{"id":63393,"date":"2014-09-11T11:10:41","date_gmt":"2014-09-11T09:10:41","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=63393"},"modified":"2014-09-11T11:10:53","modified_gmt":"2014-09-11T09:10:53","slug":"vii-b-8-14-anspruch-auf-terminsverlegung-nur-bei-unverschuldeter-mandatsniederlegung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-b-8-14-anspruch-auf-terminsverlegung-nur-bei-unverschuldeter-mandatsniederlegung\/","title":{"rendered":"VII&nbsp;B&nbsp;8\/14 &#8211; Anspruch auf Terminsverlegung nur bei unverschuldeter Mandatsniederlegung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 4.6.2014, VII B 8\/14<\/p>\n<p class=\"titel\">Anspruch auf Terminsverlegung nur bei unverschuldeter Mandatsniederlegung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) wurde vom Beklagten und Beschwerdegegner (Finanzamt) wegen seiner Beteiligung an einem Umsatzsteuerhinterziehungssystem nach &sect;&nbsp;71 der Abgabenordnung als Haftungsschuldner in Anspruch genommen. Sein Einspruch f&uuml;hrte zu einer Teilr&uuml;cknahme des Haftungsbescheids und zu einer Herabsetzung der Haftungssumme. Die Klage hatte keinen Erfolg. Am Tag vor der m&uuml;ndlichen Verhandlung teilte die Prozessbevollm&auml;chtigte des Kl&auml;gers dem Finanzgericht (FG) schriftlich mit, das Mandat werde mit sofortiger Wirkung niedergelegt und eine Terminsverlegung beantragt. Noch am selben Tag lehnte das FG den Antrag mit der Begr&uuml;ndung ab, ein erheblicher Grund f&uuml;r eine Terminsverlegung liege nicht vor. In dem Antrag fehlten jegliche Angaben, anhand derer ein fehlendes Verschulden des Kl&auml;gers an der Mandatsniederlegung &uuml;berpr&uuml;ft werden k&ouml;nnte. An der m&uuml;ndlichen Verhandlung hat der Kl&auml;ger teilgenommen und ebenfalls eine Terminsverlegung beantragt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG entsprach dem Antrag jedoch nicht. Zur Begr&uuml;ndung f&uuml;hrte es aus, ein erheblicher Grund f&uuml;r eine Verlegung bzw. Vertagung liege nicht vor. Der Kl&auml;ger sei im Zeitpunkt der m&uuml;ndlichen Verhandlung noch anwaltlich vertreten gewesen. Den Grund f&uuml;r die Mandatsniederlegung habe er weder von seiner Prozessbevollm&auml;chtigten darlegen lassen noch selbst hierzu vorgetragen. In der m&uuml;ndlichen Verhandlung habe er lediglich erkl&auml;rt, dass Vorsch&uuml;sse f&uuml;r Reisekostenerstattungen m&ouml;glicherweise nicht rechtzeitig bei der Prozessbevollm&auml;chtigten eingegangen seien. Wenn diese Vermutung zutr&auml;fe, h&auml;tte er die Mandatsniederlegung selbst verschuldet. Vor oder noch w&auml;hrend der Anreise zum Termin habe er ausreichend Gelegenheit gehabt, mit seiner Prozessbevollm&auml;chtigten Kontakt aufzunehmen und mit ihr &uuml;ber die Gr&uuml;nde f&uuml;r die Mandatsniederlegung zu sprechen. Da es an einer nachvollziehbaren Darlegung der Gr&uuml;nde fehle, komme es auf weitere im Rahmen der Entscheidung &uuml;ber den Verlegungsantrag zu pr&uuml;fende Gr&uuml;nde nicht an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit seiner Beschwerde begehrt der Kl&auml;ger die Zulassung der Revision wegen eines Verfahrensmangels (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Durch die Ablehnung des Antrags auf Terminsverlegung habe das FG ihm die M&ouml;glichkeit zur Verschaffung eines qualifizierten rechtlichen Geh&ouml;rs genommen und damit den Geh&ouml;rsanspruch verletzt (Art.&nbsp;103 Abs.&nbsp;1 des Grundgesetzes). F&uuml;r ihn sei die Niederlegung des Mandats &#8211;&uuml;ber die er erst von seiner Lebensgef&auml;hrtin am sp&auml;teren Nachmittag des Tages vor dem anberaumten Verhandlungstermin in Kenntnis gesetzt worden sei&#8211; unerwartet gewesen, so dass sie zur Unzeit erfolgt sei. Da er sich in Haft befunden habe, sei es nicht m&ouml;glich gewesen, rechtzeitig Aufschluss &uuml;ber die Gr&uuml;nde der Mandatsniederlegung zu erlangen. Auch habe ihm nicht ausreichend Zeit zur Verf&uuml;gung gestanden, um sich auf den Gerichtstermin vorzubereiten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde hat keinen Erfolg. Bei Zweifeln an der ausreichenden Darlegung des geltend gemachten Zulassungsgrundes liegt der behauptete Verfahrensmangel jedenfalls nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Zwar kann die einen Verfahrensmangel darstellende Verletzung des Anspruchs auf Gew&auml;hrung rechtlichen Geh&ouml;rs auch in einer unzutreffenden Behandlung eines Antrags auf Aufhebung bzw. Verlegung des anberaumten Termins zur m&uuml;ndlichen Verhandlung gesehen werden (Senatsbeschluss vom 3.