{"id":64903,"date":"2015-09-03T17:10:40","date_gmt":"2015-09-03T15:10:40","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=64903"},"modified":"2015-09-03T17:10:40","modified_gmt":"2015-09-03T15:10:40","slug":"vii-r-37-13-verjaehrung-des-insolvenzrechtlichen-aufrechnungsverbots-des-par-96-abs-1-nr-3-inso","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-r-37-13-verjaehrung-des-insolvenzrechtlichen-aufrechnungsverbots-des-par-96-abs-1-nr-3-inso\/","title":{"rendered":"VII&nbsp;R&nbsp;37\/13 &#8211; Verj&auml;hrung des insolvenzrechtlichen Aufrechnungsverbots des &sect; 96 Abs. 1 Nr. 3 InsO"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 5.5.2015, VII R 37\/13<\/p>\n<p class=\"titel\">Verj&auml;hrung des insolvenzrechtlichen Aufrechnungsverbots des &sect; 96 Abs. 1 Nr. 3 InsO<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Hinsichtlich des Vorsteuerverg&uuml;tungsanspruchs aus der T&auml;tigkeit des vorl&auml;ufigen Insolvenzverwalters hat das Finanzamt das insolvenzrechtliche Aufrechnungsverbot des &sect; 96 Abs. 1 Nr. 3 InsO zu beachten. Der Insolvenzverwalter kann dieses Aufrechnungsverbot analog &sect; 146 Abs. 1 InsO i.V.m. &sect;&sect; 195 ff. BGB nur innerhalb einer dreij&auml;hrigen Verj&auml;hrungsfrist durchsetzen. Die Verj&auml;hrungsfrist beginnt fr&uuml;hestens mit Ablauf desjenigen Jahres, in dem der Vorsteuerverg&uuml;tungsanspruch steuerrechtlich entstanden ist.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision des Finanzamts gegen das Urteil des Nieders&auml;chsischen Finanzgerichts vom 6. Juni 2013&nbsp;&nbsp;5 K 2\/13 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat das Finanzamt zu tragen.<\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Am 21.&nbsp;Dezember 2006 wurde &uuml;ber das Verm&ouml;gen der Insolvenzschuldnerin das Insolvenzverfahren er&ouml;ffnet. Der Kl&auml;ger und Revisionsbeklagte (Kl&auml;ger) ist als Insolvenzverwalter bestellt. F&uuml;r seine seit dem 2.&nbsp;Oktober 2006 ausge&uuml;bte T&auml;tigkeit als vorl&auml;ufiger Insolvenzverwalter setzte das Amtsgericht mit Beschluss vom 12.&nbsp;Januar 2010 eine Verg&uuml;tung in H&ouml;he von 50.994,03&nbsp;EUR zuz&uuml;glich 8.159,04&nbsp;EUR Umsatzsteuer fest. Die Verg&uuml;tung wurde im ersten Quartal 2010 aus der Insolvenzmasse dem Kl&auml;ger gezahlt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In der Umsatzsteuer-Voranmeldung f&uuml;r das erste Quartal 2010 machte der Kl&auml;ger f&uuml;r die Insolvenzschuldnerin einen entsprechenden Vorsteuerverg&uuml;tungsanspruch geltend. Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) verrechnete die Vorsteuer mit Umsatzsteuerverbindlichkeiten der Insolvenzschuldnerin aus den Jahren 2000 und 2005. Hier&uuml;ber erlie&szlig; das FA den Abrechnungsbescheid vom 29.&nbsp;Mai 2012. Der Einspruch blieb erfolglos.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) &auml;nderte den Abrechnungsbescheid in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 30.&nbsp;November 2012 dahin, dass der Insolvenzschuldnerin f&uuml;r das erste Quartal 2010 ein Vorsteuerverg&uuml;tungsanspruch in H&ouml;he von 8.159,04&nbsp;EUR zusteht. Der Aufrechnung des FA stehe das Aufrechnungsverbot des &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 der Insolvenzordnung (InsO) entgegen, da die nach dem Antrag auf Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens erbrachte Leistung des vorl&auml;ufigen Insolvenzverwalters an die Insolvenzschuldnerin eine nach &sect;&nbsp;131 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 InsO anfechtbare Rechtshandlung sei. Die daraus ableitbaren Rechte seien nicht analog &sect;&nbsp;146 InsO i.V.m. &sect;&sect;&nbsp;195&nbsp;ff. des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs (BGB) verj&auml;hrt. Denn die Verj&auml;hrung beginne erst zum Zeitpunkt der Aufrechnungserkl&auml;rung. Die Entscheidungsgr&uuml;nde sind in Deutsches