{"id":64733,"date":"2015-07-10T16:27:06","date_gmt":"2015-07-10T14:27:06","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=64733"},"modified":"2015-07-10T16:27:06","modified_gmt":"2015-07-10T14:27:06","slug":"vi-b-15-15-wirkungsloser-verzicht-auf-muendliche-verhandlung-auslegung-und-wirkung-einer-erneuten-verzichtserklaerung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-b-15-15-wirkungsloser-verzicht-auf-muendliche-verhandlung-auslegung-und-wirkung-einer-erneuten-verzichtserklaerung\/","title":{"rendered":"VI&nbsp;B&nbsp;15\/15 &#8211; Wirkungsloser Verzicht auf m&uuml;ndliche Verhandlung &#8211; Auslegung und Wirkung einer (erneuten) Verzichtserkl&auml;rung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 14.4.2015, VI B 15\/15<\/p>\n<p class=\"titel\">Wirkungsloser Verzicht auf m&uuml;ndliche Verhandlung &#8211; Auslegung und Wirkung einer (erneuten) Verzichtserkl&auml;rung<\/p>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Beschwerde des Kl&auml;gers wegen Nichtzulassung der Revision wird das Urteil des Schleswig-Holsteinischen Finanzgerichts vom 12. Dezember 2014&nbsp;&nbsp;5 K 47\/14 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Sache wird an das Schleswig-Holsteinische Finanzgericht zur&uuml;ckverwiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Diesem wird die Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Beschwerdeverfahrens &uuml;bertragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) wendet sich mit seiner Beschwerde wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Schleswig-Holsteinischen Finanzgerichts (FG) vom 12.&nbsp;Dezember 2014&nbsp;&nbsp;5&nbsp;K&nbsp;47\/14. Das FG hat in dem Verfahren die Klage, mit der der Kl&auml;ger den anteiligen Abzug von weiteren Steuerberaterkosten in H&ouml;he von 188&nbsp;EUR als Werbungskosten bei den Eink&uuml;nften des Kl&auml;gers aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit begehrte, ohne m&uuml;ndliche Verhandlung abgewiesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dem Urteil vorangehend hatten der vertretene Kl&auml;ger und der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt) mitgeteilt, dass gegen die Entscheidung des Senats ohne m&uuml;ndliche Verhandlung keine Bedenken best&uuml;nden. Gleichwohl hat das FG mit Verf&uuml;gung vom 10.&nbsp;November 2014 einen Termin zur m&uuml;ndlichen Verhandlung f&uuml;r den 8.&nbsp;Dezember 2014 anberaumt und mit Beschluss ebenfalls vom 10.&nbsp;November 2014 den Rechtsstreit dem Berichterstatter als Einzelrichter gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;6 Abs.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zur Entscheidung &uuml;bertragen. Am 4.&nbsp;Dezember 2014 nahm der Berichterstatter mit einer der vom Kl&auml;ger zur Frage zur Aufteilung der geltend gemachten Steuerberaterkosten (nach Arbeitsaufwand) in abzugsf&auml;hige Werbungskosten und nicht abzugsf&auml;hige Kosten der Lebensf&uuml;hrung benannten Zeugin Kontakt auf. Mit Schriftsatz vom 7.&nbsp;Dezember 2014 beantragte der Prozessbevollm&auml;chtigte des Kl&auml;gers erneut hierzu die Einvernahme eines Zeugen. Ausweislich eines Aktenvermerks des Berichterstatters teilte der Prozessbevollm&auml;chtigte des Kl&auml;gers am 8.&nbsp;Dezember 2014 telefonisch mit, dass er und sein Mandat nicht zum Termin kommen k&ouml;nnten und grunds&auml;tzlich Interesse an einer einvernehmlichen L&ouml;sung des Rechtsstreits bestehe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit seiner Beschwerde wegen Nichtzulassung der Revision macht der Kl&auml;ger u.a. geltend, dass das FG ohne m&uuml;ndliche Verhandlung entschieden habe. Die Voraussetzungen des &sect;&nbsp;90 Abs.&nbsp;1 und Abs.