{"id":63912,"date":"2015-01-09T07:40:28","date_gmt":"2015-01-09T05:40:28","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=63912"},"modified":"2015-01-09T07:40:28","modified_gmt":"2015-01-09T05:40:28","slug":"ii-r-41-13-grunderwerbsteuer-nach-par-1-abs-2-grestg-verwertungsbefugnis-aufgrund-eines-treuhaenderischen-auftragserwerbs-geschaeftsbesorgung-als-inhalt-einer-treuhandvereinbarung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-41-13-grunderwerbsteuer-nach-par-1-abs-2-grestg-verwertungsbefugnis-aufgrund-eines-treuhaenderischen-auftragserwerbs-geschaeftsbesorgung-als-inhalt-einer-treuhandvereinbarung\/","title":{"rendered":"II&nbsp;R&nbsp;41\/13 &#8211; Grunderwerbsteuer nach &sect; 1 Abs. 2 GrEStG: Verwertungsbefugnis aufgrund eines treuh&auml;nderischen Auftragserwerbs &#8211; Gesch&auml;ftsbesorgung als Inhalt einer Treuhandvereinbarung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 22.10.2014, II R 41\/13<\/p>\n<p class=\"titel\">Grunderwerbsteuer nach &sect; 1 Abs. 2 GrEStG: Verwertungsbefugnis aufgrund eines treuh&auml;nderischen Auftragserwerbs &#8211; Gesch&auml;ftsbesorgung als Inhalt einer Treuhandvereinbarung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin) ist eine Grundst&uuml;cksgesellschaft in der Rechtsform einer GbR. Gesellschafter der Kl&auml;gerin sind die Ehegatten A und B.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 15.&nbsp;Juni 2002 schloss die Kl&auml;gerin mit der W-GmbH einen privatschriftlichen Treuhandvertrag. Darin beauftragte die Kl&auml;gerin als Treugeberin die W-GmbH als Treuh&auml;nderin, in einem bestimmten Gemeindegebiet Grundst&uuml;cke f&uuml;r die Kl&auml;gerin anzukaufen, darauf die Bauleistungen zu erbringen und die f&uuml;r die Baureifmachung notwendigen Vorleistungen im eigenen Namen zu erbringen. Die Kl&auml;gerin verpflichtete sich, die f&uuml;r die Anschaffung notwendigen Mittel zur Verf&uuml;gung zu stellen. Die W-GmbH sollte die f&uuml;r die Kl&auml;gerin erworbenen Grundst&uuml;cke im eigenen Namen ankaufen und verkaufen. Von dem erzielten Verkaufserl&ouml;s hatte die W-GmbH den Grundst&uuml;ckseinkaufspreis und s&auml;mtliche Herstellungskosten einschlie&szlig;lich der unmittelbaren Erwerbsnebenkosten zu bezahlen. Von dem danach verbleibenden Erl&ouml;s sollte sie 12,5&nbsp;% an die Kl&auml;gerin entrichten; der restliche Erl&ouml;s sollte der W-GmbH zustehen. Diese hatte mindestens Anspruch auf Ersatz s&auml;mtlicher von ihr get&auml;tigter Aufwendungen. Der Vertrag sollte bis zur K&uuml;ndigung durch einen Vertragspartner gelten. Am 25.&nbsp;Juni 2007 wurde der Treuhandvertrag mit Wirkung zum 1.&nbsp;Januar 2007 aufgehoben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>An der W-GmbH ist B als Gesellschafter mit 100&nbsp;% beteiligt. Alleinige Gesch&auml;ftsf&uuml;hrerin war von Juli 2001 bis 26.&nbsp;November 2008 die Mutter des B, die diesem am 16.&nbsp;Juli 2001 eine notariell beurkundete Generalvollmacht erteilt hatte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In der Zeit von Juli 2003 bis Dezember 2006 erwarb die W-GmbH zehn Grundst&uuml;cke. F&uuml;r die Erwerbe wurde jeweils Grunderwerbsteuer gegen&uuml;ber der W-GmbH festgesetzt. Die Bescheide sind bestandskr&auml;ftig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach einer Au&szlig;enpr&uuml;fung bei der W-GmbH ging das Finanzamt C (FA C) davon aus, dass es der Kl&auml;gerin aufgrund des Treuhandvertrags vom 15.&nbsp;Juni 2002 m&ouml;glich gewesen sei, die von der W-GmbH erworbenen Grundst&uuml;cke auf eigene Rechnung nach &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;2 des Grunderwerbsteuergesetzes (GrEStG) zu verwerten. Das FA C setzte daher mit vier Bescheiden vom 16.&nbsp;Dezember 2009 und sechs Bescheiden vom 3.