{"id":64340,"date":"2015-04-01T10:59:27","date_gmt":"2015-04-01T08:59:27","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=64340"},"modified":"2015-04-01T10:59:27","modified_gmt":"2015-04-01T08:59:27","slug":"iii-r-38-12-wohnsitz-oder-gewoehnlicher-aufenthalt-eines-von-einem-deutschen-arbeitgeber-europaweit-eingesetzten-arbeitnehmers-aus-polen-kein-eigenstaendiger-kindergeldanspruch-aus-art-13-ff-der-vo-ew","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-r-38-12-wohnsitz-oder-gewoehnlicher-aufenthalt-eines-von-einem-deutschen-arbeitgeber-europaweit-eingesetzten-arbeitnehmers-aus-polen-kein-eigenstaendiger-kindergeldanspruch-aus-art-13-ff-der-vo-ew\/","title":{"rendered":"III&nbsp;R&nbsp;38\/12 &#8211; Wohnsitz oder gew&ouml;hnlicher Aufenthalt eines von einem deutschen Arbeitgeber europaweit eingesetzten Arbeitnehmers aus Polen &#8211; Kein eigenst&auml;ndiger Kindergeldanspruch aus Art. 13 ff. der VO (EWG) Nr. 1408\/71 &#8211; Anwendbarkeit der Grunds&auml;tze des Anscheinsbeweises &#8211; R&uuml;geverzicht durch Nichtbeantragung der m&uuml;ndlichen Verhandlung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 13.11.2014, III R 38\/12<\/p>\n<p class=\"titel\">Wohnsitz oder gew&ouml;hnlicher Aufenthalt eines von einem deutschen Arbeitgeber europaweit eingesetzten Arbeitnehmers aus Polen &#8211; Kein eigenst&auml;ndiger Kindergeldanspruch aus Art. 13 ff. der VO (EWG) Nr. 1408\/71 &#8211; Anwendbarkeit der Grunds&auml;tze des Anscheinsbeweises &#8211; R&uuml;geverzicht durch Nichtbeantragung der m&uuml;ndlichen Verhandlung<\/p>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision des Kl&auml;gers gegen das Urteil des Th&uuml;ringer Finanzgerichts vom 13. Juli 2012&nbsp;&nbsp;3 K 1158\/10 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Kl&auml;ger zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Es ist streitig, ob dem Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) Kindergeld f&uuml;r seine minderj&auml;hrige Tochter (T) zusteht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger ist seit M&auml;rz 2006 in der Bundesrepublik Deutschland (Deutschland) bei einem Bauunternehmen sozialversicherungspflichtig besch&auml;ftigt. T lebt in Polen bei der Kindsmutter, der dort aufgrund der H&ouml;he der Eink&uuml;nfte des Kl&auml;gers kein Anspruch auf polnische Familienleistungen zusteht. Der Kl&auml;ger wurde f&uuml;r das Jahr 2009 in Deutschland zur Einkommensteuer veranlagt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nachdem der Kl&auml;ger im Dezember 2007 Kindergeld f&uuml;r T beantragt hatte, teilte er der Familienkasse X mit Schreiben vom 6.&nbsp;Februar 2008 mit, dass er in der im Kindergeldantrag angegebenen Wohnung seines Cousins in X &quot;f&uuml;r Korrespondenzzwecke&quot; gemeldet sei. F&uuml;r seinen Arbeitgeber &#8211;ein in Deutschland ans&auml;ssiges Bauunternehmen&#8211; sei er ununterbrochen &quot;europaweit&quot; unterwegs. An den jeweiligen ausl&auml;ndischen Einsatzstellen wohne er regelm&auml;&szlig;ig in Hotels, wobei der Arbeitgeber die Unterkunftskosten am jeweiligen Einsatzort &uuml;bernehme. Daraufhin gew&auml;hrte die Familienkasse X zun&auml;chst Kindergeld.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Juni 2009 zog der Kl&auml;ger nach Y um, wo er sich wiederum f&uuml;r postalische Zwecke in der Wohnung einer Cousine angemeldet hatte. Die Familienkasse Y forderte ihn zur Pr&uuml;fung des Kindergeldanspruchs auf, verschiedene Unterlagen (z.B. Kopie des neuen Mietvertrags) vorzulegen. Da der Kl&auml;ger dieser Aufforderung nicht nachkam, hob die Familienkasse Y die Kindergeldfestsetzung mit Bescheid vom 8.