&nbsp;2 FGO h&auml;tten nicht vorgelegen, so dass das FG den Anspruch des Kl&auml;gers auf rechtliches Geh&ouml;r verletzt habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist nach &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 FGO begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt nach &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;6 FGO zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Zur&uuml;ckverweisung der Sache an das FG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die angegriffene Entscheidung verletzt den Anspruch des Kl&auml;gers auf rechtliches Geh&ouml;r. Das FG h&auml;tte nicht nach &sect;&nbsp;94a FGO ohne m&uuml;ndliche Verhandlung entscheiden d&uuml;rfen. Nach Satz&nbsp;2 dieser Vorschrift muss auch in den F&auml;llen, in denen der Streitwert bei einer auf Geldleistung gerichteten Klage 500&nbsp;EUR nicht &uuml;bersteigt, auf Antrag eines Beteiligten m&uuml;ndlich verhandelt werden. Der Antrag kann sowohl ausdr&uuml;cklich als auch konkludent gestellt werden (Senatsbeschluss vom 10.&nbsp;M&auml;rz 2011 VI&nbsp;B&nbsp;147\/10, BFHE 232, 322, BStBl II 2011, 556, m.w.N.). Hat ein Beteiligter die Erhebung eines Zeugenbeweises beantragt, so ist der Beweisantrag zugleich ein konkludenter Antrag auf Durchf&uuml;hrung einer m&uuml;ndlichen Verhandlung (Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 12.&nbsp;Januar 2011 VIII&nbsp;B&nbsp;15\/10, BFH\/NV 2011, 630, m.w.N.; Gr&auml;ber\/Koch, Finanzgerichtsordnung, 7.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;94a Rz&nbsp;6, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Der Senat kann dahinstehen lassen, ob der Kl&auml;ger mit Schriftsatz vom 9.&nbsp;April 2014 vorbehaltlos und damit wirksam auf die Durchf&uuml;hrung einer m&uuml;ndlichen Verhandlung verzichtet hat. Denn dieses Einverst&auml;ndnis hat jedenfalls durch die Anberaumung der m&uuml;ndlichen Verhandlung seine prozessrechtliche Wirkung verloren (vgl. Senatsbeschluss in BFHE 232, 322, BStBl II 2011, 556).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Auch hat der Kl&auml;ger hernach nicht erneut sein Einverst&auml;ndnis mit einer Entscheidung ohne m&uuml;ndliche Verhandlung erkl&auml;rt. Sein Verhalten war vielmehr auf die Durchf&uuml;hrung einer solchen gerichtet. Denn er hat vorliegend mehrfach &#8211;zuletzt mit Schriftsatz vom 7.&nbsp;Dezember 2014 und damit am Tag vor der anberaumten m&uuml;ndlichen Verhandlung in dieser Sache&#8211; die Vernehmung seines Prozessbevollm&auml;chtigten zur Aufteilung der geltend gemachten Steuerberaterkosten in abzugsf&auml;hige Werbungskosten und nicht abzugsf&auml;hige Kosten der Lebensf&uuml;hrung beantragt und damit hinreichend klar zum Ausdruck gebracht, dass eine m&uuml;ndliche Verhandlung stattfinden soll. Ob das FG dem Beweisantrag entsprechen muss, ist insoweit ohne Bedeutung; denn selbst dann, wenn das Beweismittel f&uuml;r die zu treffende Entscheidung unerheblich sein sollte, wird der mit dem Beweisantrag verbundene Antrag auf Durchf&uuml;hrung der m&uuml;ndlichen Verhandlung hiervon nicht ber&uuml;hrt (BFH-Beschluss in BFH\/NV 2011, 630, m.w.N.). Dies gilt selbst dann, wenn der Prozessbevollm&auml;chtigte des Kl&auml;gers am Terminstag telefonisch mitgeteilt haben sollte, dass er und sein Mandat nicht zum Termin kommen k&ouml;nnen. Ein weiterer (u.U. erneuter) Verzicht auf die Durchf&uuml;hrung der m&uuml;ndlichen Verhandlung ist darin nicht zu erblicken, und zwar insbesondere dann nicht, wenn der Prozessbevollm&auml;chtigte damit zugleich das Interesse an einer einvernehmlichen L&ouml;sung des Rechtsstreits kundtut.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Aufgrund des Verfahrensfehlers ist das angefochtene Urteil aufzuheben und die Sache an das FG zur&uuml;ckzuverweisen. Der Verfahrensfehler ist ein absoluter Revisionsgrund, bei dem gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;119 Nr.&nbsp;4 FGO davon auszugehen ist, dass das angefochtene Urteil auf der Verletzung von Bundesrecht beruht. Eine Sachentscheidung ist dem erkennenden Senat verwehrt (s. Senatsbeschluss in BFHE 232, 322, BStBl II 2011, 556, m.w.N.). Auch kann der Senat dahinstehen lassen, ob die angefochtene Entscheidung im &Uuml;brigen verfahrensfehlerfrei ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die &Uuml;bertragung der Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 14.4.2015, VI B 15\/15 Wirkungsloser Verzicht auf m&uuml;ndliche Verhandlung &#8211; Auslegung und Wirkung einer (erneuten) Verzichtserkl&auml;rung Tenor Auf die Beschwerde des Kl&auml;gers wegen Nichtzulassung der Revision wird das Urteil des Schleswig-Holsteinischen Finanzgerichts vom 12. 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