{"id":63093,"date":"2014-08-07T09:19:13","date_gmt":"2014-08-07T07:19:13","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=63093"},"modified":"2014-08-07T09:19:13","modified_gmt":"2014-08-07T07:19:13","slug":"ii-r-51-12-mittelbare-anteilsvereinigung-bei-grundbesitzender-gmbh-co-kg-kriterien-zur-bestimmung-einer-unmittelbaren-bzw-mittelbaren-beteiligung-an-grundbesitzender-personengesellschaft-is-des-par-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-51-12-mittelbare-anteilsvereinigung-bei-grundbesitzender-gmbh-co-kg-kriterien-zur-bestimmung-einer-unmittelbaren-bzw-mittelbaren-beteiligung-an-grundbesitzender-personengesellschaft-is-des-par-4\/","title":{"rendered":"II&nbsp;R&nbsp;51\/12 &#8211; Mittelbare Anteilsvereinigung bei grundbesitzender GmbH &#038; Co. KG &#8211; Kriterien zur Bestimmung einer unmittelbaren bzw. mittelbaren Beteiligung an grundbesitzender Personengesellschaft i.S. des &sect; 1 Abs. 3 Nr. 1 GrEStG"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 12.3.2014, II R 51\/12<\/p>\n<p class=\"titel\">Mittelbare Anteilsvereinigung bei grundbesitzender GmbH &#038; Co. KG &#8211; Kriterien zur Bestimmung einer unmittelbaren bzw. mittelbaren Beteiligung an grundbesitzender Personengesellschaft i.S. des &sect; 1 Abs. 3 Nr. 1 GrEStG<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Verkauft ein Kommanditist einer grundbesitzenden GmbH &#038; Co. KG seine Gesellschaftsbeteiligung an den einzigen anderen Kommanditisten und ist die KG die einzige Gesellschafterin ihrer Komplement&auml;r-GmbH, ist &#8211;vorbehaltlich einer Besteuerung nach &sect; 1 Abs. 2a GrEStG&#8211; der Tatbestand einer Anteilsvereinigung nach &sect; 1 Abs. 3 Nr. 1 GrEStG erf&uuml;llt.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin), eine GmbH, war als Kommanditistin zu 60&nbsp;% am Gesellschaftsverm&ouml;gen der grundbesitzenden &#8230; GmbH &#038; Co. KG (KG) beteiligt. Einziger weiterer Kommanditist war F. Die Komplement&auml;r-GmbH (D-GmbH) war weder berechtigt noch verpflichtet, eine Einlage zu leisten. Einzige Gesellschafterin der D-GmbH war die KG. Diese Beteiligungsverh&auml;ltnisse bestanden mindestens seit dem 1.&nbsp;Januar 1999.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Vertrag vom 22.&nbsp;Dezember 2004 verkaufte F seine Kommanditbeteiligung an der KG an die Kl&auml;gerin. Der Vertrag wurde der Grunderwerbsteuerstelle des Beklagten und Revisionskl&auml;gers (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) im Mai 2008 bekannt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA nahm an, dass der Vertrag vom 22.&nbsp;Dezember 2004 gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 des Grunderwerbsteuergesetzes (GrEStG) der Grunderwerbsteuer unterliege, und setzte demgem&auml;&szlig; gegen die Kl&auml;gerin auf der Grundlage des gesondert festgestellten Grundbesitzwertes von 2.945.500&nbsp;EUR durch Bescheid vom 11.&nbsp;Januar 2010 Grunderwerbsteuer in H&ouml;he von 103.092&nbsp;EUR fest. Der Einspruch blieb erfolglos. Das FA erkl&auml;rte lediglich die Festsetzung der Grunderwerbsteuer gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;165 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 der Abgabenordnung f&uuml;r vorl&auml;ufig hinsichtlich der Frage, ob die Heranziehung der Grundbesitzwerte i.S. des &sect;&nbsp;138 des Bewertungsgesetzes als Bemessungsgrundlage f&uuml;r die Grunderwerbsteuer verfassungsgem&auml;&szlig; ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>W&auml;hrend des Klageverfahrens setzte das FA die Grunderwerbsteuer durch Bescheid vom 13.