{"id":63709,"date":"2014-11-12T16:33:01","date_gmt":"2014-11-12T14:33:01","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=63709"},"modified":"2014-11-12T16:33:01","modified_gmt":"2014-11-12T14:33:01","slug":"i-b-119-13-grundsaetzliche-bedeutung-einer-die-aktivierung-von-bestandsprovisionen-betreffenden-rechtsfrage-bindung-des-bfh-an-vertragsauslegung-des-fg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-b-119-13-grundsaetzliche-bedeutung-einer-die-aktivierung-von-bestandsprovisionen-betreffenden-rechtsfrage-bindung-des-bfh-an-vertragsauslegung-des-fg\/","title":{"rendered":"I&nbsp;B&nbsp;119\/13 &#8211; Grunds&auml;tzliche Bedeutung einer die Aktivierung von Bestandsprovisionen betreffenden Rechtsfrage &#8211; Bindung des BFH an Vertragsauslegung des FG"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 21.8.2014, I B 119\/13<\/p>\n<p class=\"titel\">Grunds&auml;tzliche Bedeutung einer die Aktivierung von Bestandsprovisionen betreffenden Rechtsfrage &#8211; Bindung des BFH an Vertragsauslegung des FG<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Beschwerdegegnerin (Kl&auml;gerin), eine &uuml;berwiegend als Kreditinstitut t&auml;tige eingetragene Genossenschaft, vermittelte Ratenkredite. Nach dem mit der X-Bank geschlossenen Rahmenvertrag stand der Kl&auml;gerin neben einer Vermittlungsprovision f&uuml;r den Abschluss der Vertr&auml;ge auch eine sog. Bestandsprovision entsprechend der H&ouml;he des in Anspruch genommenen Nettodarlehenskapitals zu. Nach Ansicht des Beklagten und Beschwerdef&uuml;hrers (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) waren in den Bilanzen zum Ende der Streitjahre (2005 bis 2008) jeweils auch die von den zuk&uuml;nftigen Darlehensbest&auml;nden abh&auml;ngigen Provisionsforderungen der Kl&auml;gerin (im Folgenden: zuk&uuml;nftige Bestandsprovisionen) zu aktivieren. Der Klage hat das Finanzgericht (FG) stattgegeben. Die Vorinstanz ist hierbei davon ausgegangen, dass die Kl&auml;gerin im Hinblick auf die zuk&uuml;nftigen Bestandsprovisionen dem vollen Entstehensrisiko ausgesetzt gewesen sei und es sich deshalb um aufschiebend bedingte Anspr&uuml;che gehandelt habe. Zwar seien &#8211;so das FG weiter&#8211; auch Forderungen zu aktivieren, bei denen an dem jeweiligen Bilanzstichtag feststehe, dass sie zuk&uuml;nftig entstehen werden; da hierf&uuml;r aber auch unter Ber&uuml;cksichtigung des Vorsichtsprinzips der Einzelbewertungsgrundsatz beachtet werde m&uuml;sse, sei es ausgeschlossen, bei der Frage, ob aus den einzelnen Kreditvertr&auml;gen zuk&uuml;nftig Bestandsprovisionsanspr&uuml;che entstehen, von einem gesch&auml;tzten &quot;Sammelwert&quot; aller (mutma&szlig;lich) entstehenden Provisionen auszugehen. Ma&szlig;geblich sei deshalb die Beurteilung des einzelnen Kreditverh&auml;ltnisses, f&uuml;r das aber eine Aussage &uuml;ber das Entstehen zuk&uuml;nftiger Bestandsprovisionsforderungen nicht mit hinreichender Sicherheit getroffen werden k&ouml;nne, da f&uuml;r jeden einzelnen Darlehensvertrag das nicht nur theoretische Risiko der vorzeitigen Beendigung bestanden habe. Best&auml;tigung finde diese Beurteilung in dem Umstand, dass die Kl&auml;gerin &uuml;ber die Bestandsprovisionen an den Zinseinnahmen der X-Bank beteiligt gewesen sei; da aber der X-Bank diese Ertr&auml;ge nur f&uuml;r die zuk&uuml;nftige Kapital&uuml;berlassung zust&uuml;nden, entspreche es dem Realisationsprinzip, dass auch die Bestandsprovisionen (&quot;Zinseinnahmen&quot;) der Kl&auml;gerin nur im n&auml;mlichen Umfang ertragswirksam w&uuml;rden. Die Revision wurde vom FG nicht zugelassen (Hessisches FG, Urteil vom 24.&nbsp;April 2013&nbsp;&nbsp;4&nbsp;K&nbsp;693\/10, Entscheidungen der Finanzgerichte 2013, 1568).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die hiergegen erhobene Beschwerde ist zu verwerfen, da sie nicht den Anforderungen an die Darlegung der in &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) genannten Gr&uuml;nde f&uuml;r eine Revisionszulassung gen&uuml;gt (&sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die R&uuml;ge des FA, der Rechtssache komme deshalb grunds&auml;tzliche Bedeutung (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 FGO) zu, weil im Streitfall die Anspr&uuml;che der Kl&auml;gerin auf zuk&uuml;nftige Bestandsprovisionen bereits durch die Kreditvermittlungen dem Grunde nach entstanden seien und deshalb auch zu den jeweiligen Bilanzstichtagen h&auml;tten