&nbsp;Februar 2003 VII&nbsp;B&nbsp;13\/02, BFH\/NV 2003, 797, m.w.N.), doch liegt im Streitfall ein solcher Verfahrensmangel nicht vor. Die Entscheidung des FG, die Antr&auml;ge auf Terminsverlegung abzulehnen, ist nicht zu beanstanden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;155 FGO i.V.m. &sect;&nbsp;227 der Zivilprozessordnung (ZPO) kann der Vorsitzende bzw. das FG aus erheblichen Gr&uuml;nden einen Termin aufheben oder verlegen bzw. eine m&uuml;ndliche Verhandlung vertagen. Die erheblichen Gr&uuml;nde f&uuml;r die begehrte Termins&auml;nderung sind auf Verlangen glaubhaft zu machen (&sect;&nbsp;227 Abs.&nbsp;2 ZPO). Dies gilt auch f&uuml;r den Fall einer Mandatsniederlegung. Eine solche kann ein erheblicher Grund f&uuml;r eine Terminsaufhebung sein, sofern in einer Sache, die in tats&auml;chlicher oder rechtlicher Hinsicht nicht einfach ist, ein Wechsel der Prozessbevollm&auml;chtigten stattfindet, den der Kl&auml;ger nicht verschuldet hat (Beschluss des Bundesfinanzhofs vom 31.&nbsp;Januar 2012 IV&nbsp;B&nbsp;22\/11, BFH\/NV 2012, 766). Ein am Vortag der m&uuml;ndlichen Verhandlung gestellter Antrag auf Terminsverlegung aufgrund einer Mandatsniederlegung muss mit einer nachvollziehbaren Begr&uuml;ndung versehen sein, die dem FG die Beurteilung der Frage erm&ouml;glicht, ob den Kl&auml;ger ein Verschulden an der Mandatsniederlegung trifft (Senatsbeschluss vom 27.&nbsp;Januar 2004 VII&nbsp;B&nbsp;66\/03, BFH\/NV 2004, 796).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Im Streitfall fehlt es an einer solchen Begr&uuml;ndung. Eine Begr&uuml;ndung f&uuml;r die Mandatsniederlegung hat die Prozessbevollm&auml;chtigte dem FG nicht mitgeteilt. Ausweislich des Verhandlungsprotokolls hat der Kl&auml;ger in der m&uuml;ndlichen Verhandlung lediglich ausgef&uuml;hrt, er k&ouml;nne sich allenfalls vorstellen, dass die Mandatsniederlegung mit finanziellen Forderungen zu tun habe und m&ouml;glicherweise Vorsch&uuml;sse f&uuml;r Reisekostenauslagen nicht rechtzeitig eingegangen seien. Mit diesem Vorbringen hat er keine Gr&uuml;nde geltend gemacht, die auf ein fehlendes Verschulden an der Mandatsniederlegung schlie&szlig;en lassen. Auch hat er nicht substantiiert dargelegt, warum ihm eine R&uuml;cksprache mit seiner Prozessbevollm&auml;chtigten nicht m&ouml;glich gewesen sein soll und ob er &uuml;berhaupt einen Versuch unternommen hat, mit ihr Kontakt aufzunehmen. Zu Recht hat das FG darauf hingewiesen, dass der pauschale Hinweis auf eingeschr&auml;nkte Kommunikationsm&ouml;glichkeiten infolge der Inhaftierung nicht als ausreichender Vortrag erachtet werden kann. Aber selbst wenn das Vorbringen des Kl&auml;gers als ausreichend gewertet werden k&ouml;nnte, w&uuml;rde es auf ein Verschulden an der Mandatsniederlegung hindeuten, so dass auch aus diesem Grund der Antrag auf Terminsverlegung zu Recht abgelehnt worden w&auml;re. Der von der Beschwerde behauptete Verfahrensmangel liegt demnach nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 4.6.2014, VII B 8\/14 Anspruch auf Terminsverlegung nur bei unverschuldeter Mandatsniederlegung Tatbestand 1&nbsp; I. Der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) wurde vom Beklagten und Beschwerdegegner (Finanzamt) wegen seiner Beteiligung an einem Umsatzsteuerhinterziehungssystem nach &sect;&nbsp;71 der Abgabenordnung als Haftungsschuldner in Anspruch genommen. 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