{"id":64297,"date":"2015-04-01T11:09:02","date_gmt":"2015-04-01T09:09:02","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=64297"},"modified":"2015-04-01T11:09:02","modified_gmt":"2015-04-01T09:09:02","slug":"x-r-40-12-keine-korrektur-eines-rechtskraeftigen-urteils-durch-billigkeitserlass-bei-versagung-des-sonderausgabenabzugs-fuer-an-privatschulen-in-anderen-mitgliedstaaten-gezahltes-schulgeld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-r-40-12-keine-korrektur-eines-rechtskraeftigen-urteils-durch-billigkeitserlass-bei-versagung-des-sonderausgabenabzugs-fuer-an-privatschulen-in-anderen-mitgliedstaaten-gezahltes-schulgeld\/","title":{"rendered":"X&nbsp;R&nbsp;40\/12 &#8211; Keine Korrektur eines rechtskr&auml;ftigen Urteils durch Billigkeitserlass bei Versagung des Sonderausgabenabzugs f&uuml;r an Privatschulen in anderen Mitgliedstaaten gezahltes Schulgeld"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 21.1.2015, X R 40\/12<\/p>\n<p class=\"titel\">Keine Korrektur eines rechtskr&auml;ftigen Urteils durch Billigkeitserlass bei Versagung des Sonderausgabenabzugs f&uuml;r an Privatschulen in anderen Mitgliedstaaten gezahltes Schulgeld<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Es ist weder ermessensfehlerhaft noch verst&ouml;&szlig;t es gegen Unionsrecht, wenn das FA es ablehnt, die unionsrechtswidrige, aber durch letztinstanzliche Entscheidung des BFH rechtskr&auml;ftig gewordene Versagung des Sonderausgabenabzugs f&uuml;r Schulgeld, das an Privatschulen in anderen Mitgliedstaaten gezahlt wurde, im Billigkeitswege dadurch zu korrigieren, dass es die entsprechende Steuer erstattet.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision der Kl&auml;ger gegen das Urteil des Finanzgerichts Rheinland-Pfalz vom 24. Oktober 2011&nbsp;&nbsp;1 K 1040\/11 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens haben die Kl&auml;ger zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) sind Eheleute, die zusammen zur Einkommensteuer veranlagt werden. In ihren Einkommensteuererkl&auml;rungen f&uuml;r die Jahre 1992 bis 1999 machten sie jeweils Schulgeldzahlungen als Sonderausgaben geltend, die dadurch entstanden waren, dass ihr Sohn eine Privatschule in Gro&szlig;britannien besucht hatte. Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) lie&szlig; die Aufwendungen nicht zum Abzug zu. Die nach erfolglosem Einspruch gegen den Einkommensteuerbescheid f&uuml;r das Jahr 1992 erhobene Klage wies das Finanzgericht (FG) durch Urteil vom 17.&nbsp;M&auml;rz 1995&nbsp;&nbsp;3&nbsp;K&nbsp;1046\/94 (Entscheidungen der Finanzgerichte &#8211;EFG&#8211; 1995, 747) mit der Begr&uuml;ndung ab, Schulgeldzahlungen an Schulen im Ausland seien nicht nach &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;9 des Einkommensteuergesetzes in der in den Streitjahren geltenden Fassung (EStG a.F.) abziehbar. Die hiergegen gerichtete Revision wies der erkennende Senat mit Urteil vom 11.&nbsp;Juni 1997 X&nbsp;R&nbsp;74\/95 (BFHE 183, 436, BStBl II 1997, 617) zur&uuml;ck. Die von den Kl&auml;gern hinsichtlich der Veranlagungszeitr&auml;ume 1994 bis 1997 erhobene Klage wies das FG mit Urteil vom 5.&nbsp;Juli 2000&nbsp;&nbsp;1&nbsp;K&nbsp;2074\/99 ebenfalls ab. Die Beschwerde wegen Nichtzulassung der Revision wurde vom Bundesfinanzhof (BFH) durch Beschluss vom 11.&nbsp;M&auml;rz 2002 XI&nbsp;B&nbsp;125\/00 (BFH\/NV 2002, 1037) als unzul&auml;ssig verworfen. Die Einkommensteuerbescheide f&uuml;r die Jahre 1993, 1998 und 1999 wurden ohne Ersch&ouml;pfung des Rechtswegs bestandskr&auml;ftig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nachdem der Gerichtshof der Europ&auml;ischen Union (EuGH) in seinen Urteilen vom 11.&nbsp;September 2007 C-76\/05 &#8211;Schwarz\/Gootjes-Schwarz&#8211; (Slg. 2007, I-6849) und C-318\/05 &#8211;Kommission\/ Deutschland&#8211; (Slg. 2007, I-6957) entschieden hatte, sowohl die in Art.&nbsp;56 des Vertrages &uuml;ber die Arbeitsweise der Europ&auml;ischen Union &#8211;AEUV&#8211; (bis 2008 Art.&nbsp;49 EG) gew&auml;hrleistete Dienstleistungsfreiheit als auch die allgemeine Freiz&uuml;gigkeit gem&auml;&szlig; Art.&nbsp;21 AEUV (bis 2008 Art.&nbsp;18 EG) w&uuml;rden durch die Beschr&auml;nkung des Sonderausgabenabzugs f&uuml;r Schulgeldzahlungen an inl&auml;ndische Privatschulen beeintr&auml;chtigt, beantragten die Kl&auml;ger im Oktober 2007, die Einkommensteuerbescheide f&uuml;r die Jahre 1992 bis 1999 dahingehend zu &auml;ndern, dass die von ihnen geleisteten Schulgeldzahlungen nunmehr gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;9 EStG a.F. steuerlich ber&uuml;cksichtigt w&uuml;rden. Das FA lehnte diesen Antrag ab. Einspruch und Klage blieben ohne Erfolg (FG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 20.&nbsp;Januar 2010&nbsp;&nbsp;1&nbsp;K&nbsp;1285\/08, Deutsches Steuerrecht\/Entscheidungsdienst &#8211;DStRE&#8211; 2011, 767). Die Beschwerde wegen Nichtzulassung der Revision wies der erkennende Senat durch Beschluss vom 9.&nbsp;Juni 2010 X&nbsp;B&nbsp;41\/10 (BFH\/NV 2010, 1783) als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ck.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Juli 2010 beantragten die Kl&auml;ger daraufhin gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;227 der Abgabenordnung (AO) den Erlass der Einkommensteuerbetr&auml;ge, soweit diese wegen Nichtanerkennung der Schulgeldzahlungen als Sonderausgaben in den Jahren 1992 bis 1999 festgesetzt worden waren. Sie trugen zur Begr&uuml;ndung vor, es sei zwar grunds&auml;tzlich mit dem Sinn und Zweck der Bestandskraft von Steuerbescheiden nicht zu vereinbaren, eine bestandskr&auml;ftig festgesetzte Steuer nur deshalb zu erlassen, weil die Festsetzung im Widerspruch zu einer sp&auml;ter entwickelten oder ge&auml;nderten Rechtsprechung stehe. Die Rechtsprechung des EuGH zur Ab&auml;nderung bestandskr&auml;ftiger Entscheidungen rechtfertige jedoch eine Ausnahme. Die Dienstleistungsfreiheit sei f&uuml;r die Mitgliedstaaten unmittelbar geltendes Recht. Werde sie verletzt, sei der betroffene B&uuml;rger darauf angewiesen, dass die nationalen Gerichte dem EuGH die Rechtsfragen vorlegten. Unterbleibe dies, obwohl eine Vorlagepflicht bestehe, habe die Bestandskraft dem allgemeinen Grundsatz von Treu und Glauben zu weichen. Der Vorrang des Unionsrechts verlange in diesem Fall eine Korrektur des nationalen Rechts.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA lehnte den Antrag ab und wies den Einspruch der Kl&auml;ger zur&uuml;ck. In dem sich anschlie&szlig;enden Klageverfahren trugen die Kl&auml;ger weiter vor, in einem Billigkeitsverfahren, das die Bestandskraft der Steuerbescheide unber&uuml;hrt lasse, m&uuml;sse dem EuGH-Urteil vom 13.&nbsp;Januar 2004 C-453\/00 &#8211;K&uuml;hne &#038;&nbsp;Heitz&#8211; (Slg. 2004, I-837) in der Weise Geltung verschafft werden, dass eine Vorlage an den EuGH erfolge. Dessen Rechtsprechung beruhe auf dem Rechtsgedanken von Treu und Glauben. Wenn Rechtsuchende alle rechtlichen M&ouml;glichkeiten ausgesch&ouml;pft h&auml;tten, um unionswidrige und damit rechtswidrige Entscheidungen von Beh&ouml;rden zu verhindern, sei es unbillig, den nach nationalem Recht m&ouml;glichen Erlass der Steuerschuld mit der Begr&uuml;ndung zu verweigern, die Bestandskraft des Steuerbescheids stehe einer Ab&auml;nderung entgegen. Die M&ouml;glichkeit der nachtr&auml;glichen Korrektur der nach nationalem Recht bestandskr&auml;ftigen Bescheide sei die notwendige Folge und der angemessene Ausgleich daf&uuml;r, dass der Rechtsuchende nicht selbst den EuGH anrufen k&ouml;nne, sondern insoweit von den nationalen Gerichten abh&auml;ngig sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG hat die Klage mit dem in EFG 2013, 578 ver&ouml;ffentlichten Urteil abgewiesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zur Begr&uuml;ndung ihrer &#8211;auf die Streitjahre 1992 und 1994 bis 1997 beschr&auml;nkten&#8211; Revision machen die Kl&auml;ger in Erg&auml;nzung ihres bisherigen Vorbringens geltend, das FG habe keine am Gemeinschaftsrecht orientierte Auslegung des &sect;&nbsp;227 AO vorgenommen. Es habe nicht dargelegt, wie sich das Effektivit&auml;tsprinzip des Unionsrechts bei bestehender Bestandskraft eines Steuerbescheids auf die Billigkeitsentscheidung nach &sect;&nbsp;227 AO auswirke, wenn sich nach Ersch&ouml;pfung des Rechtswegs herausstelle, dass der bestandskr&auml;ftige Steuerbescheid das Gemeinschaftsrecht verletze und deswegen rechtswidrig sei. Das FG habe die Problematik, die sich aus dem EuGH-Urteil K&uuml;hne &#038; Heitz in Slg. 2004, I-837 ergebe, dadurch umgangen, dass es auf sein fr&uuml;heres Urteil vom 20.&nbsp;Januar 2010 in DStRE 2011, 767 verwiesen habe. In dieser Entscheidung sei aber nicht ber&uuml;cksichtigt worden, dass im Streitfall der Steuerbescheid angefochten und der Rechtsweg vollst&auml;ndig &#8211;ebenso wie im Sachverhalt der Rechtssache K&uuml;hne &#038; Heitz in Slg. 2004, I-837&#8211; ausgesch&ouml;pft worden sei. Das sei die Besonderheit des konkreten Falles, die ihn von dem EuGH-Urteil vom 19.&nbsp;September 2006 C-392\/04 und C-422\/04 &#8211;i-21 Germany und Arcor&#8211; (Slg. 2006, I-8559) sowie den BFH-Entscheidungen vom 29.&nbsp;Mai 2008 V&nbsp;R&nbsp;45\/06 (BFH\/NV 2008, 1889) und vom 15.