&nbsp;Oktober 2009 f&uuml;r T ab Juli 2009 auf.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen legte der Kl&auml;ger Einspruch ein. In dem Einspruchsverfahren teilte die Familienkasse dem Kl&auml;ger mit, dass mangels inl&auml;ndischen Wohnsitzes zu kl&auml;ren sei, ob und wo er sich gew&ouml;hnlich in Deutschland aufhalte, oder ob er ggf. ohne Wohnsitz oder gew&ouml;hnlichen Aufenthalt der Steuerpflicht in Deutschland unterliege. Zugleich forderte sie ihn auf, entsprechende Nachweise vorzulegen. Hierauf teilte er mit Schreiben vom 1.&nbsp;September 2010 lediglich mit, dass er deutschlandweit auf verschiedenen Baustellen t&auml;tig sei und sich an verschiedenen Orten in Deutschland befunden habe. Die Familienkasse wies den Einspruch wegen des fehlenden Nachweises einer Anspruchsberechtigung nach &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;1 des Einkommensteuergesetzes (EStG) als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ck (Einspruchsentscheidung vom 29.&nbsp;November 2010).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Klage des vor dem Finanzgericht (FG) fachkundig vertretenen Kl&auml;gers hatte in der Sache ebenfalls keinen Erfolg. Das FG folgte der Begr&uuml;ndung der Einspruchsentscheidung. In dem Klageverfahren hatte der Berichterstatter den Kl&auml;ger am 18.&nbsp;Juli 2011 darauf hingewiesen, dass n&auml;here Angaben dazu erforderlich seien, wo und wie lange er, der Kl&auml;ger, europaweit und damit auch in Deutschland auf Montagen im Einsatz gewesen sei, um pr&uuml;fen zu k&ouml;nnen, ob er im Streitzeitraum einen gew&ouml;hnlichen Aufenthalt im Inland gehabt habe. Mit Schreiben vom 20.&nbsp;Juli 2011 hatte der Prozessbevollm&auml;chtigte des Kl&auml;gers mitgeteilt, er werde sich zu Art und Dauer der Besch&auml;ftigung des Kl&auml;gers in K&uuml;rze melden. Die angek&uuml;ndigten Angaben gingen jedoch nicht beim FG ein.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG lie&szlig; in dem klageabweisenden Gerichtsbescheid vom 13.&nbsp;Juli 2012 die Revision wegen grunds&auml;tzlicher Bedeutung der Rechtssache unter Bezugnahme auf das beim Bundesfinanzhof (BFH) gef&uuml;hrte Revisionsverfahren XI&nbsp;R&nbsp;37\/11 zu. Zudem lehnte das FG den f&uuml;r das erstinstanzliche Verfahren gestellten Antrag auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe (PKH) mit Beschluss vom 17.&nbsp;Juli 2012 mangels hinreichender Aussicht auf Erfolg aus den im Gerichtsbescheid vom 13.&nbsp;Juli 2012 angef&uuml;hrten Gr&uuml;nden ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger macht mit seiner Revision geltend, das FG habe sowohl materielles Recht als auch Verfahrensrecht verletzt. In der Vorentscheidung seien die Auswirkungen des Urteils des Gerichtshofs der Europ&auml;ischen Union (EuGH) vom 12.&nbsp;Juni 2012 C-611\/10 und C-612\/10 &#8211;Hudzinski und Wawrzyniak&#8211; (Deutsches Steuerrecht\/Entscheidungsdienst &#8211;DStRE&#8211; 2012, 999) verkannt worden. Er sei als Arbeitnehmer auf Veranlassung eines Unternehmens mit Sitz in Deutschland europaweit mit Montagearbeiten t&auml;tig gewesen. Er k&ouml;nne unm&ouml;glich t&auml;glich von den wechselnden Arbeitsorten in seine oberschlesische Heimat zur&uuml;ckgekehrt sein. Die Wahrnehmung seines Freiz&uuml;gigkeitsrechts d&uuml;rfe sich f&uuml;r ihn nicht nachteilig auswirken. Die Rechtsauffassung des FG widerspreche der Rechtsprechung des BFH, nach der gem&auml;&szlig; den Art.&nbsp;13&nbsp;ff. der Verordnung (EWG) Nr.&nbsp;1408\/71 des Rates vom 14.