{"id":64900,"date":"2015-09-03T17:10:51","date_gmt":"2015-09-03T15:10:51","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=64900"},"modified":"2015-09-03T17:10:51","modified_gmt":"2015-09-03T15:10:51","slug":"vi-r-44-13-ermaessigt-zu-besteuernder-arbeitslohn-fuer-eine-mehrjaehrige-taetigkeit-verletzung-des-anspruchs-auf-rechtliches-gehoer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-44-13-ermaessigt-zu-besteuernder-arbeitslohn-fuer-eine-mehrjaehrige-taetigkeit-verletzung-des-anspruchs-auf-rechtliches-gehoer\/","title":{"rendered":"VI&nbsp;R&nbsp;44\/13 &#8211; Erm&auml;&szlig;igt zu besteuernder Arbeitslohn f&uuml;r eine mehrj&auml;hrige T&auml;tigkeit &#8211; Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Geh&ouml;r"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 7.5.2015, VI R 44\/13<\/p>\n<p class=\"titel\">Erm&auml;&szlig;igt zu besteuernder Arbeitslohn f&uuml;r eine mehrj&auml;hrige T&auml;tigkeit &#8211; Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Geh&ouml;r<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Arbeitslohn, der f&uuml;r einen Zeitraum von mehr als zw&ouml;lf Monaten und veranlagungszeitraum&uuml;bergreifend geleistet wird, kann als Verg&uuml;tung f&uuml;r eine mehrj&auml;hrige T&auml;tigkeit nach der sogenannten F&uuml;nftelregelung zu besteuern sein, wenn wirtschaftlich vern&uuml;nftige Gr&uuml;nde f&uuml;r die zusammengeballte Entlohnung vorliegen.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Um einmalige (Sonder)Eink&uuml;nfte, die f&uuml;r die konkrete Berufst&auml;tigkeit un&uuml;blich sind und nicht regelm&auml;&szlig;ig anfallen, muss es sich nicht handeln. Insbesondere ist es nicht erforderlich, dass die T&auml;tigkeit selbst von der regelm&auml;&szlig;igen Erwerbst&auml;tigkeit abgrenzbar ist oder die in mehreren Veranlagungszeitr&auml;umen erdiente Verg&uuml;tung auf einem besonderen Rechtsgrund beruht, der diese von den laufenden Eink&uuml;nften unterscheidbar macht.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision des Beklagten gegen das Urteil des Finanzgerichts Baden-W&uuml;rttemberg, Au&szlig;ensenate Freiburg, vom 29. November 2012&nbsp;&nbsp;3 K 2109\/11 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Beklagte zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Streitig ist, ob im Streitjahr (2007) eine nach &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;4 des Einkommensteuergesetzes (EStG) erm&auml;&szlig;igt zu besteuernde Verg&uuml;tung f&uuml;r eine mehrj&auml;hrige T&auml;tigkeit vorliegt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger und Revisionsbeklagten (Kl&auml;ger) sind Eheleute und werden zur Einkommensteuer zusammen veranlagt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger ist als Vorstand einer als gemeinn&uuml;tzig anerkannten Stiftung, die sich &uuml;berwiegend aus Spenden finanziert, t&auml;tig. Die Rechtsbeziehungen zwischen ihm und der Stiftung sind in einem Dienstvertrag geregelt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In ihrer Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r das Streitjahr erkl&auml;rten die Kl&auml;ger u.a., dass es sich bei der von der Stiftung erhaltenen T&auml;tigkeitsverg&uuml;tung des Kl&auml;gers um erm&auml;&szlig;igt zu besteuernden Arbeitslohn f&uuml;r mehrere Jahre handele, denn der Lohnzahlungszeitraum sei ausnahmsweise &#8211;und mit seinem Einverst&auml;ndnis&#8211; von zw&ouml;lf auf 14 Monate erweitert worden. Dadurch sei der monatliche Durchschnittsbetrag der kl&auml;gerischen Bez&uuml;ge um mehr als 10&nbsp;% reduziert und eine m&ouml;glicherweise unangemessen hohe gemeinn&uuml;tzigkeitssch&auml;dliche Verg&uuml;tung i.S. von &sect;&nbsp;55 der Abgabenordnung (AO) vermieden worden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) folgte der Steuererkl&auml;rung der Kl&auml;ger und setzte die Einkommensteuer 2007 mit Bescheid vom 13.