{"id":63908,"date":"2015-01-09T07:40:26","date_gmt":"2015-01-09T05:40:26","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=63908"},"modified":"2015-01-09T07:40:26","modified_gmt":"2015-01-09T05:40:26","slug":"i-b-101-13-kein-splittingtarif-fuer-in-den-usa-lebende-ehegatten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-b-101-13-kein-splittingtarif-fuer-in-den-usa-lebende-ehegatten\/","title":{"rendered":"I&nbsp;B&nbsp;101\/13 &#8211; Kein Splittingtarif f&uuml;r in den USA lebende Ehegatten"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 22.10.2014, I B 101\/13<\/p>\n<p class=\"titel\">Kein Splittingtarif f&uuml;r in den USA lebende Ehegatten<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) ist die Witwe und Alleinerbin von A. Im Streitjahr 2009 lebte sie zusammen mit ihrem 2012 verstorbenen Ehemann in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA). A erzielte in der Bundesrepublik Deutschland Eink&uuml;nfte aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit, die Kl&auml;gerin bezog von dort Renten. Beide hatten au&szlig;erdem noch gemeinschaftliche Eink&uuml;nfte aus der Vermietung einer inl&auml;ndischen Wohnung. In ihrer Steuererkl&auml;rung beantragten sie, als unbeschr&auml;nkt steuerpflichtig behandelt und zusammen zur Einkommensteuer veranlagt zu werden. Das lehnte der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt) ab. Es erlie&szlig; vielmehr gegen&uuml;ber A einen Einzelveranlagungsbescheid. Einspruch und Klage blieben ohne Erfolg. Das Finanzgericht (FG) Berlin-Brandenburg ging davon aus, dass die f&uuml;r eine Zusammenveranlagung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;26 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 i.V.m. &sect;&nbsp;1a Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 des Einkommensteuergesetzes (EStG 2009) erforderlichen Voraussetzungen wegen des amerikanischen Wohnsitzes der Kl&auml;gerin nicht gegeben sind (Urteil vom 7.&nbsp;Mai 2013&nbsp; 13&nbsp;K&nbsp;13362\/10). Es lie&szlig; die Revision gegen sein Urteil nicht zu. Dagegen wendet sich die Kl&auml;gerin mit ihrer Beschwerde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist unzul&auml;ssig und durch Beschluss zu verwerfen (&sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz 1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Die Kl&auml;gerin hat die geltend gemachten Revisionszulassungsgr&uuml;nde nicht in einer den gesetzlichen Anforderungen (&sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz 3 FGO) gen&uuml;genden Form dargelegt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die grunds&auml;tzliche Bedeutung der Frage, ob &quot;von &sect;&nbsp;1a EStG nicht auch der Fall eines deutschen Staatsangeh&ouml;rigen mit inl&auml;ndischen Eink&uuml;nften und einer Ans&auml;ssigkeit in den USA erfasst&quot; ist, hat die Kl&auml;gerin nicht substantiiert herausgearbeitet. Die Darlegungen zur Kl&auml;rungsbed&uuml;rftigkeit, insbesondere zu den von der Kl&auml;gerin angesprochenen verfassungsrechtlichen Implikationen sind ungen&uuml;gend (zu den Anforderungen insoweit vgl. z.B. Senatsbeschl&uuml;sse vom 12.&nbsp;M&auml;rz 2014 I&nbsp;B&nbsp;167\/13, BFH\/NV 2014, 1092; vom 2.&nbsp;April 2014 I&nbsp;B&nbsp;130\/13, BFH\/NV 2014, 1085, jeweils m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Da der Anwendungsbereich des &sect;&nbsp;1a Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 EStG 2009 f&uuml;r einen deutschen Staatsangeh&ouml;rigen mit Wohnsitz in den USA offenkundig er&ouml;ffnet ist, weil der Einleitungssatz der Vorschrift auf Staatsangeh&ouml;rige von Mitgliedstaaten der Europ&auml;ischen Union (EU) oder des Europ&auml;ischen Wirtschaftsraums (EWR) abstellt, kann die Beschwerdebegr&uuml;ndung wohl nur so verstanden werden, dass es um die Kl&auml;rung der den Ehegatten betreffenden Wohnsitzerfordernisse des &sect;&nbsp;1a Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 EStG 2009 geht. Folglich geht es um die Problematik, ob wegen des Drittlandwohnsitzes des Ehegatten (hier: der amerikanische Wohnsitz der Kl&auml;gerin) die Zusammenveranlagung ausgeschlossen ist und die darin liegende Beschr&auml;nkung des Ehegattensplittings auf bestimmte F&auml;lle (EU\/EWR-Staatsangeh&ouml;rigkeit des Steuerpflichtigen und EU\/EWR-Wohnsitz des Ehegatten) verfassungsrechtlichen Anforderungen gen&uuml;gt. Diesbez&uuml;glich fehlt es schon an der erforderlichen Auseinandersetzung mit der Entstehungsgeschichte und dem rein europarechtlichen Hintergrund des &sect;&nbsp;1a EStG 2009 (dazu z.B. Stapperfend in Herrmann\/Heuer\/Raupach, Vor &sect;&sect;&nbsp;1, 1a EStG Rz&nbsp;16, 35, 39) sowie der einschl&auml;gigen Rechtsprechung (Senatsurteile vom 22.