&nbsp;Februar 2012 auf 41.237&nbsp;EUR herab. Zur Begr&uuml;ndung f&uuml;hrte es aus, die Grunderwerbsteuer werde nach &sect;&nbsp;6 Abs.&nbsp;2 GrEStG in H&ouml;he des urspr&uuml;nglichen Anteils der Kl&auml;gerin an der KG von 60&nbsp;% nicht erhoben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) gab der auf Aufhebung der Steuerfestsetzungen gerichteten Klage mit der Begr&uuml;ndung statt, der Vertrag vom 22.&nbsp;Dezember 2004 erf&uuml;lle nicht die Voraussetzungen des &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 GrEStG. Die Beteiligung der KG an der D-GmbH k&ouml;nne der Kl&auml;gerin nicht zugerechnet werden. Das Urteil des FG ist in Entscheidungen der Finanzgerichte 2013, 952 ver&ouml;ffentlicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gt das FA Verletzung des &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 GrEStG. Die Voraussetzungen dieser Vorschrift seien aufgrund des Vertrags vom 22.&nbsp;Dezember 2004 erf&uuml;llt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, die Vorentscheidung aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt, die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Abweisung der Klage (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Entgegen der Ansicht des FG wurde der Tatbestand des &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 GrEStG durch den Vertrag vom 22.&nbsp;Dezember 2004 verwirklicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 GrEStG unterliegt der Grunderwerbsteuer u.a. ein Rechtsgesch&auml;ft, das den Anspruch auf &Uuml;bertragung eines oder mehrerer Anteile einer grundbesitzenden Gesellschaft begr&uuml;ndet, wenn durch die &Uuml;bertragung unmittelbar oder mittelbar mindestens 95&nbsp;% der Anteile der Gesellschaft in der Hand des Erwerbers allein vereinigt werden w&uuml;rden, soweit eine Besteuerung nach &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;2a GrEStG nicht in Betracht kommt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die Steuerbarkeit wird nur durch den Erwerb des letzten Anteils ausgel&ouml;st. Dabei ist der Vorgang, der zum Erwerb dieses Anteils f&uuml;hrt, zwar das die Steuer ausl&ouml;sende Moment. Gegenstand der Steuer ist aber nicht der Anteilserwerb als solcher, sondern die durch ihn begr&uuml;ndete Zuordnung von mindestens 95&nbsp;% der Anteile in einer Hand. Mit dem Anteilserwerb wird grunderwerbsteuerrechtlich derjenige, in dessen Hand sich die Anteile vereinigen, so behandelt, als habe er die Grundst&uuml;cke von der Gesellschaft erworben, deren Anteile sich in seiner Hand vereinigen (Urteile des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 11.&nbsp;Juni 2013 II&nbsp;R&nbsp;52\/12, BFHE 241, 419, BStBl II 2013, 752, m.w.N., und vom 18.&nbsp;September 2013 II&nbsp;R&nbsp;21\/12, BFH\/NV 2014, 450, Rz&nbsp;9). Die Anteilsvereinigung kann auch dadurch erfolgen, dass der Erwerber die Anteile an der grundbesitzenden Gesellschaft teils unmittelbar und teils mittelbar erwirbt (BFH-Urteil in BFH\/NV 2014, 450, Rz&nbsp;9, m.w.N.; vgl. unten II.1.c&nbsp;bb).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Der Erwerber erwirbt einen Anteil an der grundbesitzenden Gesellschaft dann unmittelbar, wenn er zivilrechtlich Gesellschafter dieser Gesellschaft wird (BFH-Urteil in BFH\/NV 2014, 450, Rz&nbsp;10).