{"id":64663,"date":"2015-07-10T15:58:00","date_gmt":"2015-07-10T13:58:00","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=64663"},"modified":"2015-07-10T15:58:24","modified_gmt":"2015-07-10T13:58:24","slug":"iii-r-19-14-kindergeldberechtigung-nicht-freizuegigkeitsberechtigter-auslaender-massgeblichkeit-des-tatsaechlichen-besitzes-eines-aufenthaltsrechtlichen-titels-aussetzung-des-klageverfahrens-wegen-vor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-r-19-14-kindergeldberechtigung-nicht-freizuegigkeitsberechtigter-auslaender-massgeblichkeit-des-tatsaechlichen-besitzes-eines-aufenthaltsrechtlichen-titels-aussetzung-des-klageverfahrens-wegen-vor\/","title":{"rendered":"III&nbsp;R&nbsp;19\/14 &#8211; Kindergeldberechtigung nicht freiz&uuml;gigkeitsberechtigter Ausl&auml;nder &#8211; Ma&szlig;geblichkeit des tats&auml;chlichen &quot;Besitzes&quot; eines aufenthaltsrechtlichen Titels &#8211; Aussetzung des Klageverfahrens wegen vor dem BVerfG anh&auml;ngiger Musterverfahren"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 5.2.2015, III R 19\/14<\/p>\n<p class=\"titel\">Kindergeldberechtigung nicht freiz&uuml;gigkeitsberechtigter Ausl&auml;nder &#8211; Ma&szlig;geblichkeit des tats&auml;chlichen &quot;Besitzes&quot; eines aufenthaltsrechtlichen Titels &#8211; Aussetzung des Klageverfahrens wegen vor dem BVerfG anh&auml;ngiger Musterverfahren<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Erteilt die Ausl&auml;nderbeh&ouml;rde r&uuml;ckwirkend einen Aufenthaltstitel, der nach &sect; 62 Abs. 2 EStG zur Inanspruchnahme von Kindergeld berechtigt, so hat dies kindergeldrechtlich keine R&uuml;ckwirkung. F&uuml;r den Anspruch auf Kindergeld ist vielmehr der &quot;Besitz&quot; eines solchen Aufenthaltstitels erforderlich. Dies setzt voraus, dass der Kindergeldberechtigte den Titel im ma&szlig;geblichen Anspruchszeitraum tats&auml;chlich in den H&auml;nden h&auml;lt.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision der Beklagten wird das Urteil des Finanzgerichts K&ouml;ln vom 7. Mai 2014&nbsp;&nbsp;14 K 2405\/13 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Klage wird abgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des gesamten Verfahrens hat die Kl&auml;gerin zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Es ist streitig, ob der Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagten (Kl&auml;gerin) f&uuml;r ihre am 31.&nbsp;August 2012 geborene Tochter Kindergeld f&uuml;r die Zeit ab der Geburt bis Juni 2013 zusteht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin ist nigerianische, die Tochter deutsche Staatsangeh&ouml;rige. Die Kl&auml;gerin reiste mit einem vom 5.&nbsp;November 2011 bis 19.&nbsp;November 2011 g&uuml;ltigen Besuchsvisum in die Bundesrepublik Deutschland (Deutschland) ein. Am 27.&nbsp;Juni 2012 beantragte sie unter Hinweis auf ihre Schwangerschaft eine Duldung. Dem Antrag war eine notarielle Urkunde beigef&uuml;gt, in der U, deutscher Staatsangeh&ouml;riger, die Vaterschaft f&uuml;r das zu erwartende Kind anerkannte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ab dem 2.&nbsp;Juli 2012 gew&auml;hrte die Stadt &#8230; ihr daraufhin eine Duldung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;60a Abs.&nbsp;2 des Aufenthaltsgesetzes (AufenthG). Nach der Geburt des Kindes beantragte die Kl&auml;gerin am 24.&nbsp;September 2012 eine Aufenthaltserlaubnis gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;28 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AufenthG. Da die Stadt &#8230; die biologische Vaterschaft des U anzweifelte, wurde ein Verfahren zur &Uuml;berpr&uuml;fung der Vaterschaft bei der Bezirksregierung &#8230; eingeleitet. Am 28.