{"id":64363,"date":"2015-04-01T10:58:11","date_gmt":"2015-04-01T08:58:11","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=64363"},"modified":"2015-04-01T10:58:11","modified_gmt":"2015-04-01T08:58:11","slug":"x-r-42-12-fehlende-nichtigkeit-von-schaetzungsbescheiden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-r-42-12-fehlende-nichtigkeit-von-schaetzungsbescheiden\/","title":{"rendered":"X&nbsp;R&nbsp;42\/12 &#8211; Fehlende Nichtigkeit von Sch&auml;tzungsbescheiden"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 15.7.2014, X R 42\/12<\/p>\n<p class=\"titel\">Fehlende Nichtigkeit von Sch&auml;tzungsbescheiden<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger), die in den Streitjahren 2008 und 2009 gemeinsam zur Einkommensteuer veranlagt wurden, erzielten jeweils Eink&uuml;nfte aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit und Kapitalverm&ouml;gen, die Kl&auml;gerin daneben aus Gewerbebetrieb (Vermietung von Spielger&auml;ten und Durchf&uuml;hrung von Freizeitaktivit&auml;ten).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Da die Kl&auml;ger f&uuml;r die Streitjahre &#8211;wie auch f&uuml;r die Vorjahre&#8211; zun&auml;chst ihrer Pflicht zur Abgabe der Einkommensteuererkl&auml;rung nicht nachkamen, sch&auml;tzte der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) die Besteuerungsgrundlagen. Hinsichtlich der Eink&uuml;nfte der Kl&auml;gerin aus Gewerbebetrieb ging es dabei von Eink&uuml;nften in H&ouml;he von 19.000&nbsp;EUR f&uuml;r das Streitjahr 2008 und in H&ouml;he von 21.000&nbsp;EUR f&uuml;r das Streitjahr 2009 aus. F&uuml;r das Vorjahr 2007 hatten die Kl&auml;ger in ihrer nachgereichten Einkommensteuererkl&auml;rung einen Verlust geltend gemacht, der vom FA anerkannt worden war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Sch&auml;tzungsbescheide f&uuml;r die Streitjahre, jeweils vom 1.&nbsp;Februar 2011, ergingen nicht unter dem Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung. Sie wurden den Kl&auml;gern f&ouml;rmlich zugestellt, die Postzustellungsurkunden sind am 2.&nbsp;Februar 2011 in den Briefkasten der Kl&auml;ger eingeworfen worden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger haben am 3.&nbsp;M&auml;rz 2011 Einspruch eingelegt und angek&uuml;ndigt, die Steuererkl&auml;rungen nachzureichen. Nach entsprechendem Hinweis des FA beantragten die Kl&auml;ger Wiedereinsetzung in den vorigen Stand, die sie mit einer starken psychischen Belastung durch Arzt- und Krankenhaustermine des Vaters\/ Schwiegervaters begr&uuml;ndeten. Sie f&uuml;hrten weiter aus, irrigerweise von einer Aufgabe der Bescheide zur Post und damit von der Geltung der Dreitagefiktion ausgegangen zu sein.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In den mit den nachgereichten Einkommensteuererkl&auml;rungen &uuml;bersandten Anlagen&nbsp;G sind Gewinne aus Gewerbebetrieb der Kl&auml;gerin von 2.231&nbsp;EUR (2008) bzw. 1.595&nbsp;EUR (2009) ausgewiesen worden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA verwarf den Einspruch als unzul&auml;ssig. Mit Urteil vom 20.&nbsp;November 2012&nbsp;&nbsp;10&nbsp;K&nbsp;766\/12&nbsp;E wies das Finanzgericht (FG) die Klage ab. Es sei Bestandskraft eingetreten. Der Sch&auml;tzungsbescheid sei nicht schon deshalb nichtig, weil sich im Nachhinein herausgestellt habe, dass die Eink&uuml;nfte der Kl&auml;gerin geringer ausgefallen seien. Es gebe keine stichhaltigen Anhaltspunkte f&uuml;r eine willk&uuml;rliche Sch&auml;tzung. Der von den Kl&auml;gern f&uuml;r 2007 deklarierte Verlust lasse keinen Schluss auf die Streitjahre zu. Es sei deshalb ausreichend gewesen, dass das FA mit einem Gewinn von rund 20.000&nbsp;EUR in der absoluten Gr&ouml;&szlig;enordnung nicht &uuml;berzogen habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit ihrer Revision r&uuml;gen die Kl&auml;ger, die Sch&auml;tzung sei grob fehlerhaft und objektiv willk&uuml;rlich. Erw&auml;gungen, wie FA und FG zu der Sch&auml;tzung der Eink&uuml;nfte aus Gewerbebetrieb in H&ouml;he von 19.000&nbsp;EUR bzw. 21.000&nbsp;EUR gekommen seien, seien nicht erkennbar.