{"id":63719,"date":"2014-11-12T16:32:39","date_gmt":"2014-11-12T14:32:39","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=63719"},"modified":"2014-11-12T16:32:39","modified_gmt":"2014-11-12T14:32:39","slug":"vii-b-32-14-anfertigung-eines-urteilsentwurfs-vor-muendlicher-verhandlung-kein-verfahrensfehler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-b-32-14-anfertigung-eines-urteilsentwurfs-vor-muendlicher-verhandlung-kein-verfahrensfehler\/","title":{"rendered":"VII&nbsp;B&nbsp;32\/14 &#8211; Anfertigung eines Urteilsentwurfs vor m&uuml;ndlicher Verhandlung kein Verfahrensfehler"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 20.8.2014, VII B 32\/14<\/p>\n<p class=\"titel\">Anfertigung eines Urteilsentwurfs vor m&uuml;ndlicher Verhandlung kein Verfahrensfehler<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) f&uuml;hrte in Syrien erworbene Goldbarren mit einem Wert von &#8230; EUR und dort erworbenen Goldschmuck mit einem Wert von &#8230; EUR &uuml;ber den Flughafen X nach Deutschland ein, wobei er die Waren nicht bei der zust&auml;ndigen Zollstelle anmeldete, sondern den gr&uuml;nen Ausgang benutzte. Infolge der Abwicklung eines Einbruchsdiebstahls erfuhr der Beklagte und Beschwerdegegner (das Hauptzollamt &#8211;HZA&#8211;) von den Einfuhren und setzte aufgrund des vorschriftswidrigen Verbringens der Waren in das Zollgebiet der Europ&auml;ischen Union nach Art.&nbsp;202 Abs.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;a des Zollkodex i.V.m. &sect;&nbsp;21 Abs.&nbsp;2 des Umsatzsteuergesetzes f&uuml;r das nach Deutschland eingef&uuml;hrte Gold die daf&uuml;r geschuldeten Einfuhrabgaben fest.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Einspruch und Klage hatten keinen Erfolg. Das Finanzgericht (FG) urteilte, die eingef&uuml;hrten Gegenst&auml;nde aus Gold h&auml;tten den in &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;5 Buchst.&nbsp;b der Verordnung &uuml;ber die Einfuhrabgabenfreiheit von Waren im pers&ouml;nlichen Gep&auml;ck von Reisenden festgelegten Schwellenwert von 430&nbsp;EUR &uuml;berstiegen. Dar&uuml;ber hinaus habe es sich bei dem Goldschmuck nicht um einfuhrabgabenfreies Heiratsgut gehandelt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zur m&uuml;ndlichen Verhandlung ist weder der Kl&auml;ger noch dessen Prozessvertreter und auch kein Vertreter des HZA erschienen. Es erging der Beschluss, dass die Entscheidung den Beteiligten zugestellt wird. Das Urteil wurde noch am Tag der m&uuml;ndlichen Verhandlung dem Prozessvertreter des Kl&auml;gers per Fax &uuml;bermittelt, wobei zwischen der Er&ouml;ffnung der m&uuml;ndlichen Verhandlung und dem Empfang des Faxes weniger als zwei Stunden lagen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit seiner Beschwerde begehrt der Kl&auml;ger die Zulassung der Revision wegen eines Verfahrensmangels (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Der Umstand, dass die Entscheidung des FG bereits anderthalb Stunden nach Beginn der m&uuml;ndlichen Verhandlung &uuml;bermittelt worden sei, belege, dass das Urteil zu Beginn der m&uuml;ndlichen Verhandlung bereits vorgelegen habe. Dies stelle eine Verletzung des M&uuml;ndlichkeitsgrundsatzes und eine Geh&ouml;rsverletzung und damit einen absoluten Revisionsgrund dar. Im &Uuml;brigen handele es sich bei den Geldern, die der Kl&auml;ger zum Kauf des Goldes in Syrien verwendet habe, um Betr&auml;ge aus einem in Deutschland aufgenommenen Darlehen. Nach Beendigung des in Syrien herrschenden Kriegszustandes h&auml;tte das Gold dorthin wieder zur&uuml;ckgebracht werden sollen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Ungeachtet der M&auml;ngel in der nach &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 FGO erforderlichen Darlegung der Gr&uuml;nde f&uuml;r die Zulassung der Revision liegt der von der Beschwerde geltend gemachte Verfahrensmangel jedenfalls nicht vor, so dass die Beschwerde keinen Erfolg haben kann.