{"id":63897,"date":"2015-01-09T07:40:37","date_gmt":"2015-01-09T05:40:37","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=63897"},"modified":"2015-01-09T07:40:37","modified_gmt":"2015-01-09T05:40:37","slug":"x-b-32-14-zulassung-der-revision-rechtsfehler-bei-ermessensentscheidungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-b-32-14-zulassung-der-revision-rechtsfehler-bei-ermessensentscheidungen\/","title":{"rendered":"X&nbsp;B&nbsp;32\/14 &#8211; Zulassung der Revision; Rechtsfehler bei Ermessensentscheidungen"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 29.10.2014, X B 32\/14<\/p>\n<p class=\"titel\">Zulassung der Revision; Rechtsfehler bei Ermessensentscheidungen<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;ger und Beschwerdegegner (Kl&auml;ger) hatten f&uuml;r das Jahr 2006 die getrennte Veranlagung beantragt. Der Ehemann war an mehreren Kommanditgesellschaften beteiligt und erzielte hieraus Eink&uuml;nfte aus Gewerbebetrieb. Die 2008 erlassenen Einkommensteuerbescheide f&uuml;r beide Kl&auml;ger lauteten zun&auml;chst auf 0&nbsp;EUR. Bei dem Ehemann waren erhebliche Verlustvortr&auml;ge ber&uuml;cksichtigt worden. Nach einer Betriebspr&uuml;fung bei einer der Kommanditgesellschaften mehrere Jahre sp&auml;ter wurde der Anteil des Kl&auml;gers von einem bisher sechsstelligen Verlust auf einen siebenstelligen Gewinn ge&auml;ndert. Der Beklagte und Beschwerdef&uuml;hrer (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) setzte die Einkommensteuer mit Bescheid aus dem Jahre 2012 in H&ouml;he von 328.175&nbsp;EUR fest. Hinzu traten Zinsen nach &sect;&nbsp;233a der Abgabenordnung (AO) in H&ouml;he von 80.396&nbsp;EUR.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger erhob Einspruch und beantragte mit Zustimmung der Kl&auml;gerin die Zusammenveranlagung. Das FA hob den Bescheid gegen&uuml;ber der Kl&auml;gerin auf und setzte im Wege der Zusammenveranlagung die Einkommensteuer auf 150.548&nbsp;EUR fest. Die Zinsfestsetzung blieb bestehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger beantragten einen Teilerlass der Zinsen in H&ouml;he von 40.514&nbsp;EUR. Die verbleibenden Zinsen von 39.882&nbsp;EUR entspr&auml;chen einer Verzinsung auf der Grundlage der zuletzt festgesetzten Einkommensteuer von 150.548&nbsp;EUR. Im Falle einer von Anfang an durchgef&uuml;hrten Zusammenveranlagung f&uuml;hre die Verzinsung von 80.396&nbsp;EUR zu einem Zinssatz von 13,08&nbsp;%. Das FA lehnte den Erlass ab und wies den Einspruch zur&uuml;ck. Die Zinsfestsetzung entspreche den Regelungen des &sect;&nbsp;233a AO und damit Sinn und Zweck des Gesetzes. Der Antrag auf Zusammenveranlagung sei ungeachtet des Umstandes, dass die &Auml;nderung der Steuerfestsetzung bei dem antragstellenden Ehegatten in der Regel auf &sect;&nbsp;172 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2a AO beruhe, ein r&uuml;ckwirkendes Ereignis nach &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 AO, das aber im Rahmen der Verzinsung nach &sect;&nbsp;233a Abs.&nbsp;2a AO nicht zur&uuml;ckwirke.