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger beantragen sinngem&auml;&szlig;,<br \/>das angefochtene Urteil und die Einspruchsentscheidungen vom 27.&nbsp;Januar 2012 aufzuheben und die Einkommensteuer f&uuml;r 2008 und 2009 jeweils entsprechend den eingereichten Einkommensteuererkl&auml;rungen neu festzusetzen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Es ist der Ansicht, es liege weder eine krasse Abweichung von der Realit&auml;t vor noch fehle die Sch&auml;tzmethode. Vielmehr beruhe die Sch&auml;tzung auf einem Vorjahresvergleich unter Ber&uuml;cksichtigung eines Sicherheitszuschlags.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision der Kl&auml;ger ist als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger haben die einmonatige Einspruchsfrist nicht gewahrt. Wiedereinsetzung in den vorigen Stand war nicht zu gew&auml;hren (unten 1.). Die Einkommensteuerbescheide sind wirksam; die Sch&auml;tzungen der gewerblichen Eink&uuml;nfte der Kl&auml;gerin begr&uuml;nden keine Nichtigkeit (unten 2.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Das FA ist zu Recht davon ausgegangen, dass der Einspruch nicht innerhalb der Monatsfrist gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;355 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 der Abgabenordnung (AO) eingelegt worden ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Eine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;110 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO war &#8211;auch von Amts wegen&#8211; nicht zu gew&auml;hren. Soweit die Kl&auml;ger auf eine besondere Belastung durch Arzt- und Krankenhaustermine des Vaters\/Schwiegervaters verweisen, h&auml;tten sie weitere Tatsachen darlegen und &#8211;sp&auml;testens im Klageverfahren (vgl. Klein\/R&auml;tke, AO, 11.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;110 Rz&nbsp;9; Pahlke\/Koenig\/Pahlke, Abgabenordnung, 2.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;110 Rz&nbsp;89, jeweils m.w.N.)&#8211; gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;110 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 AO auch glaubhaft machen m&uuml;ssen, inwiefern dies f&uuml;r die Fristvers&auml;umung urs&auml;chlich gewesen sei. Die Kl&auml;ger erkl&auml;ren selbst die Rechtsbehelfsbelehrung nicht studiert zu haben. Es w&auml;re ihre Aufgabe gewesen, etwaige Zweifel in Bezug auf die Zustellung der Bescheide rechtzeitig zu kl&auml;ren (Senatsbeschluss vom 17.&nbsp;M&auml;rz 2010 X&nbsp;B&nbsp;114\/09, BFH\/NV 2010, 1239). Zu Recht hat das FA deshalb eine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand aufgrund des Verschuldens der Kl&auml;ger abgelehnt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die Einspruchsfrist ist nicht gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;356 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 AO auf ein Jahr seit Bekanntgabe der Bescheide verl&auml;ngert worden, da die Rechtsbehelfsbelehrungen der streitigen Bescheide vollst&auml;ndig und richtig erteilt worden sind. Dies gilt nicht nur hinsichtlich der Wirkungen der Zustellung mittels Zustellungsurkunde, auf die in beiden Bescheiden ausdr&uuml;cklich hingewiesen wird, sondern auch in Bezug auf die Erl&auml;uterungen zu den Rechtsbehelfsbelehrungen zu den Anforderungen an die Form der Einspruchseinlegung. Insoweit reicht es &#8211;wie hier geschehen&#8211; aus, in den Rechtsbehelfsbelehrungen den Wortlaut des &sect;&nbsp;357 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO wiederzugeben (vgl. weiterf&uuml;hrend: Senatsurteil vom 20.