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Beim mittelbaren Anteilserwerb, also einem Anteilserwerb, bei dem der Erwerber selbst nicht Gesellschafter der grundbesitzenden Gesellschaft wird, scheidet eine Ankn&uuml;pfung an das Zivilrecht aus, da es keine Regelungen f&uuml;r einen mittelbaren Anteilserwerb vorsieht (BFH-Urteil in BFH\/NV 2014, 450, Rz&nbsp;11; ebenso zu &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;2a GrEStG BFH-Urteil vom 24.&nbsp;April 2013 II&nbsp;R&nbsp;17\/10, BFHE 241, 53, BStBl II 2013, 833, Rz&nbsp;13&nbsp;ff.). Unter welchen Voraussetzungen ein mittelbarer Anteilserwerb vorliegt, ist unter Ber&uuml;cksichtigung von Wortlaut sowie Sinn und Zweck des &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 GrEStG zu beurteilen. Entscheidend kommt es auf die rechtlich begr&uuml;ndeten Einflussm&ouml;glichkeiten auf die grundbesitzende Gesellschaft an (BFH-Urteil in BFH\/NV 2014, 450, Rz&nbsp;12).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Ist die grundbesitzende Gesellschaft eine Kapitalgesellschaft, setzt ein mittelbarer Anteilserwerb, der zu einer Anteilsvereinigung beitragen oder f&uuml;hren kann, voraus, dass der Anteilserwerber sowohl bei der zwischengeschalteten Gesellschaft (Zwischengesellschaft) oder bei den Zwischengesellschaften als auch bei der grundbesitzenden Gesellschaft selbst in grunderwerbsteuerrechtlich erheblicher Weise die rechtliche M&ouml;glichkeit hat, seinen Willen durchzusetzen. Dies ist beispielsweise bei Vorhandensein einer einzigen Zwischengesellschaft der Fall, wenn der Anteilserwerber mindestens 95&nbsp;% der Anteile an der Zwischengesellschaft h&auml;lt und diese ihrerseits zu mindestens 95&nbsp;% an der grundbesitzenden Gesellschaft beteiligt ist. Ist eine weitere Zwischengesellschaft vorhanden, gen&uuml;gt es, wenn der Anteilserwerber mindestens 95&nbsp;% der Anteile an der ersten Zwischengesellschaft h&auml;lt, diese zu mindestens 95&nbsp;% an der zweiten Zwischengesellschaft und diese wiederum zu mindestens 95&nbsp;% an der grundbesitzenden Gesellschaft beteiligt ist. Entsprechendes gilt auch bei weiteren Zwischengesellschaften (BFH-Urteil in BFH\/NV 2014, 450, Rz&nbsp;13).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Sind diese Voraussetzungen erf&uuml;llt, wird die Beteiligung der Gesellschaft, die Gesellschafterin der grundbesitzenden Gesellschaft ist, f&uuml;r Zwecke des &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 (und Nr.&nbsp;2) GrEStG dem Anteilserwerber als mittelbare Beteiligung an der grundbesitzenden Gesellschaft zugerechnet (BFH-Urteil in BFH\/NV 2014, 450, Rz&nbsp;14). Insoweit gelten f&uuml;r &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 (und Nr.&nbsp;2) GrEStG dieselben Grunds&auml;tze wie f&uuml;r &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;3 (und Nr.&nbsp;4) GrEStG (BFH-Urteil in BFH\/NV 2014, 450, Rz&nbsp;15). Der Gesetzgeber geht mit der Absenkung der Mindestbeteiligungsquote auf 95&nbsp;% durch Art.&nbsp;15 Nr.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;b des Steuerentlastungsgesetzes 1999\/2000\/2002 (StEntlG 1999\/2000\/ 2002) vom 24.