{"id":64030,"date":"2015-03-10T20:06:44","date_gmt":"2015-03-10T18:06:44","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=64030"},"modified":"2015-03-10T20:06:44","modified_gmt":"2015-03-10T18:06:44","slug":"viii-r-35-13-anwendung-des-abgeltungsteuersatzes-bei-kapitalertraegen-aus-einer-stundungsvereinbarung-zwischen-angehoerigen-is-des-par-15-ao-teilweise-inhaltsgleich-mit-bfh-urteil-vom-29042014-viii-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/viii-r-35-13-anwendung-des-abgeltungsteuersatzes-bei-kapitalertraegen-aus-einer-stundungsvereinbarung-zwischen-angehoerigen-is-des-par-15-ao-teilweise-inhaltsgleich-mit-bfh-urteil-vom-29042014-viii-9\/","title":{"rendered":"VIII&nbsp;R&nbsp;35\/13 &#8211; Anwendung des Abgeltungsteuersatzes bei Kapitalertr&auml;gen aus einer Stundungsvereinbarung zwischen Angeh&ouml;rigen i.S. des &sect; 15 AO &#8211; Teilweise inhaltsgleich mit BFH-Urteil vom 29.04.2014 VIII R 9\/13"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 29.4.2014, VIII R 35\/13<\/p>\n<p class=\"titel\">Anwendung des Abgeltungsteuersatzes bei Kapitalertr&auml;gen aus einer Stundungsvereinbarung zwischen Angeh&ouml;rigen i.S. des &sect; 15 AO &#8211; Teilweise inhaltsgleich mit BFH-Urteil vom 29.04.2014 VIII R 9\/13<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Die Anwendung des gesonderten Steuertarifs f&uuml;r Eink&uuml;nfte aus Kapitalverm&ouml;gen gem&auml;&szlig; &sect; 32d Abs. 1 EStG auf Kapitalertr&auml;ge, die aus der Stundung einer Kaufpreisforderung erzielt werden, ist nicht nach &sect; 32d Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 Buchst. a EStG ausgeschlossen, wenn Gl&auml;ubiger und Schuldner der Kapitalertr&auml;ge zwar Angeh&ouml;rige i.S. des &sect; 15 AO sind, f&uuml;r eine missbr&auml;uchliche Gestaltung jedoch keine Anhaltspunkte vorliegen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) sind Eheleute, die im Streitjahr 2009 zusammen zur Einkommensteuer veranlagt wurden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin war Gesellschafterin der &#8230; KG (KG), der &#8230;-GmbH und der &#8230; GbR (GbR). Im Jahr 2008 ver&auml;u&szlig;erte sie die Beteiligungen an ihren Bruder. Im Gesellschaftsvertrag der von dem Vater der Kl&auml;gerin gegr&uuml;ndeten KG und GbR war hinsichtlich der Modalit&auml;ten der Kaufpreiszahlung geregelt, dass der Kaufpreis in drei gleichen Raten zu zahlen war. Das Auseinandersetzungsguthaben war ab dem Tag des Ausscheidens mit dem Zinssatz f&uuml;r Kontokorrentkredite der Hausbank zu verzinsen und zu besichern. Die Stundungsvereinbarung wurde wie gesellschaftsvertraglich vereinbart vollzogen. Der Bruder zahlte der Kl&auml;gerin im Streitjahr 2009 zuz&uuml;glich zu der ersten und zweiten Rate des Kaufpreises Stundungszinsen in H&ouml;he von insgesamt 39.704&nbsp;EUR.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) ber&uuml;cksichtigte im Einkommensteuerbescheid f&uuml;r das Streitjahr diese Zinsertr&auml;ge als Kapitaleink&uuml;nfte, die der tariflichen Einkommensteuer unterliegen, da es sich bei dem Schuldner der Kapitalertr&auml;ge um eine nahestehende Person handle, sodass die Anwendung des Abgeltungsteuersatzes nach &sect;&nbsp;32d Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;a des Einkommensteuergesetzes i.d.F. des Streitjahres (EStG) ausgeschlossen sei. Das folgende Einspruchsverfahren blieb ohne Erfolg. Die hiergegen erhobene Klage wies das Finanzgericht (FG) mit seinem in Entscheidungen der Finanzgerichte 2013, 2020 ver&ouml;ffentlichten Urteil vom 16.