{"id":63726,"date":"2014-11-12T16:32:42","date_gmt":"2014-11-12T14:32:42","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=63726"},"modified":"2014-11-12T16:32:42","modified_gmt":"2014-11-12T14:32:42","slug":"x-k-9-13-unangemessene-verfahrensdauer-bei-77-monatiger-dauer-des-finanzgerichtlichen-klageverfahrens-praeklusionswirkung-der-nicht-unverzueglich-erhobenen-verzoegerungsruege-bei-altfaellen-vererblich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-k-9-13-unangemessene-verfahrensdauer-bei-77-monatiger-dauer-des-finanzgerichtlichen-klageverfahrens-praeklusionswirkung-der-nicht-unverzueglich-erhobenen-verzoegerungsruege-bei-altfaellen-vererblich\/","title":{"rendered":"X&nbsp;K&nbsp;9\/13 &#8211; Unangemessene Verfahrensdauer bei 77-monatiger Dauer des finanzgerichtlichen Klageverfahrens; Pr&auml;klusionswirkung der nicht &quot;unverz&uuml;glich&quot; erhobenen Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge bei Altf&auml;llen; Vererblichkeit der Entsch&auml;digung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 20.8.2014, X K 9\/13<\/p>\n<p class=\"titel\">Unangemessene Verfahrensdauer bei 77-monatiger Dauer des finanzgerichtlichen Klageverfahrens; Pr&auml;klusionswirkung der nicht &quot;unverz&uuml;glich&quot; erhobenen Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge bei Altf&auml;llen; Vererblichkeit der Entsch&auml;digung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Bei einem finanzgerichtlichen Klageverfahren, dessen Schwierigkeit schon als &uuml;berdurchschnittlich anzusehen ist und bei dem das FG trotz wiederholter Sachstandsanfragen und Erhebung einer Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge erst rund sechs Jahre nach Klageeingang mit Ma&szlig;nahmen beginnt, die das Verfahren einer Entscheidung zuf&uuml;hren sollen, ist von einer unangemessenen Verfahrensdauer auszugehen.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Eine nicht &quot;unverz&uuml;glich&quot; nach Inkrafttreten des &Uuml;berlVfRSchG erhobene Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge pr&auml;kludiert sowohl einen Entsch&auml;digungsanspruch wegen &uuml;berlanger Verfahrensdauer gem&auml;&szlig; &sect; 198 Abs. 2 Satz 2 GVG als auch die Feststellung einer &uuml;berlangen Verfahrensdauer gem&auml;&szlig; &sect; 198 Abs. 4 Satz 1 GVG (Anschluss an die Rechtsprechung des BGH, Urteil vom 10. April 2014 III ZR 335\/13, NJW 2014, 1967).<\/p>\n<\/p>\n<p>3. Die Regelung des &sect; 198 Abs. 5 Satz 3 GVG, die die Nicht&uuml;bertragbarkeit der Entsch&auml;digung bis zur Rechtskraft der Entscheidung &uuml;ber die Klage regelt, betrifft nicht die Vererblichkeit des Anspruchs.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>A. Die Kl&auml;gerin begehrt gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;198 des Gerichtsverfassungsgesetzes (GVG) Entsch&auml;digung wegen der von ihr als unangemessen angesehenen Dauer eines vom 10.&nbsp;November 2006 (Klageeingang beim Finanzamt &#8211;FA&#8211;) bis zum 26.&nbsp;M&auml;rz 2013 (Zustellung des Urteils) vor dem Hessischen Finanzgericht (FG) anh&auml;ngigen Klageverfahrens.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dem Ausgangsverfahren liegt der folgende Sachverhalt zugrunde: Der im Klageverfahren verstorbene Ehemann (E) der Kl&auml;gerin war als B&uuml;rgermeister einer Stadt im Jahre 1987 wegen versuchter umweltgef&auml;hrdender Abfallbeseitigung angeklagt worden. Er wurde Ende 1996 durch ein Urteil des zust&auml;ndigen Landgerichts verwarnt und mit einer Geldbu&szlig;e in H&ouml;he von 3.000&nbsp;DM belegt. Nach seiner Verurteilung legte er wegen der langen Verfahrensdauer zun&auml;chst Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht (BVerfG) und anschlie&szlig;end Beschwerde beim Europ&auml;ischen Gerichtshof f&uuml;r Menschenrechte (EGMR) ein. Im Jahr 2001 entschied der EGMR, neun Verhandlungsjahre seien im Vergleich zum Strafma&szlig; nicht zu rechtfertigen und stellten folglich einen Versto&szlig; gegen Art.