{"id":64317,"date":"2015-04-01T11:09:36","date_gmt":"2015-04-01T09:09:36","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=64317"},"modified":"2015-04-01T11:09:36","modified_gmt":"2015-04-01T09:09:36","slug":"x-e-25-14-keine-gerichtskostenfreiheit-fuer-einen-einem-schwerbehinderten-gleichgestellten-beschwerdefuehrer-kein-vertretungszwang-bei-erinnerungsverfahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-e-25-14-keine-gerichtskostenfreiheit-fuer-einen-einem-schwerbehinderten-gleichgestellten-beschwerdefuehrer-kein-vertretungszwang-bei-erinnerungsverfahren\/","title":{"rendered":"X&nbsp;E&nbsp;25\/14 &#8211; Keine Gerichtskostenfreiheit f&uuml;r einen einem Schwerbehinderten gleichgestellten Beschwerdef&uuml;hrer &#8211; Kein Vertretungszwang bei Erinnerungsverfahren"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 9.2.2015, X E 25\/14<\/p>\n<p class=\"titel\">Keine Gerichtskostenfreiheit f&uuml;r einen einem Schwerbehinderten gleichgestellten Beschwerdef&uuml;hrer &#8211; Kein Vertretungszwang bei Erinnerungsverfahren<\/p>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Erinnerung gegen die Kostenrechnung des Bundesfinanzhofs Kostenstelle vom 27. November 2014 KostL 1820\/14 (X B 137\/14) wird zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Entscheidung ergeht gerichtsgeb&uuml;hrenfrei.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Kostenschuldner und Erinnerungsf&uuml;hrer (Kostenschuldner) wendet sich gegen die Kostenrechnung f&uuml;r ein Beschwerdeverfahren wegen Nichtzulassung der Revision, das er vor dem Bundesfinanzhof (BFH) gef&uuml;hrt hat. Er hatte in dem zugrundeliegenden finanzgerichtlichen Verfahren die Steuerfreiheit seiner Eink&uuml;nfte geltend gemacht, die ihm jedoch vom Finanzgericht (FG) versagt worden war. Der angerufene Senat verwarf die Beschwerde als unzul&auml;ssig, weil sie nicht von einer postulationsf&auml;higen Person gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;4 i.V.m. Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) eingelegt worden war. Dem Kostenschuldner wurden die Kosten des Verfahrens auferlegt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kostenstelle des BFH setzte daraufhin in der Kostenrechnung vom 27.&nbsp;November 2014 gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2, &sect;&nbsp;3 Abs.&nbsp;1, 2 &sect;&nbsp;19 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 des Gerichtskostengesetzes (GKG) Gerichtskosten in H&ouml;he von 178&nbsp;EUR an. Mit seiner Erinnerung beantragt der Kostenschuldner die Befreiung von den Gerichtsgeb&uuml;hren. Er sei durch Bescheid der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit vom 16.&nbsp;Juni 2014 gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;3 des Neunten Buches Sozialgesetzbuch (SGB&nbsp;IX) einem schwerbehinderten Menschen gleichgestellt worden und mache als berechtigte Person die Gerichtskostenfreiheit gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;64 des Zehnten Buches Sozialgesetzbuch (SGB&nbsp;X) geltend.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Vertreterin der Staatskasse beantragt,<br \/>die Erinnerung zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die nach &sect;&nbsp;66 GKG statthafte Erinnerung ist unbegr&uuml;ndet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Entscheidung &uuml;ber die Erinnerung ergeht gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;5, &sect;&nbsp;66 Abs.&nbsp;6 Satz&nbsp;1 GKG durch den Einzelrichter.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Der Zul&auml;ssigkeit der Erinnerung steht nicht entgegen, dass sie durch den nicht postulationsf&auml;higen Kostenschuldner pers&ouml;nlich eingelegt worden ist. Auch im zeitlichen Anwendungsbereich der Neufassung des &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;4 FGO sind Erinnerungsverfahren von dem f&uuml;r Verfahren vor dem BFH grunds&auml;tzlich angeordneten Vertretungszwang ausgenommen (vgl. z.B. Senatsbeschluss vom 15.&nbsp;Oktober 2014 X&nbsp;E&nbsp;23\/14, BFH\/NV 2015, 219, Rz&nbsp;10, m.w.N. aus der BFH-Rechtsprechung).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Gegen den Inhalt der Kostenrechnung als solche erhebt der Kostenschuldner keine Einwendungen. Eine Pr&uuml;fung von Amts wegen f&uuml;hrt ebenfalls zu dem Ergebnis, dass die Kostenrechnung dem Grunde und der H&ouml;he nach den gesetzlichen Vorschriften entspricht. Die H&ouml;he der Gerichtsgeb&uuml;hren richtet sich nach dem Streitwert (&sect;&nbsp;3 Abs.&nbsp;1, &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;1 GKG) sowie den in Anlage&nbsp;1 zu &sect;&nbsp;3 Abs.