{"id":64685,"date":"2015-07-10T16:02:57","date_gmt":"2015-07-10T14:02:57","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=64685"},"modified":"2015-07-10T16:02:57","modified_gmt":"2015-07-10T14:02:57","slug":"x-r-23-13-forderungserlass-nach-dem-sog-sanierungserlass","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-r-23-13-forderungserlass-nach-dem-sog-sanierungserlass\/","title":{"rendered":"X&nbsp;R&nbsp;23\/13 &#8211; Forderungserlass nach dem sog. Sanierungserlass"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Entscheidung vom 25.3.2015, X R 23\/13<\/p>\n<p class=\"titel\">Forderungserlass nach dem sog. Sanierungserlass<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Dem Gro&szlig;en Senat wird folgende Rechtsfrage zur Entscheidung vorgelegt:<\/p>\n<\/p>\n<p>Verst&ouml;&szlig;t das BMF-Schreiben vom 27. M&auml;rz 2003 IV A 6-S 2140-8\/03 (BStBl I 2003, 240; erg&auml;nzt durch das BMF-Schreiben vom 22. Dezember 2009 IV C 6-S 2140\/07\/10001-01, BStBl I 2010, 18; sog. Sanierungserlass) gegen den Grundsatz der Gesetzm&auml;&szlig;igkeit der Verwaltung?<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Dem Gro&szlig;en Senat wird nach &sect; 11 Abs. 4 der Finanzgerichtsordnung folgende Rechtsfrage zur Entscheidung vorgelegt:<\/p>\n<\/p>\n<p>Verst&ouml;&szlig;t das Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen vom 27. M&auml;rz 2003 IV A 6-S 2140-8\/03 (BStBl I 2003, 240; erg&auml;nzt durch das Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen vom 22. Dezember 2009 IV C 6-S 2140\/07\/10001-01, BStBl I 2010, 18; sog. Sanierungserlass) gegen den Grundsatz der Gesetzm&auml;&szlig;igkeit der Verwaltung?<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>A. Sachverhalt und Verfahrensstand<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger), der im Streitjahr 2007 zusammen mit seiner Ehefrau zur Einkommensteuer veranlagt wurde, betrieb einen Baufachhandel, dessen Gewinn er nach &sect;&nbsp;4 Abs.&nbsp;1 des Einkommensteuergesetzes (EStG) ermittelte. Der Kl&auml;ger wies vom Jahr 2001 bis 2006 fortlaufend Verluste aus Gewerbebetrieb aus.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ausweislich einer R&uuml;ckzahlungsvereinbarung mit der Sparkasse vom 23.&nbsp;November 2005 hatte der Kl&auml;ger zum 1.&nbsp;Oktober 2005 f&auml;llige Verbindlichkeiten gegen&uuml;ber der Sparkasse in H&ouml;he von 729.297,62&nbsp;EUR und gegen&uuml;ber der KfW-Bankengruppe in H&ouml;he von 1.026.412,55&nbsp;EUR. In &sect;&nbsp;6 der &#8211;weiteren&#8211; R&uuml;ckzahlungsvereinbarung mit der Sparkasse vom 23.&nbsp;November 2005 verzichteten die Sparkasse und die KfW-Bankengruppe auf &quot;die nicht bedienbaren Forderungen&quot; in H&ouml;he von 618.301,28&nbsp;EUR f&uuml;r den Fall, dass der Kl&auml;ger seinen Verpflichtungen aus der Vereinbarung ordnungsgem&auml;&szlig; und termingerecht nachkommt. Mit Schreiben vom 12.&nbsp;Dezember 2007 teilte die Sparkasse dem Kl&auml;ger mit, die Vergleichszahlung in H&ouml;he von 35.000&nbsp;EUR sei eingegangen und die KfW-Bankengruppe habe auf die Restforderung aus dem Darlehen Nr.&nbsp;&#8230; verzichtet. Das Darlehen sei mit Wertstellung 5.&nbsp;November 2007 ausgebucht worden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit (ge&auml;ndertem) Bescheid vom 29.&nbsp;April 2010 setzte der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) die Einkommensteuer f&uuml;r 2007 auf 18.903&nbsp;EUR und den Solidarit&auml;tszuschlag auf 836,38&nbsp;EUR fest. Dabei legte es Eink&uuml;nfte des Kl&auml;gers aus Gewerbebetrieb &#8211;entsprechend dem eingereichten Jahresabschluss, in dem Ertr&auml;ge aus Forderungsverzichten von Banken in H&ouml;he von 619.814,76&nbsp;EUR enthalten waren&#8211; als Einzelunternehmer in H&ouml;he von 598.522&nbsp;EUR zugrunde. Den gegen die Steuerfestsetzung gerichteten Einspruch des Kl&auml;gers wies das FA als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ck. Klage wurde nicht erhoben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Schreiben vom 18.&nbsp;M&auml;rz 2009 hatte der Kl&auml;ger den Erlass der auf den Sanierungsgewinn des Jahres 2007 entfallenden Einkommensteuer beantragt. Er legte ein &#8211;von ihm selbst aufgestelltes&#8211; Konsolidierungskonzept vom 14.&nbsp;September 2009 vor, in dem es hei&szlig;t, dass die laufenden Verpflichtungen &quot;bisher durch Zuf&uuml;hrung von privaten Geldeinlagen realisiert werden&quot; konnten (Ziff.&nbsp;1.2). In dem Konzept ist als Voraussetzung der Forderungsverzicht der Sparkasse und des FA genannt (Ziff.&nbsp;5).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA lehnte den Erlassantrag ab. Den dagegen gerichteten Einspruch wies es mit der Begr&uuml;ndung zur&uuml;ck, die im Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) vom 27.&nbsp;M&auml;rz 2003 IV&nbsp;A&nbsp;6-S&nbsp;2140-8\/03 (BStBl I 2003, 240; sog. Sanierungserlass) genannten Voraussetzungen, insbesondere die Sanierungseignung des Verzichts der KfW-Bankengruppe, w&uuml;rden nicht vorliegen. Es fehle an der Sanierungseignung des Forderungsverzichts, weil der Kl&auml;ger auch im Folgejahr einen Verlust erzielt habe. Zudem h&auml;tte der Kl&auml;ger im Streitjahr Teilwertabschreibungen auf den betrieblichen Grundbesitz vornehmen k&ouml;nnen. H&auml;tte er diese M&ouml;glichkeit genutzt, w&auml;re es auch ohne den begehrten Billigkeitserlass nicht zur Festsetzung von Einkommensteuer gekommen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) hat die Klage mit in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2013, 1898 ver&ouml;ffentlichtem Urteil abgewiesen. Ob der Schuldenerlass im Jahr 2007 die Voraussetzungen des BMF-Schreibens in BStBl I 2003, 240 erf&uuml;lle, k&ouml;nne offen bleiben. Der Gesetzgeber habe mit der Abschaffung von &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;66 EStG in der vor dem Gesetz zur Fortsetzung der Unternehmenssteuerreform vom 29.&nbsp;Oktober 1997 geltenden Fassung &#8211;BGBl I 1997, 2590&#8211; (EStG&nbsp;a.F.) zum Ausdruck gebracht, Sanierungsgewinne unterschiedslos besteuern zu wollen. Wegen des insoweit entgegenstehenden Willens des Gesetzgebers k&ouml;nne die durch den Sanierungserlass getroffene Verwaltungsregelung keinen Bestand haben; sie versto&szlig;e gegen den Grundsatz der Gesetzm&auml;&szlig;igkeit der Verwaltung. F&uuml;r eine abweichende Steuerfestsetzung (richtig wohl: einen Steuererlass) sei deshalb auch dann kein Raum, wenn die Anforderungen des Sanierungserlasses erf&uuml;llt w&auml;ren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit seiner Revision vertritt der Kl&auml;ger die Auffassung, der Sanierungserlass versto&szlig;e nicht gegen den Grundsatz der Gesetzm&auml;&szlig;igkeit der Verwaltung. Darauf gest&uuml;tzte Billigkeitsma&szlig;nahmen seien zul&auml;ssig. Im Streitfall l&auml;gen die Voraussetzungen f&uuml;r einen Billigkeitserlass vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt sinngem&auml;&szlig;,<br \/>das FG-Urteil sowie die Einspruchsentscheidung vom 18.&nbsp;April 2012 aufzuheben und das FA zu verpflichten, die aus dem Sanierungsgewinn resultierende Einkommensteuer zu erlassen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das dem Verfahren beigetretene BMF verweist auf das Senatsurteil vom 14.