{"id":64694,"date":"2015-07-10T16:02:38","date_gmt":"2015-07-10T14:02:38","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=64694"},"modified":"2015-07-10T16:02:38","modified_gmt":"2015-07-10T14:02:38","slug":"vii-r-6-11-inhaltsgleich-mit-bfh-urteil-vom-10032015-vii-r-5-11-ermittlung-des-steuersatzes-fuer-als-substitutionsheizstoff-verwendetes-toluol","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-r-6-11-inhaltsgleich-mit-bfh-urteil-vom-10032015-vii-r-5-11-ermittlung-des-steuersatzes-fuer-als-substitutionsheizstoff-verwendetes-toluol\/","title":{"rendered":"VII&nbsp;R&nbsp;6\/11 &#8211; Inhaltsgleich mit BFH-Urteil vom 10.03.2015 VII R 5\/11 &#8211; Ermittlung des Steuersatzes f&uuml;r als Substitutionsheizstoff verwendetes Toluol"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 10.3.2015, VII R 6\/11<\/p>\n<p class=\"titel\">Inhaltsgleich mit BFH-Urteil vom 10.03.2015 VII R 5\/11 &#8211; Ermittlung des Steuersatzes f&uuml;r als Substitutionsheizstoff verwendetes Toluol<\/p>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision des Hauptzollamts wird das Urteil des Finanzgerichts D&uuml;sseldorf vom 15. Dezember 2010&nbsp;&nbsp;4 K 2656\/10 VE aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Sache wird an das Finanzgericht D&uuml;sseldorf zur&uuml;ckverwiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Diesem wird die Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Revisionsverfahrens &uuml;bertragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) befasst sich mit der Herstellung und dem Verkauf von Titanpigmenten sowie Titanverbindungen. Sie stellt unter Einsatz von Toluol im Chloridverfahren Titandioxidpulver her, das sie als sog. Wei&szlig;pigment verkauft. Die Titandioxidpigmente werden in einem Synthesereaktor in drei Schritten hergestellt. Der erste Schritt ist die Reduktion von Titantetrachlorid (TiCl<sub>4<\/sub>) zu TiCl<sub>3<\/sub> in einer Sauerstoffatmosph&auml;re. Der Sauerstoff verbindet sich mit dem Titan, w&auml;hrend das Chlor teilweise als Chlorgas und teilweise als Chlorwasserstoff entsteht. Die Einleitung der Titandioxidsynthese erfolgt bei sehr hohen Temperaturen. Titantetrachlorid und Sauerstoff werden vor ihrer Zusammenf&uuml;hrung stark erhitzt. Da Sauerstoff mit einer Erdgasflamme nur bis ca.&nbsp;950&deg;&nbsp;C erhitzt werden kann, der Beginn der chemischen Reaktion jedoch eine Erhitzung des Sauerstoffs auf 1&nbsp;650&deg;&nbsp;C erfordert, wird das Toluol zur Schlie&szlig;ung der &quot;Energiel&uuml;cke&quot; direkt in den 950&deg;&nbsp;C hei&szlig;en Sauerstoffstrom eingespr&uuml;ht, wo es verdampft und anschlie&szlig;end verbrennt. In einem zweiten Schritt kondensieren die Titandioxideinzelmolek&uuml;le unter Hitzeeinwirkung zu Nanopartikeln, die in einem dritten Schritt durch Kollision miteinander und anschlie&szlig;ender Versinterung zu Mikropartikeln heranwachsen. Das gewonnene Titandioxid weist eine instabile Struktur und eine nicht sehr hohe Best&auml;ndigkeit auf. Deshalb verarbeitet die Kl&auml;gerin das Titandioxid in einem Trockner und in einem Temperofen weiter. Dabei wird die Oberfl&auml;che der Titandioxidgrundk&ouml;rper durch einen &Uuml;berzug mit keramischen Mikropartikeln aus Aluminium, Zirkon oder Siliciumoxid oder Mischungen hiervon stabilisiert. Ferner werden Kristallgitterfehler beseitigt. Der Trockner und der Temperofen werden jeweils durch eine Erdgasflamme erhitzt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Schreiben vom 19.