&nbsp;Juni 2013 &uuml;bersandte die Kl&auml;gerin der Stadt &#8230; ein Vaterschaftsgutachten vom 15.&nbsp;April 2013, in dem die Vaterschaft des Herrn U best&auml;tigt wurde. Die Stadt &#8230; erteilte der Kl&auml;gerin daraufhin am 24.&nbsp;Juli 2013 eine Aufenthaltserlaubnis nach &sect;&nbsp;28 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 AufenthG, die zur Aus&uuml;bung der Erwerbst&auml;tigkeit berechtigte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Oktober 2012 beantragte die Kl&auml;gerin bei der Beklagten und Revisionskl&auml;gerin (Familienkasse) Kindergeld. Dies lehnte die Familienkasse am 22.&nbsp;Oktober 2012 mit der Begr&uuml;ndung ab, dass kein nach &sect;&nbsp;62 des Einkommensteuergesetzes (EStG) vorgesehener Aufenthaltstitel vorliege. Den hiergegen eingelegten Einspruch wies die Familienkasse mit Einspruchsentscheidung vom 2.&nbsp;Juli 2013 zur&uuml;ck.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>W&auml;hrend des sich anschlie&szlig;enden Klageverfahrens teilte die Ausl&auml;nderbeh&ouml;rde der Stadt &#8230; auf Nachfrage des Finanzgerichts (FG) diesem zun&auml;chst mit, dass die Aufenthaltserlaubnis ab der Ersterteilung gelte. Mit einem weiteren Schreiben vom 9.&nbsp;April 2014 erkl&auml;rte die Ausl&auml;nderbeh&ouml;rde, dass der Anspruch auf eine Aufenthaltserlaubnis bereits seit der Geburt des Kindes bestanden habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG gab der Klage mit den in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2014, 1416 ver&ouml;ffentlichten Gr&uuml;nden statt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der hiergegen gerichteten Revision r&uuml;gt die Familienkasse die Verletzung materiellen Rechts. Zur Begr&uuml;ndung macht sie geltend, das Gesetz kn&uuml;pfe explizit an den Besitz einer Aufenthaltserlaubnis an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Familienkasse beantragt (sinngem&auml;&szlig;),<br \/>das Urteil des FG aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt (sinngem&auml;&szlig;),<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beteiligten sind mit einer Entscheidung ohne m&uuml;ndliche Verhandlung einverstanden (&sect;&nbsp;90 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211; i.V.m. &sect;&nbsp;121 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist zul&auml;ssig und begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung des Urteils und zur Klageabweisung (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 FGO). Das FG hat zu Unrecht die Voraussetzungen des &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 EStG bejaht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 EStG erh&auml;lt ein nicht freiz&uuml;gigkeitsberechtigter Ausl&auml;nder &#8211;wie die Kl&auml;gerin&#8211; f&uuml;r Kinder i.S. des &sect;&nbsp;63 EStG Kindergeld nur, wenn sie im Besitz einer Aufenthaltserlaubnis ist, die zur Aus&uuml;bung einer Erwerbst&auml;tigkeit berechtigt oder berechtigt hat, sofern es sich nicht um einen der in &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a bis c EStG genannten Aufenthaltstitel handelt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>&sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;2 EStG kn&uuml;pft nach seinem eindeutigen Wortlaut an den &quot;Besitz&quot; einer Aufenthaltserlaubnis an. Diese Voraussetzung ist nach st&auml;ndiger Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) nur und erst dann erf&uuml;llt, wenn der Ausl&auml;nder eine Aufenthaltsgenehmigung der gesetzlich vorgeschriebenen Art tats&auml;chlich in H&auml;nden h&auml;lt, ihm also das Aufenthaltsrecht in Deutschland durch entsprechenden Verwaltungsakt mit Wirkung f&uuml;r die Bezugszeit des Kindergeldes zugebilligt worden ist (BFH-Beschluss vom 1.