&nbsp;Juni 1971 zur Anwendung der Systeme der sozialen Sicherheit auf Arbeitnehmer und Selbst&auml;ndige sowie deren Familienangeh&ouml;rige, die innerhalb der Gemeinschaft zu- und abwandern, in der f&uuml;r den Streitzeitraum ma&szlig;geblichen Fassung (VO Nr.&nbsp;1408\/71), grunds&auml;tzlich nur das System der sozialen Sicherheit eines Mitgliedstaats zur Anwendung komme<em>.<\/em> Im Streitfall erf&uuml;lle er, der Kl&auml;ger, s&auml;mtliche Voraussetzungen f&uuml;r die Gew&auml;hrung von Kindergeld. Hierf&uuml;r reiche es aus, dass er f&uuml;r ein in Deutschland ans&auml;ssiges Unternehmen sozialversicherungspflichtig besch&auml;ftigt gewesen sei, der deutschen Einkommensteuerpflicht unterlegen und seine Arbeitsleistung in EU-L&auml;ndern erbracht habe. Unerheblich sei, wo er konkret gearbeitet habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Daneben habe das FG den Anspruch auf rechtliches Geh&ouml;r (Art.&nbsp;103 Abs.&nbsp;1 des Grundgesetzes &#8211;GG&#8211;, &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;) verletzt, weil es &uuml;ber den Antrag auf Bewilligung von PKH erst vier Tage nach Erlass des Gerichtsbescheids entschieden habe. Es h&auml;tte im Rahmen einer rechtzeitigen PKH-Entscheidung darauf hinweisen m&uuml;ssen, dass es das Vorliegen eines Wohnsitzes oder gew&ouml;hnlichen Aufenthalts im Inland bezweifle, um ihm, dem Kl&auml;ger, die M&ouml;glichkeit zu geben, seinen Sachvortrag entsprechend nachzubessern oder ggf. die Klage aus Kostengr&uuml;nden zur&uuml;ckzunehmen. Zudem sei es widerspr&uuml;chlich, dass das FG zwar einerseits die Revision zum BFH zulasse, es aber andererseits die PKH mit der Begr&uuml;ndung ablehne, es fehle an einem gew&ouml;hnlichen Aufenthalt in Deutschland.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Schlie&szlig;lich habe das FG gegen seine Sachaufkl&auml;rungspflicht (&sect;&nbsp;76 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO) versto&szlig;en. Es h&auml;tte bei Zweifeln dar&uuml;ber, ob er, der Kl&auml;ger, einen Wohnsitz oder seinen gew&ouml;hnlichen Aufenthalt im Inland gehabt habe, von Amts wegen entsprechende Ermittlungen aufnehmen m&uuml;ssen. Es sei bereits nach den Grunds&auml;tzen des Anscheinsbeweises unm&ouml;glich, dass er t&auml;glich zwischen seinem oberschlesischen Heimatort und den jeweiligen Einsatzorten gependelt sei. Die konkreten Arbeitsorte lie&szlig;en sich aus den (nunmehr) vorgelegten Stundennachweisen des Bauunternehmens entnehmen. Das FG h&auml;tte aus dem Vortrag, von dem Bauunternehmen europaweit als Facharbeiter eingesetzt zu werden, nicht schlie&szlig;en d&uuml;rfen, dass er nicht im Inland t&auml;tig sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt sinngem&auml;&szlig;, den Gerichtsbescheid des FG, den Aufhebungsbescheid vom 8.&nbsp;Oktober 2009 und die hierzu ergangene Einspruchsentscheidung vom 29.&nbsp;November 2010 aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Familienkasse beantragt, die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Aufgrund des eingetretenen gesetzlichen Beteiligtenwechsels ist Beklagte und Revisionsbeklagte nunmehr die Familienkasse Z (vgl. z.B. Senatsurteil vom 18.&nbsp;Dezember 2013 III&nbsp;R&nbsp;52\/11, BFH\/NV 2014, 851, Rz&nbsp;9).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table style=\"margin-left:90\"pt>\n<tr>\n<td>III.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision des Kl&auml;gers ist unbegr&uuml;ndet und daher zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 FGO). Das FG hat die Klage zu Recht abgewiesen, weil der angegriffene Aufhebungsbescheid rechtm&auml;&szlig;ig ist. Zutreffend hat das FG entschieden, dass dem Kl&auml;ger im Streitzeitraum von Juli 2009 bis Dezember 2010, dem Monat der Bekanntgabe der Einspruchsentscheidung vom 29.