{"id":64712,"date":"2015-07-10T16:26:55","date_gmt":"2015-07-10T14:26:55","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=64712"},"modified":"2015-07-10T16:26:55","modified_gmt":"2015-07-10T14:26:55","slug":"ix-r-17-14-feststellung-des-verbleibenden-verlustabzugs-gemaess-par-10d-abs-4-satz-6-2-halbsatz-estg-anwendung-des-par-181-abs-5-ao","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-17-14-feststellung-des-verbleibenden-verlustabzugs-gemaess-par-10d-abs-4-satz-6-2-halbsatz-estg-anwendung-des-par-181-abs-5-ao\/","title":{"rendered":"IX&nbsp;R&nbsp;17\/14 &#8211; Feststellung des verbleibenden Verlustabzugs gem&auml;&szlig; &sect; 10d Abs. 4 Satz 6 2. Halbsatz EStG &#8211; Anwendung des &sect; 181 Abs. 5 AO"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 14.4.2015, IX R 17\/14<\/p>\n<p class=\"titel\">Feststellung des verbleibenden Verlustabzugs gem&auml;&szlig; &sect; 10d Abs. 4 Satz 6 2. Halbsatz EStG &#8211; Anwendung des &sect; 181 Abs. 5 AO<\/p>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision des Kl&auml;gers gegen das Urteil des Finanzgerichts M&uuml;nchen vom 3. Juni 2014&nbsp;&nbsp;13 K 1443\/11 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Kl&auml;ger zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Im Streit ist die Durchf&uuml;hrung der gesonderten Feststellung des vortragsf&auml;higen Verlusts zur Einkommensteuer auf den 31.&nbsp;Dezember 1999.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dem Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) entstanden im Streitjahr 1999 Aufwendungen f&uuml;r ein Studium. Nach Abschluss des Studiums war der Kl&auml;ger berufst&auml;tig und erzielte Eink&uuml;nfte aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit. Mit Schreiben vom 21.&nbsp;Dezember 2007 beantragte der Kl&auml;ger die Feststellung eines verbleibenden Verlustabzugs nach &sect;&nbsp;10d des Einkommensteuergesetzes (EStG) auf den 31.&nbsp;Dezember 1999. In der gleichzeitig f&uuml;r 1999 eingereichten Einkommensteuererkl&auml;rung machte der Kl&auml;ger Kosten f&uuml;r das Studium in H&ouml;he von 9.960&nbsp;DM als vorab entstandene Werbungskosten bei den Eink&uuml;nften aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit geltend. Den Antrag auf Verlustfeststellung lehnte der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) am 17.&nbsp;April 2008 ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger legte dagegen Einspruch ein und bezifferte die geltend gemachten Aufwendungen mit insgesamt 11.584&nbsp;DM. Am 20.&nbsp;Dezember 2010 erlie&szlig; das FA einen Bescheid &uuml;ber die gesonderte Feststellung des verbleibenden Verlustabzugs zur Einkommensteuer zum 31.&nbsp;Dezember 1999. Der verbleibende Verlustabzug zum 31.&nbsp;Dezember 1998 in H&ouml;he von 16.639&nbsp;DM wurde auf den 31.&nbsp;Dezember 1999 fortgef&uuml;hrt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Einspruchsentscheidung vom 11.&nbsp;April 2011 wies das FA den Einspruch gegen die Ablehnung der Durchf&uuml;hrung einer Verlustfeststellung vom 17.&nbsp;April 2008 in Gestalt des &Auml;nderungsbescheids vom 20.&nbsp;Dezember 2010 als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ck. Die Feststellungsfrist habe mit Ablauf des 31.&nbsp;Dezember 2006 geendet; sie sei daher im Zeitpunkt des Eingangs des Antrags bereits abgelaufen gewesen. Die Regelung des &sect;&nbsp;10d Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;6 EStG i.d.F. des Jahressteuergesetzes 2007 (JStG 2007) vom 13.&nbsp;Dezember 2006 (BGBl I 2006, 2878) gelte gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;25 Satz&nbsp;5 EStG i.d.F. des JStG 2007 f&uuml;r den Feststellungszeitraum 1999. Da die Nichtdurchf&uuml;hrung der Verlustfeststellung nicht auf einem pflichtwidrigen Unterlassen des FA beruht habe, finde &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;5 der Abgabenordnung (AO) im Streitfall keine Anwendung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die dagegen nach erfolglosem Einspruchsverfahren erhobene Klage blieb erfolglos. Das Finanzgericht (FG) best&auml;tigte die Auffassung des FA, auf den 31.