{"id":63855,"date":"2015-01-09T07:37:58","date_gmt":"2015-01-09T05:37:58","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=63855"},"modified":"2015-01-09T07:37:58","modified_gmt":"2015-01-09T05:37:58","slug":"x-r-33-12-nach-bestandskraft-gestellter-antrag-auf-realsplitting-kein-rueckwirkendes-ereignis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-r-33-12-nach-bestandskraft-gestellter-antrag-auf-realsplitting-kein-rueckwirkendes-ereignis\/","title":{"rendered":"X&nbsp;R&nbsp;33\/12 &#8211; Nach Bestandskraft gestellter Antrag auf Realsplitting kein r&uuml;ckwirkendes Ereignis"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 20.8.2014, X R 33\/12<\/p>\n<p class=\"titel\">Nach Bestandskraft gestellter Antrag auf Realsplitting kein r&uuml;ckwirkendes Ereignis<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Ein erst nach Bestandskraft des Einkommensteuerbescheids gestellter Antrag auf Abzug von Unterhaltsleistungen im Wege des Realsplittings ist kein r&uuml;ckwirkendes Ereignis, wenn die Zustimmungserkl&auml;rung des Unterhaltsempf&auml;ngers dem Geber bereits vor Eintritt der Bestandskraft vorlag (Abgrenzung vom Senatsurteil vom 12. Juli 1989 X R 8\/84, BFHE 157, 484, BStBl II 1989, 957).<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) lebte im Streitjahr 2007 bereits seit mehreren Jahren von seiner Ehefrau (E) dauernd getrennt. Er leistete ihr Barunterhalt, den der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) in den Vorjahren 2003 bis 2006 beim Kl&auml;ger antragsgem&auml;&szlig; und mit Zustimmung der E als Sonderausgaben gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 des Einkommensteuergesetzes (EStG) ber&uuml;cksichtigte. Die letzte Zustimmungserkl&auml;rung der E datiert vom 30.&nbsp;Dezember 2009.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Einkommensteuererkl&auml;rung 2007 lie&szlig; der Kl&auml;ger von seinem Steuerberater (S) vorbereiten. S nutzte hierf&uuml;r die Steuerberatungssoftware eines gro&szlig;en kommerziellen Anbieters (A). Er &uuml;bermittelte die Daten am 8.&nbsp;M&auml;rz 2010 elektronisch an das FA; am Folgetag gingen die Anlagen zur Einkommensteuererkl&auml;rung in Papierform beim FA ein. Weder in den elektronisch &uuml;bermittelten Daten noch in den per Post &uuml;bersandten Unterlagen wurden Unterhaltsleistungen als Sonderausgaben geltend gemacht. Das FA veranlagte mit Bescheid vom 20.&nbsp;April 2010 erkl&auml;rungsgem&auml;&szlig;. Dieser Bescheid enthielt &#8211;mit Ausnahme einer teilweisen Vorl&auml;ufigkeitserkl&auml;rung im Hinblick auf anh&auml;ngige Musterverfahren hinsichtlich der Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit bestimmter, hier nicht einschl&auml;giger Normen&#8211; keine Nebenbestimmung. Er wurde nicht angefochten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 30.&nbsp;August 2010 beantragte S f&uuml;r den Kl&auml;ger &#8211;unter Beif&uuml;gung einer Anlage&nbsp;U&#8211; die &Auml;nderung des Bescheids nach &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 der Abgabenordnung (AO) oder dessen Berichtigung nach &sect;&nbsp;129 AO dahingehend, dass Unterhaltsleistungen in H&ouml;he von 13.800&nbsp;EUR als Sonderausgaben abgezogen werden. Er brachte vor, die verwendete Software der A habe f&uuml;r das Jahr 2007 einen Programmierfehler aufgewiesen. Unterhaltsaufwendungen w&uuml;rden im Rahmen der Daten&uuml;bernahme aus dem Vorjahr zwar auf dem Bildschirm des Softwarenutzers angezeigt, jedoch weder in die dem FA zu &uuml;bermittelnden Daten noch in die Papierausdrucke der Steuererkl&auml;rung &uuml;bernommen. A habe auf diesen Fehler zwar seit dem 5.