{"id":63710,"date":"2014-11-12T16:32:32","date_gmt":"2014-11-12T14:32:32","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=63710"},"modified":"2014-11-12T16:32:32","modified_gmt":"2014-11-12T14:32:32","slug":"iii-b-16-14-keine-wiedereinsetzung-bei-falscher-adressierung-einer-nichtzulassungsbeschwerde-pruefungspflichten-des-prozessbevollmaechtigten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-b-16-14-keine-wiedereinsetzung-bei-falscher-adressierung-einer-nichtzulassungsbeschwerde-pruefungspflichten-des-prozessbevollmaechtigten\/","title":{"rendered":"III&nbsp;B&nbsp;16\/14 &#8211; Keine Wiedereinsetzung bei falscher Adressierung einer Nichtzulassungsbeschwerde &#8211; Pr&uuml;fungspflichten des Prozessbevollm&auml;chtigten"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 18.8.2014, III B 16\/14<\/p>\n<p class=\"titel\">Keine Wiedereinsetzung bei falscher Adressierung einer Nichtzulassungsbeschwerde &#8211; Pr&uuml;fungspflichten des Prozessbevollm&auml;chtigten<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Durch das angefochtene Urteil wies das Finanzgericht (FG) die Klage des Kl&auml;gers und Beschwerdef&uuml;hrers (Kl&auml;ger) wegen Einkommensteuer und Gewerbesteuermessbetrag 2003 bis 2006 ab. Das Urteil wurde den erstinstanzlichen Prozessbevollm&auml;chtigten des Kl&auml;gers am 27.&nbsp;Dezember 2013 zugestellt. Mit Schreiben vom 27.&nbsp;Januar 2014 legten die Prozessbevollm&auml;chtigten des Kl&auml;gers, eine Rechtsanwaltskanzlei, Nichtzulassungsbeschwerde gegen das Urteil ein. Das Schreiben war an das FG adressiert und von einem der Rechtsanw&auml;lte unterschrieben. Es wurde per Telefax &uuml;bermittelt und ging am 27.&nbsp;Januar 2014 um 15:52&nbsp;Uhr beim FG ein. Am 29.&nbsp;Januar 2014 &uuml;bermittelte das FG die Nichtzulassungsbeschwerde per Telefax an den Bundesfinanzhof (BFH), nachdem zuvor die Senatsvorsitzende noch mit der Sache befasst war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Schreiben vom 24.&nbsp;Februar 2014, das den Prozessbevollm&auml;chtigten am 27.&nbsp;Februar 2014 zugestellt wurde, wies der Vorsitzende des beschlie&szlig;enden Senats auf den nach Aktenlage versp&auml;teten Eingang der Nichtzulassungsbeschwerde beim BFH und auf &sect;&nbsp;56 der Finanzgerichtsordnung (FGO) hin.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit beim BFH am 13.&nbsp;M&auml;rz 2014 eingegangenem Telefax beantragten die Prozessbevollm&auml;chtigten des Kl&auml;gers Wiedereinsetzung in den vorigen Stand. Zur Begr&uuml;ndung verwiesen sie im Wesentlichen darauf, dass die Falschadressierung auf einem B&uuml;roversehen beruhe. Zwar habe der Entwurf der Nichtzulassungsbeschwerde die zutreffende Adressierung an den BFH enthalten. Durch eine Verkettung mehrerer Ereignisse habe das unter Mitwirkung einer Rechtsanwaltsfachangestellten und einer Auszubildenden zustande gekommene und versandte Original des Schreibens dann aber die Adressierung an das FG erhalten. Dem unterzeichnenden Rechtsanwalt sei der Schriftsatz zur Unterschrift vorgelegt worden, indem die zweite Seite zur Unterschrift aufgeklappt gewesen sei. Er habe die Rechtsanwaltsfachangestellte bei der Unterzeichnung noch gefragt, ob alle Angaben kontrolliert seien und sie angewiesen, vorsorglich noch einmal alle Angaben zu &uuml;berpr&uuml;fen. Diese habe dann aber die weitere Abwicklung des Versands auf die Auszubildende &uuml;bertragen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist unzul&auml;ssig, da sie versp&auml;tet beim BFH eingegangen ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;1 FGO kann die Nichtzulassung der Revision durch Beschwerde angefochten werden. Die Beschwerde ist innerhalb eines Monats nach Zustellung des vollst&auml;ndigen Urteils beim BFH einzulegen (&sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Streitfall wurde das Urteil den Prozessbevollm&auml;chtigten am 27.&nbsp;Dezember 2013 zugestellt. Die einmonatige Beschwerdefrist endete daher gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;54 FGO i.V.m. &sect;&nbsp;222 Abs.&nbsp;1 der Zivilprozessordnung (ZPO) sowie &sect;&sect;&nbsp;187 Abs.&nbsp;1, 188 Abs.&nbsp;2 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs mit Ablauf des 27.&nbsp;Januar 2014 (Montag). Die Beschwerde wurde indessen &#8211;entgegen der zutreffenden Rechtsmittelbelehrung des FG&#8211; nicht an den BFH, sondern an das FG adressiert. Es ist diesem per Telefax am 27.&nbsp;Januar 2014 zugegangen und erst am 29.&nbsp;Januar 2014 per Telefax an den BFH weitergeleitet worden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Wiedereinsetzung in den vorigen Stand (&sect;&nbsp;56 Abs.&nbsp;1 FGO) ist nicht zu gew&auml;hren, da der Prozessbevollm&auml;chtigte, dessen Verhalten sich der Kl&auml;ger zurechnen lassen muss (&sect;&nbsp;155 FGO i.V.m. &sect;&nbsp;85 Abs.