&nbsp;Dezember 1999 sei bereits Feststellungsverj&auml;hrung eingetreten und damit ein Erlass eines Verlustfeststellungsbescheids ausgeschlossen. Der Antrag des Kl&auml;gers sei erst nach Eintritt der Feststellungsverj&auml;hrung gestellt worden. Gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;10d Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;6 EStG i.d.F. des JStG 2007 sei die gesonderte Feststellung auch nicht nach &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;5 AO zul&auml;ssig, da das FA die Feststellung des Verlustvortrags nicht pflichtwidrig unterlassen habe. Der Verlust sei erst am 21.&nbsp;Dezember 2007 und damit nach Ablauf der Feststellungsfrist geltend gemacht worden. &sect;&nbsp;10d Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;6 EStG i.d.F. des JStG 2007 gelte f&uuml;r alle bei Inkrafttreten dieses Gesetzes noch nicht abgelaufenen Feststellungsfristen (&sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;25 Satz&nbsp;5 EStG i.d.F. des JStG 2007). Da die Feststellungsfrist mit Ablauf des 31.&nbsp;Dezember 2006 geendet habe, sei sie im Zeitpunkt des Inkrafttretens des JStG 2007 am 19.&nbsp;Dezember 2006 noch nicht abgelaufen gewesen. &sect;&nbsp;10d Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;6 und &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;25 Satz&nbsp;5 EStG, jeweils i.d.F. des JStG 2007, verstie&szlig;en auch nicht gegen das aus dem Rechtsstaatsprinzip (Art.&nbsp;20 Abs.&nbsp;3 des Grundgesetzes) abgeleitete R&uuml;ckwirkungsverbot.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen richtet sich die Revision des Kl&auml;gers. Er tr&auml;gt im Wesentlichen vor, es sei verfassungsrechtlich nicht zul&auml;ssig, die seit 40&nbsp;Jahren geltende Regelung des &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;5 AO, die vom Gesetzgeber, den Gerichten, der Finanzverwaltung und den Steuerpflichtigen akzeptiert und gelebt worden sei, im Dezember 2006 mit R&uuml;ckwirkung auf den Feststellungszeitraum 1999 zu &auml;ndern. Weder durch das Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 12.&nbsp;Juni 2002 XI&nbsp;R&nbsp;26\/01 (BFHE 198, 395, BStBl II 2002, 681) noch durch das BFH-Urteil vom 2.&nbsp;August 2006 XI&nbsp;R&nbsp;65\/05 (BFHE 214, 492, BStBl II 2007, 921) sei die Rechtslage ge&auml;ndert worden. Vielmehr sei lediglich der Gesetzeswortlaut des &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;5 AO und damit die bestehende Rechtslage best&auml;tigt worden. Zudem habe er seinen Antrag auf Verlustfeststellung bereits zw&ouml;lf Monate nach Inkrafttreten der Neuregelung gestellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt,<br \/>das Urteil des FG M&uuml;nchen vom 3.&nbsp;Juni 2014&nbsp;&nbsp;13&nbsp;K&nbsp;1443\/11 aufzuheben und unter Aufhebung des Ablehnungsbescheids vom 17.&nbsp;April 2008 und &Auml;nderung des Bescheids &uuml;ber die gesonderte Feststellung des verbleibenden Verlustabzugs zum 31.&nbsp;Dezember 1999 vom 20.&nbsp;Dezember 2010 und der hierzu ergangenen Einspruchsentscheidung vom 11.&nbsp;April 2011 das FA zu verpflichten, den verbleibenden Verlustvortrag zur Einkommensteuer zum 31.&nbsp;Dezember 1999 auf 28.223&nbsp;DM (14.430&nbsp;EUR) festzustellen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und nach &sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zutreffend hat es das FG abgelehnt, einen h&ouml;heren verbleibenden Verlustabzug auf den 31.&nbsp;Dezember 1999 festzustellen. Denn im Zeitpunkt, in dem der Antrag auf Erlass des Verlustfeststellungsbescheids auf den 31.