{"id":64727,"date":"2015-07-10T16:27:17","date_gmt":"2015-07-10T14:27:17","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=64727"},"modified":"2015-07-10T16:27:17","modified_gmt":"2015-07-10T14:27:17","slug":"v-r-44-14-vorsteuerabzug-aus-der-rechnung-des-insolvenzverwalters","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-44-14-vorsteuerabzug-aus-der-rechnung-des-insolvenzverwalters\/","title":{"rendered":"V&nbsp;R&nbsp;44\/14 &#8211; Vorsteuerabzug aus der Rechnung des Insolvenzverwalters"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 15.4.2015, V R 44\/14<\/p>\n<p class=\"titel\">Vorsteuerabzug aus der Rechnung des Insolvenzverwalters<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Dient ein Insolvenzverfahren sowohl der Befriedigung von Verbindlichkeiten des &#8211;zum Vorsteuerabzug berechtigten&#8211; Unternehmens wie auch der Befriedigung von Privatverbindlichkeiten des Unternehmers, ist der Unternehmer aus der Leistung des Insolvenzverwalters grunds&auml;tzlich im Verh&auml;ltnis der unternehmerischen zu den privaten Verbindlichkeiten, die im Insolvenzverfahren jeweils als Insolvenzforderungen geltend gemacht werden, zum anteiligen Vorsteuerabzug berechtigt.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision des Kl&auml;gers wird das Urteil des S&auml;chsischen Finanzgerichts vom 23. Juli 2014&nbsp;&nbsp;2 K 698\/14 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Sache wird an das S&auml;chsische Finanzgericht zur&uuml;ckverwiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Diesem wird die Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Revisionsverfahrens &uuml;bertragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Das zust&auml;ndige Insolvenzgericht bestellte mit Beschluss vom 27.&nbsp;Mai 2008 den Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) zum Insolvenzverwalter in dem Insolvenzverfahren der Frau&nbsp;H, die als Unternehmerin Ums&auml;tze mit Recht auf Vorsteuerabzug ausgef&uuml;hrt hatte. Frau&nbsp;H beendete ihre unternehmerische T&auml;tigkeit noch vor der Insolvenzer&ouml;ffnung. Der Kl&auml;ger &uuml;bernahm Abwicklungst&auml;tigkeiten und erkl&auml;rte gegen&uuml;ber dem Beklagten und Revisionsbeklagten (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) eine Insolvenzanfechtung und traf eine Anfechtungsvereinbarung. Aus Verwertungsma&szlig;nahmen erzielte der Kl&auml;ger Einnahmen in H&ouml;he von 38.121,77&nbsp;EUR.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger erteilte f&uuml;r seine T&auml;tigkeit als Insolvenzverwalter eine Rechnung vom 10.&nbsp;April 2013 mit einem gesonderten Steuerausweis &uuml;ber 2.713,84&nbsp;EUR. Mit der Umsatzsteuerjahreserkl&auml;rung 2013 vom 24.&nbsp;Juni 2013 machte der Kl&auml;ger f&uuml;r die Masse den Vorsteuerabzug und damit eine sich hieraus ergebende Verg&uuml;tung in gleicher H&ouml;he geltend. Demgegen&uuml;ber setzte das FA f&uuml;r das Streitjahr 2013 nur eine Verg&uuml;tung von 1.859,80&nbsp;EUR fest. Der Einspruch hatte keinen Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) gab der Klage mit seinem in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2015, 169 ver&ouml;ffentlichten Urteil &uuml;berwiegend statt. Der Anspruch auf Vorsteuerabzug bestehe insoweit, als ein direkter und unmittelbarer Zusammenhang zwischen der Eingangsleistung und der wirtschaftlichen T&auml;tigkeit bestehe. In Bezug auf die wirtschaftliche T&auml;tigkeit seien nicht nur die angemeldeten Insolvenzforderungen von 229.653,80&nbsp;EUR, sondern auch die Einnahmen aus der Verwertung in H&ouml;he von 38.121,77&nbsp;EUR und damit ein Gesamtbetrag von 267.775,57&nbsp;EUR zu ber&uuml;cksichtigen. Der Anteil, der auf die Verwaltung privater Schulden und