{"id":64889,"date":"2015-09-03T17:11:28","date_gmt":"2015-09-03T15:11:28","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=64889"},"modified":"2015-09-03T17:11:28","modified_gmt":"2015-09-03T15:11:28","slug":"vii-r-38-14-tilgungsvermutung-bei-unkenntnis-des-finanzamts-ueber-scheidung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-r-38-14-tilgungsvermutung-bei-unkenntnis-des-finanzamts-ueber-scheidung\/","title":{"rendered":"VII&nbsp;R&nbsp;38\/14 &#8211; Tilgungsvermutung bei Unkenntnis des Finanzamts &uuml;ber Scheidung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 13.5.2015, VII R 38\/14<\/p>\n<p class=\"titel\">Tilgungsvermutung bei Unkenntnis des Finanzamts &uuml;ber Scheidung<\/p>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision des Kl&auml;gers gegen das Urteil des Schleswig-Holsteinischen Finanzgerichts vom 8. Juli 2014&nbsp;&nbsp;5 K 93\/11 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Kl&auml;ger zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Ehe des Kl&auml;gers und Revisionskl&auml;gers (Kl&auml;ger) wurde am 30.&nbsp;Januar 2008 geschieden. Mit noch an die Eheleute adressierten Bescheiden vom 9.&nbsp;Juli 2008 bzw. 19.&nbsp;September 2008 setzte der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) f&uuml;r das III. und IV.&nbsp;Quartal 2008 Einkommensteuervorauszahlungen in H&ouml;he von jeweils 5.165&nbsp;EUR fest, die der Kl&auml;ger im Jahr 2008 von seinem Gesch&auml;fts- und Privatkonto zahlte. Erst mit der vom Kl&auml;ger am 21.&nbsp;Mai 2010 eingereichten Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r das Jahr 2008 erfuhr das FA von der Scheidung. Daraufhin erteilte es dem Kl&auml;ger eine neue Steuernummer und erlie&szlig; den an den Kl&auml;ger gerichteten Einkommensteuerbescheid f&uuml;r das Jahr 2008 vom 14.&nbsp;September 2010 (Einzelveranlagung). Das FA rechnete die vom Kl&auml;ger f&uuml;r den Veranlagungszeitraum 2008 insgesamt geleisteten Vorauszahlungen nur zur H&auml;lfte auf die hierin festgesetzten Steuern an (6.222&nbsp;EUR Einkommensteuer sowie 290,86&nbsp;EUR Solidarit&auml;tszuschlag). Der Einspruch des Kl&auml;gers gegen die Anrechnungsverf&uuml;gung blieb ohne Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Klageverfahren verpflichtete sich das FA, die Anrechnungsverf&uuml;gung vom 14.&nbsp;September 2010 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 6.&nbsp;April 2011 dahin zu &auml;ndern, dass 6.869&nbsp;EUR Einkommensteuervorauszahlungen angerechnet werden. Insoweit erkl&auml;rten die Beteiligten den Rechtsstreit &uuml;bereinstimmend f&uuml;r erledigt. Mit der &Auml;nderung reagierte das FA auf das Senatsurteil vom 22.&nbsp;M&auml;rz 2011 VII&nbsp;R&nbsp;42\/10 (BFHE 233, 10, BStBl II 2011, 607). Da die gegen&uuml;ber der geschiedenen Ehefrau festzusetzende Einkommensteuer 0&nbsp;EUR betrage, seien die geleisteten Vorauszahlungen bis zum vollst&auml;ndigen Ausgleich der gegen&uuml;ber dem Kl&auml;ger festgesetzten Steuerbetr&auml;ge anzurechnen. Nur der verbleibende Restbetrag sei nach K&ouml;pfen auf den Kl&auml;ger und seine geschiedene Ehefrau aufzuteilen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Soweit der Kl&auml;ger die Anrechnung weiterer Vorauszahlungen begehrte, wies das Finanzgericht (FG) die Klage als unbegr&uuml;ndet ab. Zwar habe die Ehe zum Zeitpunkt der Zahlungen nicht mehr bestanden. F&uuml;r die Tilgungsbestimmung sei aber auf den zum Zeitpunkt der Zahlungen erkennbaren Willen des Zahlenden abzustellen. Da das FA zu diesem Zeitpunkt noch keine Kenntnis von der Scheidung gehabt habe, sei es zutreffend davon ausgegangen, dass die Vorauszahlungen unter