{"id":64664,"date":"2015-07-10T15:58:02","date_gmt":"2015-07-10T13:58:02","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=64664"},"modified":"2015-07-10T15:58:25","modified_gmt":"2015-07-10T13:58:25","slug":"iii-r-9-13-entlastungsbetrag-fuer-alleinerziehende-unwiderlegbare-vermutung-der-haushaltszugehoerigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-r-9-13-entlastungsbetrag-fuer-alleinerziehende-unwiderlegbare-vermutung-der-haushaltszugehoerigkeit\/","title":{"rendered":"III&nbsp;R&nbsp;9\/13 &#8211; Entlastungsbetrag f&uuml;r Alleinerziehende &#8211; Unwiderlegbare Vermutung der Haushaltszugeh&ouml;rigkeit"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 5.2.2015, III R 9\/13<\/p>\n<p class=\"titel\">Entlastungsbetrag f&uuml;r Alleinerziehende &#8211; Unwiderlegbare Vermutung der Haushaltszugeh&ouml;rigkeit<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>&sect; 24b Abs. 1 Satz 2 EStG vermutet unwiderlegbar, dass ein Kind, das in der Wohnung des alleinstehenden Steuerpflichtigen gemeldet ist, zu dessen Haushalt geh&ouml;rt.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision des Kl&auml;gers werden das Urteil des Nieders&auml;chsischen Finanzgerichts vom 23. Januar 2013&nbsp;&nbsp;3 K 12326\/12 und die Einspruchsentscheidung des Beklagten vom 23. Oktober 2012 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Einkommensteuer wird unter Ab&auml;nderung des Einkommensteuerbescheids des Beklagten vom 24. August 2012 auf 3.485 EUR festgesetzt.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des gesamten Verfahrens hat der Beklagte zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Streitig ist, ob die Meldung des Kindes in der Wohnung des alleinstehenden Steuerpflichtigen f&uuml;r Zwecke des Entlastungsbetrags f&uuml;r Alleinerziehende eine unwiderlegbare Vermutung der Haushaltszugeh&ouml;rigkeit begr&uuml;ndet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) ist seit Februar 2005 verwitwet. Er bezog im Streitjahr 2010 f&uuml;r seine im Januar 1989 geborene Tochter (T) Kindergeld. T wohnte in einer eigenen Wohnung und nicht in der Wohnung des Kl&auml;gers. T war jedoch in der Wohnung des Kl&auml;gers mit Wohnsitz gemeldet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In dem unter dem Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung ergangenen Einkommensteuerbescheid f&uuml;r 2010 vom 13.&nbsp;Februar 2012 ber&uuml;cksichtigte der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) zun&auml;chst erkl&auml;rungsgem&auml;&szlig; den Entlastungsbetrag f&uuml;r Alleinerziehende. Mit Bescheid vom 24.&nbsp;August 2012 &auml;nderte das FA die Einkommensteuerfestsetzung 2010 gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;164 Abs.&nbsp;2 der Abgabenordnung aus verschiedenen Gr&uuml;nden; u.a. erkannte es den Entlastungsbetrag f&uuml;r Alleinerziehende nicht mehr an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der dagegen gerichtete Einspruch, mit welchem der Kl&auml;ger die Gew&auml;hrung des Entlastungsbetrags f&uuml;r Alleinerziehende begehrte, hatte keinen Erfolg (Einspruchsentscheidung vom 23.&nbsp;Oktober 2012). Die hiergegen erhobene Klage wurde vom Finanzgericht (FG) mit seinem in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2013, 1124 ver&ouml;ffentlichten Urteil abgewiesen. Zur Begr&uuml;ndung f&uuml;hrte das FG im Wesentlichen aus, die in &sect;&nbsp;24b Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 des Einkommensteuergesetzes (EStG) aufgestellte Vermutung betreffend die Haushaltszugeh&ouml;rigkeit eines Kindes k&ouml;nne widerlegt werden und sei im Streitfall widerlegt worden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen wendet sich der Kl&auml;ger mit der Revision. Er macht im Wesentlichen geltend, &sect;&nbsp;24b Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG enthalte eine unwiderlegbare Vermutung. Etwas anderes ergebe sich weder aus der vom FG zitierten Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) noch aus m&ouml;glichen Verst&ouml;&szlig;en gegen das Melderecht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt sinngem&auml;&szlig;, das angefochtene Urteil aufzuheben und den Einkommensteuerbescheid 2010 vom 24.