&nbsp;Dezember 1997 VI&nbsp;B&nbsp;147\/97, BFH\/NV 1998, 696, unter II.). Nicht entscheidend ist, ob ein Anspruch auf einen entsprechenden Titel bestand (BFH-Urteil vom 28.&nbsp;April 2010 III&nbsp;R&nbsp;1\/08, BFHE 229, 262, BStBl II 2010, 980, Rz&nbsp;13, m.w.N.; BFH-Beschl&uuml;sse vom 23.&nbsp;Dezember 2013 III&nbsp;B&nbsp;88\/13, BFH\/NV 2014, 517, Rz&nbsp;16, und vom 31.&nbsp;Juli 2009 III&nbsp;B&nbsp;152\/08, BFH\/NV 2009, 1811, unter II.2., m.w.N.). Der Kindergeldanspruch setzt vielmehr voraus, dass der Kindergeldberechtigte im ma&szlig;geblichen Streitzeitraum einen Aufenthaltstitel tats&auml;chlich (k&ouml;rperlich) in den H&auml;nden h&auml;lt (Senatsbeschluss vom 9.&nbsp;November 2012 III&nbsp;B&nbsp;138\/11, BFH\/NV 2013, 372, Rz&nbsp;5; FG Hamburg, Urteil vom 23.&nbsp;April 2014&nbsp;&nbsp;6&nbsp;K&nbsp;277\/13, EFG 2014, 1597).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im vorliegenden Fall hatte die Kl&auml;gerin im Streitzeitraum zun&auml;chst keinen der in &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 bis 3 EStG aufgef&uuml;hrten Aufenthaltstitel. Erst w&auml;hrend des Klageverfahrens erhielt sie die Aufenthaltserlaubnis. Die Erkl&auml;rung der Ausl&auml;nderbeh&ouml;rde, dass die aufenthaltsrechtliche Wirkung der Aufenthaltserlaubnis ab dem Zeitpunkt der Geburt gelte, &auml;ndert nichts an dem Umstand, dass die Kl&auml;gerin in den Monaten August 2012 bis Juni 2013 keinen Aufenthaltstitel besessen hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Erteilung eines Aufenthaltstitels der zum Bezug von Kindergeld berechtigt, f&uuml;hrt nicht r&uuml;ckwirkend zu einem Anspruch auf Kindergeld (Wendl in Hermann\/Heuer\/Raupach, &sect;&nbsp;62 EStG Rz&nbsp;14; Bl&uuml;mich\/Treiber, &sect;&nbsp;62 EStG Rz&nbsp;40; a.A. FG Baden-W&uuml;rttemberg, Beschluss vom 22.&nbsp;M&auml;rz 2005&nbsp;&nbsp;8&nbsp;S&nbsp;1\/05, EFG 2005, 980; Bauhaus, EFG 2014, 1418). Dabei l&auml;sst der Senat dahinstehen, ob ein solcher Aufenthaltstitel mit r&uuml;ckwirkendem Geltungsbeginn im vorliegenden Fall &uuml;berhaupt durch die au&szlig;erhalb des Titels abgegebene nachtr&auml;gliche Erkl&auml;rung der Stadt &#8230;, der Anspruch auf Erteilung der Aufenthaltserlaubnis sei bereits ab &quot;Geburt des Kindes &#8230; entstanden&quot;, vorliegt. Das Tatbestandsmerkmal &quot;im Besitz&quot; steht einem r&uuml;ckwirkenden Bezug von Kindergeld auch dann entgegen, wenn ein Aufenthaltstitel r&uuml;ckwirkend erteilt wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Der Kindergeldanspruch richtet sich &#8211;dem Monatsprinzip nach &sect;&nbsp;66 Abs.&nbsp;2 EStG folgend&#8211; danach, ob die Voraussetzungen f&uuml;r die Gew&auml;hrung von Kindergeld im jeweiligen Monat vorliegen (BFH-Urteil vom 24.&nbsp;Oktober 2012 V&nbsp;R&nbsp;43\/11, BFHE 239, 327, BStBl II 2013, 491, Rz&nbsp;13). Entscheidend ist daher, ob zumindest an einem Tag des jeweils monatlichen Leistungszeitraums die Voraussetzungen f&uuml;r einen Kindergeldanspruch tats&auml;chlich vorliegen (BFH-Urteil vom 5.&nbsp;September 2013 XI&nbsp;R&nbsp;7\/12, BFHE 242, 399, BStBl II 2014, 37, Rz&nbsp;15).