{"id":63592,"date":"2014-10-06T11:17:36","date_gmt":"2014-10-06T09:17:36","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=63592"},"modified":"2014-10-06T11:17:36","modified_gmt":"2014-10-06T09:17:36","slug":"ii-r-50-12-rueckgaengigmachung-eines-erwerbsvorgangs-bei-ausuebung-des-gesetzlichen-vorkaufsrechts-durch-einen-miterben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-50-12-rueckgaengigmachung-eines-erwerbsvorgangs-bei-ausuebung-des-gesetzlichen-vorkaufsrechts-durch-einen-miterben\/","title":{"rendered":"II&nbsp;R&nbsp;50\/12 &#8211; R&uuml;ckg&auml;ngigmachung eines Erwerbsvorgangs bei Aus&uuml;bung des gesetzlichen Vorkaufsrechts durch einen Miterben"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 9.7.2014, II R 50\/12<\/p>\n<p class=\"titel\">R&uuml;ckg&auml;ngigmachung eines Erwerbsvorgangs bei Aus&uuml;bung des gesetzlichen Vorkaufsrechts durch einen Miterben<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Ein Grundst&uuml;ckserwerb, der auf der &Uuml;bertragung von Anteilen an einer Erbengemeinschaft beruht, kann auch dadurch r&uuml;ckg&auml;ngig gemacht werden, dass ein Miterbe sein gesetzliches Vorkaufsrecht aus&uuml;bt und der Erwerber in Erf&uuml;llung seiner Verpflichtung aus &sect; 2035 Abs. 1 Satz 1 BGB die Erbteile unmittelbar auf den vorkaufsberechtigten Miterben &uuml;bertr&auml;gt.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Mit mehreren notariell beurkundeten Erbteilskaufvertr&auml;gen erwarb der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) zwischen Juni und Dezember 2006 insgesamt 337\/384 der Anteile an einer ungeteilten Erbengemeinschaft. Zum Nachlass geh&ouml;rten mehrere Grundst&uuml;cke. Auf dieser Grundlage stellte der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) zuletzt mit Bescheid vom 18.&nbsp;Oktober 2007 die Besteuerungsgrundlagen f&uuml;r die Grunderwerbsteuer unter dem Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung gesondert fest.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Eine weitere Miterbin (M) &uuml;bte im Sommer 2007 ihr gesetzliches Vorkaufsrecht gegen&uuml;ber dem Kl&auml;ger aus und machte ihren Anspruch auf Abtretung der Erbteile vor dem Landgericht geltend. Zur Beendigung des Rechtsstreits schlossen der Kl&auml;ger und M im November 2008 einen gerichtlichen Vergleich, mit dem der Kl&auml;ger die wirksame Aus&uuml;bung des Vorkaufsrechts durch M sowie die hieraus folgenden Anspr&uuml;che anerkannte und seine Anteile an der Erbengemeinschaft gegen Erstattung des gezahlten Kaufpreises, der anteiligen Guthaben aus dem Hausverwalterkonto sowie weiterer, durch die Erbteilskaufvertr&auml;ge entstandener Kosten auf M &uuml;bertrug.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Den Antrag des Kl&auml;gers, die Bescheide &uuml;ber die gesonderte Feststellung der Besteuerungsgrundlagen f&uuml;r die Grunderwerbsteuer nach &sect;&nbsp;16 des Grunderwerbsteuergesetzes (GrEStG) aufzuheben, lehnte das FA am 12.&nbsp;M&auml;rz 2009 ab. Der Einspruch blieb erfolglos. Mit Schreiben vom 10.&nbsp;September 2009 erkl&auml;rte der Kl&auml;ger hilfsweise den R&uuml;cktritt von den Erbteilskaufvertr&auml;gen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) wies die Klage mit der Begr&uuml;ndung ab, die Voraussetzungen f&uuml;r eine Anwendung des &sect;&nbsp;16 GrEStG seien nicht erf&uuml;llt. Dass der Kl&auml;ger die Anteile an der Erbengemeinschaft aufgrund der Aus&uuml;bung des Vorkaufsrechts auf M &uuml;bertragen habe, reiche f&uuml;r die Anwendung dieser Vorschrift nicht aus. Das Urteil ist in Entscheidungen der Finanzgerichte 2013, 142 ver&ouml;ffentlicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision vertritt der Kl&auml;ger die Ansicht, die Feststellungsbescheide seien in entsprechender Anwendung des &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 bzw. Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 GrEStG aufzuheben, da ihm wegen der &Uuml;bertragung der Anteile auf M keine Rechtsposition aus den Erbteilskaufvertr&auml;gen verblieben sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt, die Vorentscheidung aufzuheben und das FA unter Aufhebung der ablehnenden Verf&uuml;gung vom 12.&nbsp;M&auml;rz 2009 und der dazu ergangenen Einspruchsentscheidung vom 14.&nbsp;Juli 2009 zu verpflichten, die Bescheide &uuml;ber die gesonderte Feststellung der Besteuerungsgrundlagen f&uuml;r die Grunderwerbsteuer aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Verpflichtung des FA, die Bescheide &uuml;ber die gesonderte Feststellung der Besteuerungsgrundlagen f&uuml;r die Grunderwerbsteuer aufzuheben (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Entgegen der Auffassung des FG hat der Kl&auml;ger einen Anspruch auf Aufhebung der Feststellungsbescheide in entsprechender Anwendung des &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 GrEStG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Der Erwerb der Anteile an der Erbengemeinschaft durch den Kl&auml;ger f&uuml;hrte jeweils zu einem kraft Gesetzes eintretenden Ei-gentums&uuml;bergang an den zu dem Nachlass geh&ouml;renden Grundst&uuml;cken i.S. des &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 GrEStG (vgl. Urteile des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 17.&nbsp;Juli 1975 II&nbsp;R&nbsp;141\/74, BFHE 117, 270, BStBl II 1976, 159, und vom 27.&nbsp;M&auml;rz 1991 II&nbsp;R&nbsp;82\/87, BFHE 164, 473, BStBl II 1991, 731, sowie BFH-Beschluss vom 4.&nbsp;Februar 2004 II&nbsp;B&nbsp;147\/02, BFH\/NV 2004, 813).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die &Uuml;bertragung eines Erbteils bewirkt eine Ver&auml;nderung der eigentumsm&auml;&szlig;igen Zuordnung der zum Nachlass geh&ouml;renden Grundst&uuml;cke, ist aber keine Verf&uuml;gung &uuml;ber die Grundst&uuml;cke selbst (BFH-Urteil in BFHE 117, 270, BStBl II 1976, 159). Der Anteilserwerb vollzieht sich mit Abtretung der Erbteile ohne Auflassung und Eintragung im Grundbuch (vgl. Palandt\/Weidlich, B&uuml;rgerliches Gesetzbuch, 73.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;2033 Rz&nbsp;13; M&uuml;nchKommBGB\/Gergen, 6.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;2033 Rz&nbsp;12, m.w.N.; Pahlke, Grunderwerbsteuergesetz, Kommentar, 5.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;1 Rz&nbsp;180; Fischer in Boruttau, Grunderwerbsteuergesetz, 17.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;1 Rz&nbsp;566). Die Eintragung der Eigentums&auml;nderung in das Grundbuch ist als blo&szlig;e Grundbuchberichtigung (&sect;&nbsp;894 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs &#8211;BGB&#8211;, &sect;&nbsp;22 der Grundbuchordnung) f&uuml;r den Eigentums&uuml;bergang ohne Belang.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die gesonderte Feststellung der Besteuerungsgrundlagen f&uuml;r die Erbteilserwerbe des Kl&auml;gers ist jedoch in entsprechender Anwendung des &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 GrEStG aufzuheben. Diese Erwerbsvorg&auml;nge sind aufgrund der Aus&uuml;bung des gesetzlichen Vorkaufsrechts durch M und der &Uuml;bertragung der Erbteile auf M durch den gerichtlichen Vergleich vom November 2008 als r&uuml;ckg&auml;ngig gemacht anzusehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Erwirbt der Ver&auml;u&szlig;erer das Eigentum an dem ver&auml;u&szlig;erten Grundst&uuml;ck zur&uuml;ck, wird nach &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 GrEStG auf Antrag sowohl f&uuml;r den R&uuml;ckerwerb als auch f&uuml;r den vorausgegangenen Erwerbsvorgang die Steuerfestsetzung aufgehoben, wenn die Vertragsbedingungen des Rechtsgesch&auml;fts, das den Anspruch auf &Uuml;bereignung begr&uuml;ndet hat, nicht erf&uuml;llt werden und das Rechtsgesch&auml;ft deshalb aufgrund eines Rechtsanspruchs r&uuml;ckg&auml;ngig gemacht wird. Diese Vorschrift gilt auch f&uuml;r Feststellungsbescheide nach &sect;&nbsp;17 GrEStG und ist ferner &uuml;ber ihren Wortlaut hinaus auf Erwerbsvorg&auml;nge i.S. des &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 GrEStG anwendbar, die auf der &Uuml;bertragung von Anteilen an einer Erbengemeinschaft beruhen, wenn ein Miterbe sein gesetzliches Vorkaufsrecht aus&uuml;bt und der Erwerber in Erf&uuml;llung seiner Verpflichtung aus &sect;&nbsp;2035 Abs.