&nbsp;Dezember 2006 beantragte die Kl&auml;gerin die Erteilung einer Erlaubnis nach &sect;&nbsp;24 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 des Energiesteuergesetzes (EnergieStG) zur steuerfreien Verwendung von Toluol zur Herstellung von Titandioxid im Chloridverfahren. Mit der Begr&uuml;ndung, das Toluol werde in diesem Verfahren verheizt, lehnte der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Hauptzollamt &#8211;HZA&#8211;) die Erteilung der Erlaubnis ab. Auf Aufforderung des HZA gab die Kl&auml;gerin eine Steueranmeldung f&uuml;r das Jahr 2007 ab, in der sie die Steuer unter Anwendung des in &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;b EnergieStG vorgesehenen Steuersatzes mit &#8230;&nbsp;EUR berechnete. Mit Einspruchsentscheidung vom 8.&nbsp;Juli 2010 wies das HZA den gegen die streitgegenst&auml;ndliche Energiesteueranmeldung vom 12.&nbsp;Februar 2008 eingelegten Einspruch als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ck. Dabei vertrat es die Auffassung, das Toluol stehe nach seiner Dichte und seinem Siedeverhalten Leicht&ouml;l der Unterpos.&nbsp;2710&nbsp;11 der Kombinierten Nomenklatur (KN) am n&auml;chsten. Eine Versteuerung nach &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;a EnergieStG scheide aus, weil das von der Kl&auml;gerin verwendete Toluol nicht gekennzeichnet gewesen sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Klage hatte Erfolg. Das Finanzgericht (FG) urteilte, die Steueranmeldung vom 12.&nbsp;Februar 2008 in der Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 8.&nbsp;Juli 2010 sei aufzuheben, soweit die Energiesteuer unter Anwendung eines h&ouml;heren Steuersatzes als 25&nbsp;EUR\/1&nbsp;000&nbsp;kg gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 EnergieStG festgesetzt worden sei. Im Streitfall sei die Steuer nach &sect;&nbsp;67 Abs.&nbsp;4 i.V.m. &sect;&nbsp;30 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EnergieStG entstanden. Da Toluol in &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 und&nbsp;3 EnergieStG nicht genannt sei, unterliege es nach &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 EnergieStG der gleichen Steuer wie das Energieerzeugnis, dem es am n&auml;chsten stehe. Der im Streitfall anzuwendende Steuersatz k&ouml;nne in richtlinienkonformer Auslegung des Art.&nbsp;2 Abs.&nbsp;3 Unterabs.&nbsp;1 und&nbsp;3 der Richtlinie 2003\/96\/EG (EnergieStRL) des Rates vom 27.&nbsp;Oktober 2003 zur Restrukturierung der gemeinschaftlichen Rahmenvorschriften zur Besteuerung von Energieerzeugnissen und elektrischem Strom (Amtsblatt der Europ&auml;ischen Union Nr.&nbsp;L&nbsp;283\/51) nur &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 i.V.m. Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 EnergieStG entnommen werden. Nach den unionsrechtlichen Vorgaben bestimme sich der Steuersatz nach der Verwendung des jeweiligen Energieerzeugnisses. Demgegen&uuml;ber ordne &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 EnergieStG die Anwendung des Steuersatzes f&uuml;r Energieerzeugnisse an, denen die zu beurteilenden Energieerzeugnisse nach ihrer Beschaffenheit und ihrem Verwendungszweck am n&auml;chsten st&uuml;nden. Insoweit enthalte &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 EnergieStG eine im Streitfall leer laufende Verweisung auf &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 EnergieStG. Da das Toluol zum Verheizen verwendet worden sei, k&ouml;nne der anzuwendende Steuersatz nur &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 EnergieStG entnommen werden. Nach seiner konkreten Verwendung stehe das Toluol dem Heiz&ouml;l der Unterpos.&nbsp;2710&nbsp;19&nbsp;61 bis 2710&nbsp;19&nbsp;69 KN gleich, so dass ein Steuersatz von 25&nbsp;EUR je 1&nbsp;000&nbsp;kg anzuwenden sei. In &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 EnergieStG sei kein dem Toluol mit einem Preis von ca.