&nbsp;Januar 2009 unter dem Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung fest. Im Anschluss an eine Lohnsteuer-Au&szlig;enpr&uuml;fung &auml;nderte das FA unter dem Datum 10.&nbsp;November 2010 den Einkommensteuerbescheid f&uuml;r 2007 nach &sect;&nbsp;164 Abs.&nbsp;2 AO und wendete &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;4 EStG nicht mehr an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Den hiergegen eingelegten Einspruch wies das FA zur&uuml;ck. Es f&uuml;hrte u.a. aus, &sect;&nbsp;34 EStG k&ouml;nne vorliegend nicht angewendet werden. Nicht s&auml;mtliche Verg&uuml;tungen f&uuml;r mehrj&auml;hrige T&auml;tigkeiten und damit f&uuml;r T&auml;tigkeiten, die sich &uuml;ber zwei Veranlagungszeitr&auml;ume erstreckten und einen Zeitraum von mehr als zw&ouml;lf Monaten umfassten, seien erm&auml;&szlig;igt zu besteuern. Es m&uuml;sse sich zus&auml;tzlich um au&szlig;erordentliche Eink&uuml;nfte handeln. Daran fehle es im Streitfall. Vorliegend stehe die Besteuerung von laufendem Arbeitslohn in Streit, der regelm&auml;&szlig;ig wiederkehrend ausbezahlt und zeitraumbezogen definiert worden sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) gab der daraufhin erhobenen Klage statt. Das FA habe die streitige T&auml;tigkeitsverg&uuml;tung des Kl&auml;gers zu Unrecht nicht erm&auml;&szlig;igt besteuert. Als erm&auml;&szlig;igt zu besteuernde au&szlig;erordentlichen Eink&uuml;nfte k&auml;men insbesondere Verg&uuml;tungen f&uuml;r mehrj&auml;hrige T&auml;tigkeiten in Betracht. Mehrj&auml;hrig sei nach der mit Wirkung zum 1.&nbsp;Januar 2007 in &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;4&nbsp;&nbsp;2.&nbsp;Halbsatz EStG eingef&uuml;gten Legaldefinition eine T&auml;tigkeit, soweit sie sich &#8211;wie vorliegend&#8211; &uuml;ber mindestens zwei Veranlagungszeitr&auml;ume erstrecke und einen Zeitraum von mehr als zw&ouml;lf Monaten umfasse. Da im Streitfall f&uuml;r die Zahlung der Verg&uuml;tung f&uuml;r die mehrj&auml;hrige T&auml;tigkeit in einer Summe wirtschaftlich vern&uuml;nftige Gr&uuml;nde vorgelegen h&auml;tten, ein Rechtsmissbrauch deshalb ausscheide, sei der vom Kl&auml;ger von der Stiftung bezogene Arbeitslohn nach der sogenannten &quot;F&uuml;nftelregelung&quot; gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;4 EStG erm&auml;&szlig;igt zu versteuern.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen wendet sich das FA mit der Revision.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Es beantragt,<br \/>das Urteil des FG Baden-W&uuml;rttemberg vom 29.&nbsp;November 2012&nbsp;&nbsp;3&nbsp;K&nbsp;2109\/11 aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger beantragen,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision des FA ist unbegr&uuml;ndet und daher zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG hat zu Recht entschieden, dass die streitgegenst&auml;ndliche Verg&uuml;tung des Kl&auml;gers nach &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;4 EStG erm&auml;&szlig;igt zu besteuern ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG ist die auf alle im Veranlagungszeitraum bezogenen au&szlig;erordentlichen Eink&uuml;nfte entfallende Einkommensteuer nach einem erm&auml;&szlig;igten besonderen Tarif, der sogenannten &quot;F&uuml;nftelregelung&quot; (&sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;1 S&auml;tze&nbsp;2 bis 4 EStG), zu berechnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Als erm&auml;&szlig;igt zu besteuernde au&szlig;erordentliche Eink&uuml;nfte kommen insbesondere Verg&uuml;tungen f&uuml;r mehrj&auml;hrige T&auml;tigkeiten in Betracht (&sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;4&nbsp;&nbsp;1.