&nbsp;6 &sect;&nbsp;1 der Europ&auml;ischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten dar. E wurde deshalb neben einem Betrag von 10.000&nbsp;DM f&uuml;r immaterielle Sch&auml;den ein Betrag von weiteren 15.000&nbsp;DM f&uuml;r Auslagen und Gerichtskosten zugesprochen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>F&uuml;r die Vertretung im Verfahren vor dem BVerfG entstanden Rechtsanwaltsgeb&uuml;hren und Auslagen in H&ouml;he von 28.681&nbsp;DM und im Verfahren vor dem EGMR solche in H&ouml;he von 20.050,72&nbsp;DM, wovon 12.518,72&nbsp;DM im Jahr 2000 in Rechnung gestellt und bezahlt wurden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und der mit ihr zusammen zur Einkommensteuer veranlagte E machten unter Anrechnung des vom EGMR ausgeurteilten Betrages von 15.000&nbsp;DM die Rechtsanwaltsgeb&uuml;hren und Auslagen in ihrer Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r das Jahr 1997 geltend. Das FA erkannte diese Aufwendungen weder als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen noch als Werbungskosten bei den Eink&uuml;nften aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit des E an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach erfolglosem Vorverfahren reichten die Kl&auml;gerin und E die Klageschrift am 10.&nbsp;November 2006 beim FA ein, die an das FG weitergeleitet wurde. Bis zum 19.&nbsp;Februar 2008 wurden Schrifts&auml;tze der Beteiligten ausgetauscht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 5.&nbsp;November 2008 bat der Prozessbevollm&auml;chtigte der Kl&auml;gerin um Mitteilung, wann mit einem Fortgang des Verfahrens zu rechnen sei. Der Berichterstatter verf&uuml;gte unter Verwendung eines entsprechenden Formulars, dass aufgrund zahlreicher vorrangig zu bearbeitender anderer Streitsachen derzeit leider noch nicht absehbar sei, wann im Ausgangsverfahren eine Entscheidung anstehe. Eine erneute Sachstandsanfrage der Prozessbevollm&auml;chtigten vom 8.&nbsp;Dezember 2009 wurde entsprechend formularm&auml;&szlig;ig beantwortet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Schriftsatz vom 6.&nbsp;Oktober 2010 verzichteten die Kl&auml;gerin und E aufgrund eines Telefonats ihres Prozessbevollm&auml;chtigten mit dem Berichterstatter des FG vom gleichen Tag auf die Durchf&uuml;hrung einer m&uuml;ndlichen Verhandlung. Am 12.&nbsp;Oktober 2010 ging die Verzichtserkl&auml;rung des FA beim FG ein, die dem Prozessbevollm&auml;chtigten am 13.&nbsp;Oktober 2010 &uuml;bersandt wurde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Schreiben vom 18.&nbsp;Juli 2011 wies das FG die Beteiligten auf die ge&auml;nderte Rechtsprechung des VI.&nbsp;Senats des Bundesfinanzhofs (BFH) zur Abziehbarkeit von Zivilprozesskosten als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen hin. Der sich hieran anschlie&szlig;ende Schriftwechsel der Beteiligten endete mit &Uuml;bersendung des Schriftsatzes der Prozessbevollm&auml;chtigten vom 31.&nbsp;Oktober 2011 an das FA am 8.&nbsp;November 2011.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Schreiben vom 22.&nbsp;November 2011 erhoben die Kl&auml;gerin und E &quot;vorsorglich die Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge (&sect;&nbsp;198 Abs.&nbsp;3 GVG)&quot;. Gleichzeitig &uuml;bersandten sie eine Kopie des Beschlusses des BVerfG vom 13.&nbsp;Februar 1997&nbsp;&nbsp;2&nbsp;BvR&nbsp;135\/97, den das FG bereits mit Schreiben vom 18.&nbsp;Oktober 2011 angefordert hatte. Am 6.&nbsp;Dezember 2011 erg&auml;nzten die Prozessbevollm&auml;chtigten ihre bisherigen Stellungnahmen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 4.&nbsp;Juni 2012, beim FG eingegangen am 6.&nbsp;Juni 2012, wiederholten die Prozessbevollm&auml;chtigten ihre &quot;bereits geltend gemachte Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge&quot; und erkundigten sich am 14.&nbsp;Dezember 2012 beim FG erneut nach dem Stand des Verfahrens.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG teilte den Prozessbevollm&auml;chtigten mit Schreiben vom 21.&nbsp;Dezember 2012 mit, mit einer Entscheidung sei voraussichtlich im 1.