&nbsp;Dezember 1999 gestellt wurde, war bereits Feststellungsverj&auml;hrung eingetreten (1.). Eine Ablaufhemmung nach &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;5 AO kommt mit Blick auf &sect;&nbsp;10d Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;6&nbsp;&nbsp;2.&nbsp;Halbsatz EStG i.d.F. des JStG 2007 nicht in Betracht (2.). Die durch &sect;&nbsp;10d Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;6&nbsp;&nbsp;2.&nbsp;Halbsatz EStG i.d.F. des JStG 2007 angeordnete Nichtanwendung des &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;5 AO ist auch von Verfassungs wegen nicht zu beanstanden (3.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Da der Kl&auml;ger f&uuml;r das Streitjahr 1999 zun&auml;chst keine Feststellungserkl&auml;rung abgegeben hatte, endete die Feststellungsfrist nach &sect;&nbsp;169 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2, &sect;&nbsp;170 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1, &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;1 AO f&uuml;r den Feststellungszeitraum 1999 mit Ablauf des 31.&nbsp;Dezember 2006. Dar&uuml;ber besteht zwischen den Beteiligten kein Streit. Der Antrag des Kl&auml;gers vom 21.&nbsp;Dezember 2007 ist damit erst nach Eintritt der Feststellungsverj&auml;hrung gestellt worden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Eine Ablaufhemmung nach &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;5 AO kommt nicht in Betracht. Diese Norm ist im Streitfall wegen &sect;&nbsp;10d Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;6&nbsp;&nbsp;2.&nbsp;Halbsatz EStG i.d.F. des JStG 2007 nicht anwendbar.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 AO ist ein zum Schluss eines Veranlagungszeitraums verbleibender Verlustabzug auch nach Ablauf der f&uuml;r seine gesonderte Feststellung geltenden Feststellungsfrist gesondert festzustellen, wenn dies f&uuml;r einen sp&auml;teren Einkommensteuer- oder Feststellungsbescheid nach &sect;&nbsp;10d EStG von Bedeutung ist, f&uuml;r den die Festsetzungs- oder Feststellungsfrist noch nicht abgelaufen ist. &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;5 AO ist nach &sect;&nbsp;10d Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;6&nbsp;&nbsp;2.&nbsp;Halbsatz EStG i.d.F. des JStG 2007 jedoch nur anzuwenden, wenn die zust&auml;ndige Finanzbeh&ouml;rde die Feststellung des Verlustvortrags pflichtwidrig unterlassen hat. Da &sect;&nbsp;10d Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;6&nbsp;&nbsp;2.&nbsp;Halbsatz EStG gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;25 Satz&nbsp;5 jeweils i.d.F. des JStG 2007 f&uuml;r alle bei Inkrafttreten des JStG 2007 am 19.&nbsp;Dezember 2006 (vgl. Art.&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 JStG 2007) noch nicht abgelaufenen Feststellungsfristen anwendbar ist, gilt die Vorschrift auch im Streitfall. &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;5 AO bleibt aber anwendbar, wenn das FA keinen Verlustfeststellungsbescheid erlassen hat, obwohl ihm dies m&ouml;glich gewesen w&auml;re, etwa weil ihm die Verluste aus einer Steuererkl&auml;rung bekannt waren (vgl. u.a. BFH-Urteil vom 8.&nbsp;April 2014 IX&nbsp;R&nbsp;32\/13, BFH\/NV 2014, 1206, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Im Streitfall hat das FA zwar die vom Kl&auml;ger auf der Grundlage der aufgewandten Studienkosten begehrte erh&ouml;hte Feststellung des Verlustvortrags auf den 31.&nbsp;Dezember 1999 unterlassen. Dies geschah aber nicht pflichtwidrig. Denn vor Ablauf der Feststellungsfrist lag dem FA keine Feststellungserkl&auml;rung vor, und der Kl&auml;ger hatte vor Ablauf der Frist auch keine Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r das Streitjahr abgegeben, auf deren Mantelbogen die Durchf&uuml;hrung einer Verlustfeststellung beantragt worden war. Das FA hat daher zu Recht im Bescheid vom 20.&nbsp;Dezember 2010 &uuml;ber die gesonderte Feststellung des verbleibenden Verlustabzugs auf den 31.