{"id":64668,"date":"2015-07-10T15:58:04","date_gmt":"2015-07-10T13:58:04","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=64668"},"modified":"2015-07-10T15:58:27","modified_gmt":"2015-07-10T13:58:27","slug":"iii-r-31-13-elterngeldzahlungen-als-bezuege-eines-behinderten-kindes-antragsbefugnis-und-klagebefugnis-des-auszahlungsberechtigten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-r-31-13-elterngeldzahlungen-als-bezuege-eines-behinderten-kindes-antragsbefugnis-und-klagebefugnis-des-auszahlungsberechtigten\/","title":{"rendered":"III&nbsp;R&nbsp;31\/13 &#8211; Elterngeldzahlungen als Bez&uuml;ge eines behinderten Kindes &#8211; Antragsbefugnis und Klagebefugnis des Auszahlungsberechtigten"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 5.2.2015, III R 31\/13<\/p>\n<p class=\"titel\">Elterngeldzahlungen als Bez&uuml;ge eines behinderten Kindes &#8211; Antragsbefugnis und Klagebefugnis des Auszahlungsberechtigten<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Das Elterngeld, das ein behindertes Kind, f&uuml;r das Kindergeld begehrt wird, wegen der Betreuung und Erziehung seines eigenen Kindes erh&auml;lt, geh&ouml;rt in vollem Umfang zu den Bez&uuml;gen, die zur Abdeckung des Grundbedarfs des behinderten Kindes geeignet sind.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision der Kl&auml;gerin wird das Urteil des Finanzgerichts D&uuml;sseldorf vom 23. Mai 2013&nbsp;&nbsp;14 K 2164\/11 Kg aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Sache wird an das Finanzgericht D&uuml;sseldorf zur&uuml;ckverwiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Diesem wird die Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Revisionsverfahrens &uuml;bertragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die im Jahr 1989 geborene Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin) ist mit einem Grad der Behinderung von 100 schwerbehindert (Merkzeichen Bl, H, G und B). Sie ist Mutter von drei Kindern, die im Februar 2010, Februar 2011 und Oktober 2012 geboren sind. Sie bezog Blindengeld, Leistungen nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB&nbsp;II) sowie Elterngeld nach dem Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz in der f&uuml;r die Jahre 2010 und 2011 geltenden Fassung (BEEG). Letzteres belief sich zun&auml;chst auf 300&nbsp;EUR und nach der Geburt des zweiten Kindes auf 375&nbsp;EUR. Der Beigeladene, der Vater der Kl&auml;gerin, beantragte f&uuml;r diese Kindergeld. Die Beklagte und Revisionsbeklagte (Familienkasse) lehnte den Antrag mit Bescheid vom 16.&nbsp;November 2010 ab, weil die Behinderung der Kl&auml;gerin nicht urs&auml;chlich daf&uuml;r sei, dass sie sich nicht selbst unterhalten k&ouml;nne. Einen Abdruck des Ablehnungsbescheides &uuml;bersandte die Familienkasse der Kl&auml;gerin. Diese legte gegen den Bescheid Einspruch ein. Sie war der Ansicht, sie sei wegen ihrer Sehbehinderung nicht dazu in der Lage, sich selbst zu unterhalten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Rechtsbehelf hatte keinen Erfolg (Einspruchsentscheidung vom 23.&nbsp;Mai 2011), ebenso wenig die Klage, durch welche die Familienkasse verpflichtet werden sollte, Kindergeld ab Mai 2010 festzusetzen (Urteil des Finanzgerichts &#8211;FG&#8211; D&uuml;sseldorf vom 23.