&nbsp;Quartal 2013 zu rechnen. Mit Urteil vom 19.&nbsp;M&auml;rz 2013, das den Prozessbevollm&auml;chtigten am 26.&nbsp;M&auml;rz 2013 zugestellt worden ist, wies das FG die Klage ab. Die hiergegen eingelegte Nichtzulassungsbeschwerde ist zwischenzeitlich zur&uuml;ckgewiesen worden (BFH-Beschluss vom 11.&nbsp;Oktober 2013 VI&nbsp;B&nbsp;41\/13, nicht ver&ouml;ffentlicht).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 3.&nbsp;Mai 2013 haben die Kl&auml;gerin und E die vorliegende Entsch&auml;digungsklage erhoben. Sie weisen darauf hin, die durchschnittliche Dauer erstinstanzlicher Finanzgerichtsverfahren betrage nach einer Statistik des Statistischen Bundesamtes durchschnittlich 17,5&nbsp;Monate. Im vorliegenden Verfahren h&auml;tten die Kl&auml;gerin und E gerade unter dem Eindruck der zu Gunsten des E ergangenen Entscheidung des EGMR und des hohen Alters der Kl&auml;ger eine z&uuml;gige Entscheidung erwarten k&ouml;nnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt sinngem&auml;&szlig;,<br \/>den Beklagten zu verurteilen, ihr, auch als Alleinerbin des verstorbenen E, wegen der &uuml;berlangen Dauer des Verfahrens vor dem Hessischen FG 12&nbsp;K&nbsp;3431\/06 eine Entsch&auml;digung in H&ouml;he von 8.400&nbsp;EUR nebst Zinsen seit Rechtsh&auml;ngigkeit in H&ouml;he von 5&nbsp;Prozentpunkten &uuml;ber dem Basiszinssatz zu zahlen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beklagte beantragt,<br \/>die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Verfahren habe zwar insgesamt f&uuml;nf Jahre und vier Monate keine F&ouml;rderung durch das Gericht erfahren. Allerdings sei die Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge nicht unverz&uuml;glich nach Inkrafttreten des Gesetzes &uuml;ber den Rechtsschutz bei &uuml;berlangen Gerichtsverfahren und strafrechtlichen Ermittlungsverfahren (&Uuml;berlVfRSchG) erhoben worden. Relevant sei allein die am 6.&nbsp;Juni 2012 beim FG eingegangene Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge. Somit sei die Zeit vor Inkrafttreten des &Uuml;berlVfRSchG am 3.&nbsp;Dezember 2011 ohne Belang. Ggf. k&ouml;nne eine R&uuml;ckwirkung dieser Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge bis zum Inkrafttreten angenommen werden. Deswegen komme allenfalls eine Entsch&auml;digung in H&ouml;he von 1.200&nbsp;EUR f&uuml;r die neun Monate ab Zugang der Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge am 6.&nbsp;Juni 2012 und die H&auml;lfte der sechs Monate bis zum Inkrafttreten des &Uuml;berlVfRSchG in Frage.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>B. Die zul&auml;ssige Klage ist teilweise begr&uuml;ndet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<blockquote>\n<blockquote>\n<blockquote>\n<blockquote>\n<blockquote>\n<table style=\"margin-left:90\"pt>\n<tr>\n<td>I.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/blockquote>\n<\/blockquote>\n<\/blockquote>\n<\/blockquote>\n<\/blockquote>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Klage ist zul&auml;ssig, da sie mehr als sechs Monate nach der (letzten) Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge vom 4.&nbsp;Juni 2012, aber noch vor Rechtskraft der finanzgerichtlichen Entscheidung (&sect;&nbsp;198 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 GVG) erhoben worden ist. Das Urteil wurde mit der Ablehnung der Nichtzulassungsbeschwerde nach &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;3 der Finanzgerichtsordnung (FGO) mit Beschluss vom 11.&nbsp;Oktober 2013 rechtskr&auml;ftig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<blockquote>\n<blockquote>\n<blockquote>\n<blockquote>\n<blockquote>\n<table style=\"margin-left:90\"pt>\n<tr>\n<td>II.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/blockquote>\n<\/blockquote>\n<\/blockquote>\n<\/blockquote>\n<\/blockquote>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Dauer des Ausgangsverfahrens war unangemessen. Soweit diese unangemessene Dauer des Ausgangsverfahrens den Zeitraum vor Erhebung der Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge vom 4.