&nbsp;2 ZPO), nicht ohne Verschulden gehindert war, die Frist zur Einlegung der Nichtzulassungsbeschwerde einzuhalten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Letzteres ergibt sich daraus, dass der Bevollm&auml;chtigte es vers&auml;umt hat, die von ihm unterzeichnete Beschwerdeschrift zu &uuml;berpr&uuml;fen (BFH-Beschluss vom 11.&nbsp;August 2005 VIII&nbsp;B&nbsp;291\/04, BFH\/NV 2006, 80). Der Prozessbevollm&auml;chtigte hat auch dann, wenn er bei der Anfertigung einer Rechtsmittelschrift geschultes B&uuml;ropersonal einsetzt, das Arbeitsergebnis jeweils sorgf&auml;ltig zu &uuml;berpr&uuml;fen. Insbesondere muss er pr&uuml;fen, ob die Rechtsmittelschrift vollst&auml;ndig ist, alle notwendigen Angaben richtig enth&auml;lt und an das richtige Gericht adressiert ist (BFH-Beschl&uuml;sse vom 8.&nbsp;September 2011 VIII&nbsp;R&nbsp;29\/09, juris; vom 7.&nbsp;Juni 1991 IV&nbsp;R&nbsp;32\/91, BFH\/NV 1991, 761, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ein Prozessbevollm&auml;chtigter darf sich bei der Unterzeichnung des Originals des Schriftsatzes nicht darauf verlassen, dass ein von ihm freigegebener Entwurf des Schriftsatzes keine Fehler enthielt. Denn wie sich bereits aus dem eigenen Vortrag des Prozessbevollm&auml;chtigten ergibt, ist insbesondere aufgrund m&ouml;glicher Fehler bei der Speicherung des Entwurfs und bei der Durchf&uuml;hrung weiterer Arbeitsschritte (z.B. Einf&uuml;gung des Entwurfstextes in den Kanzleibriefbogen) nicht sichergestellt, dass das Originalschreiben dem Entwurfsschreiben entspricht. Daher muss der Prozessbevollm&auml;chtigte auch pr&uuml;fen, ob das von ihm unterzeichnete Originalschreiben an das richtige Gericht adressiert ist. Dies gilt umso mehr, wenn der Fehler &#8211;wie im Streitfall&#8211; ohne weiteres erkennbar ist, weil sich der Inhalt des Schreibens im Wesentlichen auf die Angabe des Adressaten, des angefochtenen Urteils und des Antrags beschr&auml;nkt. Auch darf sich der Prozessbevollm&auml;chtigte seiner Pflicht zur abschlie&szlig;enden Kontrolle des Arbeitsergebnisses nicht dadurch entziehen, dass er auch diese Aufgabe auf seine B&uuml;roangestellten delegiert.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Eine andere Beurteilung ergibt sich nicht daraus, dass das FG die Beschwerdeschrift nicht noch innerhalb der Beschwerdefrist an den BFH weitergeleitet hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zwar kommt eine Wiedereinsetzung in Betracht, wenn der fristgebundene Schriftsatz so zeitig eingereicht worden ist, dass die fristgerechte Weiterleitung an das Rechtsmittelgericht im ordentlichen Gesch&auml;ftsgang ohne weiteres erwartet werden kann (z.B. BFH-Beschluss vom 28.&nbsp;Juni 2012 XI&nbsp;B&nbsp;44\/12, BFH\/NV 2012, 1811).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Diese Voraussetzungen lagen im Streitfall jedoch nicht vor. Die Beschwerdeschrift wurde erst am letzten Tag der Frist gegen Dienstschluss eingereicht. Dass der Schriftsatz dann am Folgetag der Vorsitzenden des im Schriftsatz durch das angegebene Aktenzeichen benannten Senats &uuml;bermittelt und erst im Laufe eines weiteren Tages an den BFH &uuml;bermittelt wurde, ist als Bearbeitung im ordentlichen Gesch&auml;ftsgang zu werten (vgl. etwa BFH-Beschluss vom 9.&nbsp;M&auml;rz 2004 X&nbsp;B&nbsp;7\/04, BFH\/NV 2004, 976).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Der Umstand, dass der Prozessbevollm&auml;chtigte des Kl&auml;gers die fehlerhafte Adressierung bei Unterzeichnung der Beschwerdeschrift nicht bemerkt hat, ist deshalb als ihm allein (und nicht seinen B&uuml;rokr&auml;ften oder den Bediensteten des FG) zuzurechnendes Verschulden anzusehen. Mangels Vorliegens eines Wiedereinsetzungsgrundes kommt es nicht darauf an, ob auch die verfahrensrechtlichen Voraussetzungen des &sect;&nbsp;56 Abs.&nbsp;2 FGO gewahrt wurden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Von einer weiteren Begr&uuml;ndung sieht der Senat nach &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 Halbsatz&nbsp;2 FGO ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Kostenentscheidung folgt aus &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;1 i.V.m. &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 18.8.2014, III B 16\/14 Keine Wiedereinsetzung bei falscher Adressierung einer Nichtzulassungsbeschwerde &#8211; Pr&uuml;fungspflichten des Prozessbevollm&auml;chtigten Tatbestand 1&nbsp; I. Durch das angefochtene Urteil wies das Finanzgericht (FG) die Klage des Kl&auml;gers und Beschwerdef&uuml;hrers (Kl&auml;ger) wegen Einkommensteuer und Gewerbesteuermessbetrag 2003 bis 2006 ab. 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