&nbsp;Februar 2006 I&nbsp;R&nbsp;60\/05, BFHE 212, 468, BStBl II 2007, 106; vom 30.&nbsp;M&auml;rz 2011 I&nbsp;R&nbsp;63\/10, BFHE 233, 198, BStBl II 2011, 747) und Literatur (z.B. Gosch in Kirchhof, EStG, 13.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;1a Rz&nbsp;8; Schmidt\/Heinicke, EStG, 33.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;1a Rz&nbsp;13; Stapperfend in Herrmann\/Heuer\/ Raupach, &sect;&nbsp;1a EStG Rz&nbsp;30 und Vor &sect;&sect;&nbsp;1, 1a Rz&nbsp;32; Jelinek in Bordewin\/Brandt, &sect;&nbsp;1a EStG Rz&nbsp;4 und 15; Reimer\/Weimar in Kirchhof\/S&ouml;hn\/Mellinghoff, EStG, &sect;&nbsp;1a Rz&nbsp;B&nbsp;291). Die dort vertretenen Auffassungen und die hierf&uuml;r jeweils gegebenen Begr&uuml;ndungen werden in der Beschwerdebegr&uuml;ndung nicht &#8211;oder mit Blick auf das Senatsurteil in BFHE 233, 198, BStBl II 2011, 747 allenfalls ansatzweise&#8211; verarbeitet. Vor dem Hintergrund des Meinungsbildes, wonach die Versagung des Splittingtarifs wegen des Nicht-EU\/EWR-Wohnsitzes des Ehegatten einfach-rechtlich geboten (Senatsurteil in BFHE 212, 468, BStBl II 2007, 106) und verfassungsrechtlich wegen der grunds&auml;tzlich zul&auml;ssigen Differenzierung nach der Ans&auml;ssigkeit (hierzu z.B. Stapperfend, ebenda, m.w.N.; vgl. auch Gosch, ebenda) nicht zu beanstanden ist, h&auml;tte es eingehender Erl&auml;uterungen bedurft, weshalb die Problematik noch nicht als gekl&auml;rt betrachtet werden kann.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Soweit die Kl&auml;gerin einen Verfahrensmangel i.S. des &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 FGO mit der Begr&uuml;ndung geltend macht, das FG habe zur Begr&uuml;ndung seiner Auffassung auf das einen in den USA lebenden US-Amerikaner betreffende Senatsurteil in BFHE 233, 198, BStBl II 2011, 747 abgestellt und hierdurch eine Entscheidung ohne wirksame Begr&uuml;ndung gef&auml;llt, weil es vorliegend um deutsche Staatsangeh&ouml;rige mit Ans&auml;ssigkeit in den USA gehe, wird dadurch die allein in Betracht kommende Verletzung des &sect;&nbsp;105 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;5 FGO (vgl. auch &sect;&nbsp;119 Nr.&nbsp;6 FGO) nicht schl&uuml;ssig ger&uuml;gt. Denn eine Entscheidung ist nur dann im Sinne dieser Verfahrensvorschrift nicht mit Gr&uuml;nden versehen, wenn &uuml;berhaupt jede Begr&uuml;ndung fehlt. Dem steht es gleich, wenn diese zwar vorhanden, aber derart unverst&auml;ndlich und verworren ist, dass nicht mehr erkennbar ist, welche &Uuml;berlegungen f&uuml;r die Entscheidung ma&szlig;gebend waren. Lediglich l&uuml;ckenhafte oder vermeintlich rechtsfehlerhafte Begr&uuml;ndungen stellen dagegen keinen Verfahrensmangel dar (Gr&auml;ber\/Ruban, Finanzgerichtsordnung, 7.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;119 Rz&nbsp;23 und 24, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Aus der Beschwerdebegr&uuml;ndung selbst geht hervor, dass das FG-Urteil mit Entscheidungsgr&uuml;nden versehen war. Dass das FG aus Sicht der Kl&auml;gerin ein &quot;unpassendes&quot; Senatsurteil (Urteil in BFHE 233, 198, BStBl II 2011, 747) zur Begr&uuml;ndung seiner Rechtsauffassung herangezogen hatte, zeigt lediglich, dass die gegebene Begr&uuml;ndung sie nicht &uuml;berzeugt hat. Mit dem Fehlen von Entscheidungsgr&uuml;nden hat es auch nichts zu tun, wenn die Kl&auml;gerin weiter r&uuml;gt, das FG habe nicht offenlassen d&uuml;rfen, ob ihr bei Feststellung eines Versto&szlig;es gegen Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 des Grundgesetzes ein Anspruch auf Einbeziehung in die europarechtskonforme Gesetzgebung zust&uuml;nde. Das FG hat sich positiv zu dieser materiell-rechtlichen Frage im Sinne eines &quot;darauf kommt es nicht an&quot; ge&auml;u&szlig;ert und der Kl&auml;gerin eine Begr&uuml;ndung gerade nicht vorenthalten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Von einer weiter gehenden Begr&uuml;ndung wird gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 Halbsatz&nbsp;2 FGO abgesehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;1 i.V.m. &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 22.10.2014, I B 101\/13 Kein Splittingtarif f&uuml;r in den USA lebende Ehegatten Tatbestand 1&nbsp; I. Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) ist die Witwe und Alleinerbin von A. Im Streitjahr 2009 lebte sie zusammen mit ihrem 2012 verstorbenen Ehemann in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA). 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