{"id":63703,"date":"2014-11-12T16:32:29","date_gmt":"2014-11-12T14:32:29","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=63703"},"modified":"2014-11-12T16:32:29","modified_gmt":"2014-11-12T14:32:29","slug":"ii-b-131-13-grundstuecksuebertragung-zwischen-geschwistern-aufgrund-schenkungsvertraglicher-verpflichtung-interpolierende-betrachtungsweise-bei-anwendung-von-steuerbefreiungsvorschriften","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-b-131-13-grundstuecksuebertragung-zwischen-geschwistern-aufgrund-schenkungsvertraglicher-verpflichtung-interpolierende-betrachtungsweise-bei-anwendung-von-steuerbefreiungsvorschriften\/","title":{"rendered":"II&nbsp;B&nbsp;131\/13 &#8211; Grundst&uuml;cks&uuml;bertragung zwischen Geschwistern aufgrund schenkungsvertraglicher Verpflichtung &#8211; Interpolierende Betrachtungsweise bei Anwendung von Steuerbefreiungsvorschriften"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 11.8.2014, II B 131\/13<\/p>\n<p class=\"titel\">Grundst&uuml;cks&uuml;bertragung zwischen Geschwistern aufgrund schenkungsvertraglicher Verpflichtung &#8211; Interpolierende Betrachtungsweise bei Anwendung von Steuerbefreiungsvorschriften<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Antragstellerin und Beschwerdegegnerin (Antragstellerin) und ihr Bruder (B) waren je zur H&auml;lfte Eigent&uuml;mer eines Grundst&uuml;cks, das ihnen ihr Vater (V) im Jahre 2006 unter dem Vorbehalt eines lebenslangen Nie&szlig;brauchs &uuml;bertragen hatte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit notariell beurkundetem Vertrag vom 19.&nbsp;M&auml;rz 2013 &uuml;bertrug V im Wege der vorweggenommenen Erbfolge seinen Kommanditanteil sowie seinen GmbH-Anteil an einer GmbH &#038; Co. KG auf B. Dieser verpflichtete sich in dem Vertrag gegen&uuml;ber V und der Antragstellerin, &quot;zum Zwecke der Gleichstellung&quot; seinen im Jahre 2006 schenkweise von V erhaltenen Miteigentumsanteil auf die Antragstellerin zu &uuml;bertragen. Die &Uuml;bertragung auf die Antragstellerin erfolgte unter &Uuml;bernahme aller im Grundbuch eingetragenen Belastung, insbesondere des zugunsten des V bestehenden Nie&szlig;brauchs.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Antragsgegner und Beschwerdef&uuml;hrer (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) setzte gegen die Antragstellerin f&uuml;r den Erwerb des von B &uuml;bertragenen Miteigentumsanteils durch Bescheid vom 29.&nbsp;Mai 2013 Grunderwerbsteuer in H&ouml;he von 25.304&nbsp;EUR fest. Die Bemessungsgrundlage von 562.316&nbsp;EUR ergab sich aus dem mit 200.000&nbsp;EUR bezifferten Gleichstellungsgeld sowie dem mit 362.316&nbsp;EUR ermittelten Wert des Nie&szlig;brauchsrechts. &Uuml;ber den von der Antragstellerin hiergegen eingelegten Einspruch ist noch nicht entschieden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Antragstellerin beantragte zun&auml;chst beim FA und danach beim Finanzgericht (FG), die Vollziehung des Grunderwerbsteuerbescheides auszusetzen. Sie macht geltend, der Erwerbsvorgang sei gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;2 des Grunderwerbsteuergesetzes (GrEStG) bzw. &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;6 GrEStG oder jedenfalls aufgrund einer interpolierenden Betrachtung dieser Vorschriften grunderwerbsteuerfrei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG hat die Vollziehung des Grunderwerbsteuerbescheides vom 29.&nbsp;Mai 2013 ausgesetzt und mit ernstlichen Zweifeln daran begr&uuml;ndet, ob und in welchem Umfang der Grundst&uuml;ckserwerb der Antragstellerin nach &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;2 GrEStG von der Grunderwerbsteuer befreit sei. Das FG hat die Beschwerde zugelassen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit seiner Beschwerde beantragt das FA, den Beschluss des FG aufzuheben und den Antrag abzulehnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Antragstellerin beantragt, die Beschwerde zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist teilweise begr&uuml;ndet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;69 Abs.&nbsp;7 i.V.m. Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 und Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) soll die Vollziehung eines angefochtenen Verwaltungsaktes auf Antrag u.a. dann ausgesetzt werden, wenn ernstliche Zweifel an dessen Rechtm&auml;&szlig;igkeit bestehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ernstliche Zweifel in diesem Sinne sind anzunehmen, wenn bei summarischer Pr&uuml;fung des angefochtenen Verwaltungsaktes im Aussetzungsverfahren neben den f&uuml;r die Rechtm&auml;&szlig;igkeit sprechenden Gr&uuml;nden gewichtige, gegen sie sprechende Umst&auml;nde zutage treten, die Unentschiedenheit oder Unsicherheit in der Beurteilung der entscheidungserheblichen Rechtsfragen bewirken oder Unklarheiten in der Beurteilung der Tatfragen aufwerfen (vgl. z.B. Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 10.&nbsp;Februar 1967 III&nbsp;B&nbsp;9\/66, BFHE 87, 447, BStBl III 1967, 182, seitdem st&auml;ndige Rechtsprechung, Gr&auml;ber\/Koch, Finanzgerichtsordnung, 7. Aufl., &sect;&nbsp;69 Rz&nbsp;86, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Im Streitfall kommt eine Befreiung des Grundst&uuml;ckserwerbs der Antragstellerin ernsthaft in Betracht, soweit dieser als freigebige Zuwendung des V anstelle der Zahlung eines Gleichstellungsgeldes erfolgte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Der Grundst&uuml;ckserwerb der Antragstellerin erf&uuml;llt nicht die Verg&uuml;nstigungsvoraussetzungen des &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 GrEStG. Die Vorschrift setzt voraus, dass zivilrechtlich und schenkungsteuerrechtlich Gegenstand der Schenkung ein Grundst&uuml;ck ist und sich der Grundst&uuml;ckserwerb zwischen Schenker und Bedachtem vollzieht (Me&szlig;bacher-H&ouml;nsch in Boruttau, Grunderwerbsteuergesetz, 17.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;3 Rz&nbsp;235). Daran fehlt es vorliegend, weil der Erwerb der Antragstellerin nicht auf einer Schenkung des B beruht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Antragstellerin hat zwar aufgrund des Vertrages vom 19.&nbsp;M&auml;rz 2013 den Miteigentumsanteil unmittelbar von B erlangt. Diesem Grunderwerb der Antragstellerin von B liegt jedoch keine Schenkung des B als Schenker und der Antragstellerin als Bedachter zugrunde. Denn B hat der Antragstellerin den Miteigentumsanteil nicht freigebig &uuml;bertragen; vielmehr lag der &Uuml;bertragung eine Auflage, n&auml;mlich eine schuldrechtliche Verpflichtung des B, die er V gegen&uuml;ber zu erf&uuml;llen hatte, zugrunde. Schenkungsteuerrechtlich ist danach nicht der mit der Auflage beschwerte B, sondern der am Grunderwerb selbst nicht beteiligte V, dem gegen&uuml;ber B zur &Uuml;bertragung des Miteigentumsanteils auf die Antragstellerin verpflichtet war, als Zuwendender anzusehen (BFH-Urteil vom 17.&nbsp;Februar 1993 II&nbsp;R&nbsp;72\/90, BFHE 171, 316, BStBl II 1993, 523).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Eine Befreiung des Grundst&uuml;ckserwerbs der Antragstellerin gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;6 Satz&nbsp;1 GrEStG scheidet ebenfalls aus. Die Antragstellerin und B sind nicht Verwandte in gerader Linie, sondern als Geschwister in Seitenlinie verwandt (&sect;&nbsp;1589 Satz&nbsp;2 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Bei summarischer Beurteilung kommt jedoch eine teilweise Befreiung des Grundst&uuml;ckerwerbs der Antragstellerin bei interpolierender Betrachtung nach &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 i.V.m. &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;6 GrEStG in Betracht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Aus der Zusammenschau zweier Befreiungsvorschriften kann sich eine Steuerbefreiung ergeben, die im Wortlaut der Einzelvorschriften, je f&uuml;r sich allein betrachtet, nicht zum Ausdruck kommt (BFH-Urteil vom 20.&nbsp;Dezember 2011 II&nbsp;R&nbsp;42\/10, BFH\/NV 2012, 1177). Insbesondere kann sich aufgrund interpolierender Betrachtung eine Steuerbefreiung ergeben, wenn sich der tats&auml;chlich verwirklichte Grundst&uuml;ckserwerb als abgek&uuml;rzter Weg darstellt und die unterbliebenen Zwischenerwerbe, wenn sie durchgef&uuml;hrt worden w&auml;ren, ebenfalls steuerfrei w&auml;ren (Me&szlig;bacher-H&ouml;nsch, a.a.O., &sect;&nbsp;3 Rz&nbsp;33; Pahlke, Grunderwerbsteuergesetz, Kommentar, 5.&nbsp;Aufl., Vorb &sect;&sect;&nbsp;3 bis 7 Rz&nbsp;10).