&nbsp;1,42&nbsp;EUR\/l gleichwertiger Heizstoff aufgef&uuml;hrt. Die fehlende Kennzeichnung des Toluols stehe einer Anwendung des Steuersatzes des &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 EnergieStG nicht entgegen, weil eine solche nur f&uuml;r nach dem in &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EnergieStG festgelegten Steuersatz versteuerte Energieerzeugnisse vorgesehen sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit seiner Revision r&uuml;gt das HZA eine unzutreffende Anwendung des &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 EnergieStG, der mit dem Unionsrecht in Einklang stehe. Die Steuer f&uuml;r das von der Kl&auml;gerin verwendete Toluol sei nach &sect;&nbsp;67 Abs.&nbsp;4 i.V.m. &sect;&nbsp;30 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EnergieStG entstanden, denn es sei von der Kl&auml;gerin als Heizstoff verwendet worden, weshalb eine Steuerbefreiung nach &sect;&nbsp;25 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EnergieStG nicht in Betracht komme. F&uuml;r die in &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 bis&nbsp;3 EnergieStG nicht genannten Energieerzeugnisse richte sich der anzuwendende Steuersatz nach der Beschaffenheit und dem Verwendungszweck des Energieerzeugnisses. Dabei sei zu ber&uuml;cksichtigen, dass die Abs&auml;tze&nbsp;1 und&nbsp;2 des &sect;&nbsp;2 EnergieStG den an der Beschaffenheit der Erzeugnisse ausgerichteten Grundtatbestand des Steuertarifs darstellten. Dieses Verst&auml;ndnis der Regelungen belege die durch das Gesetz zur &Auml;nderung des Energiesteuer- und Stromsteuergesetzes vom 1.&nbsp;M&auml;rz 2011 (BGBl I 2011, 282) eingef&uuml;hrte Entlastungsm&ouml;glichkeit, die Sachverhalte wie den des Streitfalls erfasse. Auch wenn Benzine oder mittelschwere &Ouml;le verheizt w&uuml;rden, sei der entsprechende Steuersatz nach &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 EnergieStG anzuwenden. Demgegen&uuml;ber sei &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;3 EnergieStG als Spezialregelung f&uuml;r bestimmte Verwendungszwecke (einschlie&szlig;lich des Verheizens) anzusehen. Deshalb sei die Frage des Verwendungszwecks nur f&uuml;r diejenigen Energieerzeugnisse zu kl&auml;ren, deren am n&auml;chsten stehendes Energieerzeugnis sowohl in &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 und&nbsp;2 EnergieStG als auch in &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;3 EnergieStG genannt sei. Die in Art.&nbsp;2 Abs.&nbsp;3 EnergieStRL getroffene Regelung bedeute nicht, dass neben einem Kraftstoffsteuersatz zwingend auch ein erm&auml;&szlig;igter Heizstoffsteuersatz festgelegt werden m&uuml;sse. Insoweit bleibe den Mitgliedstaaten ein Spielraum bei der Umsetzung des Richtlinienrechts.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Unter Ber&uuml;cksichtigung des Siedepunktes, der bei 111&deg;&nbsp;C liege, sei das Toluol einem Leicht&ouml;l, und unter Ber&uuml;cksichtigung der Gehalte an Blei und Schwefel einem bleifreien und schwefelarmen Benzin am n&auml;chsten stehend anzusehen (&sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;b EnergieStG). Die Gleichwertigkeit eines Energieerzeugnisses k&ouml;nne nicht aufgrund des Preises beurteilt werden. Im &Uuml;brigen bleibe das FG die Begr&uuml;ndung schuldig, warum Toluol, das zu Heizzwecken eingesetzt werde, schwerem Heiz&ouml;l und nicht anderen Energieerzeugnissen, wie z.B. leichtem Heiz&ouml;l oder Fl&uuml;ssiggasen, gleichwertig sein soll. Der Preis f&uuml;r leichtes Heiz&ouml;l liege dem Preis f&uuml;r Toluol n&auml;her als der Preis f&uuml;r schweres Heiz&ouml;l.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das HZA beantragt die Aufhebung des erstinstanzlichen Urteils sowie die Abweisung der Klage.