{"id":64913,"date":"2015-09-03T17:10:53","date_gmt":"2015-09-03T15:10:53","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=64913"},"modified":"2015-09-03T17:10:53","modified_gmt":"2015-09-03T15:10:53","slug":"xi-b-29-15-begruendete-nichtzulassungsbeschwerde-anforderungen-an-die-urteilsbegruendung-bei-vom-fg-angenommenen-organisationsverschulden-absehen-von-einer-durch-beweisbeschluss-angeordneten-beweisauf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/xi-b-29-15-begruendete-nichtzulassungsbeschwerde-anforderungen-an-die-urteilsbegruendung-bei-vom-fg-angenommenen-organisationsverschulden-absehen-von-einer-durch-beweisbeschluss-angeordneten-beweisauf\/","title":{"rendered":"XI&nbsp;B&nbsp;29\/15 &#8211; Begr&uuml;ndete Nichtzulassungsbeschwerde: Anforderungen an die Urteilsbegr&uuml;ndung bei vom FG angenommenen Organisationsverschulden &#8211; Absehen von einer durch Beweisbeschluss angeordneten Beweisaufnahme"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 11.5.2015, XI B 29\/15<\/p>\n<p class=\"titel\">Begr&uuml;ndete Nichtzulassungsbeschwerde: Anforderungen an die Urteilsbegr&uuml;ndung bei vom FG angenommenen Organisationsverschulden &#8211; Absehen von einer durch Beweisbeschluss angeordneten Beweisaufnahme<\/p>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Beschwerde der Kl&auml;gerin wegen Nichtzulassung der Revision wird das Urteil des Finanzgerichts Baden-W&uuml;rttemberg vom 18. Februar 2015&nbsp;&nbsp;12 K 23\/14 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Sache wird an das Finanzgericht Baden-W&uuml;rttemberg zur&uuml;ckverwiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Diesem wird die Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Beschwerdeverfahrens &uuml;bertragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin), eine GmbH, betreibt ein Unternehmen f&uuml;r Reinigungen jeglicher Art. Sie nahm in den Streitjahren (2007 und 2008) aus Rechnungen einer Firma D &uuml;ber K&uuml;chenreinigungsleistungen in einem Hotel in &#8230; den Vorsteuerabzug vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) versagte nach Durchf&uuml;hrung einer Au&szlig;enpr&uuml;fung bei der Kl&auml;gerin in den Umsatzsteuer-&Auml;nderungsbescheiden f&uuml;r die Streitjahre vom 17.&nbsp;August 2012 den Vorsteuerabzug mit der Begr&uuml;ndung, es sei zweifelhaft, ob D die abgerechneten Leistungen tats&auml;chlich erbracht habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Den Einspruch der Kl&auml;gerin, mit dem sie vorbrachte, D habe diese Leistungen tats&auml;chlich erbracht, wies das FA durch Einspruchsentscheidung vom 14.&nbsp;November 2013 als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ck. Die Einspruchsentscheidung wurde der Prozessbevollm&auml;chtigten der Kl&auml;gerin (P) an die damaligen Bevollm&auml;chtigten der Kl&auml;gerin, der &#8230; Steuerberatungsgesellschaft (R), per Einschreiben mit R&uuml;ckschein bekanntgegeben. Auf dem Auslieferungsvermerk ist best&auml;tigt, dass R die Einspruchsentscheidung am 15.&nbsp;November 2013 erhalten hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Einzelrichter, auf den der Senat den Rechtsstreit durch Beschluss vom 21.&nbsp;Januar 2015 &uuml;bertragen hatte, wies die am 17.