&nbsp;Juni 2009 I&nbsp;B&nbsp;230\/08 (BFH\/NV 2009, 1779) unterscheide. Hinge die Anwendung des &sect;&nbsp;227 AO im Streitfall davon ab, dass die Steuerfestsetzung eindeutig und offenbar unrichtig sei &#8211;was nicht der Fall sei, wenn sie auf der BFH-Rechtsprechung beruhe&#8211;, sei dies mit der K&uuml;hne &#038;&nbsp;Heitz-Rechtsprechung des EuGH unvereinbar, da sie in F&auml;llen der vorliegenden Art praktisch leerlaufe, in denen der Steuerpflichtige alles unternommen habe, um die dem Gemeinschaftsrecht widersprechenden Steuerbescheide zu korrigieren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger sind der Auffassung, &sect;&nbsp;227 AO m&uuml;sse aufgrund des gemeinschaftsrechtlichen Effektivit&auml;tsprinzips als &Auml;nderungsm&ouml;glichkeit im Sinne der ersten Voraussetzung der EuGH-Rechtsprechung in K&uuml;hne &#038;&nbsp;Heitz angesehen werden. Der gesetzliche Tatbestand des Billigkeitsverfahrens nach &sect;&nbsp;227 AO enthalte keine Einschr&auml;nkung und finde seinem Wortlaut nach auf jeden rechtswidrigen Steuerbescheid Anwendung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Rahmen der Billigkeit m&uuml;ssten erg&auml;nzend die Grunds&auml;tze des allgemeinen Verwaltungsrechts zur Anwendung kommen, um den nach der EuGH-Rechtsprechung gebotenen Rechtsschutz zu gew&auml;hrleisten. Zwar sei der Tatbestand des &sect;&nbsp;51 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes (VwVfG) bei einer &Auml;nderung der h&ouml;chstrichterlichen Rechtsprechung grunds&auml;tzlich nicht erf&uuml;llt. Es sei aber zumindest vertretbar, die Verwaltungsbeh&ouml;rde f&uuml;r befugt zu halten, bei einer Verletzung der Vorlagepflicht des letztinstanzlichen nationalen Gerichts einen gemeinschaftswidrigen Verwaltungsakt abzu&auml;ndern, da die besondere Bedeutung der EuGH-Rechtsprechung es nahelege, diese einer &Auml;nderung des materiellen Rechts gleichzustellen, damit die praktische Wirksamkeit des Unionsrechts nicht beeintr&auml;chtigt werde. Die Auswirkungen des unionsrechtlich zu beachtenden Effektivit&auml;tsprinzips zeige sich insbesondere bei der Auslegung des &sect;&nbsp;48 VwVfG, der im Rahmen einer Ermessensentscheidung eine Aufhebung rechtswidriger Verwaltungsakte erm&ouml;gliche. Das Ermessen der Beh&ouml;rde, den Bescheid aufzuheben, reduziere sich auf Null, weil in der vorliegenden besonderen Konstellation, in der den Belangen der Rechtssicherheit durch das Aussch&ouml;pfen des Rechtswegs und die Einhaltung angemessener Fristen ausreichend Rechnung getragen worden sei, das Prinzip der Effektivit&auml;t des Gemeinschaftsrechts &uuml;berwiege.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das deutsche Recht erlaube die R&uuml;cknahme einer rechtskr&auml;ftig gerichtlich best&auml;tigten Verwaltungsentscheidung, ohne dabei die Rechtskraft des Urteils selbst zu ber&uuml;hren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Senat habe zudem mit seinem Urteil in BFHE 183, 436, BStBl II 1997, 617 offenkundig und qualifiziert gegen das Unionsrecht und seine Vorlagepflicht aus Art.&nbsp;234 Abs.&nbsp;3 EG (jetzt Art.&nbsp;267 Abs.&nbsp;3 AEUV) versto&szlig;en. Er habe &#8211;trotz eindeutiger Hinweise aus dem Schrifttum (vgl. z.B. Meilicke, Deutsche Steuerzeitung &#8211;DStZ&#8211; 1996, 97)&#8211; schon f&uuml;r das Streitjahr 1992 verkannt, dass nicht die Organisation der Privatschulen in Deutschland, sondern die passive Dienstleistungsfreiheit sowie die Freiz&uuml;gigkeit der Sch&uuml;ler gem&auml;&szlig; Art.&nbsp;8a EG (jetzt Art.&nbsp;21 AEUV) entscheidend sei. Somit m&uuml;ssten auch aus diesem Grunde die zu Unrecht erhobenen Steuern erlassen werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Soweit die Steuerbescheide 1994 bis 1997 betroffen seien, gelte Entsprechendes. Es k&ouml;nne f&uuml;r die Ersch&ouml;pfung des Rechtswegs gem&auml;&szlig; Art.&nbsp;267 Abs.&nbsp;3 AEUV keinen Unterschied machen, dass die Voraussetzungen f&uuml;r die Zulassung der Revision nicht vorgelegen h&auml;tten und es deshalb nicht zu einem Revisionsverfahren gekommen sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger beantragen,<br \/>1. das angefochtene Urteil des FG Rheinland-Pfalz abzu&auml;ndern und das FA zu verpflichten, unter Aufhebung des Bescheids vom 23.&nbsp;Juli 2010 und seiner Einspruchsentscheidung vom 10.&nbsp;Dezember 2010 f&uuml;r die Steuerjahre 1992 und 1994 bis 1997 Steuerbetr&auml;ge in H&ouml;he von 4.500,88&nbsp;EUR wegen Nichtber&uuml;cksichtigung von Schulgeldzahlungen als Sonderausgaben zu erlassen sowie den Erlassbetrag ab Rechtsh&auml;ngigkeit mit eineinhalb Prozent f&uuml;r jeden Monat zu verzinsen;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>hilfsweise,<br \/>die Sache in dem angefochtenen Umfang zur erneuten Verhandlung und Entscheidung an das erstinstanzliche Gericht zur&uuml;ckzuverweisen und die Kl&auml;ger unter Ber&uuml;cksichtigung der Rechtsauffassung des Gerichts neu zu bescheiden;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. dem EuGH zur Vorabentscheidung folgende Fragen vorzulegen:<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Ist eine Vorschrift des nationalen Rechts geeignet, die erste Voraussetzung des EuGH-Urteils K&uuml;hne &#038;&nbsp;Heitz in Slg. 2004, I-837 zu erf&uuml;llen, wenn die nationale Vorschrift der Beh&ouml;rde ein Ermessen einr&auml;umt und die Rechtsprechung diese Vorschrift nur anwendet, wenn die Verletzung des Unionsrechts offenkundig und eindeutig war?<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Ist die dritte Voraussetzung des EuGH-Urteils K&uuml;hne &#038;&nbsp;Heitz in Slg. 2004, I-837 dahin zu verstehen, dass die Verletzung der Vorlagepflicht vorwerfbar (schuldhaft) oder objektiv offenkundig und eindeutig war?<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Verletzt ein letztinstanzliches Gericht bei der Auslegung des Gemeinschaftsrechts die Vorlagepflicht nach Art.&nbsp;267 Abs.&nbsp;3 AEUV und beruht darauf der bestandskr&auml;ftige und gegen das Gemeinschaftsrecht versto&szlig;ende Steuerbescheid, ist dann aufgrund des EuGH-Urteils K&uuml;hne &#038;&nbsp;Heitz in Slg. 2004, I-837 die Steuerbeh&ouml;rde in einem Billigkeitsverfahren (&sect;&nbsp;227 AO), das der Beh&ouml;rde ein Ermessen einr&auml;umt, verpflichtet, die Steuerschuld zur&uuml;ck zu erstatten, die bei richtiger Auslegung des Gemeinschaftsrechts nicht geschuldet gewesen w&auml;re?<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Ist eine nationale Regelung mit der K&uuml;hne &#038;&nbsp;Heitz-Rechtsprechung (Effektivit&auml;tsprinzip) vereinbar, wenn die Steuerfestsetzung, die gegen das Gemeinschaftsrecht verstie&szlig;, ohne beh&ouml;rdliche &Uuml;berpr&uuml;fung endg&uuml;ltig und nicht ab&auml;nderbar wird?<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>e) Sind die Urteile des EuGH K&uuml;hne &#038;&nbsp;Heitz in Slg. 2004, I-837 sowie vom 12.&nbsp;Februar 2008 C-2\/06 &#8211;Kempter&#8211; (Slg. 2008, I-411) dahin auszulegen, dass die Verletzung der Vorlagepflicht nach Art.&nbsp;267 Abs.&nbsp;3 AEUV eine grobe Verkennung durch das letztinstanzliche Gericht verlangt oder sind es die gleichen Voraussetzungen, die der Gerichtshof im Urteil vom 6.&nbsp;Oktober 1982 283\/81 &#8211;C.I.L.F.I.T.&#8211; (Slg. 1982, I-3415) aufgestellt hat?<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>f) Verst&ouml;&szlig;t es gegen den Grundsatz der Effektivit&auml;t, wenn ein nationales Verfahrensrecht die M&ouml;glichkeiten einer nachtr&auml;glichen Korrektur bestandskr&auml;ftiger und rechtskr&auml;ftiger unionsrechtswidriger Bescheide auf die F&auml;lle beschr&auml;nkt, in denen die Rechtswidrigkeit im Zeitpunkt des Erlasses des Bescheids offenkundig war?<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG hat zutreffend erkannt, dass das FA den Erlassantrag der Kl&auml;ger ermessensfehlerfrei abgelehnt hat. Es ist nicht unbillig i.S. des &sect;&nbsp;227 AO, den Kl&auml;gern die Einkommensteuer nicht zu erstatten, die darauf beruht, dass ihnen der Sonderausgabenabzug des an die britische Privatschule gezahlten Schulgelds verwehrt wurde, obwohl dies vom Unionsrecht gefordert gewesen w&auml;re.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect;&nbsp;227 AO k&ouml;nnen die Finanzbeh&ouml;rden Anspr&uuml;che aus dem Steuerschuldverh&auml;ltnis ganz oder zum Teil erlassen, wenn deren Einziehung nach Lage des einzelnen Falls unbillig w&auml;re; unter den gleichen Voraussetzungen k&ouml;nnen bereits entrichtete Betr&auml;ge erstattet oder angerechnet werden. Die Unbilligkeit kann in der Sache liegen oder ihren Grund in der wirtschaftlichen Lage des Steuerpflichtigen haben. In der wirtschaftlichen Situation des Steuerpflichtigen liegende (pers&ouml;nliche) Billigkeitsgr&uuml;nde sind weder geltend gemacht noch erkennbar, so dass allein sachliche Unbilligkeit in Betracht kommen kann.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Sachliche Unbilligkeit liegt vor, wenn nach dem erkl&auml;rten oder mutma&szlig;lichen Willen des Gesetzgebers angenommen werden kann, dass er die im Billigkeitswege zu entscheidende Frage &#8211;h&auml;tte er sie geregelt&#8211; im Sinne der beabsichtigten Billigkeitsma&szlig;nahme entschieden h&auml;tte oder wenn angenommen werden kann, dass die Einziehung der Steuer den Wertungen des Gesetzgebers widerspricht (st&auml;ndige Rechtsprechung des BFH, vgl. j&uuml;ngst Senatsurteil vom 19.