&nbsp;November 2013 X&nbsp;R&nbsp;2\/12, BFHE 243, 158, BStBl II 2014, 236).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Einkommensteuerbescheide f&uuml;r die Streitjahre sind aufgrund der eingetretenen Bestandskraft &#8211;mangels Vorliegens von Korrekturvorschriften&#8211; nicht &auml;nderbar. Sie sind auch nicht nichtig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Eine &Auml;nderung der Einkommensteuerfestsetzungen nach &sect;&nbsp;173 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 AO scheidet aufgrund des groben Verschuldens der Kl&auml;ger aus. Diese haben die Einspruchsfristen vers&auml;umt und es damit unterlassen, entscheidungserhebliche Tatsachen &#8211;hier die in ihren Steuererkl&auml;rungen angegebenen Betr&auml;ge&#8211; innerhalb der Einspruchsfrist mitzuteilen (vgl. insoweit nur Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 10.&nbsp;Dezember 2013 VIII&nbsp;R&nbsp;10\/11, BFH\/NV 2014, 820, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die Einkommensteuersch&auml;tzungsbescheide vom 1.&nbsp;Februar 2011 sind nicht nichtig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Dem Grunde nach war das FA nach &sect;&nbsp;162 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO zur Sch&auml;tzung der Besteuerungsgrundlagen der Kl&auml;ger, insbesondere auch der Eink&uuml;nfte aus Gewerbebetrieb der Kl&auml;gerin, berechtigt und verpflichtet, weil es die Besteuerungsgrundlagen in Folge von Verst&ouml;&szlig;en der Kl&auml;ger gegen ihre Mitwirkungspflichten im Besteuerungsverfahren nicht ermitteln oder berechnen konnte (&sect;&nbsp;162 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 AO i.V.m. &sect;&nbsp;90 Abs.&nbsp;2 AO). Sie haben ihre Einkommensteuererkl&auml;rungen f&uuml;r die Streitjahre, zu deren Abgabe sie nach &sect;&nbsp;149 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO i.V.m. &sect;&nbsp;25 Abs.&nbsp;3 des Einkommensteuergesetzes, &sect;&nbsp;56 der Einkommensteuer-Durchf&uuml;hrungsverordnung verpflichtet waren, nicht fristgerecht abgegeben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Das FG hat zu Recht erkannt, dass die Sch&auml;tzung nicht nichtig war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(1) Nach &sect;&nbsp;162 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 AO sind bei einer Sch&auml;tzung der Besteuerungsgrundlagen alle Umst&auml;nde zu ber&uuml;cksichtigen, die f&uuml;r die Sch&auml;tzung von Bedeutung sind. Das gewonnene Sch&auml;tzungsergebnis muss schl&uuml;ssig, wirtschaftlich m&ouml;glich und vern&uuml;nftig sein (vgl. BFH-Beschluss vom 28.&nbsp;M&auml;rz 2001 VII&nbsp;B&nbsp;213\/00, BFH\/NV 2001, 1217, m.w.N.). Verl&auml;sst die Sch&auml;tzung den durch die Umst&auml;nde des Einzelfalls gezogenen Sch&auml;tzungsrahmen, ist sie &#8211;lediglich&#8211; rechtswidrig. Ausnahmsweise kann eine fehlerhafte Sch&auml;tzung die Nichtigkeit des auf ihr beruhenden Verwaltungsakts zur Folge haben, wenn sich das FA nicht an den wahrscheinlichen Besteuerungsgrundlagen orientiert, sondern bewusst zum Nachteil des Steuerpflichtigen gesch&auml;tzt hat (Senatsurteil vom 15.&nbsp;Mai 2002 X&nbsp;R&nbsp;33\/99, BFH\/NV 2002, 1415; BFH-Urteile vom 26.