&nbsp;November 2010 (vgl. &sect;&nbsp;122 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 der Abgabenordnung &#8211;AO&#8211;), kein Anspruch auf Kindergeld zusteht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;1 EStG hat Anspruch auf Kindergeld nach dem EStG, wer<br \/>&quot;1.&nbsp;im Inland einen Wohnsitz oder seinen gew&ouml;hnlichen Aufenthalt hat oder<br \/>2.&nbsp;ohne Wohnsitz oder gew&ouml;hnlichen Aufenthalt im Inland<br \/>a) nach &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;2 unbeschr&auml;nkt einkommensteuerpflichtig ist oder<br \/>b) nach &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 als unbeschr&auml;nkt einkommensteuerpflichtig behandelt wird.&quot;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Entscheidung des FG, wonach der Kl&auml;ger wegen des Fehlens eines inl&auml;ndischen Wohnsitzes oder gew&ouml;hnlichen Aufenthalts nicht nach &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG anspruchsberechtigt ist, ist revisionsrechtlich nicht zu beanstanden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der inl&auml;ndische Wohnsitz oder gew&ouml;hnliche Aufenthalt i.S. des &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG bestimmt sich nach den in &sect;&nbsp;8 AO (Wohnsitz) und &sect;&nbsp;9 AO (gew&ouml;hnlicher Aufenthalt) definierten Begriffen. Ob hiernach eine Person ihren Wohnsitz oder gew&ouml;hnlichen Aufenthalt im Inland hat, ist vom FG unter Ber&uuml;cksichtigung der Umst&auml;nde des Einzelfalles im Wege der Tatsachenw&uuml;rdigung zu beurteilen (vgl. z.B. Senatsbeschluss vom 17.&nbsp;M&auml;rz 2006 III&nbsp;B&nbsp;67\/05, BFH\/NV 2006, 1255, unter&nbsp;1.). Diese Tatsachenw&uuml;rdigung bindet den BFH nach &sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO, wenn sie nicht gegen allgemeine Erfahrungss&auml;tze oder Denkgesetze verst&ouml;&szlig;t und hiergegen keine erfolgreichen Verfahrensr&uuml;gen erhoben werden (vgl. z.B. Senatsurteil vom 15.&nbsp;M&auml;rz 2012 III&nbsp;R&nbsp;58\/08, BFHE 237, 64, BStBl II 2012, 743, Rz&nbsp;18).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Streitfall ist eine solche Bindungswirkung gegeben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Das FG hat in der Vorentscheidung ausgef&uuml;hrt, der Kl&auml;ger habe keine Wohnung oder andere R&auml;ume zum dauerhaften Wohnen vorgehalten. Vielmehr sei er entsprechend seinem Vortrag lediglich &quot;zu Korrespondenzzwecken&quot; in der Wohnung Dritter gemeldet gewesen. Er habe nicht den Nachweis gef&uuml;hrt, in seiner Verf&uuml;gungsmacht stehende R&auml;ume als Wohnung tats&auml;chlich genutzt zu haben. Des weiteren habe der Kl&auml;ger keine Umst&auml;nde nachgewiesen, aufgrund derer von einem gew&ouml;hnlichen Aufenthalt im Inland auszugehen sei. Im Gegenteil habe der Kl&auml;ger in seinem Schreiben vom 6.&nbsp;Februar 2008 an die Familienkasse selbst vorgetragen, er sei im Rahmen von Montagearbeiten ununterbrochen europaweit unterwegs. Den Aufforderungen der Familienkasse und des FG, Angaben zu seinen Einsatzorten zu machen, sei er nicht nachgekommen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die vom FG aufgrund dieses Sachverhalts vorgenommene W&uuml;rdigung, wonach der Kl&auml;ger weder einen Wohnsitz noch seinen gew&ouml;hnlichen Aufenthalt im Inland hatte, ist m&ouml;glich und vertretbar. Das FG musste auch nicht das im Einspruchsverfahren verfasste Schreiben des Kl&auml;gers vom 1.