&nbsp;Oktober 2010 X&nbsp;R&nbsp;9\/09, BFH\/NV 2011, 561, unter II.1.a, m.w.N.). Dies wiederum kann seinen Grund entweder in Gerechtigkeitsgesichtspunkten oder in einem Widerspruch zu dem der gesetzlichen Regelung zu Grunde liegenden Zweck haben. &sect;&nbsp;227 AO erm&auml;chtigt allerdings nicht zur Korrektur des Gesetzes. Der Erlass ist daher nur zul&auml;ssig, wenn die Einziehung der Steuer zwar dem Gesetz entspricht, aber infolge eines Gesetzes&uuml;berhangs den Wertungen des Gesetzgebers derart zuwiderl&auml;uft, dass sie unbillig erscheint (Senatsurteil in BFH\/NV 2011, 561, unter II.1.a, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im vorliegenden Streitfall ist zu pr&uuml;fen, ob das FA sein Ermessen zu Recht dahingehend ausge&uuml;bt hat, dass es den Erlass der auf der Nichtber&uuml;cksichtigung des Schulgelds als Sonderausgaben beruhenden Steuerschuld abgelehnt hat. Da die zu Grunde liegenden Steuerbescheide zwar bestandskr&auml;ftig und die Gerichtsentscheidungen rechtskr&auml;ftig sind, sie aber materiell-rechtlich mit dem Unionsrecht nicht &uuml;bereinstimmen, sind sowohl die Wertungen des deutschen Gesetzgebers (unter 2.) als auch die Anforderungen, die sich aus dem Unionsrecht ergeben (unter 3.), zu ber&uuml;cksichtigen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Bindung an die Wertungen des deutschen Gesetzgebers bedeutet im Hinblick auf den Streitfall zweierlei:<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>27<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Zun&auml;chst sind Reichweite und Grenzen der &Auml;nderungsvorschriften der &sect;&sect;&nbsp;172&nbsp;ff. AO zu beachten. Ein Erlass darf nicht &Auml;nderungsm&ouml;glichkeiten schaffen, die diese Vorschriften nicht vorsehen und nach der gesetzgeberischen Konzeption nicht vorsehen sollten (so auch Senatsurteil in BFH\/NV 2011, 561, unter II.1.b).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>28<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ein Steuerbescheid kann nur aufgrund der &sect;&sect;&nbsp;172&nbsp;ff. AO, die eine abschlie&szlig;ende Regelung enthalten, ge&auml;ndert werden (vgl. Senatsbeschluss in BFH\/NV 2010, 1783). Dies unterscheidet den Steuerbescheid von einem sonstigen Steuerverwaltungsakt, der &#8211;wenn er rechtswidrig ist&#8211; gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;130 AO, selbst nachdem er unanfechtbar geworden ist, ganz oder teilweise auch mit Wirkung f&uuml;r die Vergangenheit zur&uuml;ckgenommen werden kann. Diese ausdr&uuml;ckliche gesetzliche Differenzierung erlaubt es daher nicht, im Rahmen des Billigkeitsverfahrens die &Auml;nderungsm&ouml;glichkeit nach &sect;&nbsp;130 AO heranzuziehen oder gar &#8211;wie von den Kl&auml;gern vorgeschlagen&#8211; auf die Regelungen des VwVfG zur&uuml;ckzugreifen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>29<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Zum anderen und damit zusammenh&auml;ngend sind die Grunds&auml;tze der Bestandskraft zu beachten. Bei Einw&auml;nden, die, wie hier, die materiell-rechtliche Richtigkeit der Steuerfestsetzung betreffen, ist ein Erlass aus Billigkeitsgr&uuml;nden nur m&ouml;glich, wenn die Steuerfestsetzung offensichtlich und eindeutig falsch ist und dem Steuerpflichtigen nicht zuzumuten war, sich rechtzeitig gegen die Fehlerhaftigkeit zu wehren (st&auml;ndige BFH-Rechtsprechung, vgl. Urteile vom 30.&nbsp;April 1981 VI&nbsp;R&nbsp;169\/78, BFHE 133, 255, BStBl II 1981, 611; vom 11.&nbsp;August 1987 VII&nbsp;R&nbsp;121\/84, BFHE 150, 502, BStBl II 1988, 512; Senatsurteil vom 21.&nbsp;Juli 1993 X&nbsp;R&nbsp;104\/91, BFH\/NV 1994, 597; Urteil vom 14.&nbsp;November 2007 II&nbsp;R&nbsp;3\/06, BFH\/NV 2008, 574, und Senatsurteil in BFH\/NV 2011, 561; s. auch St&ouml;cker in Beermann\/Gosch, AO &sect;&nbsp;227 Rz&nbsp;22).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>30<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Streitfall hat das FA unter Ber&uuml;cksichtigung dieser Rechtsprechung die Ablehnung des Erlassantrages u.a. damit begr&uuml;ndet, im Zeitpunkt seiner letzten Entscheidung im Festsetzungsverfahren sei die Ablehnung des Abzugs der Schulgeldzahlungen nicht offensichtlich und eindeutig falsch gewesen, da sie der damaligen Rechtslage und den Grunds&auml;tzen der damaligen h&ouml;chstrichterlichen Rechtsprechung entsprochen habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>31<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Diese Argumentation des FA ist &uuml;berzeugend, sie entspricht den Grunds&auml;tzen der st&auml;ndigen h&ouml;chstrichterlichen Rechtsprechung und wird auch insoweit von den Kl&auml;gern nicht in Frage gestellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>32<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Ziel der Kl&auml;ger im Rahmen einer Billigkeitsma&szlig;nahme ist indes nicht nur die faktische &Auml;nderung eines bestandskr&auml;ftigen Steuerbescheids. Sie wollen vielmehr auch die tats&auml;chliche R&uuml;ckg&auml;ngigmachung einer ihnen gegen&uuml;ber ergangenen letztinstanzlichen Entscheidung erreichen, da der Senat in seinem Urteil in BFHE 183, 436, BStBl II 1997, 617 das klageabweisende FG-Urteil best&auml;tigt hat, so dass zwischen den Kl&auml;gern und dem FA rechtskr&auml;ftig entschieden ist, dass die Schulgeldzahlungen im Jahr 1992 nicht als Sonderausgaben abgezogen werden konnten. Entsprechendes gilt f&uuml;r die Schulgeldzahlungen der Jahre 1994 bis 1997, deren Nichtber&uuml;cksichtigung durch den BFH-Beschluss in BFH\/NV 2002, 1037 rechtskr&auml;ftig wurde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>33<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Die Frage, ob ein Erlass aus Billigkeitsgr&uuml;nden gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;227 AO auch m&ouml;glich ist, wenn ein rechtskr&auml;ftiges Urteil dem inhaltlich entgegensteht, wird in der BFH-Rechtsprechung nicht einheitlich beantwortet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>34<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach Auffassung des VIII.&nbsp;Senats kommt ein Erlass aus Billigkeitsgr&uuml;nden nicht mehr in Betracht, soweit &uuml;ber die Rechtm&auml;&szlig;igkeit der Steuerfestsetzung bereits rechtskr&auml;ftig entschieden worden ist. Ein Erlass gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;227 Abs.&nbsp;1 AO bei bestandskr&auml;ftiger Steuerfestsetzung setze nicht nur voraus, dass die Steuerfestsetzung offensichtlich und eindeutig falsch sei. Es m&uuml;sse vielmehr hinzukommen, dass es f&uuml;r den Steuerpflichtigen nicht m&ouml;glich und unzumutbar gewesen sei, sich gegen die Fehlerhaftigkeit rechtzeitig zu wehren. Daraus ergebe sich im Umkehrschluss, dass in den F&auml;llen ein Erlass aus Billigkeitsgr&uuml;nden nicht in Betracht komme, in denen &uuml;ber die Rechtm&auml;&szlig;igkeit der Steuerfestsetzung bereits rechtskr&auml;ftig entschieden worden sei. Insofern seien die Beteiligten gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;110 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 FGO an die Rechtskraft des Urteils gebunden (s. BFH-Beschluss vom 11.&nbsp;Mai 2011 VIII&nbsp;B&nbsp;156\/10, BFH\/NV 2011, 1537).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>35<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Soweit erkennbar, ist diese generelle Ablehnung einer Billigkeitsma&szlig;nahme im Falle eines rechtskr&auml;ftigen Urteils in der h&ouml;chstrichterlichen Rechtsprechung eher die Ausnahme. Die Frage, ob und inwieweit die Rechtskraft eines Urteils einer Billigkeitsma&szlig;nahme entgegensteht, wurde von anderen Senaten des BFH &#8211;soweit sie &uuml;berhaupt als problematisch angesehen wurde&#8211; ausdr&uuml;cklich offengelassen, weil die Voraussetzungen des &sect;&nbsp;227 AO in den jeweiligen Sachverhalten schon aus anderen Gr&uuml;nden nicht gegeben waren (vgl. z.B. BFH-Urteile vom 22.&nbsp;September 1976 I&nbsp;R&nbsp;68\/74, BFHE 120, 200, BStBl II 1977, 15, und vom 31.&nbsp;Oktober 1990 I&nbsp;R&nbsp;3\/86, BFHE 163, 478, BStBl II 1991, 610).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>36<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Selbst wenn eine Billigkeitsma&szlig;nahme, die sich &uuml;ber die Rechtskraft eines Urteils hinwegsetzen w&uuml;rde, grunds&auml;tzlich nicht ausgeschlossen sein sollte, d&uuml;rfte sie nur in seltenen Ausnahmef&auml;llen in Betracht kommen, da bei der Pr&uuml;fung der sachlichen Unbilligkeit ber&uuml;cksichtigt werden muss, welch hohen Stellenwert der Gesetzgeber der Rechtskraft beimisst.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>37<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(1) Nach &sect;&nbsp;110 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 FGO binden rechtskr&auml;ftige Urteile die Beteiligten und ihre Rechtsnachfolger, soweit &uuml;ber den Streitgegenstand entschieden worden ist. Die Vorschriften der AO &uuml;ber die Aufhebung und &Auml;nderung von Verwaltungsakten bleiben davon zwar unber&uuml;hrt, allerdings nur, soweit sich aus der Rechtskraftwirkung nichts anderes ergibt (&sect;&nbsp;110 Abs.