&nbsp;September 2010 gegen&uuml;ber der Kl&auml;gerin Grunderwerbsteuer fest.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>W&auml;hrend des Einspruchsverfahrens ist der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) f&uuml;r die Bearbeitung aller Grunderwerbsteuerf&auml;lle des Landes Mecklenburg-Vorpommern zust&auml;ndig geworden. Die Einspr&uuml;che hatten insoweit Erfolg, als das FA die Bemessungsgrundlage der Grunderwerbsteuer jeweils verminderte. In den Einspruchsentscheidungen vom 5.&nbsp;Dezember 2011 wurde die Grunderwerbsteuer jeweils herabgesetzt, und zwar f&uuml;r den Erwerb aufgrund des notariell beurkundeten Kaufvertrags vom 31.&nbsp;Juli 2003 auf 2.135&nbsp;EUR, vom 4.&nbsp;April 2003 auf 11.597&nbsp;EUR, vom 24.&nbsp;M&auml;rz 2003 auf 4.737&nbsp;EUR, vom 1.&nbsp;Juli 2003 auf 11.973&nbsp;EUR, vom 2.&nbsp;Februar 2004 auf 5.491&nbsp;EUR, vom 1.&nbsp;Oktober 2004 auf 3.344&nbsp;EUR, vom 8.&nbsp;August 2005 auf 1.177&nbsp;EUR, vom 22.&nbsp;Dezember 2005 auf 3.992&nbsp;EUR, vom 29.&nbsp;Mai 2006 auf 9.071&nbsp;EUR und vom 5.&nbsp;Dezember 2006 auf 4.174&nbsp;EUR.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) wies die Klage ab. Es vertrat die Auffassung, die Kl&auml;gerin habe durch die Vereinbarung des Treuhandverh&auml;ltnisses die Verwertungsbefugnis f&uuml;r alle streitbefangenen Grundst&uuml;cke erhalten. Aufgrund der gesellschaftsrechtlichen und famili&auml;ren Verflechtung der Kl&auml;gerin und der W-GmbH komme es nicht darauf an, dass im Treuhandvertrag kein Weisungsrecht der Kl&auml;gerin geregelt sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gt die Kl&auml;gerin die Verletzung von &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;2 GrEStG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt, die Vorentscheidung und die Grunderwerbsteuerbescheide vom 16.&nbsp;Dezember 2009 und vom 3.&nbsp;September 2010 sowie die Einspruchsentscheidungen vom 5.&nbsp;Dezember 2011 aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die von der Kl&auml;gerin beantragte Verlegung des Termins zur m&uuml;ndlichen Verhandlung hat der Vorsitzende des Senats am 29.&nbsp;September 2014 in einem fernm&uuml;ndlichen Gespr&auml;ch mit dem Prozessbevollm&auml;chtigten der Kl&auml;gerin unter Hinweis darauf abgelehnt, dass die urlaubsbedingte Abwesenheit der Gesellschafter der Kl&auml;gerin kein Grund f&uuml;r eine Terminsverlegung ist. Der Prozessbevollm&auml;chtigte hat in Aussicht gestellt, dass f&uuml;r die Kl&auml;gerin niemand kommen werde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und war daher zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG hat zutreffend entschieden, dass die Kl&auml;gerin aufgrund des Treuhandvertrags eine Verwertungsbefugnis i.S. von &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;2 GrEStG an den von der W-GmbH erworbenen Grundst&uuml;cken erlangt hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;2 GrEStG unterliegen Rechtsvorg&auml;nge der Grunderwerbsteuer, die es ohne Begr&uuml;ndung eines Anspruchs auf &Uuml;bereignung einem anderen rechtlich oder wirtschaftlich erm&ouml;glichen, ein inl&auml;ndisches Grundst&uuml;ck auf eigene Rechnung zu verwerten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Durch diese Vorschrift sollen Sachverhalte erfasst werden, bei denen es zwar nicht &#8211;wie in den F&auml;llen des &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 GrEStG&#8211; zu einem Rechtstr&auml;gerwechsel, d.h. zu einer &Auml;nderung der Rechtszust&auml;ndigkeit im Au&szlig;enverh&auml;ltnis kommt, bei denen der Eigent&uuml;mer einem anderen aber im Innenverh&auml;ltnis so weitgehende M&ouml;glichkeiten zur Einflussnahme hinsichtlich des Grundst&uuml;cks einr&auml;umt, dass dieser und nicht mehr der Eigent&uuml;mer &uuml;ber die Verwertung des Grundst&uuml;cks entscheiden kann (vgl. Urteile des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 26.