&nbsp;Juli 2010 X&nbsp;R&nbsp;34\/08 (BFHE 229, 502, BStBl II 2010, 916) und f&uuml;hrt aus, es tangiere nicht den Grundsatz der Gesetzm&auml;&szlig;igkeit der Verwaltung, dass nach der (im Sanierungserlass niedergelegten) Verwaltungsauffassung entstehende Sanierungsgewinne nach &sect;&nbsp;227 der Abgabenordnung (AO) erlassen werden k&ouml;nnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Bis zum Veranlagungszeitraum 1997 seien Sanierungsgewinne nach &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;66 EStG&nbsp;a.F. steuerfrei gewesen. Diese Regelung habe nach &sect;&nbsp;7 des Gewerbesteuergesetzes (GewStG) auch f&uuml;r die Gewerbesteuer gegolten. Nach Einf&uuml;hrung des zeitlich unbegrenzten Verlustvortrags in &sect;&nbsp;10d EStG habe &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;66 EStG&nbsp;a.F. allerdings zu einer nicht gewollten Doppelbeg&uuml;nstigung gef&uuml;hrt. Ein vor der Sanierung entstandener Verlustvortrag habe zeitlich unbegrenzt mit k&uuml;nftigen Gewinnen verrechnet werden k&ouml;nnen, obwohl der Sanierungsgewinn nicht besteuert worden sei. Dieser Doppelbeg&uuml;nstigung habe der Gesetzgeber mit der Aufhebung von &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;66 EStG&nbsp;a.F. durch das Gesetz zur Fortsetzung der Unternehmenssteuerreform vom 29.&nbsp;Oktober 1997 (BGBl I 1997, 2590) entgegenwirken wollen. Seither sei ein Sanierungsgewinn grunds&auml;tzlich steuerpflichtig und erh&ouml;he &uuml;ber &sect;&nbsp;7 GewStG die gewerbesteuerliche Bemessungsgrundlage.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In zeitlichem Zusammenhang mit der Aufhebung von &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;66 EStG&nbsp;a.F. sei zum 1.&nbsp;Januar 1999 die Insolvenzordnung (InsO) in Kraft getreten. Deren wesentliche Ziele seien die F&ouml;rderung der au&szlig;ergerichtlichen Sanierung, die bessere Abstimmung von Sanierungsverfahren und die Restschuldbefreiung f&uuml;r den redlichen Schuldner. Die Abschaffung der Steuerfreiheit von Sanierungsgewinnen stehe mit diesen Zielen der Insolvenzordnung in einem &quot;Zielkonflikt&quot;. Um diesen aufzul&ouml;sen, habe die Finanzverwaltung auf der Grundlage der &sect;&sect;&nbsp;163, 227 AO mit dem BMF-Schreiben in BStBl I 2003, 240 in einer allgemeinverbindlichen Verwaltungsanweisung geregelt, unter welchen Voraussetzungen Ertragsteuern auf einen Sanierungsgewinn aus Gr&uuml;nden sachlicher Billigkeit erlassen werden k&ouml;nnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die urspr&uuml;ngliche Ausgangslage f&uuml;r die Aufhebung von &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;66 EStG&nbsp;a.F. habe sich sp&auml;ter ge&auml;ndert. Der Gesetzgeber habe mit &Auml;nderungsgesetzen vom 22. und 23.&nbsp;Dezember 2003 f&uuml;r die Einkommen-, K&ouml;rperschaft- und Gewerbesteuer eine sog. Mindestbesteuerung eingef&uuml;hrt. Der Verlustabzug bei Verlustvortr&auml;gen nach &sect;&nbsp;10d Abs.&nbsp;2 EStG&nbsp;n.F. und &sect;&nbsp;10a Satz&nbsp;2 GewStG sei auf 1&nbsp;Mio.&nbsp;EUR und 60&nbsp;% des 1&nbsp;Mio.&nbsp;EUR &uuml;bersteigenden Verlustes beschr&auml;nkt worden. In diesem Zusammenhang h&auml;tte von der Mindestbesteuerung die vorrangige Verlustverrechnung mit dem Sanierungsgewinn ausgenommen werden m&uuml;ssen. Dies habe der Gesetzgeber indes nicht gemacht, weil der bereits am 27.&nbsp;M&auml;rz 2003 ergangene Sanierungserlass im Wege einer sachlichen Billigkeitsentscheidung die systemkonforme und &quot;gesetzesverstehende unbeschr&auml;nkte Verlustverrechnung des Sanierungsgewinns f&uuml;r die Verwaltungspraxis&quot; angeordnet habe. Der Sanierungserlass versto&szlig;e nicht gegen den Grundsatz der Gesetzm&auml;&szlig;igkeit der Verwaltung, er stelle nicht die unter Anwendung des &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;66 EStG&nbsp;a.F. bestehende systemwidrige Doppelbeg&uuml;nstigung wieder her, sondern gew&auml;hrleiste im Gegenteil systemkonform, dass der Sanierungsgewinn mit den Verlusten, die die Sanierung &uuml;berhaupt erst erforderlich gemacht h&auml;tten, in vollem Umfang verrechenbar bleibe. Der Sanierungserlass reduziere die Besteuerung systemgerecht und dem Willen des Gesetzgebers bei Aufhebung des &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;66 EStG&nbsp;a.F. folgend auf den eigentlichen Fiskalzweck. Zu einer gesetzeswidrigen Doppelbeg&uuml;nstigung komme es nicht, weil bei Anwendung des Sanierungserlasses das nach der Sanierung verbleibende Verlustvortragsvolumen durch den Sanierungsgewinn in vollem Umfang geschm&auml;lert worden sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im &Uuml;brigen sei bereits in der Begr&uuml;ndung des Entwurfs zum Gesetz zur Fortf&uuml;hrung der Unternehmenssteuerreform auf m&ouml;gliche Billigkeitsma&szlig;nahmen der Verwaltung hingewiesen und sp&auml;ter im Regierungsentwurf des Unternehmenssteuerreformgesetzes 2008 (UntStRFoG&nbsp;2008) &#8211;BTDrucks&nbsp;16\/4841, S.&nbsp;76&#8211; unter Hinweis auf den Sanierungserlass davon ausgegangen worden, dass von einer Besteuerung von Sanierungsgewinnen auch ohne ausdr&uuml;ckliche gesetzliche Regelung im Billigkeitswege abgesehen werden k&ouml;nne. Dar&uuml;ber hinaus fordere die Verpflichtung der Verwaltung zur gleichm&auml;&szlig;igen Erhebung von Steuern nach &sect;&nbsp;85 AO den Erlass allgemein geltender Ermessensrichtlinien.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Gesetzm&auml;&szlig;igkeit des Sanierungserlasses werde auch nicht durch die nach &sect;&nbsp;251 Abs.&nbsp;2 AO auch im Besteuerungsverfahren anwendbare Insolvenzordnung in Frage gestellt. In der Insolvenzrechtsreform seien Steuerfolgen der Insolvenz ausgeklammert worden. Zudem w&uuml;rden Sanierungsma&szlig;nahmen h&auml;ufig au&szlig;erhalb eines gerichtlichen Insolvenzverfahrens getroffen und diesen komme gerade in der Vermeidung eines Insolvenzverfahrens ihre besondere Bedeutung zu.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Eine gesetzliche Regelung m&ouml;glicher Billigkeitsma&szlig;nahmen bei Sanierungsgewinnen w&auml;re &#8211;wegen der erforderlichen Folge&auml;nderungen im Bereich der Verlustverrechnungsbeschr&auml;nkungen&#8211; &auml;u&szlig;erst komplex und w&uuml;rde den Bem&uuml;hungen um eine Steuervereinfachung zuwider laufen. Anders als eine starre gesetzliche Regelung sei die bestehende Verwaltungsanweisung flexibler zu handhaben und habe sich in der Praxis bew&auml;hrt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>B. Entscheidungsgr&uuml;nde<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Senat verneint die Vorlagefrage. Er beabsichtigt, das FG-Urteil sowie die Einspruchsentscheidung aufzuheben und die Rechtssache an das FG zur&uuml;ckzuverweisen. Dieses m&uuml;sste dann kl&auml;ren, ob die Voraussetzungen f&uuml;r einen Billigkeitserlass entsprechend den Vorgaben des Sanierungserlasses in BStBl I 2003, 240 vorliegen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Bisherige Rechtsprechung<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. H&ouml;chstrichterliche Rechtsprechung<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach Auffassung des X.&nbsp;Senats des Bundesfinanzhofs (BFH) im Urteil in BFHE 229, 502, BStBl II 2010, 916 (Rechtsauffassung insoweit nicht tragend) tangiert der Sanierungserlass in BStBl I 2003, 240 nicht den Grundsatz der Gesetzm&auml;&szlig;igkeit der Verwaltung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Der VIII.&nbsp;Senat des BFH hat im Kostenbeschluss vom 28.