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt, die Revision des HZA als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Sie schlie&szlig;t sich im Wesentlichen der Rechtsauffassung des FG an. Hinsichtlich seiner Beschaffenheit k&ouml;nne nicht nur auf das Siedeverhalten oder die Dichte von reinem Toluol abgestellt werden. Von Bedeutung sei auch, dass Toluol f&uuml;r eine Verwendung als Kraftstoff ungeeignet sei. Ein wesentlicher Unterschied zu Benzin liege auch in dem hohen Preis von Toluol in H&ouml;he von 1,42&nbsp;EUR\/l. Demgegen&uuml;ber koste 1&nbsp;Liter Benzin ohne Energiesteuern ca.&nbsp;0,40&nbsp;EUR. Das bei der Herstellung von Titandioxid verwendete Toluol weise gegen&uuml;ber Heiz&ouml;l eine gr&ouml;&szlig;ere Umweltvertr&auml;glichkeit auf. Wenn Toluol wie Motorbenzin besteuert werde, w&uuml;rden Wettbewerber in diskriminierender Weise bevorzugt, die das billigere Heiz&ouml;l verwendeten. Den unterschiedlichen Sprachfassungen des Art.&nbsp;2 Abs.&nbsp;3 EnergieStRL sei zu entnehmen, dass es entscheidend auf den Verwendungszweck, nicht jedoch auf die Beschaffenheit des zu besteuernden Erzeugnisses ankomme. Die EnergieStRL erlaube es nicht, bei gleichem Verwendungszweck andere Energieerzeugnisse gegen&uuml;ber den in den Tabellen&nbsp;A und&nbsp;C des Anhangs&nbsp;I EnergieStRL genannten Erzeugnissen zu diskriminieren. Im Streitfall lasse sich f&uuml;r das apothekenreine Toluol ein gleichwertiger Heizstoff schwerlich finden. Weder auf den Preis, noch auf das Siedeverhalten oder die chemische &Auml;hnlichkeit k&ouml;nne abgestellt werden. Es sei daher auf den Mindeststeuersatz f&uuml;r schweres Heiz&ouml;l in H&ouml;he von 25&nbsp;EUR\/1&nbsp;000&nbsp;l abzustellen. Wenn aufgrund der &Auml;hnlichkeit von Toluol zu Gas&ouml;len ein Steuersatz von 61,35&nbsp;EUR\/1&nbsp;000&nbsp;l anzuwenden sei, m&uuml;sse von der Erf&uuml;llung der Kennzeichnungspflicht abgesehen werden, denn eine solche bestehe f&uuml;r reines Toluol nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Senat hat das Verfahren mit Beschluss vom 14.&nbsp;November 2012 VII&nbsp;R&nbsp;6\/11 (BFH\/NV 2013, 934) ausgesetzt und dem Gerichtshof der Europ&auml;ischen Union (EuGH) die Frage zur Vorabentscheidung vorgelegt, ob Art.&nbsp;2 Abs.&nbsp;3 EnergieStRL verlangt, bei der Besteuerung anderer Energieerzeugnisse als derjenigen, f&uuml;r die in der Richtlinie ein Steuerbetrag festgelegt ist, einen Steuersatz anzuwenden, der im nationalen Recht f&uuml;r die Verwendung eines Energieerzeugnisses als Heizstoff festgelegt ist, sofern jenes andere Energieerzeugnis ebenfalls als Heizstoff verwendet wird, und ob, wenn das andere Energieerzeugnis bei einer Verwendung als Heizstoff einem bestimmten Energieerzeugnis gleichwertig ist, der f&uuml;r dieses Energieerzeugnis im nationalen Recht festgelegte Steuersatz angewandt werden kann, auch wenn es sich dabei um einen einheitlichen Steuersatz ohne R&uuml;cksicht auf die Verwendung als Kraftstoff oder als Heizstoff handelt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In seinem Urteil vom 3.&nbsp;April 2014 C-43\/13 und C-44\/13 (Zeitschrift f&uuml;r Z&ouml;lle und Verbrauchsteuern &#8211;ZfZ&#8211; 2014, 167) hat der EuGH auf diese Frage geantwortet, Art.&nbsp;2 Abs.