Zahlungen entfalle, belaufe sich auf 22.360,19&nbsp;EUR und damit auf nur 8,35&nbsp;%. In Bezug auf den geltend gemachten Vorsteuerbetrag von 2.713,84&nbsp;EUR sei der Vorsteuerabzug daher in H&ouml;he von 2.487,23&nbsp;EUR anzuerkennen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen wendet sich der Kl&auml;ger mit seiner Revision. Seine T&auml;tigkeit als Insolvenzverwalter sei insgesamt der unternehmerischen T&auml;tigkeit der Schuldnerin zuzuordnen. Er habe entsprechend seinem gesetzlichen Auftrag im Rahmen der Unternehmensabwicklung das Verm&ouml;gen der Schuldnerin verwertet und den Erl&ouml;s verteilt. Die Gemeinschuldnerin habe &uuml;ber kein privates Verm&ouml;gen verf&uuml;gt. Die Schulden h&auml;tten ausschlie&szlig;lich den unternehmerischen Bereich betroffen. Eine Vorsteueraufteilung sei daher nicht vorzunehmen. Selbst wenn diese erforderlich w&auml;re, sei davon auszugehen, dass die Schuldnerin nur &uuml;ber betriebliche Verbindlichkeiten verf&uuml;gt habe. In Bezug auf die wieder aufgelebten Verbindlichkeiten aus der Insolvenzanfechtung sei bereits fraglich, ob Einkommensteuerschulden, die auf gewerblichen Eink&uuml;nften beruhen, nicht als unternehmerische Schuld anzusehen seien.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt,<br \/>das Urteil des FG und die Einspruchsentscheidung vom 16.&nbsp;April 2014 aufzuheben und die Umsatzsteuer 2013 unter Ab&auml;nderung des Umsatzsteuerbescheides 2013 vom 23.&nbsp;August 2013 auf .\/.&nbsp;2.713,84&nbsp;EUR herabzusetzen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Insolvenzverfahren diene nach &sect;&nbsp;1 der Insolvenzordnung (InsO) dazu, die Gl&auml;ubiger gemeinschaftlich zu befriedigen, indem das Verm&ouml;gen des Schuldners verwertet und der Erl&ouml;s verteilt werde. Die Leistung des Insolvenzverwalters habe sich auch auf den nichtunternehmerischen Bereich des Schuldners bezogen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision des Kl&auml;gers ist begr&uuml;ndet. Das Urteil des FG ist aufzuheben und die Sache an das FG zur&uuml;ckzuverweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Wie das FG zutreffend entschieden hat, ist eine Vorsteueraufteilung vorzunehmen. Entgegen dem Urteil des FG hat diese aber ausschlie&szlig;lich auf der Grundlage der im Insolvenzverfahren angemeldeten Insolvenzforderungen zu erfolgen. Hierzu sind weitere Feststellungen erforderlich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Der Unternehmer und damit im Streitfall der Gemeinschuldner ist nach &sect;&nbsp;15 des Umsatzsteuergesetzes (UStG) zum Vorsteuerabzug berechtigt, soweit er Eingangsleistungen f&uuml;r Zwecke seines Unternehmens und damit f&uuml;r seine wirtschaftliche T&auml;tigkeit bezieht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 UStG kann der Unternehmer die gesetzlich geschuldete Steuer f&uuml;r Leistungen, die von einem anderen Unternehmer f&uuml;r sein Unternehmen ausgef&uuml;hrt worden sind, als Vorsteuer abziehen. Ausgeschlossen ist der Vorsteuerabzug nach &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 UStG f&uuml;r Leistungen, die der Unternehmer f&uuml;r steuerfreie Ums&auml;tze verwendet. Diese Vorschriften beruhen unionsrechtlich auf Art.&nbsp;168 Buchst.&nbsp;a der Richtlinie 2006\/112\/EG des Rates &uuml;ber das gemeinsame Mehrwertsteuersystem (MwStSystRL). Danach ist der Steuerpflichtige, der &quot;Gegenst&auml;nde und Dienstleistungen f&uuml;r die Zwecke seiner besteuerten Ums&auml;tze verwendet&quot;, zum Vorsteuerabzug berechtigt. Hierf&uuml;r muss ein direkter und unmittelbarer Zusammenhang zwischen Eingangs- und Ausgangsleistung bestehen. Bei richtlinienkonformer Auslegung setzt &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 UStG somit voraus, dass der Unternehmer Leistungen f&uuml;r sein Unternehmen (&sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 UStG, Art.