&nbsp;September 2010, in dem er ohne weitere Substantiierung und Beif&uuml;gung von Belegen pauschal vorbrachte, er sei deutschlandweit auf verschiedenen Baustellen besch&auml;ftigt gewesen, als ausreichenden Nachweis daf&uuml;r ansehen, dass die Arbeitseins&auml;tze in Deutschland erfolgt sind. Dies gilt umso mehr, als der Kl&auml;ger trotz des gerichtlichen Hinweises vom 18.&nbsp;Juli 2011 die von ihm angek&uuml;ndigten Angaben zu Dauer und Art seiner Besch&auml;ftigung im finanzgerichtlichen Verfahren nicht gemacht hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Diese Tatsachenw&uuml;rdigung verst&ouml;&szlig;t weder gegen Denkgesetze noch Erfahrungss&auml;tze.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Insbesondere ist die W&uuml;rdigung des FG nicht deshalb rechtsfehlerhaft, weil es &#8211;wie der Kl&auml;ger meint&#8211; nach den Grunds&auml;tzen des Anscheinsbeweises einen gew&ouml;hnlichen Aufenthalt im Inland h&auml;tte bejahen m&uuml;ssen. Die richtige Anwendung der Grunds&auml;tze des Anscheinsbeweises ist zwar &#8211;als dem sachlichen Recht angeh&ouml;rend&#8211; vom Revisionsgericht nachpr&uuml;fbar (Lange in H&uuml;bschmann\/Hepp\/Spitaler &#8211;HHSp&#8211;, &sect;&nbsp;96 FGO Rz 105, &sect;&nbsp;118 Rz&nbsp;152). Die Anwendung der Grunds&auml;tze des Anscheinsbeweises setzt aber das Vorliegen eines &quot;typischen Geschehensablaufs&quot; voraus (BFH-Urteil vom 14.&nbsp;M&auml;rz 1989 VII&nbsp;R&nbsp;75\/85, BFHE 156, 66, BStBl II 1989, 534, unter II.2.b&nbsp;aa). Es mag zwar sein, dass ein nicht nur vor&uuml;bergehend im Inland besch&auml;ftigter Arbeitnehmer &#8211;mangels abweichender Anhaltspunkte&#8211; typischerweise (zumindest) seinen gew&ouml;hnlichen Aufenthalt im Inland hat, wenn er aufgrund der Entfernung zwischen der Arbeitsst&auml;tte und seinem Heimatort nicht arbeitst&auml;glich dorthin zur&uuml;ckkehren kann. Im Streitfall lag aber kein &quot;typischer Geschehensablauf&quot; vor, weil der Kl&auml;ger nach seinem eigenen Sachvortrag &quot;europaweit&quot; t&auml;tig war. Danach war es naheliegend, dass sich seine Einsatzorte auch im Ausland befanden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Die geltend gemachten Verfahrensr&uuml;gen greifen nicht durch.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Die R&uuml;ge des Kl&auml;gers, wonach das FG seinen Anspruch auf rechtliches Geh&ouml;r (Art.&nbsp;103 Abs.&nbsp;1 GG, &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;2 FGO) dadurch verletzt habe, dass es &uuml;ber seinen Antrag auf Bewilligung von PKH erst vier Tage nach Ergehen des Gerichtsbescheids entschieden habe und es ihm deshalb nicht m&ouml;glich gewesen sei, seinen Sachvortrag hinsichtlich des Wohnsitzes oder gew&ouml;hnlichen Aufenthalts nachzubessern, entspricht nicht den Darlegungsanforderungen des &sect;&nbsp;120 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;b FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(1) Eine Geh&ouml;rsverletzung infolge rechtswidriger Vorenthaltung der PKH kann zwar &#8211;trotz der Regelungen in &sect;&nbsp;124 Abs.&nbsp;1, &sect;&nbsp;128 Abs.&nbsp;2 FGO&#8211; als Verfahrensmangel im Revisionsverfahren geltend gemacht werden (vgl. z.B. BFH-Beschluss vom 6.&nbsp;Juli 2012 V&nbsp;B&nbsp;37\/12, BFH\/NV 2013, 43, Rz&nbsp;5). Insbesondere ist es grunds&auml;tzlich nicht statthaft, &uuml;ber einen PKH-Antrag erst nach Ergehen der Entscheidung in der Hauptsache zu befinden (vgl. BFH-Beschluss vom 27.&nbsp;April 2001 XI&nbsp;S&nbsp;16\/00, BFH\/NV 2001, 1417, unter II.2.c). Eine derartige ggf. unrichtige Sachbehandlung f&uuml;hrt aber nur dann zu einer Geh&ouml;rsverletzung, wenn hierdurch der Rechtsschutz des Kl&auml;gers im Hauptsacheverfahren beeintr&auml;chtigt ist (vgl. BFH-Beschl&uuml;sse vom 9.