&nbsp;3 EnergieStRL sei dahin auszulegen, dass in einem ersten Schritt zu bestimmen ist, ob das fragliche Erzeugnis als Heiz- oder als Kraftstoff verwendet wird, bevor in einem zweiten Schritt festgestellt wird, an die Stelle welches der Kraft- oder der Heizstoffe, die in der entsprechenden Tabelle in Anhang&nbsp;I dieser Richtlinie jeweils aufgef&uuml;hrt sind, das fragliche Erzeugnis bei seiner Verwendung tats&auml;chlich tritt oder in Ermangelung eines solchen, welcher dieser Kraft- oder dieser Heizstoffe ihm nach seiner Beschaffenheit und seinem Verwendungszweck am n&auml;chsten steht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach Auffassung der Kl&auml;gerin kommt nach der Entscheidung des EuGH die Besteuerung des streitgegenst&auml;ndlichen Toluols, das einen sehr hohen Reinheitsgrad aufweise, nur nach einem f&uuml;r Heizstoffe festgelegten Steuersatz in Betracht. Aufgrund der f&uuml;r den Bundesfinanzhof bindenden Feststellungen des FG, nach denen das Toluol nach seiner konkreten Verwendung dem Heiz&ouml;l der Unterpos.&nbsp;2710&nbsp;19&nbsp;61 bis 2710&nbsp;19&nbsp;69 KN gleichsteht, sei daher der in &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 EnergieStG festgelegte Steuersatz von 25&nbsp;EUR je 1&nbsp;000&nbsp;kg anzuwenden. Im Rahmen des anzustellenden Beschaffenheitsvergleichs k&ouml;nne nicht allein auf das Siedeverhalten eines Energieerzeugnisses abgestellt werden, vielmehr seien in einer Gesamtbetrachtung auch andere Merkmale, wie z.B. der Schwefel- oder Bleigehalt, und insbesondere der Verwendungszweck zu ber&uuml;cksichtigen. Zudem bestehe keine Vergleichbarkeit des Siedepunktes von Toluol mit den Siedeverl&auml;ufen von Kerosin und Motorbenzin. Dem Kerosin stehe Toluol deshalb nicht nahe, weil Kerosin in der Bundesrepublik Deutschland (Deutschland) und anderen Mitgliedstaaten nahezu ausschlie&szlig;lich als Kraftstoff eingesetzt werde. Im Ergebnis f&uuml;hre eine Besteuerung von Toluol mit dem f&uuml;r Kerosin vorgesehenen Steuersatz dazu, dass ein als Heizstoff verwendetes Energieerzeugnis mit der Folge von Marktverzerrungen mit einem f&uuml;r einen Kraftstoff vorgesehenen Steuersatz belegt werde. Demgegen&uuml;ber vertritt das HZA die Auffassung, das Toluol stehe nach seinem Siedeverhalten nicht einem Gas- oder Schwer&ouml;l, sondern dem Kerosin am n&auml;chsten, weshalb der in &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 EnergieStG festgelegte Steuersatz zur Anwendung gelangen m&uuml;sse, der gleicherma&szlig;en f&uuml;r Kraft- und Heizstoffe gelte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision des HZA ist begr&uuml;ndet. Zu Unrecht hat das FG die Beschaffenheitsmerkmale von Toluol und schwerem Heiz&ouml;l unber&uuml;cksichtigt gelassen und damit hinsichtlich der Auslegung des Art.&nbsp;2 Abs.&nbsp;3 EnergieStRL eine von der Entscheidung des EuGH abweichende Rechtsauffassung vertreten. Das Urteil des FG ist daher aufzuheben und zur Nachholung der vers&auml;umten Feststellungen an dieses zur&uuml;ckzuverweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Bei der Festlegung der Steuers&auml;tze und der Ausgestaltung des Steuertarifs ist der Gesetzgeber der Systematik des Anhangs&nbsp;I EnergieStRL nicht gefolgt, sondern hat in &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 und&nbsp;2 EnergieStG allgemein geltende Steuers&auml;tze f&uuml;r die dort genannten Energieerzeugnisse unabh&auml;ngig davon festgelegt, ob das jeweilige Energieerzeugnis als Kraft- oder Heizstoff verwendet wird. In &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;3 EnergieStG hat er in Abweichung von den Abs&auml;tzen&nbsp;1 und&nbsp;2 erm&auml;&szlig;igte Steuers&auml;tze f&uuml;r bestimmte Energieerzeugnisse festgelegt, die zum Verheizen oder in beg&uuml;nstigten Anlagen nach den &sect;&sect;&nbsp;3 und&nbsp;3a EnergieStG verwendet werden. Die Ausgestaltung der Steuertarife begegnet nach Auffassung des erkennenden Senats keinen unionsrechtlichen Bedenken. In seinen Schlussantr&auml;gen in den Rechtssachen C-43\/13 und C-44\/13 hat Generalanwalt J&auml;&auml;skinen darauf hingewiesen, dass die Mitgliedstaaten nicht daran gehindert sind, beide Verwendungsarten