aktiviert werden m&uuml;ssen, ist unsubstantiiert. Sie ist bereits deshalb nicht geeignet, den geltend gemachten Zulassungsgrund darzulegen, weil der Bundesfinanzhof (BFH) als Revisionsgericht an die Vertragsauslegung des FG nach &sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO grunds&auml;tzlich gebunden ist und deshalb auch in einem Revisionsverfahren davon auszugehen w&auml;re, dass es sich bei den umstrittenen Provisionsanspr&uuml;chen der Kl&auml;gerin um aufschiebend bedingte Forderungen im Zusammenhang mit den zuk&uuml;nftigen Darlehensgew&auml;hrungen der X-Bank gehandelt hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Demgem&auml;&szlig; kann auch der weitere Vortrag, die Rechtssache sei im Hinblick darauf von grunds&auml;tzlicher Bedeutung, dass es der Kl&auml;rung bed&uuml;rfe, ob und unter welchen Voraussetzungen (z.B. im Hinblick auf die Vielzahl gleichartiger Verm&ouml;genswerte) rechtlich entstandene Forderungen einer Sammelbewertung zu unterwerfen seien, nicht durchgreifen. Auch diese Frage kann sich im vorliegenden Rechtsstreit nicht stellen, weil das FG &#8211;nach den vorstehenden Erl&auml;uterungen&#8211; f&uuml;r den Senat bindend festgestellt hat, dass die Bestandsprovisionsforderungen nicht bereits durch die Darlehensvermittlung, sondern erst nach Ma&szlig;gabe der zuk&uuml;nftigen Darlehensgew&auml;hrungen entstanden sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Nicht substantiiert ist ferner die R&uuml;ge, die Revision sei zur Fortbildung des Rechts (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2, erster Halbsatz FGO) zuzulassen, weil es der Kl&auml;rung bed&uuml;rfe, unter welchen Voraussetzungen sog. stornobehaftete Vermittlungsprovisionen zu aktivieren seien (vgl. hierzu auch Senatsurteil vom 9.&nbsp;Oktober 2013 I&nbsp;R&nbsp;15\/12, BFH\/NV 2014, 907). Der Vortrag l&auml;sst au&szlig;er Acht, dass vorliegend nicht Vermittlungsprovisionen, sondern Forderungen zu beurteilen sind, deren Entstehen rechtlich an zuk&uuml;nftige Umst&auml;nde gekn&uuml;pft ist. Demgem&auml;&szlig; hat es das FA insoweit auch vers&auml;umt, sich mit der Rechtsprechung des BFH auseinanderzusetzen, nach der &#8211;wovon offenkundig auch das FG im Hinblick auf den Gedanken der &quot;Teilhabe&quot; der Kl&auml;gerin an den Zinsertr&auml;gen der X-Bank ausgegangen ist&#8211; zuk&uuml;nftig entstehende Forderungen nur dann aktiviert werden d&uuml;rfen, wenn ihr Entstehen in der Vergangenheit (d.h. in den bis zum Bilanzstichtag eingetretenen Umst&auml;nden) wirtschaftlich verursacht ist (vgl. z.B. Senatsurteile vom 5.&nbsp;Oktober 2011 I&nbsp;R&nbsp;94\/10, BFHE 235, 367, BStBl II 2012, 244; vom 3.&nbsp;August 2005 I&nbsp;R&nbsp;94\/03, BFHE 210, 398, BStBl II 2006, 20; vom 18.&nbsp;Dezember 2002 I&nbsp;R&nbsp;11\/02, BFHE 201, 228, BStBl II 2003, 400).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Im &Uuml;brigen sieht der Senat von einer Begr&uuml;ndung dieses Beschlusses ab (&sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 21.8.2014, I B 119\/13 Grunds&auml;tzliche Bedeutung einer die Aktivierung von Bestandsprovisionen betreffenden Rechtsfrage &#8211; Bindung des BFH an Vertragsauslegung des FG Tatbestand 1&nbsp; I. Die Kl&auml;gerin und Beschwerdegegnerin (Kl&auml;gerin), eine &uuml;berwiegend als Kreditinstitut t&auml;tige eingetragene Genossenschaft, vermittelte Ratenkredite. Nach dem mit der X-Bank geschlossenen Rahmenvertrag stand der Kl&auml;gerin neben einer Vermittlungsprovision f&uuml;r &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-b-119-13-grundsaetzliche-bedeutung-einer-die-aktivierung-von-bestandsprovisionen-betreffenden-rechtsfrage-bindung-des-bfh-an-vertragsauslegung-des-fg\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">I&nbsp;B&nbsp;119\/13 &#8211; Grunds&auml;tzliche Bedeutung einer die Aktivierung von Bestandsprovisionen betreffenden Rechtsfrage &#8211; Bindung des BFH an Vertragsauslegung des FG<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-63709","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63709","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=63709"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63709\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=63709"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=63709"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=63709"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}