{"id":64878,"date":"2015-09-03T17:10:33","date_gmt":"2015-09-03T15:10:33","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=64878"},"modified":"2015-09-03T17:10:33","modified_gmt":"2015-09-03T15:10:33","slug":"iii-b-127-14-kindergeldberechtigung-von-unionsbuergern-unter-geltung-der-uebergangsbestimmungen-zum-eu-beitritt-genehmigungspflicht-nach-par-284-sgb-iii-bei-aufnahme-einer-beschaeftigung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-b-127-14-kindergeldberechtigung-von-unionsbuergern-unter-geltung-der-uebergangsbestimmungen-zum-eu-beitritt-genehmigungspflicht-nach-par-284-sgb-iii-bei-aufnahme-einer-beschaeftigung\/","title":{"rendered":"III&nbsp;B&nbsp;127\/14 &#8211; Kindergeldberechtigung von Unionsb&uuml;rgern unter Geltung der &Uuml;bergangsbestimmungen zum EU-Beitritt &#8211; Genehmigungspflicht nach &sect; 284 SGB III bei Aufnahme einer Besch&auml;ftigung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 27.4.2015, III B 127\/14<\/p>\n<p class=\"titel\">Kindergeldberechtigung von Unionsb&uuml;rgern unter Geltung der &Uuml;bergangsbestimmungen zum EU-Beitritt &#8211; Genehmigungspflicht nach &sect; 284 SGB III bei Aufnahme einer Besch&auml;ftigung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Bestehen f&uuml;r das Herkunftsland eines Unionsb&uuml;rgers w&auml;hrend einer &Uuml;bergangszeit nach dem Beitritt zur Europ&auml;ischen Union Beschr&auml;nkungen hinsichtlich der Arbeitnehmerfreiz&uuml;gigkeit, so unterf&auml;llt der Unionsb&uuml;rger nur dann nicht &sect; 62 Abs. 1 EStG, sondern den einschr&auml;nkenden Regelungen des &sect; 62 Abs. 2 EStG, wenn die zust&auml;ndige Ausl&auml;nderbeh&ouml;rde Ma&szlig;nahmen ergriffen hat, durch die der Unionsb&uuml;rger anstelle der Regelungen des Freiz&uuml;gG\/EU den Regelungen des AufenthG unterworfen wird.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Beschwerde des Kl&auml;gers wird der Beschluss des Finanzgerichts Rheinland Pfalz vom 7. Oktober 2014&nbsp;&nbsp;6 K 2642\/12 aufgehoben.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Streitig ist die Rechtm&auml;&szlig;igkeit des Beschlusses des Finanzgerichts (FG) vom 7.&nbsp;Oktober 2014, mit dem dieses das Klageverfahren (6&nbsp;K&nbsp;2642\/12) bis zum Ergehen einer Entscheidung in den beim Bundesverfassungsgericht (BVerfG) anh&auml;ngigen Verfahren 2&nbsp;BvL&nbsp;9-14\/14 gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;74 der Finanzgerichtsordnung (FGO) ausgesetzt hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger), ein polnischer Staatsangeh&ouml;riger, war in den Jahren 2007 bis 2011 f&uuml;r eine polnische Baufirma als Arbeitnehmer in der Bundesrepublik Deutschland (Deutschland) besch&auml;ftigt. Er beantragte Kindergeld, welches ihm nicht gew&auml;hrt wurde. Das nach erfolglosem Einspruchsverfahren anh&auml;ngige Klageverfahren setzte das FG nach &sect;&nbsp;74 FGO aus. Zur Begr&uuml;ndung f&uuml;hrte es aus, dass der Kl&auml;ger mangels Genehmigung der Besch&auml;ftigung durch die Bundes-agentur f&uuml;r Arbeit gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;284 des Dritten Buches Sozialgesetzbuch a.F. (SGB&nbsp;III) als nicht freiz&uuml;gigkeitsberechtigter Ausl&auml;nder i.S. des &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;2 des Einkommensteuergesetzes (EStG) zu behandeln sei. Da beim Kl&auml;ger die Voraussetzungen des &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;2 EStG nach Aktenlage nicht vorl&auml;gen, w&auml;re der Kindergeldanspruch bis April 2011 abzulehnen, sofern sich diese Vorschrift als verfassungsgem&auml;&szlig; erweisen sollte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen richtet sich die Beschwerde des Kl&auml;gers.