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die auf Neubescheidung gerichtete Klage hatte Erfolg. Das Finanzgericht (FG) hat ausgef&uuml;hrt, zwar entspreche die Zinsfestsetzung der Rechtslage. Die Entscheidung des FA &uuml;ber den Erlass sei jedoch ermessensfehlerhaft, da das FA auf die besonderen Erw&auml;gungen der Kl&auml;ger zum Einzelfall nicht eingegangen sei. Es habe in seine Erw&auml;gungen nicht die Frage einbezogen, in welcher H&ouml;he f&uuml;r die Kl&auml;ger &uuml;berhaupt ein Liquidit&auml;tsvorteil habe entstehen k&ouml;nnen, da bei &ouml;konomischer Betrachtung mit den Feststellungen der Betriebspr&uuml;fung die Wahl der Zusammenveranlagung untrennbar einhergegangen sei. Es habe sich auch nicht mit dem Einwand der Kl&auml;ger auseinandergesetzt, sie h&auml;tten von Beginn an die Zusammenveranlagung gew&auml;hlt, wenn sie Kenntnis von den steuerlich belastenden Feststellungen der Betriebspr&uuml;fung gehabt h&auml;tten. Schlie&szlig;lich werde sich das FA mit dem Argument befassen m&uuml;ssen, die Effektivverzinsung betrage angesichts des tats&auml;chlichen Liquidit&auml;tsvorteils mehr als das Doppelte des gesetzlichen Zinssatzes.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit seiner Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision f&uuml;hrt das FA aus, die Verzinsung entspreche den gesetzlichen Regelungen. Ein Erlass f&uuml;hrte unmittelbar zur Beseitigung der in &sect;&nbsp;233a Abs.&nbsp;7 Satz&nbsp;2 Halbsatz&nbsp;2 AO angeordneten Rechtsfolge, so dass eine Ermessensreduzierung auf Null zu Ungunsten des Kl&auml;gers in Rede stehe. Wenn das FG meine, die Situation sei deutlich anders als wenn bei unver&auml;nderter Besteuerungsgrundlage nachtr&auml;glich ein Gestaltungsrecht (hier die Zusammenveranlagung) geltend gemacht werde, so stelle sich die grunds&auml;tzlich bedeutsame und bisher nicht entschiedene Rechtsfrage, ob die Kl&auml;ger ihr Wahlrecht zu Gunsten der Zusammenveranlagung bereits vor dem Erlass des betreffenden Bescheides h&auml;tten aus&uuml;ben k&ouml;nnen und m&uuml;ssen, um die negative Rechtsfolge der Verzinsung zu vermeiden. Mit seinen &Uuml;berlegungen zum Zinssatz f&uuml;hre das FG Ma&szlig;st&auml;be ein, die nach dem Gesetz nicht vorgesehen seien, und gehe von Rechtsgrunds&auml;tzen aus, die denen des Bundesfinanzhofs (BFH) und der FG nicht entspr&auml;chen, so dass die Zulassung wegen Divergenz geboten sei. Schlie&szlig;lich w&auml;re die Zulassung der Revision auch unter dem Aspekt des &quot;Fehlers von erheblichem Gewicht&quot; vertretbar, zumal das angefochtene Urteil eine negative Entwicklung f&uuml;r die Billigkeitsrechtsprechung bef&uuml;rchten lasse. Ob tats&auml;chlich ein solcher Fehler vorliege, sei allerdings dem Revisionsverfahren vorbehalten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist, soweit sie zul&auml;ssig ist, unbegr&uuml;ndet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Das FA beruft sich im Wesentlichen darauf, die Entscheidung des FG sei in der Sache grob fehlerhaft, und macht damit einen qualifizierten Rechtsanwendungsfehler bzw. eine greifbare Gesetzwidrigkeit als besondere Spielart des Zulassungsgrundes des &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Alternative&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) geltend (dazu vgl. Senatsbeschl&uuml;sse vom 12.&nbsp;Februar 2014 X&nbsp;B&nbsp;12\/13, BFH\/NV 2014, 874; vom 8.&nbsp;Mai 2014 X&nbsp;B&nbsp;105\/13, BFH\/NV 2014, 1213, und vom 4.