&nbsp;M&auml;rz 1999 (BGBl I 1999, 402) f&uuml;r Zwecke der Grunderwerbsteuer typisierend davon aus, dass der Anteilserwerber mit dem Erreichen dieser Quote in grunderwerbsteuerrechtlich erheblicher Weise die rechtliche M&ouml;glichkeit hat, seinen Willen &#8211;wenn auch &uuml;ber so viele Stufen, wie zumindest 95&nbsp;%ige Beteiligungen an Zwischengesellschaften vorhanden sind&#8211; bei der grundbesitzenden Gesellschaft durchzusetzen (BFH-Urteil in BFH\/NV 2014, 450, Rz&nbsp;16, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Diese Grunds&auml;tze gelten im Wesentlichen auch dann, wenn es sich bei der grundbesitzenden Gesellschaft um eine Personengesellschaft handelt, allerdings mit folgenden Besonderheiten:<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(1) Als &quot;Anteil&quot; i.S. des &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 GrEStG ist die gesellschaftsrechtliche Beteiligung an der Personengesellschaft zu verstehen, d.h. die aus der Mitgliedschaft in der Personengesellschaft folgende gesamth&auml;nderische Mitberechtigung hinsichtlich des (aktiven) Gesellschaftsverm&ouml;gens. Eine Beteiligung an der Personengesellschaft in diesem Sinne hat auch derjenige Gesellschafter inne, der keinen Anteil am Gesellschafts<em>kapital<\/em> h&auml;lt. Ein solcher Gesellschafter ohne kapitalm&auml;&szlig;ige Beteiligung ist zwar am <em>Wert<\/em> des Gesellschaftsverm&ouml;gens nicht beteiligt, wohl aber ist er gesamth&auml;nderischer Mitinhaber der zum (aktiven) Gesellschaftsverm&ouml;gen geh&ouml;renden Sachen, Forderungen und Rechte. Die Beteiligung an der Gesamthandsgemeinschaft ist n&auml;mlich mit der Mitgliedschaft in der Personengesellschaft notwendigerweise und untrennbar verbunden, ohne dass es darauf ankommt, ob das Kapitalkonto des betreffenden Gesellschafters positiv oder negativ ist oder ob ein Kapitalkonto mangels kapitalm&auml;&szlig;iger Beteiligung des Gesellschafters &uuml;berhaupt nicht existiert (BFH-Urteile vom 26.&nbsp;Juli 1995 II&nbsp;R&nbsp;68\/92, BFHE 178, 231, BStBl II 1995, 736, und II&nbsp;R&nbsp;67\/92, BFH\/NV 1996, 171; vgl. ferner BFH-Urteil vom 19.&nbsp;Oktober 1995 II&nbsp;R&nbsp;63\/92, BFH\/NV 1996, 433).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Diese Auslegung des Begriffs &quot;Anteil an einer Personengesellschaft&quot; i.S. des &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 GrEStG folgt aus dem Sinn und Zweck der in dieser Vorschrift statuierten Steuertatbest&auml;nde. Diese zielen ebenso wie die &uuml;brigen Tatbest&auml;nde des &sect;&nbsp;1 GrEStG darauf ab, Vorg&auml;nge zu erfassen, die auf den Erwerb eines bisher einem anderen (Rechtstr&auml;ger) geh&ouml;renden Grundst&uuml;cks gerichtet sind. So geht es auch in &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 GrEStG nicht darum, gesellschaftsrechtliche Vorg&auml;nge zu besteuern, sondern <em>fingierte<\/em> Grundst&uuml;ckserwerbe (BFH-Urteile in BFHE 178, 231, BStBl II 1995, 736, und in BFH\/NV 1996, 171). Bei einer Personengesellschaft kann der Anteilserwerb dem Erwerb des der Gesellschaft geh&ouml;renden Grundbesitzes nicht allein deshalb gleichgestellt werden, weil der einzige andere verbliebene Gesellschafter wertm&auml;&szlig;ig nicht an der Gesellschaft beteiligt ist. Entscheidend ist vielmehr, dass der andere Gesellschafter notwendigerweise ebenfalls zur gesamten Hand am Gesellschaftsverm&ouml;gen beteiligt ist und deshalb der einzelne Gesellschafter nur Mitberechtigter ist. Dem einzelnen Gesellschafter ist es gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;719 Abs.