&nbsp;1 Satz 1 BGB die Erbteile auf den vorkaufsberechtigten Miterben &uuml;bertr&auml;gt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Wie der BFH bereits entschieden hat, l&auml;sst sich aus der Vorschrift des &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 GrEStG der allgemeine Rechtsgedanke ableiten, dass in den F&auml;llen, in denen sich der Erwerber oder der Ver&auml;u&szlig;erer der R&uuml;ckg&auml;ngigmachung des Erwerbsvorgangs bzw. einer R&uuml;ck&uuml;bertragung des Grundst&uuml;cks aus Rechtsgr&uuml;nden nicht entziehen kann, also ein durchsetzbarer Anspruch besteht, die Steuer nicht festgesetzt bzw. die Steuerfestsetzung aufgehoben werden soll (BFH-Urteil vom 6.&nbsp;Februar 1980 II&nbsp;R&nbsp;7\/76, BFHE 130, 186, BStBl II 1980, 363). Dieser Grundsatz gilt in entsprechender Weise auch f&uuml;r einen Erbteilserwerb, der zur Erf&uuml;llung des Steuertatbestands des &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 GrEStG gef&uuml;hrt hat, da sich der Erwerber nach Aus&uuml;bung des Vorkaufsrechts der Herausgabe der Anteile an den vorkaufsberechtigten Miterben rechtlich nicht entziehen kann.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>&Uuml;bt ein vorkaufsberechtigter Miterbe nach &Uuml;bergang der Erbtei-le auf den Erbteilsk&auml;ufer sein gesetzliches Vorkaufsrecht aus (vgl. &sect;&nbsp;2035 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 BGB), entsteht zwischen dem Erbteilserwerber und dem das Vorkaufsrecht aus&uuml;benden Miterben ein gesetzliches Schuldverh&auml;ltnis (vgl. Urteil des Bundesgerichtshofs &#8211;BGH&#8211; vom 21.&nbsp;Oktober 1954 IV&nbsp;ZR&nbsp;128\/54, BGHZ 15, 102, sowie Urteil des Hanseatischen Oberlandesgerichts Hamburg &#8211;HansOLG Hamburg&#8211; vom 13.&nbsp;Juni 1961&nbsp;&nbsp;2&nbsp;U&nbsp;57\/61, Monatsschrift f&uuml;r Deutsches Recht &#8211;MDR&#8211; 1961, 851; Palandt\/ Weidlich, a.a.O., &sect;&nbsp;2034 Rz&nbsp;9). Gegen&uuml;ber dem Anteilsverk&auml;ufer erlischt das Vorkaufsrecht mit der &Uuml;bertragung des Miterbenanteils (&sect;&nbsp;2035 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 BGB). Der vorkaufsberechtigte Miterbe erwirbt mit Aus&uuml;bung des Vorkaufsrechts unmittelbar gegen den Erbteilsk&auml;ufer einen schuldrechtlichen Anspruch auf Abtretung der Erbteile Zug um Zug gegen Erstattung des gezahlten Kaufpreises und der durch den Erbteilskaufvertrag entstandenen Kosten (HansOLG Hamburg in MDR 1961, 851; Palandt\/Weidlich, a.a.O., &sect;&nbsp;2034 Rz&nbsp;9). Der vorkaufsverpflichtete Anteilsk&auml;ufer muss sich letztlich so behandeln lassen, als ob ein Erbteilskaufvertrag zwischen dem Anteilsverk&auml;ufer und dem vorkaufsberechtigten Miterben zustande gekommen w&auml;re, der auch ihm gegen&uuml;ber wirkt (BGH-Urteil in BGHZ 15, 102).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>&Uuml;bertr&auml;gt der Erwerber in einem solchen Fall die Miterbenanteile in Erf&uuml;llung seiner Verpflichtung aus &sect;&nbsp;2035 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 BGB und nicht aufgrund einer ihm aus dem Erbteilskaufvertrag verbleibenden Rechtsposition unmittelbar auf den das Vorkaufsrecht aus&uuml;benden Miterben, ist es gerechtfertigt, diesen Erwerbsvorgang einer Aufhebung des Erbteilskaufvertrags gleichzustellen und entsprechend &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 GrEStG wie einen R&uuml;ckerwerb wegen R&uuml;ckg&auml;ngigmachung aufgrund Rechtsanspruchs zu behandeln (vgl. zum m&ouml;glichen R&uuml;ckerwerb infolge der Aus&uuml;bung eines Vorkaufsrechts auch Loose in Boruttau, a.a.O., &sect;&nbsp;16 Rz&nbsp;45). Dass die Aus&uuml;bung des gesetzlichen Vorkaufsrechts durch einen Miterben nicht zur R&uuml;ckabwicklung des Erbteilskaufvertrags mit dem urspr&uuml;nglichen