&nbsp;Dezember 2013 erhobene Klage nach Vernehmung der Zeugin S ab. Das Finanzgericht (FG) f&uuml;hrte aus, die Klage sei unzul&auml;ssig, da sie offensichtlich erst nach Ablauf der Klagefrist (&sect;&nbsp;47 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;) erhoben worden sei. Die beantragte Wiedereinsetzung sei nicht zu gew&auml;hren, da sich das FG im Anschluss an die Beweisaufnahme nicht davon habe &uuml;berzeugen k&ouml;nnen, dass die Kl&auml;gerin die Klagefrist ohne Verschulden vers&auml;umt habe. Vielmehr spr&auml;chen die dem Gericht erkennbaren Umst&auml;nde &#8211;n&auml;mlich die (im Einzelnen wiedergegebenen) Aussagen der Zeugin, denen die Kl&auml;gerin nicht widersprochen habe&#8211; f&uuml;r ein (nicht n&auml;her bezeichnetes) Organisationsverschulden ihrer Bevollm&auml;chtigten. N&auml;here Angaben dazu, wie im Einzelnen gew&auml;hrleistet worden sei, dass S Post, deren Zugang einen Fristablauf ausl&ouml;sen k&ouml;nne, namentlich von P stets vor Fristablauf erhalte, verm&ouml;ge das Gericht in der Gesamtschau der Akten einerseits und den Angaben der Zeugin andererseits nicht zu erkennen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Beschwerde r&uuml;gt die Kl&auml;gerin Verfahrensfehler i.S. des &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist begr&uuml;ndet; sie f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Zur&uuml;ckverweisung des Rechtsstreits an das FG zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung (&sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;6 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Entscheidung des FG ist, soweit es die beantragte Wiedereinsetzung abgelehnt hat, nicht mit Gr&uuml;nden versehen (dazu 2.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>&Uuml;berdies hat das FG verfahrensfehlerhaft zwei weitere geladene, aber nicht erschienene Zeugen nicht vernommen, obwohl es den zuvor erlassenen Beweisbeschluss weder aufgehoben noch sonst unmissverst&auml;ndlich zu erkennen gegeben hat, dass es diese beiden Zeugen nicht mehr h&ouml;ren werde (dazu 3.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Vorentscheidung ist nicht bereits deshalb wegen eines Verfahrensfehlers aufzuheben, weil das FG (Vollsenat) im Gerichtsbescheid vom 7.&nbsp;Januar 2015 der Kl&auml;gerin Wiedereinsetzung gew&auml;hrt hatte; denn dieser Gerichtsbescheid ist durch den Antrag der Kl&auml;gerin vom 14.&nbsp;Januar 2015 gegenstandslos geworden. Der Einzelrichter war deshalb an die vom Vollsenat zun&auml;chst im Gerichtsbescheid gew&auml;hrte Wiedereinsetzung nicht gebunden (vgl. Brandis in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect;&nbsp;56 FGO Rz&nbsp;28; S&ouml;hn in H&uuml;bschmann\/Hepp\/ Spitaler &#8211;HHSp&#8211;, &sect;&nbsp;56 FGO Rz&nbsp;632).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Soweit die Kl&auml;gerin mit der Beschwerde vorbringt, das FG habe nicht hinreichend begr&uuml;ndet, worin es ein Organisationsverschulden der P sehe, das f&uuml;r die Fristvers&auml;umnis kausal sei, und das FG habe ihren Vortrag zur &Uuml;bergabe des Schreibens an S &uuml;berhaupt nicht ber&uuml;cksichtigt, r&uuml;gt sie sinngem&auml;&szlig; und zutreffend das Fehlen von Entscheidungsgr&uuml;nden i.S. des &sect;&nbsp;119 Nr.&nbsp;6 FGO und damit eine Verletzung der in &sect;&nbsp;105 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;5 FGO niedergelegten Pflicht des Gerichts, sein Urteil mit Gr&uuml;nden zu versehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;119 Nr.&nbsp;6 FGO ist ein Urteil stets als auf der Verletzung von Bundesrecht beruhend anzusehen, wenn die Entscheidung nicht mit Gr&uuml;nden versehen ist. Es reicht hierf&uuml;r aus, wenn die Gr&uuml;nde nur zum Teil fehlen und das Gericht ein selbst&auml;ndiges Angriffs- oder Verteidigungsmittel, das f&uuml;r sich allein den vollst&auml;ndigen Tatbestand einer mit selbst&auml;ndiger Wirkung ausgestatteten Rechtsnorm bildet, &uuml;bergangen hat (vgl. z.B. Beschl&uuml;sse des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 1.