&nbsp;9 MwStSystRL) und damit f&uuml;r seine wirtschaftlichen T&auml;tigkeiten zur Erbringung entgeltlicher Leistungen (&sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 UStG, Art.&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;a und c MwStSystRL) zu verwenden beabsichtigt. Die Ausgangsleistungen des Unternehmers m&uuml;ssen zudem steuerpflichtig oder in &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 UStG (Art.&nbsp;169 MwStSystRL) benannt sein (st&auml;ndige Rechtsprechung, vgl. z.B. Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 9.&nbsp;Februar 2012 V&nbsp;R&nbsp;40\/10, BFHE 236, 258, BStBl II 2012, 844, Rz&nbsp;19&nbsp;f., m.w.N. zur Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europ&auml;ischen Union &#8211;EuGH&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Beabsichtigt der Unternehmer eine von ihm bezogene Leistung zugleich f&uuml;r seine wirtschaftliche und seine nichtwirtschaftliche T&auml;tigkeit zu verwenden, kann er den Vorsteuerabzug grunds&auml;tzlich nur insoweit in Anspruch nehmen, als die Aufwendungen hierf&uuml;r seiner wirtschaftlichen T&auml;tigkeit zuzurechnen sind. Beabsichtigt der Unternehmer daher eine teilweise Verwendung f&uuml;r eine nichtwirtschaftliche T&auml;tigkeit, ist er insoweit nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt. Bei der dann erforderlichen Vorsteueraufteilung f&uuml;r Leistungsbez&uuml;ge, die einer wirtschaftlichen und einer nichtwirtschaftlichen T&auml;tigkeit des Unternehmers dienen, ist &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;4 UStG analog anzuwenden (st&auml;ndige Rechtsprechung, vgl. z.B. BFH-Urteil in BFHE 236, 258, BStBl II 2012, 844, Rz&nbsp;25).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Dient ein Insolvenzverfahren sowohl der Befriedigung von Verbindlichkeiten des &#8211;zum Vorsteuerabzug berechtigten&#8211; Unternehmers wie auch der Befriedigung von Privatverbindlichkeiten des Unternehmers, ist der Unternehmer aus der Leistung des Insolvenzverwalters nur im Verh&auml;ltnis der unternehmerischen zu den privaten Verbindlichkeiten, die im Insolvenzverfahren jeweils als Insolvenzforderungen geltend gemacht werden, zum anteiligen Vorsteuerabzug berechtigt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 bis 3 UStG ist, wenn der Unternehmer eine von ihm in Anspruch genommene sonstige Leistung nur zum Teil zur Ausf&uuml;hrung von Ums&auml;tzen verwendet, die den Vorsteuerabzug ausschlie&szlig;en, der Teil der jeweiligen Vorsteuerbetr&auml;ge nicht abziehbar, der den zum Ausschluss vom Vorsteuerabzug f&uuml;hrenden Ums&auml;tzen wirtschaftlich zuzurechnen ist. Der Unternehmer kann die nicht abziehbaren Teilbetr&auml;ge im Wege einer sachgerechten Sch&auml;tzung ermitteln. Eine Ermittlung des nicht abziehbaren Teils der Vorsteuerbetr&auml;ge nach dem Verh&auml;ltnis der Ums&auml;tze, die den Vorsteuerabzug ausschlie&szlig;en, zu den Ums&auml;tzen, die zum Vorsteuerabzug berechtigen, ist nur zul&auml;ssig, wenn keine andere wirtschaftliche Zurechnung m&ouml;glich ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die Leistungen des Insolvenzverwalters stehen im direkten und unmittelbaren Zusammenhang mit den im Insolvenzverfahren angemeldeten Insolvenzforderungen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Der f&uuml;r ein Insolvenzverfahren (&sect;&nbsp;1 InsO) bestellte Insolvenzverwalter erbringt seine Leistung aufgrund staatlicher Bestellung (&sect;&nbsp;27 InsO) an den Gemeinschuldner, &uuml;ber dessen Verm&ouml;gen das Insolvenzgericht das Insolvenzverfahren er&ouml;ffnet. Das Insolvenzverfahren