&nbsp;November 2008 in ihrem Internetangebot hingewiesen und eine M&ouml;glichkeit zu seiner Vermeidung aufgezeigt; dieser Hinweis m&uuml;sse einem Steuerberater aber nicht bekannt sein. Nach Ergehen des Steuerbescheids habe S die &#8211;ihm vom FA auch elektronisch zur Verf&uuml;gung gestellten&#8211; Bescheiddaten lediglich mit den von ihm dem FA &uuml;ber die A-Software &uuml;bermittelten Daten verglichen, was berufs&uuml;blich sei und keine Abweichungen ergeben habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA lehnte den &Auml;nderungsantrag ab. Einspruch und Klage hatten keinen Erfolg. Das Finanzgericht (FG) f&uuml;hrte zur Begr&uuml;ndung seiner klageabweisenden Entscheidung aus (Entscheidungen der Finanzgerichte &#8211;EFG&#8211; 2012, 2183), eine Berichtigung nach &sect;&nbsp;129 AO komme nicht in Betracht, weil der Fehler dem FA nur unter Heranziehung der Steuerakten der Vorjahre h&auml;tte auffallen k&ouml;nnen, was nach der h&ouml;chstrichterlichen Rechtsprechung die Annahme eines mechanischen Versehens ausschlie&szlig;e.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zwar erm&ouml;gliche die Vorschrift des &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 AO eine &Auml;nderung, wenn erst nach Eintritt der Bestandskraft des bisherigen Bescheids sowohl die Zustimmungserkl&auml;rung erteilt als auch der Antrag gestellt werde (Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 12.&nbsp;Juli 1989 X&nbsp;R&nbsp;8\/84, BFHE 157, 484, BStBl II 1989, 957). Dies solle dem Umstand Rechnung tragen, dass die Zustimmung des Unterhaltsempf&auml;ngers f&uuml;r den Geber mitunter schwierig zu erlangen sei. Sei die Zustimmung im Zeitpunkt des Eintritts der Bestandskraft aber bereits erkl&auml;rt, gebe es kein Bed&uuml;rfnis daf&uuml;r, einen nachtr&auml;glichen Antrag des Gebers unter Durchbrechung der Bestandskraft zur&uuml;ckwirken zu lassen. In solchen F&auml;llen habe es der Steuerpflichtige selbst in der Hand, den Antrag rechtzeitig zu stellen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auch eine &Auml;nderung nach &sect;&nbsp;173 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 AO scheide aus. Zum einen sei der Antrag nicht als nachtr&auml;glich bekanntgewordene Tatsache, sondern als nachtr&auml;glich entstandene Tatsache anzusehen. Zum anderen habe S grob schuldhaft gehandelt, indem er den Steuerbescheid nur mit den von ihm &uuml;bermittelten Daten, nicht aber mit den bereits in mehreren Vorjahren geltend gemachten Betr&auml;gen verglichen habe. Dieses Verschulden sei dem Kl&auml;ger zuzurechnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit seiner Revision greift der Kl&auml;ger das Urteil der Vorinstanz hinsichtlich der Ausf&uuml;hrungen zu &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 AO an. Der Antrag stehe in sachlich untrennbarem Zusammenhang mit der Zustimmungserkl&auml;rung; einkommensteuerrechtlich relevant sei