&nbsp;Halbsatz EStG). Nach &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;4&nbsp;&nbsp;2.&nbsp;Halbsatz EStG ist eine T&auml;tigkeit mehrj&auml;hrig, soweit sie sich &uuml;ber mindestens zwei Veranlagungszeitr&auml;ume erstreckt und einen Zeitraum von mehr als zw&ouml;lf Monaten umfasst.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Anders als bei den Eink&uuml;nften aus selbst&auml;ndiger Arbeit muss es sich, wenn die erm&auml;&szlig;igte Besteuerung von Eink&uuml;nften aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;19 EStG in Rede steht, bei der mehrj&auml;hrigen T&auml;tigkeit nicht um eine abgrenzbare Sondert&auml;tigkeit handeln. Insbesondere ist es nicht erforderlich, dass die T&auml;tigkeit selbst von der regelm&auml;&szlig;igen Erwerbst&auml;tigkeit abgrenzbar ist oder die in mehreren Veranlagungszeitr&auml;umen erdiente Verg&uuml;tung auf einem besonderen Rechtsgrund beruht, der diese von den laufenden Eink&uuml;nften unterscheidbar macht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Eine Einschr&auml;nkung des Wortlauts des &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;4 EStG bei den Eink&uuml;nften aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit ist nicht erforderlich. Sie mag insbesondere bei den Eink&uuml;nften aus Gewerbebetrieb, aber auch bei Eink&uuml;nften aus selbst&auml;ndiger Arbeit angezeigt sein. Denn anders als bei Eink&uuml;nften aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit ist es bei diesen Einkunftsarten nicht au&szlig;ergew&ouml;hnlich, dass in den laufenden Eink&uuml;nften neben gleichm&auml;&szlig;igen auch zuf&auml;llige und schwankende Einnahmen enthalten sind. Der selbst&auml;ndig T&auml;tige ist in seinen finanziellen und wirtschaftlichen Dispositionen grunds&auml;tzlich frei und unabh&auml;ngig (vgl. Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 25.&nbsp;Februar 2014 X&nbsp;R&nbsp;10\/12, BFHE 245, 1, BStBl II 2014, 668); der Arbeitnehmer jedoch nicht. Dementsprechend ist beim Arbeitnehmer jede Verg&uuml;tung f&uuml;r eine T&auml;tigkeit, die sich &uuml;ber mindestens zwei Veranlagungszeitr&auml;ume erstreckt und einen Zeitraum von mehr als zw&ouml;lf Monaten umfasst, atypisch zusammengeballt und damit &quot;au&szlig;erordentlich&quot; i.S. des &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Allerdings reicht es nicht aus, dass der Arbeitslohn in einem anderen Veranlagungszeitraum als dem zuflie&szlig;t, zu dem er wirtschaftlich geh&ouml;rt, und dort mit weiteren Eink&uuml;nften aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit zusammentrifft. Die Entlohnung muss vielmehr f&uuml;r sich betrachtet zweckbestimmtes Entgelt f&uuml;r eine mehrj&auml;hrige T&auml;tigkeit sein, die Verg&uuml;tung folglich f&uuml;r einen Zeitraum von mehr als zw&ouml;lf Monaten und veranlagungszeitraum&uuml;bergreifend geleistet werden (vgl. z.B. Senatsurteile vom 7.&nbsp;August 2014 VI&nbsp;R&nbsp;57\/12, BFH\/NV 2015, 181, und vom 3.&nbsp;Juli 1987 VI&nbsp;R&nbsp;43\/86, BFHE 150, 431, BStBl II 1987, 820; Mellinghoff in Kirchhof, EStG, 14.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;34 Rz&nbsp;32; Schmidt\/ Wacker, EStG, 34.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;34 Rz&nbsp;44; Horn in Herrmann\/ Heuer\/Raupach, &sect;&nbsp;34 EStG Rz&nbsp;64; Zimmermann in Lademann, EStG, &sect;&nbsp;34 Rz&nbsp;121; Bl&uuml;mich\/Lindberg, &sect;&nbsp;34 EStG Rz&nbsp;57; Graf in Littmann\/Bitz\/Pust, Das Einkommensteuerrecht, Kommentar, &sect;&nbsp;34 Rz&nbsp;106; Schiffers in Korn, &sect;&nbsp;34 EStG Rz&nbsp;59; Herrmann in Frotscher, EStG, Freiburg 2011, &sect;&nbsp;34 Rz&nbsp;51; R&nbsp;34.4 Abs.