Steuerrecht\/Entscheidungsdienst 2014, 1000 ver&ouml;ffentlicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit seiner Revision macht das FA geltend, f&uuml;r den Beginn der Verj&auml;hrung komme es analog &sect;&nbsp;146 InsO nicht auf die Aufrechnungserkl&auml;rung, sondern bereits auf die insolvenzrechtliche Entstehung des Vorsteuerverg&uuml;tungsanspruchs an, da bereits dies die gl&auml;ubigerbenachteiligende Wirkung ausl&ouml;se. Damit sei der Zeitpunkt des Erbringens der Leistungen als vorl&auml;ufiger Insolvenzverwalter ma&szlig;geblich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dem stehe auch nicht das Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) vom 26.&nbsp;Januar 1983 VIII&nbsp;ZR&nbsp;254\/81 (BGHZ 86, 349) entgegen, da nach damaliger Rechtslage die Anfechtung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;41 der Konkursordnung nur innerhalb einer Jahresfrist nach Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens zul&auml;ssig gewesen sei. Nach derzeitiger Rechtslage bed&uuml;rfe es weder einer tats&auml;chlichen Anfechtung noch bestehe dieselbe zeitliche Beschr&auml;nkung wie nach der alten Rechtslage. Der BGH-Beschluss vom 22.&nbsp;September 2010 IX&nbsp;ZB&nbsp;195\/09 (Zeitschrift f&uuml;r Wirtschaftsrecht &#8211;ZIP&#8211; 2010, 2160) f&uuml;hre ebenfalls zu keinem anderen Ergebnis. Zwar habe der BGH hinsichtlich des Verg&uuml;tungsanspruchs des vorl&auml;ufigen Insolvenzverwalters eine Hemmung der Verj&auml;hrung bis zum Abschluss des er&ouml;ffneten Insolvenzverfahrens angenommen, dabei aber ma&szlig;geblich auf die Verg&uuml;tungsvorschriften der Rechtsanw&auml;lte bzw. Insolvenzverwalter abgestellt, die im Streitfall keine Rolle spielten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger tr&auml;gt vor, das FG sei zutreffend davon ausgegangen, dass die Verj&auml;hrung erst zum Zeitpunkt der Aufrechnungserkl&auml;rung des FA am 23.&nbsp;April 2010 beginne. Hierf&uuml;r spreche auch die Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) zur vorrangigen Verrechnung der Vorsteuerbetr&auml;ge gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;2 des Umsatzsteuergesetzes (UStG). Erst nach dieser Verrechnung k&ouml;nne der Insolvenzverwalter beurteilen, ob und in welcher H&ouml;he ein Vorsteuerguthaben entstanden sei. Im &Uuml;brigen k&ouml;nnten bei einem fr&uuml;heren Verj&auml;hrungsbeginn die Bearbeitungszeitr&auml;ume der Insolvenzgerichte dazu f&uuml;hren, dass die Verg&uuml;tung f&uuml;r den vorl&auml;ufigen Insolvenzverwalter erst nach Ablauf der Verj&auml;hrung festgesetzt bzw. ausgezahlt werde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision des FA ist unbegr&uuml;ndet und daher zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das Urteil entspricht dem Bundesrecht (&sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;1 FGO). Das FG hat zu Recht entschieden, dass die Aufrechnung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 InsO unzul&auml;ssig und keine Verj&auml;hrung des Anfechtungsanspruchs eingetreten ist. Damit war der Abrechnungsbescheid gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;218 Abs.&nbsp;2 der Abgabenordnung entsprechend dem Tenor der Vorentscheidung zu &auml;ndern.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Beteiligten gehen zutreffend davon aus, dass die durch das FA erkl&auml;rte Aufrechnung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 InsO unzul&auml;ssig war. Das FA hat die M&ouml;glichkeit, mit den Umsatzsteuerverbindlichkeiten der Insolvenzschuldnerin aus den Jahren 2000 und 2005 gegen den Vorsteuerverg&uuml;tungsanspruch der Insolvenzschuldnerin aus dem ersten Quartal 2010 aufzurechnen, durch die Leistung des vorl&auml;ufigen Insolvenzverwalters erlangt. Diese Leistung ist auf Grundlage des Senatsurteils vom 2.