&nbsp;Juni 2014 X&nbsp;B&nbsp;95\/13, BFH\/NV 2014, 1355, jeweils m.w.N.). Es entspricht den Vorstellungen des Gesetzgebers, dass ein qualifizierter Rechtsfehler die Zulassung der Revision dann erm&ouml;glicht, wenn ein allgemeines Interesse an einer korrigierenden Entscheidung des Revisionsgerichts besteht (vgl. Lange in H&uuml;bschmann\/Hepp\/Spitaler, &sect;&nbsp;115 FGO Rz&nbsp;201). Soweit das FG-Urteil fehlerhaft sein sollte, vermag der Senat jedenfalls eine solche schwerwiegende Fehlerhaftigkeit nicht zu erkennen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Wenn das FA unter Bezugnahme auf die Rechtsprechung des BFH allgemein ausf&uuml;hrt, die Zinsfestsetzung entspreche den gesetzlichen Regelungen, ist dies im Erlassverfahren materiell-rechtlich unerheblich und kann daher in diesem Verfahren keinen materiell-rechtlichen Fehler &#8211;erst recht keinen groben&#8211; begr&uuml;nden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Abgesehen davon, dass das FG selbst von der Rechtm&auml;&szlig;igkeit der Zinsfestsetzung ausging und die Ausf&uuml;hrungen des FA schon deshalb ins Leere gehen, schlie&szlig;t die Rechtm&auml;&szlig;igkeit der Zinsfestsetzung den Erlass gerade nicht aus. Vielmehr liegt eine Unbilligkeit aus sachlichen Gr&uuml;nden &#8211;die im Streitfall allein in Frage steht&#8211; nach st&auml;ndiger Rechtsprechung des BFH gerade dann vor, wenn ein Anspruch aus dem Steuerschuldverh&auml;ltnis zwar nach dem gesetzlichen Tatbestand besteht, seine Geltendmachung aber mit dem Zweck des Gesetzes nicht oder nicht mehr zu rechtfertigen ist und dessen Wertungen zuwiderl&auml;uft. Zwar f&uuml;hrt das FA zu Recht aus, dass die generelle Geltungsanordnung des Gesetzes auch im Anwendungsbereich des &sect;&nbsp;233a AO durch eine Billigkeitsma&szlig;nahme nicht unterlaufen werden darf (zu alledem Senatsurteil vom 8.&nbsp;Oktober 2013 X&nbsp;R&nbsp;3\/10, BFH\/NV 2014, 5, m.w.N.). Dies bedeutet jedoch nicht, dass der Erlass der Zinsen nicht in Betracht k&auml;me und das Ermessen, wenn die Zinsfestsetzung rechtm&auml;&szlig;ig ist, stets auf Null zu Ungunsten des Steuerpflichtigen reduziert w&auml;re. W&auml;re dies zutreffend, k&auml;me ein Erlass wegen sachlicher Unbilligkeit niemals in Betracht, so dass &sect;&nbsp;227 AO leer liefe. Vielmehr ist es dem Erlass eigen, gerade die von den gesetzlichen Regelungen herbeigef&uuml;hrte Rechtsfolge in dem jeweiligen konkreten Fall aus besonderen Gr&uuml;nden zu beseitigen, so dass der diesbez&uuml;gliche Einwand des FA nicht tr&auml;gt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die weiteren Angriffe des FA gegen die Ausf&uuml;hrungen des FG unter 3. der Entscheidungsgr&uuml;nde rechtfertigen die Zulassung der Revision ebenfalls nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Soweit das FA geltend macht, zinsrechtliche Nachteile aus der Aus&uuml;bung eines Wahlrechts habe der Steuerpflichtige nach den von dem Schleswig-Holsteinischen FG in seinem Urteil vom 4.&nbsp;Dezember 2013&nbsp;&nbsp;2&nbsp;K&nbsp;82\/13 (Entscheidungen der Finanzgerichte 2014, 321, Revision eingelegt unter I&nbsp;R&nbsp;6\/14) aufgestellten Grunds&auml;tzen hinzunehmen, ohne dass dies eine Unbilligkeit begr&uuml;nde, ist weder eine Abweichung von dieser Entscheidung noch sonst ein Rechtsfehler erkennbar. Es liegt weder eine Divergenz zu dieser Entscheidung vor noch ist eine Divergenz zu der k&uuml;nftigen Entscheidung des I.