allein der durch die Zustimmungserkl&auml;rung des Empf&auml;ngers qualifizierte Antrag des Gebers. Daher sei es nicht m&ouml;glich, zwar die Zustimmungserkl&auml;rung, nicht aber den Antrag als r&uuml;ckwirkendes Ereignis anzusehen. Ferner gebe es keinen Grundsatz, wonach Antr&auml;ge, die nach dem Gesetz nicht ausdr&uuml;cklich fristgebunden seien, nur bis zur Bestandskraft des Bescheids gestellt werden k&ouml;nnten. Da f&uuml;r die Besteuerung des Empf&auml;ngers zweifellos erst der Antrag das ausl&ouml;sende &#8211;und ggf. auch r&uuml;ckwirkende&#8211; Ereignis darstelle, m&uuml;sse dies wegen der materiell-rechtlichen Korrespondenz zwischen dem Sonderausgabenabzug des Gebers und der Versteuerung beim Empf&auml;nger auch f&uuml;r den Geber gelten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt sinngem&auml;&szlig;,<br \/>das angefochtene Urteil, die Einspruchsentscheidung vom 5.&nbsp;Mai 2011 und den Ablehnungsbescheid vom 2.&nbsp;September 2010 aufzuheben und das FA zu verpflichten, den Einkommensteuerbescheid 2007 vom 20.&nbsp;April 2010 dahingehend zu &auml;ndern, dass anstelle des Sonderausgaben-Pauschbetrags Unterhaltsleistungen in H&ouml;he von 13.800&nbsp;EUR als Sonderausgaben ber&uuml;cksichtigt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und nach &sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Soweit das FG die gesetzlichen Voraussetzungen f&uuml;r eine Berichtigung nach &sect;&nbsp;129 AO oder eine &Auml;nderung nach &sect;&nbsp;173 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 AO als nicht erf&uuml;llt ansieht, nimmt die Revision dies hin. Im Hinblick darauf sieht der Senat von weiteren Ausf&uuml;hrungen zu der insoweit zutreffenden Entscheidung des FG ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Dar&uuml;ber hinaus ist auch eine &Auml;nderung nach &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 AO nicht m&ouml;glich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach dieser Vorschrift ist ein Steuerbescheid zu &auml;ndern, soweit ein Ereignis eintritt, das steuerliche Wirkung f&uuml;r die Vergangenheit hat. Ob ein Ereignis ausnahmsweise steuerlich in die Vergangenheit zur&uuml;ckwirkt, richtet sich allein nach den Normen des jeweils einschl&auml;gigen materiellen Steuerrechts (Beschluss des Gro&szlig;en Senats des BFH vom 19.&nbsp;Juli 1993 GrS&nbsp;2\/92, BFHE 172, 66, BStBl II 1993, 897, unter C.II.1.c, m.w.N.). Es muss ein Bed&uuml;rfnis bestehen, eine schon bestandskr&auml;ftig getroffene Regelung an die nachtr&auml;gliche Sachverhalts&auml;nderung anzupassen (BFH-Urteil in BFHE 157, 484, BStBl II 1989, 957, unter 1.a).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) R&auml;umt das Gesetz dem Steuerpflichtigen ein Wahlrecht ein, dessen Aus&uuml;bung keiner ausdr&uuml;cklichen zeitlichen Begrenzung unterliegt, ergibt sich eine solche Begrenzung nach st&auml;ndiger h&ouml;chstrichterlicher Rechtsprechung &#8211;jedenfalls vorbehaltlich des Vorliegens besonderer Ausnahmekonstellationen&#8211; gleichwohl durch das allgemeine verfahrensrechtliche Institut der Bestandskraft (BFH-Urteil vom 30.&nbsp;August 2001 IV&nbsp;R&nbsp;30\/99, BFHE 196, 507, BStBl II 2002, 49, unter II.2.a, mit zahlreichen weiteren Nachweisen).