&nbsp;Dezember 1999 nur den festgestellten Verlustvortrag zum 31.&nbsp;Dezember 1998 unver&auml;ndert fortgef&uuml;hrt. Denn der Verlustfeststellungsbescheid des Vorjahres ist Grundlagenbescheid (&sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1, &sect;&nbsp;171 Abs.&nbsp;10 AO) f&uuml;r den Verlustfeststellungsbescheid auf den nachfolgenden Feststellungszeitpunkt, so dass nach &sect;&nbsp;171 Abs.&nbsp;10 Satz&nbsp;1, &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO der Erlass des Bescheids vom 20.&nbsp;Dezember 2010 als Folgebescheid mit dem dort enthaltenen Verlustbetrag m&ouml;glich war (vgl. Schmidt\/Heinicke, EStG, 33.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;10d Rz 41; zur M&ouml;glichkeit der Verlustfeststellung f&uuml;r den Feststellungszeitpunkt 31.&nbsp;Dezember 1998 vgl. BFH-Urteile vom 10.&nbsp;Juli 2008 IX&nbsp;R&nbsp;90\/07, BFHE 222, 32, BStBl II 2009, 816, unter II.2.c&nbsp;bb, und vom 19.&nbsp;August 2008 IX&nbsp;R&nbsp;89\/07, BFH\/NV 2009, 762).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Regelung des &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;25 Satz&nbsp;5 i.d.F. des JStG 2007, wonach &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;5 AO f&uuml;r alle bei Inkrafttreten des JStG 2007 am 19.&nbsp;Dezember 2006 (vgl. Art.&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 JStG 2007) noch nicht abgelaufenen Feststellungsfristen anwendbar ist, ist auch verfassungsgem&auml;&szlig;. Entgegen der Ansicht des Kl&auml;gers enth&auml;lt die Regelung des &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;25 Satz&nbsp;5 i.d.F. des JStG 2007 keine verfassungsrechtlich unzul&auml;ssige R&uuml;ckwirkung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Selbst wenn man eine R&uuml;ckwirkung durch das Inkraftsetzen von &sect;&nbsp;10d Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;6 EStG durch &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;25 Satz&nbsp;5 i.d.F. des JStG 2007 annehmen w&uuml;rde, weil der zur Verlustfeststellung f&uuml;hrende Verlust mehr als sechs Jahre vor der Gesetzes&auml;nderung entstanden ist und dem Kl&auml;ger f&uuml;r den streitigen Feststellungszeitraum 1999 bis zum Inkrafttreten der Neuregelung im Dezember 2006 die M&ouml;glichkeit der Verlustfeststellung offen gestanden hat (vgl. insoweit f&uuml;r verfassungswidrige R&uuml;ckwirkung FG M&uuml;nchen, Beschluss vom 14.&nbsp;August 2007&nbsp;&nbsp;5&nbsp;V&nbsp;1558\/07, Entscheidungen des Bundesfinanzhofs f&uuml;r die Praxis der Steuerberatung 2008, 129; Kube, Deutsches Steuerrecht &#8211;DStR&#8211; 2011, 1829, 1832), ist die R&uuml;ckwirkung im Rahmen der Abw&auml;gung zwischen den vom Gesetzgeber verfolgten Zielen (vgl. dazu BTDrucks 16\/2712, S.&nbsp;44&nbsp;f.) und dem Vertrauen des Kl&auml;gers von Verfassungs wegen nicht zu beanstanden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die M&ouml;glichkeit einer nachtr&auml;glichen Verlustfeststellung f&uuml;r Jahre, bei denen die siebenj&auml;hrige Feststellungsverj&auml;hrung bereits eingetreten ist, ist dem Kl&auml;ger erst durch die BFH-Urteile in BFHE 198, 395, BStBl II 2002, 681, vom 1.&nbsp;M&auml;rz 2006 XI&nbsp;R&nbsp;33\/04, BFHE 212, 497, BStBl II 2007, 919 und in BFHE 214, 492, BStBl II 2007, 921 und die damit verbundene Anwendung des &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;5 AO einger&auml;umt worden. Mit der Einf&uuml;gung des &sect;&nbsp;10d Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;6 EStG hat der Gesetzgeber die vor Ergehen dieser BFH-Entscheidungen und damit auch im Streitjahr geltende und nicht weiter umstrittene, unklare oder verworrene Rechtslage wiederhergestellt. Vor Ergehen der o.g. BFH-Urteile wurde &uuml;bereinstimmend eine Anwendung des &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;5 AO und damit die erstmalige Feststellung des verbleibenden Verlustabzugs abgelehnt, wenn f&uuml;r das Jahr der Verlustentstehung Festsetzungs- und Feststellungsverj&auml;hrung eingetreten waren (vgl. H&nbsp;115 &quot;Feststellungsbescheid&quot; des Amtlichen Einkommensteuer-Handbuchs &#8211;EStH&#8211; 2001; Oberfinanzdirektion M&uuml;nster, Verf&uuml;gung vom 11.