Ber&uuml;cksichtigung der zwischen Eheleuten bestehenden Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft nicht nur f&uuml;r Rechnung des Kl&auml;gers, sondern auch f&uuml;r Rechnung seiner Ehefrau geleistet worden seien. Dass die Vorauszahlungsbescheide materiell-rechtlich nicht mehr an die Eheleute h&auml;tten ergehen d&uuml;rfen, sei aufgrund ihrer Bestandskraft unerheblich. Die Gr&uuml;nde sind in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2014, 2014 ver&ouml;ffentlicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit seiner Revision macht der Kl&auml;ger geltend, die auf allgemeinen Erfahrungss&auml;tzen beruhende Vermutung, der auf eine gemeinsame Steuerschuld zahlende Ehegatte wolle auch die Steuerschuld des anderen Ehegatten begleichen, setze eine bestehende und intakte Ehe voraus. Dies ergebe sich sowohl aus dem Senatsurteil vom 25.&nbsp;Juli 1989 VII&nbsp;R&nbsp;118\/87 (BFHE 157, 326, BStBl II 1990, 41) und dem Senatsurteil in BFHE 233, 10, BStBl II 2011, 607 als auch aus dem Urteil des FG Baden-W&uuml;rttemberg vom 22.&nbsp;April 2009&nbsp;&nbsp;2&nbsp;K&nbsp;567\/07 (EFG 2009, 1895). Auf die Kenntnis des Finanzamts komme es dagegen nur dann an, wenn eine von den allgemeinen Erfahrungss&auml;tzen abweichende Tilgungsbestimmung geltend gemacht werde. F&uuml;r solch eine abweichende Tilgungsbestimmung gebe es im Streitfall aber keine Anhaltspunkte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dar&uuml;ber hinaus seien er (der Kl&auml;ger) und seine geschiedene Ehefrau keine Gesamtschuldner. Eine Gesamtschuld entstehe erst mit der Wahl der Zusammenveranlagung. Jedenfalls sei eine Gesamtschuld aufgrund des Vorauszahlungsbescheids nur aufl&ouml;send bedingt bzw. vorl&auml;ufig, zumal der Vorauszahlungsbescheid durch Erlass des Steuerbescheids seine Wirkung verliere. Mangels Beschwer habe auch kein Anlass bestanden, den Vorauszahlungsbescheid anzufechten. Denn die Vorauszahlungen h&auml;tten nur auf seinen Eink&uuml;nften beruht. Im &Uuml;brigen habe er (der Kl&auml;ger) das Finanzamt weder bewusst t&auml;uschen noch ungerechtfertigte Steuervorteile erzielen wollen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt, die Vorentscheidung aufzuheben und die Anrechnungsverf&uuml;gung im Einkommensteuerbescheid 2008 vom 14.&nbsp;September 2010 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 6.&nbsp;April 2011 und der ge&auml;nderten Anrechnungsverf&uuml;gung vom 31.&nbsp;Juli 2014 dahin zu &auml;ndern, dass s&auml;mtliche von ihm geleisteten Vorauszahlungen angerechnet werden (12.444&nbsp;EUR Einkommensteuer und 581,72&nbsp;EUR Solidarit&auml;tszuschlag).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Es folgt der Begr&uuml;ndung des FG und weist zus&auml;tzlich darauf hin, die fehlerhaften Vorauszahlungsbescheide seien Folge der Verletzung der Mitwirkungspflichten des Kl&auml;gers aus &sect;&nbsp;90 Abs.&nbsp;1 der Abgabenordnung (AO). Der Kl&auml;ger habe das FA bewusst &uuml;ber die &Auml;nderung der famili&auml;ren Verh&auml;ltnisse im Unklaren gelassen, um durch Anwendung der Splitting-Tabelle h&ouml;here Vorauszahlungen zu vermeiden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Entscheidung ergeht gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;126a der Finanzgerichtsordnung (FGO). Der Senat h&auml;lt einstimmig die Revision f&uuml;r unbegr&uuml;ndet und eine m&uuml;ndliche Verhandlung nicht f&uuml;r erforderlich. Die Beteiligten sind davon unterrichtet worden und hatten Gelegenheit zur Stellungnahme.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Es kann dahingestellt bleiben, ob das Urteil des FG lediglich im Ergebnis richtig ist, weil die Klage gegen die Anrechnungsverf&uuml;gung aufgrund des Vorrangs des Verfahrens nach &sect;&nbsp;218 Abs.