&nbsp;April 2006 II&nbsp;R&nbsp;58\/04, BFHE 213, 207, BStBl II 2006, 793; vom 7.&nbsp;Februar 2002 VI&nbsp;R&nbsp;80\/00, BFHE 197, 554, BStBl II 2002, 438; vom 20.&nbsp;Dezember 2000 I&nbsp;R&nbsp;50\/00, BFHE 194, 1, BStBl II 2001, 381, jeweils m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Eine Sch&auml;tzung erscheint nicht schon deswegen als rechtswidrig oder gar nichtig, weil sie von den tats&auml;chlichen Verh&auml;ltnissen abweicht; solche Abweichungen sind notwendig mit einer Sch&auml;tzung verbunden, die in Unkenntnis der wahren Gegebenheiten erfolgt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(2) Die Sch&auml;tzung erweist sich vielmehr erst dann als rechtswidrig, wenn sie den durch die Umst&auml;nde des Falles gezogenen Sch&auml;tzungsrahmen verl&auml;sst. Wird die Sch&auml;tzung erforderlich, weil der Steuerpflichtige &#8211;wie im Streitfall&#8211; seiner Erkl&auml;rungspflicht nicht gen&uuml;gt, kann sich das FA an der oberen Grenze des Sch&auml;tzungsrahmens orientieren, weil der Steuerpflichtige m&ouml;glicherweise Eink&uuml;nfte verheimlichen will. Verl&auml;sst eine Sch&auml;tzung diesen Rahmen, hat dies aber im Allgemeinen nur die Rechtswidrigkeit der Sch&auml;tzung, nicht deren Nichtigkeit zur Folge. Nichtigkeit ist selbst bei groben Sch&auml;tzungsfehlern, die auf der Verkennung der tats&auml;chlichen Gegebenheiten oder der wirtschaftlichen Zusammenh&auml;nge beruhen, regelm&auml;&szlig;ig nicht anzunehmen (BFH-Urteil in BFHE 194, 1, BStBl II 2001, 381). Etwas anderes ist nach dieser Rechtsprechung, der der Senat bereits in BFH\/NV 2002, 1415 gefolgt ist, zu erw&auml;gen, wenn sich das FA nicht nach dem Auftrag des &sect;&nbsp;162 Abs.&nbsp;1 AO an den wahrscheinlichen Besteuerungsgrundlagen orientiert, sondern bewusst zum Nachteil des Steuerpflichtigen gesch&auml;tzt hat. Willk&uuml;rma&szlig;nahmen, die mit den Anforderungen an eine ordnungsgem&auml;&szlig;e Verwaltung schlechterdings nicht zu vereinbaren sind, k&ouml;nnen einen besonders schweren Fehler i.S. von &sect;&nbsp;125 Abs.&nbsp;1 AO abgeben (vgl. Senatsurteil in BFH\/NV 2002, 1415, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(3) Willk&uuml;rlich und damit nichtig i.S. von &sect;&nbsp;125 Abs.&nbsp;1 AO ist ein Sch&auml;tzungsbescheid nicht nur bei subjektiver Willk&uuml;r des handelnden Bediensteten. Auch wenn das Sch&auml;tzungsergebnis trotz vorhandener M&ouml;glichkeiten, den Sachverhalt aufzukl&auml;ren und Sch&auml;tzungsgrundlagen zu ermitteln, krass von den tats&auml;chlichen Gegebenheiten abweicht und in keiner Weise erkennbar ist, dass &uuml;berhaupt und ggf. welche Sch&auml;tzungserw&auml;gungen angestellt wurden, wenn somit ein &quot;objektiv willk&uuml;rlicher&quot; Hoheitsakt vorliegt, ist Nichtigkeit i.S. von &sect;&nbsp;125 Abs.&nbsp;1 AO gegeben (BFH-Urteil in BFHE 194, 1, BStBl II 2001, 381). Die Sch&auml;tzung darf nicht dazu verwendet werden, &quot;die Steuererkl&auml;rungspflichtverletzung zu sanktionieren und den Steuerpflichtigen zur Abgabe der Erkl&auml;rungen anzuhalten&quot; (BFH-Urteil in BFHE 194, 1, BStBl II 2001, 381); &quot;Strafsch&auml;tzungen&quot; eher enteignungsgleichen Charakters gilt es zu vermeiden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(4) L&auml;sst hingegen der Bescheid nicht erkennen, dass &uuml;berhaupt und welche Sch&auml;tzungserw&auml;gungen angestellt worden sind, liegen M&auml;ngel bei der Begr&uuml;ndung der Sch&auml;tzung vor, die nicht zur Nichtigkeit, sondern allenfalls zur Anfechtbarkeit eines Verwaltungsaktes f&uuml;hren (BFH-Urteil vom 17.