&nbsp;Senats &#8211;gleich, welchen Inhalt diese haben wird&#8211; zu besorgen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Schleswig-Holsteinische FG hat sich nicht auf allgemeine Erw&auml;gungen zu der Bedeutung steuerlicher Wahlrechte im Erlassverfahren gest&uuml;tzt, sondern war zu der Auffassung gelangt, dass der Gesetzgeber die nachteiligen zinsrechtlichen Folgen eines bestimmten Wahlrechts &#8211;der Wahl eines abweichenden Wirtschaftsjahrs&#8211; bedacht und inzident auch geregelt hat, so dass ein Billigkeitserlass im konkreten Fall den Wertungen des Gesetzes widerspr&auml;che. Das FG hat im Streitfall im grunds&auml;tzlichen Einklang mit dieser Entscheidung ausdr&uuml;cklich betont, dass der Steuerpflichtige sich im Prinzip an der Aus&uuml;bung von steuerlichen Wahlrechten festhalten lassen m&uuml;sse. Es hat indes ausgef&uuml;hrt, dass das FA sich zumindest mit dem Einwand der Kl&auml;ger, aus &ouml;konomischer Sicht w&auml;re bei voller Sachverhaltskenntnis lediglich eine bestimmte Wahlrechtsaus&uuml;bung in Betracht gekommen, und sie h&auml;tten das Wahlrecht in bestimmter Weise ausge&uuml;bt, h&auml;tte auseinandersetzen m&uuml;ssen. Die Pflicht aber, sich im Rahmen einer Ermessensentscheidung mit dem Vortrag des Antragstellers zu befassen, hat auch das Schleswig-Holsteinische FG nicht in Frage gestellt. Allerdings war nach dessen Feststellungen das FA in jenem Fall dieser Pflicht nachgekommen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Im &Uuml;brigen hegt der Senat zwar mit dem FA Bedenken, ob die Rechtsauffassung des FG in allen Punkten tragf&auml;hig ist. Gravierende Rechtsfehler sind jedoch nicht zu verzeichnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aaa) Dies betrifft zun&auml;chst die &Uuml;berlegungen zum Zinssatz unter 3.c der Entscheidungsgr&uuml;nde. Der nach Auffassung der Kl&auml;ger und wohl auch des FG &uuml;berh&ouml;hte Zinssatz von 13,08&nbsp;% l&auml;sst sich nur mit den Pr&auml;missen errechnen, die ihrerseits gerade in Frage stehen, und ist daher kein selbst&auml;ndiger Aspekt. Diese Zahl ist &#8211;bei wirtschaftlicher Betrachtung&#8211; nur dann zutreffend, wenn tats&auml;chlich der Liquidit&auml;tsvorteil der Kl&auml;ger &#8211;bei wirtschaftlicher Betrachtung&#8211; nur in H&ouml;he der Steuer bestand, die bei Zusammenveranlagung festzusetzen war. Entscheidend ist daher, ob der Liquidit&auml;tsvorteil wirklich nur in der zuletzt genannten H&ouml;he bestand.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Es erscheint dem Senat aber nicht vollkommen zweifelsfrei, ob bei wirtschaftlicher Betrachtung ein Liquidit&auml;tsvorteil bez&uuml;glich des bei getrennter Veranlagung festzusetzenden Steuerbetrages nicht oder nur virtuell bestanden hat, wie das FG unter 3.a der Entscheidungsgr&uuml;nde ausf&uuml;hrt. Es hat in der Zeit, f&uuml;r die die Zinsen erhoben werden, keine Zusammenveranlagung gegeben, da die Kl&auml;ger diese tats&auml;chlich &#8211;aus welchen Gr&uuml;nden auch immer&#8211; erst sp&auml;ter gew&auml;hlt haben. Es bestand daher zun&auml;chst ein Liquidit&auml;tsvorteil in der H&ouml;he, die sich aus der getrennten Veranlagung ergab. Wenngleich nicht zu verkennen ist, dass nach den Ma&szlig;st&auml;ben der wirtschaftlichen Vernunft die ge&auml;nderte Steuerfestsetzung die ge&auml;nderte Wahlrechtsaus&uuml;bung geradezu erzwang, so &auml;ndert sich grunds&auml;tzlich an diesem Liquidit&auml;tsvorteil auch dadurch nichts, dass er nicht eingetreten w&auml;re, wenn die Beteiligten von Beginn an das Wissen gehabt