&nbsp;Mai 2013&nbsp;&nbsp;14&nbsp;K&nbsp;2164\/11&nbsp;Kg, Entscheidungen der Finanzgerichte &#8211;EFG&#8211; 2013, 1243). Das FG war der Ansicht, die Kl&auml;gerin sei als Abzweigungsberechtigte zugunsten des Beigeladenen einspruchs- und klagebefugt. Sie sei zwar nicht imstande, sich selbst zu unterhalten, jedoch sei die Behinderung hierf&uuml;r nicht urs&auml;chlich. Das Blindengeld von j&auml;hrlich 7.307,52&nbsp;EUR decke den behinderungsbedingten Mehrbedarf in vollem Umfang ab; einen dar&uuml;ber hinausgehenden Mehrbedarf habe die Kl&auml;gerin nicht nachgewiesen. Die Leistungen nach dem SGB&nbsp;II, welche die Kl&auml;gerin bezogen habe und die sich zwischen monatlich 310,52&nbsp;EUR und 534,60&nbsp;EUR bewegt h&auml;tten, l&auml;gen unter dem Grundbedarf von monatlich 667&nbsp;EUR. Das Elterngeld von 300&nbsp;EUR bzw. 375&nbsp;EUR sei nicht bei den Bez&uuml;gen zu ber&uuml;cksichtigen. Somit sei die Kl&auml;gerin nicht dazu imstande, sich selbst zu unterhalten. Ihre Behinderung sei hierf&uuml;r jedoch nicht urs&auml;chlich. Das FG st&uuml;tzte seine Auffassung auf ein von ihm eingeholtes Sachverst&auml;ndigengutachten. Es war der Ansicht, wegen der gutachterlich festgestellten M&ouml;glichkeit einer vollschichtigen Berufst&auml;tigkeit sei die Annahme ausgeschlossen, die Behinderung sei eine erhebliche Ursache f&uuml;r die fehlende M&ouml;glichkeit zum Selbstunterhalt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zur Begr&uuml;ndung der Revision verweist die Kl&auml;gerin auf das Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 31.&nbsp;August 2006 III&nbsp;R&nbsp;71\/05 (BFHE 214, 544, BStBl II 2010, 1054), in dem Kindergeld f&uuml;r ein blindes Kind zugesprochen worden sei. Im Urteil vom 19.&nbsp;November 2008 III&nbsp;R&nbsp;105\/07 (BFHE 223, 365, BStBl II 2010, 1057) habe der BFH bei einem Grad der Behinderung von 100 mit dem Merkzeichen H von einer Kausalit&auml;tsregel gesprochen und au&szlig;erdem entschieden, dass eine gutachterlich best&auml;tigte M&ouml;glichkeit, eine vollschichtige T&auml;tigkeit auszu&uuml;ben, allein nicht geeignet sei, die Urs&auml;chlichkeit der Behinderung auszuschlie&szlig;en.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt, das angefochtene Urteil, den Ablehnungsbescheid vom 16.&nbsp;November 2010 sowie die dazu ergangene Einspruchsentscheidung vom 23.&nbsp;Mai 2011 aufzuheben und die Familienkasse zu verpflichten, gegen&uuml;ber dem Beigeladenen Kindergeld ab Mai 2010 in gesetzlicher H&ouml;he festzusetzen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Familienkasse beantragt, die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beigeladene hat sich im Revisionsverfahren nicht ge&auml;u&szlig;ert.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beigeladene hat nicht auf m&uuml;ndliche Verhandlung verzichtet. Dem Senat erscheint es sachgerecht, durch Gerichtsbescheid zu erkennen (&sect;&nbsp;90a Abs.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und Zur&uuml;ckverweisung der Streitsache an das FG zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Kl&auml;gerin ist befugt, in eigenem Namen im Klagewege die Festsetzung von Kindergeld zugunsten des Beigeladenen zu betreiben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach &sect;&nbsp;67 Satz&nbsp;2 des Einkommensteuergesetzes (EStG) in der f&uuml;r die Jahre 2010 und 2011 geltenden Fassung kann au&szlig;er dem Berechtigten auch derjenige einen Antrag auf Kindergeld stellen, der ein berechtigtes Interesse an der Leistung des Kindergeldes hat. Das kann gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;74 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 und 3 EStG auch ein Kind sein, wenn der Kindergeldberechtigte dem Kind gegen&uuml;ber mangels Leistungsf&auml;higkeit nicht unterhaltsverpflichtet ist (Senatsurteil vom 26.