&nbsp;April 2013&nbsp;&nbsp;8&nbsp;K&nbsp;3100\/11 ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger tragen zur Begr&uuml;ndung ihrer Revision vor, dass allein aus dem Verwandtschaftsverh&auml;ltnis zwischen Darlehensgeber und Darlehensnehmer nicht auf ein N&auml;heverh&auml;ltnis i.S. des &sect;&nbsp;32d Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;a EStG geschlossen werden k&ouml;nne. Andernfalls versto&szlig;e die Regelung gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz, da einander nahestehende Personen h&ouml;her besteuert w&uuml;rden als fremde Dritte, ohne dass dies sachlich gerechtfertigt sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger beantragen sinngem&auml;&szlig;,<br \/>das Urteil des FG Baden-W&uuml;rttemberg vom 16.&nbsp;April 2013&nbsp;&nbsp;8&nbsp;K&nbsp;3100\/11 aufzuheben und unter &Auml;nderung des Einkommensteuerbescheids f&uuml;r 2009 vom 14.&nbsp;Oktober 2010 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 9.&nbsp;August 2011 die tariflich besteuerten Eink&uuml;nfte aus Kapitalverm&ouml;gen um 39.704&nbsp;EUR zu verringern, die nach &sect;&nbsp;32d Abs.&nbsp;1 EStG besteuerten Eink&uuml;nfte um diesen Betrag zu erh&ouml;hen und die Einkommensteuer entsprechend herabzusetzen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zur Begr&uuml;ndung seines Antrags nimmt es Bezug auf die Ausf&uuml;hrungen des FG, denen es sich anschlie&szlig;t. Nur durch eine typisierende Betrachtungsweise sei sichergestellt, dass der in &sect;&nbsp;32d Abs.&nbsp;2 EStG normierte Gesetzeszweck auch umgesetzt werde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist begr&uuml;ndet und der Klage stattzugeben (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Ab&auml;nderung des Einkommensteuerbescheids f&uuml;r 2009 vom 14.&nbsp;Oktober 2010 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 9.&nbsp;August 2011 mit der Ma&szlig;gabe, dass die tariflich besteuerten Eink&uuml;nfte der Kl&auml;gerin aus Kapitalverm&ouml;gen um 39.704&nbsp;EUR verringert und die nach &sect;&nbsp;32d Abs.&nbsp;1 EStG besteuerten Eink&uuml;nfte um diesen Betrag erh&ouml;ht werden und die Einkommensteuer entsprechend herabgesetzt wird. Die Berechnung der festzusetzenden Einkommensteuer wird dem FA &uuml;bertragen (&sect;&nbsp;100 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 i.V.m. &sect;&nbsp;121 Satz&nbsp;1 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Das FG hat zu Recht festgestellt, dass die von der Kl&auml;gerin vereinnahmten Stundungszinsen der Besteuerung nach &sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG unterliegen. Sie waren, was zwischen den Beteiligten unstreitig ist, den Eink&uuml;nften aus Kapitalverm&ouml;gen zuzurechnen (vgl. Senatsurteil vom 16.&nbsp;Dezember 1997 VIII&nbsp;R&nbsp;11\/95, BFHE 185, 205, BStBl II 1998, 379). Umst&auml;nde, die dagegen sprechen, dass die Stundungsvereinbarung einem Fremdvergleich standh&auml;lt, d.h. wie unter fremden Dritten vereinbart wurde (s. hierzu im Einzelnen Urteile des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 22.