h&auml;tten, das sie sp&auml;ter hatten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bbb) Der Senat kann im Ergebnis aber offenlassen, ob und inwieweit die Erw&auml;gungen des FG, die das FA als Rechtsauffassung des FG nach &sect;&nbsp;101 Satz&nbsp;2 FGO zu ber&uuml;cksichtigen hat, materiell-rechtlich fehlerhaft sind. Grobe Fehler, die die Zulassung der Revision rechtfertigen k&ouml;nnten, liegen darin jedenfalls nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Es kann dahinstehen, ob dies anders zu beurteilen sein k&ouml;nnte, wenn das FG aufgrund dieser &Uuml;berlegungen von einer Ermessensreduzierung auf Null in der Weise ausgegangen w&auml;re, dass der Erlass zwingend auszusprechen w&auml;re, wenn es also diesen Aspekten &uuml;berragende und alles entscheidende Bedeutung beigemessen h&auml;tte. Mit seinem auf Neubescheidung gerichteten Urteil hat das FG das FA aber lediglich verpflichtet, diese Gesichtspunkte im Rahmen einer neuerlichen Ermessensentscheidung zu ber&uuml;cksichtigen, ohne dass damit die Verpflichtung verbunden w&auml;re, den Erlass zu gew&auml;hren. Nachdem die Kl&auml;ger entsprechend vorgetragen hatten, hatte sich das FA im Rahmen einer fehlerfreien Ermessensentscheidung mit dem Vortrag der Kl&auml;ger auseinanderzusetzen und durfte sich nicht darauf beschr&auml;nken, auf die Gesetzm&auml;&szlig;igkeit der Zinsfestsetzung zu verweisen. Es ist daher in der Sache jedenfalls materiell-rechtlich zutreffend, dass das FG eine Verpflichtung zur Neubescheidung ausgesprochen hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ob der Rechtsauffassung des FG im &Uuml;brigen in allen Punkten inhaltlich zu folgen ist, ist eine andere Frage. Bindet in einer derartigen Konstellation eine m&ouml;glicherweise fehlerhafte Rechtsansicht das FA aber lediglich als ein zu ber&uuml;cksichtigender Bestandteil einer erneuten ermessensfehlerfreien Entscheidung, ohne dass sie das Ergebnis dieser Entscheidung pr&auml;judiziert, so besteht kein allgemeines Interesse an einer korrigierenden Entscheidung des Revisionsgerichts. Wenn das FA nunmehr zur Begr&uuml;ndung seiner Beschwerde er&ouml;rtert, ob die Zinsfestsetzung im Ergebnis nicht nur dem Gesetz, sondern auch dessen Wertungen entspricht, so handelt es sich um Ermessenserw&auml;gungen, die &#8211;bei Beachtung der Rechtsauffassung des FG&#8211; weiterer Bestandteil einer Ermessensentscheidung sein k&ouml;nnen und nach &sect;&nbsp;102 Satz&nbsp;2 FGO ggf. noch in der Tatsacheninstanz nachgeschoben werden k&ouml;nnen, aber nicht im Beschwerdeverfahren statthaft sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Eine Verpflichtung zum Erlass, die das FA dem Urteil des FG zumindest mittelbar entnimmt, ergibt sich aus den Entscheidungsgr&uuml;nden weder ausdr&uuml;cklich noch implizit. Zwar hat das FG unter 3. einleitend formuliert, der Senat brauche nicht dar&uuml;ber zu befinden, ob das Ermessen sogar auf Null reduziert ist, hat damit aber gerade nicht zum Ausdruck gebracht, es h&auml;tte dies ausgesprochen, wenn die Kl&auml;ger es nur beantragt h&auml;tten. Vielmehr hat das FG im Weiteren formuliert, dass die Kl&auml;ger &quot;aus Sicht des erkennenden Senats zu Recht&quot; lediglich die Neubescheidung beantragt h&auml;tten. Wenn sich aber die Kl&auml;ger &quot;zu Recht&quot; auf einen Bescheidungsantrag beschr&auml;nkt haben, bedeutet das &#8211;zwingend&#8211;, dass