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt sinngem&auml;&szlig;, den Aussetzungsbeschluss des FG aufzuheben und das Verfahren fortzusetzen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beklagte und Beschwerdegegnerin (Familienkasse) hat keinen Antrag gestellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die nach &sect;&nbsp;128 Abs.&nbsp;1 FGO zul&auml;ssige Beschwerde ist begr&uuml;ndet. Der Beschluss des FG ist daher aufzuheben (&sect;&nbsp;132 FGO). Die Voraussetzungen einer Aussetzung des Verfahrens (AdV) nach &sect;&nbsp;74 FGO liegen nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect;&nbsp;74 FGO kann das Gericht, wenn die Entscheidung des Rechtsstreits ganz oder zum Teil von dem Bestehen oder Nichtbestehen eines Rechtsverh&auml;ltnisses abh&auml;ngt, das den Gegenstand eines anderen anh&auml;ngigen Rechtsstreits bildet, anordnen, dass die Verhandlung bis zur Erledigung des anderen Rechtsstreits auszusetzen sei. Eine Aussetzung des Klageverfahrens gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;74 FGO ist nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) u.a. dann geboten, wenn vor dem BVerfG bereits ein nicht als aussichtslos erscheinendes Musterverfahren gegen eine im Streitfall anzuwendende Norm anh&auml;ngig ist, zahlreiche Parallelverfahren vorliegen und keiner der Verfahrensbeteiligten ein besonderes berechtigtes Interesse an einer Entscheidung &uuml;ber die Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit der umstrittenen gesetzlichen Regelung trotz des beim BVerfG anh&auml;ngigen Verfahrens hat (vgl. z.B. BFH-Beschluss vom 28.&nbsp;M&auml;rz 2007 VIII&nbsp;B&nbsp;50\/06, BFH\/NV 2007, 1337). Weitere Voraussetzung f&uuml;r eine AdV ist u.a., dass die Sachverhalte hinsichtlich der verfassungsrechtlichen Streitfrage im Wesentlichen gleich gelagert sind (vgl. z.B. BFH-Beschluss vom 3.&nbsp;Februar 2010 VI&nbsp;B&nbsp;119\/09, BFH\/NV 2010, 923).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Nach diesen Ma&szlig;st&auml;ben ist der Beschluss des FG aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Bei den beim BVerfG anh&auml;ngigen Verfahren (Vorlagebeschl&uuml;sse des FG Niedersachsen vom 19.&nbsp;August 2014 und 21.&nbsp;August 2014 2&nbsp;BvL&nbsp;9-14\/14, teilweise abgedruckt in Entscheidungen der Finanzgerichte &#8211;EFG&#8211; 2014, 932) geht es um die Frage, ob &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;2 EStG insoweit verfassungswidrig ist, als er nicht freiz&uuml;gigkeitsberechtigte Ausl&auml;nder teilweise vom Anspruch auf Kindergeld ausschlie&szlig;t oder dessen Gew&auml;hrung an weitere Voraussetzungen kn&uuml;pft. Im vorliegenden Verfahren handelt es sich bei dem Kl&auml;ger hingegen um einen freiz&uuml;gigkeitsberechtigten Unionsb&uuml;rger, der bei Vorliegen der Voraussetzungen des &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;1 EStG dem Grunde nach kindergeldberechtigt ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Entgegen der Ansicht des FG (so auch FG M&uuml;nster, Urteil vom 22.