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Entgegen der Auffassung des Kl&auml;gers ist die &Uuml;bermittlung des Urteils ca. eineinhalb Stunden nach dem Beginn der m&uuml;ndlichen Verhandlung kein Verfahrensversto&szlig;. Selbst wenn die nicht n&auml;her substantiierte Behauptung des Kl&auml;gers zutr&auml;fe, zumindest ein Urteilsentwurf habe zu Beginn der m&uuml;ndlichen Verhandlung bereits vorgelegen, w&auml;re dies ein rechtlich nicht zu beanstandendes Verfahren der Terminsvorbereitung und Urteilsfindung. Es entspricht allgemeiner &Uuml;bung, dass sich der Richter vor der m&uuml;ndlichen Verhandlung umfassend den gesamten Sach- und Streitstand erarbeitet und sich so in die Lage versetzt, dem gesetzlichen Gebot zu entsprechen, einen Rechtsstreit m&ouml;glichst in einer m&uuml;ndlichen Verhandlung zu erledigen (&sect;&nbsp;79 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO; vgl. dazu n&auml;her: Gr&auml;ber\/Koch, Finanzgerichtsordnung, 7.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;79 Rz&nbsp;1). Dass dieses Vorgehen vielfach in einen Urteilsentwurf m&uuml;ndet, ist nicht nur ein Gebot rationeller Arbeitsweise, weil damit zugleich die Basis f&uuml;r die sp&auml;tere Urteilsbegr&uuml;ndung erarbeitet wird, es dient auch der Selbstkontrolle, weil auf diese Weise die Entscheidungserheblichkeit einzelner Punkte und die Entscheidungsreife des Falls besonders deutlich werden. Schlie&szlig;lich dient dieses Verfahren typischerweise nur einer vorl&auml;ufigen Standortbestimmung, die sich infolge anderer oder besserer sp&auml;terer Erkenntnisse bei der endg&uuml;ltigen &Uuml;berzeugungsbildung (&sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO) als korrekturbed&uuml;rftig erweisen kann (vgl. im &Uuml;brigen auch Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 17.&nbsp;M&auml;rz 1959&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvR&nbsp;53\/56, BVerfGE 9, 213, 215), so dass in dieser Vorgehensweise keine Verletzung des Anspruchs der Beteiligten auf rechtliches Geh&ouml;r gesehen werden kann (Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 4.&nbsp;Juli 2006 X&nbsp;B&nbsp;4\/06, BFH\/NV 2006, 1867). Sie zeigt vielmehr, dass das FG das Vorbringen der Beteiligten bis zur m&uuml;ndlichen Verhandlung sorgf&auml;ltig zur Kenntnis genommen und verarbeitet hat (ausf&uuml;hrlich BFH-Urteil vom 17.&nbsp;Mai 1995 X&nbsp;R&nbsp;55\/94, BFHE 177, 344, BStBl II 1995, 604).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Den &uuml;brigen Ausf&uuml;hrungen des Kl&auml;gers &#8211;insbesondere hinsichtlich des aufgenommenen Darlehens zur Finanzierung des Goldkaufs und des beabsichtigten R&uuml;cktransports des Goldes nach Syrien&#8211; sind Gr&uuml;nde f&uuml;r eine Zulassung der Revision (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 FGO) nicht zu entnehmen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 20.8.2014, VII B 32\/14 Anfertigung eines Urteilsentwurfs vor m&uuml;ndlicher Verhandlung kein Verfahrensfehler Tatbestand 1&nbsp; I. 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