das FG einen Verpflichtungsantrag f&uuml;r zu weitgehend erachtete, diesen also abgewiesen h&auml;tte. Dem FG-Urteil ist also gerade nicht der Standpunkt zu entnehmen, das FA sei angesichts der ge&auml;u&szlig;erten Rechtsauffassung zum Erlass verpflichtet. Das FG hat es vielmehr bei der Verpflichtung bewenden lassen, seine Rechtsauffassung zu der Frage des Liquidit&auml;tsvorteils angemessen zu ber&uuml;cksichtigen. Ob in der m&uuml;ndlichen Verhandlung, wie das FA geltend macht, seitens des FG Bemerkungen gefallen sind, die sich anders verstehen lie&szlig;en, ist vor diesem Hintergrund nicht erheblich und f&uuml;r das weitere Verfahren auch nicht ma&szlig;gebend.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Um die Zulassung der Revision wegen grunds&auml;tzlicher Bedeutung der Rechtssache nach &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 FGO zu erreichen, hat der Beschwerdef&uuml;hrer u.a. darzulegen, dass die aufgeworfene Rechtsfrage kl&auml;rungsbed&uuml;rftig und kl&auml;rungsf&auml;hig ist. Im Streitfall h&auml;tte es dazu zumindest der Er&ouml;rterung des naheliegenden Problems bedurft, ob die Aus&uuml;bung des Wahlrechts zur Zusammenveranlagung kurz vor &#8211;und nicht kurz nach&#8211; Erlass des ge&auml;nderten Bescheides von Gesetzes wegen &uuml;berhaupt an der H&ouml;he der Zinsen etwas ge&auml;ndert h&auml;tte. Wie der BFH in dem seitens des FA selbst herangezogenen Urteil vom 9.&nbsp;August 2006 I&nbsp;R&nbsp;10\/06 (BFHE 214, 101, BStBl II 2007, 82) zu &sect;&nbsp;233a Abs.&nbsp;2a, 7 AO ausgef&uuml;hrt hat, sind f&uuml;r die der Zinsberechnung zugrunde zu legenden Unterschiedsbetr&auml;ge in den F&auml;llen des &sect;&nbsp;233a Abs.&nbsp;2a AO jedenfalls nicht allein die tats&auml;chlich festgesetzten Steuern ma&szlig;gebend. Vielmehr ist im Zinslauf zu differenzieren, wenn die Steuerfestsetzung teilweise auf Umst&auml;nden i.S. des &sect;&nbsp;233a Abs.&nbsp;2a AO beruht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Von einer weiteren Begr&uuml;ndung sieht der Senat nach &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 FGO ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 29.10.2014, X B 32\/14 Zulassung der Revision; Rechtsfehler bei Ermessensentscheidungen Tatbestand 1&nbsp; I. Die Kl&auml;ger und Beschwerdegegner (Kl&auml;ger) hatten f&uuml;r das Jahr 2006 die getrennte Veranlagung beantragt. Der Ehemann war an mehreren Kommanditgesellschaften beteiligt und erzielte hieraus Eink&uuml;nfte aus Gewerbebetrieb. Die 2008 erlassenen Einkommensteuerbescheide f&uuml;r beide Kl&auml;ger lauteten zun&auml;chst auf 0&nbsp;EUR. Bei &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-b-32-14-zulassung-der-revision-rechtsfehler-bei-ermessensentscheidungen\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">X&nbsp;B&nbsp;32\/14 &#8211; Zulassung der Revision; Rechtsfehler bei Ermessensentscheidungen<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-63897","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63897","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=63897"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63897\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=63897"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=63897"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=63897"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}