{"id":63877,"date":"2015-01-09T07:39:40","date_gmt":"2015-01-09T05:39:40","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=63877"},"modified":"2015-01-09T07:39:40","modified_gmt":"2015-01-09T05:39:40","slug":"i-b-164-13-anforderungen-an-die-bezeichnung-des-gegenstands-des-klagebegehrens-bei-klage-gegen-schaetzungsbescheid-verfahrensmangel-bei-prozessurteil-statt-sachurteil-ueber-zulaessige-klage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-b-164-13-anforderungen-an-die-bezeichnung-des-gegenstands-des-klagebegehrens-bei-klage-gegen-schaetzungsbescheid-verfahrensmangel-bei-prozessurteil-statt-sachurteil-ueber-zulaessige-klage\/","title":{"rendered":"I&nbsp;B&nbsp;164\/13 &#8211; Anforderungen an die Bezeichnung des Gegenstands des Klagebegehrens bei Klage gegen Sch&auml;tzungsbescheid &#8211; Verfahrensmangel bei Prozessurteil statt Sachurteil &uuml;ber zul&auml;ssige Klage"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 30.9.2014, I B 164\/13<\/p>\n<p class=\"titel\">Anforderungen an die Bezeichnung des Gegenstands des Klagebegehrens bei Klage gegen Sch&auml;tzungsbescheid &#8211; Verfahrensmangel bei Prozessurteil statt Sachurteil &uuml;ber zul&auml;ssige Klage<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td> I. Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin), eine Unternehmergesellschaft (haftungsbeschr&auml;nkt), betrieb in den Streitjahren 2010 und 2011 eine Nachtbar. F&uuml;r das Jahr 2011 reichte sie keine Steuererkl&auml;rungen beim Beklagten und Beschwerdegegner (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) ein.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Zuge einer durchgef&uuml;hrten Au&szlig;en- sowie Steuerfahndungspr&uuml;fung ging das FA davon aus, dass erhebliche Ums&auml;tze nicht der Besteuerung unterworfen worden waren. Es verwarf die vorhandene Buchf&uuml;hrung als nicht ordnungsgem&auml;&szlig;, sch&auml;tzte die Besteuerungsgrundlagen und erlie&szlig; schlie&szlig;lich f&uuml;r 2010 ge&auml;nderte und f&uuml;r 2011 erstmalige K&ouml;rperschaft-, Umsatz- und Gewerbesteuermessbescheide. Mit ihren Einspr&uuml;chen machte die Kl&auml;gerin geltend, dass die Sch&auml;tzungen unzutreffend und nicht nachvollziehbar seien. Als die angek&uuml;ndigte Erg&auml;nzung der Einspruchsbegr&uuml;ndung ausgeblieben war, wies das FA die Rechtsbehelfe als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ck.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Klageverfahren machte die Kl&auml;gerin erneut geltend, dass die unzutreffenden Hinzusch&auml;tzungen auf unhaltbaren Vermutungen beruhten und die Bescheide infolge dessen aufzuheben seien.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nachdem die Kl&auml;gerin eine Aufforderung des Nieders&auml;chsischen Finanzgerichts (FG), den Gegenstand des Klagebegehrens zu bezeichnen, erst nach Fristablauf dahingehend beantwortet hatte, eine weiter gehende Konkretisierung sei ihr wegen der Beschlagnahme der steuerlich relevanten Unterlagen und der Ablehnung ihres Antrages auf Herausgabe der Beweismittel nicht m&ouml;glich, wies das FG die Klage als unzul&auml;ssig ab. Das Klagebegehren lasse sich selbst unter Heranziehung der Steuerakten nicht erkennen. Die Verweigerung der Herausgabe der sichergestellten Unterlagen entlaste sie im Hinblick auf die M&ouml;glichkeit der Akteneinsicht nicht. Au&szlig;erdem habe sie &uuml;ber den Betriebspr&uuml;fungsbericht verf&uuml;gt, anhand dessen eine Substantiierung des Streitgegenstands m&ouml;glich gewesen sei (Urteil vom 3.&nbsp;September 2013&nbsp;&nbsp;6&nbsp;K&nbsp;129\/13).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt die Zulassung der Revision gegen das FG-Urteil.