{"id":64721,"date":"2015-07-10T16:27:15","date_gmt":"2015-07-10T14:27:15","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=64721"},"modified":"2015-07-10T16:27:15","modified_gmt":"2015-07-10T14:27:15","slug":"i-b-101-14-muendliche-verhandlung-ausbleiben-aller-beteiligten-kein-ruhen-des-verfahrens-bei-unzulaessigkeit-der-klage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-b-101-14-muendliche-verhandlung-ausbleiben-aller-beteiligten-kein-ruhen-des-verfahrens-bei-unzulaessigkeit-der-klage\/","title":{"rendered":"I&nbsp;B&nbsp;101\/14 &#8211; M&uuml;ndliche Verhandlung &#8211; Ausbleiben aller Beteiligten &#8211; Kein Ruhen des Verfahrens bei Unzul&auml;ssigkeit der Klage"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 15.4.2015, I B 101\/14<\/p>\n<p class=\"titel\">M&uuml;ndliche Verhandlung &#8211; Ausbleiben aller Beteiligten &#8211; Kein Ruhen des Verfahrens bei Unzul&auml;ssigkeit der Klage<\/p>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Beschwerde der Kl&auml;gerin wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des S&auml;chsischen Finanzgerichts vom 5. August 2014&nbsp;&nbsp;8 K 373\/14 wird als unzul&auml;ssig verworfen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat die Kl&auml;gerin zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Klage der Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin), einer GmbH, gegen die im Anschluss an eine Au&szlig;enpr&uuml;fung ergangenen Steuerbescheide ist vom Finanzgericht (FG) als unzul&auml;ssig abgewiesen worden. Die Kl&auml;gerin habe &#8211;so die Vorinstanz&#8211; ihre Klage nicht begr&uuml;ndet. Das FG hatte zuvor einem Antrag auf Verlegung des Termins zur m&uuml;ndlichen Verhandlung (24.&nbsp;Juni 2014) stattgegeben. Dem weiteren &#8211;einen Tag vor dem nunmehr anberaumten Termin (5.&nbsp;August 2014) gestellten&#8211; Verlegungsantrag hat das FG nicht entsprochen, weil die Kl&auml;gerin keine erheblichen Gr&uuml;nde i.S. von &sect;&nbsp;227 der Zivilprozessordnung (ZPO) benannt habe. Nach ihrem Schreiben vom 4.&nbsp;August 2014 sollte die Angelegenheit zun&auml;chst mit dem Beklagten und Beschwerdegegner (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) er&ouml;rtert werden, um die unterschiedlichen und ggf. vom Gericht zu kl&auml;renden Rechtsauffassungen der Beteiligten zu ermitteln. Die Revision wurde von der Vorinstanz nicht zugelassen (S&auml;chsisches FG, Urteil vom 5.&nbsp;August 2014&nbsp;&nbsp;8&nbsp;K&nbsp;373\/14).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die hiergegen erhobene Beschwerde ist zu verwerfen, da sie nicht den Anforderungen an die Darlegung der in &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) genannten Gr&uuml;nde f&uuml;r eine Revisionszulassung gen&uuml;gt (&sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz 3 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Der Vortrag, das vorinstanzliche Urteil beruhe deshalb auf einem Verfahrensfehler (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 FGO), weil das FG entgegen &sect;&nbsp;251 ZPO (i.V.m. &sect;&nbsp;155 Satz&nbsp;1 FGO) nicht das Ruhen des Verfahrens angeordnet habe, ist unschl&uuml;ssig. Letzteres ergibt sich nicht nur daraus, dass im Falle der Unzul&auml;ssigkeit der Klage eine solche Anordnung nicht in Betracht kommt (Beschluss des Bundesfinanzhofs vom 19.&nbsp;Oktober 2007 II&nbsp;B&nbsp;107\/06, BFH\/NV 2008, 573; Gr&auml;ber\/Koch, Finanzgerichtsordnung, 7.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;74 Rz&nbsp;23). Hinzu kommt, dass das Ruhen des Verfahrens nach &sect;&nbsp;251 Satz&nbsp;1 ZPO einen &uuml;bereinstimmenden Antrag beider Beteiligten voraussetzt. Hieran fehlt es im Streitfall erkennbar. Weder kann dem Schriftsatz vom 4.&nbsp;August 2014 ein solcher Antrag entnommen werden, er war vielmehr lediglich auf die Verlegung des Termins zur m&uuml;ndlichen Verhandlung gerichtet; noch bestand &#8211;wie vom FA im Beschwerdeverfahren unwidersprochen vorgetragen&#8211; Einvernehmen &uuml;ber eine gerichtliche Verfahrensaussetzung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Unschl&uuml;ssig ist des Weiteren der Vortrag, die Revision sei deshalb wegen eines Verfahrensmangels zu er&ouml;ffnen, weil die Kl&auml;gerin erhebliche Gr&uuml;nde i.S. von &sect;&nbsp;227 ZPO (i.V.m. &sect;&nbsp;155 Satz&nbsp;1 FGO) f&uuml;r eine Aufhebung des Verhandlungstermins (5.