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>&sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 EStG bringt deutlich zum Ausdruck, dass nur derjenige einen Anspruch auf Kindergeld haben soll, der eine Aufenthaltserlaubnis besitzt, die selbst zur Aus&uuml;bung einer Erwerbst&auml;tigkeit berechtigt oder berechtigt hat. Nicht entscheidend ist zwar, ob er tats&auml;chlich erwerbst&auml;tig ist. Das Gesetz stellt aber auf die m&ouml;gliche Integration von Ausl&auml;ndern in den deutschen Arbeitsmarkt ab. Damit ist der Gesetzgeber den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) in seinem Beschluss vom 6.&nbsp;Juli 2004&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvL&nbsp;4\/97 (BVerfGE 111, 160) nachgekommen, das beanstandet hatte, dass die fr&uuml;here Regelung nur ausl&auml;ndische Eltern benachteiligte, die legal in Deutschland lebten und bereits in den Arbeitsmarkt integriert waren. Bei Ausl&auml;ndern, denen keine Erwerbst&auml;tigkeit erlaubt ist, ging der Gesetzgeber wie das BVerfG davon aus, dass das Existenzminimum ihrer Kinder durch staatliche F&uuml;rsorgeleistungen in ausreichendem Ma&szlig;e gesichert ist (BTDrucks 16\/1368, S.&nbsp;9, BVerfG-Beschluss in BVerfGE 111, 160).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ein nicht freiz&uuml;gigkeitsberechtigter Ausl&auml;nder, der nicht im Besitz einer zur Erwerbst&auml;tigkeit berechtigenden Aufenthaltserlaubnis ist, kann eine legale Erwerbst&auml;tigkeit nicht aufnehmen und somit nicht in den Arbeitsmarkt integriert werden. Denn der Arbeitgeber ist gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;4 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;4 AufenthG verpflichtet zu &uuml;berpr&uuml;fen, ob ein entsprechender Aufenthaltstitel vorliegt, aus dem sich erkennbar die Erlaubnis einer Besch&auml;ftigung ergeben muss (&sect;&nbsp;4 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 AufenthG). Daher kann regelm&auml;&szlig;ig &#8211;von den Ausnahmen in &sect;&nbsp;4 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;3 AufenthG (Zustimmung der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit) abgesehen&#8211; eine rechtm&auml;&szlig;ige Besch&auml;ftigung nur erfolgen, wenn der Arbeitnehmer einen entsprechenden Titel zu Beginn der Besch&auml;ftigung tats&auml;chlich in den H&auml;nden h&auml;lt. Daran &auml;ndert auch eine m&ouml;gliche r&uuml;ckwirkende Erteilung nichts. Sofern die r&uuml;ckwirkende Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis mit Erwerbsberechtigung als zul&auml;ssig angesehen wird, gilt dies nur, soweit der Ausl&auml;nder die Erteilung eines Aufenthaltstitels f&uuml;r einen in der Vergangenheit liegenden Zeitraum beansprucht, weil er ein schutzw&uuml;rdiges Interesse daran hat. Ein schutzw&uuml;rdiges Interesse wird dann angenommen, wenn es f&uuml;r die weitere aufenthaltsrechtliche Stellung erheblich sein kann, von welchem Zeitpunkt an der Ausl&auml;nder den begehrten Aufenthaltstitel besitzt (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 9.&nbsp;Juni 2009&nbsp;&nbsp;1&nbsp;C&nbsp;7\/08, Neue Zeitschrift f&uuml;r Verwaltungsrecht 2009, 1431, unter 3.; Verwaltungsgericht Berlin, Urteil vom 11.&nbsp;September 2013&nbsp;&nbsp;19&nbsp;K&nbsp;365.12, nicht ver&ouml;ffentlicht &#8211;n.v.