&nbsp;Juni 2012 betrifft, kann weder eine Entsch&auml;digung in Geld noch die Feststellung der Unangemessenheit ausgesprochen werden, da es an der nach Art.&nbsp;23 Satz&nbsp;2 &Uuml;berlVfRSchG n&ouml;tigen unverz&uuml;glichen R&uuml;geerhebung fehlt (dazu unter 1.). F&uuml;r den Zeitraum ab der R&uuml;geerhebung vom 4.&nbsp;Juni 2012 steht der Kl&auml;gerin auch als Alleinerbin ihres verstorbenen Ehemanns ein Entsch&auml;digungsanspruch in H&ouml;he von 1.200&nbsp;EUR zu (dazu unter 3.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. F&uuml;r den Zeitraum bis zur Erhebung der Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge vom 4.&nbsp;Juni 2012 steht der Kl&auml;gerin &#8211;auch als Alleinerbin des E&#8211; weder ein Entsch&auml;digungsanspruch wegen &uuml;berlanger Verfahrensdauer gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;198 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 GVG noch eine Feststellung der &uuml;berlangen Verfahrensdauer gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;198 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 GVG zu, da eine unverz&uuml;glich i.S. des Art.&nbsp;23 Satz&nbsp;2 &Uuml;berlVfRSchG erhobene R&uuml;ge nicht vorliegt. Diese Anspr&uuml;che sind deshalb pr&auml;kludiert.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Gem&auml;&szlig; der &Uuml;bergangsregelung des Art.&nbsp;23 Satz&nbsp;1 &Uuml;berlVfRSchG ist das genannte Gesetz auch auf Verfahren anwendbar, die bei seinem Inkrafttreten (3.&nbsp;Dezember 2011) bereits anh&auml;ngig waren. F&uuml;r anh&auml;ngige Verfahren, die bei Inkrafttreten des &Uuml;berlVfRSchG bereits verz&ouml;gert waren, gilt &sect;&nbsp;198 Abs.&nbsp;3 GVG mit der Ma&szlig;gabe, dass die Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge &quot;unverz&uuml;glich&quot; nach Inkrafttreten erhoben werden muss (Art.&nbsp;23 Satz&nbsp;2 &Uuml;berlVfRSchG). Weder die R&uuml;ge vom 22.&nbsp;November 2011 (unter aa) noch die vom 4.&nbsp;Juni 2012 erhobene R&uuml;ge (unter bb) werden dieser Voraussetzung gerecht. Der Senat kann demzufolge eine Entsch&auml;digung nach &sect;&nbsp;198 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 GVG f&uuml;r den Zeitraum bis zum 6.&nbsp;Juni 2012 (unter cc) nicht aussprechen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Die am 22.&nbsp;November 2011 erhobene &quot;vorsorgliche Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge&quot; kann nicht als Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge i.S. des &sect;&nbsp;198 Abs.&nbsp;3 GVG angesehen werden. Zu diesem Zeitpunkt war das &Uuml;berlVfRSchG &#8211;und damit die Vorschrift des &sect;&nbsp;198 Abs.&nbsp;3 GVG&#8211; noch nicht in Kraft getreten. Das genannte Gesetz ist am Tag nach seiner Verk&uuml;ndung &#8211;d.h. am 3.&nbsp;Dezember 2011&#8211; in Kraft getreten. Eine bereits vor Inkrafttreten des Gesetzes erhobene Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge erf&uuml;llt diese Voraussetzung nicht (so auch Senatsurteil vom 7.&nbsp;November 2013 X&nbsp;K&nbsp;13\/12, BFHE 243, 126, BStBl II 2014, 179, unter II.1.b).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Die Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge vom 4.&nbsp;Juni 2012 wurde nicht mehr &quot;unverz&uuml;glich nach Inkrafttreten&quot; i.S. des Art.&nbsp;23 Satz&nbsp;2 &Uuml;berlVfRSchG erhoben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Senat hat bereits entschieden, dass im Rahmen der gebotenen normspezifischen Auslegung des in Art.&nbsp;23 Satz&nbsp;2 &Uuml;berlVfRSchG verwendeten Begriffs &quot;unverz&uuml;glich&quot; ein Zeitraum von drei Monaten als sachgerecht anzusehen ist (so schon Senatsurteil in BFHE 243, 126, BStBl II 2014, 179, unter II.1.d; insoweit folgend auch Urteil des Bundesgerichtshofs &#8211;BGH&#8211; vom 10.&nbsp;April 2014 III&nbsp;ZR&nbsp;335\/13, Neue Juristische Wochenschrift &#8211;NJW&#8211; 2014, 1967; ebenso BGH-Urteil vom 17.