&nbsp;Juli 2000 II&nbsp;R&nbsp;33\/98, BFH\/NV 2001, 206, und vom 24.&nbsp;April 2013 II&nbsp;R&nbsp;32\/11, BFHE 242, 165, BStBl II 2013, 962, Rz&nbsp;11, jeweils m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Durch einen Gesch&auml;ftsbesorgungsvertrag i.S. von &sect;&nbsp;675 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs (BGB), der sich auf den Erwerb mehrerer Grundst&uuml;cke durch den Verpflichteten im eigenen Namen richtet, erlangt der Gesch&auml;ftsherr &#8211;wie generell beim sog. Auftragserwerb&#8211; die Rechtsmacht, von dem Beauftragten die Auflassung des Grundst&uuml;cks (&sect;&nbsp;925 BGB) zu verlangen (&sect;&nbsp;667 BGB i.V.m. &sect;&nbsp;675 BGB) oder es &#8211;bei entsprechender Ausgestaltung des Vertrags&#8211; durch andere Ma&szlig;nahmen der Substanz nach auf eigene Rechnung zu verwerten (vgl. BFH-Urteile in BFH\/NV 2001, 206, und vom 8.&nbsp;November 2000 II&nbsp;R&nbsp;55\/98, BFHE 194, 245, BStBl II 2001, 419, m.w.N.). Diese Rechtsmacht begr&uuml;ndet eine Verwertungsbefugnis i.S. von &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;2 GrEStG. Beim Erwerb eines Grundst&uuml;cks durch einen entgeltlich t&auml;tigen Gesch&auml;ftsbesorger (oder unentgeltlich t&auml;tigen Beauftragten) im eigenen Namen unterliegt nicht nur dieser Erwerbsvorgang der Grunderwerbsteuer, sondern gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;2 GrEStG auch die damit dem Gesch&auml;ftsherrn (oder Auftraggeber) verschaffte Rechtsmacht (vgl. BFH-Urteil in BFHE 194, 245, BStBl II 2001, 419, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Eine Gesch&auml;ftsbesorgung kann auch Inhalt einer Treuhandvereinbarung sein (Palandt\/Sprau, B&uuml;rgerliches Gesetzbuch, 73.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;675 Rz&nbsp;27). Bezieht sich die Treuhandabrede darauf, dass der Treuh&auml;nder im eigenen Namen Grundst&uuml;cke f&uuml;r den Treugeber erwirbt, ergibt sich daraus &#8211;vorbehaltlich entgegenstehender Vereinbarungen&#8211; regelm&auml;&szlig;ig das nach &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;2 GrEStG der Besteuerung unterliegende Recht des Treugebers, die Verwertung der Grundst&uuml;cke aufgrund des ihm nach &sect;&nbsp;667 i.V.m. &sect;&nbsp;675 BGB zustehenden Herausgabeanspruchs herbeizuf&uuml;hren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Der zwischen der Kl&auml;gerin und der W-GmbH geschlossene Treuhandvertrag begr&uuml;ndet eine Verwertungsbefugnis der Kl&auml;gerin.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Der Treuhandvertrag ist ausdr&uuml;cklich darauf gerichtet, dass die Grundst&uuml;cke von der W-GmbH als Treuh&auml;nderin f&uuml;r die Kl&auml;gerin als Treugeberin erworben werden. Damit ist kraft Gesetzes ein Herausgabeanspruch der Kl&auml;gerin entstanden, der in der Treuhandvereinbarung nicht abbedungen wurde. Die W-GmbH musste jederzeit damit rechnen, dass die Kl&auml;gerin eine Herausgabe der erworbenen, noch nicht verkauften Grundst&uuml;cke verlangt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hinzu kommt, dass die Kl&auml;gerin im Treuhandvertrag auch bestimmt hat, wie mit den Grundst&uuml;cken nach dem Erwerb zu verfahren ist. Die Kl&auml;gerin hat die W-GmbH beauftragt, die Bauleistungen und die f&uuml;r die Baureifmachung notwendigen Vorleistungen im eigenen Namen zu erbringen und die Grundst&uuml;cke im eigenen Namen zu verkaufen. Die Verwertung der Grundst&uuml;cke wurde damit durch die Kl&auml;gerin vorgegeben. Die W-GmbH erhielt nur den Auftrag zur Umsetzung der Vorhaben, wobei das FG festgestellt hat, dass die Gesellschafter