&nbsp;Juli 1996 VII&nbsp;S&nbsp;16\/95, BFH\/NV 1997, 143, unter 1.c; vom 24.&nbsp;Juli 2008 VIII&nbsp;B&nbsp;104\/08, nicht ver&ouml;ffentlicht).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(2) Eine solche Rechtsbeeintr&auml;chtigung hat der Kl&auml;ger nicht schl&uuml;ssig dargelegt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>27<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Da die Geh&ouml;rsverletzung ein verzichtbarer Verfahrensmangel (&sect;&nbsp;155 FGO i.V.m. &sect;&nbsp;295 der Zivilprozessordnung &#8211;ZPO&#8211;) ist (vgl. z.B. Lange in HHSp, &sect;&nbsp;119 FGO Rz&nbsp;226, &sect;&nbsp;120 FGO Rz&nbsp;208, m.w.N.), h&auml;tte der Kl&auml;ger darlegen m&uuml;ssen, dass er den geltend gemachten Fehler bei n&auml;chster sich bietender Gelegenheit vor dem FG ger&uuml;gt hat oder weshalb ihm eine solche R&uuml;ge nicht m&ouml;glich gewesen ist. Zudem h&auml;tte er darlegen m&uuml;ssen, dass er alle prozessualen M&ouml;glichkeiten ausgesch&ouml;pft hat, um sich rechtliches Geh&ouml;r vor dem FG zu verschaffen (Lange in HHSp, &sect;&nbsp;119 FGO Rz&nbsp;227, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>28<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zum einen hat der Kl&auml;ger im Streitfall schon nicht dargelegt, weshalb es ihm nach Ergehen des gerichtlichen Hinweises vom 18.&nbsp;Juli 2011 bis zum Ergehen des Gerichtsbescheids vom 13.&nbsp;Juli 2012 nicht m&ouml;glich gewesen sein soll, die von ihm angek&uuml;ndigten Angaben zu seinem gew&ouml;hnlichen Aufenthalt zu machen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>29<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zum anderen r&auml;umt &sect;&nbsp;90a Abs.&nbsp;2 FGO den Beteiligten f&uuml;r den Fall, dass das FG &#8211;wie hier&#8211; im Gerichtsbescheid die Revision zul&auml;sst, ein Wahlrecht ein, ob sie m&uuml;ndliche Verhandlung beantragen oder Revision einlegen (vgl. dazu auch die Rechtsmittelbelehrung des Gerichtsbescheids vom 13.&nbsp;Juli 2012). Demnach h&auml;tte der Kl&auml;ger m&uuml;ndliche Verhandlung beantragen und seinen Vortrag hinsichtlich eines Wohnsitzes oder des gew&ouml;hnlichen Aufenthalts erg&auml;nzen k&ouml;nnen. Gleichwohl fehlt jeglicher Vortrag dazu, weshalb er von dieser prozessualen M&ouml;glichkeit keinen Gebrauch gemacht hat. Dieses Verhalten ist im Ergebnis als Verzicht auf das R&uuml;gerecht zu werten (vgl. BFH-Beschluss vom 15.&nbsp;Juli 2014 III&nbsp;S&nbsp;19\/12 (PKH), BFH\/NV 2014, 1576, Rz&nbsp;23, m.w.N.; Schallmoser in HHSp, &sect;&nbsp;90a FGO Rz&nbsp;67, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>30<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Die R&uuml;ge, das FG habe gegen seine Sachaufkl&auml;rungspflicht (&sect;&nbsp;76 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO) versto&szlig;en, weil es nicht von Amts wegen weitere Ermittlungen zum Wohnsitz oder gew&ouml;hnlichen Aufenthalt des Kl&auml;gers angestellt habe, ist ebenfalls nicht ordnungsgem&auml;&szlig; i.S. des &sect;&nbsp;120 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;b FGO dargelegt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>31<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(1) Da auch die Verletzung der Sachaufkl&auml;rungspflicht ein verzichtbarer Verfahrensmangel (&sect;&nbsp;155 FGO i.V.m. &sect;&nbsp;295 ZPO) ist, h&auml;tte der Kl&auml;ger zur schl&uuml;ssigen R&uuml;ge eines solchen Mangels vortragen m&uuml;ssen, dass er den Fehler bei n&auml;chster sich bietender Gelegenheit vor dem FG ger&uuml;gt hat oder weshalb ihm eine solche R&uuml;ge nicht m&ouml;glich gewesen ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>32<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(2) Hieran fehlt es. Der vor dem FG fachkundig vertretene Kl&auml;ger hat es unterlassen, nach Ergehen des Gerichtsbescheids des FG m&uuml;ndliche Verhandlung zu beantragen. Dieses Verhalten kommt im Ergebnis einem Verzicht auf das R&uuml;gerecht gleich (vgl. BFH-Beschluss vom 28.