&#8211;, Rz&nbsp;26&nbsp;f.). Die aus aufenthaltsrechtlichen Gr&uuml;nden erteilte r&uuml;ckwirkende Aufenthaltsbefugnis &auml;ndert nichts daran, dass in der Zeit bis zur Erteilung des Aufenthaltstitels keine Erwerbst&auml;tigkeit ausge&uuml;bt werden konnte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Indem &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 EStG den Besitz einer Aufenthaltserlaubnis mit dem weiteren Merkmal der Berechtigung zur Aus&uuml;bung einer Erwerbst&auml;tigkeit verkn&uuml;pft, bringt die Vorschrift damit deutlich zum Ausdruck, dass die betreffende Aufenthaltserlaubnis zumindest an einem Tag des monatlichen Leistungszeitraums tats&auml;chlich vorgelegen haben muss.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Diese Auslegung kn&uuml;pft an die Rechtsprechung des Bundessozialgerichts (BSG) zu vergleichbaren Vorschriften an. Soweit &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 des Bundeskindergeldgesetzes (BKGG), &sect;&nbsp;1 des Bundeserziehungsgeldgesetzes, &sect;&nbsp;1 des Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetzes f&uuml;r die entsprechenden Leistungen eines nicht freiz&uuml;gigkeitsberechtigten Ausl&auml;nders den Besitz eines entsprechenden Aufenthaltstitels voraussetzt, liegt ein solcher nur vor, wenn die Ausl&auml;nderbeh&ouml;rde bereits zu Beginn des Leistungszeitraums ein entsprechendes Aufenthaltsrecht f&ouml;rmlich festgestellt hat (BSG-Urteil vom 10.&nbsp;Juli 2014 B&nbsp;10&nbsp;EG&nbsp;5\/14&nbsp;R, RegNr 31398; BSG-Teilurteil vom 30.&nbsp;September 2010 B&nbsp;10&nbsp;EG&nbsp;9\/09&nbsp;R, BSGE 107, 1, Rz&nbsp;29; BSG-Urteile vom 2.&nbsp;Oktober 1997&nbsp;&nbsp;14&nbsp;REg&nbsp;1\/97, NVwZ 1998, 1110; vom 30.&nbsp;September 1996&nbsp;&nbsp;10&nbsp;RKg&nbsp;24\/95, SGb 1997, 216; vom 9.&nbsp;Februar 1994&nbsp;&nbsp;14\/14b&nbsp;REg&nbsp;9\/93, InfAuslR 1994, 320; vgl. Bayerisches Landessozialgericht, Urteil vom 29.&nbsp;Januar 2014 L&nbsp;12&nbsp;EG&nbsp;66\/12, n.v.; Landessozialgericht &#8211;LSG&#8211; Baden-W&uuml;rttemberg, Urteil vom 24.&nbsp;Juni 2014 L&nbsp;11&nbsp;EG&nbsp;3136\/13, n.v., Rz&nbsp;35; LSG Hamburg, Urteil vom 19.&nbsp;Dezember 2012 L&nbsp;2&nbsp;EG&nbsp;2\/10, n.v., Rz&nbsp;34). Ausdr&uuml;cklich stellt das BSG fest, dass f&uuml;r den Anspruch auf Bundeserziehungsgeld die Erteilung eines Aufenthaltstitels, in dem die Geltungsdauer auf einen Zeitpunkt vor seiner tats&auml;chlichen Erteilung zur&uuml;ckreicht, keine r&uuml;ckwirkende Kraft entfaltet (BSG-Teilurteil in BSGE 107, 1, unter 2., und BSG-Urteil in NVwZ 1998, 1110, Rz&nbsp;13; vgl. LSG Baden-W&uuml;rttemberg, Urteil vom 24.&nbsp;Juni 2014 L&nbsp;11&nbsp;EG&nbsp;3136\/13, n.v., Rz&nbsp;35). Selbst wenn daher die hier vorliegende nachtr&auml;gliche Erkl&auml;rung der Stadt &#8230; als Anordnung der R&uuml;ckwirkung des Aufenthaltstitels anzusehen sein sollte, l&auml;sst die Erteilung des Titels den Anspruch auf Kindergeld erst f&uuml;r die Zukunft entstehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Nach Auffassung des Senats kommt auch mangels einer planwidrigen Regelungsl&uuml;cke eine analoge Anwendung von &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 EStG nicht in Betracht, wenn nach Ablauf des Leistungszeitraums eine Aufenthaltserlaubnis mit einer r&uuml;ckwirkenden Geltungsdauer erteilt wird. Der Fall, dass eine Aufenthaltserlaubnis eine bestimmte &Uuml;berpr&uuml;fungszeit in Anspruch nimmt, kommt in der Praxis regelm&auml;&szlig;ig vor. Es kann daher nicht angenommen werden, dass dieser Umstand im Gesetzgebungsverfahren au&szlig;er Acht geblieben ist. Auch aus den Gesetzesmaterialien (zum Entwurf eines Gesetzes zur Anspruchsberechtigung von Ausl&auml;ndern wegen Kindergeld, Erziehungsgeld und Unterhaltsvorschuss, BTDrucks 16\/1368, S.