&nbsp;November 2010 VII&nbsp;R&nbsp;6\/10 (BFHE 231, 488, BStBl II 2011, 374) als eine nach &sect;&nbsp;131 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 InsO anfechtbare Rechtshandlung zu qualifizieren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Anwendung des &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 InsO hat nach der Rechtsprechung des BGH (Urteile vom 28.&nbsp;September 2006 IX&nbsp;ZR&nbsp;136\/05, BGHZ 169, 158; vom 17.&nbsp;Juli 2008 IX&nbsp;ZR&nbsp;148\/07, ZIP 2008, 1593, jeweils m.w.N.), der sich der Senat anschlie&szlig;t, zur Folge, dass sich der Insolvenzverwalter unmittelbar auf die insolvenzrechtliche Unwirksamkeit der Aufrechnung berufen kann. Dies bedeutet, dass der Insolvenzverwalter bei Geltendmachung der Hauptforderung, d.h. im Streitfall des Vorsteuerverg&uuml;tungsanspruchs, den Aufrechnungseinwand des FA durch die Gegeneinrede des &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 InsO abwehren kann.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Entgegen der Auffassung des FA steht dem im Streitfall keine Verj&auml;hrung entgegen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>&sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 InsO f&uuml;hrt dazu, dass die Hauptforderung, die durch die Aufrechnung erloschen w&auml;re, f&uuml;r die Dauer und die Zwecke des Insolvenzverfahrens fortbesteht. Allerdings kann der Insolvenzverwalter diese insolvenzrechtliche Wirkung des &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 InsO nur innerhalb der Anfechtungsfrist des &sect;&nbsp;146 Abs.&nbsp;1 InsO durchsetzen; diese Frist ist auf die Hauptforderung entsprechend anwendbar und &uuml;berlagert deren allgemeine Verj&auml;hrungsfristen (vgl. BGH-Urteile in BGHZ 169, 158; in ZIP 2008, 1593). Die entsprechende Anwendung des &sect;&nbsp;146 Abs.&nbsp;1 InsO gilt auch dann, wenn die Aufrechnungserkl&auml;rung &#8211;wie im Streitfall&#8211; erst nach der Insolvenzer&ouml;ffnung abgegeben wird (a.A. Kahlert, ZIP 2014, 1749). Auch hier greift die Begr&uuml;ndung des BGH, der sich der Senat anschlie&szlig;t, insbesondere der Hinweis auf den Sinn und Zweck, dem Insolvenzverwalter durch den insolvenzrechtlichen Fortbestand der Hauptforderung ausreichend Zeit f&uuml;r die Pr&uuml;fung der Anfechtbarkeit zu gew&auml;hren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>&sect;&nbsp;146 Abs.&nbsp;1 InsO verweist auf die regelm&auml;&szlig;ige Verj&auml;hrung nach dem BGB, die gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;195 BGB drei Jahre betr&auml;gt und gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;199 Abs.&nbsp;1 BGB am Ende desjenigen Jahres beginnt, in dem der Anspruch entstanden ist und der Gl&auml;ubiger von den anspruchsbegr&uuml;ndenden Umst&auml;nden Kenntnis erlangt hat oder ohne grobe Fahrl&auml;ssigkeit h&auml;tte erlangen m&uuml;ssen. Da es im Rahmen des &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 InsO um den Fortbestand der Hauptforderung geht, kann es nicht schon auf den Zeitpunkt der anfechtbaren Rechtshandlung (Erbringung der Leistung als vorl&auml;ufiger Insolvenzverwalter) bzw. des Entstehens des Anfechtungsrechts im Jahr 2006 ankommen. Dies ergibt sich auch daraus, dass zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht absehbar war, wann s&auml;mtliche Voraussetzungen f&uuml;r einen Vorsteuerabzug erf&uuml;llt sein w&uuml;rden (vgl. hierzu BFH-Urteil vom 19.&nbsp;Juni 2013 XI&nbsp;R&nbsp;41\/10, BFHE 242, 258, BStBl II 2014, 738) und ob bzw. in welcher H&ouml;he im Anschluss an die vorrangige Verrechnung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;2 UStG (vgl. BFH-Urteil vom 25.