&nbsp;Oktober 2013 X&nbsp;R&nbsp;26\/11, BFHE 242, 516, BStBl II 2014, 374; vom 17.&nbsp;Juli 2013 X&nbsp;R&nbsp;31\/12, BFHE 242, 209, BStBl II 2013, 1015), liegen nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Zu Unrecht hat das FG jedoch den gesonderten Steuertarif f&uuml;r Eink&uuml;nfte aus Kapitalverm&ouml;gen (&sect;&nbsp;32d Abs.&nbsp;1 EStG) nach &sect;&nbsp;32d Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;a EStG als ausgeschlossen angesehen. Die Kl&auml;gerin als Gl&auml;ubigerin und ihr Bruder als Schuldner der Kapitalertr&auml;ge waren keine einander nahestehende Personen im Sinne dieser Vorschrift.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;32d Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;a EStG gilt der gesonderte Steuertarif des &sect;&nbsp;32d Abs.&nbsp;1 EStG nicht f&uuml;r Kapitaleink&uuml;nfte i.S. des &sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG, wenn Gl&auml;ubiger und Schuldner der Kapitalertr&auml;ge einander nahestehende Personen sind. Das Bundesministerium der Finanzen (BMF) hat die Anwendung dieses Ausnahmetatbestands in seinen Schreiben vom 22.&nbsp;Dezember 2009 IV&nbsp;C&nbsp;1-S&nbsp;2252\/08\/10004 (BStBl I 2010, 94) und vom 9.&nbsp;Oktober 2012 IV&nbsp;C&nbsp;1-S 2252\/10\/10013 (BStBl I 2012, 953) &#8211;jeweils Rz&nbsp;134&#8211; f&uuml;r das Streitjahr in verfassungskonformer Rechtsfortbildung dahingehend eingeschr&auml;nkt, dass der Abgeltungsteuersatz nur dann ausgeschlossen sein soll, wenn die den Kapitalertr&auml;gen entsprechenden Aufwendungen beim Schuldner Betriebsausgaben oder Werbungskosten im Zusammenhang mit Eink&uuml;nften sind, die der inl&auml;ndischen Besteuerung unterliegen. Dies ist vorliegend der Fall. Es ist somit entscheidungserheblich, ob die Kl&auml;gerin als Gl&auml;ubigerin der Kapitalertr&auml;ge und ihr Bruder als deren Schuldner einander nahestehende Personen im Sinne der gesetzlichen Regelung sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Bei dem Begriff &quot;einander nahestehende Personen&quot; handelt es sich um einen unbestimmten Rechtsbegriff, der auslegungsbed&uuml;rftig ist. Dies steht dem rechtsstaatlichen Erfordernis nach Normenbestimmtheit nicht entgegen, da un&uuml;berwindliche Auslegungsprobleme nicht ersichtlich sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Was unter dem Begriff der &quot;nahestehenden Person&quot; zu verstehen ist, wird im Einkommensteuergesetz selbst nicht geregelt. Zwar ist der Begriff in &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;2 des Au&szlig;ensteuergesetzes (AStG) und &sect;&nbsp;138 der Insolvenzordnung (InsO) gesetzlich definiert. Eine analoge Anwendung ist jedoch aufgrund des unterschiedlichen Zwecks der Regelungen ausgeschlossen. W&auml;hrend es Ziel des &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;2 AStG ist, das ertragsteuerliche Ergebnis am Ma&szlig;stab des Fremdvergleichs zu korrigieren, ist nach dem Wortlaut des &sect;&nbsp;32d Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;a EStG die Markt&uuml;blichkeit der Zinsvereinbarung f&uuml;r den Ausschluss des Abgeltungsteuersatzes ohne Bedeutung. Gegen eine analoge Anwendung der Definition des &sect;&nbsp;138 InsO spricht, dass diese auf einen anderen Regelungsbereich zugeschnitten ist (vgl. auch Urteil des Bundesgerichtshofs vom 17.