{"id":64473,"date":"2015-05-15T09:59:44","date_gmt":"2015-05-15T07:59:44","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=64473"},"modified":"2015-05-15T09:59:44","modified_gmt":"2015-05-15T07:59:44","slug":"viii-b-112-13-festsetzungsfrist-bei-einer-mehr-als-zehnjaehrigen-unterbrechung-einer-aussenpruefung-keine-anwendung-von-art-6-abs-1-emrk-fuer-steuerrechtliche-verfahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/viii-b-112-13-festsetzungsfrist-bei-einer-mehr-als-zehnjaehrigen-unterbrechung-einer-aussenpruefung-keine-anwendung-von-art-6-abs-1-emrk-fuer-steuerrechtliche-verfahren\/","title":{"rendered":"VIII&nbsp;B&nbsp;112\/13 &#8211; Festsetzungsfrist bei einer mehr als zehnj&auml;hrigen Unterbrechung einer Au&szlig;enpr&uuml;fung &#8211; Keine Anwendung von Art. 6 Abs. 1 EMRK f&uuml;r steuerrechtliche Verfahren"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 21.1.2015, VIII B 112\/13<\/p>\n<p class=\"titel\">Festsetzungsfrist bei einer mehr als zehnj&auml;hrigen Unterbrechung einer Au&szlig;enpr&uuml;fung &#8211; Keine Anwendung von Art. 6 Abs. 1 EMRK f&uuml;r steuerrechtliche Verfahren<\/p>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Beschwerde der Kl&auml;ger wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Finanzgerichts Rheinland-Pfalz vom 10. Juli 2013&nbsp;&nbsp;2 K 2069\/11 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens haben die Kl&auml;ger zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"gruende\">Gr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Nichtzulassungsbeschwerde ist unbegr&uuml;ndet. Die Revision ist nicht zuzulassen. Der von den Kl&auml;gern und Beschwerdef&uuml;hrern (Kl&auml;ger) geltend gemachte Zulassungsgrund der grunds&auml;tzlichen Bedeutung (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;) ist nicht gegeben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die von den Kl&auml;gern als grunds&auml;tzlich bedeutsam aufgeworfene Frage, &quot;ob der Steuerpflichtige nach &uuml;ber zehn Jahren der Unterbrechung einer Au&szlig;enpr&uuml;fung, ohne dass f&uuml;r diesen erkennbare Pr&uuml;fungshandlungen stattgefunden haben, eine Steuerfestsetzung durch das Finanzamt hinnehmen muss&quot;, bedarf keiner erneuten Entscheidung in einem Revisionsverfahren, weil sie f&uuml;r den Streitfall nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) grunds&auml;tzlich zu bejahen ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect;&nbsp;171 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;2 der Abgabenordnung (AO) entf&auml;llt die Ablaufhemmung der Festsetzungs- und Feststellungsfristen, wenn eine Au&szlig;enpr&uuml;fung (oder wie hier eine Steuerfahndungspr&uuml;fung i.S. von &sect;&nbsp;171 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 AO) unmittelbar nach ihrem Beginn f&uuml;r die Dauer von mehr als sechs Monaten aus Gr&uuml;nden unterbrochen wird, die die Finanzbeh&ouml;rde zu vertreten hat. In der Rechtsprechung ist gekl&auml;rt, dass eine Unterbrechung unmittelbar nach Beginn der Pr&uuml;fung dann anzunehmen ist, wenn der Pr&uuml;fer &uuml;ber Vorbereitungshandlungen, allgemeine Informationen &uuml;ber die betrieblichen Verh&auml;ltnisse, das Rechnungswesen und die Buchf&uuml;hrung und\/oder die Sichtung der Unterlagen des zu pr&uuml;fenden Steuerfalls bzw. ein allgemeines Aktenstudium nicht hinausgekommen ist. Eine Au&szlig;enpr&uuml;fung ist danach nur dann nicht mehr unmittelbar nach Beginn unterbrochen, wenn die Pr&uuml;fungshandlungen von Umfang und Zeitaufwand gemessen an dem gesamten Pr&uuml;fungsstoff erhebliches Gewicht erreicht oder erste verwertbare Ergebnisse gezeitigt haben. Letzteres bedeutet allerdings nicht, dass die ermittelten Ergebnisse geeignet sein m&uuml;ssen, unmittelbar als Besteuerungsgrundlage Eingang in einen Steuer- oder Feststellungsbescheid zu finden; ausreichend ist vielmehr, dass Ermittlungsergebnisse vorliegen, an die bei der Wiederaufnahme der Pr&uuml;fung angekn&uuml;pft werden kann (BFH-Urteil vom 26.&nbsp;Juni 2014 IV&nbsp;R&nbsp;51\/11, BFH\/NV 2014, 1716, m.w.N., zu einem mit dem Streitfall im Wesentlichen vergleichbaren Zeitablauf).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das angefochtene Urteil entspricht diesen Ma&szlig;st&auml;ben. Das Finanzgericht (FG) hat auf Seite&nbsp;9 seines Urteils im Einzelnen ausgef&uuml;hrt, inwieweit die Pr&uuml;ferin die Vielzahl der sichergestellten Unterlagen teilweise bereits ausgewertet hatte, bevor es zur Unterbrechung der Pr&uuml;fung kam. Die Pr&uuml;ferin habe einen erheblichen tats&auml;chlichen und zeitlichen Aufwand betrieben und bei der Wiederaufnahme der Pr&uuml;fung am 12.