&nbsp;Juli 2012 VII&nbsp;R&nbsp;44\/10, BFHE 238, 302, BStBl II 2013, 33) tats&auml;chlich ein Vorsteuerverg&uuml;tungsanspruch entstehen w&uuml;rde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Verj&auml;hrungsfrist beginnt vielmehr fr&uuml;hestens mit dem Ablauf desjenigen Jahrs, in dem die Hauptforderung entstanden ist, die durch die Aufrechnung erloschen w&auml;re (BGH-Urteil in ZIP 2008, 1593), d.h. im Streitfall mit dem Ablauf desjenigen Jahrs, in dem der Vorsteuerverg&uuml;tungsanspruch entstanden ist. Dabei ist nicht auf die insolvenzrechtliche Begr&uuml;ndung dieses Anspruchs abzustellen, sondern auf die steuerrechtliche Entstehung zum Ablauf des ersten Quartals 2010. Anderenfalls k&ouml;nnte die Hauptforderung bereits vor ihrer tats&auml;chlichen Entstehung verj&auml;hren, was dem Sinn und Zweck des &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 InsO widerspr&auml;che.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Unter Ber&uuml;cksichtigung dieser Grunds&auml;tze kann sich das FA gegen&uuml;ber dem Einwand des &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 InsO nicht auf Verj&auml;hrung berufen. Jedenfalls mit Einreichung der Klage im Januar 2013 und damit innerhalb der dreij&auml;hrigen Frist des &sect;&nbsp;146 Abs.&nbsp;1 InsO i.V.m. &sect;&nbsp;195&nbsp;ff. BGB ist die Hauptforderung gerichtlich geltend gemacht worden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Aufgrund dieses Ergebnisses kann im Streitfall dahingestellt bleiben, ob die Verj&auml;hrungsfrist tats&auml;chlich bereits mit Ablauf desjenigen Jahrs beginnt, in dem der Vorsteuerverg&uuml;tungsanspruch entstanden ist, oder &#8211;wie vom FG angenommen&#8211; erst mit Ablauf desjenigen Jahrs, in dem nachfolgend die Aufrechnung erkl&auml;rt wird (BGH-Urteil in BGHZ 86, 349 zur alten Rechtslage nach der Konkursordnung; Waza\/Uhl&auml;nder\/Schmittmann, Insolvenzen und Steuern, 10.&nbsp;Aufl. 2014, Rz&nbsp;860; vgl. auch Brandes\/Lohmann in M&uuml;nchener Kommentar, InsO, 3.&nbsp;Aufl. 2013, &sect;&nbsp;96 Rz&nbsp;39). In beiden F&auml;llen beg&auml;nne die Verj&auml;hrungsfrist mit Ablauf des Jahres 2010.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ebenso kann offen bleiben, ob die vom BGH geforderte &quot;gerichtliche&quot; Geltendmachung der Hauptforderung im Fall eines steuerlichen Anspruchs in dem Antrag auf Erlass eines Abrechnungsbescheids zu sehen ist und ob die Verj&auml;hrung unter Ber&uuml;cksichtigung der Grunds&auml;tze im BGH-Beschluss in ZIP 2010, 2160, 2164 gehemmt war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Schlie&szlig;lich er&uuml;brigt sich auch eine Pr&uuml;fung, ob die vom FA erkl&auml;rte Aufrechnung nach &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 InsO unzul&auml;ssig war. Aufgrund ihrer unterschiedlichen Ankn&uuml;pfungspunkte schlie&szlig;en sich &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 und&nbsp;3 InsO nicht gegenseitig aus.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 5.5.2015, VII R 37\/13 Verj&auml;hrung des insolvenzrechtlichen Aufrechnungsverbots des &sect; 96 Abs. 1 Nr. 3 InsO Leits&auml;tze Hinsichtlich des Vorsteuerverg&uuml;tungsanspruchs aus der T&auml;tigkeit des vorl&auml;ufigen Insolvenzverwalters hat das Finanzamt das insolvenzrechtliche Aufrechnungsverbot des &sect; 96 Abs. 1 Nr. 3 InsO zu beachten. Der Insolvenzverwalter kann dieses Aufrechnungsverbot analog &sect; 146 Abs. 1 &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-r-37-13-verjaehrung-des-insolvenzrechtlichen-aufrechnungsverbots-des-par-96-abs-1-nr-3-inso\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VII&nbsp;R&nbsp;37\/13 &#8211; Verj&auml;hrung des insolvenzrechtlichen Aufrechnungsverbots des &sect; 96 Abs. 1 Nr. 3 InsO<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-64903","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64903","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=64903"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64903\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=64903"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=64903"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=64903"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}