&nbsp;Februar 2012 VIII&nbsp;R&nbsp;2\/08 (BFH\/NV 2012, 1135) die Kosten den Beteiligten je zur H&auml;lfte auferlegt und ausgef&uuml;hrt:<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>&quot;Jedenfalls ist die Auffassung der Vorinstanz (=&nbsp;FG&nbsp;M&uuml;nchen), ein entsprechender Wille des Gesetzgebers (zur generellen Steuerfreiheit von Sanierungsgewinnen) k&ouml;nne angesichts der Abschaffung des &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;66 EStG&nbsp;a.F. nicht angenommen werden, bei der im Rahmen der Kostenentscheidung vorzunehmenden summarischen Pr&uuml;fung nicht von vornherein abzulehnen. Denn der Gesetzgeber hat bislang eine generelle Ersatzregelung f&uuml;r &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;66 EStG&nbsp;a.F. nicht geschaffen, sondern lediglich begrenzt auf Teilbereiche des Steuerrechts (wie die Sanierungsklausel des &sect;&nbsp;8c Abs.&nbsp;1a des K&ouml;rperschaftsteuergesetzes) eine partielle Sanierungsgewinnbeg&uuml;nstigung eingef&uuml;hrt.&quot;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der nicht amtliche Leitsatz der Entscheidung lautet: &quot;Es ist zweifelhaft, ob die Steuerfreiheit von Sanierungsgewinnen durch Forderungsverzicht von Gl&auml;ubigern allein wegen sachlicher Unbilligkeit aufgrund des BMF-Schreibens vom 27.&nbsp;M&auml;rz 2003 IV&nbsp;A&nbsp;6-S&nbsp;2140-8\/03 (BStBl I 2003, 240) beansprucht werden kann, nachdem der Gesetzgeber die fr&uuml;her in &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;66 EStG&nbsp;a.F. vorgesehene Steuerfreiheit durch Gesetz zur Fortsetzung der Unternehmenssteuerreform vom 29.&nbsp;Oktober 1997 (BGBl I 1997, 2590, BStBl I 1997, 928) abgeschafft hat.&quot;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Der I.&nbsp;Senat des BFH hat im Urteil vom 25.&nbsp;April 2012 I&nbsp;R&nbsp;24\/11 (BFHE 237, 403) entschieden, der sog. Sanierungserlass sei weder eine allgemeine Verwaltungsvorschrift der Bundesregierung noch eine allgemeine Verwaltungsvorschrift einer obersten Landesfinanzbeh&ouml;rde i.S. des &sect;&nbsp;184 Abs.&nbsp;2 AO. Aus dem Sanierungserlass k&ouml;nne sich damit bei der Festsetzung des Gewerbesteuermessbetrags grunds&auml;tzlich keine Zust&auml;ndigkeit des FA zur abweichenden Festsetzung aus sachlichen Billigkeitsgr&uuml;nden nach &sect;&nbsp;163 Satz&nbsp;1 AO ergeben; zust&auml;ndig daf&uuml;r seien die Gemeinden. Unbeantwortet lie&szlig; der I.&nbsp;Senat deshalb die Fragen, ob der Sanierungserlass den Erfordernissen des allgemeinen Gesetzesvorbehalts sowie des unionsrechtlichen Beihilfeverbots uneingeschr&auml;nkt gen&uuml;gt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>27<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Neben dem streitgegenst&auml;ndlichen Revisionsverfahren sind derzeit beim BFH folgende Verfahren anh&auml;ngig, in denen m&ouml;glicherweise auch die Frage auf dem Pr&uuml;fstand steht, ob das BMF-Schreiben in BStBl I 2003, 240 den Erfordernissen des allgemeinen Gesetzesvorbehalts gen&uuml;gt: I&nbsp;R&nbsp;52\/14, IV&nbsp;R&nbsp;6\/15.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>28<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Nichtzulassungsbeschwerde X&nbsp;B&nbsp;127\/14 hat der X.&nbsp;Senat mit Beschluss vom 24.&nbsp;M&auml;rz 2015 als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen. Das FG Berlin-Brandenburg hatte zwar Zweifel an der Gesetzm&auml;&szlig;igkeit des Sanierungserlasses ge&auml;u&szlig;ert, diese Frage aber letztlich dahingestellt sein lassen und die Klage mit der Begr&uuml;ndung abgewiesen, die Voraussetzungen des Sanierungserlasses l&auml;gen nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>29<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>e) Der Bundesgerichtshof hat im Urteil vom 13.&nbsp;M&auml;rz 2014 IX&nbsp;ZR&nbsp;23\/10 (Deutsches Steuerrecht &#8211;DStR&#8211; 2014, 895, Rz&nbsp;31) die Frage offen gelassen, ob der Sanierungserlass gegen den Gesetzesvorbehalt verst&ouml;&szlig;t. Gleiches gilt f&uuml;r die Frage der Vereinbarkeit mit dem unionsrechtlichen Beihilfeverbot.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>30<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Rechtsprechung der Instanzgerichte<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>31<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Folgende Urteile befassen sich mit der Gesetzm&auml;&szlig;igkeit des sog. Sanierungserlasses:<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>32<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Das FG M&uuml;nster hat mit Urteil vom 27.&nbsp;Mai 2004&nbsp;&nbsp;2&nbsp;K&nbsp;1307\/02&nbsp;AO (EFG 2004, 1572) entschieden, die Besteuerung von Sanierungsgewinnen entspreche seit 1998 zwar dem Gesetz, laufe aber den Wertungen des Gesetzgebers zuwider, wenn die M&ouml;glichkeit einer Doppelbeg&uuml;nstigung nicht (mehr) bestehe. Dies sei z.B. der Fall, wenn nach Aussch&ouml;pfung der ertragsteuerlichen Verlustverrechnungsm&ouml;glichkeiten ein Sanierungsgewinn verbleibe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>33<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Das FG M&uuml;nchen vertrat im Urteil vom 12.&nbsp;Dezember 2007&nbsp;&nbsp;1&nbsp;K&nbsp;4487\/06 (EFG 2008, 615) die Auffassung, nach Streichung des &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;66 EStG&nbsp;a.F. entfalle wegen ausdr&uuml;cklich abweichendem Willen des Gesetzgebers im Regelfall auch der von der Verwaltung und Rechtsprechung praktizierte Einkommensteuererlass auf Sanierungsgewinne wegen sachlicher Unbilligkeit. Dem BMF-Schreiben vom 27.&nbsp;M&auml;rz 2003 fehle eine Rechtsgrundlage.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>34<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Das FG K&ouml;ln kam im Urteil vom 24.&nbsp;April 2008&nbsp;&nbsp;6&nbsp;K&nbsp;2488\/06 (EFG 2008, 1555) zu dem Ergebnis, die Verwaltungsanweisung in BStBl I 2003, 240 sei zu eng gefasst. Der BFH hat mit Urteil in BFHE 229, 502, BStBl II 2010, 916 das FG-Urteil aufgehoben und die Klage abgewiesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>35<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Das FG Berlin-Brandenburg hat im Beschluss vom 20.&nbsp;September 2010&nbsp;&nbsp;6&nbsp;V&nbsp;6140\/10 (EFG 2011, 453) die Frage der Gesetzm&auml;&szlig;igkeit des Sanierungserlasses nicht thematisiert. Es war der Auffassung, ein Sanierungsgewinn werde von der Finanzverwaltung seit der Abschaffung des &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;66 EStG&nbsp;a.F. grunds&auml;tzlich nach den Vorgaben des sog. Sanierungserlasses ermittelt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>36<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>e) Das FG D&uuml;sseldorf hatte im Urteil vom 16.&nbsp;M&auml;rz 2011&nbsp;&nbsp;7&nbsp;K&nbsp;3831\/10&nbsp;AO (EFG 2011, 1685) keinerlei Zweifel an der Gesetzm&auml;&szlig;igkeit des Sanierungserlasses. Auch nach der gesetzgeberischen Entscheidung, &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;66 EStG&nbsp;a.F. zu streichen, bestehe eine Notwendigkeit, durch Verlustabz&uuml;ge nicht ausgesch&ouml;pfte Sanierungsgewinne im Wege einer abweichenden Steuerfestsetzung steuerrechtlich au&szlig;er Acht zu lassen, um den Sanierungserfolg nicht zu gef&auml;hrden. Im anschlie&szlig;enden Revisionsverfahren I&nbsp;R&nbsp;24\/11 wurde diese Frage offengelassen (vgl.&nbsp;oben).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>37<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>f) Im Urteil des Nieders&auml;chsischen FG vom 31.