&nbsp;Februar 2011 IX&nbsp;ZR&nbsp;131\/10, BGHZ 188, 363). Gleiches gilt f&uuml;r den von der Rechtsprechung des BFH entwickelten Begriff der &quot;nahestehenden Person&quot; bei einer verdeckten Gewinnaussch&uuml;ttung (Worgulla, Der Erbschaft-Steuer-Berater &#8211;ErbStB&#8211; 2010, 151, 154; Behrens\/ Renner, Betriebs-Berater &#8211;BB&#8211; 2008, 2319, 2321; a.A. Bl&uuml;mich\/Treiber, &sect;&nbsp;32d EStG Rz&nbsp;69; Lambrecht in Kirchhof, EStG, 13.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;32d Rz&nbsp;11) und f&uuml;r die Regelung des &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;5 Nr.&nbsp;1 des Umsatzsteuergesetzes.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Nach dem Wortsinn fallen unter den Begriff der &quot;nahestehenden Person&quot; alle nat&uuml;rlichen und juristischen Personen, die zueinander in enger Beziehung stehen. Hierzu geh&ouml;ren auch Angeh&ouml;rige i.S. des &sect;&nbsp;15 der Abgabenordnung, da bei diesem Personenkreis bereits das auf der Verwandtschaft, dem Verl&ouml;bnis oder der Eheschlie&szlig;ung beruhende N&auml;heverh&auml;ltnis auf eine enge Bindung schlie&szlig;en l&auml;sst (so das BMF in seinen Schreiben in BStBl I 2010, 94, und in BStBl I 2012, 953, jeweils Rz&nbsp;136; Schmidt\/Weber-Grellet, EStG, 33.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;32d Rz&nbsp;8; Boochs in Lademann, EStG, &sect;&nbsp;32d EStG Rz&nbsp;18a; a.A. Storg in Frotscher, EStG, Freiburg 2011, &sect;&nbsp;32d Rz&nbsp;20a; Baumg&auml;rtel\/Lange in Herrmann\/Heuer\/Raupach, &sect;&nbsp;32d EStG Rz&nbsp;20; Worgulla, ErbStB 2010, 151, 154; Behrens\/Renner, BB 2008, 2319, 2321; Schulz\/ Vogt, Deutsches Steuerrecht &#8211;DStR&#8211; 2008, 2189, 2191&nbsp;ff.; Bl&uuml;mich\/Treiber, a.a.O., &sect;&nbsp;32d Rz&nbsp;69; Lambrecht in Kirchhof, a.a.O., &sect;&nbsp;32d Rz&nbsp;11; Fischer, DStR 2007, 1898&nbsp;f.; Harenberg\/ Z&ouml;ller, Abgeltungsteuer 2011, 3.&nbsp;Aufl., S.&nbsp;124; Griesel\/ Mertes, Die neue Abgeltungsteuer, Rz&nbsp;200&nbsp;ff.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Diese weite Auslegung des gesetzlichen Tatbestands widerspricht jedoch dem Willen des Gesetzgebers, den er in der Gesetzesbegr&uuml;ndung zu &sect;&nbsp;32d Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;a EStG zum Ausdruck gebracht hat. Danach soll ein N&auml;heverh&auml;ltnis nur dann vorliegen, wenn die Person auf den Steuerpflichtigen einen beherrschenden Einfluss aus&uuml;ben kann oder umgekehrt der Steuerpflichtige auf diese Person einen beherrschenden Einfluss aus&uuml;ben kann oder eine dritte Person auf beide einen beherrschenden Einfluss aus&uuml;ben kann oder die Person oder der Steuerpflichtige imstande ist, bei der Vereinbarung der Bedingungen einer Gesch&auml;ftsbeziehung auf den Steuerpflichtigen oder die nahestehende Person einen au&szlig;erhalb dieser Gesch&auml;ftsbeziehung begr&uuml;ndeten Einfluss auszu&uuml;ben oder wenn einer von ihnen ein eigenes wirtschaftliches Interesse an der Erzielung der Eink&uuml;nfte des anderen hat (BTDrucks 16\/4841, S.