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die von der Rechtsprechung bisher angenommenen Ausnahmen von diesem Grundsatz sind in aller Regel dadurch gekennzeichnet, dass zumindest bei einer &uuml;bergreifenden Betrachtung noch keine vollst&auml;ndige Bestandskraft eingetreten war (vgl. BFH-Urteil vom 3.&nbsp;M&auml;rz 2005 III&nbsp;R&nbsp;22\/02, BFHE 209, 454, BStBl II 2005, 690: ein Antrag auf getrennte Veranlagung, den ein Ehegatte <em>vor<\/em> Bestandskraft des ihm gegen&uuml;ber ergangenen Zusammenveranlagungsbescheids stellt, ist f&uuml;r den anderen Ehegatten als r&uuml;ckwirkendes Ereignis anzusehen; BFH-Urteil vom 10.&nbsp;November 2004 II&nbsp;R&nbsp;24\/03, BFHE 207, 364, BStBl II 2005, 182: die Erkl&auml;rung des Schenkers, den schenkungsteuerrechtlichen Freibetrag f&uuml;r Betriebsverm&ouml;gen in Anspruch nehmen zu wollen, ist dann ein r&uuml;ckwirkendes Ereignis, wenn die Schenkungsteuerfestsetzung hinsichtlich des Betriebsverm&ouml;gens noch vorl&auml;ufig ist; anders jedoch BFH-Urteil vom 12.&nbsp;Januar 1994 II&nbsp;R&nbsp;72\/91, BFHE 173, 226, BStBl II 1994, 302: der Antrag nach &sect;&nbsp;23 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 des Grunderwerbsteuergesetzes auf Anwendung des ab dem 1.&nbsp;Januar 1983 geltenden Rechts auf Erwerbsvorg&auml;nge vor diesem Stichtag stellt auch dann ein r&uuml;ckwirkendes Ereignis dar, wenn nicht nur die Grunderwerbsteuerfestsetzung, sondern auch die Festsetzung einer Nachsteuer bereits bestandskr&auml;ftig geworden ist).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Eine solche Ausnahmekonstellation hat der erkennende Senat im Urteil in BFHE 157, 484, BStBl II 1989, 957 in Bezug auf das Realsplitting auch f&uuml;r den Fall bejaht, dass erst nach Eintritt der Bestandskraft des urspr&uuml;nglichen Einkommensteuerbescheids sowohl die Zustimmung des Empf&auml;ngers der Unterhaltsleistungen erteilt als auch der Antrag des Gebers gestellt wurde (ebenso BFH-Urteil vom 10.&nbsp;Oktober 1996 III&nbsp;R&nbsp;94\/93, BFHE 181, 458 zur &Uuml;bertragung des Kinderfreibetrags, wenn sowohl Antrag als auch Zustimmung erst nach Bestandskraft des urspr&uuml;nglichen Bescheids vorliegen).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dem Kl&auml;ger ist zuzugeben, dass der Senat in dieser Entscheidung ausgef&uuml;hrt hat, der Antrag sei nicht nur Verfahrenshandlung, sondern in sachlich untrennbarem Zusammenhang mit der Zustimmung des Empf&auml;ngers selbst Merkmal des gesetzlichen Tatbestands und wirke in dieser Eigenschaft unmittelbar rechtsgestaltend und nachtr&auml;glich auf die Steuerschuld ein. Antrag und Zustimmung d&uuml;rften nicht losgel&ouml;st voneinander beurteilt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Diese Ausf&uuml;hrungen k&ouml;nnten &#8211;bei isolierter Betrachtung&#8211; daf&uuml;r sprechen, dass es nicht darauf ankomme, ob die Zustimmungserkl&auml;rung des Empf&auml;ngers im Zeitpunkt des Eintritts der Bestandskraft des urspr&uuml;nglichen Bescheids bereits vorlag oder ob &#8211;wie im Fall des Senatsurteils in BFHE 157, 484, BStBl II 1989, 957&#8211; <em>beide<\/em> Verfahrenserkl&auml;rungen erst nachtr&auml;glich abgegeben wurden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Eine solche Betrachtung w&uuml;rde indes dem Umstand nicht