&nbsp;August 2012 und die hierzu ergangene Einspruchsentscheidung vom 23.&nbsp;Oktober 2012 dahingehend abzu&auml;ndern, dass die Einkommensteuer 2010 auf den Betrag herabgesetzt wird, der sich ergibt, wenn ein Entlastungsbetrag f&uuml;r Alleinerziehende in H&ouml;he von 1.308&nbsp;EUR ber&uuml;cksichtigt wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zur Begr&uuml;ndung macht es im Wesentlichen geltend, der Meldebescheinigung k&ouml;nne keine Beweiswirkung zukommen, wenn die tats&auml;chlichen Verh&auml;ltnisse offensichtlich von den melderechtlichen Verh&auml;ltnissen abwichen und die Abweichung auf melderechtlichen Vers&auml;umnissen beruhe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung des angegriffenen Urteils und zur Stattgabe der Klage (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Der Senat setzt die Einkommensteuer 2010 unter Gew&auml;hrung des Entlastungsbetrags f&uuml;r Alleinerziehende auf 3.485&nbsp;EUR fest (&sect;&nbsp;121 Satz&nbsp;1 i.V.m. &sect;&nbsp;100 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 FGO). Das FG hat zu Unrecht angenommen, dass die Vermutung des &sect;&nbsp;24b Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG widerlegt werden kann.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Alleinstehende Steuerpflichtige k&ouml;nnen nach &sect;&nbsp;24b Abs.&nbsp;1 Satz 1 EStG einen Entlastungsbetrag in H&ouml;he von 1.308&nbsp;EUR im Kalenderjahr von der Summe der Eink&uuml;nfte abziehen, wenn zu ihrem Haushalt mindestens ein Kind geh&ouml;rt, f&uuml;r das ihnen ein Freibetrag nach &sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;6 EStG oder Kindergeld zusteht. Die Zugeh&ouml;rigkeit zum Haushalt ist nach &sect;&nbsp;24b Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG anzunehmen, wenn das Kind in der Wohnung des alleinstehenden Steuerpflichtigen gemeldet ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Ein Kind, das &#8211;wie im Streitfall&#8211; zwar in der Wohnung des alleinstehenden Steuerpflichtigen gemeldet ist, aber tats&auml;chlich in einer eigenen Wohnung lebt, geh&ouml;rt i.S. des &sect;&nbsp;24b Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG zum Haushalt des Steuerpflichtigen. Die Meldung nach &sect;&nbsp;24b Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG begr&uuml;ndet eine unwiderlegbare Vermutung der Haushaltszugeh&ouml;rigkeit (gl.A. Bl&uuml;mich\/ Selder, &sect;&nbsp;24b EStG Rz&nbsp;23; Schmidt\/Loschelder, EStG, 33.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;24b Rz&nbsp;12; a.A. D&uuml;rr in Frotscher, EStG, Freiburg 2011, &sect;&nbsp;24b Rz&nbsp;10; Kr&ouml;mker in Herrmann\/Heuer\/Raupach, &sect;&nbsp;24b EStG Rz&nbsp;11; Seiler in Kirchhof, EStG, 14.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;24b Rz&nbsp;4; Jachmann\/Henschler, in: Kirchhof\/S&ouml;hn\/Mellinghoff, EStG, &sect;&nbsp;24b Rz&nbsp;B&nbsp;4; Steiner in Lademann, EStG, &sect;&nbsp;24b Rz&nbsp;11). Das vom Senat vertretene Gesetzesverst&auml;ndnis beruht auf einer am Wortlaut, den Gesetzesmaterialien und der Gesetzessystematik orientierten Auslegung des &sect;&nbsp;24b Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Der Wortlaut des &sect;&nbsp;24b Abs.&nbsp;1 Satz 2 EStG deutet erkennbar darauf hin, dass es sich um eine unwiderlegbare Vermutung handelt (&quot;Die Zugeh&ouml;rigkeit zum Haushalt ist anzunehmen, wenn &#8230;&quot;). Er enth&auml;lt keine Anhaltspunkte daf&uuml;r, dass bei Vorliegen einer Meldung die vom Gesetz unterstellte Haushaltszugeh&ouml;rigkeit widerlegt werden kann.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) In den Gesetzesmaterialien zu dem im Streitjahr anwendbaren &sect;&nbsp;24b Abs.&nbsp;1 EStG in der Fassung des Gesetzes zur &Auml;nderung der Abgabenordnung und weiterer Gesetze vom 21.