&nbsp;2 FGO). Dieser Vorrang der Rechtskraft gegen&uuml;ber den &Auml;nderungsvorschriften bedeutet, dass eine &Auml;nderung ausgeschlossen ist, falls sich dadurch ein Widerspruch zur rechtlichen Beurteilung des Gerichts im rechtskr&auml;ftigen Urteil ergeben w&uuml;rde (vgl. BFH-Urteil vom 26.&nbsp;November 1998 IV&nbsp;R&nbsp;66\/97, BFH\/NV 1999, 788, unter II.1.b).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>38<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der hohe Stellenwert, den das deutsche Verfahrensrecht der Rechtskraft zubilligt, zeigt sich zudem darin, dass nach &sect;&nbsp;79 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 des Bundesverfassungsgerichtsgesetzes (BVerfGG) vorbehaltlich der Vorschrift des &sect;&nbsp;95 Abs.&nbsp;2 BVerfGG oder einer besonderen gesetzlichen Regelung die nicht mehr anfechtbaren Entscheidungen, die auf einer gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;78 BVerfGG f&uuml;r nichtig erkl&auml;rten Norm beruhen, unber&uuml;hrt bleiben. Der Gesetzgeber hat sich in verfassungskonformer Weise zwischen den im Rechtsstaatsprinzip gegr&uuml;ndeten gleichrangigen Verfassungsgrunds&auml;tzen der Bestandskraft von Verwaltungsakten einerseits und der Gerechtigkeit im Einzelfall andererseits zu Gunsten der Rechtssicherheit entschieden (vgl. z.B. Beschluss des Bundesverfassungsgerichts &#8211;BVerfG&#8211; vom 12.&nbsp;Dezember 1957&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvR&nbsp;678\/57, BVerfGE 7, 194, 195).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>39<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(2) Eine Billigkeitsma&szlig;nahme kann daher nur bei einem Urteil in Betracht kommen, welches so offenbar unrichtig ist, dass dessen Fehlerhaftigkeit ohne Weiteres erkannt werden konnte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>40<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Streitfall ist eine derartige offensichtliche inhaltliche Unrichtigkeit eines letztinstanzlichen Urteils nicht gegeben. Nicht nur im Zeitpunkt des Senatsurteils in BFHE 183, 436, BStBl II 1997, 617, sondern bis zur Einleitung eines Vertragsverletzungsverfahrens durch die Europ&auml;ische Kommission Anfang Januar 2004 wurde die Begrenzung der Abziehbarkeit von Schulgeldzahlungen auf inl&auml;ndische Privatschulen von der Rechtsprechung &#8211;trotz einiger kritischer Stimmen im Schrifttum (vgl. z.B. Meilicke, Der Betrieb 1994, 1011; ders., DStZ 1996, 97)&#8211; als mit dem Unionsrecht vereinbar angesehen (neben dem FG Rheinland-Pfalz in den die Kl&auml;ger betreffenden Verfahren auch FG K&ouml;ln, Urteil vom 28.&nbsp;Juni 2001&nbsp;&nbsp;7&nbsp;K&nbsp;8690\/99, EFG 2004, 1044, und FG M&uuml;nster, Urteil vom 26.&nbsp;Februar 2003&nbsp;&nbsp;1&nbsp;K&nbsp;1545\/01&nbsp;E, EFG 2003, 1084). Selbst in seinem Vorlagebeschluss vom 27.&nbsp;Januar 2005&nbsp;&nbsp;10&nbsp;K&nbsp;7404\/01 (EFG 2005, 709, unter II.3.c) hat das FG K&ouml;ln noch darauf hingewiesen, dass &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;9 EStG a.F. nicht klar und eindeutig gegen Unionsrecht versto&szlig;e.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>41<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Bei einer solchen Lage kann nicht davon ausgegangen werden, dass die den Kl&auml;gern gegen&uuml;ber ergangenen gerichtlichen Entscheidungen, die der bis dahin bestehenden Rechtsprechung entsprachen, in einem solchen Ma&szlig;e fehlerhaft gewesen sein k&ouml;nnten, dass &#8211;sich &uuml;ber deren Rechtskraft hinwegsetzende&#8211; Billigkeitsma&szlig;nahmen gerechtfertigt w&auml;ren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>42<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die vom FG best&auml;tigte Auffassung des FA steht nicht im Widerspruch zu den Anforderungen, die sich aus dem Unionsrecht ergeben, das von allen Stellen der Mitgliedstaaten im Rahmen ihrer jeweiligen Zust&auml;ndigkeiten einzuhalten ist (vgl. z.B. EuGH-Urteil vom 12.&nbsp;Juni 1990 C-8\/88 &#8211;Deutschland\/Kommission&#8211;, Slg. 1990, I-2321, Rz&nbsp;13).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>43<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zwar r&uuml;gen die Kl&auml;ger eine Verletzung des Unionsrechts, indem sie ausf&uuml;hren, der Senat habe nicht nur einen unionsrechtswidrigen Steuerbescheid best&auml;tigt, sondern dar&uuml;ber hinaus als letztinstanzliches Gericht seine Vorlagepflicht an den EuGH offensichtlich verletzt, so dass im Rahmen einer Billigkeitsentscheidung die Bestands- bzw. Rechtskraft kein Grund sein d&uuml;rfe, den Erlass der zu Unrecht festgesetzten Steuer zu verweigern.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>44<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Indes erfordert weder das Unionsrecht eine faktische Aufhebung oder &Auml;nderung rechtskr&auml;ftiger unionsrechtswidriger Urteile (unter&nbsp;a) noch f&uuml;hrt ein m&ouml;glicher unionsrechtlicher Entsch&auml;digungsanspruch dazu, den Kl&auml;gern die unionsrechtswidrig erhobenen Steuern zu erlassen (unter&nbsp;b).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>45<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Dem Unionsrecht kann nicht entnommen werden, dass eine unionsrechtswidrige, aber rechtskr&auml;ftig festgesetzte Steuer erstattet werden m&uuml;sste.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>46<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Der EuGH hat ausdr&uuml;cklich die Verpflichtung verneint, eine rechtskr&auml;ftige gerichtliche Entscheidung zu &uuml;berpr&uuml;fen und aufzuheben, falls sich herausstellt, dass sie gegen Gemeinschaftsrecht verst&ouml;&szlig;t. Dabei hat der EuGH die Bedeutung betont, die dem Grundsatz der Rechtskraft sowohl in der Gemeinschaftsrechtsordnung als auch in den nationalen Rechtsordnungen zukommt. Zur Gew&auml;hrleistung des Rechtsfriedens und der Best&auml;ndigkeit rechtlicher Beziehungen sowie einer geordneten Rechtspflege sollten nach Aussch&ouml;pfung des Rechtswegs oder nach Ablauf der entsprechenden Rechtsmittelfristen unanfechtbar gewordene Gerichtsentscheidungen nicht mehr in Frage gestellt werden k&ouml;nnen. Damit gebiete das Gemeinschaftsrecht einem nationalen Gericht nicht, von der Anwendung innerstaatlicher Verfahrensvorschriften, aufgrund derer eine Entscheidung Rechtskraft erlangt, abzusehen, selbst wenn dadurch ein Versto&szlig; dieser Entscheidung gegen Gemeinschaftsrecht abgestellt werden k&ouml;nnte (EuGH-Urteile vom 1.&nbsp;Juni 1999 C-126\/97 &#8211;Eco&nbsp;Swiss&#8211;, Slg. 1999, I-3055, Rz&nbsp;47&nbsp;f.; vom 30.&nbsp;September 2003 C-224\/01 &#8211;K&ouml;bler&#8211;, Slg. 2003, I-10239, Rz&nbsp;38; vom 16.&nbsp;M&auml;rz 2006 C-234\/04 &#8211;Kapferer&#8211;, Slg. 2006, I-2585, Rz&nbsp;20&nbsp;f.; vom 3.&nbsp;September 2009 C-2\/08 &#8211;Fallimento Olimpiclub&#8211;, Slg. 2009, I-7501, Rz&nbsp;22, und vom 6.&nbsp;Oktober 2009 C-40\/08 &#8211;Asturcom Telecomunicaciones&#8211;, Slg. 2009, I-9579, Rz&nbsp;35&nbsp;ff.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>47<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Da auf dem Gebiet des Verfahrensrechts gemeinschaftsrechtliche Vorschriften fehlen, ist es nach dem Grundsatz der Verfahrensautonomie Sache der innerstaatlichen Rechtsordnungen der Mitgliedstaaten, Umfang und Grenzen des Grundsatzes der Rechtskraft festzulegen (s. z.B. EuGH-Urteile Kempter in Slg. 2008, I-411, Rz&nbsp;57; vom 4.&nbsp;Oktober 2012 C-249\/11 &#8211;Byankov&#8211;, Neue Zeitschrift f&uuml;r Verwaltungsrecht 2013, 273, Rz&nbsp;69, jeweils m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>48<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dabei haben die Mitgliedstaaten in ihren Verfahrensvorschriften den Effektivit&auml;tsgrundsatz sowie das &Auml;quivalenzprinzip zu beachten (vgl. z.B. EuGH-Urteile Kapferer in Slg. 2006, I-2585, Rz&nbsp;22, und Fallimento Olimpiclub in Slg. 2009, I-7501, Rz&nbsp;24). Beide Prinzipien leiten sich aus Art.&nbsp;4 Abs.&nbsp;3 des Vertrages &uuml;ber die Europ&auml;ische Union (EUV) ab, aufgrund dessen die Union und die Mitgliedstaaten zur loyalen Zusammenarbeit und gegenseitigen Unterst&uuml;tzung aufgerufen sind. Die Mitgliedstaaten haben danach alle geeigneten Ma&szlig;nahmen zur Erf&uuml;llung der Verpflichtungen zu ergreifen, die sich aus den Vertr&auml;gen oder den Handlungen der Organe der Union ergeben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>49<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(1) Der Effektivit&auml;tsgrundsatz garantiert eine gerichtliche Rechtsschutzm&ouml;glichkeit in angemessener Frist. Er betrifft vor allem das Verfahren, weniger die Frage, ob es in der Sache schwierig ist, eine g&uuml;nstige Rechtsentwicklung vorherzusehen und durchzusetzen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>50<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der EuGH hat die deutschen Einspruchs- und Klagefristen und damit die nationalen verfahrensrechtlichen Regelungen zur Durchsetzung des Unionsrechts nicht beanstandet (EuGH-Urteil i-21 Germany und Arcor in Slg. 2006, I-8559, Rz&nbsp;59&nbsp;f.; &auml;hnlich auch BFH-Urteil vom 16.