&nbsp;November 2009 III&nbsp;R&nbsp;67\/07, BFHE 228, 42, BStBl II 2010, 476). Diese Voraussetzungen hat das FG bejaht. Aus der Antragsbefugnis der Kl&auml;gerin folgt zugleich die Klagebefugnis in einem finanzgerichtlichen Verfahren, in dem die Rechtm&auml;&szlig;igkeit eines Kindergeld-Ablehnungsbescheides streitig ist (Senatsbeschluss vom 30.&nbsp;Oktober 2008 III&nbsp;R&nbsp;105\/07, BFH\/NV 2009, 193).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Das FG hat zu Unrecht die Leistungen nach dem BEEG, welche die Kl&auml;gerin f&uuml;r die Betreuung und Erziehung von zun&auml;chst einem und sp&auml;ter von zwei Kindern erhalten hat, bei der Pr&uuml;fung einer (Un-)F&auml;higkeit zum Selbstunterhalt au&szlig;er Betracht gelassen. Dar&uuml;ber hinaus hat es rechtsfehlerhaft aus dem Umstand, dass in einem Gutachten eine vollschichtige T&auml;tigkeit der Kl&auml;gerin f&uuml;r m&ouml;glich gehalten wird, den Schluss gezogen, die Behinderung der Kl&auml;gerin sei nicht urs&auml;chlich f&uuml;r deren mangelnde F&auml;higkeit, sich selbst zu unterhalten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Nach &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;1, &sect;&nbsp;63 Abs.&nbsp;1 i.V.m. &sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 EStG wird Kindergeld f&uuml;r ein Kind gew&auml;hrt, das wegen k&ouml;rperlicher, geistiger oder seelischer Behinderung au&szlig;erstande ist, sich selbst zu unterhalten, sofern die Behinderung &#8211;wie im Streitfall&#8211; vor Vollendung des 25.&nbsp;Lebensjahres eingetreten ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Ein Kind ist au&szlig;erstande, sich selbst zu unterhalten, wenn es seinen Lebensunterhalt nicht bestreiten kann. Der gesamte Lebensbedarf eines behinderten Kindes setzt sich aus dem Grundbedarf und dem individuellen behinderungsbedingten Mehrbedarf zusammen (BFH-Urteil vom 15.&nbsp;Oktober 1999 VI&nbsp;R&nbsp;183\/97, BFHE 189, 442, BStBl II 2000, 72). Der Grundbedarf orientiert sich in den Jahren 2010 und 2011 am Jahresgrenzbetrag nach &sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;2 EStG von 8.004&nbsp;EUR (vgl. BFH-Urteil vom 14.&nbsp;Dezember 2004 VIII&nbsp;R&nbsp;59\/02, BFH\/NV 2005, 1090), welcher der H&ouml;he nach dem Grundfreibetrag nach &sect;&nbsp;32a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 EStG entspricht. Er bel&auml;uft sich monatlich auf 667&nbsp;EUR. Die Pr&uuml;fung des Imstandeseins zum Selbstunterhalt ist f&uuml;r jeden einzelnen Monat durchzuf&uuml;hren (BFH-Urteil vom 4.&nbsp;November 2003 VIII&nbsp;R&nbsp;43\/02, BFHE 204, 120, BStBl II 2010, 1046; Senatsurteil vom 11.&nbsp;April 2013 III&nbsp;R&nbsp;35\/11, BFHE 241, 499, BStBl II 2013, 1037). Erreichen die Eink&uuml;nfte und Bez&uuml;ge des Kindes die Summe aus Grundbedarf und behinderungsbedingtem Mehrbedarf, so kann das Kind sich selbst unterhalten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Das FG hat im Streitfall zutreffend angenommen, dass das Blindengeld von monatlich 608,96&nbsp;EUR den durch die Blindheit verursachten Mehrbedarf der Kl&auml;gerin auch insoweit abdeckt, als es den anteiligen Pauschbetrag nach &sect;&nbsp;33b Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 EStG von monatlich 308,33&nbsp;EUR &uuml;bersteigt. Denn nach dem Senatsurteil in BFHE 214, 544, BStBl II 2010, 1054, an dem der Senat festh&auml;lt, ist zu vermuten, dass in H&ouml;he des tats&auml;chlich ausgezahlten Blindengeldes ein behinderungsbedingter Mehraufwand besteht. Weiterer behinderungsbedingter Mehrbedarf ist nach den Feststellungen des FG nicht anzusetzen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Zu den Bez&uuml;gen, mit deren Hilfe die Kl&auml;gerin ihren existenziellen Grundbedarf abdecken kann, geh&ouml;ren auch die Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts und f&uuml;r die Kosten f&uuml;r Unterkunft und Heizung nach dem SGB&nbsp;II (vgl. BFH-Urteile vom 26.