bezieht sich dabei auf das gesamte Verm&ouml;gen des Schuldners, dessen Verwertung zu einer gemeinschaftlichen Befriedigung der Schuldner f&uuml;hren soll (&sect;&nbsp;1 InsO). Handelt es sich bei dem Gemeinschuldner, wie im Streitfall, um eine nat&uuml;rliche Person, die als Unternehmer t&auml;tig war, kann das Insolvenzverfahren daher gleicherma&szlig;en der Befriedigung unternehmerischer wie auch privater Verbindlichkeiten dienen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Die Leistung, die der Insolvenzverwalter gegen Entgelt an den Gemeinschuldner erbringt, ist eine einheitliche Leistung, die gleicherma&szlig;en durch die Verwaltung, Verwertung und Verteilung der Insolvenzmasse des Gemeinschuldners (vgl. &sect;&nbsp;55 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 InsO) der Befriedigung der Insolvenzgl&auml;ubiger dient. Die Einheitlichkeit dieser Leistung ergibt sich dabei zum einen aus der f&uuml;r den Insolvenzverwalter fehlenden M&ouml;glichkeit, seine T&auml;tigkeit auf einzelne Aufgabenbereiche zu beschr&auml;nken (vgl. z.B. zur Einheitlichkeit der Leistung eines Verm&ouml;gensverwalters EuGH-Urteil Deutsche Bank vom 19.&nbsp;Juli 2012 C-44\/11, ECLI:EU:C:2012:484, BStBl II 2012, 945, Umsatzsteuer-Rundschau 2012, 667, Rz&nbsp;20&nbsp;ff., und BFH-Urteil vom 11.&nbsp;Oktober 2012 V&nbsp;R&nbsp;9\/10, BFHE 238, 570, BStBl II 2014, 279, Rz&nbsp;21&nbsp;f.). Zum anderen spricht f&uuml;r die Einheitlichkeit auch die Verg&uuml;tung, die der Insolvenzverwalter f&uuml;r seine insgesamt ausge&uuml;bte T&auml;tigkeit erh&auml;lt (&sect;&sect;&nbsp;63&nbsp;ff. InsO i.V.m. &sect;&sect;&nbsp;1&nbsp;ff. der Insolvenzrechtlichen Verg&uuml;tungsordnung &#8211;InsVV&#8211;). Dass einzelne T&auml;tigkeiten des Insolvenzverwalters zu besonderen Zu- und Abschl&auml;gen nach &sect;&nbsp;3 InsVV f&uuml;hren k&ouml;nnen, begr&uuml;ndet nicht das Vorliegen umsatzsteuerrechtlich selbst&auml;ndiger Leistungen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Bezieht sich die einheitliche Leistung des Insolvenzverwalters auf die Gesamtheit der im Insolvenzverfahren angemeldeten Forderungen der Insolvenzgl&auml;ubiger, besteht der f&uuml;r den Vorsteuerabzug ma&szlig;gebliche direkte und unmittelbare Zusammenhang zu der Gesamtheit dieser Insolvenzforderungen. Eine Ber&uuml;cksichtigung einzelner Verwertungshandlungen des Insolvenzverwalters kommt demgegen&uuml;ber nicht in Betracht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Bezieht der &#8211;zum Vorsteuerabzug berechtigte&#8211; Unternehmer, der eine nat&uuml;rliche Person ist, als Gemeinschuldner die Leistung des Insolvenzverwalters sowohl f&uuml;r die Befriedigung seiner unternehmerischen Verbindlichkeiten wie auch f&uuml;r die Befriedigung seiner Privatverbindlichkeiten, ist eine Vorsteueraufteilung entsprechend &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;4 UStG vorzunehmen (s. oben II.1.b).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die wirtschaftliche Zurechnung i.S. von &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 UStG, die unionsrechtlich auf Art.&nbsp;173 Abs.&nbsp;1 und Abs.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;c MwStSystRL beruht (BFH-Urteil vom 7.