&nbsp;2 AO bereits unzul&auml;ssig war. Denn unter Annahme der Zul&auml;ssigkeit der Klage entspricht das Urteil Bundesrecht (&sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;1 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach st&auml;ndiger Rechtsprechung des Senats ist nach &sect;&nbsp;36 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 des Einkommensteuergesetzes (EStG) derjenige anrechnungsberechtigt, auf dessen Rechnung, nicht aber derjenige, auf dessen Kosten gezahlt worden ist. Es kommt also nicht darauf an, von wem und mit wessen Mitteln gezahlt worden ist, sondern nur darauf, wessen Steuerschuld nach dem Willen des Zahlenden, wie er im Zeitpunkt der Zahlung dem Finanzamt erkennbar ist, getilgt werden sollte (Senatsurteil vom 26.&nbsp;Juni 2007 VII&nbsp;R&nbsp;35\/06, BFHE 218, 10, BStBl II 2007, 742, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ist bei der Zahlung eines Gesamtschuldners kein abweichender Tilgungswille erkennbar, ist in der Regel anzunehmen, dass der Gesamtschuldner nur seine eigene Steuerschuld tilgen wollte. Etwas anderes gilt nach der Rechtsprechung des Senats bei der Zahlung eines Ehegatten auf die Gesamtschuld der Ehepartner. Solange die Ehe besteht und die Eheleute nicht dauernd getrennt leben (&sect;&nbsp;26 Abs.&nbsp;1 EStG), ist hier aufgrund der zwischen Ehepartnern bestehenden Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft im Allgemeinen davon auszugehen, dass derjenige Ehegatte, der auf die gemeinsame Steuerschuld zahlt, mit seiner Zahlung auch die Steuerschuld des anderen mit ihm zusammen veranlagten Ehegatten begleichen will. Allerdings kommt eine Erstattung von Vorauszahlungen nach &sect;&nbsp;36 Abs.&nbsp;4 Satz 2 EStG bei fehlender Tilgungsbestimmung im Regelfall nur hinsichtlich desjenigen Betrags in Betracht, um den die Vorauszahlungen die Summe der f&uuml;r beide Ehegatten festgesetzten Einkommensteuer &uuml;bersteigen. Dies gilt sowohl im Fall der Zusammenveranlagung als auch bei Wahl der getrennten Veranlagung und folgt aus dem Sicherungszweck der Vorauszahlungen (Senatsurteil in BFHE 233, 10, BStBl II 2011, 607).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Von diesen Grunds&auml;tzen, an denen der Senat festh&auml;lt (zur Kritik vgl. z.B. Koenig, Abgabenordnung, 3.&nbsp;Aufl. 2014, &sect;&nbsp;37 Rz&nbsp;34), ist auch das FG ausgegangen und zu dem zutreffenden Ergebnis gelangt, dass der Kl&auml;ger keinen weiteren Anspruch auf Anrechnung von Vorauszahlungen zur Einkommensteuer und zum Solidarit&auml;tszuschlag f&uuml;r das Jahr 2008 hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zwar wurde die Ehe bereits am 30.&nbsp;Januar 2008 und damit vor Leistung der Vorauszahlungen geschieden. Nach den bindenden Feststellungen des FG (&sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO) gab es hierf&uuml;r aber aus Sicht des FA zum Zeitpunkt der Zahlungen keine Anhaltspunkte. Vielmehr hatten die Eheleute noch am 1.&nbsp;April 2009 eine gemeinsame Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r das Jahr 2007 abgegeben, ohne auf die famili&auml;ren &Auml;nderungen hinzuweisen. Ma&szlig;gebend ist aber allein der f&uuml;r das Finanzamt erkennbare Tilgungswille zum Zeitpunkt der Zahlung (Senatsbeschluss vom 4.