&nbsp;September 2010 V&nbsp;R&nbsp;57\/09, BFHE 230, 504, BStBl II 2011, 151, unter II.5.c&nbsp;cc). Zwar k&ouml;nnen die Verfahrensvorschriften im Ergebnis dazu f&uuml;hren, dass Entscheidungen, die materiell dem Unionsrecht nicht entsprechen, bestands- und rechtskr&auml;ftig werden. Dies &auml;ndert aber nichts daran, dass es dem Betroffenen weder unm&ouml;glich gemacht oder &uuml;berm&auml;&szlig;ig erschwert wird, die ihm durch das Unionsrecht vermittelten Rechte geltend zu machen (so auch Gundel, Festschrift f&uuml;r V.&nbsp;G&ouml;tz, 2005, 191, 201).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>51<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Eine andere Auspr&auml;gung des Effektivit&auml;tsgrundsatzes ist die mitgliedstaatliche Haftung f&uuml;r Verst&ouml;&szlig;e gegen Unionsrecht, wenn auf andere Weise die Durchsetzung des Unionsrechts nicht gesichert werden kann (vgl. EuGH-Urteil vom 19.&nbsp;November 1991 C-6\/90, C-9\/90 &#8211;Francovich&#8211;, Slg. 1991, I-5357, Rz&nbsp;35; s. Gundel in Schulze\/Zuleeg\/Kadelbach, Europarecht, 2.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;3 Rz&nbsp;197). Auch diese Anforderung erf&uuml;llt das deutsche Recht, da ein unionsrechtlicher Entsch&auml;digungsanspruch vor den ordentlichen Gerichten geltend gemacht werden kann (s. unten II.3.b).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>52<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(2) Das &Auml;quivalenzprinzip verlangt, bei der Anwendung s&auml;mtlicher f&uuml;r Rechtsbehelfe geltenden Vorschriften einschlie&szlig;lich der vorgesehenen Fristen nicht danach zu unterscheiden, ob ein Versto&szlig; gegen Gemeinschaftsrecht oder gegen nationales Recht ger&uuml;gt wird. Sollte ein nach innerstaatlichem Recht rechtswidriger Verwaltungsakt, auch nachdem er unanfechtbar geworden ist, zur&uuml;ckzunehmen sein, sofern seine Aufrechterhaltung &quot;schlechthin unertr&auml;glich&quot; w&auml;re, muss eine solche Verpflichtung zur R&uuml;cknahme unter den gleichen Voraussetzungen im Fall eines Verwaltungsakts gelten, der gegen Gemeinschaftsrecht verst&ouml;&szlig;t (EuGH-Urteil i-21 Germany und Arcor in Slg. 2006, I-8559, Rz&nbsp;62&nbsp;f.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>53<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Da nach deutschem Verfahrensrecht ein Versto&szlig; gegen deutsche Rechtsgrunds&auml;tze und Normen ebenfalls nur bei eindeutigen und offensichtlichen, im Streitfall nicht vorliegenden (vgl. oben II.2.c&nbsp;bb&nbsp;(2)) Fehlern eines rechtskr&auml;ftigen, den Steuerbescheid best&auml;tigenden Urteils zu einem Billigkeitserlass f&uuml;hren k&ouml;nnte, erf&uuml;llt das nationale Verfahrensrecht auch insoweit die unionsrechtlichen Anforderungen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>54<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(3) Die auf europ&auml;ischer Ebene anerkannte und mit besonderem Gewicht versehene Rechtskraft kann infolgedessen dazu f&uuml;hren, dass der Einwand der Unionsrechtswidrigkeit nach dem Eintritt der Rechtskraft nicht mehr m&ouml;glich ist und damit ein unionsrechtswidriges Urteil zu Gunsten der Rechtssicherheit akzeptiert werden muss (so auch Baumann, Die Rechtsprechung des EuGH zum Vorrang von Gemeinschaftsrecht vor mitgliedstaatlichen Verwaltungsakten und Gerichtsurteilen, 2010, 160&nbsp;f.). Insofern verst&ouml;&szlig;t die Ablehnung des Erlassantrages nicht per se gegen Unionsrecht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>55<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Eine Durchbrechung der Rechtskraft von rechtskr&auml;ftigen Urteilen ist nach der Rechtsprechung des EuGH wegen des in Art.&nbsp;4 EUV verankerten Grundsatzes der Zusammenarbeit indes in den F&auml;llen geboten, in denen<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>56<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table class=\"Rsp\">\n<tr>\n<th colspan=\"2\" rowspan=\"1\" valign=\"top\"><\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">&#8211;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">die Beh&ouml;rde nach nationalem Recht befugt ist, diese Entscheidung zur&uuml;ckzunehmen,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">&#8211;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">die Entscheidung infolge eines Urteils eines in letzter Instanz entscheidenden nationalen Gerichts bestandskr&auml;ftig geworden ist,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">&#8211;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">das Urteil, wie eine nach seinem Erlass ergangene Entscheidung des EuGH zeigt, auf einer unrichtigen Auslegung des Gemeinschaftsrechts beruht, die erfolgt ist, ohne dass der EuGH um Vorabentscheidung ersucht worden ist, obwohl der Tatbestand des Art.&nbsp;267 Abs.&nbsp;3 AEUV erf&uuml;llt gewesen ist, und<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">&#8211;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">der Betroffene sich, unmittelbar nachdem er Kenntnis von der besagten Entscheidung des Gerichtshofs erlangt hat, an die Verwaltungsbeh&ouml;rde gewandt hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>57<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Sind diese Voraussetzungen erf&uuml;llt, muss &#8211;so der EuGH&#8211; eine Verwaltungsbeh&ouml;rde auf einen entsprechenden Antrag hin eine bestandskr&auml;ftige Verwaltungsentscheidung &uuml;berpr&uuml;fen, um einer mittlerweile vom EuGH vorgenommenen Auslegung der einschl&auml;gigen Bestimmung Rechnung zu tragen (EuGH-Urteil K&uuml;hne &#038;&nbsp;Heitz in Slg. 2004, I-837, Rz&nbsp;28).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>58<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Im Streitfall ist zwischen den Beteiligten bereits rechtskr&auml;ftig festgestellt worden, dass eine &Auml;nderung der Steuerfestsetzung nicht m&ouml;glich ist, da das deutsche Verfahrensrecht eine &uuml;ber die &sect;&sect;&nbsp;172&nbsp;ff. AO hinausgehende &Auml;nderungsm&ouml;glichkeit f&uuml;r Steuerbescheide nicht kennt (Senatsbeschluss in BFH\/NV 2010, 1783, s.a. oben unter II.2.a).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>59<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Das Billigkeitsverfahren gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;227 AO stellt keine &Auml;nderungsm&ouml;glichkeit im Sinne der EuGH-Rechtsprechung dar.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>60<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(1) Der Erlass aus Billigkeitsgr&uuml;nden ist gegen&uuml;ber der Steuerfestsetzung ein selbstst&auml;ndiges Verfahren (vgl. z.B. Beschluss des BVerfG vom 8.&nbsp;Juli 1987&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvR&nbsp;623\/86, H&ouml;chstrichterliche Finanzrechtsprechung 1988, 177), das von der Rechtsanwendung zu trennen ist. Sein Zweck ist es, durch Nichtber&uuml;cksichtigung einer Norm Gerechtigkeit in einem Einzelfall zu schaffen, in welchem die konkrete Steuerbelastung, insbesondere mit R&uuml;cksicht auf den Zweck der Besteuerung, nicht mehr zu rechtfertigen ist. &sect;&nbsp;227 AO ist ebenso wie &sect;&nbsp;163 AO die Rechtsgrundlage f&uuml;r die Abweichung von einem allgemeinen Gesetzesbefehl. Eine solche ausdr&uuml;ckliche Grundlage wird durch den Grundsatz der Gesetzm&auml;&szlig;igkeit der Verwaltung gefordert (so auch von Groll in H&uuml;bschmann\/Hepp\/Spitaler, &sect;&nbsp;227 AO Rz&nbsp;30; Loose in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect;&nbsp;227 AO Rz&nbsp;2&nbsp;ff.). Da die Wertungen des Gesetzgebers bereits bei der Auslegung des gesetzlichen Steuertatbestands und bei der Frage der Tatbestandsm&auml;&szlig;igkeit der Steuerfestsetzung zu ber&uuml;cksichtigen sind, kommen als sachliche Billigkeitsgr&uuml;nde nur solche Umst&auml;nde in Betracht, die bei der Steuerfestsetzung durch Auslegung des Steuertatbestandes nach dem objektivierten Willen des Gesetzgebers nicht ber&uuml;cksichtigt werden (BFH-Urteil vom 24.&nbsp;M&auml;rz 1981 VIII&nbsp;R&nbsp;117\/78, BFHE 133, 60, BStBl II 1981, 505).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>61<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(2) Das Korrektursystem der &sect;&sect;&nbsp;172&nbsp;ff. AO regelt die Durchsetzung der sich aus dem Unionsrecht ergebenden Anspr&uuml;che abschlie&szlig;end. Es ist ein sorgf&auml;ltig austariertes System, das dem Grundsatz der Rechtssicherheit auf dem Gebiet des Steuerrechts, in dem Massenverfahren zu bew&auml;ltigen sind, einen hohen Stellenwert einr&auml;umt. Weiter gehende Korrekturm&ouml;glichkeiten f&uuml;r Steuerbescheide muss das nationale Verfahrensrecht wegen des Grundsatzes der Verfahrensautonomie der Mitgliedstaaten auch nach den Vorgaben des Unionsrechts nicht vorsehen (vgl. z.B. EuGH-Urteil i-21 Germany und Arcor in Slg. 2006, I-8559, Rz&nbsp;57, m.w.N.; so wohl auch BFH-Urteil in BFHE 230, 504, BStBl II 2011, 151, unter II.5.c).