gerecht, dass die vorstehend zitierten Ausf&uuml;hrungen in der angef&uuml;hrten Entscheidung auf der Einsch&auml;tzung des Senats fu&szlig;en, die R&uuml;ckwirkung des rechtsgestaltenden Antrags ergebe sich aus der Erw&auml;gung, die erforderliche Zustimmung des Empf&auml;ngers werde in typischen F&auml;llen erst nachtr&auml;glich erteilt. Daher bestehe ein Bed&uuml;rfnis, eine schon bestandskr&auml;ftig gewordene Regelung an die nachtr&auml;gliche &Auml;nderung des Sachverhalts anzupassen. Grundlage f&uuml;r diese Erw&auml;gung war die im damaligen Streitjahr (1979) geltende Rechtslage, wonach die Zustimmung keine Dauerwirkung hatte, sondern f&uuml;r jeden Veranlagungszeitraum erneut erteilt werden musste, was stets ein nochmaliges, auf den einzelnen Veranlagungszeitraum bezogenes Zusammenwirken des Unterhaltspflichtigen mit seinem geschiedenen oder dauernd getrennt lebenden Ehegatten zur Erlangung der Zustimmung voraussetzte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Demgegen&uuml;ber hat die Zustimmung seit 1990 grunds&auml;tzlich Dauerwirkung (&sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;4 EStG); ein Widerruf hat nur Wirkung f&uuml;r Kalenderjahre, die erst nach dem Widerruf beginnen (&sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;5 EStG). Damit ist seither nicht mehr davon auszugehen, dass die Zustimmung typischerweise erst nach Ablauf des Veranlagungszeitraums erteilt wird. Vielmehr ist die dauerhaft wirkende Zustimmung die Regel. In einem solchen Fall besteht aber jedenfalls dann kein Bed&uuml;rfnis f&uuml;r eine bestandskraftdurchbrechende R&uuml;ckwirkung &#8211;allein&#8211; des Antrags, wenn die Zustimmungserkl&auml;rung dem Geber im Zeitpunkt des Eintritts der Bestandskraft des urspr&uuml;nglichen Bescheids tats&auml;chlich bereits vorliegt (ebenso Kulosa in Herrmann\/Heuer\/ Raupach, &sect;&nbsp;10 EStG Rz&nbsp;62 a.E.; dem vorinstanzlichen Urteil im vorliegenden Verfahren zustimmend auch Schmidt\/Heinicke, EStG, 33. Aufl., &sect;&nbsp;10 Rz&nbsp;53; &auml;hnlich von Groll in H&uuml;bschmann\/Hepp\/ Spitaler, &sect;&nbsp;175 AO Rz&nbsp;65; anderer Ansicht S&ouml;hn, in: Kirchhof\/ S&ouml;hn\/Mellinghoff, EStG, &sect;&nbsp;10 Rz&nbsp;C&nbsp;62). Vielmehr hat es in einer solchen &#8211;auch im vorliegenden Fall gegebenen&#8211; Sachverhaltskonstellation allein der Geber in der Hand, den durch die bereits vorliegende Zustimmungserkl&auml;rung qualifizierten Antrag rechtzeitig vor Eintritt der Bestandskraft zu stellen oder nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Dem steht das &#8211;zu der seit 1990 geltenden Rechtslage ergangene&#8211; BFH-Urteil vom 28.&nbsp;Juni 2006 XI&nbsp;R&nbsp;32\/05 (BFHE 214, 314, BStBl II 2007, 5) nicht entgegen. Im dortigen Streitfall lag dem Geber zwar eine Zustimmungserkl&auml;rung &uuml;ber einen niedrigeren Betrag vor. Erst nach Bestandskraft der Veranlagung konnte er aber eine Zustimmungserkl&auml;rung &uuml;ber den Abzug von Unterhaltsleistungen im Umfang des gesetzlichen H&ouml;chstbetrags erlangen und einen entsprechend erweiterten Antrag stellen. Damit befindet sich ein solcher Geber &#8211;wie der XI.