&nbsp;Juli 2014 III&nbsp;ZR&nbsp;228\/13, NJW 2014, 2588). Dieser Zeitraum ist vorliegend &uuml;berschritten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Folge der nicht &quot;unverz&uuml;glich nach Inkrafttreten erhobenen&quot; Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge ist nach Ansicht des Senats, dass zun&auml;chst die Zuerkennung einer Geldentsch&auml;digung vor dem Inkrafttreten des &Uuml;berlVfRSchG entf&auml;llt (vgl. Senatsurteil in BFHE 243, 126, BStBl II 2014, 179, unter II.1.b). Nach Ansicht des BGH in NJW 2014, 1967, unter II.1.d&nbsp;aa soll dar&uuml;ber hinaus ein solcher Anspruch nach &sect;&nbsp;198 GVG f&uuml;r den Zeitraum, der vom Inkrafttreten bis zur Erhebung einer solchen Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge verstrichen ist, ausgeschlossen sein; dies ergebe sich aus dem Umkehrschluss aus Art.&nbsp;23 Satz&nbsp;3 &Uuml;berlVfRSchG. Mit R&uuml;cksicht auf diese Entscheidung und zur Wahrung der Einheitlichkeit der Rechtsprechung der obersten Gerichtsh&ouml;fe des Bundes schlie&szlig;t sich der Senat dieser Rechtsansicht an und h&auml;lt an seiner im Senatsurteil vom 17.&nbsp;April 2013 X&nbsp;K&nbsp;3\/12 (BFHE 240, 516, BStBl II 2013, 547) ge&auml;u&szlig;erten Rechtsansicht im Anwendungsbereich des Art.&nbsp;23 &Uuml;berlVfRSchG nicht weiter fest.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Folglich ist hier eine ggf. vorliegende Feststellung der Unangemessenheit der Verfahrensdauer f&uuml;r die Zeit vor der Erhebung der Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge vom 4.&nbsp;Juni 2012 nicht m&ouml;glich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Bezogen auf den Zeitraum ab Erhebung der Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge war die Dauer des Ausgangsverfahrens unangemessen. Die Verz&ouml;gerung bel&auml;uft sich auf sechs Monate.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>27<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;198 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 GVG richtet sich die Angemessenheit der Verfahrensdauer nach den Umst&auml;nden des Einzelfalls, insbesondere nach der Schwierigkeit und Bedeutung des Verfahrens und nach dem Verhalten der Verfahrensbeteiligten und Dritter. Diese gesetzlichen Ma&szlig;st&auml;be beruhen auf der st&auml;ndigen Rechtsprechung des EGMR und des BVerfG (vgl. hierzu und zum Begriff der Angemessenheit im Finanzgerichtsverfahren ausf&uuml;hrlich Senatsurteil in BFHE 243, 126, BStBl II 2014, 179, unter II.2.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>28<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Nach diesen Grunds&auml;tzen ist das Ausgangsverfahren f&uuml;r den Zeitraum nach Erhebung der Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge um sechs Monate in unangemessener Weise verz&ouml;gert worden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>29<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Die Anwendung der in &sect;&nbsp;198 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 GVG beispielhaft genannten Kriterien vermittelt im Streitfall kein einheitliches Bild.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>30<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Schwierigkeitsgrad des Verfahrens war als eher &uuml;berdurchschnittlich anzusehen. Einerseits waren Aufwendungen im Zusammenhang mit Rechtsanwaltskosten bei einem Verfahren vor dem EGMR zu beurteilen, f&uuml;r die eine h&ouml;chstrichterliche Rechtsprechung nicht vorlag. Zum anderen befand sich die Rechtsprechung zur Ber&uuml;cksichtigung von Prozesskosten als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen, wenn auch den Zivilprozess betreffend, im Fluss.