&nbsp;Februar 2013&nbsp;&nbsp;14&nbsp;K&nbsp;4342\/11&nbsp;Kg, EFG 2013, 803) bewirkt die fehlende Genehmigung der Bundesagentur gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;284 SGB&nbsp;III nicht, dass der Kl&auml;ger als nicht freiz&uuml;gigkeitsberechtigter Ausl&auml;nder gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;2 EStG anzusehen ist. Dabei l&auml;sst der Senat dahinstehen, ob im vorliegenden Fall eine Genehmigung nach &sect;&nbsp;284 SGB&nbsp;III &uuml;berhaupt erforderlich war (vgl. hierzu Beschluss des Landessozialgerichts &#8211;LSG&#8211; f&uuml;r das Land Nordrhein-Westfalen vom 2.&nbsp;Juli 2010 L&nbsp;1 AL&nbsp;158\/10&nbsp;B&nbsp;ER, Breithaupt 2010, 1085).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) F&uuml;r polnische Staatsangeh&ouml;rige war die Freiz&uuml;gigkeit bis zum 30.&nbsp;November 2011 zwar eingeschr&auml;nkt. Gem&auml;&szlig; Nr.&nbsp;2.1 des Anhangs&nbsp;XII der Akte &uuml;ber die Bedingungen des Beitritts der Tschechischen Republik, der Republik Estland, der Republik Zypern, der Republik Lettland, der Republik Litauen, der Republik Ungarn, der Republik Malta, der Republik Polen, der Republik Slowenien und der Slowakischen Republik und die Anpassungen der die Europ&auml;ische Union begr&uuml;ndenden Vertr&auml;ge (Beitrittsakte &#8211; Amtsblatt der Europ&auml;ischen Union 2003, Nr.&nbsp;L&nbsp;236\/33) gelten die Art.&nbsp;39 und 49 Abs.&nbsp;1 des Vertrags zur Gr&uuml;ndung der Europ&auml;ischen Gemeinschaft (EG) zwischen Polen einerseits und Deutschland sowie den &uuml;brigen Alt-Mitgliedstaaten andererseits in vollem Umfang nur vorbehaltlich der &Uuml;bergangsbestimmungen. Letztere sehen unter Nr.&nbsp;2.2 vor, dass abweichend von den Art.&nbsp;1 bis 6 der Verordnung (EWG) Nr.&nbsp;1612\/67 w&auml;hrend eines &Uuml;bergangszeitraums die Alt-Mitgliedstaaten nationale Ma&szlig;nahmen anwenden, um den Zugang polnischer Staatsangeh&ouml;riger zu ihren Arbeitsm&auml;rkten zu regeln. Deutschland hat diese &Uuml;bergangsregelung nach Nr.&nbsp;2.5 Anhang&nbsp;XII der Beitrittsakte bis zum Ablauf von sieben Jahren nach dem Beitritt, also bis zum 30.&nbsp;April 2011, verl&auml;ngert und den Zugang f&uuml;r Staatsangeh&ouml;rige Polens w&auml;hrend der &Uuml;bergangsfrist gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;284 Abs.&nbsp;1 SGB&nbsp;III dahingehend beschr&auml;nkt, dass diese und deren freiz&uuml;gigkeitsberechtigte Familienangeh&ouml;rige eine Besch&auml;ftigung nur mit Genehmigung der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit aus&uuml;ben und von Arbeitgebern nur besch&auml;ftigt werden d&uuml;rfen, wenn sie eine solche Genehmigung besitzen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Diese Einschr&auml;nkung bewirkt aber nicht, dass der Unionsb&uuml;rger bei fehlender arbeitsrechtlicher Genehmigung als nicht freiz&uuml;gigkeitsberechtigter Ausl&auml;nder zu behandeln ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>F&uuml;r Staatsangeh&ouml;rige der Europ&auml;ischen Union gilt gem&auml;&szlig; Art.&nbsp;21 Abs.&nbsp;1 des Vertrages &uuml;ber die Arbeitsweise der Europ&auml;ischen Union (AEUV, fr&uuml;her: Art.