&nbsp;November 2009 an die bereits im Oktober\/November 1998 erlangten Erkenntnisse ankn&uuml;pfen k&ouml;nnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Diese tats&auml;chliche W&uuml;rdigung des FG ist anhand der getroffenen Feststellungen m&ouml;glich und damit f&uuml;r das Revisionsgericht bindend (vgl. &sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Der Streitfall wirft auch keine grunds&auml;tzliche Frage dahin auf, ob der Steueranspruch wegen der mehr als zehnj&auml;hrigen Unterbrechung der Pr&uuml;fung verwirkt ist. In der Rechtsprechung ist gekl&auml;rt (vgl. zuletzt BFH-Urteil in BFH\/NV 2014, 1716, m.w.N.), dass ein blo&szlig;es Unt&auml;tigbleiben der Finanzbeh&ouml;rde in der Regel nicht ausreicht, um einen Steueranspruch als verwirkt anzusehen; denn die zeitliche Grenze f&uuml;r die Festsetzung eines Steueranspruchs bilden die Verj&auml;hrungsvorschriften. Der Tatbestand der Verwirkung setzt neben dem blo&szlig;en Zeitmoment (zeitweilige Unt&auml;tigkeit des Finanzamts) einerseits ein bestimmtes Verhalten des Anspruchsberechtigten voraus, demzufolge der Verpflichtete bei objektiver Beurteilung darauf vertrauen durfte, nicht mehr in Anspruch genommen zu werden (Vertrauenstatbestand), andererseits aber auch, dass der Steuerpflichtige tats&auml;chlich auf die Nichtgeltendmachung des Anspruchs vertraut und sich hierauf eingerichtet hat (Vertrauensfolge). Danach hat das FG zu Recht entschieden, dass die Unt&auml;tigkeit der Pr&uuml;ferin allein kein Vertrauen der Kl&auml;ger darauf begr&uuml;nden konnte, dass der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) die Au&szlig;enpr&uuml;fung als erledigt betrachtet, und dass besondere Umst&auml;nde, die gleichwohl Verwirkung eintreten lassen k&ouml;nnten, nicht ersichtlich sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Soweit die Kl&auml;ger aufgrund der au&szlig;ergew&ouml;hnlich langen Bearbeitungszeit mit unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig hohen Nachzahlungszinsen gem&auml;&szlig; &sect;&sect;&nbsp;233a, 235 AO belastet sein sollten, w&auml;re dem durch Billigkeitsma&szlig;nahmen Rechnung zu tragen, zumal die L&auml;nge der Pr&uuml;fungsunterbrechung im Streitfall ausschlie&szlig;lich in den Verantwortungsbereich des FA f&auml;llt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Revision ist auch nicht wegen des von den Kl&auml;gern ger&uuml;gten Versto&szlig;es gegen Art.&nbsp;6 Abs.&nbsp;1 der Europ&auml;ischen Menschenrechtskonvention zuzulassen. Wie das FG zutreffend ausgef&uuml;hrt hat, ist diese Vorschrift f&uuml;r steuerrechtliche Verfahren nicht anwendbar.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Revision ist ferner nicht mit R&uuml;cksicht auf den Beschluss des FG Rheinland-Pfalz vom 17.&nbsp;Dezember 2010&nbsp;&nbsp;6&nbsp;V&nbsp;1924\/10 zuzulassen, mit dem der 6.&nbsp;Senat des FG Rheinland-Pfalz die Vollziehung der im Streitfall aufgrund der Fahndungspr&uuml;fung erlassenen Umsatzsteuerbescheide ausgesetzt hat. Der 6.&nbsp;Senat des FG Rheinland-Pfalz hat seine bei summarischer Pr&uuml;fung gewonnene Auffassung vornehmlich darauf gest&uuml;tzt, dass f&uuml;r die Kl&auml;ger nicht zu Beginn der Pr&uuml;fung, sondern erst nach Wiederaufnahme der Pr&uuml;fung &uuml;ber zehn Jahre sp&auml;ter erkennbar gewesen sei, dass auch Umsatzsteuerforderungen Pr&uuml;fungsgegenstand waren. Zu dem Zeitpunkt sei aber Festsetzungsverj&auml;hrung eingetreten gewesen. In diesem Punkt liegt der Streitfall indes anders, weil, wie das FG im Einzelnen ausgef&uuml;hrt hat, f&uuml;r die Kl&auml;ger von Anfang an erkennbar war, dass die Eink&uuml;nfte aus Kapitalverm&ouml;gen wie auch die Gewinnermittlungen aus Gewerbebetrieb und aus freiberuflicher T&auml;tigkeit Pr&uuml;fungsgegenstand waren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 21.1.2015, VIII B 112\/13 Festsetzungsfrist bei einer mehr als zehnj&auml;hrigen Unterbrechung einer Au&szlig;enpr&uuml;fung &#8211; Keine Anwendung von Art. 6 Abs. 1 EMRK f&uuml;r steuerrechtliche Verfahren Tenor Die Beschwerde der Kl&auml;ger wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Finanzgerichts Rheinland-Pfalz vom 10. Juli 2013&nbsp;&nbsp;2 K 2069\/11 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen. 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