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Streitfall erweist sich die anstelle der Zahlung eines Ausgleichsgeldes erfolgte &Uuml;bertragung des Miteigentumsanteils von B auf die Antragstellerin als abgek&uuml;rzter Weg einer freigebigen Zuwendung des V an die Antragstellerin. Die &Uuml;bertragung dieses Miteigentumsanteils von B auf V w&auml;re gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;6 GrEStG &#8211;und gegebenenfalls auch gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 GrEStG&#8211; steuerfrei gewesen. F&uuml;r die anschlie&szlig;ende &Uuml;bertragung dieses Miteigentumsanteils von V auf die Antragstellerin w&auml;re dieser nach &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 GrEStG von der Grunderwerbsteuer befreit gewesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der interpolierenden Betrachtung steht &sect;&nbsp;42 der Abgabenordnung (AO) bei summarischer Pr&uuml;fung nicht entgegen. Zwar kann ein Gestaltungsmissbrauch i.S. des &sect;&nbsp;42 AO vorliegen, wenn eine Grundst&uuml;cks&uuml;bertragung zwischen Geschwistern zwecks Ausnutzung der Befreiung nach &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;6 GrEStG auf dem Umweg &uuml;ber die Eltern oder einen Elternteil erfolgt und hierf&uuml;r kein au&szlig;erhalb der Steuerersparnis liegender beachtlicher Grund vorhanden ist (z.B. BFH-Urteil vom 18.&nbsp;Dezember 1963 II&nbsp;198\/61, H&ouml;chstrichterliche Finanzrechtsprechung 1964, 246; Pahlke, a.a.O., Vorb &sect;&sect;&nbsp;3 bis 7 Rz&nbsp;10, m.w.N.). Ein beachtlicher Grund f&uuml;r die gew&auml;hlte Gestaltung kann sich aber bei einer (Neu-)Gestaltung der vorweggenommenen Erbfolge aus dem Interesse eines Elternteils ergeben, gegen&uuml;ber einem beg&uuml;nstigten Kind selbst als Schenker aufzutreten (BFH-Urteil vom 30.&nbsp;November 1960 II&nbsp;154\/59&nbsp;U, BFHE 72, 54, BStBl III 1961, 21). Im Streitfall d&uuml;rfte dieses Interesse des V mit hinreichender Deutlichkeit darin zum Ausdruck kommen, dass B seinen Miteigentumsanteil am Grundst&uuml;ck anstelle der Zahlung eines Gleichstellungsgeldes ausdr&uuml;cklich &quot;auf Veranlassung&quot; des V auf die Antragstellerin zu &uuml;bertragen hatte (&sect;&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 der Anlage&nbsp;3 des Vertrages vom 19.&nbsp;M&auml;rz 2013). Erst recht d&uuml;rfte ein solches berechtigtes Interesse dann anzuerkennen sein, wenn sich &#8211;wie im Streitfall gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;6 Nr.&nbsp;1 des Vertrages vom 19.&nbsp;M&auml;rz 2013&#8211; die durch die &Uuml;bertragung des Miteigentumsanteils beg&uuml;nstigte Antragstellerin den Wert dieses Verm&ouml;gensgegenstands auf ihre Pflichtteilsanspr&uuml;che nach V anrechnen lassen muss.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Rechtm&auml;&szlig;igkeit des angefochtenen Grunderwerbsteuerbescheides ist hingegen nicht ernstlich zweifelhaft, soweit das FA den Wert des von der Antragstellerin &uuml;bernommen Nie&szlig;brauchsrechts der Bemessung der Grunderwerbsteuer zugrunde gelegt hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>&sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 GrEStG schlie&szlig;t Grundst&uuml;cksschenkungen unter einer Auflage insoweit von der Steuerbefreiung nach &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 GrEStG aus, als der Wert solcher Auflagen bei der Schenkungsteuer abziehbar ist. Gegenstand der Zuwendung des V an die Antragstellerin war der mit einem Nie&szlig;brauchsrecht belastete Miteigentumsanteil des B. Die Zuwendung des V an die Antragstellerin erf&uuml;llt damit die Merkmale einer Schenkung unter einer Nutzungs- oder Duldungsauflage. Eine solche Auflage mindert bei der Schenkungsteuer die Bereicherung der Antragstellerin i.S. des &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 des Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetzes auch dann, wenn die Grundst&uuml;cksnutzung dem Schenker oder Ehegatten zusteht (vgl. n&auml;her BFH-Urteil vom 20.&nbsp;November 2013 II&nbsp;R&nbsp;38\/12, BFHE 243, 411, BStBl II 2014, 479).