&nbsp;2 der Einkommensteuer-Richtlinien). Diese mehrj&auml;hrige Zweckbestimmung kann sich entweder aus dem Anlass der Zuwendung oder aus den &uuml;brigen Umst&auml;nden ergeben. Soweit andere Hinweise auf den Verwendungszweck fehlen, kommt der Berechnung des Entgelts ma&szlig;gebliche Bedeutung zu (Senatsurteil vom 16.&nbsp;Dezember 1996 VI&nbsp;R&nbsp;51\/96, BFHE 182, 161, BStBl II 1997, 222; Horn, a.a.O., &sect;&nbsp;34 EStG Rz&nbsp;64; Mellinghoff, a.a.O., &sect;&nbsp;34 Rz&nbsp;30).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Dar&uuml;ber hinaus m&uuml;ssen wirtschaftlich vern&uuml;nftige Gr&uuml;nde f&uuml;r die zusammengeballte Entlohnung vorliegen. Diese k&ouml;nnen sowohl in der Person des Arbeitnehmers als auch des Arbeitgebers vorliegen (vgl. Senatsurteile vom 19.&nbsp;September 1975 VI&nbsp;R&nbsp;61\/73, BFHE 117, 149, BStBl II 1976, 65; vom 20.&nbsp;November 1970 VI&nbsp;R&nbsp;183\/68, BFHE 101, 237, BStBl II 1971, 263; vom 2.&nbsp;Februar 1962 VI&nbsp;267\/61&nbsp;U, BFHE 74, 340, BStBl III 1962, 130, und vom 12.&nbsp;April 2007 VI&nbsp;R&nbsp;6\/02, BFHE 217, 547, BStBl II 2007, 581; Mellinghoff, a.a.O., &sect;&nbsp;34 Rz&nbsp;32; Schmidt\/Wacker, a.a.O., &sect;&nbsp;34 Rz&nbsp;41; Horn, a.a.O., &sect;&nbsp;34 EStG Rz&nbsp;66; Zimmermann, a.a.O., &sect;&nbsp;34 EStG Rz&nbsp;121; Bl&uuml;mich\/Lindberg, &sect;&nbsp;34 EStG Rz&nbsp;57; Graf, a.a.O., &sect;&nbsp;34 Rz&nbsp;106; Schiffers, a.a.O., &sect;&nbsp;34 EStG Rz&nbsp;59; Herrmann, a.a.O., &sect;&nbsp;34 Rz&nbsp;51; a.A. Sieker, in: Kirchhof\/S&ouml;hn\/ Mellinghoff, EStG, &sect;&nbsp;34 Rz&nbsp;B&nbsp;132&nbsp;ff.). Das Merkmal der wirtschaftlich vern&uuml;nftigen Gr&uuml;nde dient der Verh&uuml;tung von Missbr&auml;uchen. Deshalb schlie&szlig;t nur eine willk&uuml;rliche, wirtschaftlich nicht gerechtfertigte Zusammenballung allein aus steuerlichen Gr&uuml;nden die Anwendung der Tarifbeg&uuml;nstigung auf mehrj&auml;hrigen Arbeitslohn aus (Horn, a.a.O., &sect;&nbsp;34 EStG Rz&nbsp;66, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Nach diesen Rechtsma&szlig;st&auml;ben ist die Entscheidung des FG, dass die streitgegenst&auml;ndliche Verg&uuml;tung des Kl&auml;gers nach &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;4 EStG erm&auml;&szlig;igt zu besteuern ist, revisionsrechtlich nicht zu beanstanden. Die Tatsacheninstanz hat das Geschehen dahingehend gew&uuml;rdigt, dass vorliegend der Lohnzahlungszeitraum einverst&auml;ndlich von zw&ouml;lf auf 14 Monate verl&auml;ngert wurde. Der Kl&auml;ger und die Stiftung haben insbesondere nicht lediglich vereinbart, dass zus&auml;tzlich zum j&auml;hrlichen Arbeitslohn eine Abschlagszahlung f&uuml;r die folgenden zwei Monate zu leisten war. Dar&uuml;ber hinaus hat das FG aufgrund seiner unangefochtenen Feststellungen darauf erkannt, dass f&uuml;r die auf der Verl&auml;ngerung des Lohnzahlungszeitraums gr&uuml;ndende Zusammenballung des Arbeitslohns wirtschaftlich vern&uuml;nftige &#8211;im Streitfall nach Auffassung der Stiftung und des Kl&auml;gers gemeinn&uuml;tzigkeitsrechtliche&#8211; Gr&uuml;nde vorlagen. An diese W&uuml;rdigung des Geschehens ist der Senat gebunden (&sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO). Denn sie verst&ouml;&szlig;t weder gegen Denkgesetze noch Erfahrungss&auml;tze.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Eine Wiederer&ouml;ffnung der m&uuml;ndlichen Verhandlung vom 7.&nbsp;Mai 2015 kommt nicht in Betracht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Das Gericht ist verpflichtet, einen Schriftsatz der Beteiligten zu ber&uuml;cksichtigen, der zwar nach der Beschlussfassung &uuml;ber das Urteil, aber vor dessen Verk&uuml;ndung oder Zustellung eingeht. Kommt das Gericht dieser Verpflichtung nicht nach, so verletzt es den Anspruch des betroffenen Beteiligten auf rechtliches Geh&ouml;r. Denn das Gericht muss Antr&auml;ge und Erkl&auml;rungen der Beteiligten zur Kenntnis nehmen und in Erw&auml;gung ziehen, die ihm vor dem Ergehen der Entscheidung zugehen. Ma&szlig;gebender Zeitpunkt ist die Verk&uuml;ndung des Urteils oder seine Herausgabe zur Zustellung. Handelt es sich um ein aufgrund m&uuml;ndlicher Verhandlung beschlossenes und gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;104 Abs.