Anteilsverk&auml;ufer f&uuml;hrt, steht dem nicht entgegen. Entscheidend ist vielmehr, dass der Erbteilserwerb bereits durch das Vorkaufsrecht belastet ist und sich mit Aus&uuml;bung des Vorkaufsrechts die von vornherein bestehende M&ouml;glichkeit realisiert, dass der Erwerber die Erbteile wieder herausgeben muss. Es kommt daher weder darauf an, ob ein Erbteilskaufvertrag unter der aufl&ouml;senden Bedingung der Nichtaus&uuml;bung des Vorkaufsrechts steht, noch darauf, ob dem Erwerber wegen der Aus&uuml;bung des Vorkaufsrechts gegen&uuml;ber dem Anteilsverk&auml;ufer ein gesetzliches oder vertragliches R&uuml;cktrittsrecht zusteht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Nach diesen Grunds&auml;tzen liegen im Streitfall die Voraussetzungen f&uuml;r eine entsprechende Anwendung des &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 GrEStG vor, da M ihr gesetzliches Vorkaufsrecht gegen&uuml;ber dem Kl&auml;ger ausge&uuml;bt und ihr der Kl&auml;ger in Erf&uuml;llung seiner Herausgabeverpflichtung die erworbenen Erbteile Zug um Zug gegen Erstattung des gezahlten Kaufpreises und der mit den Erbteilskaufvertr&auml;gen verbundenen Kosten abgetreten hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dass der Kl&auml;ger die erworbenen Erbteile infolge des gerichtlichen Vergleichs vom November 2008 auf M &uuml;bertragen hat, ist f&uuml;r die Anwendung des &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 GrEStG insoweit ohne Bedeutung. Denn hierdurch ist ein Vertragsverh&auml;ltnis zwischen dem Kl&auml;ger und M nicht begr&uuml;ndet worden. Durch den Abschluss des gerichtlichen Vergleichs sollte eine Einigung &uuml;ber rechtliche Zweifelsfragen hinsichtlich der wirksamen Aus&uuml;bung des Vorkaufsrechts durch M und der sich hieraus ergebenden Rechtsfolgen erzielt werden; es sollten aber keine &uuml;ber &sect;&nbsp;2035 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 BGB hinausgehenden vertraglichen Anspr&uuml;che zwischen M und dem Kl&auml;ger begr&uuml;ndet werden (vgl. zu den Rechtsfolgen eines Prozessvergleichs auch BGH-Urteil vom 24.&nbsp;Juni 2003 IX&nbsp;ZR&nbsp;228\/02, BGHZ 155, 199).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die auf anderen rechtlichen Erw&auml;gungen beruhende Vorentscheidung war daher aufzuheben. Die Sache ist spruchreif. Da die Erbteilserwerbe des Kl&auml;gers durch die Aus&uuml;bung des Vorkaufsrechts durch M und die &Uuml;bertragung der Erbteile auf M durch den gerichtlichen Vergleich vom November 2008 als r&uuml;ckg&auml;ngig gemacht anzusehen sind, ist die gesonderte Feststellung der Besteuerungsgrundlagen f&uuml;r die Grunderwerbsteuer aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 9.7.2014, II R 50\/12 R&uuml;ckg&auml;ngigmachung eines Erwerbsvorgangs bei Aus&uuml;bung des gesetzlichen Vorkaufsrechts durch einen Miterben Leits&auml;tze Ein Grundst&uuml;ckserwerb, der auf der &Uuml;bertragung von Anteilen an einer Erbengemeinschaft beruht, kann auch dadurch r&uuml;ckg&auml;ngig gemacht werden, dass ein Miterbe sein gesetzliches Vorkaufsrecht aus&uuml;bt und der Erwerber in Erf&uuml;llung seiner Verpflichtung aus &sect; 2035 Abs. &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-50-12-rueckgaengigmachung-eines-erwerbsvorgangs-bei-ausuebung-des-gesetzlichen-vorkaufsrechts-durch-einen-miterben\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">II&nbsp;R&nbsp;50\/12 &#8211; R&uuml;ckg&auml;ngigmachung eines Erwerbsvorgangs bei Aus&uuml;bung des gesetzlichen Vorkaufsrechts durch einen Miterben<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-63592","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63592","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=63592"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63592\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=63592"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=63592"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=63592"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}