&nbsp;1&nbsp;ff.) wird deutlich, dass der Gesetzgeber nicht den Familienkassen die Pr&uuml;fung eines Aufenthaltstitels mit Erwerbsberechtigung auferlegen wollte. Die Gew&auml;hrung von Kindergeld sollte dem Aufenthaltsrecht folgen (BTDrucks 16\/1368, S.&nbsp;9, zu &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 BKGG). Dabei war dem Gesetzgeber auch bewusst, dass die Dauer der Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis mit Erwerbsberechtigung von Zuf&auml;lligkeiten des Verfahrensablaufs abh&auml;ngen kann. Hierauf hatte zum einen das BSG vor der Gesetzes&auml;nderung im Jahr 2006 schon mehrfach hingewiesen (BSG-Urteile vom 9.&nbsp;September 1992&nbsp;&nbsp;14b\/4&nbsp;REg&nbsp;16\/91, SozR&nbsp;3-7833 &sect;&nbsp;1 Nr 10; in InfAuslR 1994, 320). Zum anderen hat die Bundesregierung in ihrer Gegen&auml;u&szlig;erung zu Vorschl&auml;gen des Bundesrates (BTDrucks 16\/368, S.&nbsp;14) ausgef&uuml;hrt, dass der Gesetzentwurf darauf abstelle, &quot;dass nicht allein an die M&ouml;glichkeit der Berechtigung zu einer Erwerbst&auml;tigkeit angekn&uuml;pft werden soll, sondern dass nur diejenigen Anspruch auf Familienleistungen haben sollen, die tats&auml;chlich in Besitz dieser Berechtigung sind oder schon einmal waren&quot;.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Die Auslegung des Senats, dass der in &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 EStG genannte Aufenthaltstitel, der zur Erwerbst&auml;tigkeit berechtigt haben muss, im Leistungszeitraum tats&auml;chlich vorgelegen haben muss, steht nicht in Widerspruch zum Senatsurteil vom 15.&nbsp;M&auml;rz 2012 III&nbsp;R&nbsp;87\/03 (BFH\/NV 2012, 1603), wonach ein r&uuml;ckwirkend entzogener Aufenthaltstitel zwangsl&auml;ufig zur r&uuml;ckwirkenden Aufhebung von Kindergeld f&uuml;hren muss. Die dortige Kl&auml;gerin war zun&auml;chst im Besitz einer nach &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;c EStG erteilten Aufenthaltserlaubnis, die ihr r&uuml;ckwirkend entzogen wurde. Der Senat stellte bei der Frage der Anspruchsvoraussetzungen nicht entscheidend auf den r&uuml;ckwirkenden Entzug ab, sondern auf die fehlende zus&auml;tzliche Voraussetzung nach &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 Buchst.&nbsp;b EStG (Arbeitsmarktintegration, BFH-Urteil in BFH\/NV 2012, 1603, Rz&nbsp;14).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>e) Die Kindergeldberechtigung eines nicht freiz&uuml;gigkeitsberechtigten Ausl&auml;nders von der tats&auml;chlichen Erteilung eines entsprechenden Aufenthaltstitels zu Beginn des Leistungszeitraums abh&auml;ngig zu machen, ist verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Das BVerfG hat sich zwar in keiner seiner Entscheidungen zum Elterngeld (Beschluss vom 10.&nbsp;Juli 2012&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvL 2-4\/10 und 3\/11, BVerfGE 132, 72), zum Erziehungsgeld (Beschluss vom 7.&nbsp;Februar 2012&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvL&nbsp;14\/07, BVerfGE 130, 240) oder zum Kindergeld (Beschluss in BVerfGE 111, 160) dazu ge&auml;u&szlig;ert, dass von Verfassungs wegen nicht auf den Besitz einer entsprechenden Erlaubnis abgestellt werden d&uuml;rfe. Es hat aber die jahrelange Praxis, dass bei nicht freiz&uuml;gigkeitsberechtigten Ausl&auml;ndern die Gew&auml;hrung von Familienleistungen den Entscheidungen zum Ausl&auml;nderrecht folgt, nicht beanstandet, obwohl ihm die Verfahrensdauer der Erteilung eines entsprechenden Aufenthaltstitels bewusst gewesen sein m&uuml;sste (vgl. BSG-Teilurteil in BSGE 107, 1, Rz&nbsp;36). Mit R&uuml;cksicht auf die Typisierungsnotwendigkeiten und die Verwaltungspraktikabilit&auml;t des auf die Beurteilung von Massentatbest&auml;nden zugeschnittenen Kindergeldrechts bei Ausl&auml;ndern ist es verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden, wenn die sachn&auml;here Ausl&auml;nderbeh&ouml;rde den ma&szlig;gebenden Ausl&auml;nderstatus feststellt und die Familienkassen hieran gebunden sind (Tatbestandswirkung).