eines Energieerzeugnisses mit demselben Steuersatz zu besteuern, sofern sie dies f&uuml;r sachdienlich erachten und der Steuersatz die von der EnergieStRL vorgegebenen Mindeststeuerbetr&auml;ge einh&auml;lt. Von dieser M&ouml;glichkeit hat Deutschland Gebrauch gemacht und z.B. f&uuml;r Kerosin in &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 EnergieStG einen Steuersatz in H&ouml;he von 654,50&nbsp;EUR f&uuml;r 1&nbsp;000&nbsp;l unabh&auml;ngig davon festgelegt, ob dieses verheizt oder als Kraftstoff verwendet wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Bei dem von der Kl&auml;gerin im Chloridverfahren zur Herstellung von Titandioxid eingesetzten Toluol (Methylbenzol) handelt es sich um ein Erzeugnis, das der Unterpos.&nbsp;2902&nbsp;30&nbsp;00 KN zuzuweisen ist. Dies ist unter den Beteiligten unstreitig. Ein Steuersatz ist f&uuml;r dieses Erzeugnis weder in &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 bis&nbsp;2 EnergieStG noch in &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;3 EnergieStG festgelegt, so dass dieser nach &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 EnergieStG zu bestimmen ist. Danach unterliegen andere als die in den Abs&auml;tzen&nbsp;1 bis&nbsp;3 genannten Energieerzeugnisse der gleichen Steuer wie die Energieerzeugnisse, denen sie nach ihrer Beschaffenheit und ihrem Verwendungszweck am n&auml;chsten stehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>F&uuml;r Toluol ist auch in Anhang&nbsp;I EnergieStRL kein Mindeststeuerbetrag festgelegt. Nach den Vorgaben des Art.&nbsp;2 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 EnergieStRL werden zum Verbrauch als Heiz- oder Kraftstoff bestimmte oder als solche zum Verkauf angebotene bzw. verwendete andere Energieerzeugnisse als diejenigen, f&uuml;r die in der EnergieStRL (Anhang&nbsp;I Tabellen&nbsp;A, B und&nbsp;C) ein Steuerbetrag festgelegt wurde, je nach Verwendung zu dem f&uuml;r einen gleichwertigen Heiz- oder Kraftstoff erhobenen Steuersatz besteuert.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach dem Urteil des EuGH in ZfZ 2014, 167 ist in einem ersten Schritt zu bestimmen, ob das fragliche Erzeugnis &#8211;f&uuml;r das ein Steuerbetrag gesucht wird&#8211; als Heiz- oder Kraftstoff verwendet wird. Dabei ergibt sich der Vorrang der konkreten Verwendung des Erzeugnisses gegen&uuml;ber dessen Gleichwertigkeit mit anderen Energieerzeugnissen aus den Zielen der EnergieStRL, das ordnungsgem&auml;&szlig;e Funktionieren des Binnenmarkts zu gew&auml;hrleisten. In einem zweiten Schritt ist nach der Rechtsprechung des EuGH zu bestimmen, an die Stelle welches der in Anhang&nbsp;I EnergieStRL (ausdr&uuml;cklich) aufgef&uuml;hrten Kraft- und Heizstoffe das fragliche Erzeugnis bei seiner Verwendung tats&auml;chlich tritt. Der Begr&uuml;ndung der Entscheidung l&auml;sst sich entnehmen, dass bei diesem Schritt zu pr&uuml;fen ist, welches der in Anhang&nbsp;I EnergieStRL aufgef&uuml;hrten Energieerzeugnisse als Ersatz f&uuml;r das tats&auml;chlich eingesetzte Energieerzeugnis h&auml;tte verwendet werden k&ouml;nnen. Ist eine Substitution &#8211;z.B. aufgrund technischer Anforderungen an einen bestimmten Produktionsprozess&#8211; nicht m&ouml;glich, ist nach den Vorgaben des EuGH in einem dritten Schritt festzustellen, welcher der in Anhang&nbsp;I EnergieStRL aufgef&uuml;hrten Kraft- oder Heizstoffe dem Energieerzeugnis, dem ein Mindeststeuerbetrag zugeordnet werden soll, nach seiner Beschaffenheit und seinem konkreten Verwendungszweck am n&auml;chsten steht. Dass bei dieser Pr&uuml;fung auch der allgemein &uuml;bliche Verwendungszweck der im Anhang&nbsp;I EnergieStRL aufgef&uuml;hrten Energieerzeugnisse eine Rolle spielen soll, l&auml;sst sich dem EuGH-Urteil nicht entnehmen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Nach den dargestellten Grunds&auml;tzen erweist sich die vom Gesetzgeber in &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;4 Satz 1 EnergieStG getroffene Regelung zumindest als auslegungsbed&uuml;rftig. In richtlinienkonformer Auslegung ist bei der Anwendung der Vorschrift, die der Umsetzung des Art.