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>31<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Bedeutung des Ausgangsverfahrens war f&uuml;r die Kl&auml;gerin und E erheblich. Zum einen waren beide Eheleute bei Klageerhebung im Ausgangsverfahren hoch betagt und zum anderen hatten sie bereits ein Verfahren vor dem EGMR wegen eines &uuml;berlangen Strafverfahrens anstrengen m&uuml;ssen. Verst&auml;ndlicherweise war ihr Wunsch nach endg&uuml;ltiger Kl&auml;rung der Streitigkeiten gro&szlig;, zu denen aus ihrer Sicht auch der Finanzgerichtsprozess um die Anerkennung der Rechtsanwaltsgeb&uuml;hren als Annex zu dem vorangegangenen Strafverfahren und den Verfahren vor dem BVerfG und dem EGMR zu z&auml;hlen ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>32<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Die W&uuml;rdigung, dass die Verfahrensdauer in Bezug auf einen Zeitraum von sechs Monaten nach Erhebung der Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge vom 4.&nbsp;Juni 2012 unangemessen ist, ergibt sich aus einer Betrachtung des konkreten Verfahrensablaufs.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>33<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Juni 2012 hatte das Ausgangsverfahren bereits f&uuml;nfeinhalb Jahre gedauert. Faktisch hat es bis zu diesem Zeitpunkt geruht und wurde &#8211;trotz der Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge am 4.&nbsp;Juni 2012&#8211; erst dadurch aufgenommen, dass das FG im Dezember 2012 eine Entscheidung im 1.&nbsp;Quartal 2013 in Aussicht stellte. Demgem&auml;&szlig; ist im Zeitraum von Juni 2012 bis November 2012 (insgesamt sechs Monate) eine unangemessene Verz&ouml;gerung des Verfahrens eingetreten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>34<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. F&uuml;r die Verz&ouml;gerung des Verfahrens von der Erhebung der Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge vom 4.&nbsp;Juni 2012 bis zum November 2012 ist der Kl&auml;gerin eine Entsch&auml;digung f&uuml;r Nichtverm&ouml;gensnachteile in H&ouml;he von 1.200&nbsp;EUR zuzusprechen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>35<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Das Entstehen eines Nichtverm&ouml;gensnachteils wird in F&auml;llen unangemessener Verfahrensdauer gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;198 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 GVG vermutet (vgl. auch Senatsurteil in BFHE 240, 516, BStBl II 2013, 547, unter III.6.a).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>36<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Eine Wiedergutmachung auf andere Weise gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;198 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2, Abs.&nbsp;4 GVG w&auml;re im Streitfall f&uuml;r die unangemessenen Verz&ouml;gerungszeitr&auml;ume ab Inkrafttreten des Gesetzes nicht ausreichend. Daf&uuml;r spricht vor allem, dass das FG auf die zahlreichen Versuche der Kl&auml;gerin und des E, es zu einer Entscheidung innerhalb angemessener Frist zu bewegen, gar nicht reagiert und ihnen nicht einmal einen Zeitpunkt in Aussicht gestellt hat, ab dem mit einer Verfahrensf&ouml;rderung zu rechnen sei. In diesem Fall ist offensichtlich, dass die Kl&auml;gerin und E aus nachvollziehbaren Gr&uuml;nden an einer z&uuml;gigen Entscheidung interessiert und infolgedessen von der Verfahrensverz&ouml;gerung in st&auml;rkerem Ma&szlig;e betroffen waren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>37<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Umst&auml;nde daf&uuml;r, dass der in &sect;&nbsp;198 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;3 GVG genannte Regelbetrag von 1.200&nbsp;EUR f&uuml;r jedes Jahr der Verz&ouml;gerung vorliegend unbillig (&sect;&nbsp;198 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;4 GVG) sein k&ouml;nnte, sind nicht ersichtlich. Sie ergeben sich weder aus dem hohen Alter der Kl&auml;gerin und des E noch daraus, dass dieses Ausgangsverfahren seinen Ursprung in einem erfolgreichen Verfahren vor dem EGMR hatte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>38<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auch wenn im Gesetz ein Jahresbetrag genannt ist, kann dieser im konkreten Fall nach Monaten bemessen werden (ebenso bereits Senatsurteil in BFHE 243, 126, BStBl II 2014, 179).