&nbsp;Senat zu Recht ausf&uuml;hrt&#8211; in derselben Situation wie ein Steuerpflichtiger, der noch gar keine Zustimmungserkl&auml;rung des Empf&auml;ngers erlangt hat. Mit Sachverhalten, in denen im Zeitpunkt des Eintritts der Bestandskraft eine &#8211;auch der H&ouml;he nach hinreichende&#8211; Zustimmungserkl&auml;rung bereits vorliegt, ist dies jedoch nicht vergleichbar.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Auffassung des Senats steht auch nicht in Widerspruch zu der finanzgerichtlichen Rechtsprechung, wonach f&uuml;r die Besteuerung des Empf&auml;ngers der Unterhaltsleistungen der Antrag des Gebers unabh&auml;ngig vom Zeitpunkt der Zustimmung des Empf&auml;ngers ein r&uuml;ckwirkendes Ereignis darstellt (vgl. Urteile des FG K&ouml;ln vom 27.&nbsp;April 1995&nbsp;&nbsp;2&nbsp;K&nbsp;3854\/94, EFG 1995, 893, und des FG Hamburg vom 13.&nbsp;Juni 1995 III&nbsp;170\/93, EFG 1995, 894). Im Hinblick auf die zutreffende Besteuerung des Empf&auml;ngers besteht hier ein Bed&uuml;rfnis an der R&uuml;ckwirkung des &#8211;im &Uuml;brigen nicht von diesem, sondern von dem Geber als Dritten gestellten&#8211; Antrags, weil ansonsten die im Gesetz angelegte materiell-rechtliche Korrespondenz zwischen dem Sonderausgabenabzug beim Geber und der Versteuerung als sonstige Eink&uuml;nfte beim Empf&auml;nger bei einer bestimmten zeitlichen Abfolge von Zustimmung, Veranlagung und Antrag verfahrensrechtlich vereitelt w&uuml;rde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>e) Im Streitfall lag dem Kl&auml;ger eine Zustimmungserkl&auml;rung der E jedenfalls seit dem 30.&nbsp;Dezember 2009 vor. Er reichte seine Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r das Streitjahr 2007 erst nach diesem Zeitpunkt &#8211;am 8.&nbsp;M&auml;rz 2010&#8211; beim FA ein. Der Einkommensteuerbescheid 2007 vom 20.&nbsp;April 2010 ist am 25.&nbsp;Mai 2010 bestandskr&auml;ftig geworden. Ein Bed&uuml;rfnis, den erst am 30.&nbsp;August 2010 gestellten Antrag auf Ber&uuml;cksichtigung der Unterhaltsleistungen als Sonderausgaben zur&uuml;ckwirken zu lassen, besteht vor diesem Hintergrund nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 20.8.2014, X R 33\/12 Nach Bestandskraft gestellter Antrag auf Realsplitting kein r&uuml;ckwirkendes Ereignis Leits&auml;tze Ein erst nach Bestandskraft des Einkommensteuerbescheids gestellter Antrag auf Abzug von Unterhaltsleistungen im Wege des Realsplittings ist kein r&uuml;ckwirkendes Ereignis, wenn die Zustimmungserkl&auml;rung des Unterhaltsempf&auml;ngers dem Geber bereits vor Eintritt der Bestandskraft vorlag (Abgrenzung vom Senatsurteil vom 12. &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-r-33-12-nach-bestandskraft-gestellter-antrag-auf-realsplitting-kein-rueckwirkendes-ereignis\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">X&nbsp;R&nbsp;33\/12 &#8211; Nach Bestandskraft gestellter Antrag auf Realsplitting kein r&uuml;ckwirkendes Ereignis<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-63855","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63855","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=63855"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63855\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=63855"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=63855"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=63855"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}