&nbsp;2 Abs.&nbsp;3 EnergieStRL dient, entsprechend der Vorgaben des EuGH zun&auml;chst auf den Verwendungszweck abzustellen (Verwendung des nicht mit einem Steuersatz versehenen Erzeugnisses als Heiz- oder Kraftstoff). Im Streitfall handelt es sich um ein Energieerzeugnis, das in einem industriellen Produktionsprozess ausschlie&szlig;lich als Heizstoff verwendet wird. Zur Herstellung von Titandioxid wird es in einem Synthesereaktor zur W&auml;rmegewinnung in einen 950&deg;&nbsp;C hei&szlig;en Sauerstoffstrom eingespr&uuml;ht, in dem es verbrennt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Da die Verwendung des streitigen Energieerzeugnisses als Heizstoff feststeht, ist nach der durch das EuGH-Urteil in ZfZ 2014, 167 vorgegebenen Reihenfolge zu pr&uuml;fen, ob das zur Herstellung von Titandioxidpulver im Chloridverfahren eingesetzte apothekenreine Toluol durch ein anderes in der Tabelle&nbsp;C des Anhangs&nbsp;I EnergieStRL aufgef&uuml;hrtes Energieerzeugnis ersetzt werden kann. Hierf&uuml;r erforderliche tats&auml;chliche Feststellungen hat das FG nicht getroffen. Sie werden im zweiten Rechtsgang nachzuholen sein. Lie&szlig;e sich danach kein Ersatzerzeugnis finden, w&auml;re in einem dritten Schritt zu pr&uuml;fen, welchem in Tabelle&nbsp;C des Anhangs&nbsp;I EnergieStRL genannten Heizstoff das von der Kl&auml;gerin verwendete Toluol nach seiner Beschaffenheit und seinem konkreten Verwendungszweck am n&auml;chsten steht. Da es dem EuGH nach der Begr&uuml;ndung seines Urteils in ZfZ 2014, 167 ausdr&uuml;cklich darauf ankommt, dass dasselbe Energieerzeugnis in allen Mitgliedstaaten einheitlich als Kraft- oder Heizstoff behandelt wird, kommt es sowohl in Schritt&nbsp;2 als auch in Schritt&nbsp;3 nicht darauf an, ob die entsprechenden Energieerzeugnisse auch in &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;3 EnergieStG genannt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Der konkrete Verwendungszweck ergibt sich im Streitfall aus dem Einsatz des Toluols zur Erzeugung einer f&uuml;r eine chemische Reaktion ben&ouml;tigen sehr hohen Temperatur von 1&nbsp;650&deg;&nbsp;C, wobei das Toluol in einen bereits auf 950&deg;&nbsp;C aufgeheizten Sauerstoffstrom eingespr&uuml;ht wird. Gegebenenfalls spielt f&uuml;r den konkreten Produktionsprozess auch der Reinheitsgrad des Toluols eine Rolle. Aufgrund des dargestellten Verwendungszwecks kann entgegen der Auffassung des HZA das Siedeverhalten von Toluol im Rahmen der Feststellung der Gleichwertigkeit im Fall einer fehlenden Substituierbarkeit nicht als vorrangiges oder allein entscheidendes Merkmal angesehen werden. Eine solche Sichtweise w&uuml;rde bereits deshalb nicht mit dem Unionsrecht &uuml;bereinstimmen, weil sie die konkrete Verwendung des Energieerzeugnisses in den Hintergrund treten, wenn nicht sogar g&auml;nzlich unber&uuml;cksichtigt lie&szlig;e. Geboten ist vielmehr eine Gesamtbetrachtung, wobei die bei Erzeugnissen der Erd&ouml;lverarbeitung anzutreffenden Beschaffenheitsmerkmale, wie z.B. der Aggregatzustand, der Siedebereich, das Verh&auml;ltnis von Kohlenstoff- und Wasserstoffatomen, der Reinheitsgrad, die Viskosit&auml;t, der Flammpunkt oder die Dichte der zu vergleichenden Erzeugnisse zu ber&uuml;cksichtigen und unter Ber&uuml;cksichtigung des jeweiligen konkreten