&nbsp;November 2003 VII&nbsp;B&nbsp;382\/02, BFH\/NV 2004, 314; Senatsurteil in BFHE 218, 10, BStBl II 2007, 742). Entgegen der Auffassung des Kl&auml;gers betrifft dies nicht nur die Frage, ob ein Tilgungswille vorliegt, der von den sich aus den objektiven Umst&auml;nden ergebenen allgemeinen Erfahrungss&auml;tzen abweicht, sondern auch die Frage, ob das FA von den f&uuml;r Eheleute geltenden allgemeinen Erfahrungss&auml;tzen ausgehen durfte. Unter Ber&uuml;cksichtigung der Mitwirkungspflichten des Steuerpflichtigen nach &sect;&nbsp;90 Abs.&nbsp;1 AO kann dem Finanzamt nicht zugemutet werden, bei jedem Eingang einer Zahlung die famili&auml;ren Hintergr&uuml;nde des Steuerpflichtigen nachzupr&uuml;fen, um sie zutreffend verbuchen zu k&ouml;nnen. Der Steuerpflichtige hat es im Fall einer Scheidung bzw. Trennung selbst in der Hand, einen abweichenden Tilgungswillen deutlich zu machen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Sofern sich aus dem vom Kl&auml;ger zitierten Senatsurteil in BFHE 157, 326, BStBl II 1990, 41 etwas anderes ergibt, ist dies durch den Senatsbeschluss in BFH\/NV 2004, 314 &uuml;berholt. Dieser Entscheidung lag ebenfalls ein Sachverhalt zugrunde, bei dem zumindest ein Teil der Vorauszahlungen nach der Trennung geleistet worden war. Dementsprechend kam es auch in den Senatsurteilen in BFHE 218, 10, BStBl II 2007, 742 und in BFHE 233, 10, BStBl II 2011, 607 nicht darauf an, wann genau die Voraussetzungen f&uuml;r eine Zusammenveranlagung entfallen waren. Auf die materielle Richtigkeit des Vorauszahlungsbescheids kann es bei Bestandskraft dieses Bescheids ohnehin nicht ankommen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dar&uuml;ber hinaus ist es entgegen der Auffassung des Kl&auml;gers unsch&auml;dlich, dass er und seine geschiedene Ehefrau zum Zeitpunkt der Zahlungen nicht mehr die Voraussetzungen einer Zusammenveranlagung nach &sect;&nbsp;26 Abs.&nbsp;1 EStG erf&uuml;llt haben und sie somit hinsichtlich der festzusetzenden Einkommensteuer keine Gesamtschuldner werden konnten. Denn die Vorauszahlungsschuld i.S. des &sect;&nbsp;37 EStG ist eine eigenst&auml;ndige Steuerschuld, die von der sp&auml;ter festgesetzten Einkommensteuer zu trennen ist. F&uuml;r die Frage, ob die Eheleute die Vorauszahlungen als Gesamtschuldner i.S. des &sect;&nbsp;44 AO zu leisten hatten, ist somit allein entscheidend, ob der (bestandskr&auml;ftige) Vorauszahlungsbescheid &#8211;wie im Streitfall&#8211; an beide Ehegatten gerichtet war, da unter Ber&uuml;cksichtigung der in der Vergangenheit gestellten Antr&auml;ge voraussichtlich von einer Zusammenveranlagung auszugehen war (&sect;&nbsp;37 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 13.5.2015, VII R 38\/14 Tilgungsvermutung bei Unkenntnis des Finanzamts &uuml;ber Scheidung Tenor Die Revision des Kl&auml;gers gegen das Urteil des Schleswig-Holsteinischen Finanzgerichts vom 8. Juli 2014&nbsp;&nbsp;5 K 93\/11 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen. Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Kl&auml;ger zu tragen. Tatbestand 1&nbsp; I. Die Ehe des Kl&auml;gers und Revisionskl&auml;gers (Kl&auml;ger) wurde &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-r-38-14-tilgungsvermutung-bei-unkenntnis-des-finanzamts-ueber-scheidung\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VII&nbsp;R&nbsp;38\/14 &#8211; Tilgungsvermutung bei Unkenntnis des Finanzamts &uuml;ber Scheidung<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-64889","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64889","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=64889"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64889\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=64889"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=64889"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=64889"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}