&nbsp;August 2014) geltend gemacht und deshalb die hiervon abweichende Entscheidung des FG ihren Anspruch auf Gew&auml;hrung rechtlichen Geh&ouml;rs (&sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;2 FGO; Art.&nbsp;103 des Grundgesetzes) verletzt habe. Dem ist bereits deshalb nicht weiter nachzugehen, weil f&uuml;r den Senat nicht erkennbar ist, weshalb der Prozessbevollm&auml;chtigte der Kl&auml;gerin &#8211;wie im Schreiben vom 4.&nbsp;August 2014 vorgetragen&#8211; die &quot;&Auml;nderung der (angefochtenen) Steuerbescheide im Wesentlichen&quot; nicht habe nachvollziehen k&ouml;nnen. Abgesehen davon, dass der Bevollm&auml;chtigte die Kl&auml;gerin auch im Einspruchsverfahren vertreten hatte, w&auml;re es jedenfalls erforderlich gewesen, dass die Kl&auml;gerin (bzw. ihr Prozessbevollm&auml;chtigter) bezogen auf die jeweiligen Steuerbescheide die &Auml;nderungsbetr&auml;ge benennt und konkret erl&auml;utert, aus welchen Gr&uuml;nden sie (er) &#8211;trotz des Pr&uuml;fungsberichts sowie der sonstigen Erkl&auml;rungen des FA&#8211; den Inhalt dieser Bescheide nicht habe nachvollziehen k&ouml;nnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Nicht durchgreifen kann ferner der Vortrag, in der Ladung sei zwar entsprechend &sect;&nbsp;91 Abs.&nbsp;2 FGO darauf hingewiesen worden, dass bei Ausbleiben eines Beteiligten auch ohne ihn verhandelt und entschieden werden k&ouml;nne; der Hinweis betreffe jedoch nicht den vorliegenden Fall, da auch das FA nicht zur m&uuml;ndlichen Verhandlung erschienen sei. Der Vortrag &#8211;sowie die hiermit verbundene R&uuml;ge der Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Geh&ouml;r&#8211; l&auml;sst nicht nur au&szlig;er Acht, dass &#8211;wie vorliegend geschehen&#8211; eine m&uuml;ndliche Verhandlung auch bei Abwesenheit der Beteiligten durchgef&uuml;hrt werden kann; hinzu kommt, dass dann, wenn jedem Beteiligten der nach &sect;&nbsp;91 Abs.&nbsp;2 FGO gebotene Hinweis erteilt worden ist, die Vorschrift bereits ihrem Wortlaut nach auch die M&ouml;glichkeit er&ouml;ffnet, trotz Ausbleibens aller Beteiligter eine Entscheidung (hier: Klageabweisung durch Urteil) zu treffen (vgl. zu beidem Gr&auml;ber\/ Koch, a.a.O., &sect;&nbsp;91 Rz&nbsp;16; ebenso zu &sect;&nbsp;102 Abs.&nbsp;2 der Verwaltungsgerichtsordnung Ortloff\/Riese in Schoch\/Schneider\/Bier, VwGO, &sect;&nbsp;102 Rz&nbsp;22).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Unsubstantiiert ist schlie&szlig;lich die R&uuml;ge, das FG habe die Klage deshalb zu Unrecht als unzul&auml;ssig abgewiesen, weil in dem Vortrag, die ge&auml;nderten Steuerbescheide seien im Wesentlichen unverst&auml;ndlich, eine hinreichende Klagebegr&uuml;ndung (&sect;&nbsp;65 FGO) zu sehen sei. Zwar ist ein Verfahrensfehler i.S. von &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 FGO dann zu bejahen, wenn das FG &uuml;ber eine zul&auml;ssige Klage nicht zur Sache, sondern durch Prozessurteil entscheidet (Senatsbeschluss vom 15.&nbsp;Januar 2015 I&nbsp;B&nbsp;45\/14, BFH\/NV 2015, 696). Auch insoweit fehlt es jedoch an einer schl&uuml;ssigen Darlegung, da &#8211;wie ausgef&uuml;hrt (s. oben zu II.2.)&#8211; der Vortrag, die angefochtenen Bescheide seien (im Wesentlichen) unverst&auml;ndlich, nicht substantiiert ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Im &Uuml;brigen sieht der Senat von einer Begr&uuml;ndung dieses Beschlusses ab (&sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz 2 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>6. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 15.4.2015, I B 101\/14 M&uuml;ndliche Verhandlung &#8211; Ausbleiben aller Beteiligten &#8211; Kein Ruhen des Verfahrens bei Unzul&auml;ssigkeit der Klage Tenor Die Beschwerde der Kl&auml;gerin wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des S&auml;chsischen Finanzgerichts vom 5. August 2014&nbsp;&nbsp;8 K 373\/14 wird als unzul&auml;ssig verworfen. 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