Verwendungszwecks zu gewichten sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Da das FG die Ansicht vertreten hat, es komme aufgrund des Vorrangs der konkreten Verwendung auf die Beschaffenheit von Toluol und desjenigen Energieerzeugnisses, das ihm am n&auml;chsten steht, nicht an, war das erstinstanzliche Urteil aufzuheben. An einer Entscheidung ist der erkennende Senat jedoch gehindert, weil das FG keine Feststellungen zu den Beschaffenheitsmerkmalen von apothekenreinem Toluol und dem in Betracht kommenden Energieerzeugnis getroffen hat, das Toluol im Hinblick auf den konkreten Verwendungszweck am n&auml;chsten steht. Diese Feststellungen wird das FG im zweiten Rechtsgang nachzuholen haben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>6. Kein Beschaffenheitsmerkmal, sondern eine Ma&szlig;nahme der Steueraufsicht ist die Kennzeichnung eines Energieerzeugnisses. Dies bedeutet f&uuml;r den Anwendungsbereich des &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 EnergieStG, dass eine fehlende Kennzeichnung bei der Ermittlung des Steuersatzes au&szlig;er Betracht zu bleiben hat. Denn w&uuml;rde eine solche bei der Anwendung der f&uuml;r ordnungsgem&auml;&szlig; gekennzeichnete Gas&ouml;le (vgl. &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 der Energiesteuer-Durchf&uuml;hrungsverordnung) festgelegten Steuers&auml;tze gefordert, w&uuml;rde die Gew&auml;hrung eines erm&auml;&szlig;igten Steuersatzes wesentlich erschwert oder sogar unm&ouml;glich gemacht. Dies gilt auch f&uuml;r das streitgegenst&auml;ndliche Toluol, das in gekennzeichneter Form im Handel nicht ohne Weiteres erh&auml;ltlich ist. Dar&uuml;ber hinaus w&auml;re eine Kennzeichnungspflicht mit erheblichem technischen Aufwand verbunden, den inl&auml;ndische und insbesondere ausl&auml;ndische H&auml;ndler nicht gewillt sein d&uuml;rften, f&uuml;r ein relativ kleines Marktsegment zu betreiben. Auch das HZA r&auml;umt unter Hinweis auf die in &sect;&nbsp;49 Abs.&nbsp;2a EnergieStG mit Wirkung vom 1.&nbsp;Januar 2011 getroffene Regelung ein, dass sich eine Kennzeichnung wie beim Gas&ouml;l im Fall von Toluol nicht rechtfertigen lie&szlig;e.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>7. Auf die in &sect;&nbsp;49 Abs.&nbsp;2a EnergieStG getroffene Regelung, die eine M&ouml;glichkeit er&ouml;ffnet, auf die in &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 bis&nbsp;3 EnergieStG genannten Energieerzeugnisse den f&uuml;r schwefelarmes Gas&ouml;l geltenden Steuersatz anzuwenden, kann nicht zur&uuml;ckgegriffen werden, da die Vorschrift erst mit Wirkung zum 1.&nbsp;Januar 2011 eingef&uuml;hrt worden ist. Ausweislich der Gesetzesbegr&uuml;ndung (BTDrucks&nbsp;17\/3055, S.&nbsp;14) soll die Ausweitung der Entlastungsm&ouml;glichkeit auch auf Leicht&ouml;le und mittelschwere &Ouml;le dem Bed&uuml;rfnis der Industrie Rechnung tragen, diese Erzeugnisse in Heizprozessen steuerbeg&uuml;nstigt zu verwenden. Da die Vorschrift im Streitfall noch keine Anwendung findet, bedarf es keiner Entscheidung dar&uuml;ber, ob mit dieser Regelung den Vorgaben des Unionsrechts und des EuGH Gen&uuml;ge getan ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>8. Der Kostenvorbehalt ergibt sich aus &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 10.3.2015, VII R 6\/11 Inhaltsgleich mit BFH-Urteil vom 10.03.2015 VII R 5\/11 &#8211; Ermittlung des Steuersatzes f&uuml;r als Substitutionsheizstoff verwendetes Toluol Tenor Auf die Revision des Hauptzollamts wird das Urteil des Finanzgerichts D&uuml;sseldorf vom 15. Dezember 2010&nbsp;&nbsp;4 K 2656\/10 VE aufgehoben. Die Sache wird an das Finanzgericht D&uuml;sseldorf zur&uuml;ckverwiesen. 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