&nbsp;Mai 2014 V&nbsp;R&nbsp;1\/10, BFHE 245, 416, Rz&nbsp;19), erfordert dabei eine Vorsteueraufteilung nach dem Verh&auml;ltnis der unternehmerisch begr&uuml;ndeten Verbindlichkeiten zu den Privatverbindlichkeiten, wobei jeweils auf die im Insolvenzverfahren angemeldeten Insolvenzforderungen abzustellen ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ob und unter welchen Voraussetzungen der Unternehmer durch eine andersartige sachgerechte Sch&auml;tzung nach &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;2 UStG aufteilen kann, ist im Streitfall ebenso wenig zu entscheiden wie &uuml;ber die Frage, ob es im Fall einer Unternehmensfortf&uuml;hrung durch den Insolvenzverwalter zu einer Vorsteueraufteilung nach Ma&szlig;gabe der fortgesetzten unternehmerischen T&auml;tigkeit unter Vernachl&auml;ssigung &#8211;einer nur teilweisen unternehmerischen Begr&uuml;ndung&#8211; von Insolvenzforderungen kommen k&ouml;nnte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Auf die Vorlagefragen des XI.&nbsp;Senats des BFH in seinen Beschl&uuml;ssen vom 11.&nbsp;Dezember 2013 XI&nbsp;R&nbsp;17\/11 (BFHE 244, 79, BStBl II 2014, 417) und XI&nbsp;R&nbsp;38\/12 (BFHE 244, 94, BStBl II 2014, 428, Az. des EuGH: C-108\/14 und C-109\/14) kommt es nicht an, da diese Rechtssachen die Besonderheiten der Vorsteueraufteilung bei Holdinggesellschaften betreffen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Nach diesen Ma&szlig;st&auml;ben ist das Urteil des FG aufzuheben, da es die sich aus dem Begriff der wirtschaftlichen Zurechnung i.S. von &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 UStG ergebenden Aufteilungsgrunds&auml;tze nicht hinreichend ber&uuml;cksichtigt hat. Auf die Frage der Bindung an eine bestimmte Sch&auml;tzungsmethode kommt es daher nicht an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Die Sache ist nicht spruchreif.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im zweiten Rechtsgang sind n&auml;here Feststellungen zum unternehmerischen oder privaten Charakter der im Insolvenzverfahren angemeldeten Insolvenzforderungen zu treffen, wie sie sich aus dem vom FG in Bezug genommenen Schlussbericht des Kl&auml;gers &uuml;ber das Insolvenzverfahren vom 7.&nbsp;August 2012 ergeben. Dabei ist f&uuml;r die im Verfahren angemeldeten Insolvenzforderungen einzeln zu entscheiden, ob diese dem unternehmerischen oder privaten Bereich zuzuordnen sind. Bei dieser Abgrenzung kann sich das FG daran orientieren, ob Kosten zur Abwehr zu Unrecht geltend gemachter Insolvenzforderungen zum Vorsteuerabzug berechtigen w&uuml;rden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der vom Kl&auml;ger vorrangig geltend gemachte Anspruch auf vollen Vorsteuerabzug &#8211;ohne Vorsteueraufteilung&#8211; besteht nur, wenn alle im Insolvenzverfahren angemeldeten Forderungen dem Unternehmensbereich der Frau&nbsp;H zuzuordnen w&auml;ren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>6. Die &Uuml;bertragung der Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 15.4.2015, V R 44\/14 Vorsteuerabzug aus der Rechnung des Insolvenzverwalters Leits&auml;tze Dient ein Insolvenzverfahren sowohl der Befriedigung von Verbindlichkeiten des &#8211;zum Vorsteuerabzug berechtigten&#8211; Unternehmens wie auch der Befriedigung von Privatverbindlichkeiten des Unternehmers, ist der Unternehmer aus der Leistung des Insolvenzverwalters grunds&auml;tzlich im Verh&auml;ltnis der unternehmerischen zu den privaten Verbindlichkeiten, die im Insolvenzverfahren &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-44-14-vorsteuerabzug-aus-der-rechnung-des-insolvenzverwalters\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">V&nbsp;R&nbsp;44\/14 &#8211; Vorsteuerabzug aus der Rechnung des Insolvenzverwalters<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-64727","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64727","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=64727"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64727\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=64727"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=64727"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=64727"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}