&nbsp;April 2003 X&nbsp;B&nbsp;105\/02, BFH\/NV 2003, 1193, unter II.2., m.w.N.; vom 23.&nbsp;September 2009 IX&nbsp;B&nbsp;52\/09, BFH\/NV 2010, 220, unter 1.a; Lange in HHSp, &sect;&nbsp;119 FGO Rz&nbsp;359&nbsp;ff.). Ein Versto&szlig; gegen das Begr&uuml;ndungsgebot liegt jedoch auch dann vor, wenn das Gericht einen wesentlichen Streitpunkt entweder &uuml;berhaupt nicht er&ouml;rtert oder mit formelhaften und inhaltlich nicht nachvollziehbaren Formulierungen abhandelt (BFH-Beschl&uuml;sse vom 1.&nbsp;August 2002 I&nbsp;B&nbsp;162\/01, BFH\/NV 2003, 172; vom 21.&nbsp;April 2004 IX&nbsp;B&nbsp;155\/03, juris; vom 1.&nbsp;Februar 2012 VI&nbsp;B&nbsp;71\/11, BFH\/NV 2012, 767, Rz&nbsp;14; vom 5.&nbsp;Dezember 2013 XI&nbsp;B&nbsp;17\/13, BFH\/NV 2014, 548). Nicht ausreichend ist hingegen, dass die Urteilsbegr&uuml;ndung nicht den Erwartungen eines Beteiligten entspricht, l&uuml;ckenhaft, rechtsfehlerhaft oder nicht &uuml;berzeugend ist (vgl. z.B. BFH-Beschluss vom 11.&nbsp;Juli 2012 X&nbsp;B&nbsp;41\/11, BFH\/NV 2012, 1634, m.w.N.). Die Abgrenzung zwischen erheblichen und nicht wesentlichen Begr&uuml;ndungsm&auml;ngeln hat sich am Zweck der Urteilsbegr&uuml;ndung zu orientieren, der darin besteht, f&uuml;r den Ausspruch der Urteilsformel den Nachweis der Rechtm&auml;&szlig;igkeit zu liefern (BFH-Urteil vom 17.&nbsp;April 2002 X&nbsp;R&nbsp;8\/00, BFHE 199, 124, BStBl II 2002, 527, und BFH-Beschluss vom 10.&nbsp;November 2011 X&nbsp;B&nbsp;211\/10, BFH\/NV 2012, 426). Vom Vorliegen eines Verfahrensmangels i.S. des &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 FGO ist danach dann auszugehen, wenn den Beteiligten &#8211;zumindest in Bezug auf einen der wesentlichen Streitpunkte&#8211; die M&ouml;glichkeit entzogen ist, die getroffene Entscheidung auf ihre Rechtm&auml;&szlig;igkeit hin zu &uuml;berpr&uuml;fen (vgl. BFH-Beschluss vom 11.&nbsp;Dezember 2013 XI&nbsp;B&nbsp;33\/13, BFH\/NV 2014, 714).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Gemessen daran ist das Urteil, soweit das FG die Wiedereinsetzung versagt hat, nicht mit Gr&uuml;nden versehen. Das FG hat ein sog. Organisationsverschulden der P in ihrer Kanzlei lediglich behauptet, ohne dass dies anhand der vom FG getroffenen Feststellungen nachvollziehbar w&auml;re.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Das Urteil enth&auml;lt bereits keine tats&auml;chlichen Feststellungen dazu, wann der Antrag auf Wiedereinsetzung gestellt wurde, wie die Kl&auml;gerin die Fristvers&auml;umnis entschuldigt hat und wie die Einspruchsentscheidung von R &uuml;ber P zu S gelangt ist. Insbesondere hat sich das FG in seinem Urteil nicht mit dem Vorbringen der Kl&auml;gerin und der anwaltlichen Versicherung der P im Schriftsatz vom 23.&nbsp;Dezember 2013 auseinandergesetzt, wie dies erfolgt sein soll. Auch hat S nach dem Inhalt der Niederschrift vom 18.&nbsp;Februar 2015 in ihrer Vernehmung vor dem Einzelrichter angegeben, sie gehe davon aus, dass ihr die Einspruchsentscheidung &#8211;wie &uuml;blich&#8211; mit der Tagespost schon einmal vorgelegt worden sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Es ist nicht ersichtlich, aus welchen Gr&uuml;nden das FG den Vortrag f&uuml;r unerheblich, die Angaben der P und der S f&uuml;r nicht glaubhaft oder durch andere Umst&auml;nde widerlegt angesehen hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Zwar ist dem FG abstrakt darin beizupflichten, dass ein Organisationsverschulden