&nbsp;2 FGO zuzustellendes Urteil, kann ma&szlig;gebender Zeitpunkt auch die formlose Bekanntgabe der von den Richtern am BFH unterschriebenen Urteilsformel durch die Gesch&auml;ftsstelle an einen der Beteiligten sein (BFH-Beschluss vom 11.&nbsp;Dezember 2006 IX&nbsp;B&nbsp;128\/06, BFH\/NV 2007, 738, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Gehen vor der Wirksamkeit eines nach der m&uuml;ndlichen Verhandlung (nur) beschlossenen Urteils noch das Verfahren betreffende Schrifts&auml;tze ein, muss der BFH die Frage der Wiederer&ouml;ffnung der m&uuml;ndlichen Verhandlung pr&uuml;fen und seine hier&uuml;ber getroffene Ermessensentscheidung (vgl. &sect;&nbsp;93 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;2 FGO) sowie die zugrunde liegenden Erw&auml;gungen in einem gesonderten Beschluss oder als Teil des Urteils zum Ausdruck bringen; hierauf haben die Prozessbeteiligten zur Wahrung ihres rechtlichen Geh&ouml;rs einen Anspruch (BFH-Beschluss in BFH\/NV 2007, 738, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Nach diesen Grunds&auml;tzen war der von den Kl&auml;gern per Telefax am 8.&nbsp;Mai 2015 eingereichte Schriftsatz zu ber&uuml;cksichtigen. Denn er ist vor der formlosen Bekanntgabe der unterschriebenen Urteilsformel durch die Gesch&auml;ftsstelle an einen der Beteiligten eingegangen. Allerdings verlangt der Inhalt dieses Schriftsatzes nicht nach einer Wiederer&ouml;ffnung des Verfahrens. Denn der erkennende Senat sieht sich an die W&uuml;rdigung des FG, nach der f&uuml;r die Zusammenballung der streitbefangenen Lohnzahlung wirtschaftlich vern&uuml;nftige &#8211;im Streitfall gemeinn&uuml;tzigkeitsrechtliche&#8211; Gr&uuml;nde vorlagen, gebunden. Rechtliche Ausf&uuml;hrungen zur Frage, ob die der Lohnzahlung zugrunde liegende Verg&uuml;tungsregelung gemeinn&uuml;tzigkeitsrechtlichen Bedenken begegnet, sind damit rechtsunerheblich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Kostenentscheidung folgt aus &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 7.5.2015, VI R 44\/13 Erm&auml;&szlig;igt zu besteuernder Arbeitslohn f&uuml;r eine mehrj&auml;hrige T&auml;tigkeit &#8211; Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Geh&ouml;r Leits&auml;tze 1. Arbeitslohn, der f&uuml;r einen Zeitraum von mehr als zw&ouml;lf Monaten und veranlagungszeitraum&uuml;bergreifend geleistet wird, kann als Verg&uuml;tung f&uuml;r eine mehrj&auml;hrige T&auml;tigkeit nach der sogenannten F&uuml;nftelregelung zu besteuern sein, wenn wirtschaftlich vern&uuml;nftige &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-44-13-ermaessigt-zu-besteuernder-arbeitslohn-fuer-eine-mehrjaehrige-taetigkeit-verletzung-des-anspruchs-auf-rechtliches-gehoer\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VI&nbsp;R&nbsp;44\/13 &#8211; Erm&auml;&szlig;igt zu besteuernder Arbeitslohn f&uuml;r eine mehrj&auml;hrige T&auml;tigkeit &#8211; Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Geh&ouml;r<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-64900","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64900","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=64900"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64900\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=64900"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=64900"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=64900"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}