&nbsp;Januar 2012&nbsp;&nbsp;8&nbsp;K&nbsp;34\/09&nbsp;(EFG 2012, 1523) wurde die Frage der Gesetzm&auml;&szlig;igkeit des Sanierungserlasses nicht thematisiert.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>38<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>g) Im Verfahren 12&nbsp;K&nbsp;12179\/09, 12&nbsp;K&nbsp;12177\/10 hat das FG Berlin-Brandenburg mit Urteil vom 18.&nbsp;April 2012 (Deutsches Steuerrecht\/Entscheidungsdienst 2013, 413) entschieden, es liege kein Sanierungsgewinn im Sinne des Sanierungserlasses vor und eine analoge Anwendung der Verwaltungsvorschrift komme nicht in Betracht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>39<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>h) Das FG Hamburg hat in der Entscheidung vom 8.&nbsp;August 2012&nbsp;&nbsp;&nbsp;2&nbsp;K&nbsp;104\/11 die Frage, ob der sog. Sanierungserlass eine hinreichende Rechtsgrundlage f&uuml;r einen Billigkeitserlass darstelle, dahingestellt sein lassen, weil nach Auffassung des Gerichts dessen Voraussetzungen nicht erf&uuml;llt waren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>40<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>i) Der 1.&nbsp;Orientierungssatz des Urteils des S&auml;chsischen FG vom 14.&nbsp;M&auml;rz 2013&nbsp;&nbsp;5&nbsp;K&nbsp;1113\/12 (DStR 2014, 190) lautet:<br \/>&quot;Aufgrund des ausdr&uuml;cklichen Willens des Gesetzgebers, die Steuerfreiheit f&uuml;r einen Sanierungsgewinn (&sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;66 EStG&nbsp;a.F.) zu streichen, kommt eine Billigkeitsma&szlig;nahme nach den Vorschriften der &sect;&sect;&nbsp;163, 227 AO grunds&auml;tzlich nicht in Betracht. Dies gilt auch im Hinblick auf den Sanierungserlass (BMF-Schreiben vom 27.&nbsp;M&auml;rz 2003). Das Erlassverfahren gibt der Verwaltung nicht die Befugnis, anstelle einer vom Gesetzgeber (bewusst) unterlassenen sozial- oder wirtschaftspolitischen Ma&szlig;nahme gesetzlich geschuldete Steuern nicht zu erheben.&quot;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>41<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>j) Das Urteil des S&auml;chsischen FG vom 24.&nbsp;April 2013&nbsp;&nbsp;1&nbsp;K&nbsp;759\/12 (EFG 2013, 1898) liegt dem Streitfall zugrunde. Das S&auml;chsische FG ist der Auffassung, wegen des ausdr&uuml;cklichen Willens des Gesetzgebers, wie er sich in der Aufhebung des &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;66 EStG&nbsp;a.F. (Steuerfreiheit des Sanierungsgewinns) zeige, sei nach dem Grundsatz der Gesetzm&auml;&szlig;igkeit der Verwaltung jede abweichende &#8211;auch den Steuerpflichtigen beg&uuml;nstigende&#8211; Handhabung ausgeschlossen, also auch eine Handhabung, die unter dem Mantel der Billigkeitsentscheidung, aber &#8211;wie das BMF-Schreiben in BStBl I 2003, 240&#8211; mit genereller Anordnung, erfolge. In den Entscheidungsgr&uuml;nden hat sich das S&auml;chsische FG nur auf die Entscheidung des FG M&uuml;nchen in EFG 2008, 615 gest&uuml;tzt, und sich nicht mit der Entscheidung des X.&nbsp;Senats des BFH in BFHE 229, 502, BStBl II 2010, 916 auseinandergesetzt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>42<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>k) Das FG des Landes Sachsen-Anhalt hat im Urteil vom 14.&nbsp;November 2013&nbsp;&nbsp;6&nbsp;K&nbsp;1267\/11 (EFG 2014, 721) entschieden, das BMF-Schreiben in BStBl I 2003, 240 r&auml;ume mit der darin vorgesehenen M&ouml;glichkeit eines Erlasses der Einkommensteuer keine &#8211;gemessen an der Intention des Gesetzgebers&#8211; zu weit reichende Billigkeitsma&szlig;nahme ein. Die Aufhebung des &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;66 EStG&nbsp;a.F. sei darauf zur&uuml;ckzuf&uuml;hren, dass eine Doppelbeg&uuml;nstigung durch die Ertragsteuerfreiheit von Sanierungsgewinnen einerseits und die zwischenzeitlich eingef&uuml;hrte unbegrenzte Verlustverrechnungsm&ouml;glichkeit andererseits vermieden werden sollte. Im Streitfall h&auml;tten die Kl&auml;ger durch ihre fortw&auml;hrend geringen Eink&uuml;nfte aber keinerlei steuerlichen Vorteil durch Verlustverrechnungsm&ouml;glichkeiten. Infolgedessen drohe bei ihnen auch keine Doppelbeg&uuml;nstigung, so dass ein Erlass jedenfalls in ihrem speziellen Fall der Intention des Gesetzgebers nicht zuwider laufe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>43<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>l) Im Urteil vom 7.&nbsp;Januar 2014&nbsp;&nbsp;6&nbsp;K&nbsp;6209\/11 (EFG 2014, 975) hat das FG Berlin-Brandenburg offengelassen, ob der Sanierungserlass gegen den Vorrang des Gesetzes verst&ouml;&szlig;t (Revisionsverfahren nach Zulassung durch den IV.&nbsp;Senat des BFH IV&nbsp;R&nbsp;6\/15).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>44<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>m) Das S&auml;chsische FG bezweifelt im Beschluss vom 20.&nbsp;Januar 2014&nbsp;&nbsp;4&nbsp;V&nbsp;1794\/12 im Verfahren der einstweiligen Anordnung ebenso wie das S&auml;chsische Oberverwaltungsgericht im Beschluss vom 2.&nbsp;September 2010&nbsp;&nbsp;5&nbsp;B&nbsp;555\/09, ob nach Streichung von &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;66 EStG&nbsp;a.F. der sog. Sanierungserlass einen Rechtsanspruch auf Gew&auml;hrung einer Billigkeitsma&szlig;nahme begr&uuml;nden kann.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>45<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>n) Im Urteil vom 30.&nbsp;Juli 2014&nbsp;&nbsp;3&nbsp;K&nbsp;3354\/10 hat das FG Berlin-Brandenburg erhebliche Zweifel an der Gesetzm&auml;&szlig;igkeit des Sanierungserlasses ge&auml;u&szlig;ert, diese Frage letztlich aber dahingestellt sein lassen, weil die Voraussetzungen f&uuml;r einen Erlass nach dem BMF-Schreiben in BStBl I 2003, 240 nicht vorl&auml;gen. Die dagegen erhobene Nichtzulassungsbeschwerde hat der X.&nbsp;Senat des BFH mit Beschluss vom 24.&nbsp;M&auml;rz 2015 X&nbsp;B&nbsp;127\/14 als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>46<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Auffassung der Finanzverwaltung<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>47<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das BMF ist der Auffassung, der sog. Sanierungserlass versto&szlig;e nicht gegen den Vorbehalt des Gesetzes (vgl. oben).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>48<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In Verf&uuml;gungen weisen Oberfinanzdirektionen (OFD) darauf hin, die mit Beschluss des BFH in BFH\/NV 2012, 1135 ge&auml;u&szlig;erte Rechtsauffassung, dass die Beanspruchung sachlicher Unbilligkeit nach Aufhebung der gesetzlichen Grundlage zweifelhaft &#8211;weil den Wertungen des Gesetzgebers zuwiderlaufend&#8211; sei, werde von der Verwaltung nicht geteilt (vgl. z.B. die Rundverf&uuml;gung der OFD Frankfurt am Main vom 23.&nbsp;Dezember 2014 S&nbsp;2140&nbsp;A-4-St&nbsp;213, sowie die Verf&uuml;gung der OFD Niedersachsen vom 19.&nbsp;Juni 2013 S&nbsp;2140-8-St&nbsp;248&nbsp;(VD)).