in der Kanzlei der P dazu f&uuml;hren k&ouml;nnte, dass eine Fristvers&auml;umnis schuldhaft sein kann. Das Urteil des FG enth&auml;lt jedoch allenfalls bruchst&uuml;ckhafte Feststellungen dazu, wie die Organisation in der Kanzlei der P &uuml;berhaupt ausgestaltet ist, so dass offen bleibt, aufgrund welcher Tatsachen das FG davon ausgeht, es liege im Rahmen der (nicht tats&auml;chlich festgestellten) Organisation ein Verschulden vor. Zu solchen Feststellungen h&auml;tte schon deshalb Anlass bestanden, weil das FG im Gerichtsbescheid vom 7.&nbsp;Januar 2015 noch u.a. aus der Verwendung des Fachprogramms der &#8230; geschlossen hatte, dass P die &Uuml;berwachung der Fristen mit der gebotenen Sorgfalt eingerichtet und fortlaufend &uuml;berwacht habe sowie der fachkundigen S, die u.a. wisse, dass bei Einspruchsentscheidungen die Klagefrist in einem Fristenkontrollbuch festzuhalten seien, nur ein einmaliges Versehen unterlaufen sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Weder die eine noch die andere Aussage des FG wird bisher durch tats&auml;chliche Feststellungen getragen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Die Kl&auml;gerin hat auch &#8211;entgegen der Auffassung des FA&#8211; diesen Verfahrensmangel hinreichend i.S. des &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 FGO dargelegt. Insbesondere hat sich das FA nicht mit dem Einwand der Kl&auml;gerin befasst, das FG habe das Vorliegen eines Organisationsverschuldens nicht begr&uuml;ndet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Soweit das FA in diesem Zusammenhang geltend macht, es liege ein &quot;offensichtliches Organisationsverschulden&quot; vor, wird das FG im zweiten Rechtsgang beurteilen m&uuml;ssen, ob dies zutrifft.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Dar&uuml;ber hinaus ist dem FG ein weiterer Verfahrensfehler dadurch unterlaufen, dass es sein Urteil gef&auml;llt hat, ohne zuvor entweder Frau M und Herrn N, deren Vernehmung es unter dem 21.&nbsp;Januar 2015 f&ouml;rmlich beschlossen und die es zur m&uuml;ndlichen Verhandlung vom 18.&nbsp;Februar 2015 erfolglos geladen hatte, als Zeugen zu vernehmen oder die Beweisbeschl&uuml;sse vom 21.&nbsp;Januar 2015 aufzuheben oder den Beteiligten sonst unmissverst&auml;ndlich zu erkennen zu geben, dass es die Zeugen M und N nicht mehr h&ouml;ren werde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach der st&auml;ndigen Rechtsprechung des BFH entsteht durch einen f&ouml;rmlichen Beweisbeschluss eine Verfahrenslage, auf welche die Beteiligten ihre Prozessf&uuml;hrung einrichten d&uuml;rfen. Sie k&ouml;nnen grunds&auml;tzlich davon ausgehen, dass das Urteil nicht eher ergehen wird, bis der Beweisbeschluss vollst&auml;ndig ausgef&uuml;hrt ist. Zwar ist das Gericht nicht verpflichtet, eine angeordnete Beweisaufnahme in vollem Umfang durchzuf&uuml;hren. Will es jedoch von einer Beweisaufnahme absehen, muss es zur Vermeidung einer &Uuml;berraschungsentscheidung vor Erlass des Urteils f&uuml;r die Beteiligten unmissverst&auml;ndlich zum Ausdruck bringen, dass es den Beweisbeschluss als erledigt betrachtet (vgl. BFH-Beschl&uuml;sse vom 19.&nbsp;Dezember 2012 XI&nbsp;B&nbsp;84\/12, BFH\/NV 2013, 745; vom 2.&nbsp;August 2013 XI&nbsp;B&nbsp;97\/12, BFH\/NV 2013, 1791; vom 30.&nbsp;September 2013 XI&nbsp;B&nbsp;69\/13, BFH\/NV 2014, 166; vom 17.&nbsp;Oktober 2013 II&nbsp;B&nbsp;31\/13, BFH\/NV 2014, 68; vom 24.&nbsp;Juli 2014 V&nbsp;B&nbsp;1\/14, BFH\/NV 2014, 1763; vom 19.&nbsp;September 2014 IX&nbsp;B&nbsp;101\/13, BFH\/NV 2015, 214).