohnsteueranrufungsauskunft; Regelungsgehalt; gerichtliche Inhaltskontrolle; Wiedereinsetzung bei Verz&ouml;gerungen bei der Briefbef&ouml;rderung<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-62804","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/62804","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=62804"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/62804\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=62804"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=62804"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=62804"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}