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>49<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>III. Auffassungen in der Literatur zur Gesetzm&auml;&szlig;igkeit des Sanierungserlasses<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>50<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der weit &uuml;berwiegende Teil der Literatur ist der Auffassung, der sog. Sanierungserlass versto&szlig;e nicht gegen den Grundsatz der Gesetzm&auml;&szlig;igkeit der Verwaltung (Musil in Herrmann\/Heuer\/ Raupach, &sect;&nbsp;4 EStG Rz&nbsp;118; Braun\/Geist, Betriebs-Berater &#8211;BB&#8211; 2009, 2508; Gondert\/B&uuml;ttner, DStR 2008, 1676; Forst\/Schaaf\/Kofmann, Der Ertragsteuerberater 2009, 287; Frey\/M&uuml;ckl, GmbH-Rundschau 2010, 1193; Geist, BB 2008, 2658; Gragert, Neue Wirtschafts-Briefe &#8211;NWB&#8211; 2011, 1438; Kahlert, DStR 2012, 944; Kahlert, DStR 2010, Heft&nbsp;36, VI-VII; Kanzler, Finanz-Rundschau &#8211;FR&#8211; 2003, 480; Kanzler, FR 2008, 1116; Knebel, Der Betrieb &#8211;DB&#8211; 2009, 1094; Krumm, Entscheidungen f&uuml;r Wirtschaftsrecht &#8211;EWiR&#8211; 2012, 335; Lohmann, EWiR 2010, 807; Mitschke, FR 2014, 661; Nosky\/H&ouml;rner, FR 2012, 694; Olbing, Die Steuerberatung 2010, 216; Seer, FR 2010, 306; Stangl in: R&ouml;dder\/Herlinghaus\/van&nbsp;Lishaut, UmwStG, 2.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;22 Rz&nbsp;57b, nach dessen Auffassung der sog. Sanierungserlass auch auf die Gewerbesteuer angewendet werden sollte; Steinhauff, AO-Steuerberater 2010, 298; T&ouml;ben, FR 2010, 249; Wagner, BB 2008, 2671; Wagner, BB 2010, 2612.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>51<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Wenige Autoren vertreten die Auffassung, der sog. Sanierungserlass versto&szlig;e gegen den Vorbehalt des Gesetzes (Bl&uuml;mich\/ Erhard, &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;66 EStG&nbsp;a.F. Rz&nbsp;3; von&nbsp;Groll in H&uuml;bschmann\/ Hepp\/Spitaler &#8211;HHSp&#8211;, &sect;&nbsp;227 AO Rz&nbsp;32; Bareis\/Kaiser, DB 2004, 1841).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>52<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nur referierend stellen Jatzke in HHSp, &sect;&nbsp;251 AO Rz&nbsp;80, Loose in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect;&nbsp;175 AO Rz&nbsp;36, &sect;&nbsp;227 AO Rz&nbsp;17 und&nbsp;85, &sect;&nbsp;251 AO Rz&nbsp;121a, sowie Schmidt\/Heinicke, EStG, 34.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;3&nbsp;ABC, Stichwort &quot;Sanierungsgewinn&quot; das Problem dar.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>53<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>IV. Auffassung des vorlegenden Senats<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>54<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Der sog. Sanierungserlass verst&ouml;&szlig;t nicht gegen den Vorbehalt des Gesetzes.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>55<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Der im Rechtsstaatsprinzip (Art.&nbsp;20 Abs.&nbsp;3 des Grundgesetzes &#8211;GG&#8211;) verankerte Vorbehalt des Gesetzes verlangt, dass der Gesetzgeber in grundlegenden normativen Bereichen alle wesentlichen Entscheidungen selbst treffen muss und sie nicht anderen Normgebern &uuml;berlassen darf (Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 5.&nbsp;November 2014&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvF&nbsp;3\/11, BGBl I 2014, 1764, m.w.N.). Im Steuerrecht, dessen Steuerbelastungsentscheidungen weitgehend vom Willen des Gesetzgebers zu Belastungsgegenstand und Tarif abh&auml;ngen, ist von einem strengen Gesetzesvorbehalt auszugehen. Das Steuerrecht lebt insoweit aus dem &quot;Diktum des Gesetzgebers&quot; (vgl. BVerfG in BGBl I 2014, 1764, Rz&nbsp;33, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>56<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Nach Auffassung des vorlegenden Senats tangiert der sog. Sanierungserlass nicht den Grundsatz der Gesetzm&auml;&szlig;igkeit der Verwaltung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>57<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach &sect;&nbsp;163 AO k&ouml;nnen Steuern niedriger festgesetzt werden und einzelne Besteuerungsgrundlagen, die die Steuern erh&ouml;hen, bei der Festsetzung der Steuer unber&uuml;cksichtigt bleiben, wenn die Erhebung der Steuer nach Lage des einzelnen Falls unbillig w&auml;re. Nach &sect;&nbsp;227 AO k&ouml;nnen Finanzbeh&ouml;rden Anspr&uuml;che aus dem Steuerschuldverh&auml;ltnis ganz oder zum Teil erlassen, wenn deren Einziehung nach Lage des einzelnen Falls unbillig w&auml;re; unter den gleichen Voraussetzungen k&ouml;nnen bereits entrichtete Betr&auml;ge erstattet oder angerechnet werden. Der Gesetzgeber hat damit in &sect;&nbsp;163 bzw. &sect;&nbsp;227 AO die aus seiner Sicht notwendigen Voraussetzungen f&uuml;r eine abweichende Steuerfestsetzung aus Billigkeitsgr&uuml;nden bzw. einen Steuererlass festgelegt und die Entscheidung im Einzelfall in das Ermessen der Finanzbeh&ouml;rden gestellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>58<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im sog. Sanierungserlass hat das BMF lediglich die entscheidenden Ermessenserw&auml;gungen der Finanzbeh&ouml;rden festgeschrieben und damit deren Ermessen auf Null reduziert. Aus Sicht des vorlegenden Senats ist dies notwendig, da die betroffenen Steuern (insbesondere die Einkommen- und K&ouml;rperschaftsteuer) durch die Landesfinanzbeh&ouml;rden verwaltet werden (Art.&nbsp;108 Abs.&nbsp;2 GG) und nach &sect;&nbsp;85 AO die Steuern nach Ma&szlig;gabe der Gesetze gleichm&auml;&szlig;ig festzusetzen und zu erheben sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>59<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Anders als das FG M&uuml;nchen in der Entscheidung in EFG 2008, 615 offensichtlich meint, kn&uuml;pft der sog. Sanierungserlass in BStBl I 2003, 240 mitnichten an die Rechtslage vor der Streichung des &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;66 EStG&nbsp;a.F. an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>60<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;66 EStG&nbsp;a.F. wurden Sanierungsgewinne in voller H&ouml;he als nicht steuerpflichtiger Ertrag angesehen. Dies galt unabh&auml;ngig davon, ob sich &#8211;z.B. wegen Verlustvortr&auml;gen oder laufenden Verlusten aus anderen Einkunftsquellen oder -arten&#8211; f&uuml;r den betreffenden Veranlagungszeitraum &uuml;berhaupt eine positive Einkommensteuerfestsetzung ergeben h&auml;tte. Die Steuerbefreiung &quot;verschonte&quot; damit auch bestehende Verlustvortr&auml;ge. Durch &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;66 EStG&nbsp;a.F. wurden Sanierungsgewinne somit doppelt beg&uuml;nstigt (unbeschr&auml;nkter Verlustvortrag und Steuerfreiheit des Sanierungsgewinns; die Verlustvortr&auml;ge konnten deshalb mit anderen oder k&uuml;nftigen positiven Eink&uuml;nften verrechnet werden).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>61<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ganz andere Erw&auml;gungen enth&auml;lt der sog. Sanierungserlass. Es kommt nicht zu einer Doppelbeg&uuml;nstigung. Nach dem sog. Sanierungserlass werden bilanzielle, also nicht zahlungswirksame Verm&ouml;gensmehrungen als Folge des Wegfalls von Verbindlichkeiten vorrangig mit Verlustvortr&auml;gen (diese sind h&auml;ufig die Ursache f&uuml;r die Schieflage des Unternehmens) verrechnet. Diese Verluste haben oft den Forderungsverzicht mit dem einhergehenden Wegfall der Verbindlichkeit (z.B. zur Abwendung der Insolvenz) n&ouml;tig gemacht. Auch negative Eink&uuml;nfte einer anderen Einkunftsquelle werden vorrangig mit dem Sanierungsgewinn (und nicht zuerst mit positiven Eink&uuml;nften dieser Einkunftsquelle) saldiert (Rz&nbsp;8 S.