&nbsp;Juli 2004 (BGBl I 2004, 1753) hei&szlig;t es: &quot;Bei Meldung des Steuerpflichtigen und seines Kindes mit Haupt- oder Nebenwohnsitz unter einer gemeinsamen Adresse wird durch die Neuregelung gesetzlich fingiert, dass das Kind zum Haushalt geh&ouml;rt (r&auml;umliches Zusammenleben bei gemeinsamer Versorgung).&quot; (BTDrucks 15\/3339, S.&nbsp;11). Der Gesetzgeber wollte mithin eine unwiderlegbare Vermutung schaffen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Dass &sect;&nbsp;24b Abs.&nbsp;1 Satz 2 EStG als unwiderlegbare Vermutung gewollt ist, folgt auch aus dem systematischen Zusammenhang mit &sect;&nbsp;24b Abs.&nbsp;1 Satz 3 EStG und &sect;&nbsp;24b Abs.&nbsp;2 EStG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) &sect;&nbsp;24b Abs.&nbsp;1 Satz 3 EStG trifft eine Kollisionsregelung f&uuml;r den Fall, dass ein Kind bei mehreren Steuerpflichtigen gemeldet ist. Es kommt dann auf die tats&auml;chliche Haushaltsaufnahme (&sect;&nbsp;64 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 EStG) an. Wenn die Vermutung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;24b Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG grunds&auml;tzlich widerlegbar w&auml;re, h&auml;tte es dieser Regelung nicht bedurft.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) W&auml;hrend nach &sect;&nbsp;24b Abs.&nbsp;1 Satz 2 EStG infolge der Meldung die Haushaltszugeh&ouml;rigkeit anzunehmen ist, vermutet &sect;&nbsp;24b Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 EStG das Bestehen einer Haushaltsgemeinschaft, wobei diese Vermutung nach &sect;&nbsp;24b Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;3 EStG ausdr&uuml;cklich widerlegbar ist. Beide Regelungen stehen in engem Zusammenhang und betreffen unterschiedliche Voraussetzungen f&uuml;r die Gew&auml;hrung des Entlastungsbetrags f&uuml;r Alleinerziehende. H&auml;tte daher der Gesetzgeber das Tatbestandsmerkmal der Haushaltszugeh&ouml;rigkeit i.S. des &sect;&nbsp;24b Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG ebenfalls als widerlegbare Vermutung ausgestalten wollen, h&auml;tte er dies &#8211;wie in Abs.&nbsp;2 S&auml;tze&nbsp;2 und 3 geschehen&#8211; auch in Abs.&nbsp;1 zum Ausdruck bringen m&uuml;ssen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hieran fehlt es. Die unterschiedliche Ausgestaltung dieser &quot;Vermutungsregeln&quot; belegt, dass auch unterschiedliche Rechtsfolgen herbeigef&uuml;hrt werden sollten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Der Anspruch auf den Entlastungsbetrag wird auch durch den vom FG f&uuml;r den Senat bindend (&sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO; vgl. Urteil des Bundesfinanzhofs vom 10.&nbsp;Juli 2002 X&nbsp;R&nbsp;89\/98, BFHE 199, 441, BStBl II 2003, 72, unter II.3.b) festgestellten Versto&szlig; gegen das Nieders&auml;chsische Meldegesetz nicht ausgeschlossen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Dies ergibt sich zum einen aus dem Wesen einer unwiderlegbaren Vermutung. Eine unwiderlegbare Vermutung kann ihren Zweck nur erf&uuml;llen, wenn sie davon unabh&auml;ngig ist, ob eine Abweichung vom tats&auml;chlichen Sachverhalt vorliegt und worauf diese beruht (vgl. Pr&uuml;tting in M&uuml;nchener Kommentar zur ZPO, 3.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;292 Rz&nbsp;4).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Zum anderen bestehen nach Wortlaut und Systematik keine Anhaltspunkte daf&uuml;r, dass die Vermutung der Haushaltszugeh&ouml;rigkeit widerlegbar sein soll.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dies deutet darauf hin, dass das Gesetz auch bei Verst&ouml;&szlig;en gegen das Melderecht die Unwiderlegbarkeit der Vermutung nicht beseitigen will.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. &sect;&nbsp;24b Abs.&nbsp;1 Satz 2 EStG begegnet als unwiderlegbare Vermutung keinen verfassungsrechtlichen Bedenken.