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Die Regelung der Tatbestandswirkung verst&ouml;&szlig;t auch nicht gegen das Rechtsstaatsprinzip (Art.&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 des Grundgesetzes); sie ist insbesondere nicht unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig. Zwar macht sie den Anspruch auf Kindergeld von Zuf&auml;lligkeiten des Verfahrensablaufs abh&auml;ngig. Es ist jedoch zul&auml;ssig und auch nicht ungew&ouml;hnlich, dass ein Anspruch von der Tatbestandswirkung einer anderweitig getroffenen Entscheidung abh&auml;ngt, solange keine willk&uuml;rliche rechtsmissbr&auml;uchliche Verz&ouml;gerung vorliegt (vgl. BSG-Urteil vom 9.&nbsp;September 1992&nbsp;&nbsp;14b\/4&nbsp;Reg&nbsp;10\/91, RegNr 20624). Welche Rechtsfolgen eine solche Verz&ouml;gerung h&auml;tte, kann der Senat dahinstehen lassen. Denn die vorliegende Zeitspanne bis zur Erteilung der Aufenthaltserlaubnis aufgrund der &Uuml;berpr&uuml;fung der Vaterschaft des Kindes war nicht rechtsmissbr&auml;uchlich, da die Vaterschaftsfeststellung nach &sect;&nbsp;28 AufenthG entscheidungserheblich war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Der Rechtsstreit war auch nicht wegen der Vorlagen des Nieders&auml;chsischen FG vom 19.&nbsp;August und vom 21.&nbsp;August 2013&nbsp;&nbsp;7&nbsp;K&nbsp;9\/10, 7&nbsp;K&nbsp;111\/13, 7&nbsp;K&nbsp;112\/13, 7&nbsp;K&nbsp;113\/13, 7&nbsp;K&nbsp;114\/13, 7&nbsp;K&nbsp;116\/13 (teilweise abgedruckt in EFG 2014, 932&nbsp;ff.) an das BVerfG gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;74 FGO auszusetzen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>27<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach der Rechtsprechung des BFH kann eine Aussetzung des Verfahrens entsprechend der Vorschrift des &sect;&nbsp;74 FGO geboten sein, wenn vor dem BVerfG bereits ein nicht als aussichtslos erscheinendes Musterverfahren gegen eine im Streitfall anzuwendende Norm anh&auml;ngig ist, zahlreiche Parallelverfahren (Massenverfahren) vorliegen und keiner der Verfahrensbeteiligten ein besonderes berechtigtes Interesse an einer Entscheidung &uuml;ber die Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit der umstrittenen gesetzlichen Regelung trotz des beim BVerfG anh&auml;ngigen Verfahrens hat (vgl. z.B. BFH-Beschluss vom 6.&nbsp;Oktober 2004 II&nbsp;R&nbsp;10\/03, BFH\/NV 2005, 238; Schoenfeld in Beermann\/Gosch, FGO &sect;&nbsp;74 Rz&nbsp;23 &quot;Bundesverfassungsgericht&quot;). Dabei ist nach der Senatsrechtsprechung eine Aussetzung des Klageverfahrens wegen vor dem BVerfG anh&auml;ngiger Musterverfahren nur dann gerechtfertigt, wenn die Musterverfahren und das Klageverfahren hinsichtlich der verfassungsrechtlichen Streitfrage im Wesentlichen gleichgelagert sind (Senatsbeschluss vom 27.&nbsp;November 1992 III&nbsp;B&nbsp;133\/91, BFHE 169, 498, BStBl II 1993, 240, unter 3.