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>39<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Der Kl&auml;gerin ist f&uuml;r den erlittenen immateriellen Nachteil f&uuml;r sich und E jeweils ein Entsch&auml;digungsbetrag von 600&nbsp;EUR zu zahlen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>40<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Der Anspruch auf Entsch&auml;digung des immateriellen Nachteils ist ein personenbezogener Anspruch. Dies ergibt sich bereits aus dem Wortlaut des &sect;&nbsp;198 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 GVG. Er ist als ein Jedermann-Recht konzipiert und steht dementsprechend jeder Person zu, die an einem Gerichtsverfahren beteiligt ist (weiterf&uuml;hrend: Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 27.&nbsp;Februar 2014&nbsp;&nbsp;5&nbsp;C&nbsp;1\/13&nbsp;D, Buchholz&nbsp;300 &sect;&nbsp;198 GVG Nr.&nbsp;3). Verfahrensbeteiligt waren bei Klageerhebung die Kl&auml;gerin und ihr w&auml;hrend des Klageverfahrens verstorbener Ehemann, als dessen Alleinerbin die Kl&auml;gerin das Klageverfahren fortf&uuml;hrt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>41<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Der Entsch&auml;digungsanspruch des E ist vererblich, entspricht die Entsch&auml;digung doch einem Schadensersatzanspruch f&uuml;r immaterielle Sch&auml;den (zur Vererblichkeit eines solchen Anspruchs vgl. nur Palandt\/Heinrichs, &sect;&nbsp;253 BGB Rz&nbsp;22, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>42<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Diese Vererblichkeit wird auch nicht durch die Regelung in &sect;&nbsp;198 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;3 GVG ausgeschlossen (so auch Z&ouml;ller\/ L&uuml;ckemann, ZPO, 30.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;198 GVG, Rz&nbsp;11, unter Hinweis auf Steinbei&szlig;-Winkelmann\/Ott, Rz&nbsp;267). Zwar bestimmt diese Vorschrift, dass &quot;bis zur rechtskr&auml;ftigen Entscheidung &uuml;ber die Klage (&#8230;) der Anspruch nicht &uuml;bertragbar (ist)&quot;. Diese Vorschrift, die &sect;&nbsp;13 Abs.&nbsp;2 des Gesetzes &uuml;ber die Entsch&auml;digung f&uuml;r Strafverfolgungsma&szlig;nahmen nachgebildet worden ist, soll jedoch allein die Pf&auml;ndbarkeit nach &sect;&nbsp;851 Abs.&nbsp;1 der Zivilprozessordnung und damit den Handel mit dem Anspruch verhindern (vgl. BTDrucks&nbsp;17\/3802, 36).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>43<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Der Anspruch auf Zinsen ab Rechtsh&auml;ngigkeit ergibt sich aus der entsprechenden Anwendung der &sect;&sect;&nbsp;288 Abs.&nbsp;1, 291 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>44<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Die Kostenentscheidung folgt aus &sect;&nbsp;136 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>45<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und E haben eine Entsch&auml;digung in H&ouml;he von 8.400&nbsp;EUR beantragt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>46<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;gerin ist &#8211;auch als Alleinerbin des E&#8211; eine Entsch&auml;digung in H&ouml;he von 1.200&nbsp;EUR zuzusprechen, so dass sie zu 1.200\/8.400, also zu 1\/7 obsiegt hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>47<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>6. Mit Einverst&auml;ndnis der Beteiligten (&sect;&nbsp;90 Abs.&nbsp;2 i.V.m. &sect;&nbsp;155 Satz&nbsp;2 FGO) hat der erkennende Senat ohne m&uuml;ndliche Verhandlung entschieden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 20.8.2014, X K 9\/13 Unangemessene Verfahrensdauer bei 77-monatiger Dauer des finanzgerichtlichen Klageverfahrens; Pr&auml;klusionswirkung der nicht &quot;unverz&uuml;glich&quot; erhobenen Verz&ouml;gerungsr&uuml;ge bei Altf&auml;llen; Vererblichkeit der Entsch&auml;digung Leits&auml;tze 1. 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