&nbsp;2 GKG aufgef&uuml;hrten Geb&uuml;hrentatbest&auml;nden. Diese gesetzlichen Vorschriften wurden erkennbar von der Kostenstelle zutreffend angewendet. Auch gegen die Bemessung des Streitwerts bestehen keine Bedenken.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Im Gegensatz zur Auffassung des Kostenschuldners besteht kein Anspruch auf seine Befreiung von den Gerichtskosten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Zwar sind gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;64 Abs.&nbsp;2 SGB&nbsp;X Gesch&auml;fte und Verhandlungen, die aus Anlass der Beantragung, Erbringung oder der Erstattung einer Sozialleistung n&ouml;tig werden, kostenfrei, wobei dies auch f&uuml;r die im GKG bestimmten Gerichtskosten gilt. Der Begriff der Sozialleistung umfasst dabei alle Vorteile, die nach den Vorschriften des Sozialgesetzbuches dem Einzelnen &#8211;zumindest mittelbar&#8211; zugutekommen (siehe Roos in v.&nbsp;Wulffen\/Sch&uuml;tze, SGB&nbsp;X, 8.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;64 Rz&nbsp;7).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kostenschuldner erstrebte jedoch die Zulassung der Revision gegen ein Urteil des FG, das die von ihm geltend gemachte Steuerfreiheit seiner Eink&uuml;nfte des Jahres 2010 zum Gegenstand hatte. Dieses Begehren kann zweifelsfrei nicht als Sozialleistung i.S. des &sect;&nbsp;64 Abs.&nbsp;2 SGB&nbsp;X angesehen werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Eine pers&ouml;nliche Kostenfreiheit gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;64 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;2 SGB&nbsp;X, die auch finanzgerichtliche Verfahren umfasst, wird lediglich den Tr&auml;gern der Sozialhilfe, der Jugendhilfe und der Kriegsopferf&uuml;rsorge gew&auml;hrt (siehe auch Dalichau, SGB&nbsp;X, Verwaltungsverfahren, &sect;&nbsp;64 IV.2). Der Kostenschuldner, der nicht zu diesem Personenkreis geh&ouml;rt, kann damit auch aus &sect;&nbsp;63 Abs.&nbsp;3 SGB&nbsp;X keinen Anspruch auf Befreiung von den Gerichtskosten ableiten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Eine weitere Befreiungsnorm ist nicht ersichtlich. Selbst wenn eine Kostenbefreiung kraft Landesrecht gegeben w&auml;re &#8211;wovon jedoch nicht auszugehen ist&#8211;, k&ouml;nnte ein Landesgesetz ohne eine entsprechende bundesrechtliche Erm&auml;chtigung keine Befreiung von Gerichtsgeb&uuml;hren aussprechen, die vor Gerichten des Bundes entstehen. Diesem Grundsatz steht der Hinweis in &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;2 GKG auf den Fortbestand der auf Landesrecht beruhenden weiter gehenden Kostenbefreiungen nicht entgegen (so BFH-Beschluss vom 11.&nbsp;November 1997 VII&nbsp;E&nbsp;6\/97, BFHE 184, 237, BStBl II 1998, 121; siehe auch Brandis in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, Vor &sect;&nbsp;135 FGO Rz&nbsp;12).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Mit der Gleichstellung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;3 SGB&nbsp;IX hat der Kostenschuldner zwar u.a. Rechte erworben wie die Anrechnung auf die Pflichtplatzquote des Arbeitgebers (&sect;&nbsp;71 Abs.&nbsp;1 SGB&nbsp;IX), den Anspruch auf behinderungsgerechte Besch&auml;ftigung und bevorzugte Ber&uuml;cksichtigung bei beruflichen Bildungsma&szlig;nahmen (&sect;&nbsp;81 Abs.&nbsp;4 Nr.&nbsp;1, 2 und 3 SGB&nbsp;IX), besonderen K&uuml;ndigungsschutz (&sect;&sect;&nbsp;85, 90 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1, 91 SGB&nbsp;IX) oder Anspruch auf Beratung, Vertretung und Hilfe gegen&uuml;ber der Schwerbehindertenvertretung (&sect;&nbsp;95 Abs.&nbsp;1 SGB&nbsp;IX; siehe zu dem Vorstehenden auch Luthe in: juris PraxisKommentar SGB&nbsp;IX, &sect;&nbsp;2 SGB&nbsp;IX Rz&nbsp;107). Die Befreiung von Gerichtskosten geh&ouml;rt hierzu jedoch nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>6. Das Verfahren &uuml;ber die Erinnerung ist gerichtsgeb&uuml;hrenfrei. Kosten werden nicht erstattet (&sect;&nbsp;66 Abs.&nbsp;8 GKG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 9.2.2015, X E 25\/14 Keine Gerichtskostenfreiheit f&uuml;r einen einem Schwerbehinderten gleichgestellten Beschwerdef&uuml;hrer &#8211; Kein Vertretungszwang bei Erinnerungsverfahren Tenor Die Erinnerung gegen die Kostenrechnung des Bundesfinanzhofs Kostenstelle vom 27. November 2014 KostL 1820\/14 (X B 137\/14) wird zur&uuml;ckgewiesen. Die Entscheidung ergeht gerichtsgeb&uuml;hrenfrei. Tatbestand 1&nbsp; I. 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