&nbsp;M&auml;rz 2009 VII&nbsp;R&nbsp;40\/08, BFH\/NV 2009, 1287, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(5) Nach diesen Grunds&auml;tzen sind die Bescheide nicht nichtig. Es ist schon nicht erkennbar, dass das FA bewusst zum Nachteil der Kl&auml;ger gesch&auml;tzt hat. Vielmehr waren die Sch&auml;tzungen aufgrund der fehlenden Einkommensteuererkl&auml;rungen notwendig geworden und verlie&szlig;en den durch die Umst&auml;nde des Einzelfalls gezogenen Sch&auml;tzungsrahmen nicht. Eink&uuml;nfte aus Gewerbebetrieb in H&ouml;he von 19.000&nbsp;EUR bzw. 21.000&nbsp;EUR sind auch nebenberuflich und auch bei dem Gewerbe der Kl&auml;gerin denkbar und m&ouml;glich. Dabei ist auch zu ber&uuml;cksichtigen, dass das FA Sch&auml;tzungen an der oberen Grenze des Sch&auml;tzungsrahmens vornehmen darf und dem FA keine Erkenntnisse daf&uuml;r vorlagen, dass und warum die Eink&uuml;nfte der Kl&auml;gerin diese Gr&ouml;&szlig;enordnung schlechterdings nicht sollten erreichen k&ouml;nnen. Allein der Umstand, dass sie in einem anderen Veranlagungszeitraum Verluste erkl&auml;rt hatte, beweist &#8211;ungeachtet der Frage, ob diese Erkl&auml;rungen &uuml;berhaupt zutrafen&#8211; nicht, dass es sich in den Streitjahren ebenso verhalten musste. Soweit die nachgereichten Erkl&auml;rungen deutlich geringere Eink&uuml;nfte auswiesen, w&auml;ren etwaige &#8211;deren inhaltliche Richtigkeit wiederum unterstellt&#8211; sich hieraus ergebende Abweichungen von den tats&auml;chlichen Verh&auml;ltnissen notwendige Folge der Sch&auml;tzungen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>27<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im vorliegenden Fall ist weiter nicht erkennbar, dass das FA durch diese Sch&auml;tzungen die Steuererkl&auml;rungspflichtverletzungen der Kl&auml;ger sanktionieren wollte. Das FA hat vielmehr eine wenn auch grobe Sch&auml;tzung vorgenommen, da ihm konkretere Anhaltspunkte f&uuml;r die Sch&auml;tzung nicht zur Verf&uuml;gung standen. Andere Mittel, die Eink&uuml;nfte aus Gewerbetrieb der Kl&auml;gerin zu bestimmen, gab es nicht, so dass die griffweise Sch&auml;tzung, sollte sie &uuml;berhaupt rechtswidrig gewesen sein, jedenfalls nicht nichtig war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>28<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung (FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 15.7.2014, X R 42\/12 Fehlende Nichtigkeit von Sch&auml;tzungsbescheiden Tatbestand 1&nbsp; I. Die Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger), die in den Streitjahren 2008 und 2009 gemeinsam zur Einkommensteuer veranlagt wurden, erzielten jeweils Eink&uuml;nfte aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit und Kapitalverm&ouml;gen, die Kl&auml;gerin daneben aus Gewerbebetrieb (Vermietung von Spielger&auml;ten und Durchf&uuml;hrung von Freizeitaktivit&auml;ten). 2&nbsp; Da die Kl&auml;ger &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-r-42-12-fehlende-nichtigkeit-von-schaetzungsbescheiden\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">X&nbsp;R&nbsp;42\/12 &#8211; Fehlende Nichtigkeit von Sch&auml;tzungsbescheiden<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-64363","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64363","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=64363"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64363\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=64363"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=64363"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=64363"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}