&nbsp;Mai 2004 VIII&nbsp;B&nbsp;63\/04, BFH\/NV 2004, 1526, unter 2.; Schallmoser, a.a.O.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>33<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Eine Anspruchsberechtigung des Kl&auml;gers nach &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG ergibt sich auch nicht daraus, dass das Finanzamt (FA) in dem Einkommensteuerbescheid f&uuml;r das Jahr 2009 m&ouml;glicherweise von einer unbeschr&auml;nkten Einkommensteuerpflicht des Kl&auml;gers nach &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 EStG ausgegangen ist. Die Familienkasse und das FG haben ohne Bindung an die im Einkommensteuerfestsetzungsverfahren vom zust&auml;ndigen FA getroffenen Feststellungen selbst&auml;ndig zu entscheiden, ob der Anspruchsteller i.S. des &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG im Inland einen Wohnsitz oder gew&ouml;hnlichen Aufenthalt hat (vgl. z.B. Senatsurteil vom 8.&nbsp;Mai 2014 III&nbsp;R&nbsp;21\/12, BFHE 246, 389, BFH\/NV 2014, 1993, Rz&nbsp;16).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>34<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>e) Schlie&szlig;lich ist der Kl&auml;ger nicht deshalb nach &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG anspruchsberechtigt, weil er nunmehr im Revisionsverfahren unter Vorlage von Stundennachweisen substantiiert dargelegt hat, wo sich seine Arbeitsorte w&auml;hrend des Streitzeitraums befanden. Denn im Revisionsverfahren kann neuer Tatsachenvortrag gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO grunds&auml;tzlich nicht mehr ber&uuml;cksichtigt werden (vgl. z.B. BFH-Urteil vom 20.&nbsp;M&auml;rz 2013 XI&nbsp;R&nbsp;37\/11, BFHE 240, 394, BStBl II 2014, 831, Rz&nbsp;38; Gr&auml;ber\/Ruban, Finanzgerichtsordnung, 7.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;118 Rz&nbsp;36).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>35<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Ebenso hat das FG &#8211;f&uuml;r den Senat gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO bindend&#8211; eine Kindergeldberechtigung des Kl&auml;gers nach &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;b i.V.m. &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 EStG abgelehnt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>36<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach den Feststellungen des FG ist der Kl&auml;ger nicht gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 EStG auf Antrag als unbeschr&auml;nkt einkommensteuerpflichtig behandelt worden. Verfahrensr&uuml;gen hiergegen hat der Kl&auml;ger nicht erhoben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>37<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Das FG ist rechtsfehlerfrei davon ausgegangen, dass sich aus den Art.&nbsp;13&nbsp;ff. der VO Nr.