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die unwiderlegbare Vermutung ist gerechtfertigt durch ihren Vereinfachungszweck und die Typisierungsbefugnis des Gesetzgebers (vgl. BVerfG-Beschluss vom 12.&nbsp;Oktober 2010&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvL&nbsp;12\/07, BVerfGE 127, 224, unter D.I., m.w.N. aus der Rechtsprechung des BVerfG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Etwas anderes ergibt sich auch nicht aus dem Beschluss des BVerfG vom 22.&nbsp;Mai 2009&nbsp;&nbsp;2&nbsp;BvR&nbsp;310\/07, BStBl II 2009, 884. Die vom BVerfG dort angestellte Erw&auml;gung, soweit &sect;&nbsp;24b EStG auf die tats&auml;chlichen Verh&auml;ltnisse abstelle, sei die Finanzbeh&ouml;rde nicht durch das Gesetz gehindert, diese Verh&auml;ltnisse aufzukl&auml;ren, betrifft nur &sect;&nbsp;24b Abs.&nbsp;2 EStG. Sie steht im Zusammenhang mit der Frage, ob &sect;&nbsp;24b EStG im Hinblick auf die Beanstandungen des Bundesrechnungshofs in seinen Bemerkungen 2006 zur Haushalts- und Wirtschaftsf&uuml;hrung des Bundes (BTDrucks&nbsp;16\/3200, S.&nbsp;212) unter einem strukturellen Vollzugsdefizit leide. Diese Beanstandungen bezogen sich nicht auf das Tatbestandsmerkmal der Haushaltszugeh&ouml;rigkeit von Kindern gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;24b Abs.&nbsp;1 EStG, sondern auf das Tatbestandsmerkmal des Alleinstehens der Steuerpflichtigen gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;24b Abs.&nbsp;2 EStG. Die Frage der Haushaltszugeh&ouml;rigkeit von Kindern und ihres Nachweises war in dem der Entscheidung des BVerfG zugrunde liegenden Fall nicht strittig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Der Senat nimmt die Einkommensteuerfestsetzung 2010, die keinen gro&szlig;en Aufwand erfordert, selbst vor (&sect;&nbsp;121 Satz 1 i.V.m. &sect;&nbsp;100 Abs.&nbsp;2 Satz 1 FGO). Der Steuerberechnung ist ein gegen&uuml;ber dem angefochtenen Steuerbescheid um 1.308&nbsp;EUR niedrigeres zu versteuerndes Einkommen in H&ouml;he von 16.570&nbsp;EUR zugrunde zu legen. Bei im &Uuml;brigen unver&auml;nderten Besteuerungsgrundlagen ergeben sich damit ein besonderer Steuersatz (&sect;&nbsp;32b EStG) von 18,36&nbsp;% und eine Einkommensteuer nach dem Grundtarif in H&ouml;he von 3.042&nbsp;EUR. Damit ist die Einkommensteuer &#8211;unter Ber&uuml;cksichtigung der Steuererm&auml;&szlig;igung f&uuml;r Handwerkerleistungen (.\/.&nbsp;53&nbsp;EUR) sowie des gesonderten Tarifs f&uuml;r Eink&uuml;nfte aus Kapitalverm&ouml;gen (+&nbsp;157&nbsp;EUR) und der Altersvorsorgezulage (+&nbsp;339&nbsp;EUR)&#8211; auf 3.485&nbsp;EUR festzusetzen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>6. Die Kostenentscheidung ergibt sich aus &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;1, &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 5.2.2015, III R 9\/13 Entlastungsbetrag f&uuml;r Alleinerziehende &#8211; Unwiderlegbare Vermutung der Haushaltszugeh&ouml;rigkeit Leits&auml;tze &sect; 24b Abs. 1 Satz 2 EStG vermutet unwiderlegbar, dass ein Kind, das in der Wohnung des alleinstehenden Steuerpflichtigen gemeldet ist, zu dessen Haushalt geh&ouml;rt. Tenor Auf die Revision des Kl&auml;gers werden das Urteil des Nieders&auml;chsischen Finanzgerichts vom 23. &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-r-9-13-entlastungsbetrag-fuer-alleinerziehende-unwiderlegbare-vermutung-der-haushaltszugehoerigkeit\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">III&nbsp;R&nbsp;9\/13 &#8211; Entlastungsbetrag f&uuml;r Alleinerziehende &#8211; Unwiderlegbare Vermutung der Haushaltszugeh&ouml;rigkeit<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-64664","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64664","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=64664"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64664\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=64664"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=64664"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=64664"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}