&nbsp;18 EG) ein von der Arbeitnehmerfreiz&uuml;gigkeit unabh&auml;ngiges Freiz&uuml;gigkeitsrecht, das allein aus der Unionsb&uuml;rgerschaft folgt. Danach hat jeder Unionsb&uuml;rger das Recht, sich im Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten &#8211;vorbehaltlich der in diesem Vertrag und in den Durchf&uuml;hrungsvorschriften vorgesehenen Beschr&auml;nkungen und Bedingungen&#8211; frei zu bewegen und aufzuhalten. Es handelt sich um ein unmittelbar anwendbares subjektiv-&ouml;ffentliches Recht, das dem Unionsb&uuml;rger, auch den Angeh&ouml;rigen der beigetretenen mittel- und osteurop&auml;ischen Staaten, unabh&auml;ngig vom Zweck seiner Inanspruchnahme zusteht (Beschluss des Bayerischen LSG vom 22.&nbsp;Dezember 2010 L&nbsp;16 AS&nbsp;767\/10&nbsp;B&nbsp;ER, Rz&nbsp;44, nicht ver&ouml;ffentlicht &#8211;n.v.&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dieses Aufenthaltsrecht der Unionsb&uuml;rger entf&auml;llt &#8211;verbunden mit einer Ausreisepflicht nach &sect;&nbsp;7 Freiz&uuml;gG\/EU&#8211;, sobald die Ausl&auml;nderbeh&ouml;rde nach &sect;&sect;&nbsp;5, 6 Freiz&uuml;gG\/EU festgestellt hat, dass das Recht auf Einreise und Aufenthalt nach &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 Freiz&uuml;gG\/EU nicht besteht. Die f&ouml;rmliche Feststellung obliegt allein den Ausl&auml;nderbeh&ouml;rden und den Verwaltungsgerichten und damit weder den Familienkassen noch den Finanzgerichten (vgl. LSG Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 29.&nbsp;November 2010 L&nbsp;34 AS&nbsp;1001\/10 B&nbsp;ER, Rz&nbsp;40, n.v.). Erst nach einer entsprechenden Feststellung findet das Aufenthaltsgesetz Anwendung (&sect;&nbsp;11 Abs.&nbsp;2 Freiz&uuml;gG\/EU) mit der Folge, dass der Unionsb&uuml;rger einen Aufenthaltstitel nach dem Aufenthaltsgesetz ben&ouml;tigt, will er sich weiterhin legal in Deutschland aufhalten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Allein die fehlende Arbeitsgenehmigung ohne eine Feststellung des Verlustes des Aufenthaltsrechts f&uuml;hrt somit nicht dazu, dass der Unionsb&uuml;rger nunmehr als nicht freiz&uuml;gigkeitsberechtigter Ausl&auml;nder i.S. des &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;2 EStG zu behandeln ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Auch die in &sect;&nbsp;13 Freiz&uuml;gG\/EU (i.d.F. vom 7.&nbsp;Dezember 2006) getroffene Regelung, nach der das Freiz&uuml;gigkeitsgesetz\/EU f&uuml;r polnische Staatsangeh&ouml;rige nur Anwendung findet, wenn die Besch&auml;ftigung durch die Bundesagentur f&uuml;r Arbeit gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;284 Abs.&nbsp;1 SGB&nbsp;III genehmigt wurde, f&uuml;hrt nicht zu einem anderen Ergebnis.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Vielmehr schr&auml;nken die in &sect;&nbsp;284 SGB&nbsp;III und &sect;&nbsp;13 Freiz&uuml;gG\/EU a.F. getroffenen Bestimmungen nur die Arbeitnehmerfreiz&uuml;gigkeit (Art.&nbsp;45 AEUV, vormals Art.&nbsp;39 EG) und damit nicht die grunds&auml;tzliche Freiz&uuml;gigkeit der neuen Unionsb&uuml;rger ein (Urteil des Bundessozialgerichts vom 30.&nbsp;Januar 2013 B&nbsp;4&nbsp;AS&nbsp;54\/12&nbsp;R, BSGE 113, 60, Sozialrecht&nbsp;4-4200 &sect;&nbsp;7 Nr.&nbsp;34, Rz&nbsp;21; LSG Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 29.