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>62<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(3) Entgegen der Auffassung der Kl&auml;ger ergibt sich aus der EuGH-Rechtsprechung K&uuml;hne &#038; Heitz in Slg. 2004, I-837 kein Anspruch auf Erlass der auf der Nichtber&uuml;cksichtigung des Schulgelds beruhenden Steuern aus Billigkeitsgr&uuml;nden gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;227 AO. Diese Vorschrift r&auml;umt der Beh&ouml;rde &#8211;im Gegensatz zu &sect;&nbsp;48 VwVfG&#8211; ein Ermessen, Anspr&uuml;che aus dem Steuerschuldverh&auml;ltnis zu erlassen, nur beim Vorliegen weiterer gesetzlicher Voraussetzungen ein, n&auml;mlich nur wenn auf der Tatbestandsseite eine Unbilligkeit im Einzelfall gegeben ist. Diese Voraussetzung ist im Streitfall indes, wie bereits oben dargestellt, nicht erf&uuml;llt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>63<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(4) Mit dieser Auslegung des &sect;&nbsp;227 AO stimmt der erkennende Senat mit der bisherigen Finanzrechtsprechung &uuml;berein. Sowohl andere Senate des BFH als auch verschiedene FG haben in &sect;&nbsp;227 AO keine &Auml;nderungsvorschrift im Sinne der oben aufgef&uuml;hrten EuGH-Rechtsprechung gesehen und dementsprechend den Erlass einer Steuerforderung abgelehnt, weil das innerstaatliche Recht keine Vorschrift zur Korrektur bestandskr&auml;ftig gewordener Steuerbescheide wegen sp&auml;terer &Auml;nderungen der Rechtsprechung kenne (s. BFH-Entscheidungen in BFH\/NV 2008, 1889, unter II.3.a; in BFHE 230, 504, BStBl II 2011, 151, unter II.5.c&nbsp;aa; wohl auch vom 1.&nbsp;April 2011 XI&nbsp;B&nbsp;75\/10, BFH\/NV 2011, 1372, und vom 14.&nbsp;Februar 2011 XI&nbsp;B&nbsp;32\/10, BFH\/NV 2011, 746; ebenso FG K&ouml;ln, Urteil vom 18.&nbsp;M&auml;rz 2009&nbsp;&nbsp;7&nbsp;K&nbsp;2808\/07, EFG 2009, 1168, unter 1.c; FG Berlin-Brandenburg, Urteil vom 29.&nbsp;Juni 2010&nbsp;&nbsp;5&nbsp;K&nbsp;2292\/06&nbsp;B, EFG 2012, 206).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>64<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Es besteht kein von einer nationalen &Auml;nderungsnorm losgel&ouml;ster, genereller unionsrechtlicher Anspruch auf Wiederaufgreifen des Verfahrens bzw. &Auml;nderung des Steuerbescheids nach Feststellung eines Versto&szlig;es gegen das Unionsrecht. Dadurch w&uuml;rde die auch vom EuGH anerkannte Bestands- und Rechtskraft in Frage gestellt werden (ebenso Gundel, Festschrift f&uuml;r V.&nbsp;G&ouml;tz, 205).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>65<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Um einer Verletzung der Vorlagepflicht gem&auml;&szlig; Art.&nbsp;267 Abs.&nbsp;3 AEUV Rechnung zu tragen, ist es unionsrechtlich nicht geboten, den darauf beruhenden unionsrechtswidrigen Steuerbescheid bzw. seine Wirkungen aufzuheben (so auch Kr&ouml;nke, Die Verfahrensautonomie der Mitgliedstaaten der Europ&auml;ischen Union, 2013, 318). Es reicht vielmehr aus, wenn der Betroffene einen unionsrechtlichen Staatshaftungsanspruch geltend machen kann, auch wenn auf diese Weise einfache Verst&ouml;&szlig;e gegen die Vorlagepflicht unkorrigiert bleiben (so auch im Ergebnis Gundel, Festschrift f&uuml;r V.&nbsp;G&ouml;tz, 205; Kr&ouml;nke, a.a.O., 316; Baumann, a.a.O., 166&nbsp;f.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>66<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Die Ablehnung des Erlassantrages der Kl&auml;ger ist auch nicht im Hinblick auf einen m&ouml;glichen Entsch&auml;digungsanspruch wegen eines qualifizierten Versto&szlig;es gegen das Unionsrecht ermessenswidrig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>67<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) In mehreren Urteilen pr&uuml;ft der V.&nbsp;Senat im Rahmen eines Steuererlasses gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;227 AO, inwieweit ein unionsrechtlicher Entsch&auml;digungsanspruch gegeben sein k&ouml;nnte (vgl. z.B. BFH-Urteile vom 13.&nbsp;Januar 2005 V&nbsp;R&nbsp;35\/03, BFHE 208, 398, BStBl II 2005, 460, unter II.2.a cc; vom 21.&nbsp;April 2005 V&nbsp;R&nbsp;16\/04, BFHE 210, 159, BStBl II 2006, 96, unter II.3.; in BFH\/NV 2008, 1889, unter II.4., und in BFHE 230, 504, BStBl II 2011, 151, unter II.6.). Er geht dabei offensichtlich davon aus, dass bei Vorliegen der Voraussetzungen eines unionsrechtlichen Entsch&auml;digungsanspruches eine sachliche Unbilligkeit der Steuererhebung anzunehmen sei. Soweit ersichtlich, hat diese Pr&uuml;fung bislang jedoch noch in keinem Fall dazu gef&uuml;hrt, einen Steuererlass aus Billigkeitsgr&uuml;nden auszusprechen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>68<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Es kann dahingestellt bleiben, ob das Bestehen eines unionsrechtlichen Erstattungsanspruchs einen Billigkeitserlass gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;227 AO rechtfertigen k&ouml;nnte, da im Streitfall die Voraussetzungen eines solchen Erstattungsanspruchs nicht erf&uuml;llt sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>69<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(1) Nach der Rechtsprechung des EuGH (s. z.B. EuGH-Urteil K&ouml;bler in Slg. 2003, I-10239, Rz&nbsp;51 bis&nbsp;55) muss ein Mitgliedstaat Sch&auml;den ersetzen, die einem Einzelnen durch Verst&ouml;&szlig;e gegen das Unionsrecht entstanden sind, wenn drei Voraussetzungen erf&uuml;llt sind: Die verletzte Rechtsnorm bezweckt, dem Einzelnen Rechte zu verleihen, der Versto&szlig; ist hinreichend qualifiziert, und zwischen dem Versto&szlig; gegen die dem Staat obliegende Verpflichtung und dem den gesch&auml;digten Personen entstandenen Schaden besteht ein unmittelbarer Kausalzusammenhang.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>70<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das gilt auch f&uuml;r die Haftung des Staates f&uuml;r Sch&auml;den, die durch eine unionsrechtswidrige Entscheidung eines nationalen letztinstanzlichen Gerichts verursacht wurden. Was des N&auml;heren die zweite dieser Voraussetzungen und ihre Anwendung bei der Pr&uuml;fung einer Haftung des Staates f&uuml;r eine Entscheidung eines nationalen letztinstanzlichen Gerichts angeht, so sind &#8211;nach Auffassung des EuGH&#8211; die Besonderheiten der richterlichen Funktion sowie die berechtigten Belange der Rechtssicherheit zu ber&uuml;cksichtigen. Der Staat haftet f&uuml;r eine unionsrechtswidrige Entscheidung nur in dem Ausnahmefall, in dem das Gericht offenkundig gegen das geltende Recht versto&szlig;en hat. Bei der Entscheidung dar&uuml;ber, ob diese Voraussetzung erf&uuml;llt ist, muss das mit einer Schadensersatzklage befasste nationale Gericht alle Gesichtspunkte des Einzelfalls ber&uuml;cksichtigen. Zu diesen Gesichtspunkten geh&ouml;ren u.a. das Ma&szlig; an Klarheit und Pr&auml;zision der verletzten Vorschrift, die Vors&auml;tzlichkeit des Versto&szlig;es, die Entschuldbarkeit des Rechtsirrtums, ggf. die Stellungnahme eines Gemeinschaftsorgans sowie die Verletzung der Vorlagepflicht nach Art.&nbsp;267 Abs.&nbsp;3 AEUV durch das in Rede stehende Gericht. Ein Versto&szlig; gegen das Unionsrecht ist jedenfalls dann hinreichend qualifiziert, wenn die fragliche Entscheidung die einschl&auml;gige Rechtsprechung des Gerichtshofs offenkundig verkennt (zu dem Vorstehenden s. EuGH-Urteile K&ouml;bler in Slg. 2003, I-10239, Rz&nbsp;51&nbsp;ff.; vom 13.&nbsp;Juni 2006 C-173\/03 &#8211;Traghetti del Mediterraneo&#8211;, Slg. 2006, I-5177, Rz&nbsp;43).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>71<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(2) Unter Ber&uuml;cksichtigung dieser Grunds&auml;tze hat der Senat in seinem Urteil in BFHE 183, 436, BStBl II 1997, 617 die einschl&auml;gige Rechtsprechung des EuGH nicht offenkundig verkannt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>72<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Vergleicht man die Gr&uuml;nde, die den Senat im Jahr 1997 dazu bewogen haben, in der Versagung des Sonderausgabenabzugs f&uuml;r an eine britische Privatschule gezahltes Schulgeld keine unionswidrige Diskriminierung zu sehen, mit den Urteilsgr&uuml;nden des EuGH in der Rechtssache Schwarz\/Gootjes-Schwarz in Slg. 2007, I-6849, wird erkennbar, dass der Anwendungsbereich sowohl der Dienstleistungsfreiheit gem&auml;&szlig; Art.&nbsp;56 AEUV als auch der allgemeinen Freiz&uuml;gigkeit gem&auml;&szlig; Art.&nbsp;21 AEUV im Hinblick auf die fehlende Ber&uuml;cksichtigung des Schulgelds f&uuml;r Privatschulen anderer Mitgliedstaaten unterschiedlich beurteilt wurde. Hierin liegt indes kein offenkundiges Verkennen der EuGH-Rechtsprechung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>73<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(a) &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;9 EStG&nbsp;a.F. f&uuml;hrte nach Auffassung des Senats deshalb zu keiner unzul&auml;ssigen Diskriminierung, weil er meinte, Schulgelder f&uuml;r die Teilnahme am Unterricht eines nationalen staatlichen Bildungssystems stellten aufgrund der st&auml;ndigen Rechtsprechung des EuGH kein Entgelt i.S. des Art.&nbsp;57 AEUV dar. Der Senat f&uuml;hrte dazu aus, obwohl die bisherigen EuGH-Entscheidungen nur zu staatlichen Schulen ergangen seien, beanspruchten diese Grunds&auml;tze auch f&uuml;r den Unterricht einer (privaten) Schule Geltung, die im Wesentlichen aus &ouml;ffentlichen Mitteln finanziert werde. Werde hingegen eine Schule im Wesentlichen aus privaten Mitteln finanziert, sei ihr Unterrichtsangebot als Dienstleistung i.S. des Art.&nbsp;56 AEUV anzusehen. Insoweit stimmen der EuGH und der Senat &uuml;berein.