&nbsp;3&nbsp;ff. des sog. Sanierungserlasses in BStBl I 2003, 240; vgl. auch Bl&uuml;mich\/Erhard, &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;66 EStG&nbsp;a.F. Rz&nbsp;12, der dem sog. Sanierungserlass kritisch gegen&uuml;bersteht). Nur die nach vorrangiger Ber&uuml;cksichtigung von Verlustvortr&auml;gen und negativen Eink&uuml;nften verbleibende Steuer kann danach gestundet bzw. erlassen werden. Zudem sind Verlustr&uuml;cktr&auml;ge ebenfalls vorrangig mit dem Sanierungsgewinn zu verrechnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>62<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nicht unber&uuml;cksichtigt bleiben darf, dass ein Sanierungsgewinn nicht zu einem Liquidit&auml;tszufluss f&uuml;hrt, aus dem die Steuerschuld beglichen werden k&ouml;nnte. Er ist ein reiner Buchgewinn. Dass die Erhebung (Einziehung) eines Einkommensteueranspruchs sachlich unbillig sein kann, wenn das Zusammenwirken verschiedener Regelungen zu einer hohen Steuerschuld f&uuml;hrt, obgleich dem kein Zuwachs an Leistungsf&auml;higkeit zugrunde liegt, hat die Rechtsprechung stets anerkannt (so z.B. Senatsurteil vom 26.&nbsp;Oktober 1994 X&nbsp;R&nbsp;104\/92, BFHE 176, 3, BStBl II 1995, 297).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>63<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zudem ist anders als nach &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;66 EStG&nbsp;a.F. nicht die unternehmerbezogene, sondern nur die unternehmensbezogene Sanierung beg&uuml;nstigt (vgl.&nbsp;I.2. Satz&nbsp;2 des Sanierungserlasses und Senatsurteil in BFHE 229, 502, BStBl II 2010, 916). Ein Erlass ist nur m&ouml;glich, um ein Unternehmen oder einen Unternehmenstr&auml;ger (juristische oder nat&uuml;rliche Person) vor dem finanziellen Zusammenbruch zu bewahren und wieder ertragsf&auml;hig zu machen. Wird das Unternehmen nicht fortgef&uuml;hrt oder trotz der Sanierungsma&szlig;nahme eingestellt, liegt eine Sanierung im Sinne des Sanierungserlasses nur vor, wenn die Schulden aus betrieblichen Gr&uuml;nden erlassen werden (z.B. um einen Sozialplan zu Gunsten der Arbeitnehmer zu erm&ouml;glichen).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>64<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Billigkeitsma&szlig;nahmen aus pers&ouml;nlichen bzw. sachlichen Gr&uuml;nden im Festsetzungs- bzw. Erhebungsverfahren sieht die AO seit deren Inkrafttreten vor. Auch die Reichsabgabenordnung (RAO) enthielt in &sect;&nbsp;131 RAO eine vergleichbare Regelung. Auf dieser Bestimmung beruhte die Rechtsprechung bereits vor Einf&uuml;hrung des &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;66 EStG&nbsp;a.F. durch das K&ouml;rperschaftsteuerreformgesetz vom 31.&nbsp;August 1976 (BGBl I 1976, 2597, BStBl I 1976, 445), wonach der durch eine Sanierung herbeigef&uuml;hrte Gewinn unter bestimmten Voraussetzungen einkommensteuerrechtlich au&szlig;er Betracht zu bleiben habe (Urteil des Reichsfinanzhofs vom 21.&nbsp;Oktober 1931 VI&nbsp;A&nbsp;968\/31, RFHE 29, 315, RStBl 1932, 160).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>65<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>e) Nach &sect;&nbsp;10d Abs.&nbsp;2 EStG in der Fassung des Gesetzes zur Umsetzung der Protokollerkl&auml;rung der Bundesregierung zur Vermittlungsempfehlung zum Steuerverg&uuml;nstigungsabbaugesetz vom 22.&nbsp;Dezember 2003 (BGBl I 2003, 2840) sind Verluste, die weder im Veranlagungszeitraum ihrer Entstehung noch im Wege des Verlustr&uuml;cktrags ausgeglichen werden k&ouml;nnen, ab dem Veranlagungszeitraum 2004 (vgl. &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;25 EStG&nbsp;2004) im Rahmen des Verlustvortrags nur noch begrenzt verrechnungsf&auml;hig. Angesichts der Verkn&uuml;pfung der Aufhebung des &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;66 EStG&nbsp;a.F. mit einem unbeschr&auml;nkten Verlustabzug kommt deshalb m&ouml;glichen Billigkeitsma&szlig;nahmen nach dem BMF-Schreiben in BStBl I 2003, 240 eine besondere Bedeutung zu (vgl. auch Seer, FR 2010, 306).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>66<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>f) Der Gesetzgeber hat in den Gesetzesmaterialien an zahlreichen Stellen zu erkennen gegeben, dass er den sog. Sanierungserlass des BMF nicht nur billigt, sondern f&uuml;r erforderlich h&auml;lt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>67<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Bereits die Gesetzesbegr&uuml;ndung zum Entwurf des Steuerreformgesetzes&nbsp;1999 zur Streichung des &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;66 EStG&nbsp;a.F. zeigt, dass der Gesetzgeber davon ausging, dass einzelnen pers&ouml;nlichen oder sachlichen H&auml;rtef&auml;llen im Stundungs- und Erlasswege begegnet werden muss (BTDrucks&nbsp;13\/7480, S.&nbsp;192).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>68<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Urspr&uuml;nglich enthielt auch &sect;&nbsp;8c KStG keine Sanierungsklausel. Die Begr&uuml;ndung zum UntStRFoG&nbsp;2008 (BTDrucks&nbsp;16\/4841, S.&nbsp;76; BRDrucks&nbsp;220\/07, S.&nbsp;126) sowie das BMF-Schreiben vom 4.&nbsp;Juli 2008 IV&nbsp;C&nbsp;7-S&nbsp;2745-a\/08\/10001 (BStBl I 2008, 736, Rz&nbsp;34) verwiesen vielmehr auf den sog. Sanierungserlass.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>69<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) In seiner Stellungnahme zum Entwurf eines Gesetzes zur verbesserten steuerlichen Ber&uuml;cksichtigung von Vorsorgeaufwendungen (B&uuml;rgerentlastungsgesetz Krankenversicherung) vom 3.&nbsp;April 2009 (BRDrucks&nbsp;168\/09&nbsp;(B), S.&nbsp;30) hat der Bundesrat seinen &Auml;nderungsantrag zu &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;7b Satz&nbsp;1 des K&ouml;rperschaftsteuergesetztes (KStG) damit begr&uuml;ndet, die Steuerbefreiung von Sanierungsgewinnen durch Verwaltungsanweisung (Sanierungserlass) sei nicht ausreichend, negative Effekte zu verhindern.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>70<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>dd) Schlie&szlig;lich hat der Gesetzgeber auf die BFH-Entscheidung in BFHE 237, 403 reagiert. Im Gesetz zur Anpassung der AO an den Zollkodex der Union und zur &Auml;nderung weiterer steuerlicher Vorschriften (BGBl I 2014, 2417) hat er &sect;&nbsp;184 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 AO ge&auml;ndert. Richtlinien &uuml;ber Billigkeitsma&szlig;nahmen im Bereich der Realsteuermessbetr&auml;ge kann nun auch die oberste Bundesfinanzbeh&ouml;rde aufstellen. In der Begr&uuml;ndung der Gesetzes&auml;nderung wird darauf hingewiesen, es entspreche der langj&auml;hrigen Verwaltungspraxis, dass Billigkeitsregelungen auf dem Gebiet des Einkommens- und K&ouml;rperschaftsteuerrechts auch bei der Festsetzung des Gewerbesteuermessbetrags zu ber&uuml;cksichtigen seien (BRDrucks&nbsp; 432\/14, S.&nbsp;35). Die Zweifel daran, die das Urteil des BFH vom 28.