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Eine Befreiung des Erwerbs der Antragstellerin unter dem Gesichtspunkt, dass ihr V das mit dem Nie&szlig;brauchsrecht belastete Miteigentum an dem Grundst&uuml;ck gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;6 GrEStG insgesamt grunderwerbsteuerfrei h&auml;tte &uuml;bertragen k&ouml;nnen, scheidet bei summarischer Beurteilung der Rechtslage aus. Unmittelbar ist &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;6 GrEStG nicht anwendbar, da die Antragstellerin den Miteigentumsanteil von B und nicht von V erhalten hat. Einer interpolierenden Betrachtung steht schon entgegen, dass bei einer solchen Gestaltung kein &uuml;ber die Ausnutzung der sich aus &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;6 GrEStG ergebenden Steuerersparnis hinausgehender beachtlicher Grund (dazu oben II.2.c) in Betracht k&auml;me. Ferner scheidet eine interpolierende Betrachtung auch deshalb aus, weil diese nicht zu einer Erweiterung des Anwendungsbereichs einer Befreiungsvorschrift &uuml;ber ihren Zweck hinaus f&uuml;hren darf. Dies aber w&auml;re der Fall, wenn man &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;6 GrEStG ohne jeden Bezug zu einer anderen Befreiungsregelung interpolierend auf die &Uuml;bertragung eines Grundst&uuml;cks zwischen Geschwistern und damit auf eine Gestaltung anwendete, die nach der Systematik der Befreiungsvorschriften gerade nicht von der Grunderwerbsteuer befreit sein soll.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Grunderwerbsteuerrechtlich konnte das FA demgem&auml;&szlig; den Wert der von der Antragstellerin &uuml;bernommenen Nie&szlig;brauchsverpflichtung bei der Bemessung der Gegenleistung ber&uuml;cksichtigen. Einwendungen gegen die H&ouml;he des zugrunde gelegten Jahreswerts der Nutzung macht die Antragstellerin nicht geltend.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die R&uuml;ge des FA, das FG habe unter Ber&uuml;cksichtigung der Mitteilung der Senatsvorsitzenden in ihrem Schreiben vom 12.&nbsp;August 2013 eine &Uuml;berraschungsentscheidung getroffen und damit den Anspruch auf rechtliches Geh&ouml;r verletzt, hat keinen Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Mitteilung der Senatsvorsitzenden, das FG werde den Aussetzungsantrag &quot;voraussichtlich&quot; ablehnen, beruhte ersichtlich auf einer nur vorl&auml;ufigen Rechts&auml;u&szlig;erung (vgl. auch BFH-Beschluss vom 18.&nbsp;September 2009 IV&nbsp;B&nbsp;140\/08, BFH\/NV 2010, 220). Zudem fehlt es an einer &Uuml;berraschungsentscheidung schon deshalb, weil die Beteiligten die im Streitfall aufgeworfenen Rechtsfragen im Anschluss an das Schreiben der Senatsvorsitzenden vom 12.&nbsp;August 2013 schrifts&auml;tzlich weiterhin kontrovers er&ouml;rtert haben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Demgem&auml;&szlig; war die Grunderwerbsteuer in H&ouml;he von 9.000&nbsp;EUR (4,5&nbsp;% des im angefochtenen Grunderwerbsteuerbescheid als Bemessungsgrundlage ber&uuml;cksichtigten Gleichstellungsgeldes von 200.000&nbsp;EUR) auszusetzen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>6. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;136 Abs.&nbsp;1 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 11.8.2014, II B 131\/13 Grundst&uuml;cks&uuml;bertragung zwischen Geschwistern aufgrund schenkungsvertraglicher Verpflichtung &#8211; Interpolierende Betrachtungsweise bei Anwendung von Steuerbefreiungsvorschriften Tatbestand 1&nbsp; I. Die Antragstellerin und Beschwerdegegnerin (Antragstellerin) und ihr Bruder (B) waren je zur H&auml;lfte Eigent&uuml;mer eines Grundst&uuml;cks, das ihnen ihr Vater (V) im Jahre 2006 unter dem Vorbehalt eines lebenslangen Nie&szlig;brauchs &uuml;bertragen hatte. &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-b-131-13-grundstuecksuebertragung-zwischen-geschwistern-aufgrund-schenkungsvertraglicher-verpflichtung-interpolierende-betrachtungsweise-bei-anwendung-von-steuerbefreiungsvorschriften\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">II&nbsp;B&nbsp;131\/13 &#8211; Grundst&uuml;cks&uuml;bertragung zwischen Geschwistern aufgrund schenkungsvertraglicher Verpflichtung &#8211; Interpolierende Betrachtungsweise bei Anwendung von Steuerbefreiungsvorschriften<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-63703","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63703","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=63703"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63703\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=63703"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=63703"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=63703"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}