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>28<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Hier fehlt es an einer solchen Vergleichbarkeit der Verfahren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>29<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) In verfassungsrechtlicher Hinsicht kommt dem vom BVerfG in dem Beschluss in BVerfGE 111, 160 nicht beanstandeten Ziel des Gesetzgebers, Kindergeld nur solchen Ausl&auml;ndern zu gew&auml;hren, von denen zu erwarten war, dass sie auf Dauer in Deutschland bleiben w&uuml;rden, ma&szlig;gebliche Bedeutung zu (vgl. dazu Senatsurteil vom 22.&nbsp;November 2007 III&nbsp;R&nbsp;54\/02, BFHE 220, 45, BStBl II 2009, 913, unter II.2.a). Der Senat hat f&uuml;r (reine) Duldungsf&auml;lle &#8211;ohne innerhalb dieser Fallgruppe weiter zu differenzieren (z.B. nach der Dauer der erteilten Duldung)&#8211; allgemein die Auffassung vertreten, dass die fehlende Kindergeldberechtigung geduldeter Ausl&auml;nder nicht gegen die Verfassung verst&ouml;&szlig;t, da sich aus einer Duldung kein (rechtm&auml;&szlig;iger) Daueraufenthalt ableiten l&auml;sst (z.B. Senatsbeschl&uuml;sse vom 26.&nbsp;M&auml;rz 2013 III&nbsp;B&nbsp;158\/12, BFH\/NV 2013, 968, Rz&nbsp;13, m.w.N., und vom 14.&nbsp;Juni 2013 III&nbsp;B&nbsp;119\/12, BFH\/NV 2013, 1417, Rz&nbsp;13).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>30<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Soweit ersichtlich betrifft allein der Vorlagebeschluss des FG Niedersachsen vom 19.&nbsp;August 2013 im Verfahren 7&nbsp;K&nbsp;113\/13 (EFG 2014, 932) ein Klageverfahren, in dem der Kl&auml;ger &#8211;vergleichbar mit dem Streitfall&#8211; w&auml;hrend des Streitzeitraums (nur) geduldet war. In den anderen &#8211;den Vorlagebeschl&uuml;ssen zugrundeliegenden&#8211; Klageverfahren hatten die Kl&auml;ger im Streitzeitraum einen Aufenthaltstitel. Der dem Vorlageverfahren 7&nbsp;K&nbsp;113\/13 zugrundeliegende Fall ist jedoch dadurch gekennzeichnet, dass bei dem Kl&auml;ger eine langj&auml;hrige &quot;Dauerduldung&quot; vorlag.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>31<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Im Streitfall ist hingegen keine langj&auml;hrige &quot;Dauerduldung&quot; gegeben. Vielmehr wurde nur einmal eine Duldung f&uuml;r ein Jahr erteilt, weil noch nicht feststand, ob das Kind durch Geburt deutscher Staatsangeh&ouml;riger ist (vgl. &sect;&nbsp;4 Abs.&nbsp;1 des Staatsangeh&ouml;rigkeitsgesetzes) und dementsprechend der Kl&auml;gerin eine Aufenthaltserlaubnis nach &sect;&nbsp;28 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 AufenthG zu erteilen war. Bis zu einem geeigneten Nachweis war daher v&ouml;llig offen, ob die Kl&auml;gerin in Deutschland bleiben darf. Es fehlte mithin im Streitzeitraum an einer geeigneten Grundlage f&uuml;r die Prognose eines dauerhaften rechtm&auml;&szlig;igen Aufenthalts in Deutschland.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>32<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Kostenentscheidung folgt aus &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;1, &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 5.2.2015, III R 19\/14 Kindergeldberechtigung nicht freiz&uuml;gigkeitsberechtigter Ausl&auml;nder &#8211; Ma&szlig;geblichkeit des tats&auml;chlichen &quot;Besitzes&quot; eines aufenthaltsrechtlichen Titels &#8211; Aussetzung des Klageverfahrens wegen vor dem BVerfG anh&auml;ngiger Musterverfahren Leits&auml;tze Erteilt die Ausl&auml;nderbeh&ouml;rde r&uuml;ckwirkend einen Aufenthaltstitel, der nach &sect; 62 Abs. 2 EStG zur Inanspruchnahme von Kindergeld berechtigt, so hat dies kindergeldrechtlich keine R&uuml;ckwirkung. 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