&nbsp;Mai 2002 IX&nbsp;R&nbsp;86\/00 (BFHE 199, 1, BStBl II 2002, 840) hervorgerufen habe, sollten nach dem Willen des Gesetzgebers durch die Gesetzes&auml;nderung beseitigt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>71<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>g) Die steuerlichen Folgen der Sanierung eines in die Krise geratenen Unternehmens sind in den einzelnen Steuergesetzen nur unsystematisch und ausschnittsweise geregelt. Der vom BMF zur Rechtfertigung des Steuererlasses beschworene Zielkonflikt der InsO mit der Besteuerung von Sanierungsgewinnen l&auml;sst sich nicht durch den Vorrang der insolvenzrechtlichen Regelungen, sondern nur durch steuerliche Ma&szlig;nahmen l&ouml;sen. Die Steuerfolgen der Insolvenz sind in der Insolvenzrechtsreform gerade ausgeklammert worden. Zahlreiche Fragen, die sich in diesem Zusammenhang stellen, sind nach wie vor ungekl&auml;rt oder befinden sich im Fluss. Der Sanierungserlass in BStBl I 2003, 240 tr&auml;gt zum Abbau grundlegender Konflikte zwischen dem Steuerrecht und der InsO bei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>72<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>h) Gl&auml;ubiger, die einen Beitrag zu einer &quot;echten&quot; Sanierung und damit zum &quot;&Uuml;berleben&quot; des angeschlagenen Unternehmens leisten, erwarten regelm&auml;&szlig;ig, dass sich der Fiskus ebenfalls an der Sanierung beteiligt und nicht noch durch die Besteuerung eines Gewinns, der zu keinerlei Liquidit&auml;tszufluss f&uuml;r das Unternehmen f&uuml;hrt, die Sanierung belastet oder gar zum Scheitern bringt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>73<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>i) Billigkeitsma&szlig;nahmen nach &sect;&sect;&nbsp;163, 227 AO zum Ausgleich von sachlichen, nicht gewollten H&auml;rten sind nach alledem nach Auffassung des vorlegenden Senats bei Sanierungsgewinnen unerl&auml;sslich. Die im BMF-Schreiben in BStBl I 2003, 240 formulierten Voraussetzungen f&uuml;r die Annahme eines beg&uuml;nstigten Sanierungsgewinns (Sanierungsbed&uuml;rftigkeit und Sanierungsf&auml;higkeit des Unternehmens, Sanierungseignung des Schulderlasses und Sanierungsabsicht der Gl&auml;ubiger) sind sachliche Billigkeitsgr&uuml;nde i.S. von &sect;&nbsp;163 und &sect;&nbsp;227 AO. &quot;Besondere&quot; sachliche Billigkeitsgr&uuml;nde (Anhaltspunkte daf&uuml;r, was darunter zu verstehen ist, ergeben sich aus dem Beschluss des VIII.&nbsp;Senats des BFH in BFH\/NV 2012, 1135 nicht) sind daneben nicht erforderlich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>74<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>j) Angesichts der erheblichen praktischen Bedeutung der Besteuerung bzw. des Steuererlasses in Bezug auf Sanierungsgewinne und der Verpflichtung der Verwaltung zur gleichm&auml;&szlig;igen Erhebung von Steuern nach &sect;&nbsp;85 AO war es nach Auffassung des vorlegenden Senats auch unumg&auml;nglich, bundeseinheitliche Leitlinien der Finanzverwaltung zur erforderlichen Ermessensaus&uuml;bung zu formulieren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>75<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Keine unionswidrige staatliche Beihilfe<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>76<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dar&uuml;ber hinaus ist der vorlegende Senat der Auffassung, dass der Sanierungserlass nicht nur mit innerstaatlichem (Verfassungs-)Recht vereinbar ist, sondern auch mit dem unionsrechtlichen Beihilferecht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>77<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Gem&auml;&szlig; Art.&nbsp;107 Abs.&nbsp;1 des Vertrags &uuml;ber die Arbeitsweise der Europ&auml;ischen Union &#8211;AEUV&#8211; (Art.&nbsp;87 des Vertrags zur Gr&uuml;ndung der Europ&auml;ischen Gemeinschaften &#8211;EGV&#8211;) sind staatliche oder aus staatlichen Mitteln gew&auml;hrte Beihilfen gleich welcher Art, die durch die Beg&uuml;nstigung bestimmter Unternehmen oder Produktionszweige den Wettbewerb verf&auml;lschen oder zu verf&auml;lschen drohen, mit dem Binnenmarkt unvereinbar, soweit sie den Handel zwischen den Mitgliedstaaten beeintr&auml;chtigen und im Vertrag nicht etwas anderes bestimmt ist. Der Begriff der Beihilfe ist dabei weiter als der Begriff der Subvention, denn er umfasst nicht nur positive Leistungen wie Subventionen selbst, sondern auch Ma&szlig;nahmen, die in unterschiedlicher Form die Belastungen vermindern, die ein Unternehmen normalerweise zu tragen hat und die somit zwar keine Subventionen im strengen Sinne des Wortes darstellen, diesen aber nach Art und Wirkung gleichstehen (Urteile des Gerichtshofs der Europ&auml;ischen Union &#8211;EuGH&#8211; Ferring vom 22.&nbsp;November 2001 C-53\/00, EU:C:2001:627, Rz&nbsp;15, EWS 2001, 583; P&nbsp;Oy vom 18.&nbsp;Juli 2013 C-6\/12, EU:C:2013:525, Rz&nbsp;18, H&ouml;chstrichterliche Finanzrechtsprechung &#8211;HFR&#8211; 2013, 862). Deswegen k&ouml;nnen auch Steuererlasse Beihilfecharakter haben (Beschluss 2011\/527\/EU der Kommission vom 26.&nbsp;Januar 2011 &uuml;ber die staatliche Beihilfe Deutschlands C-7\/10 &#8211;ex&nbsp;CP&nbsp;250\/09 und NN&nbsp;5\/10&#8211; &quot;KStG, Sanierungsklausel&quot; [Amtsblatt der Europ&auml;ischen Union &#8211;ABlEU&#8211; 2011, Nr.&nbsp;L&nbsp;235\/26]).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>78<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Rechtsprechung des EuGH oder des Europ&auml;ischen Gerichts (EuG) zur Frage, ob die steuerliche Behandlung eines Sanierungsgewinns gem&auml;&szlig; dem sog. Sanierungserlass eine nach Art.&nbsp;107, 108 AEUV oder nach Art.&nbsp;87, 88 EGV europarechtswidrige Beihilfe darstellt, existiert nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>79<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Aus den Entscheidungen des EuG bzw. des EuGH zur Sanierungsklausel des &sect;&nbsp;8c KStG lassen sich keine Folgerungen f&uuml;r die Vorlagefrage ziehen. Sowohl das EuG (Beschluss Deutschland\/ Kommission vom 18.&nbsp;Dezember 2012 T-205\/11, EU:T:2012,704) als auch der EuGH (Urteil Deutschland\/Kommission vom 3.&nbsp;Juli 2014 C-102\/13&nbsp;P, EU:C:2014:2054, BB 2014, 1878) haben sich nicht inhaltlich mit dem Beschluss der Kommission in ABlEU 2011 Nr.&nbsp;L&nbsp;235\/26 auseinandergesetzt, sondern lediglich entschieden, die Bundesrepublik Deutschland habe die Klage gegen den Kommissionsbeschluss nicht fristgerecht erhoben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>80<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Urteil P&nbsp;Oy (EU:C:2013:525, HFR 2013, 862) hat der EuGH zu einer mit der Sanierungsklausel des &sect;&nbsp;8c KStG vergleichbaren Vorschrift des finnischen Steuerrechts entschieden, eine solche Regelung sei nicht notwendig als &#8211;verbotene bzw. notifizierungspflichtige&#8211; staatliche Beihilfe zu beurteilen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>81<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Bislang hat die Kommission, der die Feststellung der Unzul&auml;ssigkeit einer Beihilfe im Verfahren des Art.&nbsp;108 AEUV (Art.&nbsp;88 EGV) obliegt, die Unzul&auml;ssigkeit eines Steuererlasses auf Sanierungsgewinne nicht festgestellt. Soweit bekannt, ist zur Zeit kein &Uuml;berpr&uuml;fungsverfahren nach Art.&nbsp;108 Abs.&nbsp;1 AEUV anh&auml;ngig. In einer nicht ver&ouml;ffentlichten Entscheidung im Rahmen einer Einzelfallpr&uuml;fung soll die Kommission eine Vereinbarkeit des Sanierungserlasses mit dem EU-Beihilferecht angenommen haben (vgl. Gragert, NWB 2013, 2141, 2142).