&nbsp;1408\/71 kein eigenst&auml;ndiger &#8211;von den Voraussetzungen der &sect;&sect;&nbsp;62&nbsp;ff. EStG unabh&auml;ngiger&#8211; Anspruch auf Kindergeld ergibt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>38<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Diese Rechtsfrage hat der BFH &#8211;in dem der Revisionszulassung zugrundeliegenden Verfahren XI&nbsp;R&nbsp;37\/11&#8211; mit Urteil in BFHE 240, 394, BStBl II 2014, 831, in dem vorbezeichneten Sinne gekl&auml;rt. Danach besteht ein Kindergeldanspruch nur dann, wenn die mit dem Unionsrecht im Einklang stehenden Anspruchsvoraussetzungen des jeweiligen Mitgliedstaats erf&uuml;llt sind. Etwas anderes ergibt sich auch nicht aus dem vom Kl&auml;ger zitierten EuGH-Urteil Hudzinski und Wawrzyniak in DStRE 2012, 999. Zur Vermeidung von Wiederholungen verweist der Senat auf die Ausf&uuml;hrungen in dem BFH-Urteil in BFHE 240, 394, BStBl II 2014, 831, Rz&nbsp;25&nbsp;ff.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>39<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Schlie&szlig;lich greifen auch die weiteren vom Kl&auml;ger erhobenen R&uuml;gen nicht durch.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>40<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Soweit der Kl&auml;ger ausf&uuml;hrt, das FG habe ihm durch die versp&auml;tete PKH-Entscheidung die M&ouml;glichkeit genommen, seine Klage aus Gr&uuml;nden der Kostenersparnis zur&uuml;ckzunehmen, wird mit diesem Vorbringen nicht &#8211;wie aber nach &sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;1 FGO erforderlich&#8211; geltend gemacht, der angefochtene Gerichtsbescheid beruhe auf einer Rechtsverletzung (vgl. dazu Lange in HHSp, &sect;&nbsp;118 FGO Rz&nbsp;75&nbsp;ff., 110, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>41<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Dasselbe gilt f&uuml;r das Vorbringen des Kl&auml;gers, das FG habe sich dadurch widerspr&uuml;chlich verhalten, dass es zwar die PKH abgelehnt, in dem Gerichtsbescheid aber die Revision wegen des beim BFH anh&auml;ngigen Verfahrens XI&nbsp;R&nbsp;37\/11 zugelassen habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>42<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>6. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 13.11.2014, III R 38\/12 Wohnsitz oder gew&ouml;hnlicher Aufenthalt eines von einem deutschen Arbeitgeber europaweit eingesetzten Arbeitnehmers aus Polen &#8211; Kein eigenst&auml;ndiger Kindergeldanspruch aus Art. 13 ff. der VO (EWG) Nr. 1408\/71 &#8211; Anwendbarkeit der Grunds&auml;tze des Anscheinsbeweises &#8211; R&uuml;geverzicht durch Nichtbeantragung der m&uuml;ndlichen Verhandlung Tenor Die Revision des Kl&auml;gers gegen das Urteil &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-r-38-12-wohnsitz-oder-gewoehnlicher-aufenthalt-eines-von-einem-deutschen-arbeitgeber-europaweit-eingesetzten-arbeitnehmers-aus-polen-kein-eigenstaendiger-kindergeldanspruch-aus-art-13-ff-der-vo-ew\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">III&nbsp;R&nbsp;38\/12 &#8211; Wohnsitz oder gew&ouml;hnlicher Aufenthalt eines von einem deutschen Arbeitgeber europaweit eingesetzten Arbeitnehmers aus Polen &#8211; Kein eigenst&auml;ndiger Kindergeldanspruch aus Art. 13 ff. der VO (EWG) Nr. 1408\/71 &#8211; Anwendbarkeit der Grunds&auml;tze des Anscheinsbeweises &#8211; R&uuml;geverzicht durch Nichtbeantragung der m&uuml;ndlichen Verhandlung<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-64340","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64340","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=64340"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64340\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=64340"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=64340"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=64340"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}