&nbsp;1 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs verwehrt, &uuml;ber seinen Anteil am Gesellschaftsverm&ouml;gen und an den einzelnen dazu geh&ouml;renden Gegenst&auml;nden zu verf&uuml;gen. Die Gesellschafter k&ouml;nnen vielmehr nur gemeinsam &#8211;&quot;zur gesamten Hand&quot;&#8211; solche Verf&uuml;gungen treffen. Dies ist im Rahmen der Erwerbsvorg&auml;nge nach &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 GrEStG entscheidend (BFH-Urteile in BFHE 178, 231, BStBl II 1995, 736, und in BFH\/NV 1996, 171).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>An dieser Beurteilung hat sich durch die Absenkung der f&uuml;r die Anwendung des &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 GrEStG erforderlichen Mindestbeteiligungsquote auf 95&nbsp;% durch Art.&nbsp;15 Nr.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;b StEntlG 1999\/2000\/2002 nichts ge&auml;ndert. Die Ankn&uuml;pfung der Vorschrift an die &quot;Anteile der Gesellschaft&quot; blieb durch die Gesetzes&auml;nderung unber&uuml;hrt (Pahlke in Pahlke\/Franz, Grunderwerbsteuergesetz, Kommentar, 4.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;1 Rz&nbsp;323).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(2) Diese f&uuml;r grundbesitzende Personengesellschaften geltenden Besonderheiten beziehen sich nur auf die unmittelbare Beteiligung an der Personengesellschaft als Gesellschafter. Sie wirken sich auf die mittelbaren Beteiligungsebenen nicht aus. Handelt es sich bei einer Zwischengesellschaft um eine Personengesellschaft, ist diese im Hinblick auf &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 GrEStG ebenso zu behandeln wie eine zwischengeschaltete Kapitalgesellschaft. Bei einer solchen Personengesellschaft kommt es nicht auf die Beteiligung aller Gesellschafter am Gesamthandsverm&ouml;gen, sondern auf die Beteiligung am Gesellschaftskapital an. F&uuml;r eine unterschiedliche Behandlung von zwischengeschalteten Personen- und Kapitalgesellschaften gibt es auch unter Ber&uuml;cksichtigung des allgemeinen Gleichheitssatzes (Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 des Grundgesetzes) keine Grundlage. Der Sinn und Zweck des &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 GrEStG w&uuml;rde vielmehr verfehlt, wenn man insoweit zwischen Personen- und Kapitalgesellschaften unterscheiden w&uuml;rde. Dabei sind dieselben Erw&auml;gungen ma&szlig;gebend wie f&uuml;r eigene Gesellschaftsanteile, die eine Kapitalgesellschaft als Zwischengesellschaft oder grundbesitzende Gesellschaft selbst h&auml;lt, sowie f&uuml;r wechselseitige Beteiligungen, die nach dem BFH-Urteil in BFH\/NV 2014, 450 bei der Pr&uuml;fung, ob die in &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 GrEStG vorgeschriebene Quote von 95&nbsp;% durch eine unmittelbare oder mittelbare Anteilsvereinigung erreicht ist, unber&uuml;cksichtigt bleiben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(3) Ist wie im Streitfall eine grundbesitzende KG zugleich alleinige Gesellschafterin ihrer Komplement&auml;r-GmbH, ist demgem&auml;&szlig; wie folgt zu unterscheiden: Soweit es um die unmittelbare Beteiligung an der KG als Gesellschafter geht, kommt es im Hinblick auf &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 GrEStG auf die zivilrechtliche Beteiligung am Gesamthandsverm&ouml;gen an. Bei der Beurteilung der Frage, ob eine durch die KG als Gesellschafterin der Komplement&auml;r-GmbH und die Komplement&auml;r-GmbH als Gesellschafterin der KG vermittelte (mittelbare) Beteiligung an der KG besteht, ist demgegen&uuml;ber die im Innenverh&auml;ltnis bestehende Beteiligung der Gesellschafter am Gesellschaftskapital der KG ma&szlig;gebend.