&nbsp;November 2010 L&nbsp;34&nbsp;AS&nbsp;1001\/10&nbsp;B&nbsp;ER, Rz&nbsp;40, n.v.; Westphal\/Stoppa, Die EU-Osterweiterung und das Ausl&auml;nderrecht, Informationsbrief Ausl&auml;nderrecht 2004, 133, 139).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Einschr&auml;nkung (nur) der Arbeitnehmerfreiz&uuml;gigkeit steht auch mit Sinn und Zweck des in &sect;&nbsp;284 SGB&nbsp;III geregelten Erlaubnisvorbehalts in Einklang, der allein aus arbeitsmarktpolitischen Gr&uuml;nden eingef&uuml;hrt wurde (s. Arbeitsf&ouml;rderungs-Reformgesetz vom 24.&nbsp;M&auml;rz 1997, BGBl I 1997, 594, BTDrucks 13\/4941, S.&nbsp;206: Verbesserung der &quot;M&ouml;glichkeiten der Arbeits&auml;mter&nbsp;&#8230;, den gesetzlichen Vermittlungs- und Besch&auml;ftigungsvorrang deutscher Arbeitsuchender und diesen gleichgestellter Ausl&auml;nder in der Praxis wirksamer zu gew&auml;hrleisten und Ausl&auml;nderbesch&auml;ftigung und Aufnahmef&auml;higkeit des Arbeitsmarktes st&auml;rker in Einklang zu bringen&quot;). Dieser Zweck hat durch das Zuwanderungsgesetz vom 30.&nbsp;Juli 2004 (BGBl I 2004, 1950) nach der Erweiterung der Europ&auml;ischen Union um die mittel- und osteurop&auml;ischen Staaten keine &Auml;nderung erfahren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Eine AdV nach &sect;&nbsp;74 FGO kommt daher nicht in Betracht, da sich die verfassungsrechtliche Streitfrage der beim BVerfG anh&auml;ngigen Verfahren im vorliegenden Verfahren nicht stellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Eine Kostenentscheidung ist in diesem unselbst&auml;ndigen Nebenverfahren nicht zu treffen; &uuml;ber die Kosten des Beschwerdeverfahrens ist im Rahmen der Entscheidung &uuml;ber die Hauptsache zu befinden (vgl. z.B. Senatsbeschluss vom 21.&nbsp;Dezember 2005 III&nbsp;B&nbsp;145\/05, BFH\/NV 2006, 1103, unter II.3., m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 27.4.2015, III B 127\/14 Kindergeldberechtigung von Unionsb&uuml;rgern unter Geltung der &Uuml;bergangsbestimmungen zum EU-Beitritt &#8211; Genehmigungspflicht nach &sect; 284 SGB III bei Aufnahme einer Besch&auml;ftigung Leits&auml;tze Bestehen f&uuml;r das Herkunftsland eines Unionsb&uuml;rgers w&auml;hrend einer &Uuml;bergangszeit nach dem Beitritt zur Europ&auml;ischen Union Beschr&auml;nkungen hinsichtlich der Arbeitnehmerfreiz&uuml;gigkeit, so unterf&auml;llt der Unionsb&uuml;rger nur dann nicht &sect; &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-b-127-14-kindergeldberechtigung-von-unionsbuergern-unter-geltung-der-uebergangsbestimmungen-zum-eu-beitritt-genehmigungspflicht-nach-par-284-sgb-iii-bei-aufnahme-einer-beschaeftigung\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">III&nbsp;B&nbsp;127\/14 &#8211; Kindergeldberechtigung von Unionsb&uuml;rgern unter Geltung der &Uuml;bergangsbestimmungen zum EU-Beitritt &#8211; Genehmigungspflicht nach &sect; 284 SGB III bei Aufnahme einer Besch&auml;ftigung<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-64878","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64878","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=64878"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64878\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=64878"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=64878"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=64878"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}