&nbsp;November 2003 VIII&nbsp;R&nbsp;32\/02, BFHE 204, 454, BStBl II 2004, 588, zu Leistungen nach dem Bundessozialhilfegesetz, und vom 20.&nbsp;M&auml;rz 2013 XI&nbsp;R&nbsp;51\/10, BFH\/NV 2013, 1088, zur Grundsicherung nach &sect;&sect;&nbsp;41&nbsp;ff. des Zw&ouml;lften Buches Sozialgesetzbuch; Senatsurteil vom 8.&nbsp;August 2013 III&nbsp;R&nbsp;30\/12, BFH\/NV 2014, 498). Aus den in den Akten enthaltenen Bewilligungsbescheiden, auf die sich das FG in den Entscheidungsgr&uuml;nden seines Urteils bezogen hat, geht hervor, dass sich diese Leistungen im streitigen Zeitraum (Mai 2010 bis Mai 2011) auf mindestens 310,52&nbsp;EUR (April 2011) und h&ouml;chstens 534,60&nbsp;EUR beliefen (Monate November und Dezember 2010).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Entgegen der Rechtsauffassung des FG z&auml;hlt auch das Elterngeld zu den Bez&uuml;gen der Kl&auml;gerin und ist daher bei der Pr&uuml;fung der (Un-)F&auml;higkeit zum Selbstunterhalt einzubeziehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Das FG war der Ansicht, nur Elterngeld, das den Betrag von 300&nbsp;EUR &uuml;berschreitet, f&uuml;hre zu anzusetzenden Bez&uuml;gen. Es bezog sich hierzu auf die zur Eink&uuml;nfte- und Bez&uuml;gegrenze des &sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;2 EStG ergangene Verwaltungsanweisung nach Abschn.&nbsp;63.4.2.3.1 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 der Dienstanweisung zur Durchf&uuml;hrung des Familienleistungsausgleichs nach dem X.&nbsp;Abschnitt des Einkommensteuergesetzes (DA-FamEStG 2009, BStBl I 2009, 1033).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Als Grund f&uuml;r diese Verwaltungsreglung kommt &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;1 BEEG in Betracht, der bestimmt, dass das Elterngeld bei Sozialleistungen, deren Zahlung von anderen Einkommen abh&auml;ngig ist, bis zu einer H&ouml;he von insgesamt 300&nbsp;EUR im Monat unber&uuml;cksichtigt bleibt. Die Vorschrift ist bei der Pr&uuml;fung der (Un-) F&auml;higkeit zum Selbstunterhalt eines Kindes, f&uuml;r das Kindergeld nach &sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 EStG begehrt wird, jedoch schon deshalb nicht anwendbar, weil der Anspruch auf Kindergeld origin&auml;r dem Kindergeldberechtigten &#8211;in der Regel einem Elternteil&#8211; zusteht und nicht dem Kind, das wegen eines eigenen Kindes Elterngeld bezieht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) In den neueren Verwaltungsanweisungen wird das Elterngeld in vollem Umfang in die Ermittlung der Bez&uuml;ge eines behinderten Kindes einbezogen (s. zuletzt Kap.&nbsp;A&nbsp;18.5.2 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 der Dienstanweisung zum Kindergeld nach dem EStG, Stand 2014, BStBl I 2014, 918; zuvor Abschn.&nbsp;63.3.6.4 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 i.V.m. Abschn.&nbsp;31.2.4.2 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 DA-FamEStG, Stand 2012, BStBl I 2012, 739).