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Voraussetzungen des &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 GrEStG wurden demnach im Streitfall zwar nicht bereits durch eine unmittelbare Anteilsvereinigung in der Hand der Kl&auml;gerin erf&uuml;llt. Einer unmittelbaren Anteilsvereinigung steht die Beteiligung der D-GmbH am Gesamthandsverm&ouml;gen der KG entgegen. Es liegt aber eine teils unmittelbare und teils mittelbare Anteilsvereinigung vor, weil die Kl&auml;gerin nach dem Kaufvertrag die einzige Kommanditistin der KG werden sollte und ihr zudem die Beteiligung der D-GmbH am Gesamthandsverm&ouml;gen der KG zuzurechnen war. Die Kl&auml;gerin war n&auml;mlich nach Erf&uuml;llung des Vertrags am Gesellschaftskapital der KG als Zwischengesellschaft zu 100&nbsp;% beteiligt. Die KG war Alleingesellschafterin der D-GmbH. Es ist daher ohne R&uuml;cksicht auf die im Gesellschaftsvertrag der KG getroffenen Regelungen davon auszugehen, dass die Kl&auml;gerin ihren Willen in grunderwerbsteuerrechtlich erheblicher Weise bei der KG durchsetzen konnte; denn sie hat einerseits unmittelbar als Gesellschafterin der KG und andererseits mittelbar &uuml;ber die KG und die D-GmbH als Zwischengesellschaften alle ihr nicht bereits vor Abschluss des Kaufvertrags geh&ouml;renden Anteile am Gesamthandsverm&ouml;gen der KG erworben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Da das FG eine andere Ansicht vertreten hat, war die Vorentscheidung aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Sache ist spruchreif. Die Voraussetzungen des &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 GrEStG wurden durch den Kaufvertrag vom 22.&nbsp;Dezember 2004 erf&uuml;llt. Der Anwendbarkeit dieser Vorschrift steht deren Subsidiarit&auml;t gegen&uuml;ber &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;2a GrEStG nicht entgegen. Die Voraussetzungen dieser Vorschrift sind nicht erf&uuml;llt. Bei der KG ist es nicht innerhalb von f&uuml;nf Jahren zu dem nach der Vorschrift erforderlichen Wechsel des Gesellschafterbestandes zu mindestens 95&nbsp;% der Anteile am Gesellschaftsverm&ouml;gen gekommen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 12.3.2014, II R 51\/12 Mittelbare Anteilsvereinigung bei grundbesitzender GmbH &#038; Co. KG &#8211; Kriterien zur Bestimmung einer unmittelbaren bzw. mittelbaren Beteiligung an grundbesitzender Personengesellschaft i.S. des &sect; 1 Abs. 3 Nr. 1 GrEStG Leits&auml;tze Verkauft ein Kommanditist einer grundbesitzenden GmbH &#038; Co. KG seine Gesellschaftsbeteiligung an den einzigen anderen Kommanditisten und ist &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-51-12-mittelbare-anteilsvereinigung-bei-grundbesitzender-gmbh-co-kg-kriterien-zur-bestimmung-einer-unmittelbaren-bzw-mittelbaren-beteiligung-an-grundbesitzender-personengesellschaft-is-des-par-4\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">II&nbsp;R&nbsp;51\/12 &#8211; Mittelbare Anteilsvereinigung bei grundbesitzender GmbH &#038; Co. 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