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>74<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Unterschied zu dem zehn Jahre sp&auml;ter ergangenen EuGH-Urteil Schwarz\/Gootjes-Schwarz in Slg. 2007, I-6849 folgerte der Senat jedoch aus den bis dahin bekannten Vorgaben des EuGH, auch die inl&auml;ndischen privaten Ersatz- und Erg&auml;nzungsschulen seien aufgrund ihrer Einbindung in das nationale Bildungssystem mit ihrer Unterrichtst&auml;tigkeit in der Regel nicht erwerbswirtschaftlich t&auml;tig, zumal sie &uuml;berwiegend aus dem Staatshaushalt finanziert w&uuml;rden. Demgegen&uuml;ber spielt es nach Auffassung des EuGH in der Rechtssache Schwarz\/Gootjes-Schwarz in Slg. 2007, I-6849 f&uuml;r die Frage der Anwendbarkeit von Art.&nbsp;56 AEUV keine Rolle, ob die Schulen im Mitgliedstaat des Leistungsempf&auml;ngers eine Dienstleistung i.S. des Art.&nbsp;57 AEUV erbringen. Es komme vielmehr allein darauf an, dass die in einem anderen Mitgliedstaat ans&auml;ssige Privatschule als Erbringerin entgeltlicher Leistungen angesehen werden k&ouml;nne (EuGH-Urteil Schwarz\/Gootjes-Schwarz in Slg. 2007, I-6849, Rz&nbsp;44).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>75<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Diese unterschiedliche Sichtweise beruht auf einem Perspektivenwechsel in der Rechtsprechung des EuGH durch sein Urteil vom 16.&nbsp;Mai 2006 C-372\/04 &#8211;Watts&#8211; (Slg. 2006, I-4325, unter Rz&nbsp;90), der f&uuml;r den Senat im Jahr 1997 weder erkennbar noch antizipierbar war (zu den Bedenken gegen diese Rechtsprechung s.a. die Schlussantr&auml;ge der Generalanw&auml;ltin Stix-Hackl vom 21.&nbsp;September 2006 C-76\/05 &#8211;Schwarz\/Gootjes-Schwarz&#8211;, Slg. 2007, I-6849). Ein offenkundiges Verkennen der EuGH-Rechtsprechung kann daher insoweit nicht angenommen werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>76<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(b) F&uuml;r die Frage des Anwendungsbereichs der Dienstleistungsfreiheit sah es der Senat zudem als unerheblich an, dass einige inl&auml;ndische Privatschulen nur geringere Zusch&uuml;sse erhalten und daher ein h&ouml;heres Schulgeld erhoben hatten, da derartige Sonderf&auml;lle an der grunds&auml;tzlichen Beurteilung nichts &auml;nderten. Hierzu berief sich der Senat u.a. auf den Schlussantrag des Generalanwalts Slynn vom 15.&nbsp;M&auml;rz 1988 in der Rechtssache 263\/86 &#8211;Humbel und Edel&#8211; (Slg. 1988, I-5365). In diesem Verfahren hat der EuGH entschieden, ein Unterricht an einer Fachschule, der innerhalb des nationalen Bildungswesens zum Sekundarunterricht geh&ouml;rte, sei nicht als Dienstleistung i.S. des Art.&nbsp;56 AEUV zu qualifizieren (Urteil in Slg. 1988, I-5365, Rz&nbsp;14&nbsp;ff.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>77<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Auffassung des Senats ist zwar im Ergebnis vom EuGH im Jahr 2007 nicht geteilt worden. Liest man aber die vom Senat in Bezug genommene Passage des Generalanwalts Slynn in dem Verfahren Humbel und Edel, konnte sich daraus durchaus der Eindruck ergeben, dass sich an der Beurteilung von Schulleistungen als Dienstleistungen der Sozialpolitik &#8211;und damit an der Einordnung als nicht entgeltliche Dienstleistungen&#8211; auch dann nichts &auml;ndere, wenn ausnahmsweise von einer Privatschule kostendeckendes Schulgeld erhoben werde. Die vom Senat daraus gezogene Schlussfolgerung, damit seien auch Privatschulen gemeint, lag nicht fern und kann kein offenkundiges Verkennen der EuGH-Rechtsprechung begr&uuml;nden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>78<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(c) Aus denselben Gr&uuml;nden geht der Einwand der Kl&auml;ger fehl, im Ausgangsrechtsstreit sei vom BFH verkannt worden, dass die passive Dienstleistungsfreiheit der Kl&auml;ger verletzt worden sei. Der Senat hat in seinem Urteil in BFHE 183, 436, BStBl II 1997, 617, unter III.1. ausdr&uuml;cklich unter Bezugnahme auf die einschl&auml;gige EuGH-Rechtsprechung dargelegt, der Empf&auml;nger einer Dienstleistung d&uuml;rfe &#8211;auch steuerrechtlich&#8211; nicht deshalb benachteiligt werden, weil er eine Dienstleistung in einem anderen Mitgliedstaat in Anspruch nehme. Der Senat hat aber &#8211;wie gerade dargestellt&#8211; seine Beurteilung, ob &uuml;berhaupt der Anwendungsbereich der durch den EG gesch&uuml;tzten Dienstleistungsfreiheit betroffen ist, auf die Verh&auml;ltnisse des Ans&auml;ssigkeitsstaats des Dienstleistungsempf&auml;ngers gest&uuml;tzt und nicht auf die des Staates, in dem der Dienstleistungserbringer ans&auml;ssig ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>79<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(d) Der BFH hat auch nicht dadurch die EuGH-Rechtsprechung offenkundig verkannt, dass er die m&ouml;gliche Verletzung der allgemeinen Freiz&uuml;gigkeit nicht gepr&uuml;ft hat, obwohl er den Anwendungsbereich der spezielleren Dienstleistungsfreiheit verneint hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>80<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Vertrag &uuml;ber die Europ&auml;ische Union vom 7.&nbsp;Februar 1992 (BGBl II 1992, 1253), durch den die Unionsb&uuml;rgerschaft in den EG-Vertrag aufgenommen wurde, ist erst am 1.&nbsp;November 1993 in Kraft getreten (BGBl II 1993, 1947), war im Streitjahr 1992 also noch nicht anzuwenden. Zudem wurde in dessen Dritten Teil in Titel&nbsp;VIII ein Kapitel&nbsp;3 eingef&uuml;gt, das sich mit der allgemeinen und beruflichen Bildung befasst. Bis zu dieser Erweiterung des Geltungsbereichs des Vertrages fielen nur Regelungen, die den Zugang zur Berufsausbildung betrafen, in dessen Anwendungsbereich, nicht jedoch Regelungen in Bezug auf allgemein bildende Schulen (vgl. dazu auch die Schlussantr&auml;ge der Generalanw&auml;ltin Stix-Hackl vom 21.&nbsp;September 2006 C-76\/05, Slg. 2007, I-6849, Rz&nbsp;91).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>81<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Bez&uuml;glich der Streitjahre 1994 bis 1997 hat der BFH mit seiner Entscheidung, eine Revision der Kl&auml;ger nicht zuzulassen, das Unionsrecht ebenfalls nicht verkannt. In der Begr&uuml;ndung ihrer Nichtzulassungsbeschwerde hatten die Kl&auml;ger nicht einmal ansatzweise eine m&ouml;gliche Verletzung des damaligen Gemeinschaftsrechts als Grund f&uuml;r die Zulassung der Revision geltend gemacht. Vielmehr hatten sie sich ausschlie&szlig;lich auf die R&uuml;ge der Verletzung nationalen Verfassungsrechts beschr&auml;nkt. Gegenstand der Pr&uuml;fung des BFH im Rahmen des Beschwerdeverfahrens gem&auml;&szlig; &sect;&sect;&nbsp;115, 116 FGO sind jedoch grunds&auml;tzlich nur die ausdr&uuml;cklich und ordnungsgem&auml;&szlig; ger&uuml;gten Zulassungsgr&uuml;nde (s. BFH-Beschluss vom 27.&nbsp;November 2001 XI&nbsp;B&nbsp;123\/01, BFH\/NV 2002, 542; Seer in Tipke\/Kruse, a.a.O., &sect;&nbsp;116 FGO Rz&nbsp;30; Gr&auml;ber\/Ruban, Finanzgerichtsordnung, 7.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;116 Rz&nbsp;55).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>82<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(e) Eine offenkundige Verkennung der EuGH-Rechtsprechung kann sich auch nicht daraus ergeben, dass der BFH seine Vorlagepflicht gem&auml;&szlig; Art.&nbsp;267 Abs.&nbsp;3 AEUV offenkundig verletzt h&auml;tte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>83<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Wie sich im Bereich der Staatshaftung wegen Verletzung von Unionsrecht durch die Judikative die Verletzung des materiellen Rechts und die Verletzung der Vorlagepflicht zueinander verhalten, ist zwar bislang nicht vollkommen gekl&auml;rt, bedarf im Streitfall aber keiner weiteren Kl&auml;rung. Es ist zun&auml;chst davon auszugehen, dass im Ausgangspunkt der Prim&auml;rversto&szlig; gegen die im jeweiligen Ausgangsstreit umstrittene unionsrechtliche Regelung entscheidend ist (vgl. Kokott\/Henze\/Sobotta, Juristenzeitung &#8211;JZ&#8211; 2006, 633, 637). Welche Auswirkungen dann ein Versto&szlig; gegen die Vorlagepflicht haben k&ouml;nnte, ist bislang vom EuGH insoweit entschieden worden, dass die Voraussetzungen eines unionsrechtlichen Staatshaftungsanspruchs dann nicht vorliegen, wenn weder bei der Auslegung des Prim&auml;rrechts noch bei der Vorlagepflicht offenkundig die EuGH-Rechtsprechung missachtet wurde (s. EuGH-Urteil K&ouml;bler in Slg. 2003, I-10239; ebenso Kokott\/Henze\/Sobotta, JZ 2006, 633, 637).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>84<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ein solcher Fall ist vorliegend gegeben. Ein offenkundiger Versto&szlig; gegen Art.