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Hieran fehlt es im Streitfall. Das FG hat die Beteiligten nicht schriftlich darauf hingewiesen, dass es von der Vernehmung der Zeugen M und N trotz der Beweisbeschl&uuml;sse vom 21.&nbsp;Januar 2015 absehen werde. Auch enth&auml;lt die Niederschrift &uuml;ber die m&uuml;ndliche Verhandlung vom 18.&nbsp;Februar 2015 keinen entsprechenden Hinweis, obwohl die Kl&auml;gerin in der m&uuml;ndlichen Verhandlung nochmals die Vernehmung der Zeugen beantragt hatte. Da ein m&uuml;ndlich erteilter Hinweis als wesentlicher Vorgang der Verhandlung in das Protokoll aufzunehmen (&sect;&nbsp;94 FGO i.V.m. &sect;&nbsp;160 Abs.&nbsp;2 der Zivilprozessordnung &#8211;ZPO&#8211;) gewesen w&auml;re, erbringt das Sitzungsprotokoll insofern auch den negativen Beweis (&sect;&nbsp;94 FGO i.V.m. &sect;&nbsp;165 ZPO), dass der Hinweis unterblieben ist (vgl. BFH-Beschluss in BFH\/NV 2015, 214, Rz&nbsp;10, 12).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Aufgrund dieser Verfahrensfehler erscheint es sachgerecht, gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;6 FGO das angefochtene Urteil aufzuheben und die Sache zur erneuten Verhandlung und Entscheidung an das FG zur&uuml;ckzuverweisen, da beim derzeitigen Verfahrensstand von einer Revisionsentscheidung keine weitere rechtliche Kl&auml;rung zu erwarten ist (vgl. dazu z.B. BFH-Beschl&uuml;sse vom 7.&nbsp;September 2011 V&nbsp;B&nbsp;54\/11, BFH\/NV 2011, 2091; vom 10.&nbsp;Februar 2015 V&nbsp;B&nbsp;87\/14, BFH\/NV 2015, 662, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Der Senat sieht von einer weiteren Begr&uuml;ndung ab (&sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 Halbsatz&nbsp;2 FGO). Diese Vorschrift gilt auch f&uuml;r Beschl&uuml;sse i.S. des &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;6 FGO (vgl. BFH-Beschluss vom 28.&nbsp;August 2014 X&nbsp;B&nbsp;182\/13, BFH\/NV 2014, 1899, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>6. Die &Uuml;bertragung der Kostenentscheidung auf das FG folgt aus &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 11.5.2015, XI B 29\/15 Begr&uuml;ndete Nichtzulassungsbeschwerde: Anforderungen an die Urteilsbegr&uuml;ndung bei vom FG angenommenen Organisationsverschulden &#8211; Absehen von einer durch Beweisbeschluss angeordneten Beweisaufnahme Tenor Auf die Beschwerde der Kl&auml;gerin wegen Nichtzulassung der Revision wird das Urteil des Finanzgerichts Baden-W&uuml;rttemberg vom 18. Februar 2015&nbsp;&nbsp;12 K 23\/14 aufgehoben. Die Sache wird an das Finanzgericht &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/xi-b-29-15-begruendete-nichtzulassungsbeschwerde-anforderungen-an-die-urteilsbegruendung-bei-vom-fg-angenommenen-organisationsverschulden-absehen-von-einer-durch-beweisbeschluss-angeordneten-beweisauf\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">XI&nbsp;B&nbsp;29\/15 &#8211; Begr&uuml;ndete Nichtzulassungsbeschwerde: Anforderungen an die Urteilsbegr&uuml;ndung bei vom FG angenommenen Organisationsverschulden &#8211; Absehen von einer durch Beweisbeschluss angeordneten Beweisaufnahme<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-64913","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64913","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=64913"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64913\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=64913"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=64913"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=64913"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}