der Kl&auml;gerin bei Nachfragen und Absprachen im Zusammenhang mit der Durchf&uuml;hrung der streitbefangenen Bauobjekte Entscheidungen getroffen haben. Aus diesen Gr&uuml;nden ist unerheblich, dass der Treuhandvertrag keine ausdr&uuml;cklichen Vereinbarungen zu einem Weisungsrecht der Kl&auml;gerin enth&auml;lt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin war auch am wirtschaftlichen Ergebnis der Grundst&uuml;cksver&auml;u&szlig;erungen beteiligt. Ihr standen 12,5&nbsp;% des Erl&ouml;ses (nach Abzug des Kaufpreises f&uuml;r das Grundst&uuml;ck, der Herstellungskosten und der Erwerbsnebenkosten) zu. Aus der Vereinbarung, dass die W-GmbH mindestens Anspruch auf Ersatz s&auml;mtlicher von ihr get&auml;tigter Aufwendungen hatte (vgl. &sect;&nbsp;670 BGB), ist zu entnehmen, dass die W-GmbH f&uuml;r Rechnung der Kl&auml;gerin gehandelt hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die fehlende Beurkundung des Treuhandvertrags (vgl. &sect;&nbsp;311b Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 BGB) steht einer Verwirklichung des Tatbestands des &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;2 GrEStG nicht entgegen, sofern die in einem (m&ouml;glicherweise) formunwirksamen Vertrag getroffenen Vereinbarungen &#8211;wie im Streitfall&#8211; nachweislich in vollem Umfang tats&auml;chlich durchgef&uuml;hrt werden (BFH-Urteile in BFH\/NV 2001, 206, und vom 6.&nbsp;Oktober 2009 IX&nbsp;R&nbsp;14\/08, BFHE 228, 10, BStBl II 2010, 460). Nach &sect;&nbsp;41 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 der Abgabenordnung ist die Unwirksamkeit eines Rechtsgesch&auml;fts f&uuml;r die Besteuerung unerheblich, soweit und solange die Beteiligten das wirtschaftliche Ergebnis dieses Rechtsgesch&auml;fts gleichwohl eintreten und bestehen lassen. Das ist hier der Fall. Die Kl&auml;gerin und die W-GmbH haben den Treuhandvertrag wie vereinbart durchgef&uuml;hrt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Da sich eine Verwertungsbefugnis der Kl&auml;gerin nach &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;2 GrEStG unmittelbar aus den Vereinbarungen im Treuhandvertrag ergibt, ist die gesellschaftsrechtliche und famili&auml;re Verflechtung zwischen der Kl&auml;gerin und der W-GmbH nicht von Bedeutung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 22.10.2014, II R 41\/13 Grunderwerbsteuer nach &sect; 1 Abs. 2 GrEStG: Verwertungsbefugnis aufgrund eines treuh&auml;nderischen Auftragserwerbs &#8211; Gesch&auml;ftsbesorgung als Inhalt einer Treuhandvereinbarung Tatbestand 1&nbsp; I. Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin) ist eine Grundst&uuml;cksgesellschaft in der Rechtsform einer GbR. Gesellschafter der Kl&auml;gerin sind die Ehegatten A und B. 2&nbsp; Am 15.&nbsp;Juni 2002 schloss &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-41-13-grunderwerbsteuer-nach-par-1-abs-2-grestg-verwertungsbefugnis-aufgrund-eines-treuhaenderischen-auftragserwerbs-geschaeftsbesorgung-als-inhalt-einer-treuhandvereinbarung\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">II&nbsp;R&nbsp;41\/13 &#8211; Grunderwerbsteuer nach &sect; 1 Abs. 2 GrEStG: Verwertungsbefugnis aufgrund eines treuh&auml;nderischen Auftragserwerbs &#8211; Gesch&auml;ftsbesorgung als Inhalt einer Treuhandvereinbarung<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-63912","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63912","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=63912"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63912\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=63912"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=63912"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=63912"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}