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Sache ist nicht spruchreif.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Aus den Feststellungen des FG geht zwar hervor, dass die Kl&auml;gerin Elterngeld bezogen hat, nicht aber, ob dieses in allen Monaten des Streitzeitzeitraums bei ihren Bez&uuml;gen zu ber&uuml;cksichtigen ist. Aus den Bescheiden &uuml;ber die Festsetzung von Leistungen nach dem SGB&nbsp;II ist zu ersehen, dass das Elterngeld in einzelnen Zeitr&auml;umen des Jahres 2011, in dem es nach &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;5 BEEG auf die Leistungen nach dem SGB&nbsp;II anzurechnen war, als Einkommen angesetzt worden ist und in anderen nicht. Dies k&ouml;nnte darauf hindeuten, dass das Elterngeld der Kl&auml;gerin nicht laufend zugeflossen ist. Das FG wird im zweiten Rechtsgang die entsprechenden Feststellungen nachzuholen haben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Auch hinsichtlich des Monats Januar 2011 besteht keine Spruchreife. Zwar liegt in diesem Monat die Summe aus den Leistungen nach dem SGB&nbsp;II (334,62&nbsp;EUR) und nach dem BEEG (300&nbsp;EUR) unter dem Grundbedarf von 667&nbsp;EUR. In diesem Monat war die Kl&auml;gerin nicht dazu imstande, sich selbst zu unterhalten. Dennoch ist die Streitsache auch insoweit nicht entscheidungsreif, da die Frage, ob die Behinderung der Kl&auml;gerin urs&auml;chlich f&uuml;r die Unf&auml;higkeit zum Selbstunterhalt ist, nicht gekl&auml;rt ist. Nach der Senatsrechtsprechung gen&uuml;gt die von einem Gutachter best&auml;tigte M&ouml;glichkeit, eine vollschichtige T&auml;tigkeit auszu&uuml;ben, allein noch nicht, um die Urs&auml;chlichkeit auszuschlie&szlig;en (Senatsurteil in BFHE 223, 365, BStBl II 2010, 1057). In Widerspruch hierzu hat das FG gemeint, wegen der gutachterlich festgestellten M&ouml;glichkeit einer vollschichtigen Berufst&auml;tigkeit sei die Annahme ausgeschlossen, die Behinderung sei eine erhebliche Ursache f&uuml;r die fehlende M&ouml;glichkeit zum Selbstunterhalt. Die vom FG in Betracht gezogene Besch&auml;ftigung der Kl&auml;gerin als Telefonistin ist aus der Sicht des Senats eher von theoretischer Natur.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 5.2.2015, III R 31\/13 Elterngeldzahlungen als Bez&uuml;ge eines behinderten Kindes &#8211; Antragsbefugnis und Klagebefugnis des Auszahlungsberechtigten Leits&auml;tze Das Elterngeld, das ein behindertes Kind, f&uuml;r das Kindergeld begehrt wird, wegen der Betreuung und Erziehung seines eigenen Kindes erh&auml;lt, geh&ouml;rt in vollem Umfang zu den Bez&uuml;gen, die zur Abdeckung des Grundbedarfs des behinderten Kindes &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-r-31-13-elterngeldzahlungen-als-bezuege-eines-behinderten-kindes-antragsbefugnis-und-klagebefugnis-des-auszahlungsberechtigten\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">III&nbsp;R&nbsp;31\/13 &#8211; Elterngeldzahlungen als Bez&uuml;ge eines behinderten Kindes &#8211; Antragsbefugnis und Klagebefugnis des Auszahlungsberechtigten<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-64668","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64668","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=64668"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64668\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=64668"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=64668"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=64668"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}