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, die Nichtzulassungsbeschwerde zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td> II. Die Beschwerde ist unzul&auml;ssig. Die Beschwerdebegr&uuml;ndung entspricht nicht den Anforderungen des &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 der Finanzgerichtsordnung (FGO) an die Darlegung eines Zulassungsgrunds i.S. des &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 FGO. Die Kl&auml;gerin hat nicht schl&uuml;ssig das Vorliegen eines Verfahrensfehlers (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 FGO) ger&uuml;gt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Ein Verfahrensfehler liegt vor, wenn das FG &uuml;ber eine zul&auml;ssige Klage nicht zur Sache, sondern durch Prozessurteil entscheidet. Dies kann z.B. dann der Fall sein, wenn das FG die Klage zu Unrecht mit der Begr&uuml;ndung als unzul&auml;ssig abweist, der Gegenstand des Klagebegehrens sei &#8211;trotz der daf&uuml;r vom Gericht gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;65 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 FGO gesetzten Ausschlussfrist&#8211; von dem Kl&auml;ger nicht hinreichend bezeichnet worden (vgl. z.B. Beschl&uuml;sse des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 14.&nbsp;August 2013 III&nbsp;B&nbsp;13\/13, BFH\/NV 2013, 1795; vom 18.&nbsp;November 2013 X&nbsp;B&nbsp;130\/13, BFH\/NV 2014, 371).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Eine Verletzung des &sect;&nbsp;65 FGO hat die Kl&auml;gerin im Streitfall nicht schl&uuml;ssig dargelegt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Klagt ein Steuerpflichtiger gegen Steuerbescheide mit gesch&auml;tzten Besteuerungsgrundlagen, so muss er zwecks Bezeichnung des Klagebegehrens zumindest substantiiert darlegen, weshalb die gesch&auml;tzten Besteuerungsgrundlagen zu hoch angesetzt wurden. Soweit wegen fehlender Unterlagen genaue Angaben nicht m&ouml;glich sind, muss er anhand der ihm zug&auml;nglichen Erkenntnisquellen zumindest eine substantiierte Sch&auml;tzung vornehmen (BFH-Beschl&uuml;sse vom 31.&nbsp;Juli 2007 VIII&nbsp;B&nbsp;41\/05, BFH\/NV 2007, 2304; in BFH\/NV 2013, 1795).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Dass die Kl&auml;gerin in dieser Weise ihrer Pflicht zur Bezeichnung des Klagebegehrens nachgekommen sei, hat sie in der Beschwerdebegr&uuml;ndung selbst nicht vorgetragen. Dort wird nicht in Abrede gestellt, dass die Klage lediglich mit dem pauschalen Vorbringen begr&uuml;ndet wurde, die Sch&auml;tzungen beruhten auf unhaltbaren Vermutungen, seien unzutreffend und nicht nachvollziehbar. Dies reichte aber ersichtlich nicht aus, um den Gegenstand einer gegen einen Steuerbescheid gerichteten Anfechtungsklage hinreichend zu bezeichnen. Der Hinweis der Kl&auml;gerin, substantiierte Angaben seien wegen der Beschlagnahme und Nichtherausgabe der steuerrelevanten Unterlagen nicht m&ouml;glich gewesen, f&uuml;hrt nicht zur Schl&uuml;ssigkeit der Verfahrensr&uuml;ge. Denn damit wird nicht aufgezeigt, dass ihr jeglicher Zugang zu den f&uuml;r die sachgerechte Bezeichnung des Klagebegehrens n&ouml;tigen Informationen verwehrt war. So f&uuml;hrt die Kl&auml;gerin insbesondere nicht aus, weshalb ihr die unmittelbare oder die durch das FA oder das FG vermittelte Einsichtnahme in die von den Strafverfolgungsbeh&ouml;rden verwahrten Unterlagen nicht m&ouml;glich gewesen sein sollte. Das FG hat darauf und die damit in Zusammenhang stehende M&ouml;glichkeit, die Ausschlussfrist zu verl&auml;ngern, zu Recht hingewiesen. Die Beschwerdebegr&uuml;ndung verh&auml;lt sich auch nicht dazu, weshalb der f&uuml;r die Kl&auml;gerin verf&uuml;gbare Au&szlig;enpr&uuml;fungsbericht, der in seinen Anlagen zahlreiche Einzelangaben zur Sch&auml;tzung der Betriebseinnahmen\/Ums&auml;tze des Bar- bzw. Bordellbetriebs enthielt, als Grundlage f&uuml;r eine n&auml;here Substantiierung des Klagebegehrens ausschied.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 30.9.2014, I B 164\/13 Anforderungen an die Bezeichnung des Gegenstands des Klagebegehrens bei Klage gegen Sch&auml;tzungsbescheid &#8211; Verfahrensmangel bei Prozessurteil statt Sachurteil &uuml;ber zul&auml;ssige Klage Tatbestand 1&nbsp; I. Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin), eine Unternehmergesellschaft (haftungsbeschr&auml;nkt), betrieb in den Streitjahren 2010 und 2011 eine Nachtbar. 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