&nbsp;M&auml;rz 2005 Kurzinformation Einkommensteuer Nr.&nbsp;011\/2005, DStR 2005, 786 sowie Gatzka\/Wilhelm, DStR 2005, 1794 und BTDrucks 16\/2712, S.&nbsp;43&nbsp;f.). Dem Gesetzgeber ist es im Rahmen der Abw&auml;gung zwischen den Interessen der Allgemeinheit, die mit der Regelung verfolgt werden, und dem Vertrauen des Einzelnen in den Fortbestand der Rechtslage in diesem Fall nicht verwehrt, eine Rechtslage r&uuml;ckwirkend festzuschreiben, die vor einer Rechtsprechungs&auml;nderung einer gefestigten und einheitlichen Rechtspraxis entsprach (vgl. Beschl&uuml;sse des Bundesverfassungsgerichts vom 7.&nbsp;Juli 2010&nbsp;&nbsp;2&nbsp;BvL&nbsp;14\/02, 2&nbsp;BvL&nbsp;2\/04, 2&nbsp;BvL&nbsp;13\/05, BVerfGE 127, 1, BStBl II 2011, 76, unter C.II.1.c, und vom 2.&nbsp;Mai 2012&nbsp;&nbsp;2&nbsp;BvL&nbsp;5\/10, BVerfGE 131, 20, unter B.I.2.b&nbsp;bb(2); f&uuml;r Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit der Regelung auch Heuermann, in: Kirchhof\/S&ouml;hn\/Mellinghoff, EStG, &sect;&nbsp;10d Rz&nbsp;A&nbsp;90, A&nbsp;289, D&nbsp;112). Ungeachtet der verfahrensrechtlichen Rechtslage konnte der Kl&auml;ger nach der im streitigen Feststellungszeitraum geltenden herrschenden materiell-rechtlichen Rechtsauffassung die Aufwendungen zudem ohnehin nicht steuerlich geltend machen. Denn Aufwendungen f&uuml;r eine berufliche Erstausbildung wurden nach der 1999 geltenden herrschenden Rechtsauffassung nur als begrenzt abziehbare Sonderausgaben eingestuft und waren einer Verlustfeststellung nicht zug&auml;nglich (vgl. u.a. BFH-Urteil vom 6.&nbsp;November 1992 VI&nbsp;R&nbsp;12\/90, BFHE 169, 436, BStBl II 1993, 108, unter II.1.; R&nbsp;34 der Lohnsteuer-Richtlinien 1999; H&nbsp;103 (Studium) EStH 1999).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Der Kl&auml;ger kann sich auch nicht darauf berufen, dass ihm im Hinblick auf die mit Ablauf des 31.&nbsp;Dezember 2006 eintretende Feststellungsverj&auml;hrung f&uuml;r den Feststellungszeitraum 1999 nach Inkrafttreten des JStG 2007 am 19.&nbsp;Dezember 2006 nur noch wenige Tage geblieben waren, um einen Antrag auf Verlustfeststellung zu stellen. Denn der Kl&auml;ger hatte nach Ver&ouml;ffentlichung der BFH-Entscheidungen in BFHE 198, 395, BStBl II 2002, 681 und in BFHE 212, 497, BStBl II 2007, 919 ausreichend Zeit, um auf der Grundlage dieser Entscheidungen die ihm entstandenen Verluste verfahrensrechtlich geltend zu machen. Gleichwohl hat der Kl&auml;ger die Antr&auml;ge auf Verlustfeststellung erst am 21.&nbsp;Dezember 2007 &#8211;mithin mehr als ein Jahr nach Inkrafttreten der Neuregelung und mehr als elf Monate nach Eintritt der Feststellungsverj&auml;hrung&#8211; gestellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 14.4.2015, IX R 17\/14 Feststellung des verbleibenden Verlustabzugs gem&auml;&szlig; &sect; 10d Abs. 4 Satz 6 2. Halbsatz EStG &#8211; Anwendung des &sect; 181 Abs. 5 AO Tenor Die Revision des Kl&auml;gers gegen das Urteil des Finanzgerichts M&uuml;nchen vom 3. Juni 2014&nbsp;&nbsp;13 K 1443\/11 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen. Die Kosten des Revisionsverfahrens hat &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-17-14-feststellung-des-verbleibenden-verlustabzugs-gemaess-par-10d-abs-4-satz-6-2-halbsatz-estg-anwendung-des-par-181-abs-5-ao\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">IX&nbsp;R&nbsp;17\/14 &#8211; Feststellung des verbleibenden Verlustabzugs gem&auml;&szlig; &sect; 10d Abs. 4 Satz 6 2. 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