&nbsp;56 und Art 21 AEUV ist &#8211;wie gerade dargestellt&#8211; nicht erkennbar. Ebenso wenig hat der Senat seine Vorlagepflicht offenkundig verletzt. Er hat seine Entscheidung, das Verfahren in BFHE 183, 436, BStBl II 1997, 617 nicht dem EuGH vorzulegen, darauf gest&uuml;tzt, dass eine gesicherte Rechtsprechung des EuGH auch dann vorliege, wenn die streitigen Fragen nicht vollkommen mit den vom EuGH bereits entschiedenen Fragen identisch seien und insoweit das EuGH-Urteil C.I.L.F.I.T. in Slg. 1982, I-3415 angewendet. Der Senat hat die Voraussetzungen dieses EuGH-Urteils bejaht, weil er die EuGH-Rechtsprechung, nach der Schulgelder f&uuml;r die Teilnahme am Unterricht staatlicher Bildungssysteme kein Entgelt f&uuml;r eine Dienstleistung sind und dies auch f&uuml;r den Unterricht einer im Wesentlichen aus &ouml;ffentlichen Mitteln finanzierten Schule gilt, dahingehend ausgelegt hat, dass damit auch die Frage beantwortet werden k&ouml;nne, unter welchen Umst&auml;nden der Unterricht an einer privaten Schule als Dienstleistung anzusehen sei. Dass der EuGH zehn Jahre sp&auml;ter eine andere Auffassung vertreten hat, bedeutet nicht, dass der Senat die im Zeitpunkt seiner Entscheidung bekannte EuGH-Rechtsprechung zur Vorlagepflicht offenkundig verkannt hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>85<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Da der Billigkeitserlass eine Ermessensentscheidung der Beh&ouml;rde ist (Beschluss des Gemeinsamen Senats der obersten Gerichtsh&ouml;fe des Bundes vom 19.&nbsp;Oktober 1971 GmS-OGB 3\/70, BFHE 105, 101, BStBl II 1972, 603), unterliegt er gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;102 FGO lediglich einer eingeschr&auml;nkten gerichtlichen Kontrolle. Zu pr&uuml;fen ist daher bei einer Erlassablehnung nur, ob die Finanzbeh&ouml;rde bei ihrer Entscheidung die gesetzlichen Grenzen des Ermessens &uuml;berschritten oder von ihrem Ermessen in einer dem Zweck der Erm&auml;chtigung nicht entsprechenden Weise Gebrauch gemacht hat. Unter Ber&uuml;cksichtigung der vorstehenden Begr&uuml;ndung unter 2. und 3. ist ein Ermessensfehler des FA nicht erkennbar.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>86<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Der Senat ist &#8211;im Gegensatz zur Auffassung und den Antr&auml;gen der Kl&auml;ger&#8211; nicht verpflichtet, eine Vorabentscheidung des EuGH gem&auml;&szlig; Art.&nbsp;267 Abs.&nbsp;3 AEUV herbeizuf&uuml;hren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>87<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die entscheidungsrelevante Rechtsfrage des Streitfalls ist, ob das FA bei der Ablehnung des Billigkeitsantrages der Kl&auml;ger sein Ermessen gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;227 AO ordnungsgem&auml;&szlig; ausge&uuml;bt hat, d.h. ob es bei seiner Entscheidung die gesetzlichen Grenzen des Ermessens &uuml;berschritten oder von seinem Ermessen in einer dem Zweck der Erm&auml;chtigung nicht entsprechenden Weise Gebrauch gemacht hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>88<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die &Uuml;berpr&uuml;fung dieser beh&ouml;rdlichen Ermessensentscheidung, in der die rechtskr&auml;ftige Versagung des Sonderausgabenabzugs nicht als so offenkundig unionsrechtswidrig und der EuGH-Rechtsprechung widersprechend angesehen wird, dass sie unbillig w&auml;re, obliegt dem nationalen Gericht. Es ist &#8211;auch nach der EuGH-Rechtsprechung (s. EuGH-Urteil i-21 und Arcor in Slg. 2006, I-8559, Rz&nbsp;71)&#8211; seine Aufgabe zu beurteilen, ob eine mit dem Gemeinschaftsrecht unvereinbare Entscheidung offensichtlich rechtswidrig im Sinne des betreffenden nationalen Rechts ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>89<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die von den Kl&auml;gern formulierten Vorlagefragen sind entweder nicht entscheidungserheblich oder sie k&ouml;nnen durch die Rechtsprechung des EuGH beantwortet werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>90<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Der ersten, zweiten sowie f&uuml;nften Vorlagefrage fehlt die Entscheidungserheblichkeit.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>91<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>&sect;&nbsp;227 AO beschr&auml;nkt sich &#8211;anders als &sect;&nbsp;48 VwVfG&#8211; nicht darauf, der Beh&ouml;rde ein Ermessen einzur&auml;umen, sondern enth&auml;lt zus&auml;tzlich als gesetzliche Voraussetzung die Unbilligkeit der Einziehung der Steuer. Damit stellt sich die erste Vorlagefrage im Streitfall gar nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>92<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Da bereits die erste Voraussetzung der K&uuml;hne &#038;&nbsp;Heitz-Rechtsprechung vorliegend nicht erf&uuml;llt wurde, bedarf es auch keiner Erl&auml;uterungen, wie deren dritte Voraussetzung zu verstehen w&auml;re.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>93<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Den beiden von den Kl&auml;gern in der f&uuml;nften Vorlagefrage genannten EuGH-Urteilen liegen Sachverhalte zugrunde, in denen nach nationalem Verfahrensrecht eine &Auml;nderung eines unionsrechtswidrigen Verwaltungsaktes m&ouml;glich war. Eine solche &Auml;nderungsm&ouml;glichkeit sieht jedoch die AO f&uuml;r Steuerbescheide nicht vor (vgl. dazu oben unter II.2.a).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>94<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Die dritte Vorlagefrage der Kl&auml;ger kann unter Ber&uuml;cksichtigung und Auslegung der langj&auml;hrigen Rechtsprechung des EuGH zur Verfahrensautonomie der Mitgliedstaaten sowie zur Rechts- und Bestandskraft beh&ouml;rdlicher und gerichtlicher Entscheidungen und deren Begrenzung durch das Effektivit&auml;ts- und &Auml;quivalenzprinzip beantwortet werden; insofern wird auf die Ausf&uuml;hrungen unter II.3. verwiesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>95<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Die Vereinbarkeit einer nationalen Regelung, nach der die gegen das Unionsrecht versto&szlig;ende Steuerfestsetzung ohne beh&ouml;rdliche &Uuml;berpr&uuml;fung endg&uuml;ltig und nicht ab&auml;nderbar ist, mit dem Effektivit&auml;tsprinzip hat der EuGH bereits bejaht, so dass auch die vierte Frage nicht zur Vorlage f&uuml;hren kann. In der Rechtssache Kapferer in Slg. 2006, I-2585 hatte das vorlegende Gericht ausdr&uuml;cklich gefragt, ob der in Art.&nbsp;10 EG (jetzt Art.&nbsp;4 Abs.&nbsp;3 EUV) verankerte Grundsatz der Zusammenarbeit, der das Effektivit&auml;tsprinzip umfasst, dahingehend auszulegen sei, dass auch ein nationales Gericht nach den in der Rechtssache K&uuml;hne &#038;&nbsp;Heitz dargelegten Voraussetzungen verpflichtet sei, eine rechtskr&auml;ftige gerichtliche Entscheidung zu &uuml;berpr&uuml;fen und aufzuheben, wenn diese gegen das Unionsrecht versto&szlig;e. Die Antwort des EuGH lautete, das Unionsrecht gebiete es einem nationalen Gericht nicht, von der Anwendung innerstaatlicher Vorschriften, aufgrund deren eine Entscheidung Rechtskraft erlange, abzusehen, selbst wenn dadurch ein Versto&szlig; gegen das Unionsrecht abgestellt werden k&ouml;nne. Die Mitgliedstaaten h&auml;tten jedoch daf&uuml;r zu sorgen, dass die Grunds&auml;tze der Gleichwertigkeit und der Effektivit&auml;t gew&auml;hrleistet blieben. Dieser Beurteilung stehe auch das Urteil K&uuml;hne &#038;&nbsp;Heitz nicht entgegen (Urteil Kapferer in Slg. 2006, I-2585, Rz&nbsp;21 und 23).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>96<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>dd) Es d&uuml;rfte unstreitig sein, dass zur effektiven Rechtsschutzgew&auml;hrung durch das nationale Recht auch geh&ouml;rt, es dem Betroffenen zu erm&ouml;glichen, einen unionsrechtlichen Staatshaftungsanspruch geltend zu machen. Dessen unionsrechtliche Anforderungen, insbesondere die Notwendigkeit eines &quot;offenkundigen&quot; Versto&szlig;es gegen Unionsrecht bei einer richterlichen Entscheidung, wurden vom EuGH vor allem in seinem Urteil K&ouml;bler in Slg. 2003, I-10239, Rz&nbsp;51&nbsp;ff. herausgearbeitet, so dass der Senat auch die sechste Frage dem EuGH nicht vorlegen musste.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>97<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>6. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 21.1.2015, X R 40\/12 Keine Korrektur eines rechtskr&auml;ftigen Urteils durch Billigkeitserlass bei Versagung des Sonderausgabenabzugs f&uuml;r an Privatschulen in anderen Mitgliedstaaten gezahltes Schulgeld Leits&auml;tze Es ist weder ermessensfehlerhaft noch verst&ouml;&szlig;t es gegen Unionsrecht, wenn das FA es ablehnt, die unionsrechtswidrige, aber durch letztinstanzliche Entscheidung des BFH rechtskr&auml;ftig gewordene Versagung des Sonderausgabenabzugs f&uuml;r &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-r-40-12-keine-korrektur-eines-rechtskraeftigen-urteils-durch-billigkeitserlass-bei-versagung-des-sonderausgabenabzugs-fuer-an-privatschulen-in-anderen-mitgliedstaaten-gezahltes-schulgeld\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">X&nbsp;R&nbsp;40\/12 &#8211; Keine Korrektur eines rechtskr&auml;ftigen Urteils durch Billigkeitserlass bei Versagung des Sonderausgabenabzugs f&uuml;r an Privatschulen in anderen Mitgliedstaaten gezahltes Schulgeld<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-64297","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64297","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=64297"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64297\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=64297"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=64297"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=64297"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}