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>82<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) In der Literatur wird die Frage, ob der sog. Sanierungserlass als Beihilfe zu qualifizieren ist, unterschiedlich beurteilt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>83<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach Reimer (Neue Zeitschrift f&uuml;r Verwaltungsrecht 2011, 263, 267, sowie Eicke, Praxis Internationale Steuerberatung &#8211;PISTB&#8211; 2012, 131) verst&ouml;&szlig;t der sog. Sanierungserlass wegen seiner Anwendbarkeit auf alle Unternehmen nicht gegen das Beihilfeverbot. Lt. Gragert (NWB 2013, 2141) und de&nbsp;Weerth (DStR 2014, 285) soll die Europ&auml;ische Kommission keine Bedenken wegen der Vereinbarkeit des Sanierungserlasses mit dem Beihilferecht hegen. Im Rahmen einer Einzelfallpr&uuml;fung habe diese mitgeteilt, der Sanierungserlass sei beihilferechtlich nicht zu beanstanden. Diese &quot;Entscheidung&quot; ist offensichtlich nicht ver&ouml;ffentlicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>84<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hermann (Zeitschrift f&uuml;r das Gesamte Insolvenzrecht &#8211;ZInsO&#8211; 2003, 1069, 1078) h&auml;lt es nicht f&uuml;r ausgeschlossen, dass die Steuerbefreiung f&uuml;r Sanierungsgewinne nach dem BMF-Schreiben in BStBl I 2003, 240 den Charakter einer Beihilfe in Form einer Steuerverg&uuml;nstigung aufweist. &Auml;hnlich sehen es auch Khan\/ Adam (ZInsO 2008, 899) bzw. Wehner (Neue Zeitschrift f&uuml;r das Recht der Insolvenz und Sanierung; das gesamte Verfahren der Unternehmens- und Verbraucherinsolvenz &#8211;NZI&#8211; 2012, 537).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>85<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>e) Ob der sog. Sanierungserlass als Beihilfe zu qualifizieren ist, h&auml;ngt davon ab, ob er spezifisch bzw. selektiv bestimmte Unternehmen beg&uuml;nstigt. Eine Beihilfe ist dann zu bejahen, wenn die betreffende Billigkeitsma&szlig;nahme eine Ausnahme von dem allgemein geltenden Steuersystem zugunsten bestimmter Unternehmen darstellt und nicht durch Grund- und Leitprinzipien der Steuerrechtsordnung gerechtfertigt ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>86<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach dem deutschen Ertragsteuerrecht sind Sanierungsgewinne als Erh&ouml;hungen des Betriebsverm&ouml;gens grunds&auml;tzlich zu versteuern und der sog. Sanierungserlass nimmt diese Gewinne von der Besteuerung aus. Diese Ausnahme ist nicht selektiv, es werden keine bestimmten Unternehmen oder Produktionszweige gegen&uuml;ber anderen Unternehmen oder Produktionszweigen, die sich im Hinblick auf den mit dem Sanierungserlass in einer vergleichbaren tats&auml;chlichen und rechtlichen Situation befinden, beg&uuml;nstigt. Zwar wirkt sich das BMF-Schreiben zugunsten aller Unternehmen mit erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten aus. Dies allein ist &#8211;wie sich aus dem Urteil des Gerichts Erster Instanz HAMSA\/Kommission vom 11.&nbsp;Juli 2002 T-152\/99 (EU:T:2002:188, Rz&nbsp;168&nbsp;ff.) ergibt&#8211; jedoch kein Grund, eine selektive Beg&uuml;nstigung anzunehmen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>87<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die dem sog. Sanierungserlass zugrunde liegenden Vorschriften (&sect;&sect;&nbsp;163, 222, 227 AO) r&auml;umen den Finanzbeh&ouml;rden nach den Vorgaben des Gesetzgebers eine Ermessensentscheidung ein; der Ermessensgebrauch ist durch die Gerichte nur im Rahmen des &sect;&nbsp;102 der Finanzgerichtsordnung (FGO) &uuml;berpr&uuml;fbar. Der sog. Sanierungserlass reduziert das Ermessen der Verwaltung hingegen auf Null. Die Steuer ist zu stunden, anderweitig festzusetzen oder zu erlassen, sofern die im BMF-Schreiben in BStBl I 2003, 240 genannten Voraussetzungen vorliegen. Die Finanzverwaltung hat zwar auf der Tatbestandsseite den Beurteilungsspielraum, ob das Unternehmen sanierungsbed&uuml;rftig und sanierungsf&auml;hig ist, der Schuldenerlass geeignet und die Sanierungsabsicht der Gl&auml;ubiger gegeben ist. Das Vorliegen dieser Voraussetzungen des sog. Sanierungserlasses ist jedoch von den Gerichten in vollem Umfang &uuml;berpr&uuml;fbar. Deshalb ist davon auszugehen, dass das BMF-Schreiben in BStBl I 2003, 240 keine selektiv beg&uuml;nstigende Ausnahmeregel beinhaltet, auch wenn dem europ&auml;ischen Recht die Unterscheidung zwischen einem unbestimmten Rechtsbegriff auf der Tatbestandsseite und dem Ermessen auf der Rechtsfolgeseite fremd ist (ebenso Eicke, PISTB 2012, 131; anderer Ansicht Wehner, NZI 2012, 537; Herrmann, ZInsO 2003, 1069, 1072&nbsp;f., Kahn\/Adam, ZInsO 2008, 899, 906).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>88<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Vor allem ist darauf hinzuweisen, dass der sog. Sanierungserlass in den Grundprinzipien der Steuerrechtsordnung seine Begr&uuml;ndung findet und deshalb als gerechtfertigt anzusehen ist. Der Sanierungserlass kommt nur notleidenden Unternehmen zugute und tr&auml;gt dazu bei, dass die Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsf&auml;higkeit gesichert und das &Uuml;berma&szlig;verbot gewahrt sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>89<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>C. Entscheidungserheblichkeit der Vorlagefrage<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>90<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Vorlagefrage ist entscheidungserheblich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>91<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Folgt man der Auffassung des vorlegenden Senats, dass der Sanierungserlass nicht gegen den Grundsatz der Gesetzm&auml;&szlig;igkeit der Verwaltung verst&ouml;&szlig;t und darauf gest&uuml;tzte Billigkeitsma&szlig;nahmen grunds&auml;tzlich zul&auml;ssig sind, m&uuml;sste das angefochtene Urteil aufgehoben und die Sache an das FG zur&uuml;ckverwiesen werden, damit dieses kl&auml;rt, ob die Voraussetzungen einer Billigkeitsentscheidung nach dem sog. Sanierungserlass vorliegen. Wird die Vorlagefrage entgegen der Rechtsauffassung des vorlegenden Senats beantwortet, m&uuml;sste die Revision zur&uuml;ckgewiesen werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>92<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>D. Notwendigkeit einer Entscheidung des Gro&szlig;en Senats<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>93<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Vorlage ist nach &sect;&nbsp;11 Abs.&nbsp;4 FGO geboten. Wie die Vielzahl der divergierenden erstinstanzlichen Entscheidungen und die Vielzahl der Literaturbeitr&auml;ge zeigen, kommt der Vorlagefrage grunds&auml;tzliche Bedeutung bei. Die Frage der Besteuerung von Sanierungsgewinnen ist f&uuml;r die Praxis von zentraler Bedeutung. Neben dem Streitfall sind weitere Revisionsverfahren beim BFH anh&auml;ngig (I&nbsp;R&nbsp;52\/14, IV&nbsp;R&nbsp;6\/15), in denen die Frage der Gesetzm&auml;&szlig;igkeit des sog. Sanierungserlasses von Bedeutung sein d&uuml;rfte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Entscheidung vom 25.3.2015, X R 23\/13 Forderungserlass nach dem sog. Sanierungserlass Leits&auml;tze Dem Gro&szlig;en Senat wird folgende Rechtsfrage zur Entscheidung vorgelegt: Verst&ouml;&szlig;t das BMF-Schreiben vom 27. M&auml;rz 2003 IV A 6-S 2140-8\/03 (BStBl I 2003, 240; erg&auml;nzt durch das BMF-Schreiben vom 22. Dezember 2009 IV C 6-S 2140\/07\/10001-01, BStBl I 2010, 18; sog. 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