&nbsp;61). Danach ist ein lediglich aus der Familienangeh&ouml;rigkeit oder Ehe abgeleitetes pers&ouml;nliches Interesse nicht ausreichend, um ein N&auml;heverh&auml;ltnis i.S. des &sect;&nbsp;32d Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;a EStG zu begr&uuml;nden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Legt man der Auslegung des &sect;&nbsp;32d Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;a EStG diese vom Gesetzgeber intendierte Definition des Begriffs der &quot;nahestehenden Person&quot; zugrunde, ist der Ausschlusstatbestand vorliegend nicht erf&uuml;llt. Es gibt weder Anhaltspunkte daf&uuml;r, dass zwischen der Kl&auml;gerin und ihrem Bruder ein Abh&auml;ngigkeitsverh&auml;ltnis bestand, noch dass diese auf den jeweils anderen einen au&szlig;erhalb der Gesch&auml;ftsbeziehung begr&uuml;ndeten Einfluss aus&uuml;bten, noch dass die Vertragsparteien ein eigenes wirtschaftliches Interesse an der Erzielung der Eink&uuml;nfte des anderen hatten. Die ratenweise Auszahlung und Stundung des Auseinandersetzungsguthabens im Falle des Ausscheidens eines Gesellschafters war bereits bei der Gr&uuml;ndung der KG im Gesellschaftsvertrag geregelt worden. Zu diesem Zeitpunkt waren weder die Kl&auml;gerin noch deren Bruder an der KG beteiligt, sodass nicht ersichtlich ist, dass sie auf die gesellschaftsvertragliche Verankerung und Ausgestaltung der Stundungsvereinbarung Einfluss nehmen konnten. Eine missbr&auml;uchliche Gestaltung zur Ausnutzung des Abgeltungsteuersatzes ist danach nicht gegeben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>e) Diese nach dem Willen des Gesetzgebers erforderliche Einschr&auml;nkung des &sect;&nbsp;32d Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;a EStG ist auch aus verfassungsrechtlichen Gr&uuml;nden geboten. Auf die Ausf&uuml;hrungen hierzu im Senatsurteil vom 29.&nbsp;April 2014 VIII&nbsp;R&nbsp;9\/13 (BFHE 245, 343) wird verwiesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 29.4.2014, VIII R 35\/13 Anwendung des Abgeltungsteuersatzes bei Kapitalertr&auml;gen aus einer Stundungsvereinbarung zwischen Angeh&ouml;rigen i.S. des &sect; 15 AO &#8211; Teilweise inhaltsgleich mit BFH-Urteil vom 29.04.2014 VIII R 9\/13 Leits&auml;tze Die Anwendung des gesonderten Steuertarifs f&uuml;r Eink&uuml;nfte aus Kapitalverm&ouml;gen gem&auml;&szlig; &sect; 32d Abs. 1 EStG auf Kapitalertr&auml;ge, die aus der Stundung einer &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/viii-r-35-13-anwendung-des-abgeltungsteuersatzes-bei-kapitalertraegen-aus-einer-stundungsvereinbarung-zwischen-angehoerigen-is-des-par-15-ao-teilweise-inhaltsgleich-mit-bfh-urteil-vom-29042014-viii-9\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VIII&nbsp;R&nbsp;35\/13 &#8211; Anwendung des Abgeltungsteuersatzes bei Kapitalertr&auml;gen aus einer Stundungsvereinbarung zwischen Angeh&ouml;rigen i.S. des &sect; 15 AO &#8211; Teilweise inhaltsgleich mit BFH-Urteil vom 29.04.2014 VIII R 9\/13<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-64030","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64030","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=64030"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64030\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=64030"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=64030"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=64030"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}